Kultur retten

  • Mit den Büchern meines Verlages werde ich die deutsche (Sprach-) Kultur ganz sicher nicht retten, aber das ist auch nicht mein Ziel. Ich werde sie jedenfalls nicht beschädigen oder gar zerstören. Und ich werde meinen Spaß daran haben, immer wieder.
  • Der Buchblock für Norbert Stöbes »Kleiner Drache« ist fertig und liegt dem Autor vor. Der Umschlag entsteht morgen.
  • Der Buchblock für Ron Müllers »Das Theodizee-Problem«, ein durchaus politisches SF-Werk, kann man sagen, ist heute regelrecht geflutscht. Und liegt dem Autor ebenfalls vor.
  • Und begonnen habe ich mit den Korrekturarbeiten und Layoutvorbereitungen für das von Frank G. Gerigk herausgegebene Werk »Die Welten des Jörg Weigand«, Band 2 der Reihe »Die Welten der SF«.
  • Ja. Kultur macht Spaß. Besonders, wenn sie nicht destruktiv ist.

Kurz vom Tage

  • Eigentlich war Buchhaltung angesagt. Einmal mehr verschoben. Wenn ich dann doch wieder zulange, werde ich es verfluchen. Aber das kenne ich schon.
  • Stattdessen habe ich vier neue Bücher vorbereitet.
  • Darunter Norbert Stöbes Roman »Kleiner Drache«, ein kleines, asiatisch angehauchtes SF-Prachtstückchen. Dazu wird es ein fantastisches Titelgemälde von Andreas Schwietzke geben.
  • Erste Sitzung Kraniosakral. Dazu kann ich noch nicht viel sagen. Außer, dass die Schreibweise mit C im Deutschen jedenfalls falsch ist. Aber modern. Wie das heute so ist.

Aus anderem Blickwinkel

Dieter Rieken ist Autor in meinem Verlag; sein Buch »Land unter« wurde hier natürlich schon erwähnt. Aber Dieter interessiert sich auch für andere Bücher aus meinem Programm, und so möchte ich an dieser Stelle seine Rezension zu Gabriele Behrends »Salzgras & Lavendel« als Gastbeitrag veröffentlichen – mit seiner Erlaubnis selbstverständlich:

Douglas Hewitt ist in der Verwaltung von Acodis Inc. als »Datenarchäologe« tätig. Kaynee Simmons arbeitet im »Zenith«, einem Traumazentrum außerhalb der Stadt. Douglas ist im Ghetto unter »Wilden« geboren, die sich kein Implantat und »Persönlichkeitsset« leisten können. Nachdem er zur Waise wurde, erhielt er im Heim zumindest ein »Basisset«, das ihm ein sozialverträgliches Verhalten ermöglichen sollte. Kaynee dagegen hat ihr »Socket« gleich nach der Geburt implantiert bekommen und switcht nach Bedarf und Situation zwischen den vielen »Abspaltungen« ihrer künstlich erzeugten multiplen Persönlichkeit hin und her.

Die beiden leben im Zeitalter der »Effizienzdiversität«. Die in der Regel postnatal eingesetzten Implantate haben eine Gesellschaft hervorgebracht, die auf Effizienz getrimmt ist. Die Technik, die aus der Gamer-Szene hervorging, führte nicht nur zu einer Leistungssteigerung jedes Einzelnen, sondern ermöglicht es der großen Mehrheit auch, auf alle nur denkbaren Situation angemessen zu reagieren. So »kommen alle viel besser miteinander aus«, findet Kaynee.

Doch der äußere Schein trügt. Douglas zum Beispiel führt ein einsames und eintöniges Leben. Er wird von Ängsten und Zweifeln geplagt, die ihn bis in seine Träume verfolgen. Und dann begeht er – scheinbar aus heiterem Himmel – einen Mord. Um der Haft zu entgehen, bleibt ihm nur der Ausweg, sich ebenfalls eine multiple Persönlichkeit implantieren zu lassen. Im »Zenith« trifft er auf Kaynee, die seine »Patin« wird – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als ihre Hardware Fehler aufweist und sie die Kontrolle über sich verliert.

