Wie man Hunde gesund und glücklich füttert und sich ihrer ewigen Dankbarkeit und Liebe versichert

Die folgenden Ausführungen stammen nicht von mir; ich habe den Text nur bearbeitet und in Form gebracht. Der Mann, der diese Vorschläge für die Ernährung gesunder und glücklicher Hunde zusammengeschrieben hat, war selbst durch etwas wie einen Zufall auf den Hund gekommen, in fortgeschrittenem Alter, kann man sagen. Er hat lange in der chemischen Industrie gearbeitet, bei einer Firma, die Aminosäuren herstellte, die nicht nur in der Backwarenindustrie, sondern auch in der Tierfutterherstellung zum Einsatz kamen (und sicherlich auch heute noch kommen). Große Hersteller wie Pedigree, Effem und Unilever setzen Aminosäuren in Hunde- und Katzenfutter unter anderem als Geschmacksverstärker ein. Und in zahlreichen bekannten Hunde- und Katzenfuttersorten sind Sachen drin, die eigentlich nicht hineingehören.
Heute gibt es viele Hersteller, die Tierfutter unter ganz andern Prämissen produzieren. Sie wollen nicht billig sein, sondern gut. Terra Canis ist unser Hersteller, vorher ernährten wir unsere Hunde mit Futter von Hermanns. Zahlreiche andere Hersteller stellen heute Futter her, das auf die Bedürfnisse von Altersgruppen ausgerichtet ist, getreidefreies Futter, Futter für Welpen und Senioren, für Allergiker – es wird alles geboten, was man sich vorstellen kann. Sogar in Humanlebensmittelqualität.
Die großen Hersteller produzieren natürlich auch immer noch – und verkaufen ihre Produkte. Die »kleinen Marken« können überlegen – und der Trend des Barfens ist für die Menschen, die es sich vor allem zeitlich leisten können, die Ernährung ihrer Tiere selbst zu kontrollieren.

Franjo Goebels, der Autor des nachfolgenden Textes, und meine Wenigkeit haben lange in der gleichen Firma und in der gleichen Abteilung zusammengearbeitet. Mein Verlag hat ihm das zweite Buch zu verdanken – »Giovanni und Tamino« waren seine ersten Hunde, die so gefüttert wurden, wie er dies im Folgenden beschreibt.

Hundefutter für gesunde, glückliche, ewig dankbare und liebende Hunde

»Man kaufe ein ganzes Lamm beim Züchter. Welcher infrage kommt, erfährt man z. B. beim Veterinäramt. Oder aufgrund von Empfehlungen. Geschlachtet werden die Viecherl auf Schlachthöfen oder von zugelassenen Metzgern. Oder man sucht sich einen regional ansässigen Biobauern.« [Wir hier in Winnert haben einen solchen Hof in Wisch, der allerdings keine Schafe hat; im Zweifelsfalle würden wir unseren Nachbarn fragen, der Schafzucht als Hobby betreibt – neben seiner eigentlichen Landwirtschaft und der Biogasanlage.]

»Die Tiere sind zumeist zerlegt; damit sie nicht zerschnibbelt werden, muss man genaue Angaben zu den eigenen Wünschen vorlegen. Ich bevorzuge große Stücke und zerlege, zersäge und zerschneide sie selbst.«

