Wie man den Tag verbringt

  • 4/4: Ostersonntag. Rainer Eisfeld feiert seinen 80sten Geburtstag. Später wird sich zeigen, dass unser Geburtstagsbuch gut angekommen ist.
    Ich habe AntiquaRIOT 4 für die FAN-APA 132 geschrieben. Diesmal nur vier Seiten. Das Ding wird man hier Ende April herunterladen können.
    Ostereier gesucht, die Hundemädchen haben geholfen.
    Mit Mama telefoniert. Das ist Ostertradition.
    Layouts für zwei Gabriele-Behrend-Storysammlungen.
    Textarbeiten für den Schorm-Bildband.
  • 5/4: Kleinkram.
    Telefonat mit Thomas Franke zu verschiedenen Themen, vor allem zu unserem ansonsten noch geheimen Buchprojekt. Sicher ist: Das wird das geilste Buch, das ich bisher gemacht habe; und wohl auch das teuerste. Und es wird nicht nur bei diesem einen Werk bleiben.
    Abends die Arbeiten an den Texten für den Schorm-Bildband beendet.
  • 6/4: Amazon zickt ja wieder rum. Bücher, die schon mal bei KDP veröffentlicht waren und damit in der Amazon-Datenbank enthalten sind, lassen sich über Bookwire nicht neu einstellen, weil die ISBN nicht mehr verwendbar sei. Nachdem ich sechs solcher Bücher zunächst für Amazon gesperrt habe, habe ich sie wieder aktiviert, weil ich nicht einsehe, dass Amazon zu entscheiden hat, was mit meinem Eigentum – den ISBN – geschieht.
    Nachmittags mit den Hunden zum physiotherapeutischen Schwimmen. Kim macht das inzwischen sehr gut; für Naomi ist es noch sehr ungewohnt und sie bewegt die Hinterläufe nicht richtig, wenn man sie nicht dazu animiert.
  • 7/4: Wenig Aufregendes heute.
    Nach dem Gassigang am Nachmittag habe ich am Layout für einen neuen Storyband von Gabriele Behrend gearbeitet.
    Und gen Feierabend ging es einmal mehr um das Story-Vermächtnis von Manfred Borchard. Mit einem Fünftel der annähernd 900 Seiten Word-Datei bin ich durch.
  • 8/4: Ein früherer Autor und leider nicht sehr guter Kunde hat zuletzt endlich einen Weg gefunden, alte Schulden zu begleichen und unser Vertragsverhältnis auf anständige Weise zu beenden. Fast sechs Jahre hat das gedauert. Immerhin. Seine Bücher habe ich vom Markt genommen. Wie schnell allerdings die E-Books verschwinden, kann ich nicht beeinflussen.
    Abends die Andrucke von Klaus Hübners viertem Band mit dem schönen Titel »Dermaleinst, anderswo und überhaupt« geprüft und zum Druck freigegeben. Die Tetralogie ist damit vollständig.
    Noch später habe ich die Texte für einen Gedichtband mit Illustrationen vorbereitet. Wird als kleines Hardcover in der Größe eines Jewel Cases erscheinen. Die Bilder sind von Marianne Labisch. Den Gedichtautor halte ich noch geheim. Man braucht ja mal ein Geheimnis. Von Zeit zu Zeit.
  • 9/4: Ich arbeite seit drei Tagen, nein, seit vier Tagen am Layout eines Naturführers für einen Reutlinger Verlag. Aufwendiger als erwartet. Oder ich werde doch alt.
    Mit Michael telefoniert. Es gibt möglicherweise Stress in der Szene wegen eines NOVA-Mitarbeiters. Da will sich wieder jemand um Sachen kümmern, die eigentlich für ihn nicht relevant sind. Und einmal mehr wird vergessen, die einzig wichtige Frage zu stellen: »Wer hat das Problem?«
    Dann geht es weiter mit dem Layout von Gabriele Behrends »Liebesmaschine«.
    Und später geht es um den ersten Roman in meinem neuen Imprint »Zwischen den Stühlen« (gemeinsam mit Kai Beisswenger).

Ja. So verbringt man seine Tage. Ich jedenfalls.

