Kim: Ein Ende in Sicht?

Es ist wohl nicht ungewöhnlich, aber ich empfinde es als unangenehm, immer öfter darüber nachzudenken, wie lange Kim wohl noch bei uns sein wird. Sie ist alt geworden. »Nur« 12 ½ Jahre alt – und doch. Sie schläft tiefer als früher, sie schwankt, wackelt, stolpert, wenn sie lange gelegen hat und aufsteht. Sie zeigt die gleichen Symptome wie Menschen, die ein gewisses Alter erreicht haben und physisch nicht mehr unbeeinträchtigt sind. Und doch …

Seit einigen Tagen verliert sie ihre Leistungsfähigkeit. Sie geht immer noch gerne los zum Gassigang, so ist es nicht. Und sie bemüht sich auch, aber man merkt, dass es nicht mehr so geht. Was möglicherweise auch mit den steigenden Temperaturen und dem Sonnenschein zu tun hat (ein schwarzer Hund lädt sich halt schneller auf als ein hellerer). Oder eben einfach damit, dass es nun langsam so weit ist.

Am Ostersamstag gingen wir mittags eine der Standardstrecken, aber es dauerte deutlich länger als sonst, denn Kim ging langsam, legte sich sogar einmal hin und setzte sich zur Leckerligabe von sich aus, was sie sonst nie tat. Nachmittags ließ ich sie frei laufen, und als sie sichtlich nicht mehr konnte, brachten wir sie heim und ich drehte noch eine Runde mit Naomi und Susi allein.
Am Sonntag ließ ich sie mittags weiterschlafen, weil sie von selbst nicht wach wurde, und ging mit Naomi und Susi eine Runde allein. Als wir heimkehrten, war Kim wach, machte aber keine Anstalten, noch hinaus zu wollen. Der Nachmittagsgang war dann kurz. Ich ließ Kim wieder frei laufen, weil sie dabei noch am agilsten wirkte – aber die Strecke war nicht lang.
Und am Montag war das Bild unverändert. Die Mittagsstrecke war kurz und Kim sichtlich erschöpft. Sie stürzte zwei Mal und kam von selbst nicht wieder hoch, und ich traf die Entscheidung, zukünftig die Gassigänge aufzuteilen: Eine kurze Runde im Freilauf für Kim, danach eine große Runde für Naomi und Susi (die beide sowieso nicht wirklich ausgelastet sind, was die Gassigänge angeht).
Am Montagnachmittag funktionierte das dann ganz gut: Kims Strecke war kurz, wie gehabt, aber sie lief ganz ordentlich, wenn auch nur mit zusätzlichem Leckerli-Antrieb – ein Leckerli, zehn Meter zügig laufen, langsamer werden, Herrchen vorbei lassen, nächstes Leckerli. Müde war sie trotzdem, aber sicher nicht mehr hungrig. Und Naomi und Susi hatten danach auch ihren Spaß …

Ich denke, ich werde diese Aufteilung beibehalten. Mit drei Hunden an der Leine zu laufen, ist sowieso nicht das Einfachste. Aber wenn eine der Moize nicht mehr richtig mitziehen kann, dann ist das auch kein Spaß mehr. Und vielleicht tut es Kim am Ende doch ganz gut …

Mein Reden: Leichtsinn und Aufsichtspflichtverletzung

Heute morgen gab’s einen Newsletter von TASSO zu der Frage, warum man einen Hund nicht unbeaufsichtigt vor einem Geschäft (Supermarkt, Bäcker, was auch immer) zurücklassen sollte: hier.

Und nicht nur auf petfindu.com, von wo ich das Bild ausgeliehen habe, findet sich ein Beitrag im gleichen Tenor. Wenn man bei Google nach dem Stichwort »Hund vor dem Supermarkt« sucht, findet man massenhaft Beiträge, die alle in die gleiche Richtung argumentieren: nicht (nach-) machen! (Und man sollte sich immer überlegen, ob man sein Kind auch draußen anbinden würde [und nein, das Argument »Das ist ja nicht das Gleiche!« zieht nicht].)

Hunde, Kinder, Widrigkeiten

Der Vorteil von Hunden gegenüber Kindern ist, dass sie nicht jammern und quengeln. Die Hunde. Andererseits ist das ein Nachteil, denn dadurch weiß man nicht immer und oft nicht gleich, dass ihnen was fehlt und was ihnen fehlt.