  1. 1. Man nehme von dem Lammteil ein oder mehr Stücke und lege sie in eine Reine, jeweils so um 1,5 bis 2,5 kg. Die Reine wird möglichst mit einem Deckel oder zumindest mit Alufolie abgedichtet. So kommt sie dann bei 90–100 °C in den Backofen – für ca. 10 Stunden.
  2. 2. Zwiebeln von etwa 60–80 % des Lammgewichts – rote Zwiebeln geben eine schönere Farbe – fein schneiden und in Kokosöl (das ist gut für das Fell und die Verdauung) oder Olivenöl anbraten, bis sie mittelbraun sind. Einen Esslöffel Senf zugeben, verrühren und mit anrösten. Wenn sich ein leichter Bodensatz bildet und zart bräunt, mit etwas Wasser anlöschen, wieder etwas anbräunen lassen, wieder ablöschen und noch einmal bräunen lassen, noch ein Schlückchen Wasser und dann eine halbe bis dreiviertel Flasche Rotwein« [das ist kein Scherz!] »(keinen Fusel – nicht sparen – es geht um deine Hunde!) zugeben, und weg vom Herd.
    Drei bis vier Knoblauchzehen schälen, aufspalten und den kleinen Strunk entfernen. Den Knoblauch in feine Blättchen schneiden und rein in die Brühe. Ein Stück Ingwer (kein Pülverchen, sondern frische Ware im Volumen des Eineinhalbfachen der Knoblauchmenge) fein schnibbeln und auch in den Topf. Dazu noch je einen Teelöffel Dill und einen mit Rosmarin, mit einer Prise Salz verreiben und auch in die Brühe. Das Ganze kommt dann in der Reine über das Fleisch.
  3. 3. Einen Pott voll Gemüse (so um 3–5 Liter) klein schneiden. (Kein Rotkohl, kein Spinat, keine Rote Bete, wegen der Farben!) Je mehr Sorten, umso besser!. Das Gemüse erhitzen, ankochen und in die Kochkiste geben. Deine Mutter weiß vielleicht noch, wie das geht. Wenn du keine Kochkiste hast, dann stelle den Topf in dein Bett, isoliere ihn gut mit einer oder mehreren Wolldecken und lasse das Gemüse darin langsam garen, bis das Fleisch aus dem Ofen kommt. Der Zweck der Sache ist, dass das Gemüse wohl gar, aber nicht zermatscht ist. Die Vitamine und die Geschmackstoffe bleiben so weitgehend erhalten. Hunde brauchen Gerüche und Geschmackstoffe!
  4. 4. Das Fleisch klein schneiden, mit Gemüse mischen und portionsgerecht in Folienbeutel verpacken. Zweckmäßig ist, das Gewicht der Portionsbeutel an der den Hunden  gegönnten Fleischmenge zu bestimmen.« [Als Hausnummer gilt, dass ein 20 kg schwerer Hund 700 bis 800 g Fleisch pro Tag haben sollte.] »Die Beutel in die Gefriertruhe geben.
  5. 5. Die Tagesmenge jeweils langsam auftauen lassen und ggfs. mit Menschenfutter (Reis, Nudeln, Kartoffeln, Gemüse) aufmotzen.
    Wenn du das alles richtig machst, werden deine Hunde dich noch mehr lieben.
  6. 6. Die Innereien werfen Schlachthöfe und Metzger oft beiseite und sie werden nicht mitberechnet. Nimm sie mit, sie bestehen aus Lungen, Leber, Herz, Nieren, Milz und der Speiseröhre. Die Leber lege beiseite, sie kommt später dran. Packe alles in einen großen Topf. Dazu kommen eine mit zwei Nelken gespickte weiße Zwiebel, zwei bis drei Lorbeerblätter, einige Wacholderbeeren. Bedecke das Ganze mit kochendem Wasser. Ungefähr 30 Minuten bis zur Garprobe köcheln lassen. Abkühlen, schnippeln, mit Reis, Nudeln, Kartoffeln oder sonst was mischen und verfüttern.
  7. 7. Die Leber kann eine Delikatesse sein, wenn du sie nicht für die Hunde verbrauchst und sie nach Art der Fegato Veneziana zubereitest, nämlich so: ca. 80 % des Gewichts der Leber als Zwiebeln in feine Scheiben schneiden und in Olivenöl ganz leicht rösten. Die Leber in ca. 3 bis maximal 4 mm dicke Scheibchen schneiden. Das geht leichter, wenn die Leber etwas angefroren ist. Die Zwiebeln aus der Pfanne entfernen, die Leberscheibchen kurz anbraten, die Zwiebeln wieder zugeben und alles mit soviel Rotwein ablöschen, wie man gern als Soße hätte. Wenn die Leber gar, also innen nicht mehr roh ist, dann mit Weißbrot oder Kartoffelpüree verspeisen. Salz, wenn überhaupt, erst bei Tisch zugeben. – Das wäre eine gute Belohnung für die Mühen von aus den Punkten 1–6.
  8. 8. Reste: Alle Knochen, alle Brühen, alle Reste in einen Topf geben, mit Wasser auffüllen und ca. 2 Stunden köcheln lassen. Wenn alles kalt ist, das Fleisch von den Knochen abfieseln (es sind bisweilen ganz schöne Mengen), den Rest in Gläser abfüllen und damit bei Bedarf das Futter weicher oder labberiger machen.«

Das wäre es! Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht. Es hört sich teuer an, ist es aber auch nicht. Trockenfutter oder Nassfutter der Petfood-Industrie ist teurer, zusätzlich sparst du Tierarztkosten und die Hunde werden dich lieben und dir ewig dankbar sein.

