Streusalz

Ich bin Teppichbodenfreund. Ich bin mit Teppichböden aufgewachsen. Und ich vermisse sie. Meine Frau steht auf glatten Boden. Weil er einfacher zu reinigen ist. Oder so. Aber man muss Kompromisse machen.
Kim wird älter. Immer älter. Ihr Gang wird unsicherer, ihre Muskeln bauen ab, vor allem in den Beinen, und sie ist nicht mehr so kräftig, einem glatten Boden Widerstand entgegenzusetzen. In meinem Arbeitszimmer ist sie mehrfach auf dem Parkett ausgerutscht, weggerutscht und einmal sogar richtig hingefallen.
Das geht nicht an. Also:

Lieblingsplatz

Kim und ihr Ikea-Sessel. Seit der bei mir im Arbeitszimmer steht, ist sie sehr oft in meiner Nähe. Und seit sie ihre Rampe hat (eine von dreien, wie schon erwähnt), ist es viel leichter für sie geworden, den Sessel zu erklimmen. Vorher stand sie immer davor und sah mich an, damit ich hier hinaufhelfen konnte. Sollte. Tat.

Statt Schafen

Es gibt ja in Deutschland alle möglichen Vorschriften. Und Regeln. Und so muss die Wiese hinter unserem Haus mehr oder weniger regelmäßig unterschiedlich genutzt werden, um ihren Status als landwirtschaftliche Fläche zu behalten. Und wo in den letzten Jahren, seit wir hier leben, Schafen waren, sind es diesen Sommer Sonnenblumen.

Angeblich heißt es ja, Sonnenblumen würden ihren Kopf nach dem Stand der Sonne richten. Bei »Wer weiß denn sowas« wurde erklärt, das käme zustande, weil die Pflanze an den Seiten unterschiedlich schnell wachsen würde.
Ich halte das für Blödsinn. Und wenn es doch wahr ist, dann sind die Sonnenblumen, die unser Nachbar hinter unserem Haus gepflanzt hat, kaputt. Denn die drehen sich nirgendwo hin, die glotzen immer in die gleiche Richtung. Beziehungsweise inzwischen vorzugsweise zu Boden (das Foto ist schon ein paar Wochen alt).
Fazit: Man wird verarscht. Entweder von solchen Fernsehsendungen. Oder von Sonnenblumenlieferanten, die Sonnenblumensamen liefern, aus denen kaputte Sonnenblumen entstehen.

Gelb

Das war im Frühling.

Löwenzahn noch und nöcher. Nicht nur auf den Wiesen, auf denen zuletzt Schafe weideten. Immer wieder mal. Eine gelbe Schwemme. Als würde der Löwenzahn dem Raps zeigen wollen, wie er nachher auszusehen hätte.

Und auch vor unserem Haus sah es ja so aus. Im Frühling 2021.
Vielleicht zum letzten Mal. Im Rahmen der Gründung und Eröffnung der Heilpraktikerpraxis von Frau Haitel werden wir Parkplätze benötigen, und wie es aussieht — die Frage nach einer Genehmigung ist noch ungeklärt — wird dafür der Grünstreifen vor unserem Haus verschwinden. Man wird sehen. Immerhin gibt es auch an anderen Stellen in Winnert Platz für Löwenzahn.

Ne Rampe

Alt werden ist nicht schön. Nicht immer. Nicht in jeder Beziehung. Das gilt nicht nur für Menschen. Das gilt auch für Hunde. Aber wenn der Hund einen guten Menschen hat, hat er es ein wenig einfacher, als wenn er allein wäre.

Von diesen Rampen — eine echte Sonderfertigung, kein Produkt aus einem Maschinenpark, sondern von einem Holzverarbeiter traditionellen Handwerks — haben wir derzeit zwei in Verwendung; eine dritte ist bestellt. Sie sind für Kim gedacht, die in ihrem Alter — am 11. November wird sie 12 Jahre alt — und bei ihrem körperlichen Zustand — sie ist halt alt — nicht mehr so einfach auf ein Sofa oder zu uns ins Bett hupft, wie sie das früher konnte. Die Rampe hilft: 40 cm hoch und etwa 90 cm lang, belegt mit einer rauen Oberfläche, erleichtert ihr das Erklimmen ihrer Lieblingsplätze ungemein. — Billig sind die Dinger indes nicht. Aber wer sparen will, sollte sich keinen Hund anschaffen.

Wer hat Angst vorm bösen Blick?

Wer das für einen bösen Blick hält, kennt freilich meine Naomi nicht:

Denn in der Tat ist das der Ausdruck des Genusses. Naomi, Griechin bis auf die Knochen, liebt es, auch bei hohen Temperaturen in der Sonne zu liegen. Und hier ist es ein nie wirklich als solcher zum Einsatz gekommener Couchtisch im Schlafzimmer, auf dem an einem sonnigen Nachmittag die Sonne steht. Und eine der einfachsten Übungen, Naomi im Haus zu finden, ist es, zu schauen, wo die Sonne hereinscheint. Die Wahrscheinlichkeit, die kleine Griechin dort zu finden, ist ausgesprochen hoch.

Grille bei 70

Vielleicht war es auch nur ein Grashüpfer. Ich bin kein Biologe. Jedenfalls saß das Tierchen auf der Windschutzscheibe. Den Schädel tapfer in Fahrtrichtung gedreht. Die langen Fühler bogen sich weit nach hinten. Ich entdeckte das kleine Tier erst, als ich schon mit den auf der Strecke vorgeschriebenen 70 km/h unterwegs war. Nun ja, dachte ich mir. Wenn’s ihm nicht gefällt, wird es loslassen und abfliegen. Tat es aber nicht. Tapfer blieb es haften, und es ist schon beeindruckend, was so winzige Insektenfüßchen können.
Daheim im Carport ließ ich die Hundemädchen raus, und bevor ich mein Zeug zusammenpackte, schaute ich nach dem Tierchen. Es saß nach wie vor an der gleichen Stelle auf der Windschutzscheibe und rührte sich nicht. Die Fühler wiesen nun nach vorne, sie waren so lang wie das Insekt selbst. Und nichts rührte sich. Ich stupste es an. Nichts.

Tage später saß es immer noch dort. Ich nahm es in die Hand und schaute es an. Schließlich musste ich den Exitus konstatieren. Wann der eingetreten war, konnte ich nicht feststellen. Ich bin kein Pathologe.