Abwesend aufm ElsterCon

Mit zunehmendem Alter werde ich wohl auch ein wenig wunderlich. Vielleicht zickig. Für mich ist das okay. Immerhin.
Was ich damit meine, ist, dass ich jetzt, wo ich im hohen Norden wohne, Probleme sehe, noch auf Cons zu fahren. Dazu gibt es verschiedene Gründe.
Zum einen musste ich überrascht feststellen, dass Husum verdammt viel weiter vom Schuss ist, als seinerzeit Murnau im Süden Bayerns. Von Murnau nach München waren es 75, 80, 85 Kilometer, je nachdem, wohin man wollte. Würde ich heute Dirk Fleck in Hamburg besuchen wollen, wären das an die zwei Stunden Fahrt und mindestens 133 Kilometer. Kiel liegt natürlich näher, ist aber mit München nicht annähernd zu vergleichen (sorry, Kiel).
Zum zweiten sind da die beiden Hundemädchen. Frau arbeitet, nicht immer, nicht regelmäßig, aber wegen ihrer Profession als an der Wellness orientierte Kosmetikerin in einem Hotel-Spa vorzugsweise auch am Wochenende. Und das sind keine zwei, drei Stunden, die sie da außer Haus ist – sondern der ganze Tag. Mit Fahrzeit und allem gerne und nicht selten 9, 10 Stunden. So lange will ich die Hundemädels nicht allein lassen. Und mitnehmen ist so eine Sache. Das geht nicht überall hin – und genau das war auch schon Grund für Boykotte. Als ich noch Mitglied bei FOLLOW war, bin ich nicht mehr auf die Feste der Fantasie gefahren, weil Hunde nicht erlaubt waren; Kinder waren es sehr wohl, aber selbstredend ist das was ganz anderes. Sagten die Veranstalter.
Und letztlich bin ich vielleicht auch einfach nur faul geworden. Ich weiß nicht, ab welchem Alter man sich das rechtlich einwandfrei erlauben kann. Ich für meinen Teil fühle mich so, dass ich davon ausgehe, das ich das heute tun darf.

Der ElsterCon, der sowieso seuchenbedingten Einschränkungen unterworfen war, musste jedenfalls ohne mich auskommen. Frau war auf einem Seminar, die Fahrt hätte leicht 6 Stunden gedauert, eine Unterkunft hatte ich gar nicht erst gesucht, wegen der Hunde gar nicht erst gefragt.
Problematisch war dabei, dass mir offiziell der Kurd-Laßwitz-Preis für meine langjährigen Leistungen verliehen werden sollte. Aber in der heutigen Zeit gibt es ja Alternativen. Ich hatte Udo Klotz ein Video versprochen:

Der Weg dahin war überraschend mühsam. Es war klar, dass Equipment und Machart weit von jeglicher Professionalität entfernt wären, aber darauf kam es wohl auch nicht an. Aber ich war überrascht, wie schwer es mir fiel, alleine vor einer Kamera einen Text zu sprechen, den ich noch dazu vorgeschrieben habe, zwar nicht ablas, aber eigentlich »konnte«. Ich war nicht unvorbereitet – und das war das Problem, das dazu beitrug, dass ich das Video lange vor mir herschob. Am Ende habe ich es dann doch hinbekommen – aber ich denke immer noch, dass es mir live, vor Publikum, aus dem Stegreif gesprochen, leichter gefallen wäre.
Sehr seltsam.
Oder auch nicht. Während meiner lange zurückliegenden Unteroffiziersausbildung hatte ich auch Unterweisungen im Umgang mit Untergebenen, und dazu gehörte auch – nicht zuletzt wegen unseres »Fachgebietes« –, vor Untergebenen selbst Unterweisungen durchzuführen, sprich: vor Publikum aufzutreten.

