Schwachsinn »heute«

Wer mal richtigen Schwachsinn in Sachen Gendern goutieren möchte, gönne sich das Interview der taz mit Petra Gestern, einer »heute«-Nachrichtenmoderatorin, deren Lichtlein im Kronleuchter möglicherweise kurz vorm Exitus steht: hier.

Zitat: »Ich selbst hatte nie ein Problem mit dem generischen Maskulinum, fühlte mich tatsächlich immer mitgemeint. Aber meine Großnichte, sie ist 20, fühlt sich dadurch diskriminiert. Ausgeblendet sozusagen.« Da fehlt einer Großnichte – die Gerster ist 65, heißt es – wohl ein wenig Selbstbewusstsein. Ich als Mann könnte mich ja auch durch das generische Femininum diskriminiert fühlen; ich fände das aber blödsinnig, weil … wie kann mich denn ein sprachliches, ein orthografisches, ein grammatikalisches Konstrukt diskriminieren? Es sind doch Menschen, die diskriminieren – und hier tun sich ja die Genderfans besonders hervor, indem sie nicht nur den Frauen den Verstand absprechen, sich vom generischen Maskulinum integriert zu fühlen, sondern auch alle anderen »Nichtmänner« ebenso ausgrenzen.

Zitat: »Nach meiner ersten Sendung mit Gendersternchen, im Oktober, haben sich um die 60 Leute beschwert. Das ist schon sehr viel. Böse Briefe gab’s vor allem von Männern. Aber auch eine Frau schrieb mir polemisch, ob ich jetzt auch von der Papierkörbin sprechen wolle. Mittlerweile sind die Beschwerden pro Sendung nur noch im einstelligen Bereich, es setzt also eine Gewöhnung ein.« Das ist keine Gewöhnung. Das ist die Erkenntnis, dass es vielleicht sinnvoller ist, andere Nachrichtensendungen zu schauen oder zu hören, in denen sich der O-Ton nicht nach einer Sprachfehlersammlung anhört.

Zitat: »Um das Thema tobt ein ideologischer Kampf, der vornehmlich von – wie ich vermute – älteren Männern geführt wird. Manchmal geradezu hasserfüllt. Offenbar geht es hier um eine Machtfrage, um Deutungshoheit. Und um die Angst dahinter, etwas von dieser Macht an Frauen und andere Minderheiten abgeben zu müssen. Ich verstehe nur nicht, was jemand durch geschlechtergerechtes Sprechen verlieren könnte.« Tja, Verständnislosigkeit hat in der Regel einen Grund. Fehlendes Wissen? Dummheit? Erkenntnisverweigerung? Geschlechtergerechtes Sprechen gibt es nicht – es gibt nur eine unsaubere Aussprache, bis hin zu durch Gewöhnung (sic!) erworbene (und nicht mehr reparable) Sprachfehlern. (Und man beachte: »…an Frauen und ›andere Minderheiten‹ … – da wissen wir doch gleich, welcher Gesinnung die Dame ist.)

Zitat: »… und deshalb sollte man auf die Hörgewohnheiten der Zuschauer*innen auch Rücksicht nehmen und das Gendern nicht mit dem Bulldozer durchdrücken. Außerdem gibt es verschiedene Möglichkeiten, Diversität zum Ausdruck zu bringen.« Ja. Aber nicht mit Brabbelsuppe aus der Krabbelgruppe … Mal ganz davon abgesehen, dass Diversität ein ganz anderes Thema ist und von den Genderunfuglern eh mit Füßen getreten wird. (Mir fehlt noch die Theorie, die Genderei sei eine Erfindung alter weißer Männer, um später den Frauen die Schuld an der Zerstörung der deutschen Sprache in Schrift und Ton in die Schuhe zu schieben.)

