Man gönnt sich ja sonst nichts

Das dachte möglicherweise auch Heribert Kurth, Autor des Buches »Unter den Sternen von Tha«, als AndroSF 105 in meiner p.machinery erschienen. Und was da gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für barrierefreies Lesen (dzblesen.de) im Großdruck und in Braille-Kurzschrift entstanden ist, ist in der deutschen Fantastik-Kleinverlagsszene ganz sicher etwas Außergewöhnliches.

Siehe auch: hier.

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Ein besonderes Angebot

Gemeinsam mit Aiki Mira wurde aus dem handsignierten Buch »Titans Kinder« (AndroSF 156) und einer schwarzen Stofftragetasche mit der Titelabbildung als Aufdruck ein auf 5 Exemplare limitiertes Päckchen zusammengestellt, das ab sofort zum Preis von EUR 21,90 incl. Versandkosten ausschließlich im Buchladen der p.machinery bestellbar ist. In diesem Buchladen auf booklooker.de kann man inzwischen übrigens auch als Gast, d. h. ohne Registrierung, bestellen.

Für ganz wache Austernfans

Aber nicht nur für die ist die neue Kollektion von Monika Niehaus geeignet, die ich in meiner p.machinery unter dem Titel »Austern im Halbschlaf« präsentieren darf. Die Nachfolgesammlung zu den »Geschichten aus Donnas Kaschemme« weist eine größere thematische Bandbreite auf, da die Handlungsorte weiter über das bekannte (und das unbekannte) Universum verteilt sind, und auch die Protagonisten sind andere. Wer also nicht nur mit den alten Bekannten in Donnas Kaschemme abhängen will, ist hier gut beraten.

Lustig übrigens auch die Einschätzung von Bookwire, meinem Partner, mit dem ich E-Books und Bücher für die PoD-Schiene (Internet und Barsortiment) abdecke. Bookwire hat neuerdings einen etwas merkwürdigen (vor allem auch, weil völlig intransparenten) Algorithmus, der E-Books beim Hochladen analysiert und einem dann mitteilt, dass man – im Falle der »Austern im Halbschlaf« – »97 % mehr Inhalte aus dem Bereich Erotik als der Durchschnitt« vorlegt und man deshalb Abhilfe dadurch schaffen sollte, dass man das Werk als »expliziten Inhalt« (eine recht dämliche Übersetzung des amerikanischen Begriffs aus der Nipplegate-Hysterikerszene) markieren und die Alterseinstufung heraufsetzen sollte. (Beide Schritte führen übrigens nicht dazu, dass die Meldungen verschwinden.) Bookwire hat sich auf Nachfrage dazu noch nicht geäußert (und dass sie es tun werden, ist auch nicht anzunehmen).

Sinnigerweise gab es schon immer E-Book-Shops, die bestimmte Bücher nicht ins Programm aufnahmen. Vorrangig wegen des Genres, wegen der Alterseinstufung – und nun wohl auch wegen solcher algorithmischen Erkenntnisse.

Bernd Schuhs heute Morgen vorgestelltes Buch »IRRE REAL« hat da noch viel mehr abbekommen. Weniger Erotik (nur 58 % mehr als der Durchschnitt), dafür aber zwei (!) Ausdrücke aus dem Bereich »Perversität und Abartigkeit«.

Wie auch immer. Monika Niehaus hat es mit Humor genommen, und auch ich habe letztlich eingesehen, dass es sinnvoller ist, mit dieser »Bewertung« Werbung zu machen, als sich darüber zu ärgern. Gegen die Shops, die das E-Book nicht haben wollen, kann man sowieso nichts unternehmen. Also: Ei drüber. Wer die »Austern im Halbschlaf« haben will, bekommt es so oder so – als E-Book und als Print, im Internet bei den üblichen Verdächtigen, im Buchhandel (sofern der Buchhändler nicht nur Libri kennt, die mit Kleinverlegern ja nichts mehr zu tun haben wollen) und natürlich bei der p.machinery und ihrem Buchladen.