Die nächste Ausgabe ist die 60ste

Obwohl das nicht stimmt. In den Achtzigern und anfangs der Neunziger im letzten Jahrhundert habe ich schon mal die ANDROMEDA NACHRICHTEN für den SFCD e.V. gemacht, damals im Format DIN A5. Aber ich habe auf die Schnelle nicht im Zugriff, wie viele Ausgaben ich damals machte. Obwohl …
Doch. Mit der Nummer 101 habe ich im März 1986 angefangen. Und die Nummer 138 vom Juni 1992 war meine letzte Nummer. Damals. Also 38 Ausgaben. Damals.
Mit der 213 bin ich 2006 wieder eingestiegen. Und dieser Tage – Quark, heute war das! – habe ich die Ausgabe 271 festgestellt. Ergo: 59 Ausgaben seit 2006.
Die Überschrift  ist also falsch. Richtig ist:

Die nächste ist die 98ste

Und das ist nicht spektakulär. Richtig. Spektakulär wird die Ausgabe 274, die im Juli 2021 erscheinen wird.

Das ist dann meine 100ste!

Aber bis dahin dauert es noch, und so ist für den Augenblick nur interessant, dass die Ausgabe 271 seit heute beim Drucker ist (der vermutlich erst am Montag anfangen wird, sich damit zu beschäftigen).

ANDROMEDA NACHRICHTEN 271
SFCD e.V., Winnert, November 2020, 128 Seiten A4, EUR 8,00. Bezug: SFCD-Archiv, archiv[at]sfcd.eu

Der Inhalt:
Michael Haitel: Deutsche Sprache in Zeiten der Corona 6 * Seraph 2021 7 * SF-Gewinnspiel 8 * Conventions und Stammtische | Birgit Fischer: Der Nicht-SFCD-Con 9 | Robert Corvus: ElsterCon 2020 11 | Birgit Fischer: Fantastikstammtische in Corona-Zeiten 14 * Karl Aulbachs Fantasy 15 * Science-Fiction | Dieter Riekens »Land unter« 22 | Martin Stricker: Mehr war nicht, es war ein ruhiges, beschauliches Leben – Nachruf auf Thomas R. P. Mielke 28 * Zwielicht 33 * Jörg Krömers Cinema 34 * Gerd Freys eGames 39 * Perry Rhodan | Michael Haitel: Meine erste Sonne 46 | Robert Hector: Guckys Tod, der Zweite Zweig und die Staubfürsten 47 | Franz Hardt: Der Ilt ist tot! 53 * Science | Robert Hector: Kernfusion – Eine unerschöpfliche Energiequelle der Zukunft? 56 | Robert Hector: Das Multiversum, Parallelwelten und kosmische Doppelgänger 59 | Robert Hector: Künstliche Intelligenz 66 * Science-Fiction | Michael K. Iwoleit: Triumphe eines Ahnungslosen. Anmerkungen zu Stanislaw Lems Technologiekritik 71 * Armin Möhles FanzineKurier 78 * Michael Baumgartners Reissswolf 83 * Schlachtplatte 89 * StoryFiles | Anna Wegloop: Turing-Test revisited 123 | Dirk C. Fleck: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit 125

Das Titelbild stammt von Lothar Bauer.

Diese Ausgabe gibt es ab 01.10.2021 (!) auch zum Download unter https://www.sfcd.eu/download/pubs/an201-300/an271open.zip

Auch Erinnerungen

Tiny Stricker kenne ich eigentlich sehr lange. Als ich in den Achtzigern des vorigen Jahrhunderts – wow, hört sich gut an! – für den Maro-Verlag Texte abtippte, waren auch Werke von ihm dabei. Damals schon lieferte er handgeschriebene Manuskripte ab, und noch heute benutzt er zum Schreiben neuer Werke keinen Computer, sondern einen Kugelschreiber. Welches die ersten Bücher von ihm waren, die ich abtippte, weiß ich nicht mehr. »Soultime« und »Spaghetti Junction« gehörten vielleicht dazu. Vielleicht auch »Trip Generation«, das Maro 2014 neu auflegte. Es spielt auch keine Rolle.