Das war der Tag

Drei Gassigänge. Ohne Besonderheiten. Außer vielleicht die Temperaturen. Bei all dem Sonnenschein sieht es wärmer aus, als es ist. Gestern machte ich noch den Fehler, im T-Shirt in den Wald zu gehen. Fünfzehn, sechzehn Grad, leichter Wind. Die Anstrengung des Laufens musste es rausreißen. Aber um da auf Temperaturen zu kommen, ist Naomi der falsche Hund. Die alte Schnüffelnase.
Morgens Einkauf. Ich schrieb über die einsamen Männer bei Edeka.
E-Mail-Tag. Soll nicht erfüllt. Obwohl die Mehldose schon deutlich leerer geworden ist. Oft sammeln sich auch Mails an, die man eigentlich nicht weiter beantworten muss. Aber sie bleiben liegen und die Dose sieht dann voller aus, als sie in Wirklichkeit ist. Trotzdem ist noch was übrig.
Das TV-Programm am Wochenende bleibt unerträglich. Deshalb: zwei DVDs »Frasier«, das Spin-off von »Cheers« mit Kelsey Grammar als Frasier Crane. Immer gut. Und Kabarett auf 3sat, aus der Mediathek. Sebastian Pufpaff, danach Max Uthoff.
Frau ist wieder da. Seminar beendet. Es ist alles gleich unruhiger. Die gemütliche, ruhige – auch im Sinne von: still – Woche ist vorbei. Aber es hat natürlich auch Vorteile.

Morgen wäre Buchhaltung dran. Gestrichen. Es sind noch Mails zu erledigen. Bücher müssen nachgedruckt werden (allein drei Titel von Dirk C. Fleck). Xing und LinkedIn wollte ich mir anschauen; ich brauche nächstes Jahr bezahlte Jobs. In rauen Mengen. Und da ist noch eine Liste mit Verlagen, die ich anschreiben möchte; aber da sind auch noch Recherchen zu Kontaktdaten fällig.

So geht es nicht aus. Mit zwei, drei Titeln von MC Hammer, dem Vielgehassten und Oftgeschmähten, lasse ich die PC-Arbeit ausklingen. Oder nein: noch ein Zappa zum Schluss. »Heavy Duty Judy«. Das ist gut so. »Uptown funk you up.«

Reichhaltige Idiotien

Es gibt Tage im Leben – und daneben –, da muss man sich keine Gedanken darüber machen, wie man in Kenntnis lokaler, nationaler und globaler Idiotien gelangt. Sie erreichen einen beinahe von selbst.

O du Idiotische

Persil wirbt neuerdings mit der Aufforderung, »Deutschlands meistvertrautes Waschmittel« zu entdecken. Hier zum Beispiel. Und im Radio. Und im Fernsehen. »Meistvertraut …«
Abgesehen davon, dass man »meist« nicht in Wortzusammenziehungen verwendet – sieht man von so Unwörtern wie »meistbietend« oder »meistbegünstigt« ab, die nur Auktionatoren und Rechtsanwälte benutzen – und es sich darüber hinaus in Prosatexten um ein deplatziertes Füllwort zu handeln pflegt, wäre eine Steigerung von »vertraut« ganz einfach: »vertrautest«. Aber auch das ist schlicht Humbug.
Wenn ich sage »Ich vertraue dir«, dann lässt sich das nicht steigern, allenfalls negieren: »Ich misstraue dir«. »Ich vertrauste dir« ist schlicht Unsinn. Aber auch, wenn »mir etwas vertraut ist«, kann man das nicht steigern, denn wenn mir etwas vertraut ist, dann kann es mir schlechterdings nicht vertrauter oder gar am vertrautesten sein.
Aber ich verstehe die Henkel KGaA. Wenn man seine Düsseldorfer Tensidchemie gegen Konkurrenzprodukte wie »Frosch« – denen meine Frau vertraut – und andere Bio-Vermarkter behaupten will, dann muss man halt auch zu unlauteren Methoden greifen, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Immerhin können wir uns freuen: Weihnachten naht, und so können wir dann dank Toffifee wieder schöner adventen und besser weihnachten. In meistvertrautest gewaschenen Kleidungsstücken nach unserer Fasson.