Schlachtopfer

Winnerts möglicherweise letztes Schlachtopfer im Jahre 2021 – und die Schlachtung fand statt, als es bereits nicht mehr erlaubt war, zu schlachten.

Die Ausreden sind immer die Gleichen:
»Das haben wir schon immer gemacht.«
»Das macht man eben so.«
»Im Herbst verliert der Baum Blätter.« (Ach, wirklich?)
»Die Äste ragen zu weit über die Straße.« (Wirklich relevant auf einer Nebenstraße der Hauptstraße mit einer 30er-Zone.)
»Die Äste fallen aufs Nachbarhaus.« (Dazu müssten sie morsch sein, was sie nicht waren, und dazu müsste das gegenüberliegende Haus auf die Straße verschoben werden.)

Wer den Baum im letzten Jahr noch gesehen hat, weiß, dass diese Schlachtung völlig unsinnig war und nur einen Zweck hatte: »Hey, fuck, meine Kettensäge setzt Rost an …!«

Aussichtslos

Es stellt sich unweigerlich die Frage, für wen die Situation aussichtsloser ist:

Für Frauchen, ihren Snack in Ruhe und vor allem unbeobachtet zu genießen?
Oder Kim (links) und Naomi, etwas abzubekommen?

Im Vertrauen – an diesem Abend gingen die Mädels leer aus. Aber das ist beileibe nicht immer so: Mandarinen, Orangen, Äpfel, Birnen … Kims Welt strahlt. Naomi ist anspruchsvoller und als Fleischfresser sind es allenfalls mal Nüsse, die sie sich gönnt. Oder Joghurt. Oder Quark. Oder andere Milchprodukte …

Die Horde

Normalerweise sieht man sie hier in der Gegend nur einzeln oder paarweise: Rehe (und ganz selten auch mal einen Hirsch). Heute morgen war es eine kleine Horde, die da auf einem Feld stand – und sie ließ sich nicht einmal von meinen beiden neugierig blickenden Hundemädchen beeindrucken, sondern schlenderten dann gemächlich gen Osten hinfort.

Auf die Entfernung war mit der Blödbeere kein besserer Schuss zu machen. Und auf die Entfernung versagten auch meine allenfalls marginalen Kenntnisse, die genaue Art (Sorte, Rasse, Marke? Wer weiß das heute noch …) zu erkennen. Manchmal reicht es ja auch, sich an Anblick und Begegnung zu ergötzen.

Morgens in Winnert

  • Freitagmorgen, 0700 Uhr. Gassigang.
  • Auf einem Nachbargrundstück soll ein Haus gebaut werden. Ein Loch ist schon da. Fürs Fundament. Die Sparfüchse hierzulande verzichten gern auf Keller. Stehen vorne zwei Typen und labern. Irgendwas. Dahinter ein Bagger, laufender Motor. Stinkt.
  • Hundebesitzerin mit zwei freilaufenden Hunden. Meine wie immer an der Leine, wenn die Gefahr besteht, dass ein Auto kommen könnte. Die Gefahr besteht außer auf dem Acker immer und überall. Und selbst auf dem Acker … Sie nimmt ihre Hunde an die Leine. Ihr Gesichtsausdruck sagt, dass ihr das nicht passt.
  • Frau mit Kind. Kind in einem Feuerwehrauto. Elektrisch angetrieben. Kettcar ist out. Heute muss es ein selbstfahrendes Teil sein. eScheiß für eKids. Lahm wie ein Arsch, laut wie die Hölle. Ich weiß nicht, warum bei eAutos darüber nachgedacht wird, sie lauter zu machen, weil man sie ja nicht hören kann. Man braucht doch nur die Nähmaschinenmotoren aus dem eScheiß für eKids, dann ist der Lärm keine Frage mehr. Und die Reichweite ist bei der Lahmarschigkeit auch kein Problem.
  • Ich überlege einen Moment, die Schwabstedter langzugehen. Da könnten die Mädels in Ruhe kacken. Aber von wegen Ruhe. Zwei ScheißUVs kommen aus Richtung Schwabstedt angerast. Die gelben Ortsschilder dienen ja längst nicht mehr der Kennzeichnung des Beginns der innerörtlichen Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 km/h, sondern nur noch dem Abgleich, ob der Scheißnavi im ScheißUV eine aktuelle Scheißware hat.
  • Wir gehen dann woanders lang. Schon auf dem Rückweg kommt ein Typ aus dem Haus, setzt sich in den Kleintransporter neben dem Haus, startet den Motor und macht – nichts.
  • Auf das Grundstück gegenüber fährt ein Lkw, irgendso ein Gülletanker. Fahrer stellt den Laster ab, lässt den Motor laufen, steigt aus und geht weg.
  • Diese Pseudotrucks von VW sind hier sehr modern. Einer steht da, Motor läuft. Fahrer kratzt zwei winzige Löcher in den Reif auf den Scheiben. Immerhin fährt er dann gleich los.
  • An der Hausbaustelle steht nun auch noch eine Karre mit so einem Kipperteil. Motor läuft. Der Bagger läuft auch noch, drin sitzt ein Typ. Tut nichts. Der andere Typ fährt ein höllisch lautes Ding über den Sand, um den platt zu machen.
  • Nachbar gegenüber kratzt die Scheiben seines Autos frei. Motor läuft. Zum Glück dauert das nicht lang, ist ein Kleinwagen.

