Neue Schafe braucht das Land

Ja. Alte Spruchkamelle. Wenn man es genau nimmt. Aber es sind keine Männer, sondern Schafe. Und sie sind neu. Gestern fräste der Nachbar mit Traktor und Mäher rundherum um die Wiese einen Streifen Gras – ich vermute, um die Schafe dazu zu verleiten, in der Wiesenmitte mit ihrer Rasenpflege zu beginnen –, und nach langen, öden Monaten einer nackten, unbelebten Wiese sind sie wieder da: Schafe, ganz neu, denn wir kennen sie noch nicht und sie kennen uns auch noch nicht, aber das werden wir mit getrocknetem Brot peu à peu ändern. Wie jedes Mal.

Problem für Frau Haitel: Ich weiß nicht, welche Schafe fressenden und giftigen Pflanzen sie hinterm Haus anpflanzen möchte, aber aus ihrer Planung entfällt alles außer wilder Quitte und Johannisbeeren. Sagt die Nachbarin.

Auch Erinnerungen

Tiny Stricker kenne ich eigentlich sehr lange. Als ich in den Achtzigern des vorigen Jahrhunderts – wow, hört sich gut an! – für den Maro-Verlag Texte abtippte, waren auch Werke von ihm dabei. Damals schon lieferte er handgeschriebene Manuskripte ab, und noch heute benutzt er zum Schreiben neuer Werke keinen Computer, sondern einen Kugelschreiber. Welches die ersten Bücher von ihm waren, die ich abtippte, weiß ich nicht mehr. »Soultime« und »Spaghetti Junction« gehörten vielleicht dazu. Vielleicht auch »Trip Generation«, das Maro 2014 neu auflegte. Es spielt auch keine Rolle.

Irgendwann hatte ich Gelegenheit, das erste Buch von ihm im eigenen Verlag zu veröffentlichen: »Vom Gehen in griechischen Städten«. Das Werk erschien zunächst in der längst eingestellten Reihe »ErlebnisWelten« und später dann in einer Neuausgabe als Band 5 der Werkausgabe. Wie wir auf die Idee kamen, weiß ich auch nicht mehr. Es ergab sich so, diskutiert während eines Treffens in einem Münchner Restaurant.

»U-Bahn-Reiter« ist das zweite Buch, dessen Erscheinen wir nicht mehr mit einem Treffen feiern können; schon beim »Spieler im Park«, das im Mai 2019 erschien, war ich mit meinem Verlag nicht mehr in Bayern, sondern hier, in der Nähe von Husum in Nordfriesland, weit weg von den Bergen, die er liebt und die ich nicht (mehr) mag. Und ob wir jemals noch Gelegenheit zu einem persönlichen Treffen haben werden, steht in den Sternen. Immerhin ist sicher, dass die Werkausgabe peu à peu vervollständig werden wird. Die noch fehlenden Bände 1 bis 4 und der Band 6 – den mir weiland Maro vor der Nase wegschnappte – erscheinen nach meiner Planung 2021, Band 6 vermutlich erst 2022. Das mündliche Okay von Benno Käsmayr liegt vor; einer der besten und genialsten Kleinverleger Deutschlands unterstützt das Werkausgabenprojekt.

Keine Etikettenfrage

Es stand außer Zweifel, dass ich dieses Buch veröffentlichen würde. Nicht nur, weil es von Gabriele Behrend verfasst wurde. Aber auch deshalb, natürlich. Nein, der Hauptgrund war die Geschichte, eine sehr außergewöhnliche Geschichte, die viel mit Menschen und ihrer vielfältigen Psyche zu tun hat, die auch ein eindeutiges Science-Fiction-Element nicht nur enthält, sondern quasi als Treibmittel verwendet: die Technik, die unterschiedlichen charakterlichen Aspekte eines Menschen eindeutig zu definieren und zu unterschiedlichen Gruppen zusammenzufassen, um dem Menschen an sich die Möglichkeit zu geben, sich und sein Verhalten in den unterschiedlichsten Lebenssituationen optimal zu kontrollieren und zu gestalten. Diese Technik ist Science-Fiction, ganz eindeutig, und sie ist sogar mindestens zwei oder drei einschlägigen SF-Filmen angelehnt – nein, nicht geklaut, nicht abkopiert, aber es gibt Ähnlichkeiten, die unübersehbar sind. Das Produkt, das diese Technik erzeugt, ist jedoch neu. Gabriele Behrends Geschichte ist SF.

