Schrauben lockern

Alle Welt seucht. Außer vielleicht die Westsahara, Tadschikistan und Nordkorea – da gibt es kein Corona, glaubt man der WHO-Karte. Der Rest der Welt seucht und fährt die Gesellschaft entweder runter oder vor die Wand.

Deutschland hat sich offensichtlich für die Wand entschieden. Dieser Tage labern alle schon wieder von Lockerungen, Lockerungen, Lockerungen. Als wenn alle eine Schraube locker hätten. Dass das Konzept der Regierung nicht wirklich stringent ist, sollte nach über einem Jahr längst klar sein. Und wie wird darauf reagiert? Mit Lockerungsgelaber.

Während Neuseeland (4,8 Mio. Einwohner per 01.07.2019) bei 2384 Krankheitsfällen und 26 Todesfällen (Stand heute) vermutlich eine Inzidenz nahe null vorzuweisen hat, und auch Australien (25,2 Mio. Einwohner) mit 28986 Erkrankungen und 909 Todesfällen noch richtig gut aussieht, sonnt sich Deutschland (83,5 Mio. Einwohner) in den wundervoll strahlenden Zahlungen der 2.460.030 Erkrankungen und 70.881 Toten.

Es ist sicherlich tragisch für manchen, wenn verderbliche Waren – wie Pflanzen und Gartenartikel – unverkauft dahinscheiden (was Pflanzen auch tun, wenn sie vorher verkauft wurden), aber das kann man verkraften. Weniger zu verkraften ist das Gejammer von Leuten, die noch nie von innerfamiliären Scherpartys oder gar Rasierapparaten gehört zu haben scheinen und fordern, dass Friseure ihrer Profession nachgehen sollen müssen – was ich aus Sicht der Friseure nachvollziehen kann, jedoch nicht mittels der Motivation der fordernden Kunden.

Es ist unzweifelhaft eine schwierige Situation – aber mit der in Deutschland vorherrschenden Denkweise ist das Seuchenproblem ganz offensichtlich nicht in den Griff zu bekommen. Aber die Deutschen haben sich schon immer darin gefallen, ihre eigenen Fehler zu machen, statt sich die Ideen anderer Länder zu eigen zu machen.

Ich für meinen Teil habe natürlich leicht reden. Ich fahre einmal in der Woche früh morgens zum Einkauf, immer in den gleichen, großen und garantierte gedrängefreien Supermarkt. Ich habe nicht einmal hamstern müssen. Ich rasiere Bart und Haare mit einem taiwanesischen Rasierer mit (verschleißfreier) Keramikklinge. Und wenn was vom Baumarkt gebraucht wird, bestellt Frau Haitel bei Obi und holt es dann ab. Und alles andere kommt per Post, DHL, DPD, Amazon und anderen Lieferdiensten. Und ich darf mir getrost Sorgen machen, wie es in Deutschland weitergehen wird, wohlwissend, dass wir hier niemals australische oder neuseeländische Ideen ausprobieren werden. Vielleicht prophezeit uns noch Frau Merkel vor ihrem Abschied, wann wir den hunderttausendsten Toten verzeichnen dürfen; solcherart Prophezeiungen hat sie ja schon Ende 2020 schon einmal gemacht.

Rassistische Pantomimen

Dieser Tage könnte man meinen, der WDR hätte es sich zur Leidenschaft gemacht, nach der Arschkarte zu greifen. Aber nicht immer ist er auch schuld daran. Diese Geschichte hier

wäre unnötig gewesen, wenn man die Angehörigen der sogenannten »Streichkultur« (nein, den Anglizismus bekommt ihr hier nicht zu lesen) häufiger körperlich züchtigen würde. Dann wären sie mit anderen Dingen beschäftigt, zum Beispiel Krankenhausaufenthalten, Rekonvaleszenzphasen und so weiter.

Das »Schwarzgesichten« hat eine ewig lange Tradition und durchaus gute Gründe. Und kein Schwarzer wird ernsthaft Argumente für Diskriminierungsgefühle finden, wenn Weiße sich nicht entblöden, sich das Gesicht im Karneval anzumalen. Und wenn doch … Ich bin sicher, dass so jemand andere Probleme hat, zum Beispiel zu glauben, dass die Absicht solchen Tuns ist, Schwarze zu diskriminieren.