Einsame Männer bei Edeka

Der Edeka-Markt in Husum-Dreimühlen öffnet – wie viele andere Märkte in Husum auch – morgens um 8 Uhr. Zeitgleich mit dem Einlass der ersten Kunden wird das Einkaufserlebnis dadurch vergrößert, dass die Marktmitarbeiter Waren von großen Rollwägen in die Regale einräumen. Teilweise irren sie durch die Gänge auf der Suche nach dem richtigen Platz für die Ware in ihrer Hand; da streift dann schon mal ein unmaskierter junger Mann mit den Fleischbällchen in der Hand vom Joghurtregal quer durch die Gefriergutabteilung zu seinem Ziel.
Unter der Woche müssen sie meist arbeiten, aber am Wochenende haben die Männer älterer Jahrgänge Gelegenheit, mit ihren holden Eheweibern und sonstigen Lebensabschnittspartnerinnen zum Einkauf zu schreiten, gemeinsam und in auffälliger Einigk…
Ähm. Mitnichten. Die weiblichen Kunden streifen durch die Gänge und zeigen die bewundernswerte Fähigkeit, sich jederzeit daran zu erinnern, wo sie ihren vereinsamten und sichtlich verwirrten Partner mitsamt dem Einkaufswagen im Weg haben stehen lassen. Dort wartet er geduldig mit geistesabwesendem Gesichtsausdruck auf die Rückkehr der – in diesem Falle – Ernährerin und sorgt für immer wiederkehrende Erlebnisse abenteuerlicher Slaloms für die männlichen Kunden, deren Partnerin – zum Glück? – auf einem Seminar in Eckernförde weilt und damit einem einsamen Mann bei Edeka das Schicksal als solcher erspart hat.

Sternchen gibt’s von Schlägen auf den Kopf

Der wöchentliche Infobrief des VDS e.V. (Verein Deutsche Sprache) entwickelt sich mehr und mehr zu einem krönenden, höchst gelungenen Wochenabschluss. Heute wurde in einem Text die »Katholische Studierende Jugend« erwähnt, die »Gott« ab sofort mit Idiotenst… äh, Gendersternchen schreibt: »Gott*«. Sie wollten damit »weg von dem strafenden, alten, weißen Mann mit Bart«, sie wollen »hin zu einer Gottes*vielfalt«. Man wolle »Gott aus der geschlechtlichen Ebene herausheben und aufzeigen, dass Gott weder einem Geschlecht noch anderen menschlichen Kategorien zuzuordnen sei«.
Da wünscht man sich die Weibsbilder zurück, die ständig »Gott ist weiblich« (oder sinngemäß ähnlich) pro- und deklamieren, oder besser noch:
»Herr, lass Hirn vom Himmel regnen!«

Another Day of Scan

Den gestern verschobenen ScanDay habe ich dann heute nachgeholt. Es war ein Haufen Fanzines aus der Zeit Ende der Fünfziger, Anfang bis Mitte der Sechziger, sehr viel Umdruckmaterial – nicht ganz einfach zu scannen, aber inzwischen kenne ich mich mit dem Spielchen schon aus; die Ergebnisse sind lesbar, aber nichts für Leute mit schlechten Augen und wenig Geduld – und xerografierte Fanzines. Zwischen den Fanzines, die sehr oft mit dem SFCD der damaligen Zeit zu tun hatten – Rundbriefe von XY an alle SFCD-Mitglieder (und FOLLOWer, die auch im SFCD Mitglied waren; an diese ergingen sogar nicht nur Aufrufe, etwas Bestimmtes zu tun, sondern regelrechte Befehle!), Ergüsse kritischer Gedanken, Gemecker, Gemotze, Gemaule, Vereinspolitik – fand sich auch ein ordentlicher Stapel von Einzeldokumenten, von denen ich ad hoc nicht herausfinden konnte, wie sie zustande kamen und wie sie seinerzeit welche Empfänger erreichen. Da wird zu einem späteren Zeitpunkt noch einiges aufzuarbeiten sein.

Der nächste ScanDay kommende Woche wird sich mit den Utopia-Großbänden aus dem Pabel-Verlag und vor allem mit den darin enthaltenen »Meteoriten« von Walter Ernsting, mithin also wieder auch und vor alle mit dem SFCD beschäftigen.
Dazu werde ich die Originale des »Daedalos« von Hubert Katzmarz & Co. scannen, um beizeiten daraus einen Reprint zu produzieren.
Und dann habe ich aus ganz, ganz alten Zeiten noch eine Zettelsammlung eines Professor Hacker, der zu Lebzeiten in Archiven aller Art Informationen zu Auswanderungen von Deutschen in alle Herren Länder gesammelt und zusammengestellt hat. In den Neunzigerjahren hatte ich Kontakt mit einer Genealogin in München, die solche Daten und Informationen in Buchform – bei einem amerikanischen Verlag! – veröffentlichte, und irgendwann erbte ich diesen Karton, eigentlich mit dem Ziel, ein weiteres Buch daraus zu machen, aber dann ging der Kontakt verloren. Zu Professor Hacker, zu der Genealogin – auf deren Namen ich ums Verrecken nicht mehr komme – und zu dem amerikanischen Verlag. Nur die Unterlagen gingen nicht verloren, und die möchte ich nun scannen, damit sie auch in digitaler Form archiviert sind. Und vielleicht doch noch verarbeitet werden können …