Niehaus, Monika, Austern im Halbschlaf

Schwer verständlich

Nein, das bezieht sich nicht auf das Buch, um das es hier gleich noch geht. Schwer verständlich ist und bleibt es vielmehr, dass Thomas Le Blanc nicht in der Lage ist, seine Publikationen der Phantastischen Bibliothek in einer Form auf den Markt zu bringen, die deutlich erfolgversprechender sein dürfte, als das E-Mail-Bestellformular, in dem man die gewünschten Publikationen nicht mal über eine Dropdown-Auswahl auswählen kann. Nein, man muss alles – wirklich alles – von Hand eintragen, und dann …

Aber im Grunde kann es mir egal sein. Nicht nur das, eigentlich kann es mir sogar recht sein. Denn so kommen die Autoren mit ihren Kürzestgeschichten aus den »Phantastischen Miniaturen« zur mir, um Sammlungen zusammenstellen und mit ISBN und Bestellmöglichkeit im Internet und Buchhandel veröffentlichen zu lassen. Bernd Schuh mit seiner Sammlung »IRRE REAL« ist dabei nicht einmal der Letzte in der Riege, denn die nächsten Sammlungen stehen schon auf dem Plan. Aber zunächst gilt es, sich mit »49 seltsamen Begebenheiten« auseinanderzusetzen, die Bernd Schuh be- und geschrieben hat. Und wahrlich – wer es seltsam mag, ist hier nicht am falschen Platz.

Schuh, Bernd, IRRE REAL

Unverzichtbar

Marianne Labisch ist vielleicht nicht unverzichtbar in der p.machinery. Wer ist schon unverzichtbar auf dieser Welt. Aber sie kann in meinem Verlag nicht wegdiskutiert werden. Sie ist als Autorin aktiv und hat sich auch schon mit ihren ausgefallenen grafischen Werken zugeschlagen – so z. B. in Jörg Weigands »Entwirrungen« (Außer der Reihe 58). Als Herausgeberin hat sie auch schon brilliert. Und nicht vergessen darf man ihr Mitwirken im Team NOVA; dort sorgt sie gemeinsam mit Michael Iwoleit dafür, dass die Kurzgeschichten ordentlich in Form gebracht werden und die bekannte hohe Qualität NOVAs repräsentieren können.

Als Marianne mit der Idee vorstellig wurde, ob ich ihre Autobiografie veröffentlichen würde, gab es keine Frage zu beantworten. Auch die Tatsache, dass ein nicht unwichtiges Element ihrer Lebensgeschichte mit (Kindes-) Missbrauch zu tun haben hatte, hat mich nicht davon abgehalten, eine solche Veröffentlichung zu realisieren. Immerhin habe ich mit »Außer der Reihe« eine Reihe, in der ich grundsätzlich alle Themen jenseits von SF und Fantastik – dem eigentlichen Schwerpunkt der p.machinery – veröffentlichen kann, und kein ernsthafter Verleger sollte sich weigern, auch solch kontroverse Themen zu veröffentlichen.

Die Autobiografie ist kein lustiges Buch geworden, aber wenn man streckenweise ein wenig lustiges Leben führt, dann fällt auch die Autobiografie entsprechend aus. Letztlich hat Marianne die schlimmen Tage in ihrem Leben überstanden. Überlebt. Irgendwie, meint sie im Titel ihres Buches. Ich kann das nicht beurteilen, aber das, was ich von ihr weiß, lässt das Bild einer tollen Frau vor meinem inneren Auge entstehen, das Bild einer guten Autorin, einer einfallsreichen und kreativen Grafikerin und einer Herausgeberin mit wundervollen Ideen und einer bemerkenswerten Konsequenz. Am Ende ist sie dann doch ein bisschen unverzichtbar. Irgendwie.