Zitat: »Ich würde beispielsweise nicht von Neanderthaler*innen sprechen, das entbehrte nicht einer gewissen Komik. Und bei Delikten wie der Kinderpornografie würde ich wohl in den meisten Fällen von Tätern sprechen. Gendern sollte man nicht aus Prinzip, um seiner selbst willen, sondern kontextabhängig und sensibel.« Ach, es gab keine Neandertalerinnen (die sich übrigens ohne th, nur mit t schreiben würden)? Das ist schon sehr seltsam, hat man doch weibliche Neandertalerskelette gefunden … Und ach, es gibt keine weiblichen Kinderpornografietäter? Tatsächlich sollte Gendern gar nicht stattfinden, denn natürlich fidnet es immer um seiner selbst willen statt; ich als Verleger, Lektor und Korrektor habe diesbezüglich schon meine Erfahrungen machen dürfen.

Zitat: »Offenbar ist das Bedürfnis nach einer geschlechtergerechten Sprache ja eben deswegen so groß, weil Frauen – wieder oder immer noch – weniger präsent sind.« Der Witz ist – und im Grunde wird sie das im Folgenden bestätigen –, dass es nicht die Frauen sind, an denen das liegt. Auch nicht die Männer im Allgemeinen. Sehr viel wahrscheinlicher sind es die Männer – und Frauen – in den Medien, die sich zu wenig um eine gleichberechtigte Präsenz von Männlein und Weiblein auf der Mattscheibe und den Schmierblättern des Landes kümmern. Da kommt die Genderei gerade recht – als Alibi und als Ablenkung vom eigentlichen Problem.

Zitat: »Wie die Tatsache, dass in unseren Nachrichtenfilmen immer noch viel zu wenige Frauen auftreten.« Siehste!

Zitat: »[Woran liegt das?] Nun, zum einen an der noch immer männerdominierten Realität, die wir abbilden müssen, oft ist es aber einfach auch Bequemlichkeit. Man braucht einen O-Ton, und als Erstes fällt einem der Mann ein, den man schon hundert Mal als Experten gesehen und abgespeichert hat. Das war auch zu Beginn der Corona-Pandemie so. In den ersten Monaten kamen nur Virologen und Epidemiologen zu Wort, und alle Welt bekam den Eindruck, das sei eine rein männliche Domäne. Inzwischen wissen wir es besser und sehen auch in den Talkshows immer öfter eine Corona-Expertin. Nach den kompetenten Frauen muss man eben suchen, weil sie sich oft auch selbst nicht in den Vordergrund drängen, und das kostet Zeit und Mühe.« Und wieder ist nur der Mann schuld, auch daran, dass auch Medienfrauen zu faul sind, sich um ihresgleichen in der Presse und den Medien zu bemühen. Und dann waren da ja noch die beiden Weibsbilder, die die Virologin Sandra Ciesek interviewten und sie zur Quotenfrau Christian Drostens machten – was wirklich ein echter Gewinn für die Gleichberechtigung der Frau war und ist. Für mich ein Wunder, dass Frau Ciesek angesichts der Frage, ob ihr klar sei, dass sie die Quotenfrau sei, cool geblieben ist.

Fazit: Dummheit regiert. Und Gendern hilft dabei. Nur beim eigentlich angeblichen Ziel – die Gleichberechtigung der Frau (und was ist eigentlich mit den »Diversen«?) – hilft es nicht die Bohne. Ganz im Gegenteil.