Hundehalter, Waldkacker und Radlerhonks

Mittagsgassi. Es sah nach Sonne und Wärme aus. Also gedachte ich, in den Wald zu fahren. Lehmsiek. Immer eine gute Ecke. Und gedacht, getan. Zunächst war es allerdings gar nicht so warm. 16 Grad, in der Sonne etwas mehr. Aber es ging auch im T-Shirt.
Unser Parkplatz – hier – ist inzwischen Standard. Man ist schon im Wald, der Fahrweg ist geschottet, nicht mehr asphaltiert.

Gerade, als wir losgingen, kam aus der Seitenstraße rechts eine Frau auf einem Fahrrad mit zwei Hunden. Beide liefen unangeleint, sie nahm den einen an die Leine. Ich ließ meine Mädels sitzen, die Passage verlief unproblematisch, sieht man davon ab, dass Naomi einen ihrer »Gesänge«, die sie für solche Gelegenheiten auf Lager hatte, abließ. (»Gesänge« ist eine Hilfsumschreibung für etwas eigentlich Unbeschreibliches: Jaulen, Brummeln, kleine Wuffer, eine Bandbreite von mehreren Oktaven – wenn man es nicht selbst hört, kann man sich nichts darunter vorstellen.)
Wir folgten dem Trio in die gleiche Richtung. Naomi nahm – wie immer bei Hunden, die vor ihr hergelaufen waren – Witterung und Spur auf und zog wie Hechtsuppe. Wie üblich, wie gesagt. Ein Stück später bogen wir dann links in den Wald ab – hier.

An einer »Kreuzung« gab es eine Bank, auf der eine Tussi saß. Neben ihr stand ein Fahrrad. Und ich glaubte, irgendwo einen Hund gehört zu haben, sah aber nichts. Die Tussi reagierte auf das landestypische »Moin« mit einem dummen Gesicht, ansonsten schweigsam. Und starrte uns hinterher, wie wir unseren Weg fortsetzten, alle zwei bis drei Meter unterbrochen von Naomis Schnüffelattacken.
Den folgenden Weg gingen wir zum ersten Mal, er war gut erkennbar, aber nicht sonderlich befestigt. Zwischendrin gab es eine merkwürdige Attraktion – die wie eine Art Thron aussah und mit Absperrband umwickelt war – und später noch eine, die aus einem Baumstumpf mit einer Art Schubladen aus unterschiedlichen Holzarten bestand: Bildung im Wald.
An seinem Ende gab es so etwas wie einen Waldkindergarten, jedenfalls trieben sich da ein paar Frauen und Kinder herum. Dort trafen wir die Frau mit den beiden Hunden wieder. Die zwei waren angeleint und ohne Ansprache, sodass sie bellten und jaulten, um Frauchen mitzuteilen, was sie an Besonderem in der Umgebung festgestellt haben. Frauchen juckte das nicht. Der Klönschnack war wichtiger.

Dieser Wegweiser:

befand sich hier. Der Richtungshinweis zum Wilden Moor kam mir zunächst komisch vor, später wurde mir allerdings bewusst, wo ich mich befand und dass die Richtungsangabe völlig korrekt ist.

Zwischen dem vorherigen und diesem Wegweiser:

passierte uns die Fahrradfahrerin mit den beiden Hunden. Ich ließ meine Mädels wieder sitzen, aber diesmal hatte die Radlerin wohl ihre Intelligenz und Vernunft unterwegs verloren, denn beide ihrer Hunde liefen frei. Mit der fast logischen Folge, dass der Hund, der bei der ersten Begegnung angeleint war, auf Naomi zukam und diese vorging. Es gab keine Auseinandersetzung, aber alleine die Tatsache, dass mir Naomi mit ihrer Bewegung die raue Leine ein Stück durch die Hand riss, war Anlass für einen saftigen Fluch. Denn – so leid es mir tut – dieser Akt der Dummheit war schlicht und ergreifend unfreundlich.