Labisch, Marianne, ÜBERLEBEN, IRGENDWIE. Autobiografie

Franke zu Franke: Eine Art Nachruf

Thomas Franke, verfasst am Sonntag, 17.07.2022:

Gestern! Gestern endete das Leben meines Freundes Herbert W. Franke. Gut: er ist 95 Jahre geworden, allerdings ist ein solches hohes Alter für uns Hinterbliebene kein Grund dafür, seinen Tod weniger schmerzhaft zu empfinden.

Diese Freundschaft mit Herbert war eine besondere, eigenartig intensive, eine kreative. 1976 lernten wir einander persönlich während eines europäischen Science-Fiction-Cons im polnischen Poznań kennen. Noch in der DDR Malerei und Grafik studierend, allerdings schon im Osten wie im Westen Deutschlands als Grafiker phantastischer und surrealer Sujets bekannt, erhielt ich den Auftrag vom Verlag Neues Leben, seinen Roman »Ypsilon minus« zu illustrieren, weil die Verlagsleute wußten, daß ich im Gegensatz zu vielen Künschtelerkollegen und –kolleginnen den Mut aufbrachte, die Dystopie eines Schriftstellers aus dem Westen zu illustrieren. Gut: Ich schoß damals über die intellektuell gesetzten Grenzen hinaus, was mein Leben in diesem Land kompliziert werden ließ.

In Herberts Haus durfte ich mit meiner damaligen Frau die ersten Tage nach meinem 1984 erfolgten Hinauswurf aus der DDR unterkriechen, er hatte die DM für mich gesammelt, die ich dem Außenhandelsministerium der DDR hinterzogen hatte, als mein Hinauswurf absehbar wurde, und er lenkte unsere ersten Schritte im Güldenen Westen durch München. Die Erfahrungen, die ich dort während der ersten drei Tage machte, prägten mein darauffolgendes Leben.

Seit Ende 2014 gestalte ich die Bände seiner bei p.machinery erscheinenden SF-Werkausgabe. Bisher schuf ich die Buchgestaltungen und alles buchgestalterische Beiwerk für seine Augen und meine Bildtitel späßelten immer auch mit seinem Intellekt. Jetzt muß ich mir einen neuen so wachen, gebildeten Geist wie es der seine war und neue Augen suchen, für die ich jene Werke schaffe, denn bei dieser Arbeit schaute er mir als unsichtbarer Freund, imaginär anwesend, bisher immer über die Schulter.

Diese Suche wird sich schwierig gestalten.

Ich weine.

Ich bin (noch?) nicht in der Lage, meine Gedanken in Worte zu fassen. Deshalb: Danke, Thomas.

Ray Müller macht Lesepause

Natürlich nicht wirklich; ganz im Gegenteil. Am 18.07.2022 liest er ab 20.30 Uhr im Rahmen der Weilheimer Lesepause am Kirchplatz zu Weilheim in Oberbayern aus seinem Buch »Odyssee eines Unvernünftigen«.

Müller, Ray, Odyssee eines Unvernünftigen

Hype Mira

Wäre ein Hype laut Duden nicht eine »Welle oberflächlicher Begeisterung«, könnte man in Bezug auf Aiki Mira von einem solchen Hype sprechen. Aiki ist derzeit in aller Munde. Im KLP und DSFP 2022 hat sie gleich drei Storys platziert und mit einer davon – »Utopie27« – beide Preise für die beste Kurzgeschichte abgeräumt. In meiner p.machinery ist ihr Romandebüt »Titans Kinder« erschienen und auf Literatopia gibt es nun ein Interview mit Aiki Mira: hier.
Ich möchte nicht an einen Hype glauben. Aikis Schreibe ist zu gut, um verballert zu werden, wie nach einem Strohfeuer zu verrauchen und verwehen. Da muss noch mehr kommen. Nicht nur mehr Preise, nicht nur mehr Interviews – sondern vor allem auch mehr Texte und mehr Ideen. Viel mehr Ideen. Ich bin nach dem Interview sehr sicher, dass da noch jede Menge Potenzial darauf wartet, gefordert zu werden.

Mira, Aiki, TITANS KINDER