Cookies nerven

Ja, Datenschutzneurotiker werden mir recht geben und sagen, das tun sie schon immer. Aber in Wirklichkeit stimmt das nicht.
Früher waren sie einfach da. Auf meiner Festplatte, je nachdem, wohin ich surfte. Hilfreich waren sie bei Seiten, wo man sich einen Login merken wollte. Gestört haben sie eigentlich nie. Und nur Datenschutzneurotiker waren wohl der Ansicht, sie seien giftig. Gut, es mag sein, dass sie Aufschluss über mein Surfverhalten geliefert haben.
Und liefern. Denn es gibt sie ja noch. Mit dem Unterschied, dass man heute auf allen Websites seine Zustimmung geben muss. Immer wieder. In allen möglichen Formen und Farben, mit den unterschiedlichsten Formulierungen und den verschiedensten Kombinationen von Ja-ich-will-oder-nee-lieber-doch-nicht-Buttons.
Das nervt. Das nervt vor allem bei Websites, die man immer wieder besucht. Das nervt auch bei Websites, die versprechen, sich den Login zu merken, das aber gar nicht wirklich tun, sondern immer wieder Logindaten abfragen (damit derjenige, der deinen PC ausspioniert, immer hübsch auf dem aktuellen Stand ist).
Und ich weiß wirklich nicht, was sich zu meinem datenschutzrelevanten Vorteil geändert hat. Die Cookies sind immer noch da, denn die Websites, die ich besuche, will ich so nutzen können, dass ich den maximalen Nutzen davon habe. Und dafür braucht es halt Cookies. Und so kann mein Surfverhalten nach wie vor ausspioniert werden – ich möchte wissen, wem so was Vergnügen bereitet, mein Surfverhalten ist letztlich an meiner Verlegertätigkeit und an meiner Tätigkeit als Lektor und Korrektor und allenfalls noch als Mitglied eines realweltlichen Haushalts orientiert. Es ist kackelangweilig, wenn man es genau nehmen möchte.
Und für die dann von mir ständig wiederkehrend genehmigte Spionage auf meinem Rechner darf ich mir nun tagtäglich und immer wiederkehrend den gleichen Scheiß zusammenklicken. Und wenn ich so einen Surftag hinter mir habe und gefühlte zwölftausend Mal auf Scheißbuttons geklickt habe, die mich am Ende doch nur verarschen, dann habe ich Lust, dem Vollidioten, der sich die Notwendigkeit der mantraartigen Dauerbestätigung hat einfallen lassen, die Fresse zu polieren. Mit einem Button, dessen Beschriftung ich mir dann noch überlegen werde.

Schafft sich der Duden selber ab?

Unter dem Titel »Und ewig gendern die Bewegten« war im letzten VDS-Infobrief vom 08.01.2021 zu lesen:


Für 12.000 Bezeichnungen von Berufen, Funktionen oder Personengruppen soll es nun im Duden Online immer zwei Wortartikel geben, so wie den Arzt (männlich) und die Ärztin (weiblich). Was auf den ersten Blick plausibel wirkt (warum eigentlich nicht?), klingt bei folgendem Beispiel wie falsch gesungen: Bisher war der Mieter „jemand, der etwas gemietet hat“, daraus wird nun „eine männliche Person, die etwas gemietet hat.“

Das stößt auf vehementen Widerspruch von Linguisten. Peter Eisenberg in Potsdam nennt das eine „Irreführung des Lesers“: Mieter, Arzt, Schüler „sind sowohl spezifisch männlich als auch generisch, also geschlechtsneutral verwendbar.“ Genau so gebrauche diese Wörter die Sprachgemeinschaft. Der Duden wisse sehr wohl, dass die neuen Definitionen falsch sind. Das sei „völlig unverantwortlich“, die Duden-Redaktion sei dem „aktuellen Gender-Unsinn“ offenbar vollends verfallen, sagt Elisabeth Leiss in München, und Ewa Trutkowski in Bozen hält der Duden-Redaktion entgegen: Mit den so geänderten Definitionen würde die sprachliche Realität eben nicht abgebildet. Damit missbrauche der Duden seinen Einfluss. Ein Wörterbuch sollte den Sprachgebrauch dokumentieren, aber nicht versuchen, ihn zu verändern. (rp-online.de, merkur.de, diepresse.com, welt.de)


Der Kommentar dazu:


Gegenderte Berufsbezeichnungen hört man zwar dauernd, aber stets aus denselben Quellen, den Medien. So wie es Kreise gibt, die einem bekannten Politiker zugestehen, dass er Frauen in den Schritt greifen dürfe, so gibt es Meinungsblasen, die ihre Auffassung in einer – kaum noch bestrittenen – soziologischen Frage mit dem mehrheitlichen, allgemeinen Sprachgebrauch vermengen. Das tun sie erklärtermaßen mit Absicht. Offenbar muss die dumme Mehrheit der Bürger so lange belehrt werden, bis auch sie redet, wie es sich gehört. Ob Umerziehung der Mehrheit Aufgabe der Medien ist, sei nur am Rande gefragt. Bei der Musikauswahl im Radio berufen sich die Medien auf die Wünsche der Mehrheit ihrer Hörer. Also was nun?