Das Problem für mich war das Label. Was heute auf dem SF-Rezensionssektor abgeht, verträgt eine Kuh nicht mal mehr als simples Leder. Bücher werden nicht mehr als Werk an sich gesehen, sondern zerlegt und dann häppchenweise durch den Schredder gedrückt, bis am Ende nur noch ein Matschfazit übrig bleibt. »Salzgras & Lavendel« war mir zu schade, um als Opfer von klischeeorientierten SF-Pseudofachleuten zu enden, und so war für mich früh klar, dass das Label nur meine Reihe »Außer der Reihe« sein konnte. Hier bekommt ein SF-Buch die Chance, auch von Leuten gelesen zu werden, die sich dank der Politik großer Verlage und der Kritik kleiner Geister vom Begriff »Science-Fiction« eher abgestoßen fühlen, weil sie inzwischen schon gar nicht mehr wissen, dass SF auch anderes umfasst, als Schlachten, Raumschiffe, Aliens, Thrill und Action. Wer freilich meint, dass Letzteres SF ausmacht, der sollte von diesem Buch die Finger lassen; es bestünde die Gefahr, neue Erkenntnisse über SF und Vorurteile zu gewinnen.

Widerstand ist zwecklos

Es gibt scheinbar keinen Zusammenhang zwischen diesem Werbeslogan für Sheba-Katzenfutter und den Bilderbüchern von Gabriele Behrend, die ich verlege. Oder vielleicht doch. Auch bei Gabis Büchern ist irgendwie jeder Widerstand zwecklos. Jedenfalls bei den Bilderbüchern.
Die Zielgruppe ist irgendwie unklar. Die Inhalte laufen nicht immer rund, wenn man dem einen oder anderen Kritiker glaubt (aber er glaubt denen schon?). Irgendeinen Meckerpunkt findet irgendjemand immer. Das liegt daran, dass dieser Irgendjemand Gabi nicht kennt.
Ich kenne sie hinreichend gut, um nicht nur ihre SF-Geschichten zu veröffentlichen, sondern eben auch diese Bilderbücher. Ich finde sie knuffig, die Texte nudelig, sie in die Hand zu nehmen, hat etwas Nettes, Samtiges, etwas Anrührendes. Es mag sein, dass die Bilderbücher nur vermeintlich auch Kinderbücher sind. Vielleicht sind sie es wirklich nicht. Aber das erscheint mir irgendwie … unerheblich.

Ich bin Kleinverleger. Ich kann es mir leisten, Dinge zu tun, die ich tun möchte. Ich kann es mir leisten, Bücher zu veröffentlichen, weil sie mir gefallen. Wenn anderen Menschen solche Bücher nicht gefallen, sollten diese Menschen sich vielleicht mal Gedanken machen, warum ihnen so viele Dinge nicht gefallen – und warum es so wenige Dinge gibt, die sie mögen. Einfach so.
Ich jedenfalls weiß, was ich mag. Gabis Bücher zum Beispiel.