Die weißen Hinweisschilder mit der schwarzen Schrift findet man in der Gegend um das Wilde Moor überall. Sie zeigen die Wege für Radler und Reiter an, dazu Entfernungen zu bestimmten Orten. Wirklich falsch finde ich hier die Richtungsangabe nach Winnert – ich würde die andere Richtung nehmen –, aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich kein Reiter bin.

Am Ende war der Gassigang in Ordnung. Er kostete mich – als Diabetiker – eine ordentliche Menge Blutzucker, sparte also Insulin, die Hunde hatten ihre Bewegung.
Geärgert habe ich mich trotzdem. Nicht nur über die Radlerin mit ihren Hunden – die natürlich nichts für Frauchens Dummheit konnten –, sondern auch über die zahllosen – es waren sechs Stück –, an den unglaublichsten Stellen parkenden ScheißUV – die Leute fahren echt mit dem Auto zum Kacken in den Wald! –, den fahrenden Pkw, der seinen Kackplatz noch nicht gefunden hatte, und die beiden Radler, die es partout nicht schafften, nebeneinander zu fahren, um zu zeigen, dass ihnen der § 1 der StVO bekannt ist.

Nur nicht schludern

Oder hudeln. Oder schlampen. Oder so.

ScanDay abgesagt. Ich hatte einfach keine Lust. Nicht, den zweiten Rechner einzuschalten, nicht, den Stapel Papier zu sichten, Heftklammern zu entfernen, zu prüfen, ob alle Seiten wirklich lose sind oder noch zusammenhängen. Einfach keine Lust.

Stattdessen habe ich das Layout für Klaus Hübners dritten Band des Konzeptwerks »Kein Twitter, kein Facebook« – ein Titel, der inzwischen vollständig zu mir und meinem Verlag passt –, der unter dem Titel »Bierkämpfe, Barockengel und andre Bavaresken« (»andre« hier nur richtig mit einem »e«) erscheinen wird, vorangetrieben. Auch dieses dritte Buch, in dem es um Sprachglossen sowie Arbeiten zu Literatur, Kunst, Städten und Landschaften in Bayern geht, war in der Vorbereitung für mich wieder höchst spannend und lehrreich. Unter anderem bin ich auf einen Autor gestoßen, der mich wohl noch verlegerisch beschäftigen wird. Auf jeden Fall lernt man »einen grandiosen Philologen aus der Holledau kennen, subversive Revolutionäre aus Schwabing, einen anarchistischen Bierkämpfer, einen halbböhmischen Stifter-Fan, einen Römer aus Hof und einen Marmorkuchen über der Donau. Dazu Männer im Kanu, eine gezähmte Wildsau, eine herzergreifende Madonna, einen wüsten Totentanz, Poesien in Acryl und einiges mehr« (Zitat aus dem geplanten Klappentext).

Am späteren Nachmittag kam dann ein Telekomtechniker zu Besuch. Ich hatte in den Tagen zuvor ziemlichen Stunk bei Vodafone – meinem Provider – gemacht, weil mir ständig die DSL-Verbindung abbricht und neu synchronisiert wird – und das vorzugsweise tagsüber (heute bis zum Technikerbesuch alleine 18 Mal) – und zudem, weil Vodafone zu wenig Bandbreite liefert. Laut der Bundesnetzagentur – da muss ich noch mal genauer recherchieren – ist eine dauerhafte »Kürzung« um 5 Prozent rechtmäßig; alle andere ist Vertragsbruch, und seit Monaten habe ich im Download mindestens 10 Prozent zu wenig (in Extremfällen bislang bis zu 92 Prozent!). Aber gut. –
Der Techniker war da, hat gemessen und letztendlich festgestellt, dass bei mir vor Ort alles in Ordnung ist. –
Hauptproblem mit Vodafone ist die Kommunikation: Man kann eigentlich nur Faxe schicken. Telefonisch gerät man an Schlaumeier, die einem bei 90 Prozent fehlender Bandbreite einzureden versuchen, der Vertrag gehe ja nur über »maximal 100|40 MBit« – mit der besonderen Betonung auf »maximal«. Und das Webformular für Servicetickets funktioniert nicht. E-Mail ist sowieso nicht drin. Und statt über den Festnetzanschluss kommuniziert Vodafone über Mobilfunk (Telekom!) – Sausack, wer Böses dabei denkt.