Die so vom Gendern Bewegten verwirbeln zwei Dinge, die wenig miteinander zu tun haben. Wer hat denn noch etwas dagegen, die Sache der Frauen zu stärken? Trotzdem lehnen die meisten das Gendern ab, auch die Frauen. Am Ende richtet sich der Zorn der Lernunwilligen gegen die Frauen, die zwar nichts dafür können, aber kaum zu Wort kommen. Einstweilen ernten die Frauen Lippenbekenntnisse, mehr nicht. (ob)


Ich benutze bei meiner Arbeit eine Duden-Software von einer Firma namens EPC, die von solchem Duden-Unsinnsverhalten bislang unbehelligt geblieben ist und hoffentlich auch bleiben wird. Die Software erleichtert mir die Arbeit sehr, während die Website duden.de beispielsweise längst zu einem Ärgernis geworden ist, weil es Autoren gibt, die mir mit Angaben und Aussagen (aus Telefonaten mit duden.de-Mitarbeitern) argumentieren, die völlig an der sprachlichen Wirklichkeit vorbeigehen.
Aber wie auch immer: Für mich bleibt die Genderei vor allem eines: geschlechterfeindlich – gegenüber Frauen und »Diversen«.

Tagwerk 8/1–11/1

  • 8/1: Korrektorat eines Krimis. Schönes Buch, spannend. Nach der ersten Hälfte heute ist nicht klar, wer der Böse ist.
  • Das Lektorat ist ein bisschen merkwürdig. Durchgängig falscher Einsatz des Wortes »gleichsam«, wo eigentlich »gleichermaßen«, »zugleich« oder »sowohl als auch« gemeint sind.
  • Und die »Spurensicherin« – gemeint ist hier eine weibliche Angehörige der Kriminaltechnik –, die ich zunächst für einen Verarschungsversuch hielt, hat sich dann als Tippfehler herausgestellt: »Spurensucherin« passt natürlich auch auf eine Kriminaltechnikerin.
  • 9/1: Korrektorat beendet. Es wurde dann doch klarer, wer der Böse war, aber bis zum Schluss war nicht klar, was mit der Ägypterin geschah. Schönes Buch, gut zu lesen, empfehlenswert.
  • 10/1: Buchhaltung. Alles halb so wild, sieht man von den verdammten Honorarabrechnungen ab, die einen immensen Haufen Zeit fressen, weil Daten aus drei, manchmal vier Quellen zusammengesucht werden und auf einen Nenner gebracht werden müssen. Und irgendwo hakt es immer.
  • 11/1: Morgens Belege geschrieben. Rechnungen.
    Danach E-Mails beantwortet, denn der E-Mail-Tag am 9/1 war natürlich ausgefallen.
  • Mittagsgassi: kalt, stark windig, feucht. Laut Regenradar sollte es nicht regnen, aber der wusste ja nicht, dass ich mit den Hunden raus bin. Da regnet es immer. Ich hatte sogar schon mal so eine Comicwolke. Ihr wisst schon, die ganze Welt liegt im prallen Sonnenschein, nur über dem Protagonisten regnet so ein kleines schwarzes Ding ab.
  • Und die Straßen sind dreckig. Die Bauern schaufeln mit ihren Traktoren Schlamm auf die Straßen, kommen aber nicht auf die Idee, dass man die Batzenorgie schon aus Verkehrssicherheitsgründen beseitigen könnte. Muss ja auch nicht. Das einzige Reinigungsfahrzeug im Ort gehört dem Deppen, der mal auf den Hinweis meinte, er würde in einer 30er-Zone zu schnell fahren: »Das Ding fährt doch nur vierzig.«
  • Und beim Kauf von Audis ab A4 (inklusive) und Mercedes Kombis (alle Jahrgänge, alle Modelle) gibt man offensichtlich sein Hirn ab. Anders ist nicht zu erklären, dass die ortsansässigen Raser nicht raffen, dass Winnert – mit Ausnahme der Hauptstraße – eine 30er-Zone ist. Und wozu Abstand halten, wenn’s nass und siffig ist?
  • Abendgassi: Die Diskrepanz zwischen Realität und Regenradar ist einmal mehr so groß wie der Abstand der Worte im Wörterbuch.
  • Und der Rest? Kleinkram.