Kontroversi

Bislang hatte p.machinery nur einen Skandaltitel vorzuweisen. Nein, eigentlich zwei, wenn man das Titelbild von NOVA 29 mitrechnet (siehe hier und ab hier [Edit 14.10.22: Link nicht mehr gültig]). Mit dem Skandaltitel ist »Inzucht und die denkbare Gesellschaft«, der als STORY CENTER 2010 im November 2010 erschienen ist – dank der Unterstützung von Armin Würfl und seiner Passauer Druckerei. Denn obwohl ich damals eigentlich Kunde und Partner von Books on Demand, Norderstedt, war, musste ich das Buch anderweitig drucken lassen, weil BoD die Produktion mit Hinweis auf den Inhalt des Buches ablehnte; wohlwissend, alleine nach dem Titel geurteilt zu haben, denn hätte man sich den Inhalt wirklich angesehen, hätte man festgestellt, dass die Storys allesamt frei von jeglicher Beanstandung – sieht man vielleicht von eventuellen qualitativen Gesichtspunkten ab – waren.

Nun hat p.machinery nachgelegt und den ersten Titel einer geplanten Reihe (Band 3 ist im Lektorat und Band 4 in Arbeit beim Schriftsteller, wie man hört) veröffentlicht, die es sprichwörtlich in sich hat. Entsprechend kontrovers sind auch erste Rezensionen ausgefallen, z. B. die von Judith Madera auf Literatopia. (Und auf die »Kritiken« im DSFP-Komitee gehe ich hier mal nicht ein, die sind ja nicht öffentlich.)
Auf die Literatopia-Kritik reagierte der Autor cool: »Natürlich wimmelt es in meiner Geschichte von Widersprüchlichkeiten – das fängt ja schon auf der Erzählebene an, wenn Adrian sich ständig selbst widerspricht. Natürlich sieht er zunächst überall nur Klischees, die aber sogleich wieder gebrochen werden. Menschen und Gesellschaften sind in sich widersprüchlich – genau das möchte ich mit diesem Buch bloßstellen. Welcher Standpunkt richtig oder falsch ist – oder ob die ›Wahrheit‹ eine ganz andere ist –, möge sich jeder selbst überlegen.«
Immerhin gibt es auch andere Reaktionen auf das Buch, das trotz seines Inhalts wohl keine Altersfreigabe nach FSK benötigt oder gar Gefahr läuft, auf dem Index zu landen (da finden sich heute an jedem Kiosk und für alle Altersgruppen zugänglich »schärfere« Objekte). Carsten Kuhr zum Beispiel hat sich auf Phantastik News deutlich positiver geäußert.

Ärgerlich für mich ist, dass hier nach »Land unter« von Dieter Rieken einmal mehr ein Titel auseinandergenommen wird, statt als Werk betrachtet zu werden. Natürlich gibt es in jedem Buch Aspekte, die man negativ kritisieren kann, aber im Fazit sollte auch aufscheinen, dass man das Gesamtkunstwerk als solches wenigstens erkannt hat.
Andererseits kann es mir auch gleichgültig sein. Ich habe ein Buch verlegt, das mir angeboten wurde und das mir gefallen hat. Natürlich könnte man argumentieren, dass ein mangelhafter Bucherfolg ein Problem – mein Problem – ist (und natürlich das des Autors). Andererseits sehe ich das Problem eher bei den Lesern, die keine sind und keine werden, weil sie sich von einer Kritik beeindrucken lassen, die um der Kritik willen verfasst wurde. Wie so oft in diesen Tagen. Vielleicht ist ausgerechnet Dieter Riekens »Land unter« schon vom Titel her bezeichnend für das, was in der deutschen SF-Leser-Szene heutzutage vor sich geht. Oder auch nicht geht.

Genug gemeckert. Lest das Buch und macht euch selbst ein Bild. Oder lasst es bleiben.