»Salzgras & Lavendel« spielt an einem unbestimmten Ort in der Zukunft, an dem »alles seinen ruhigen Gang« geht, während die Welt ringsum »an allen Ecken und Enden brennt«. Die Autorin streut nur wenige Hinweise auf klimatische Veränderungen und auf den technischen Fortschritt ein. Sie konzentriert sich auf die Frage, wie eine Gesellschaft aussähe, in der technische »Aufspaltungen« der Persönlichkeit – »neuronale Cluster« genannt – die Regel sind. Indem man Katy, Keira, Kandy, Kassy und Kaynees andere »Splits« in Aktion erlebt, hat man bereits nach wenigen Seiten einen lebhaften Eindruck davon, wie die Menschen im Alltag damit umgehen.

Am Beispiel von Douglas zeigt Gabriele Behrend, dass diese Technik für Menschen mit schweren Traumata ein Segen sein kann. Auf der anderen Seite stellt das Buch kritische Fragen: Was bedeutet es für eine Gesellschaft, wenn eine solche Technik zur Norm wird, sie sich aber nicht jeder leisten kann? Wenn der öffentliche Frieden gefördert wird, aber niemand mehr eingreift, um Verbrechen zu verhindern? Was passiert, wenn die Technik versagt oder Fehler in ihrer Anwendung passieren? Wie würde der Staat reagieren, wenn ein Dogma ins Wanken gerät? Was die multiplen Persönlichkeiten betrifft, läuft der Roman auf die Frage hinaus, ob eine Separation – wie Kaynees »geordnetes Haus« – oder die Fusion der einzelnen Ich-Aspekte die richtige Antwort ist, um ein glückliches Leben zu führen.

Das alles packt die Autorin in eine Geschichte, die weder trocken noch langweilig ist. Dafür sorgen unter anderem die Nebenfiguren: der Techniker Sanders Mayerhoff, der neben seiner Arbeit im »Zenith« geheime Experimente durchführt und eifersüchtig auf Douglas ist; und Claire Paulson, die Leiterin des Traumazentrums, die als Spezialistin für »adulte Diversität« gilt – und die am bittersüßen Ende des Romans auf ganz unerwartete Weise zu Douglas’ Retterin wird.

Hier und da ist der Autorin beim Schreiben die Fantasie durchgegangen. Ein Meeting aller Ich-Aspekte im eigenen Kopf? Und im Kopf einer anderen Person? Das sind großartige Szenen, die noch dazu perfekt in die Dramaturgie passen. Sie erscheinen jedoch übertrieben.

In Stil und Sprache ragt das Buch deutlich aus der Masse der Science-Fiction-Literatur heraus. Die Verwendung des Präsenz’ schafft eine große Nähe zu den Protagonisten. Mit einfachen Mitteln gelingt es der Autorin jederzeit, den Leser durch die vielen Ich-Aspekte der Figuren zu lotsen, so dass man immer genau weiß, mit welchem man es gerade zu tun hat.

Für die zentrale Frage des Buchs – Separation oder Fusion? – findet Gabriele Behrend starke Bilder. Eine eindeutige Antwort sucht man vergebens. Wahrscheinlich, weil es keine gibt.

Quelle: https://deutsche-science-fiction.de/?p=5558

Gastbeitrag beim Verlag

Auf der Website meines Verlags p.machinery habe ich nun eine schon etwas ältere Buchbesprechung von Marianne Labisch eingestellt, die so außergewöhnlich ist wie das Buch, das sie bespricht: »La Triviata« von Dirk C. Fleck. Die Besprechung findet sich: hier.