Irgendwann hatte ich Gelegenheit, das erste Buch von ihm im eigenen Verlag zu veröffentlichen: »Vom Gehen in griechischen Städten«. Das Werk erschien zunächst in der längst eingestellten Reihe »ErlebnisWelten« und später dann in einer Neuausgabe als Band 5 der Werkausgabe. Wie wir auf die Idee kamen, weiß ich auch nicht mehr. Es ergab sich so, diskutiert während eines Treffens in einem Münchner Restaurant.

»U-Bahn-Reiter« ist das zweite Buch, dessen Erscheinen wir nicht mehr mit einem Treffen feiern können; schon beim »Spieler im Park«, das im Mai 2019 erschien, war ich mit meinem Verlag nicht mehr in Bayern, sondern hier, in der Nähe von Husum in Nordfriesland, weit weg von den Bergen, die er liebt und die ich nicht (mehr) mag. Und ob wir jemals noch Gelegenheit zu einem persönlichen Treffen haben werden, steht in den Sternen. Immerhin ist sicher, dass die Werkausgabe peu à peu vervollständig werden wird. Die noch fehlenden Bände 1 bis 4 und der Band 6 – den mir weiland Maro vor der Nase wegschnappte – erscheinen nach meiner Planung 2021, Band 6 vermutlich erst 2022. Das mündliche Okay von Benno Käsmayr liegt vor; einer der besten und genialsten Kleinverleger Deutschlands unterstützt das Werkausgabenprojekt.

Einheit

Die deutsche Einheit ist 30 geworden. Heute.

Interessanterweise verbinde ich mit dem 3. Oktober 1990 praktisch kaum Erinnerungen. Es war ein juristischer Vorgang, die Zusammenführung zweier Staaten zu einem neuen Gebilde. Oder besser: die Vereinnahmung eines Staates durch einen anderen.
Die ganzen Probleme sind natürlich bekannt. Ossis vs. Wessis. Solidaritätsabgabe. Die Entwicklung von Löhnen und Renten. Die wirtschaftliche Lage im Osten. Ach, all die Dinge, die einen zweifeln ließen und manchmal noch immer lassen, ob es eine Einheit wirklich gibt, jemals geben wird.

Es wird sie vermutlich nicht so geben, wie sich das Politiker und Journalisten vorstellen und mit ihrem Gerede von »blühenden Landschaften« den Menschen unsinnige Flausen in den Kopf setzen, von Vorstellungen, die sich so niemals realisieren lassen. Es gab schon im Westen keine Einheit, und es wird sie auch im vereinten Deutschland nicht geben. Denn die Menschen sind unterschiedlich. Die Gegenden sind unterschiedlich. Alles ist unterschiedlich.
Ich denke an Murnau zurück. Westried, der Ortsteil, in dem ich lebte, der »Seniorensumpf« Moosrain, in dem nur alte Leute zu leben schienen, und der Nachbarort Grafenaschau, das »Neureichengetto« – drei Örtlichkeiten, die sich grundsätzlich voneinander unterschieden und wohl immer noch unterscheiden. Je nachdem, welchen Aspekt man ins Auge fasst.
Und so ist es doch überall. München, Nürnberg, Düsseldorf, Hamburg, Berlin – alles nicht vergleichbar. Bayern, Saarland, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen – nicht vergleichbar. Und das nicht, weil die Versprechungen von Politikern und Journalisten nicht eingetroffen sind – sondern weil sie von vornherein unsinnig waren, sind und immer sein werden.