P.S.: Für die Freunde züchtigerer Abbildungen auf einem Buchtitel sowie für die Sittenwächter bei Facebook gibt es auch noch eine … nein, sogar zwei »heruntergefahrene« Versionen:

Gleichberechtigung, dem Genderdeutsch geopfert

»Geschlechtergerechte Sprache schadet dem Kampf der Frauen nach Gleichberechtigung.« Das sagt Walter Krämer, Vorsitzender des VDS. Die deutsche Sprache wird sexualisiert, was bislang dank der allgemein gültigen Ansicht, Ausdrücke wie »der Kunde«, »der Bürger« und »der Mensch« würden alle Geschlechter – Männer, Frauen und alle weiteren – bezeichnen. Krämer: »Dieser Vorzug des Deutschen wird auf dem Altar des Genderunfugs geopfert.« Er findet das »Genderdeutsch« »extrem hässlich« – und hat völlig recht damit. Das in der deutschen Grammatik nicht existierende Gendersternchen verdirbt das Bild der Wörter ebenso wie Schrägstriche, Unterstriche, Klammern und anderen Blödsinn.

Es steht außer Frage, dass eine veränderte Sprache die Diskriminierung der Frau nicht beseitigen kann; das gilt im Übrigen gleichermaßen für alle anderen diskriminierten Teile der Menschheit: Indianer, Farbige, Latinos, Juden, Lesben und Schwule. Noch einmal Walter Krämer: »Gleichberechtigung der Frauen erreicht man durch gleichen Lohn für gleiche Arbeit und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.« Und für alle anderen diskriminierten Teile der Menschheit finden sich auch Lösungen, die über sinnlose und kontraproduktive Sprachverderbnis hinausgehen.

Quelle: VDS-Infobrief 02.10.2020, und des Weiteren: deutsch.rt.com.

Einheit

Die deutsche Einheit ist 30 geworden. Heute.

Interessanterweise verbinde ich mit dem 3. Oktober 1990 praktisch kaum Erinnerungen. Es war ein juristischer Vorgang, die Zusammenführung zweier Staaten zu einem neuen Gebilde. Oder besser: die Vereinnahmung eines Staates durch einen anderen.
Die ganzen Probleme sind natürlich bekannt. Ossis vs. Wessis. Solidaritätsabgabe. Die Entwicklung von Löhnen und Renten. Die wirtschaftliche Lage im Osten. Ach, all die Dinge, die einen zweifeln ließen und manchmal noch immer lassen, ob es eine Einheit wirklich gibt, jemals geben wird.

Es wird sie vermutlich nicht so geben, wie sich das Politiker und Journalisten vorstellen und mit ihrem Gerede von »blühenden Landschaften« den Menschen unsinnige Flausen in den Kopf setzen, von Vorstellungen, die sich so niemals realisieren lassen. Es gab schon im Westen keine Einheit, und es wird sie auch im vereinten Deutschland nicht geben. Denn die Menschen sind unterschiedlich. Die Gegenden sind unterschiedlich. Alles ist unterschiedlich.
Ich denke an Murnau zurück. Westried, der Ortsteil, in dem ich lebte, der »Seniorensumpf« Moosrain, in dem nur alte Leute zu leben schienen, und der Nachbarort Grafenaschau, das »Neureichengetto« – drei Örtlichkeiten, die sich grundsätzlich voneinander unterschieden und wohl immer noch unterscheiden. Je nachdem, welchen Aspekt man ins Auge fasst.
Und so ist es doch überall. München, Nürnberg, Düsseldorf, Hamburg, Berlin – alles nicht vergleichbar. Bayern, Saarland, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen – nicht vergleichbar. Und das nicht, weil die Versprechungen von Politikern und Journalisten nicht eingetroffen sind – sondern weil sie von vornherein unsinnig waren, sind und immer sein werden.