Dummheit kommt aus ihren Löchern

In den Zeiten der verschärften Corona-Maßnahmen kommen Leute aus ihren Löchern gekrabbelt, deren Brabbelsuppe ich nicht einmal meiner Kloschüssel anvertrauen würde, selbst wenn sie mich dringend ersuchen würde, meinen Körper verlassen zu dürfen.

Die digitale Tageszeitung »Welt« – von der ich nicht weiß (und auch nicht wissen möchte), ob und was sie mit dem gleichnamigen Papierblatt zu tun hat – »übt massiv Kritik an Regierung und öffentlichen Rundfunk«. –
Zunächst wäre festzustellen, dass es »… und öffentlichem Rundfunk« heißen muss. Und dann ist die Zusammenstellung auf quotenmeter.de, die unter diesem Titel hier veröffentlicht wurde. Kluge Schreiberlinge hacken jedenfalls fleißig auf Regierungen – und nicht nur der deutschen, es lebe die Parität – herum, proklamieren gar, dass die Corona-Politik (hier) der deutschen Regierung gescheitert sei. Abgesehen davon, dass mir nicht klar ist, wie man in Sachen Corona Politik machen kann, war ich bislang auch davon ausgegangen, dass der Kampf gegen Corona erst dann gescheitert ist, wenn wir alle tot sind.

Aber es sind ja auch die Zahlen, die wichtig sind. Wie viel wurde zu wenig bestellt? Wie viel zu spät? Wie viel zu billig, zu teuer, welche falschen Impfstoffe zur richtigen Zeit an die falsche Lieferanschrift? Und so weiter, und so fort. –
Lustig dabei auch das Gehampele mit den Zahlen des RKI. Die gehen ja gerne hin und argumentieren bei besonders hohen Neuinfektionszahlen oder Sterberaten, dass da Zahlen nachgeliefert worden seien, die vorher gefehlt hätten. Wie dumm, wenn man nicht einmal ein Minimum statistischer Auswertungstechnik beherrscht. Denn: Wenn ich am 02. Januar 10.000 Neuinfektionen gemeldet bekomme, und am 06. Januar 14.000 Neuinfektionen, und in der Zahl vom 06. Januar 3.500 Nachmeldungen vom 02. Januar enthalten sind, dann hat es nicht am 02. Januar 10.000 und am 06. Januar 14.000 Neuinfektionen gegeben, sondern am 02. Januar (fehlerbereinigte!) 13.500 und am 06. Januar 10.500 Neuinfektionen. Diese korrekte Umgangsweise mit Nachmeldungen fällt offensichtlich niemandem ein, anderenfalls man mit diesem vorgenannten ziemlich dämlichen Argument nicht hausieren gehen könnte.

Im Radio war irgendeine Lokalpolitikerin zu vernehmen, die lamentierte, die aktuellen Maßnahmen seien unverhältnismäßig, es wäre den Bürgern in Nordfriesland bei einer Inzidenz von 35 nicht zu erklären, warum sie den gleichen Regularien unterworfen wären, wie die Sachsen mit ihrer Inzidenz größer 200. Natürlich kann man das niemandem – nicht nur Nordfriesen – nicht erklären, denn eigentlich gilt in diesem Land immer noch gleiches Recht für alle. –
Und die Tussi war ja noch nicht fertig, reklamierte noch, dass es nicht zu verantworten sei, Kitas (es heißt Kindertagesstätten, du maulfaule Kuh!) und Schulen zu schließen bzw. geschlossen zu halten, denn Kinder müssten doch Kitas (es heißt …) und Schulen besuchen dürfen, um ihre Bildung zu erhalten. Ganz nach dem offensichtlich in diesem Politikerinnengeist herumschwirrenden Irrtum, dass Bildung wichtiger als Gesundheit oder gar das Leben sei. Klar, Bildung ist wichtig – aber was nutzt mir mein Abi, wenn ich einen Meter unter der Erde liege? –
Und vielleicht hat die Dame ja auch einfach nur erkannt, dass Bildung wirklich wichtig ist und auch für sie gewesen wäre.

