Sturer Haufen und Hut

Der Bayerische Rundfunk ist aus vielen Jahren und Jahrzehnten bekannt für ein Verhalten, das man schon mal als zensorisch bezeichnen konnte. Ich erinnere mich daran, dass zwei, drei Titel von Frank Zappa gekürzt wurden, wenn sie über den Äther kamen. Oder TV-Sendungen, die im ARD-Sendegebiet des BR nicht übertragen wurden, weil sie den BR-Oberen nicht gefielen. Aber die Sturheit des BR kann auch positive Auswirkungen haben, so positiv, dass ich davor glatt meinen Hut ziehe. Was ich meine? Das steht hier.

Keine Solidarität mit meinen Worten

Deutschland erregt sich. Über alles Mögliche, das ein Kleingeist nicht verarbeiten kann. Auch über Satire. Und Blackfacing. Der Tagesspiegel jedenfalls füttert den deutschen Kleingeist mit seinen eigenen Befürchtungen: hier.
Es ist wohl typisch für linke Blätter, sich auf eine Thematik in dieser Form zu stürzen, und dabei so ganz nebenbei die Frage danach eben nicht zuzulassen, wie es denn mit dem „Whitefacing“ zum Beispiel im Voodookult aussieht. Ach ja, hier zieht ja die Religionsfreiheit, die freilich auch in Zeiten der Ausübung religiös argumentierter Gewalt ein höheres Gut ist als die Freiheit der Kunst.

Dass die Lage in Deutschland auch ganz andere Aspekte hat und konkrete Befürchtungen zulässt, weiß das Redaktionsnetzwerk Deutschland: hier.
Am Ende der Entwicklung wird ein verbaler und argumentativer Kampf »Jeder gegen jeden« stehen, der gar nicht ausgetragen werden kann, weil niemand mehr sagen darf, was er zu sagen hat, denn er ist für das Thema nie die richtige Person. Es sind ständige Schläge gegen die Solidarität in der Gesellschaft, und am Ende gibt es Solidarität nicht mehr — ist vielleicht selbst Opfer der »Streichidioten« (mein Deutsch für fanatische und gedankenlose Anhänger der undeutsch benannten »Cancel Culture«) geworden –, weil ich mich mit niemandem mehr solidarisieren kann, ohne die falsche Person für welches Thema auch immer zu sein.

RDP über Entsolidarisierung der Gesellschaft

Die Entsolidarisierung der Gesellschaft ist ein Problem, bei dem auch die Tendenzen der gewaltsamen Veränderungen der deutschen Sprache eine Rolle spielen. Stichworte: »Gendern«, »Cancel culture«, »Political correctness« u. v. m. Richard David Precht geht darauf speziell hier nicht ein, aber die entsolidarisierte Gesellschaft ist nicht nur sprachlich präsent.

Richard David Precht in der NDR Talk Show | 26.03.2021

Siehe auch in der NDR-Mediathek.

Suchmaschine für Rassisten?

Meine Frau meint, ich solle nicht immer nur das Schlechte sehen. Es sei doch eine hilfreiche Funktion, wenn man Bilder chinesischer Füße suchen würde. Aber aus unerfindlichen Gründen fiel mir bei dieser Meldung, die heute Morgen über den Xing-Newsletter kam, als Erstes ein, dass das eine hervorragende Suchmaschine für Rassisten wird: Hautton auswählen >> Bilder anzeigen lassen >>  Hasstiraden absondern: »pinterest startet Funktion für Hautton-Auswahl«.

Fimmel: Leadershit

Wenn ich so was schon lese …

Ich bin irgendwann an kununu geraten, weil ich meinen letzten Arbeitgeber bewerten wollte. Seitdem bekomme ich deren Newsletter, der nicht wirklich uninteressant ist, weshalb ich ihn noch nicht abgewählt habe. Aber manchmal …

Da wird ein Interview mit einer Katja Kraus mit dem Thema »Frauenquote & Female Leadership« – hier zu finden – angekündigt, wobei ich mich schon frage, warum da wieder so ein nichtssagender Anglizismus platziert werden muss.

Aber in der Tat ist das hier schon ein guter Hinweis auf das Zeug, dass die gute Frau so von sich gibt. So sieht sie zum Beispiel »einen großen Gewinn in Unterschiedlichkeit und in verschiedenen Betrachtungsweisen«. In einer homogenen Gesellschaft »läuft man Gefahr«, wie sie meint, »dass aus Homogenität ein ungutes Überlegenheitsgefühl entsteht«.