Für mich ist die Einheit vor allem eines: Ich kann nach Wismar fahren, in eine Stadt, die ich sehr mag, ich kann mit Bewohnern von Leipzig und Dresden nicht nur kommunizieren, ich kann sie auch besuchen. Es gibt immer noch unterschiedliche Dialekte, aber eine Vereinigung der beiden deutschen Teile hat niemals zum Ziel gehabt, ostdeutsche Dialekte zu zerstören oder auszutauschen. Für mich ist die Einheit Freizügigkeit, ein Teil der Freizügigkeit, die ich auch in den Staaten genieße, die dem Schengener Abkommen beigetreten sind.
Ich erinnere mich an die Wochen nach der Grenzöffnung – und das sind die intensiveren Erinnerungen –, an das Wochenende, als ich mit meiner damaligen Lebensgefährtin – die ihren Vater für einen Nazi hielt, selbst aber von den neuen Ländern als »Dunkeldeutschland« sprach; der Apfel und der Stamm … – nach Berlin fuhr, nach Ostberlin; ich erinnere mich an die Autobahnbaustelle – die Ostautobahnen waren sofort nach der Grenzöffnung durchgehend Baustelle –, in der ein tschechischer Omnibus beide Spuren blockierte, während er Richtung Berlin zockelte, zwei hinterher fahrende Pkws auf der Stoßstange, Lichthupe und Hupe ignorierend,; ich erinnere mich an die vierspurigen Kreuzungen in Ostberlin, die zwanzig, dreißig Meter hinter den Ampelanlagen nur noch zweispurige Straßen waren, an die Straße in der Plattenbausiedlung, die plötzlich – ohne Absperrung, Beschilderung, Beleuchtung – in einer riesigen Baugrube endete (und wir landeten nur deshalb nicht in derselben, weil es neblig war und ich nicht sehr schnell fuhr).
Ich erinnere mich an herzliche Ostberliner, die uns Kost und Logis fürs Wochenende boten. (Lustigerweise erinnere ich mich nicht, warum wir überhaupt in Ostberlin waren …)

Die europäischen Bemühungen einer europäischen Einheit leiden unter dem Schwachsinn, den Boris Johnson und seine Schergen angezettelt haben, der unter der unsäglichen Wortschöpfung »Brexit« bekannt ist. Sie leiden unter Viktor Orban und der polnischen Rechten. Es gibt Strömungen in manchen Ländern, die daran zweifeln lassen, dass es eine europäische Einheit jemals geben wird. Und doch – ich denke, es gibt sie schon, soweit sie möglich ist, und wenn Politiker und Journalisten aufhören, Unsinn über die Aspekte einer Einheit zu verbreiten, die sie für richtig halten, deren Richtigkeit aber unbewiesen ist und bleiben wird, dann wird sich die Erkenntnis der europäischen Einheit auch in den Köpfen der Menschen festsetzen.
Und wie auch immer separatistische Bestrebungen – Stichwort: Katalanien – in Europa aussehen: Deutschland wird Einheit bleiben. Es gibt keinen vernünftigen Grund, anderes anzunehmen. Sieht man vielleicht davon ab, dass unsere beiden Freistaaten anderes im Sinn haben könnten. Aber da stellt sich dann die Frage, was wir wirklich verlören …

Sprachschmarrn

Heute morgen gab’s also wieder einen VDS-Infobrief. Heute wurde über ein Plakat am Hauptbahnhof der Stadt Hof gelästert – zu Recht. Da steht: »Fränkische Gemütlichkeit to go: Grüß Gott in der Wärschtlamänner«. Das ist nichts für Ortsfremde. Denn zum einen wird verheimlicht, wo man überhaupt ist – in Hof eben –, und zum anderen möchte wohl kaum jemand – nicht einmal von den Ortsansässigen – Gott in den »Wärschltamännern« grüßen. »Wärschtlamänner« sind Würstchenverkäufer mit Bauchladen, in Hof anzutreffen. Und dann »Gemütlichkeit to go«. Mit der Vermutung des VDS-Infobriefs, »Hof gibt sich traditionell dialektfreundlich, aber natürlich auf der Höhe der Zeit. Leider auf Kosten der deutschen Sprache« stimme ich nur teilweise überein. Ich glaube eher, dass das ein gemeinschaftliches Versagen von Ideengeber, Druckerei und dem das Plakat installierenden Personal ist. Ich hätte da auf jeden Fall schon mal lektoriert.
Quelle dazu: frankenpost.de.