Lieblingstanz

Es gab mal eine Zeit, da tanzte ich. Nicht nur anderen Leuten auf der Nase herum. Sondern richtig. Auf der Tanzfläche. Aber das ist länger her. Dank eines nicht immer zu unterschätzenden Rückenproblems – ein Arzt sprach schon von Arthritis – ist das heute kein Vergnügen mehr.

Aber Tanz ist ja nicht nur die Bewegung auf dem glatten Boden, sondern auch die Musik. Und eine Musik, die ich auch ohne das geschwungene Bein schon immer mochte, ist der Walzer. Der richtige, der Wiener, der Strauss-Walzer. Der Kaiserwalzer, die schöne blaue Donau, das Wiener Blut.

Und so war es mein naheliegender Wunsch, die von Ellen Norten zur Show verpflichteten Aliens Walzer tanzen zu lassen. Ellen begleitete die Idee und zahlreiche Autoren machten mit. Mit Geschichten, die nicht nur aus einem »heiteren Universum« berichten, sondern die auch in der Tat eine Verbindung zwischen Alien und Walzer herzustellen in der Lage waren und sind.

Für einen Walzer-Fan wie mich ist das eine höchst gelungene Anthologie geworden. Und das nicht nur, weil ich der Verleger des Buches bin. Gerade deswegen nicht.

Norten, Ellen (Hrsg.), DAS ALIEN TANZT WALZER

Gemächlich, der Tag

Am Morgen scannte ich die am Vortag sortierten privaten Dokumente. Dabei fiel mir eine Lebensversicherung in die Finger, an die ich nicht mehr gedacht habe.

Ich testete eine im Juni gekaufte Dokumentenkamera vom Typ Optoma DC554. Zum wiederholten Male. Und zum wiederholten Male funktionierte sie nicht. Ich schrieb eine Reklamation:

  1. Die Fernbedienung funktioniert nicht. Trotz Wechsel auf definitiv nagelneue Batterien reagiert das Gerät nur dann auf die Fernbedienung, wenn man sie direkt und nicht weiter als 3 cm entfernt vor den Sensor hält, der sinnigerweise auf der Rückseite des Geräts direkt neben dem Stecker für das Netzgerät angebracht ist.
  2. Die Tasten »Playback« und »Menü« auf dem Gerät haben keinen erkennbaren Effekt; das Menü ist nicht erreichbar, Einstellungen können dort nicht vorgenommen werden.
  3. Das Bild lässt sich nicht vernünftig auf Standardformate einrichten, z. B. auf DIN A4. Das Objektiv ist beim Format A4 unter anderem so weit von der Vorlage entfernt, dass Probleme gem. Punkt 4. entstehen:
  4. Aufnahmen aller Vorlagen, vor allem aber von DIN-A4-Seiten sind grundsätzlich verzerrt, d. h., gewölbt. Das führt zu Unschärfen an den Außenrändern der Vorlage (jeweils ein Drittel links und rechts, die Mitte ist auch nur leidlich scharf). Das Problem lässt sich nicht beheben.

Fazit: Bedauerlicherweise ist die Kamera nicht geeignet, Dokumente in einwandfreier und langfristig nutzbarer Qualität zu fotografieren, vor allem auch nicht in größeren Stückzahlen. Das Filmen von Videos ist nicht beabsichtigt.

Und verpackte das Stück versandfertig. Benutzen kann ich sie ja sowieso nicht.

Dann musste ich eine Software reklamieren, die ich erstanden hatte. Ein Paket Adobe CS6. Ältere Version, klar, aber die enthaltene InDesign-Version hätte für meine Zwecke gereicht. Die Seriennummern erwiesen sich allesamt als ungültig, und auch in einer virtuellen Maschine ohne jede Verbindung zur Außenwelt (virtuelle Netzwerkkarte deaktiviert) stellte die Software nach 7 Tagen den Dienst ein.