Für mich ist die Einheit vor allem eines: Ich kann nach Wismar fahren, in eine Stadt, die ich sehr mag, ich kann mit Bewohnern von Leipzig und Dresden nicht nur kommunizieren, ich kann sie auch besuchen. Es gibt immer noch unterschiedliche Dialekte, aber eine Vereinigung der beiden deutschen Teile hat niemals zum Ziel gehabt, ostdeutsche Dialekte zu zerstören oder auszutauschen. Für mich ist die Einheit Freizügigkeit, ein Teil der Freizügigkeit, die ich auch in den Staaten genieße, die dem Schengener Abkommen beigetreten sind.
Ich erinnere mich an die Wochen nach der Grenzöffnung – und das sind die intensiveren Erinnerungen –, an das Wochenende, als ich mit meiner damaligen Lebensgefährtin – die ihren Vater für einen Nazi hielt, selbst aber von den neuen Ländern als »Dunkeldeutschland« sprach; der Apfel und der Stamm … – nach Berlin fuhr, nach Ostberlin; ich erinnere mich an die Autobahnbaustelle – die Ostautobahnen waren sofort nach der Grenzöffnung durchgehend Baustelle –, in der ein tschechischer Omnibus beide Spuren blockierte, während er Richtung Berlin zockelte, zwei hinterher fahrende Pkws auf der Stoßstange, Lichthupe und Hupe ignorierend,; ich erinnere mich an die vierspurigen Kreuzungen in Ostberlin, die zwanzig, dreißig Meter hinter den Ampelanlagen nur noch zweispurige Straßen waren, an die Straße in der Plattenbausiedlung, die plötzlich – ohne Absperrung, Beschilderung, Beleuchtung – in einer riesigen Baugrube endete (und wir landeten nur deshalb nicht in derselben, weil es neblig war und ich nicht sehr schnell fuhr).
Ich erinnere mich an herzliche Ostberliner, die uns Kost und Logis fürs Wochenende boten. (Lustigerweise erinnere ich mich nicht, warum wir überhaupt in Ostberlin waren …)

Die europäischen Bemühungen einer europäischen Einheit leiden unter dem Schwachsinn, den Boris Johnson und seine Schergen angezettelt haben, der unter der unsäglichen Wortschöpfung »Brexit« bekannt ist. Sie leiden unter Viktor Orban und der polnischen Rechten. Es gibt Strömungen in manchen Ländern, die daran zweifeln lassen, dass es eine europäische Einheit jemals geben wird. Und doch – ich denke, es gibt sie schon, soweit sie möglich ist, und wenn Politiker und Journalisten aufhören, Unsinn über die Aspekte einer Einheit zu verbreiten, die sie für richtig halten, deren Richtigkeit aber unbewiesen ist und bleiben wird, dann wird sich die Erkenntnis der europäischen Einheit auch in den Köpfen der Menschen festsetzen.
Und wie auch immer separatistische Bestrebungen – Stichwort: Katalanien – in Europa aussehen: Deutschland wird Einheit bleiben. Es gibt keinen vernünftigen Grund, anderes anzunehmen. Sieht man vielleicht davon ab, dass unsere beiden Freistaaten anderes im Sinn haben könnten. Aber da stellt sich dann die Frage, was wir wirklich verlören …

Das war’s mit Fliegen

Südlich von Murnau liegt das Murnauer Moos. Flach, mit wenigen Erhebungen, eine schöne Gegend für lange Gassigänge, sieht man davon ab, dass es an sonnigen Tagen wenig Schatten gibt. So ist das mit Moorgeländen.

Inmitten des Mooses liegt ein alter Flugplatz. Ein Segelflugplatz, vermute ich. Anfangs, als ich begann, dort mit Kim und später auch mit Naomi zu laufen, gab es noch eine alte Baracke, die irgendwann geschleift wurde. Flugverkehr gab es nicht mehr. Nicht mal mehr im Kleinen.

Und wie man sieht, hat das einen Grund. Wiesenbrüter.

Schicksal für die Modellflugzeugfans, denn das Gelände wäre hervorragend – nicht, dass es nicht auch andere gute Gelände für das Hobby gegeben hätte. Und dass die Hunde eh nicht frei laufen durften, war auch klar – das Murnauer Moos ist Naturschutzgebiet (und nicht nur Vogelschutzgebiet).

Standort des Schildes: hier.