Es wird nun wohl Zeit für die Erwartung, wann Frauen das Schminken verboten wird. Zombies könnten sich über schlechte Make-ups echauffieren, Leichen würden sich Gothics entgegenstellen und deren Aussehen verurteilen. Ich derweil fordere, dass Pantomimen auf den Straßen fürderhin die Anmalerei ihres Gesichtes mit weißer Farbe unterlassen, denn als Angehöriger einer Sippe alter weißer Männer fühle ich mich von diesem Tun nicht nur diskriminiert, sondern auch veralbert. (Und dann sind da noch die grünen Männchen vom Mars …)

Dummheit kommt aus ihren Löchern

In den Zeiten der verschärften Corona-Maßnahmen kommen Leute aus ihren Löchern gekrabbelt, deren Brabbelsuppe ich nicht einmal meiner Kloschüssel anvertrauen würde, selbst wenn sie mich dringend ersuchen würde, meinen Körper verlassen zu dürfen.

Die digitale Tageszeitung »Welt« – von der ich nicht weiß (und auch nicht wissen möchte), ob und was sie mit dem gleichnamigen Papierblatt zu tun hat – »übt massiv Kritik an Regierung und öffentlichen Rundfunk«. –
Zunächst wäre festzustellen, dass es »… und öffentlichem Rundfunk« heißen muss. Und dann ist die Zusammenstellung auf quotenmeter.de, die unter diesem Titel hier veröffentlicht wurde. Kluge Schreiberlinge hacken jedenfalls fleißig auf Regierungen – und nicht nur der deutschen, es lebe die Parität – herum, proklamieren gar, dass die Corona-Politik (hier) der deutschen Regierung gescheitert sei. Abgesehen davon, dass mir nicht klar ist, wie man in Sachen Corona Politik machen kann, war ich bislang auch davon ausgegangen, dass der Kampf gegen Corona erst dann gescheitert ist, wenn wir alle tot sind.

Aber es sind ja auch die Zahlen, die wichtig sind. Wie viel wurde zu wenig bestellt? Wie viel zu spät? Wie viel zu billig, zu teuer, welche falschen Impfstoffe zur richtigen Zeit an die falsche Lieferanschrift? Und so weiter, und so fort. –
Lustig dabei auch das Gehampele mit den Zahlen des RKI. Die gehen ja gerne hin und argumentieren bei besonders hohen Neuinfektionszahlen oder Sterberaten, dass da Zahlen nachgeliefert worden seien, die vorher gefehlt hätten. Wie dumm, wenn man nicht einmal ein Minimum statistischer Auswertungstechnik beherrscht. Denn: Wenn ich am 02. Januar 10.000 Neuinfektionen gemeldet bekomme, und am 06. Januar 14.000 Neuinfektionen, und in der Zahl vom 06. Januar 3.500 Nachmeldungen vom 02. Januar enthalten sind, dann hat es nicht am 02. Januar 10.000 und am 06. Januar 14.000 Neuinfektionen gegeben, sondern am 02. Januar (fehlerbereinigte!) 13.500 und am 06. Januar 10.500 Neuinfektionen. Diese korrekte Umgangsweise mit Nachmeldungen fällt offensichtlich niemandem ein, anderenfalls man mit diesem vorgenannten ziemlich dämlichen Argument nicht hausieren gehen könnte.

Im Radio war irgendeine Lokalpolitikerin zu vernehmen, die lamentierte, die aktuellen Maßnahmen seien unverhältnismäßig, es wäre den Bürgern in Nordfriesland bei einer Inzidenz von 35 nicht zu erklären, warum sie den gleichen Regularien unterworfen wären, wie die Sachsen mit ihrer Inzidenz größer 200. Natürlich kann man das niemandem – nicht nur Nordfriesen – nicht erklären, denn eigentlich gilt in diesem Land immer noch gleiches Recht für alle. –
Und die Tussi war ja noch nicht fertig, reklamierte noch, dass es nicht zu verantworten sei, Kitas (es heißt Kindertagesstätten, du maulfaule Kuh!) und Schulen zu schließen bzw. geschlossen zu halten, denn Kinder müssten doch Kitas (es heißt …) und Schulen besuchen dürfen, um ihre Bildung zu erhalten. Ganz nach dem offensichtlich in diesem Politikerinnengeist herumschwirrenden Irrtum, dass Bildung wichtiger als Gesundheit oder gar das Leben sei. Klar, Bildung ist wichtig – aber was nutzt mir mein Abi, wenn ich einen Meter unter der Erde liege? –
Und vielleicht hat die Dame ja auch einfach nur erkannt, dass Bildung wirklich wichtig ist und auch für sie gewesen wäre.