Auch im Pott ist’s nicht besser: In Bochum wurde eine »Protected Bike Lane« geschaffen, um Rad- und Autofahrer sicherheitshalber voneinander zu trennen. »Protected Bike Lane«. Wirklich? Das schreit förmlich nach einer »definitely complete lobotomy«. Oder hat die längst stattgefunden?
Quelle dazu: bochum.de.


Edit 13.01.2024: Die Quelle auf bochum.de wurde inzwischen gelöscht. Besser so?

Chemie gegen Vorurteile

Ich hätte manchmal große Lust, Procter & Gamble (oder P&G, wie sie sich heute nennen) vor den Kadi zu zerren. Wegen Diskriminierung. Speziesismus, um genau zu sein. Da wurde schon so geworben (das war 2016):

Hundemief ade: Febreze Car bringt Wohlfühlduft in Ihr Auto!

Aktuell ist es der »Febreze 3volution Duftstecker«, für den geworben wird. Und immer geht es um Gerüche, die man selbst nicht (mehr) wahrnimmt, weil man »geruchsblind« ist, Dritte nehmen jedoch Gerüche war. Und immer wird unterstellt, dass Hunde dabei eine Rolle spielen. (Sinnigerweise sind es nie Katzen, deren Hinterlassenschaften im Katzenklo offensichtlich so gar keine olfaktorischen Erlebnisse bieten.)

Abgesehen davon, dass der Geruch eines gesunden Hundes maßgeblich von seiner Ernährung abhängig ist – wer Aldibillig, Lidlkostnix oder Pennyreichtauch verfüttert, kann einfach nicht mehr erwarten –, habe ich zwei wundervolle Geruchsbeispiele in meinem eigenen Haus. Und ich bin ganz sicher nicht »geruchsblind« – sieht man von den olfaktorischen Foltern meiner Gattin beim Abbrennen nicht zur Verbrennung gedachter Kräuter, getrockneter Tierteile und Chemikalien ab –, denn ich liebe es, meine Nase ins Fell meiner ungarischen Prinzessin Kim II. zu drücken und tief Luft zu holen. Wir hatten mal ein Angebot eingeholt, was es kosten würde, Kims Duft in ein Parfüm zu verwandeln; leider war das richtig, richtig teuer. Und selbst Naomi, die weniger wie ein Parfümfläschchen riecht, als vielmehr kernig, mit einem Hauch von Gras und einem Abgang frisch getrockneten Heus, ist ganz sicher kein Stinker.

Ja, klar, da kommt dann so ein Schlaumeier und labert was von »nassen Hunden, die aber doch stinken«. Siehe oben: Ernährung.

Auf jeden Fall sind die Werbekampagnen des Febreze-Herstellers indiskutabel und schlicht zu verurteilen. Zumal diese Produkte vermutlich pure Chemie sind. Und auch so stinken …

Blöhdermann

Jan Böhmermann propagiert in der NDR-Talkshow (der vom 25.09.2020), dass der Radfahrer die Gewalt, die sich im Straßenverkehr in ihm anstaut, am Auto auslassen muss. Tja. Und so was hat sechs Mal den Grimme-Preis bekommen. Was letztlich auch was über den Grimme-Preis aussagt.

[Ein Tipp für alle Autofahrer, die das auch toll finden: Böhmermann fährt angeblich ohne Helm, weil er als Radfahrer im Straßenverkehr gerne mit Würde sterben möchte, mit einer Würde, deren Existenz ich für eher zweifelhaft halte.]


Edit 29.09.2021: Inzwischen ist der Videoschnipsel aus der Mediathek verschwunden. Ein seltsames Mediathekenkonzept. Aber gut. Immerhin ist weder die ganze Sendung noch der Böhmermann-Splitter irgendwo zu finden – nicht mal bei Youtube.