Die Lebensversicherung wurde einer Prüfung unterzogen und zum Verkauf freigegeben. Angebote wurden angefragt, es wird sich zeigen, ob sie sich verkaufen lässt. Es ist eine ehemalige Direktversicherung, eine berufliche Altersversorgung, längst beitragsfrei, aber manche Anbieter wollen sie partout nicht haben, andere äußern sich diffus und ungenau. Kündigen kann ich sie am Ende immer noch. Es macht einen Unterschied, jetzt eine fünfstellige Summe zur Verfügung zu haben oder ab 2024 monatlich knapp 90 Euro.

Der mittägliche Gassigang war herrlich. Länger als ursprünglich geplant – einfach anders abgebogen – und praktisch ohne Autoverkehr. Doch – ein Traktor, ein Pkw, beide Raser, wie üblich. Aber sonst war es sonntäglich still. Und sonnig, wenn auch kühl.

Mein Autohaus bekam eine E-Mail. Der Passat und der Skoda Roomster brauchen Service für Kleinigkeiten. Winterreifen aufziehen bzw. kaufen, eine Inspektion für den Roomster. Ich schreibe gerne auf, was ich will und lasse mich dann von einem schreibfaulen Servicemitarbeiter anrufen. Spart Zeit und Mühen, spart auch Korrekturen von Fehlern, weil man nicht an alles gedacht hat.

Ich habe eine Leviadecke bestellt. Irgendwo gab’s einen Gutschein. 12 % auf den Kaufpreis. 175 statt 199 Euro. Die Leviadecke wiegt 9 kg, hat eine Glaskugelfüllung und soll die Schlafqualität verbessern. Nachdem ich mit meiner 0815-Normaldecke unzufrieden bin, will ich das mal ausprobieren. Es gibt auch 3-von-5-Sterne-Bewertungen, lustigerweise einige mit dem Tenor »zu warm« und andere mit dem Tenor »zu kalt«. Ich bin gespannt. (Wer schauen will: www.leviadecke.de.)

Zum Abschluss des Tages konnte ich die Fahnenkorrektur für »Das Alien tanzt Walzer«, die von Ellen Norten herausgegebene Anthologie, beenden. Morgen komme ich vielleicht dazu, den Rest zu erledigen. Mal sehen.

Gemächlich war der Tag, wenn auch nicht langweilig. Ich bin zufrieden mit dem Geleisteten, und das macht den Tag besonders. Schön.

Noch nicht zu spät

Mein Autor Dieter Rieken – »Land unter« ist sein Buch – ist heute ab 17.30 Uhr zur Lesung im Augsburger Klimacamp:

Dieter schreibt:

Am Samstag, den 10.10., bin ich ins Augsburger Klimacamp eingeladen, um aus meinen Roman »Land unter« zu lesen. Die Lesung ist öffentlich. Wer Interesse hat, ist herzlich eingeladen.
Das habe ich heute auf Facebook gepostet – und ein Foto dazu.
Warum nicht? Sind junge Klimaaktivisten (Fridays for Future), die dort dann 100 Tage ausharren. Vorher läuft eine Diskussionsrunde mit Stadtratsmitgliedern, nach mir spricht ein Anti-AKW-Veteran. (Das bin ich im Grunde auch, aber das nur nebenbei).
Vielleicht verirrt sich ja noch jemand dahin. Das Besondere ist der Standort neben dem Rathaus. Dazu gibt’s im Netz zig Berichte und einige Filme, falls es dich interessiert.

Interessiert mich. Und die vier Leser meines Blogs sicherlich auch.