Das Gegenteil indes ist der Fall, denn je mehr man die Gesellschaft(en) in kleine Gruppen und noch kleinere Grüppchen argumentativ und verball zersplittert, umso mehr geht nicht nur die Homogenität, sondern auch die Solidarität verloren. Am Ende der Entwicklung stehen lauter Ein-Personen-Gruppen, die sich nach dem Motto »Jeder gegen jeden« gegenseitig unterdrücken können – und klar, Leute mit der Denke einer Katja Kraus finden darin dann ihre »neue Homogenität«.

Und über den Rest mag sich jeder selbst ein Bild machen. Ich finde es sehr traurig, wundere mich aber nicht, wenn in der abschließenden Vita herausgestellt wird, dass die Frau aus dem Marketing kommt … Ja, nee, klar, oder?

Schrauben lockern

Alle Welt seucht. Außer vielleicht die Westsahara, Tadschikistan und Nordkorea – da gibt es kein Corona, glaubt man der WHO-Karte. Der Rest der Welt seucht und fährt die Gesellschaft entweder runter oder vor die Wand.

Deutschland hat sich offensichtlich für die Wand entschieden. Dieser Tage labern alle schon wieder von Lockerungen, Lockerungen, Lockerungen. Als wenn alle eine Schraube locker hätten. Dass das Konzept der Regierung nicht wirklich stringent ist, sollte nach über einem Jahr längst klar sein. Und wie wird darauf reagiert? Mit Lockerungsgelaber.

Während Neuseeland (4,8 Mio. Einwohner per 01.07.2019) bei 2384 Krankheitsfällen und 26 Todesfällen (Stand heute) vermutlich eine Inzidenz nahe null vorzuweisen hat, und auch Australien (25,2 Mio. Einwohner) mit 28986 Erkrankungen und 909 Todesfällen noch richtig gut aussieht, sonnt sich Deutschland (83,5 Mio. Einwohner) in den wundervoll strahlenden Zahlungen der 2.460.030 Erkrankungen und 70.881 Toten.

Es ist sicherlich tragisch für manchen, wenn verderbliche Waren – wie Pflanzen und Gartenartikel – unverkauft dahinscheiden (was Pflanzen auch tun, wenn sie vorher verkauft wurden), aber das kann man verkraften. Weniger zu verkraften ist das Gejammer von Leuten, die noch nie von innerfamiliären Scherpartys oder gar Rasierapparaten gehört zu haben scheinen und fordern, dass Friseure ihrer Profession nachgehen sollen müssen – was ich aus Sicht der Friseure nachvollziehen kann, jedoch nicht mittels der Motivation der fordernden Kunden.

Es ist unzweifelhaft eine schwierige Situation – aber mit der in Deutschland vorherrschenden Denkweise ist das Seuchenproblem ganz offensichtlich nicht in den Griff zu bekommen. Aber die Deutschen haben sich schon immer darin gefallen, ihre eigenen Fehler zu machen, statt sich die Ideen anderer Länder zu eigen zu machen.

Ich für meinen Teil habe natürlich leicht reden. Ich fahre einmal in der Woche früh morgens zum Einkauf, immer in den gleichen, großen und garantierte gedrängefreien Supermarkt. Ich habe nicht einmal hamstern müssen. Ich rasiere Bart und Haare mit einem taiwanesischen Rasierer mit (verschleißfreier) Keramikklinge. Und wenn was vom Baumarkt gebraucht wird, bestellt Frau Haitel bei Obi und holt es dann ab. Und alles andere kommt per Post, DHL, DPD, Amazon und anderen Lieferdiensten. Und ich darf mir getrost Sorgen machen, wie es in Deutschland weitergehen wird, wohlwissend, dass wir hier niemals australische oder neuseeländische Ideen ausprobieren werden. Vielleicht prophezeit uns noch Frau Merkel vor ihrem Abschied, wann wir den hunderttausendsten Toten verzeichnen dürfen; solcherart Prophezeiungen hat sie ja schon Ende 2020 schon einmal gemacht.