Namenstag

Mein Vorname ist Michael. Ich bin der, »der ist wie Gott«. Heute, am 29.09., ist mein Namenstag.
Der Heiligenkalender liefert eine etwas seltsame Erläuterung. Finde ich. Angemessener finde ich den Eintrag der Wikipedia.
Obwohl ich katholisch getauft bin, habe ich meinen Namenstag nie gefeiert. Ich denke, die Zeit, wo die Katholiken dem Namenstag den Vorzug vor dem Geburtstag gaben, sind lange vorbei. Außer vielleicht in »streng katholischen« Familien. Und doch war mir am 29.09. immer bewusst, dass ich Namenstag hatte. Und woher der Name stammt. Welche Bedeutung er hat.

Meine Frau hat es schwerer. Sie heißt Saskia Eva Alexandra. Für Saskia – »die Sächsin« – gibt es gar nicht erst einen Namenstag, während Eva und Alexandra erklärt werden müssen, damit man aus dem Angebot den richtigen Namenstag auswählen kann.

Meine Eltern hatten bzw. haben jeweils zwei Vornamen. Horst Nikolaus mein Vater, Rosemarie Brigitte meine Mutter. Es gab Zeiten, da hätte mich interessiert, warum ich nur einen Vornamen bekommen habe. Es gab auch Zeiten, da hat mich gestört, dass alle möglichen Jungen in meinem Alter Michael hießen; auf der Realschule gab es ein Jahr, da waren wir sieben oder acht Michaels in meiner Klasse.
Heute habe ich es einfacher. In den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts schrieb ich unter dem »Pseudonym« Mychael Wallensteyn Kurzgeschichten. Und daraus wurde nach und nach erst »MyWa«, dann »My« und am Ende »My.« – mit dem Punkt, der für die dritte Stelle zur Erlangung des BNF-Status wichtig war. Heute werde ich häufig mit My. angesprochen. In Mails, auch am Telefon, in Begegnungen mit Menschen, die dieses Kürzel kennen; meine Frau benutzt es manchmal, wenn sie von mir genervt ist. Ich unterschreibe meine Mails und Forenposts mit diesem Kürzel, auch auf die Gefahr hin, dass jemand das nicht versteht.

Für My. gibt es auch keinen Namenstag. Aber ich hab ja noch meinen Taufnamen.

 

Ein Weg für ein Schild

Man fragt sich unwillkürlich, wie das Fahrzeug im Hintergrund da hingekommen ist. Wurde es mit einem Hubschrauber geliefert? Oder in Einzelteilen durch Amazon … aber nein, die hätten gegen das Zufahrtsverbot verstoßen müssen.

Fragen bleiben. Der Weg ist keine Sackgasse. Wozu aber dieser Weg, wenn man ihn nicht benutzen darf. Dass er für Fahrzeuge geeignet ist, erkennt man an der Breite und an der Oberflächenstruktur. Und an dem Fahrzeug im Hintergrund.

Fragen.

Vielleicht war das Schild einfach nur übrig. Und bevor es im Keller oder auf dem Dachboden vergammelt …

Standort des Schildes: hier.

Was ein Schild sagen will

Was mir das vor langer Zeit aufgenommene Schild sagen wollte, war mir schon damals unklar. Es wurde irgendwo in der Gegend von Murnau-Westried aufgenommen. GPS-Koordinaten hat der Blackberry Leap, der Fotoapparat, nicht verzeichnet.

An der Stelle gab es keinen Weg. Nicht mal einen Trampelpfad. Man hätte sich durch das Grün schlagen können, hinein in den Wald, das Wäldchen, zwischen die Bäume, aber wozu? Das denkbare Ziel dahinter hätte man bequemer erreichen können. Und ohne, gegen das ansonsten sinnlose Verbot des Durchgangs zu verstoßen.

Wobei das Schild sowieso widersprüchlich ist: Ein Durchgang würde unterstellen, dass man am Ende irgendwo anders herauskommt. Man müsste durchgehen können, hindurch durch Grün, Wald, Bäume. Aber wozu, wenn es am Ende eine Sackgasse ist und der Durchgang nirgendwo hin, nirgendwo hindurchführt? Wenn man sowieso gezwungen ist, umzukehren und nur dorthin gelangt, wo man herkommt?

Julibäum

Es ist der Kilometerstand. 202020. Nicht die erste Schnapszahl auf dem Zähler. Aber die erste, die ich fotografieren konnte.