Und dann war da noch ein anderer Politiker, der monierte, was alles für Kinder, Jugendliche, alte Menschen usw. usf. getan würde, und die Unternehmen in Deutschland täten immer noch so, als wäre alles ganz normal, als wäre da nichts. In fünf, sechs wohlgeschliffenen, jedoch abgrunddummen Sätzen wollte der Mann offensichtlich herausstellen, dass es, da es ja uns allen schlecht ginge, nun auch an der Zeit sei, unsere Wirtschaft endgültig zu ruinieren. Begonnen hat man ja schon mit schleppend langatmigen Verfahren zur Gewährung von Unterstützungsgeldern oder deren Verwehrung von vornherein durch hirnrissige Voraussetzungen und Bedingungen (ich habe zum Beispiel von der zweiten und dritten Unterstützungswelle nichts abbekommen, weil mein Jahr 2020 gegenüber 2019 sensationell gut war). Und wenn man nun offensichtlich erreichen möchte, dass auch große und größte Unternehmen pleitegehen – warum wohl? Damit man sich die Unterstützungszahlungen sparen kann? –, dann sehe ich zumindest einen Punkt erreicht, wo man in Radio- und Fernsehanstalten ernsthaft darüber nachdenken sollte, mancher Klientel einfach das Maul zu verbieten.

So wie RTL das mit dem Wendler getan hat, mit diesem Schlagersänger, den offensichtlich keiner kennt – ich kenne jedenfalls keinen, der ihn kennt –, der sich in der Manier eines Xavier Naidoo darauf verlegt hat, Verschwörungstheorien zu scheißen. Nachdem er letztens die aktuellen Corona-Maßnahmen mit einem KZ verglich (und dann auch noch glaubte, er käme mit der Ausrede durch, KZ stünde hier für »Krisen Zentrum«), reichte es dann auch RTL – und so wird er aus den schon abgedrehten, aber noch nicht gesendeten Folgen DSDS komplett rausgeschnitten. Weise Entscheidung, RTL, weise Entscheidung – denn bei solchem geistigen Dreck reicht eine Distanzierungserklärung wirklich nicht mehr aus.

Zu solchen Dingen gäbe es noch viel zu berichten. Denn wenn man nicht wie ich mehrheitlich Nachrichtensendungen im Radio und im TV meidet, dann bekommt man dergleichen Blödsinn im Viertelstundenabstand um die Ohren gehauen, anscheinend in der Hoffnung, man könne auch mit Unsinn Corona bekämpfen. Ich bleibe diesbezüglich weg vom Ball und ermittle in allen anderen Richtungen.

P.S.: Ich finde die Idee der Mobilitätsbeschränkung (als Wort auf Platz 2 direkt hinter „Beherbergungsverbot“) auf einen 15-km-Radius spannend, nein, fantastisch. Ich freue mich schon auf die aus dem Genre der Märchen und Fabeln stammenden Geschichten der Polizisten, die mich hier in Nordfriesland zwischen Winnert und Husum mit meinem Garmisch-Partenkirchener Autokennzeichen anhalten und mir einen vom Pferd erzählen, warum sie meine Papiere sehen möchten. Das war schon in der ersten Corona-Maßnahmenphase eine lustige und spannende Sache; leider hat man mich damals nur zweimal zu verarschen versucht.

Ungeschicklichkeit mit Migrationshintergrund

Wir leben in einem Land, das nicht nur einen einschlägigen geschichtlichen Hintergrund hat, sondern in dem auch nach wie vor Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit gang und gäbe sind, gar im Aufwind befindlich, wenn man manchen Stimmen glauben möchte. Vor diesem Hintergrund halte ich die Idee des Netzwerkes »NdM« (deren Namen ich wegen des Gendersternchens in selbigem nicht ausschreibe) für ausgesprochen dämlich, Tiefdruckgebieten »Namen mit Migrationshintergrund« (ich wusste nicht, dass Namen einen solchen Hintergrund haben können) zu geben, angefangen in diesen Tagen mit dem Tief »Ahmet«. Und wie die Idee ist auch die Argumentation dämlich: »›Das Wetter diverser zu machen ist nur ein symbolischer Schritt‹, erklärte NdM-Vorsitzende Ferda Ataman. ›Wichtig ist, dass gesellschaftliche Vielfalt endlich Normalität wird, überall.‹« Mit migrationshintergründigen Namen für Tiefs (und Hochs?) erreicht man ebenso wenig die Normalität gesellschaftlicher Vielfalt – blah! – wie mit dem Genderunfug Gleichberechtigung zu erlangen ist. Tatsächlich liefert die NdM-Idee nur Wasser auf die braunen Mühlen von Antisemiten und Ausländerhassern, denn nun hat dieses Pack noch einen Grund mehr, Juden und Migranten anzugehen, nun also auch noch wegen des Wetters: zu nass, zu kalt, zu heiß, zu trocken – und Juden und Ausländer sind schuld.