Rassistische Pantomimen

Dieser Tage könnte man meinen, der WDR hätte es sich zur Leidenschaft gemacht, nach der Arschkarte zu greifen. Aber nicht immer ist er auch schuld daran. Diese Geschichte hier

wäre unnötig gewesen, wenn man die Angehörigen der sogenannten »Streichkultur« (nein, den Anglizismus bekommt ihr hier nicht zu lesen) häufiger körperlich züchtigen würde. Dann wären sie mit anderen Dingen beschäftigt, zum Beispiel Krankenhausaufenthalten, Rekonvaleszenzphasen und so weiter.

Das »Schwarzgesichten« hat eine ewig lange Tradition und durchaus gute Gründe. Und kein Schwarzer wird ernsthaft Argumente für Diskriminierungsgefühle finden, wenn Weiße sich nicht entblöden, sich das Gesicht im Karneval anzumalen. Und wenn doch … Ich bin sicher, dass so jemand andere Probleme hat, zum Beispiel zu glauben, dass die Absicht solchen Tuns ist, Schwarze zu diskriminieren.

Es wird nun wohl Zeit für die Erwartung, wann Frauen das Schminken verboten wird. Zombies könnten sich über schlechte Make-ups echauffieren, Leichen würden sich Gothics entgegenstellen und deren Aussehen verurteilen. Ich derweil fordere, dass Pantomimen auf den Straßen fürderhin die Anmalerei ihres Gesichtes mit weißer Farbe unterlassen, denn als Angehöriger einer Sippe alter weißer Männer fühle ich mich von diesem Tun nicht nur diskriminiert, sondern auch veralbert. (Und dann sind da noch die grünen Männchen vom Mars …)

Dummheit kommt aus ihren Löchern

In den Zeiten der verschärften Corona-Maßnahmen kommen Leute aus ihren Löchern gekrabbelt, deren Brabbelsuppe ich nicht einmal meiner Kloschüssel anvertrauen würde, selbst wenn sie mich dringend ersuchen würde, meinen Körper verlassen zu dürfen.

Die digitale Tageszeitung »Welt« – von der ich nicht weiß (und auch nicht wissen möchte), ob und was sie mit dem gleichnamigen Papierblatt zu tun hat – »übt massiv Kritik an Regierung und öffentlichen Rundfunk«. –
Zunächst wäre festzustellen, dass es »… und öffentlichem Rundfunk« heißen muss. Und dann ist die Zusammenstellung auf quotenmeter.de, die unter diesem Titel hier veröffentlicht wurde. Kluge Schreiberlinge hacken jedenfalls fleißig auf Regierungen – und nicht nur der deutschen, es lebe die Parität – herum, proklamieren gar, dass die Corona-Politik (hier) der deutschen Regierung gescheitert sei. Abgesehen davon, dass mir nicht klar ist, wie man in Sachen Corona Politik machen kann, war ich bislang auch davon ausgegangen, dass der Kampf gegen Corona erst dann gescheitert ist, wenn wir alle tot sind.

Aber es sind ja auch die Zahlen, die wichtig sind. Wie viel wurde zu wenig bestellt? Wie viel zu spät? Wie viel zu billig, zu teuer, welche falschen Impfstoffe zur richtigen Zeit an die falsche Lieferanschrift? Und so weiter, und so fort. –
Lustig dabei auch das Gehampele mit den Zahlen des RKI. Die gehen ja gerne hin und argumentieren bei besonders hohen Neuinfektionszahlen oder Sterberaten, dass da Zahlen nachgeliefert worden seien, die vorher gefehlt hätten. Wie dumm, wenn man nicht einmal ein Minimum statistischer Auswertungstechnik beherrscht. Denn: Wenn ich am 02. Januar 10.000 Neuinfektionen gemeldet bekomme, und am 06. Januar 14.000 Neuinfektionen, und in der Zahl vom 06. Januar 3.500 Nachmeldungen vom 02. Januar enthalten sind, dann hat es nicht am 02. Januar 10.000 und am 06. Januar 14.000 Neuinfektionen gegeben, sondern am 02. Januar (fehlerbereinigte!) 13.500 und am 06. Januar 10.500 Neuinfektionen. Diese korrekte Umgangsweise mit Nachmeldungen fällt offensichtlich niemandem ein, anderenfalls man mit diesem vorgenannten ziemlich dämlichen Argument nicht hausieren gehen könnte.