Und dann war da noch ein anderer Politiker, der monierte, was alles für Kinder, Jugendliche, alte Menschen usw. usf. getan würde, und die Unternehmen in Deutschland täten immer noch so, als wäre alles ganz normal, als wäre da nichts. In fünf, sechs wohlgeschliffenen, jedoch abgrunddummen Sätzen wollte der Mann offensichtlich herausstellen, dass es, da es ja uns allen schlecht ginge, nun auch an der Zeit sei, unsere Wirtschaft endgültig zu ruinieren. Begonnen hat man ja schon mit schleppend langatmigen Verfahren zur Gewährung von Unterstützungsgeldern oder deren Verwehrung von vornherein durch hirnrissige Voraussetzungen und Bedingungen (ich habe zum Beispiel von der zweiten und dritten Unterstützungswelle nichts abbekommen, weil mein Jahr 2020 gegenüber 2019 sensationell gut war). Und wenn man nun offensichtlich erreichen möchte, dass auch große und größte Unternehmen pleitegehen – warum wohl? Damit man sich die Unterstützungszahlungen sparen kann? –, dann sehe ich zumindest einen Punkt erreicht, wo man in Radio- und Fernsehanstalten ernsthaft darüber nachdenken sollte, mancher Klientel einfach das Maul zu verbieten.

So wie RTL das mit dem Wendler getan hat, mit diesem Schlagersänger, den offensichtlich keiner kennt – ich kenne jedenfalls keinen, der ihn kennt –, der sich in der Manier eines Xavier Naidoo darauf verlegt hat, Verschwörungstheorien zu scheißen. Nachdem er letztens die aktuellen Corona-Maßnahmen mit einem KZ verglich (und dann auch noch glaubte, er käme mit der Ausrede durch, KZ stünde hier für »Krisen Zentrum«), reichte es dann auch RTL – und so wird er aus den schon abgedrehten, aber noch nicht gesendeten Folgen DSDS komplett rausgeschnitten. Weise Entscheidung, RTL, weise Entscheidung – denn bei solchem geistigen Dreck reicht eine Distanzierungserklärung wirklich nicht mehr aus.

Zu solchen Dingen gäbe es noch viel zu berichten. Denn wenn man nicht wie ich mehrheitlich Nachrichtensendungen im Radio und im TV meidet, dann bekommt man dergleichen Blödsinn im Viertelstundenabstand um die Ohren gehauen, anscheinend in der Hoffnung, man könne auch mit Unsinn Corona bekämpfen. Ich bleibe diesbezüglich weg vom Ball und ermittle in allen anderen Richtungen.

P.S.: Ich finde die Idee der Mobilitätsbeschränkung (als Wort auf Platz 2 direkt hinter „Beherbergungsverbot“) auf einen 15-km-Radius spannend, nein, fantastisch. Ich freue mich schon auf die aus dem Genre der Märchen und Fabeln stammenden Geschichten der Polizisten, die mich hier in Nordfriesland zwischen Winnert und Husum mit meinem Garmisch-Partenkirchener Autokennzeichen anhalten und mir einen vom Pferd erzählen, warum sie meine Papiere sehen möchten. Das war schon in der ersten Corona-Maßnahmenphase eine lustige und spannende Sache; leider hat man mich damals nur zweimal zu verarschen versucht.