Und Deutschland hat ein Problem mit einer Sterberate von 0,0001875 % beim AstraZeneca-Impfstoff. Warum überlege ich Blödmann eigentlich, wo meine Hündinnen am besten kacken können? Abgesehen davon, dass ich Tüten dabei habe? Es gäbe so viele Plätze, wo ihr Haufen perfekt platziert wäre.

Carsharing in Winnert

Wer ein Kraftfahrzeug (vulgo: Auto) benötigt, hat unterschiedliche Möglichkeiten, sich eines zu beschaffen. Er kann es kaufen, auf Kredit oder mittels eines Leasingvertrages. Er kann es mieten. Er kann es von einem Freund leihen. Er kann es klauen.

Wer in Winnert und Umgebung lebt, hat es ein wenig einfacher: Geht man vor allem tagsüber durch den Ort, findet man recht gleichmäßig über die Gemeinde mit ihren 719 Einwohnern (Stand 31.12.2019 lt. Wikipedia) verteilt zahlreiche Kraftfahrzeuge: Sie sind allesamt verlassen, stehen dort mit laufendem Motor und es findet sich kein Besitzer oder Nutzer weit und breit. Wer sich ein wenig Zeit lassen kann, kann unter unterschiedlichsten Modellen auswählen, und wer sich von mitunter einsetzendem Geschrei und Gebrüll nicht beeindrucken lässt, kann Winnert schließlich mit einem funktionierenden, kostengünstigen Gefährt in beliebiger Richtung verlassen. Wo das Gefährt dann beizeiten zurückgelassen wird, wird der dämliche Besitzer oder Nutzer dank seiner Anzeige durch die Polizei herausfinden können – wobei zu hoffen wäre, dass die Polizei die Gelegenheit nutzt, etwas über die Auswirkungen des sinnlosen Leerlaufs ebenso sinnlos umweltschädigender Motoren in ökologischer, jedenfalls aber ordnungswidrigkeitsrechtlicher Hinsicht mitzuteilen.

Es kann im Übrigen davon ausgegangen werden, dass das winnertsche Carsharingmodell auch in anderen Orten und Gegenden dieser Republik angeboten wird.

Neue Nachbarn

Bisher waren es Schafe. Nicht nur direkt hinter unserem Haus, sondern auch auf dem Grundstück daneben. Seit einigen Tagen nun haben wir neue Nachbarn bekommen: Vier Pferde, darunter ein großes schwarzes Tier, bei dem es sich um einen Hengst handeln könnte. Er steht gerne getrennt von den anderen, alleine, schaut oft zur Biogasanlage hinüber.

Immerhin sind sie zu viert. Pferde sind Herdentiere, und ich finde es immer schade, so einen Gaul alleine auf seiner Koppel zu sehen, halte es sogar für tierschutzrechtlich bedenkliche, nicht artgerechte Haltung. Es gibt einige Beispiele in Winnert, Pferde, die ihre traurigen, einsamen Tage auf ihrer Wiese fristen.