 

Wenn KDP Korinthen kackt

KDP versus Arkadia

Ich arbeite ja nicht mehr direkt mit KDP, weil mir deren sogenannte »Techniker« – eine Sorte Knöpfchendrücker und Textbausteinschubsern, die es vermutlich nicht mal schaffen, den Deckel von der Schüssel anzuheben, bevor … naja … –, aber eine wirkliche Rettung vor deren Dummheiten ist auch die Wahl von Bookwire als Partner nicht. Und eigentlich hätte ich bei Bernhard Kempens »Arkadia« mit dem Titelbild als Problemursache gerechnet:

Das Problem äußerte sich so, dass zwar – wie üblich – gleich nach dem Einstellen des E-Books dieses auch über Amazon zu beziehen war, das Paperback jedoch zwar erwähnt, jedoch unbepreist als nicht verfügbar bezeichnet wurde. Man wisse auch nicht, ob und wann es verfügbar sein würde. Es war leicht zu erkennen, dass hier ein Problem seitens Amazon – bzw. KDP, dem Print-on-Demand-Ableger des Vereins – vorliegen musste.
Der Kontakt mit Bookwire, meinem Partner, ergab dann in der Tat, dass das Problem nicht das Titelbild, sondern die Karte war, die am Buchende zu finden ist:

Bookwire teilte mit:

(…) ja, der Titel hat einen Fehler. Es geht um die Seite 159, und zwar um die Beschriftung in der Grafik, dort steht der Text zu nah am Rand.

Zum Bund hin muss ein Rand zum Text von 12,7 mm eingehalten werden (bei einer Seitenzahl von 150–300). Zu den äußeren Seiten hin muss ein Abstand von 6,35 mm eingehalten werden (die Beschnittzugabe zählt da nicht mit rein). (…). Wir haben nachgemessen:

Die drei gemessenen Stellen sind die problembehafteten. Die am linken Rand müssten weiter reingeschoben werden, »Nordpolarmeer« könnte knapp noch passen (12,47 mm Abstand), würden wir aber sicherheitshalber aber auch noch leicht schieben.
Und der Text am rechten Rand muss auch weiter reingeschoben werden (hat circa 2,54 mm, braucht mindestens 6,35 mm).

Am lustigsten sind immer die Ausreden von KDP bzw. Amazon, warum die sogenannten »Techniker« von Tuten und Blasen keine Ahnung haben (und offensichtlich auch die Leute, die die Digitaldruckmaschinen bedienen, schon Schwierigkeiten mit der Kaffeemaschine im Pausenraum haben dürften):

Amazon möchte so vermeiden, dass Inhalte unlesbar sind und der Kunde das Buch aus Qualitätsmängelgründen zurückschickt. Es gibt da leider auch nichts zu diskutieren mit Amazon, das muss behoben werden, sonst drucken sie es nicht. Wenn Sie nicht korrigieren möchten, empfehlen wir einen Takedown bei Amazon, dann hat man noch die Chance, dass es über KNV verfügbar wird bei Amazon.

Über den Autor habe ich Kontakt mit der Künstlerin der Karte – Maria Wohnig – aufgenommen, und die hat schnell gearbeitet:

Der korrigierte Buchblock ist bereits eingestellt, und nun wird sich zeigen, ob KDP immer noch etwas zu meckern hat. Ich bin sicher, dass die wieder eine Ameise finden, die sie ficken können.

BTW: Das Buch ist im Amazon Marketplace verfügbar: Hugendubel, Storisende und Die Bücherschwester bieten an, marketplace-üblich leider mit Zuschlag. Aber immerhin.

Wir bleiben am Ball und ermitteln weiterhin in alle Richtungen.

Auch Erinnerungen

Tiny Stricker kenne ich eigentlich sehr lange. Als ich in den Achtzigern des vorigen Jahrhunderts – wow, hört sich gut an! – für den Maro-Verlag Texte abtippte, waren auch Werke von ihm dabei. Damals schon lieferte er handgeschriebene Manuskripte ab, und noch heute benutzt er zum Schreiben neuer Werke keinen Computer, sondern einen Kugelschreiber. Welches die ersten Bücher von ihm waren, die ich abtippte, weiß ich nicht mehr. »Soultime« und »Spaghetti Junction« gehörten vielleicht dazu. Vielleicht auch »Trip Generation«, das Maro 2014 neu auflegte. Es spielt auch keine Rolle.