Erledigungsmeldungen

  • Der erste Buchblock – traditionell zur Fahnenkorrektur bestimmt – der Anthologie »Das Alien tanzt Walzer« ist fertig und wurde heute an Ellen Norten, die Herausgeberin, zur Begutachtung – und gerne auch Fehlerauffindung – gemailt. Das war das Buch, das ich letztens »aus lauter Verzweiflung« zu layouten begonnen habe.
  • »AntiquaRiot 2«, mein Beitrag zur FAN 130, ist auch fertig, an den OH gemailt, ausgedruckt und für die Post vorbereitet.
  • Meine Frau hat mir ja wieder nichts erzählt. Deshalb war mein erster Alleintermin bei der Hundephysio Andrea eine Überraschung. Einen Gummianzug in meiner Größe für den Pool gibt es nicht – aber Andrea erwartet auch nicht zwingend, dass die Kunden mit dem Hund ins Wasser gehen. Sie macht das auch. Das allerdings ist echte Arbeit für Kim gewesen – denn Frauchen mit ihrem Laissez-faire- und Spieltriebbefriedigungsstil ist halt doch eine andere Hausnummer. Bei Andrea wird richtig gearbeitet. Und Kim hat das wie immer toll gemacht.
  • Morgen ist ScanDay.
  • Und ich hoffe, der Telekomiker, der hoffentlich morgen auch wirklich erscheint, findet den Fehler, der mir die Geschäftsbeziehung zu Vodafone derzeit ziemlich verdirbt. Aber das ist keine Geschichte für heute.

Bei »Monster« verloren

Ich habe scherzeshalber beim Jobportal »Monster« eine Jobsuche eingegeben und gespeichert. Die Suche beinhaltet nur einen Suchbegriff: »Lektor«. Als Angebote bekommt man so was hier:

In der Tat sucht bei »Monster« nicht ein Mensch nach einem Lektor. Oder ich suche nach dem falschen Begriff. Vielleicht versuche ich einfach mal so was wie »Textschrauber«.

Worte zum Tag

  • Nachdem ich drei Tage an dem läppischen Brett für das WC im Erdgeschoss »rumgemacht« habe, musste ich gestern noch zwei Millimeter kürzen. Durch die Farbe auf den Seiten passte das Brett ums Verrecken nicht. Muff. Ich denke bei solchen Gelegenheiten immer, dass es für solche Sachen Leute gibt, die es können und damit ihren Lebensunterhalt verdienen.
  • Jetzt ist das Brett angebracht, sieht gut aus, die Ränder eher schlampig. Aber ich war dann heute Morgen beim Obi in Husum, um eine Abschlussleiste zu beschaffen, die nicht zu doll aufträgt. Gefunden. Dazu doppelseitiges Klebeband. Gefunden, sogar schmal – nur neun Millimeter breit. Das passt. Und erspart mir linkshändische Verwendung von Hammer und Nagel.
  • Danach Schnelleinkauf bei Famila. Alles gut.
  • Ich bin leidenschaftlicher Nutzer des Microsoft Publisher. Quark Xpress habe ich, glaube ich, nur einmal angeschaut. InDesign durfte ich bei meinem alten Arbeitgeber nutzen – um zu entscheiden, dass andere Leute mit einem Zwanzigtonner ihr Rasenhandtuch mähen sollen. Und auch der Affinity Publisher ist mir – obwohl vorliegend – irgendwie zu wenig intuitiv. Der Publisher ist ein feines Programm, das alle meine Wünsche erfüllt und mit dem man Bücher und andere Drucksachen machen kann, denen nicht anzusehen ist, dass man Adobe keine immensen Geldbeträge in den Rachen geworfen hat.
  • Heute Morgen habe ich ein Stündchen damit zugebracht, meine diversen Publisher-Buchvorlagen zu sortieren, nomenklatorisch einwandfrei zu benennen und in einem Verzeichnis zusammenzufassen. Penibler Kleinkram.
  • Für die Preisverleihung des KLP 2020 auf dem ElsterCon am kommenden Wochenende habe ich einen Text geschrieben. Nach dem mittäglichen Gassigang habe ich ein Video aufgenommen. Alles sehr seltsam. Ich habe das ewig vor mir hergeschoben. Live vor Publikum hätte ich kein Problem gehabt. Ich leide nicht unter Lampenfieber, unter anderem eine Auswirkung meiner Ausbildung zum Unteroffizier der Bundeswehr, da hat man den Auftritt vor Untergebenen gelernt. Hilfreich. Aber allein, daheim, vor dem Handy auf einem völlig idiotisch designten Handystativ (gehört meiner Frau, ich mache normalerweise mit meinem Blackberry keine Videos), war das komisch. Und an ein, zwei Stellen hat auch der aufgeschriebene Text nicht geholfen, da habe ich gestockt. Aber der eine Versuch muss reichen. (Ihr bekommt das Video hier nach dem ElsterCon zu sehen.)
  • Seit der Ausgabe 129 der APA FAN bin ich dort (wieder) Mitglied (das erste Mal ist lange, lange her). Am 30.09. ist Redaktionsschluss für die nächste Nummer, also galt es auch, hierfür einen Beitrag zu verfassen. Seit Juli habe ich das vor mir hergeschoben, den täglichen Outlooktermin gelöscht und nichts geschrieben. Heute dann. Morgen werde ich noch ein Schlusswort verfassen, dann geht das Ganze per Mail an Thomas, den »OH« (Oberhirte?), sowie als Ausdruck in zwölf Exemplaren in die Post an ihn.