Quelle: https://www.welt.de/vermischtes/…

Das Problem des Adrian Monk

Na gut, die Figur hat mehr als ein Problem. Aber eines dieser Probleme hätte Adrian Monk mit diesem Einkauf gehabt:

Wären es 100,00 Euro glatt gewesen, wäre alles gut – aber 99,99 Euro, das geht gar nicht. Unsereiner hätte einen Hunderter rübergereicht und »Der Rest ist für Sie« gesagt. Monk kann das nicht. Bei ihm muss der Einkauf wirklich 100,00 Euro kosten. Also könnte er noch einen Artikel für 1 Cent kaufen – doch was soll das sein? Eine Packung Bonbons anbrechen? Das geht auch nicht. Nichts geht, dieser Einkauf wäre das Ende.

Es sei denn, er – bzw. Natalie – würde noch für weitere 100,01 Euro einkaufen. Ich glaube, das ginge. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ich weiß es nicht. Und Adrian Monk möglicherweise auch nicht.

Werbidioten

Kaufland bewirbt seine aktuellen Produkte, die es »diesen Dobimi« gibt … »Dobimi«? Links oben steht es ausgeschrieben: »Donnerstag bis Mittwoch«. Wer die deutsche Sprache nicht lesen und nicht sprechen kann, sollte die Gelegenheiten nutzen, die seit 2015, seit der Flüchtlingsschwemme in Deutschland geschaffen wurden. Nennt sich Sprachkurs. Und gibt’s nicht nur »Dobimi«.

PokerStars, ein für mich völlig nebensächlicher und überflüssiger Anbieter für Pokerzocker, macht jetzt Werbung mit einem »frischen Markenansatz« (so der Blog auf pokerstars.com): »Zwei Wörter. Mehr braucht es nicht. I’M IN.« Es ist schon scheiße, wenn Deutsche die deutsche Sprache nicht beherrschen, nicht zuletzt, weil sie ihre Muttersprache mit Anglizismen und anderem Unsinn verseuchen. Aber nicht mal den Unsinn, den man verzapft, im Griff zu haben, das erinnert mich irgendwie an den Zauberlehrling. »I’M IN« jedenfalls sind genau *DREI* Wörter: »I AM IN«, so kennt es der der englischen Sprache mächtige Fachmann, und er weiß auch, dass sich durch die apostrophische Verkürzung zu »I’M IN« weder normal noch versal die Zahl der Worte verringert. – Mein Fazit dazu: Auf einer Pokerseite, die in einer Werbekampagne schon nicht richtig zählen kann, würde ich nicht spielen wollen – da würde ich meine Gewinne doch zu sehr gefährdet sehen.

Panik macht nicht nur Angst

Nein, sie lenkt mitunter auch davon ab, sich wirklich mit dem eigentlichen Problem zu beschäftigen.

Als es mit der Seuche in Deutschland losging, damals im März, hat mich als Erstes maßlos das mediale Trara aufgeregt – und das geht mir bis heute so. In den Nachrichten gab es nichts mehr als Corona. Weder im Radio noch im Fernsehen (wo ich eh schon keine Nachrichten mehr anschaue, weil ich die Leidensmienen im thematischen Zusammenhang einfach unerträglich theatralisch finde). Überall. Nur Corona. Im Sudan verhungerte kein Mensch mehr, in Syrien starb kein Zivilist mehr unter den Schandtaten Assads, der Türken, der Russen und natürlich auch der NATO. Putin hätte tot sein können, keiner hätte es gemerkt. In Brasilien erstarkten die Nazis nun auch, und keiner bekam es mit. Einzig Trump kann die Seuche bisweilen durchdringen, aber es stellte sich schon damals die Frage, ob das wirklich besser ist.