Ungeschicklichkeit mit Migrationshintergrund

Wir leben in einem Land, das nicht nur einen einschlägigen geschichtlichen Hintergrund hat, sondern in dem auch nach wie vor Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit gang und gäbe sind, gar im Aufwind befindlich, wenn man manchen Stimmen glauben möchte. Vor diesem Hintergrund halte ich die Idee des Netzwerkes »NdM« (deren Namen ich wegen des Gendersternchens in selbigem nicht ausschreibe) für ausgesprochen dämlich, Tiefdruckgebieten »Namen mit Migrationshintergrund« (ich wusste nicht, dass Namen einen solchen Hintergrund haben können) zu geben, angefangen in diesen Tagen mit dem Tief »Ahmet«. Und wie die Idee ist auch die Argumentation dämlich: »›Das Wetter diverser zu machen ist nur ein symbolischer Schritt‹, erklärte NdM-Vorsitzende Ferda Ataman. ›Wichtig ist, dass gesellschaftliche Vielfalt endlich Normalität wird, überall.‹« Mit migrationshintergründigen Namen für Tiefs (und Hochs?) erreicht man ebenso wenig die Normalität gesellschaftlicher Vielfalt – blah! – wie mit dem Genderunfug Gleichberechtigung zu erlangen ist. Tatsächlich liefert die NdM-Idee nur Wasser auf die braunen Mühlen von Antisemiten und Ausländerhassern, denn nun hat dieses Pack noch einen Grund mehr, Juden und Migranten anzugehen, nun also auch noch wegen des Wetters: zu nass, zu kalt, zu heiß, zu trocken – und Juden und Ausländer sind schuld.

Quelle: https://www.welt.de/vermischtes/…

Enneawiebittewasgenau?

Da ich mit einem Job als Pastor wenig anfangen kann – ich bin getaufter Katholik, habe mich aber vor mehr als dreißig Jahren von Gottes Bodenpersonal distanziert –, habe ich mich sinnvollerweise bei dem Verlag beworben, der Korrektoren sucht. Er hat den großen Vorteil, Arbeit von daheim vorauszusetzen, weil er selbst keinen festen Standort hat. Auch was Schönes.

Bei den Konditionen war auch gefordert, einen Enneagrammtest zu machen. Was auch immer das ist, dachte ich. So einen Test macht man jedenfalls hier. Wenn man mag.

Und als mein Ergebnis – das bei der Bewerbung dann nicht abgefragt wurde – sieht wie folgt aus. Wobei ich überzeugt bin, dass ich zwar alle Fragen wahrheitsgemäß beantwortet habe, das beschriebene Profil jedoch nicht wirklich zu mir passt. Aber so ist das halt mit Algorithmen und Fragebögen.

Enneagramm-Typ 1 – Der Reformer
Perfektionisten, verantwortungsvoll, auf Verbesserung ausgerichtet

Einsen kommt es im Wesentlichen darauf an, Dinge zu verbessern, weil sie glauben, dass nichts bereits gut genug ist. Dies macht sie zu Perfektionisten, die reformieren und verbessern wollen; sie sind Idealisten, die Ordnung in das Chaos bringen wollen, das überall lauert.

Einsen haben einen scharfen Blick für Details. Sie sind sich ständig der Mängel, die sie bei sich selbst, bei anderen oder in den Situationen, in denen sie sich befinden, bewusst. Das spornt ihr Bedürfnis nach Verbesserung an. Dies kann eine Wohltat für alle Beteiligten sein, es kann sich aber auch als Last erweisen – sowohl für die Eins, wie auch für diejenigen, die die Reformbemühungen der Eins abbekommen.

Die Unfähigkeit von Einsen, die Perfektion, die sie sich wünschen zu erreichen, nährt ihre Schuldgefühle, unzulänglich zu sein. Das nährt wiederum den aufsteigenden Zorn gegen eine nicht perfekte Welt. Zorn ist ein »schlechtes« Gefühl, und Einsen streben aufrichtig und aus ganzem Herzen danach, »gut« zu sein. Zorn wird deshalb energisch aus dem Bewusstsein verbannt, zeigt sich manchmal in Zornesausbrüchen, verbirgt sich aber für gewöhnlich in seinen weniger offensichtlichen Ableitungen: Ungeduld, Frustration, Ärger und verurteilende Kritik. Aus diesem Grund kann es Probleme beim Zusammenleben mit Einsen geben; ihre Vorzüge liegen in ihrer Neigung, loyale, verantwortungsvolle und fähige Partner und Freunde zu sein.

Einsen sind ernsthafte Menschen; sie schätzen hohe Prinzipien, sind kompetent und kompromisslos. Sie befolgen selbst die Regeln, deren Einhaltung sie auch von anderen erwarten. Weil sie so durch und durch an ihre Überzeugungen glauben, sind sie oft hervorragende Führungspersönlichkeiten, die diejenigen, die ihnen folgen, mit ihrer Vision von Spitzenleistung inspirieren können. In Reformbewegungen bilden Einsen oft die Speerspitze.