Der Passat, ein 2.0 TDI Bluemotion mit dem berühmt-berüchtigten EA189-Diesel (inkl. Softwareupdate und Entschädigung von Volkswagen), kam als Gebrauchtwagen zu mir, als mein heißgeliebter Laguna durch den Bruch aller vier hinteren Federstangen zu einem wirtschaftlichen Totalschaden wurde. Ich hatte kein Geld für einen anderen Wagen, ich wollte keinen Kredit aufnehmen, ein Leasingauto war mir zu teuer und zu unwirtschaftlich, nachdem ich dank der Zusammenlegung von Wohn- und Arbeitsort praktisch keine Strecken mehr fuhr.

Der Passat, der auch in Nordfriesland noch auf GAP-MY 311 hört, war ein Leasingfahrzeug meines Arbeitgebers, gerade aus dem Leasing raus und gerade von einem leichten, kaum sichtbaren, aber doch finanziell wirksamen Hagelschaden betroffen; durch den war er gleich sechseinhalbtausend Euro günstiger. Der Wagen hatte einem ehemaligen Geschäftsführer gehört und war eine Weile vom Service gefahren worden, bevor der Leasingvertrag auslief.

Mein damaliger Chef bot ihn mir an. Zwölf Riesen, keine Zinsen, die Ratenhöhe konnte ich selbst festlegen. Ich wählte fünfhundert Euro im Monat. Nach zwei Jahren war er bezahlt. Und obwohl ich dank des Laguna beinharter Renault-Fan war (und es eigentlich noch immer bin), gefiel mir der Passat sehr schnell.

Er ist ein schönes Auto – das leider an einigen Stellen leichten Rost entwickelt –, er ist gut und modern ausgerüstet. Seine »nur« 110 PS reichen für spritziges Fahren völlig aus. Knapp über 200 km/h bringt er auf die Straße, und wenn ich ihn so trete, säuft er wie ein Loch: 5,5 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Fahre ich ihn zivil, Landstraße, Stadt, ab und zu ein Stück Autobahn, liegt er im Durchschnitt zwischen 4,2 und 4,6 Liter auf 100. Bluemotion. Nein, keiner von diesen BluTec-Dingern, sondern einfach nur ein sparsamer Diesel. Selbst nach dem Softwareupdate, das angeblich zu einer Verbrauchssteigerung führen sollte.

Ich weiß nicht, wie ich mit den Roststellen umgehen werde. Ich überlege, sie abzuschleifen und den Wagen danach bekleben zu lassen – was ich sowieso längst vorhatte. Man wird sehen. Auf jeden Fall werde ich ihn so lange fahren wie den Laguna – bis es sich nicht mehr rechnet, ihn herrichten zu lassen, bis er ein Totalschaden ist. So oder so.

Eigentlich hätte ich mir aus eigenem Antrieb nie einen VW zugelegt. Aber die Entscheidung, auf das Angebot meines Chefs – danke, Josef! – einzugehen, war richtig und weise.

P.S.: Und ja, die Scheibe des Armaturenbretts ist wirklich so staubig … Mein Auto ist ein Gebrauchsgegenstand, kein Pflegefall.

Ein deutsches Hobby

Die Deutschen lieben es. Das Absperren. Vermutlich hätten die Deutschen es erfunden, wären sie die erste Hochzivilisation auf der Erde gewesen. Da sie das nicht waren, nicht sind und – zum Glück – auch nicht sein werden, haben sie es abgekupfert. Und ganz sicher perfektioniert. Erfahrungen haben sie ja auch dank ihrer Historie. Ich denke da an die Berliner Mauer. An die Zonengrenze.
Aber auch im Kleinen sind sie nicht pingelig. Ganz im Gegenteil. Mauern, Zäune, Ketten, Leinen, Absperrbänder aus Plastik. Die Mittel, die der Deutsche für sein Hobby nutzt, sind vielfältig. Die Gründe auch.