Aus meinem Umfeld bekam ich als Reaktion auf meine Kritik an den Medien die Frage zu hören, ob ich die Seuche nicht ernst nehmen würde. Ich verstand nicht, was die Seuche und ihre direkten physiologischen Auswirkungen auf Erkrankte mit medialem Gebimmel und Gebammel um der Einschaltquoten willen zu tun hat. Es konnte mir auch niemand erklären. Und bei all dem katastrophalen Medientheater wurde bis heute übersehen, dass es vor allem eines bewirkte: Panik. Und dann Angst. Und dann eben das, was irgendwann folgen musste: Covidiotie.

Bis heute.

Heute Morgen fand ich in der Süddeutschen Zeitung online den Artikel »Das Corona-Panikorchester« von Stephan Russ-Mohl, einem Journalisten. Und obwohl ich mit einigen seiner Ansichten und Äußerungen nicht übereinstimme – ich sehe zum Beispiel keine Einschränkung fundamentaler Grundrechte, die entgegen der landläufigen Meinung vor allem der Covidioten in diesen Zeiten einfach auch ihre Grenzen haben müssen (unter anderem, weil sonst die Seuche die Grenzen ganz woanders zieht) –, frage ich mich doch vor allem: Warum, verdammt noch mal, hat das so lange gedauert?

Besonders bemerkenswert finde ich, dass es ausgerechnet ein Journalist ist, der seinesgleichen vorwirft, es zu übertreiben und damit den falschen Weg zu beschreiten. Richtigerweise nicht nur seiner Mischpoche – denn wir dürfen die Politiker nicht vergessen, die auch ihr Scherflein zur medialen Verdummung des Bürgertums – die ich schlimmer finde als die vermeintliche Einschränkung fundamentaler Grundrechte – beitragen.

Ich lehne die Berichterstattung der Medien nach wie vor größtenteils ab. Es gibt Ausnahmen. Der Corona-Podcast von NDRinfo – der mit Christian Drosten und Sandra Ciesek – ist ganz sicher eine gute Einrichtung; und diesem Podcast sollte man das Recht vorbehalten, über Zahlen und Fakten zu berichten, statt jedem dahergelaufenen Schmierfinken und Kameraschieber das Wort zu reichen. Das Meiste, was man zu hören und zu lesen bekommt, ist nicht geeignet, zu informieren, sondern allenfalls zu ängstigen. Oder zu Ignoranz zu verleiten, was letztlich auch mehr schadet als nutzt.

P.S.: Apropos Sandra Ciesek. Da war ja noch dieses Spiegel-Interview, geführt von zwei Journalistinnen (die man dummdeutsch wohl als »Schmierfinkinnen« bezeichnen müsste?), die mit ihren Fragen bewiesen haben, dass sie die Seuche auch nicht verstehen, dafür aber auch keine Ahnung von Wissenschaftlerinnen im Live-Betrieb haben. Den beiden Weibsbildern hätte man sicherlich eine bessere Plattform für ihren Aktivitätsdrang bieten können. Ich denke da an eine Strickgruppe. Oder Origami. – Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Morgens im Supermarkt

Ich habe heute einen ziemlich engen Zeitplan. Da freue ich mich über das Wissen, dass der Lieblingssupermarkt morgens angenehm leer ist. Eine Kasse von zehn ist geöffnet, niemand steht an. Der Einkauf macht Spaß.

An der Kasse dann ist vor mir ein Pärchen. Der Einkaufswagen ist voll. Wenige Artikel in größeren Stückzahlen. Ich denke an Hamster. Sie hält eine Papiertüte in der Hand, steht dumm rum und im Weg. Er packt den Wagen aus, mit einer Hand, in aller Ruhe. Nachdem er zehn Packungen Reis aufs Band gestellt hat, meint die Kassiererin, sie bräuchte immer nur eine Verpackung. Nach einer Weile dringt das auch in seinen Geist und er packt alle Artikel bis auf jeweils einen wieder in den Wagen zurück. In aller Seelenruhe. Sie steht mit der Papiertüte dumm rum und im Weg. Er moniert die Geschwindigkeit der Kassiererin, er müsse ja noch packen. Die Kassiererin antwortet launig; morgens um acht Uhr geht das noch. Die Papiertüte wird dumm im Weg rumgehalten. Dann schafft sie es immerhin, mit der EC-Karte zu bezahlen, nachdem er mit einer Hand sein Portemonnaie aus der Jacke gefischt hat und dann weiter in den Wagen räumt, mit einer Hand und aller Seelenruhe. Sie bezahlt mit der dummen Papiertüte im Weg. Er räumt ein.