Gespräch im Walde

Der Lehmsiek bei Schwabstedt ist ein schönes Waldstück mit reichhaltigen Spazierwegen. Ich bin derzeit dabei, mir Weg für Weg zu erschließen. Das waldreiche Areal hat bei hohen Temperaturen und prallem Sonnenschein einen großen Vorteil für meine beiden schwarzen Hundemädchen: Es ist schattig. Sehr angenehm.
Angenehm ist auch, dass die Gegend schön ruhig ist. Die nächstgelegene Fahrstraße ist eine Nebenstraße der L38, die irgendwohin führt, wo kaum jemand hin will. Hollbüllhuus, Fresendelf. Nach den bisherigen Erfahrungen mit dem eher langweiligen Wald zwischen Winnert und Ostenfeld sowie dem Ruheforst zwischen Ostenfeld und Rott muss ich feststellen, dass der Lehmsiek die beste Lokation der drei Wäldchen ist.

Heute hatten wir dann eine nette Begegnung. Wir waren schon auf dem Rückweg, als ich zwischen den Bäumen Menschen gewahrte. Und dann kam ein schwarzer Hund auf uns zu, nicht angeleint. Man rief mir zu, ich könnte meine loslassen, er – der fremde Hund – sei vollständig sozialisiert. Was sich auch bewahrheitete. (Leider dürfen meine beiden Damen im Wald nicht ohne GPS-Tracker laufen, weil sie gerne ihrer Jagdleidenschaft frönen; und Kim fand schon in Bayern Wälder toll für stundenlange Exkursionen.)
Der Hund mit Namen Paul war jedenfalls ein Labrador-Bordercollie-Mix (mit einem eindeutig dominanten Labrador-Gen-Set), ein Rüde, ein hübscher Kerl, der gut zu meinen beiden Mädchen gepasst hätte. Und es gab auch keinen Stress zwischen den drei Hunden.
Pauls Herrchen und Frauchen hatten meinen Passat – immer noch mit Garmischer Kennzeichen – gesehen und nicht nur den, sondern auch die »Gendern – nein danke«-Aufkleber, die ausgesprochen positiv aufgenommen wurden. So kamen wir ins Gespräch und unterhielten uns über den Umgang mit der deutschen Sprache, die derzeit in Deutschland vor allem von Politik und Verwaltungen, von Medien und den überall auftretenden Unbelehrbaren systematisch beschädigt wird. Wir sprachen über Facebook, ein wenig über Politik, über dies und das.
Ein Biergarten wäre an der Stelle praktisch gewesen, ging mir später durch den Kopf.