Dieser Platz, zwischen Murnau und Westried – hier – gelegen, direkt an der Staatsstraße 2062, war in den meisten Jahren, die ich in Westried wohnte, unauffällig. Nichts wies darauf hin, dass hier besondere Ansprüche vorlagen, Nutzungsabsichten herrschten.
Irgendwann tauchte eines der typischen, schwarz-gelben »Privat«-Schilder auf. Wozu auch immer. Ich habe in all den Jahren nur einmal einen Wagen dort stehen sehen, einen ScheißUV von einem Pilzsammler mit Hund, der aber sonst weiter im Wald parkte. Der Weg neben diesem Platz führt in den Wald, gabelt sich und endet an beiden Enden als Sackweg. Ein Trampelpfad verbindet beide Enden miteinander, sodass man mit einem Hund eine Runde gehen kann.

Dass ich nie jemanden dort stehen sah, heißt natürlich nichts. Die meisten offensichtlich illegalen Parker werden vermutlich nachts ab 1.30 Uhr dort gestanden und morgens um 5.40 Uhr verschwunden sein. Denn nur durch solche Übeltäter ist zu erklären, dass eines Tages die Steine auftauchten, die auch auf dem Foto noch zu sehen sind. Es waren freilich anfangs mehr. Sie lagen dort herum, im Weg, verhinderten, dass jemand dort seinen Wagen – ScheißUV oder was auch immer – abstellen konnte.
Möglicherweise stellte jemand fest, dass es umständlich ist, die Steine wegzuräumen, um dort zu parken. Der Eigentümer dieses Fleckchens vermutlich. Ist ja auch doof, wenn der zu vermutende eigene ScheißUV nicht über genügend Bodenfreiheit und gestählte Reifen verfügte, um über die Steine zu fahren.
Am Ende führte es zu der Kette.

Ich habe nie verstanden, was das sollte. Ich bin vermutlich nicht dumm genug, um das zu verstehen. Muss ich ja auch nicht mehr, nachdem ich dort nicht mehr lebe.
Immerhin war es manchmal ganz lustig. Einmal versperrte ein Transporter einfach den Weg vor der Kette. Auch eine Möglichkeit. Mehr als einmal hatte der Fleckchenbesitzer offensichtlich vergessen, die Kette wieder einzuhängen und mit einem Schloss zu verriegeln – sie lag auf dem Boden. Und mindestens einmal hat jemand den Pfosten in dem Betonsockel einfach umgekippt.
Wie anarchistisch manche Menschen mit solchen deutschen Leidenschaften doch umgehen, nicht wahr?

Der Wunsch, etwas abzusperren, ist kein bayerisches, sondern ein deutsches Phänomen. Deshalb findet man es auch in Nordfriesland. Die Kette oben ist irgendwo bei Lehmsiek gespannt, dort, wo ich gerne mit den Hunden gehe. Es wird ein Stück Weg … naja, Weg … es wird eine Grasfläche abgesperrt, die nach einem Weg aussieht, der allerdings nach wenigen Metern endet. Nirgendwohin führt. Nicht mal als Trampelpfad.

In Ostfriesland haben wir mal in der Nähe von Norden Urlaub gemacht. Leybuchtpolder hieß der Ort, eigentlich eine Mischung aus Straßendorf und Streusiedlung. Die Grundstücke waren alle nicht eingezäunt. Zwischen Straße und Grundstück gab es Abflussgräben. Die Einfahrten waren mit meist weißen Steinen begrenzt, nicht, um sie zu versperren, sondern um sie auch im Dunkeln sichtbar(er) zu machen. Ansonsten … nichts. Keine Zäune, keine Mauern, keine Ketten. Bepflanzung, ja. Aber selbst die war eher unauffällig, niedrig gehalten. Die großzügigen, schönen Grundstücke und die darauf stehenden, nicht minder ansehnlichen Häuser lagen offen vor den Augen des Betrachters. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, aber niemanden gefragt, um herauszufinden, wie es die Bewohner von Leybuchtpolder – und auch anderer Gegenden in Ostfriesland – schaffen, ohne Absperrungen ein normales Leben zu führen.

P.S.: Ja. Auch mein Grundstück hat einen Zaun. Wir haben Hunde. Und der Norderweg wird von Bescheuerten und Bekloppten, von des Lesens und Verstehens von Zahlen Unfähigen befahren, von Menschen, die sich für fremde Hunde vermutlich einen Scheißdreck interessieren – ich will es nicht ausprobieren. Und immerhin hat mir der Zaun erlaubt, Verbotsschilder für das Parken auf dem Grünstreifen vor meinem Haus anzubringen.