Irgendwann hatte ich Gelegenheit, das erste Buch von ihm im eigenen Verlag zu veröffentlichen: »Vom Gehen in griechischen Städten«. Das Werk erschien zunächst in der längst eingestellten Reihe »ErlebnisWelten« und später dann in einer Neuausgabe als Band 5 der Werkausgabe. Wie wir auf die Idee kamen, weiß ich auch nicht mehr. Es ergab sich so, diskutiert während eines Treffens in einem Münchner Restaurant.

»U-Bahn-Reiter« ist das zweite Buch, dessen Erscheinen wir nicht mehr mit einem Treffen feiern können; schon beim »Spieler im Park«, das im Mai 2019 erschien, war ich mit meinem Verlag nicht mehr in Bayern, sondern hier, in der Nähe von Husum in Nordfriesland, weit weg von den Bergen, die er liebt und die ich nicht (mehr) mag. Und ob wir jemals noch Gelegenheit zu einem persönlichen Treffen haben werden, steht in den Sternen. Immerhin ist sicher, dass die Werkausgabe peu à peu vervollständig werden wird. Die noch fehlenden Bände 1 bis 4 und der Band 6 – den mir weiland Maro vor der Nase wegschnappte – erscheinen nach meiner Planung 2021, Band 6 vermutlich erst 2022. Das mündliche Okay von Benno Käsmayr liegt vor; einer der besten und genialsten Kleinverleger Deutschlands unterstützt das Werkausgabenprojekt.

Keine Etikettenfrage

Es stand außer Zweifel, dass ich dieses Buch veröffentlichen würde. Nicht nur, weil es von Gabriele Behrend verfasst wurde. Aber auch deshalb, natürlich. Nein, der Hauptgrund war die Geschichte, eine sehr außergewöhnliche Geschichte, die viel mit Menschen und ihrer vielfältigen Psyche zu tun hat, die auch ein eindeutiges Science-Fiction-Element nicht nur enthält, sondern quasi als Treibmittel verwendet: die Technik, die unterschiedlichen charakterlichen Aspekte eines Menschen eindeutig zu definieren und zu unterschiedlichen Gruppen zusammenzufassen, um dem Menschen an sich die Möglichkeit zu geben, sich und sein Verhalten in den unterschiedlichsten Lebenssituationen optimal zu kontrollieren und zu gestalten. Diese Technik ist Science-Fiction, ganz eindeutig, und sie ist sogar mindestens zwei oder drei einschlägigen SF-Filmen angelehnt – nein, nicht geklaut, nicht abkopiert, aber es gibt Ähnlichkeiten, die unübersehbar sind. Das Produkt, das diese Technik erzeugt, ist jedoch neu. Gabriele Behrends Geschichte ist SF.

Das Problem für mich war das Label. Was heute auf dem SF-Rezensionssektor abgeht, verträgt eine Kuh nicht mal mehr als simples Leder. Bücher werden nicht mehr als Werk an sich gesehen, sondern zerlegt und dann häppchenweise durch den Schredder gedrückt, bis am Ende nur noch ein Matschfazit übrig bleibt. »Salzgras & Lavendel« war mir zu schade, um als Opfer von klischeeorientierten SF-Pseudofachleuten zu enden, und so war für mich früh klar, dass das Label nur meine Reihe »Außer der Reihe« sein konnte. Hier bekommt ein SF-Buch die Chance, auch von Leuten gelesen zu werden, die sich dank der Politik großer Verlage und der Kritik kleiner Geister vom Begriff »Science-Fiction« eher abgestoßen fühlen, weil sie inzwischen schon gar nicht mehr wissen, dass SF auch anderes umfasst, als Schlachten, Raumschiffe, Aliens, Thrill und Action. Wer freilich meint, dass Letzteres SF ausmacht, der sollte von diesem Buch die Finger lassen; es bestünde die Gefahr, neue Erkenntnisse über SF und Vorurteile zu gewinnen.