Einsen wirken oft getrieben und strebsam, manchmal sind sie Workaholics. Wo immer sie sich beruflich verwirklichen, sind sie aktive und praktische Menschen, die die Dinge geregelt kriegen. Sie sind die natürlichen Organisatoren, die Listenersteller, die alles erledigen, das auf der Liste ist; sie sind die Letzten, die das Büro verlassen, die Ersten, die es wieder betreten, geschäftig, zuverlässig, ehrlich und pflichtbewusst.

Die Unbarmherzigkeit, mit der Einsen ihre Ideale verfolgen, kann aus ihnen angespannte Menschen machen, denen die Entspannung schwer fällt und die sich unnötigerweise viele der harmlosen Vergnügungen des Lebens versagen. Sie neigen dazu, ihre Emotionen zu unterdrücken und tun sich schwer damit, ihre zarten Gefühle zu zeigen. Sie halten Emotionalität generell für ein Zeichen von Schwäche und einen Mangel an Kontrolle. Sie sind selten spontan. Sie haben aber vielfältige Interessen und Talente; sie sind selbstständig und selten haben sie nichts mehr zu tun.

Einsen sind oft intelligente und unabhängige Menschen. Sie können sich fälschlicherweise leicht für eine Fünf halten, aber anders als Fünfen sind sie in erster Linie Menschen der Tat, nicht des Denkens. Einsen neigen dazu, sich Sorgen zu machen und sich zu ängstigen, weshalb sie sich irrtümlich für Sechsen halten können; aber sie sind weit weniger anhänglich als Sechsen, und ihre Standards finden sie nicht, durch Konsens mit der Gruppe zu suchen. Schließlich kann das unbarmherzige Streben nach Perfektion seinen Tribut fordern und in die Depression führen. Unter solchen Bedingungen kann sich die Eins fälschlich für eine Vier halten. Aber Vieren haben eine Tendenz in Richtung Nachsicht gegen sich selbst, während Einsen eher selbstverleugnend sind. Vieren sind emotional ausdrucksstark; Einsen sind eher emotional gehemmt.

Dummheit, indeed

Ich lästerte ja schon mal über Ingrids Lieblingsproblem Indeed, dieses Jobportal, das man auf der Suche nach Arbeit nebst anderen Portalen nutzen kann. In der Tat scheint mit den Algorithmen bei denen etwas nicht zu stimmen.

Ich suche konkret nach Arbeit als Lektor. Und als Korrektor. In zwei Jobs also, deren Bezeichnung auf »or« endet. Und »Lektor« hat sechs Buchstaben. Insofern ist es durchaus logisch, dass ich gestern die Information erhalte, ein Verlag suche Korrektoren – da habe ich mich auch beworben – und es gäbe sechs neue Lektorenjobs für mich.

Welche Überraschung, dass die Indeed-Algorithmen offensichtlich der Ansicht sind, dass die klanglich nicht unähnlichen Jobs des Lektors und des Pastors miteinander kompatibel, gar austauschbar sind.

Amen.

Das wertvollere Gut: Leben oder Freiheit?

Letztens schrieb mir jemand, er würde sich für 2021 wünschen, dass die Menschen ihre Freiheit zurückerlangen würden. Unabhängig davon, wie oft man mir einzureden versucht, die Freiheitsrechte (Rechte?) der Deutschen würden beschnitten, halte ich diese Denkweise für falsch.

Mit Freiheit oder Unfreiheit hat das alles nichts zu tun. Das Hauptproblem bei der Seuche sind die vielen Menschen, die das Ganze falsch sehen, diejenigen, die die Regierung für den Feind halten und dabei übersehen, dass die Seuche der Feind ist, den es zu bekämpfen und zu besiegen gilt. Wir sitzen alle im gleichen Boot im Angesicht der Seuche, und die Menschen, die das nicht verstehen, sind die, die das Boot zum Kentern bringen (wollen?).