Diese Zeilen zu schreiben hat etwa halb so lange gedauert wie der geschilderte Vorgang. Morgens um acht Uhr geht das noch.

Somma Zeit umstelln?

Die Sommerzeit ist rum. Der Klassiker. Jetzt kommen wieder die Tage, wo alle rumnölen. Meckern, motzen, maulen. Alle Jahre wieder präsentieren die Menschen ihre Flexibilität, gegen die zwölf Quadratmeter Supermarktplatz weich wie Butter in der Sonne sind. Faseln von Biorhythmus. Und davon, dass das ja gar nichts mehr mit Energieeinsparung zu tun hat. Dummes Zeug.

Und noch ein Klassiker. Morgens um 6:02 Uhr klingelt der Wecker. Wie jeden Tag. Ja, auch sonntags. Ich bin Workaholic. Und Gewohnheitstier. Es gibt keinen Grund, nicht auch am Sonntag um 6:02 Uhr aufzustehen. Dumm nur, wenn der BlackBerry, dieser Klugscheißer, 5:02 Uhr anzeigt. Zunächst denke ich, der BlackBerry gehe falsch – in dem guten alten analogen Wecker steckt immerhin keine Software, da kann nichts falsch gehen. Aber dann … Öhm.

Ja, der Klassiker. Normalerweise stelle ich am Abend vorher, vorm Zubettgehen, die Uhren um. Das geht allerdings nur, wenn Frau Haitel nicht wieder mit irgendwas für Chaos oder sonstige Ablenkung gesorgt hat. Hat sie aber. Macht sie eigentlich immer. Mist.

Aber ich kann damit leben. Ich kann mit den beiden Zeitumstellungen grundsätzlich leben. Finde sie gut. Meine Oma (mütterlicherseits) hat das ihr Leben lang ignoriert. Auf die Frage, wie sie denn im Sommer ihre Termine »umrechne«, meinte sie sinngemäß, das halte sie geistig fit. Trimm doch – Sommerzeit mal wieder. Auch eine Variante. Aber kein Klassiker. Oder vielleicht doch. Ich kenne zu wenig alte Leute, denen es vielleicht ähnlich wie meiner Oma geht. Ich könnte meinen Nachbarn fragen. Der ist in dem Alter, in dem mein Vater jetzt wäre. Aber der hat einen anderen Weg gewählt, die Zeitumstellungen zu ignorieren. Den endgültigen.

Vor anderthalb Jahren oder so hat Europa in einer Onlineumfrage entschieden, aus den Zeitumstellungen auszusteigen. Die Argumente sind bekannt. Ich fand sie alle nicht sehr sinnvoll; wie gesagt, ich kann damit leben. Und nächstes Jahr im Oktober soll es so weit sein – die letzte Umstellung. Oder auch nicht. Denn zwar ist sich Europa einig, aussteigen zu wollen – aber nicht, in welche Zeit. Was bedeutet, dass einige Länder bei der Sommerzeit bleiben wollen, also letztmals im März umstellen; andere Länder wollen in die Winterzeit, stellen also letztmals im Oktober um.
Das Problem: Das geht nicht. Unsere Welt ist in Zeitzonen aufgeteilt, eine sowieso schon zwangsläufig ein wenig willkürliche Aufteilung. Aber man kann die Zeitzonen, in denen Europa liegt – WEZ (= GMT), MEZ, OEZ, MSK (Moskau) – nicht noch zersplittern, aus der MEZ eine MEWZ und eine MESZ machen. Fährst du von Kopenhagen nach Hamburg – eine Stunde zurück; von Hamburg nach Amsterdam – eine Stunde vor; von Amsterdam nach London – das weiß doch keine Sau mehr! Und nicht einmal da schaffen es die Menschen, sich einig zu sein.

Ich denke, ich werde es wie meine Oma halten. Ich ignoriere das einfach. Ich werde wie zuvor auch am letzten Märzwochenende die Uhren eine Stunde vorstellen – und mich nicht darüber ärgern, dass angeblich eine Stunde verloren geht, weil das gar nicht stimmt –, und am letzten Oktoberwochenende stelle ich die Uhren wieder eine Stunde zurück. Und nächstes Jahr werde ich mich nicht über die Differenz zwischen Wecker und BlackBerry wundern, sondern einfach um 5:02 Uhr aufstehen und mich über einen Tag freuen, der eine schöpferische Stunde länger scheint.