Der Alte: Wenn das Herz blutet

Gekauft habe ich ihn Ende 2012. Es war ein Leasingausläufer meines damaligen Arbeitgebers, hatte einen Hagelschaden (von dem man wissen musste, weil man ihn eigentlich nicht gesehen hat) und war deshalb im Verhältnis spottbillig. Dazu ein »Kredit« meines Arbeitgebers …
Der VW Passat mit einem 2-Liter-Bluemotion-Turbodiesel war ein feines Auto. Das Fahrvergnügen mit diesem ehemaligen Geschäftsführerwagen hat mir sehr geholfen, über das Verlusttrauma des Renault Laguna, den ich vorher fuhr, hinwegzukommen.
Und nun ist auch diese Ära zu Ende gegangen …

Nach nicht ganz 12 Jahren, in denen ich diesen VW Passat fahren durfte, ist diese Zeit Ende Mai zu Ende gegangen. Der TÜV hat sich geweigert, ihm eine neue  Plakette zu verleihen. Diverse Mängel – durchgerostete Kotflügel, ein kleines Problem mit den hinteren Bremsen, angeblich falsch eingestellte Scheinwerfer und eine vom TÜV-Prüfer zerstörte Frontscheibe – haben sich zu einem wirtschaftlichen Totalschaden kumuliert. Hinzu kamen noch Baustellen, die zwar TÜV-irrelevant waren, aber zusätzliche Kosten erzeugt hätten – so zum Beispiel eine neue Heckklappe für summasummarum 3000 Euro …

Seufz. Die vorderen Kotflügel waren in der Tat übel dran. Die Stellen, die man auf dem Foto sieht, sind wirklich durchgerostet. Es konnte mir niemand erklären, was die Fahrsicherheit in diesem Fall beeinträchtigt, aber der TÜV muss das ja auch nicht erklären.

Die Heckklappe … Sie hat sich übrigens inzwischen, wie ich heute erfuhr, als nicht durchgerostet erwiesen. Sie soll instandgesetzt werden.

Der Wagen steht jetzt noch in Winnert und wird wohl auch hier bleiben. Der neue Besitzer, der mir den Passat für 250 Euro abgekauft hat, will ihn herrichten. Denn eines ist sicher: Der gute 220.000 Kilometer gelaufene Turbodiesel ist nicht nur technisch einwandfrei, er ist nach zwei Softwareupdates auch durchaus sauber und mit einem Mixverbrauch von 4,8 Liter auf 100 Kilometer auch extrem sparsam. Ist die Karosserie hergerichtet und sind die übrigen Beanstandungen des TÜV behoben, dann wird der neue Besitzer sicher noch viel Vergnügen mit diesem Wagen haben, dessen Reparatur ich mir nicht leisten konnte und wollte.

Ich habe den Wagen heute Nachmittag noch einmal gesehen. Er steht im Ort in einer Garage, wurde schon um die rostigen Kotflügel, die Stoßstange vorne und die Heckpartie erleichtert, aber er hat immer noch den Charakter, den ich von ihm kenne. Unvergleichlich, unübersehbar. Mein Herz blutet noch ein wenig, aber es ist nach einigen Tagen schon besser geworden.


P.S.: Am Abend, als ich den Wagen abgegeben hatte, hat Schwiegermutter noch zum Essen eingeladen und meine Gattin hat eine kleine Trauerfeier arrangiert – mit einem Foto des Passat, einer Kerze und einer spontanen Ansprache, die auf jeder anderen Trauerfeier bestens angekommen wäre.

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