Im Radio war irgendeine Lokalpolitikerin zu vernehmen, die lamentierte, die aktuellen Maßnahmen seien unverhältnismäßig, es wäre den Bürgern in Nordfriesland bei einer Inzidenz von 35 nicht zu erklären, warum sie den gleichen Regularien unterworfen wären, wie die Sachsen mit ihrer Inzidenz größer 200. Natürlich kann man das niemandem – nicht nur Nordfriesen – nicht erklären, denn eigentlich gilt in diesem Land immer noch gleiches Recht für alle. –
Und die Tussi war ja noch nicht fertig, reklamierte noch, dass es nicht zu verantworten sei, Kitas (es heißt Kindertagesstätten, du maulfaule Kuh!) und Schulen zu schließen bzw. geschlossen zu halten, denn Kinder müssten doch Kitas (es heißt …) und Schulen besuchen dürfen, um ihre Bildung zu erhalten. Ganz nach dem offensichtlich in diesem Politikerinnengeist herumschwirrenden Irrtum, dass Bildung wichtiger als Gesundheit oder gar das Leben sei. Klar, Bildung ist wichtig – aber was nutzt mir mein Abi, wenn ich einen Meter unter der Erde liege? –
Und vielleicht hat die Dame ja auch einfach nur erkannt, dass Bildung wirklich wichtig ist und auch für sie gewesen wäre.

Und dann war da noch ein anderer Politiker, der monierte, was alles für Kinder, Jugendliche, alte Menschen usw. usf. getan würde, und die Unternehmen in Deutschland täten immer noch so, als wäre alles ganz normal, als wäre da nichts. In fünf, sechs wohlgeschliffenen, jedoch abgrunddummen Sätzen wollte der Mann offensichtlich herausstellen, dass es, da es ja uns allen schlecht ginge, nun auch an der Zeit sei, unsere Wirtschaft endgültig zu ruinieren. Begonnen hat man ja schon mit schleppend langatmigen Verfahren zur Gewährung von Unterstützungsgeldern oder deren Verwehrung von vornherein durch hirnrissige Voraussetzungen und Bedingungen (ich habe zum Beispiel von der zweiten und dritten Unterstützungswelle nichts abbekommen, weil mein Jahr 2020 gegenüber 2019 sensationell gut war). Und wenn man nun offensichtlich erreichen möchte, dass auch große und größte Unternehmen pleitegehen – warum wohl? Damit man sich die Unterstützungszahlungen sparen kann? –, dann sehe ich zumindest einen Punkt erreicht, wo man in Radio- und Fernsehanstalten ernsthaft darüber nachdenken sollte, mancher Klientel einfach das Maul zu verbieten.

So wie RTL das mit dem Wendler getan hat, mit diesem Schlagersänger, den offensichtlich keiner kennt – ich kenne jedenfalls keinen, der ihn kennt –, der sich in der Manier eines Xavier Naidoo darauf verlegt hat, Verschwörungstheorien zu scheißen. Nachdem er letztens die aktuellen Corona-Maßnahmen mit einem KZ verglich (und dann auch noch glaubte, er käme mit der Ausrede durch, KZ stünde hier für »Krisen Zentrum«), reichte es dann auch RTL – und so wird er aus den schon abgedrehten, aber noch nicht gesendeten Folgen DSDS komplett rausgeschnitten. Weise Entscheidung, RTL, weise Entscheidung – denn bei solchem geistigen Dreck reicht eine Distanzierungserklärung wirklich nicht mehr aus.

Zu solchen Dingen gäbe es noch viel zu berichten. Denn wenn man nicht wie ich mehrheitlich Nachrichtensendungen im Radio und im TV meidet, dann bekommt man dergleichen Blödsinn im Viertelstundenabstand um die Ohren gehauen, anscheinend in der Hoffnung, man könne auch mit Unsinn Corona bekämpfen. Ich bleibe diesbezüglich weg vom Ball und ermittle in allen anderen Richtungen.

P.S.: Ich finde die Idee der Mobilitätsbeschränkung (als Wort auf Platz 2 direkt hinter „Beherbergungsverbot“) auf einen 15-km-Radius spannend, nein, fantastisch. Ich freue mich schon auf die aus dem Genre der Märchen und Fabeln stammenden Geschichten der Polizisten, die mich hier in Nordfriesland zwischen Winnert und Husum mit meinem Garmisch-Partenkirchener Autokennzeichen anhalten und mir einen vom Pferd erzählen, warum sie meine Papiere sehen möchten. Das war schon in der ersten Corona-Maßnahmenphase eine lustige und spannende Sache; leider hat man mich damals nur zweimal zu verarschen versucht.