Susi ist heute morgen um zwanzig vor fünf wach geworden und ins Bett gekommen. Aus der Nacht zuvor habe ich gelernt, dass sie dann raus will. Allerdings nicht mit mir, sondern nur mit Frauchen. Draußen lief sie dann rum und graste. Jedenfalls sah es so aus. Später wiederholte sich das immer wieder. Und sie kümmerte sich nicht nur um Graskonsum, sondern auch darum, an einer neuen Stelle zu buddeln.
Der Stuhlgang sah nicht gut aus, meinte Frauchen. Rötlich, oder braun. Sie nahm keine Leckerlis, auch nicht das große nach dem ersten Gassigang. In ihrem Bauch grummelte es hörbar.
Mittags wirkte sie beim Gassigang unmotiviert, schnüffelte bei Weitem nicht so viel und intensiv wie sonst, lief auch nicht vorne weg. Wie sonst.
Beim Treffen mit der Bürgermeisterin und ihrer Luise (oder Louise?) legte sie sich hin. Auf die Seite. Das ist kein gutes Zeichen. Auf dem Heimweg setzte sie ein kleines Häufchen ab. Flüssig, schwarz (Blut?), nicht viel, aber begleitet von einem Mordsfurz.

Und Naomi auch. Die spuckte ihr Morgenleckerli mittags aus. In zwei gelblich-grünen Portionen. Und ihr Minihäufchen sah auch nicht so gut aus (nachdem sie vor dem Gassigang im Garten noch eher festen Kot abgesetzt hatte).

Schöne Geschichte, nicht wahr? Genau richtig für diesen Blog, für die Öffentlichkeit.
Heute gibt es Diät. Für Susi und Naomi. Für Susi auf jeden Fall kein Abendessen; bei Naomi muss ich dann schauen. Und für Susi morgen dann die berühmte Morosche Möhrensuppe.

Wie gesagt. Hunde haben Vorteile. Aber am Ende fehlt halt doch nur das Jammern und Quengeln.

Scheenadog

Ob Kim den Tag schön fand, weiß ich nicht. Er war sicher ruhig und entspannt (wie die Tage unserer Hunde in der Regel so sind). Und er ist gut gelaufen.
Morgens gab’s die Medizin, wie erwähnt, mit Banane. Passt.
Das Mittagsgassi war okay. Leinengang im Sonnenschein, dazu die VetConcept-Leckerlis. Alles gut.
Der Gassigang gegen 16 Uhr war auch gut. Freilauf für Kim und Naomi, alles wie gehabt. Im Freilauf läuft Kim am besten. (Und Susi lasse ich nicht von der Leine, weil das kleine Schlitzohr Naomi immer dazu verleitet, mit ihr abzuhauen. Was die zwei schon für Touren gemacht haben, habe ich ja schon dokumentiert – hier und hier.
Das Abendessen habe ich dann ein wenig mit Spannung erwartet, aber es lief problemlos. Kim, die derzeit mäkelig mit Leckerlis ist, ist offensichtlich eindeutig auf ihren Futternapf und den üblichen Futterplatz programmiert: Was es da gibt, kann gegessen werden. Und auch wenn die Möhrensuppe, die es wieder gab, nach wie vor nur mit ein, zwei Esslöffeln Leinöl Geschmack entwickelt – das gekochte Hühnchen war offensichtlich vom Feinsten. Jedenfalls ist nichts übrig geblieben.
Ich denke, diesen Teil des Tages wird Kim dann doch schön gefunden haben. Trotz allem.

Es bleibt nicht einfach

Die Nacht vom 11. auf den 12. März war wie gehabt, gekennzeichnet von Schlafunterbrechungen, weil Kim nach draußen wollte. Dort ist sie herumgelaufen, ein wenig orientierungslos wirkend, unsicher, was sie wo machen will. Mehrfach versuchte sie Kot abzusetzen, aber es kam nicht viel. Woher auch?

Morgens verweigerte sie ihre Lieblingsleckerlis. Den Frischkäse mit Prednisolon-Viertelchen. Den Käse mit Pregabalin-Kapsel. Schwierig – die zwei Medikamente sind Mussgaben. Ich erinnere mich, dass Frauchen es schließlich geschafft hat, während ich mit Naomi und Susi allein eine Gassirunde drehte, um auf andere Gedanken zu kommen.

Gegen Mittag waren wir beim Tierarzt. Es gab eine Infusion zum Ausgleich der Austrocknung, dazu ein Antibiotikum und ein Schmerzmittel. Danach war Kim deutlich lebhafter und hat den mittäglichen Gassigang mit Bravour abgewickelt. An der üblichen Wendestelle auf der Freilaufstrecke über die Äcker machte sie sogar Anstalten, weiterlaufen zu wollen, statt wie üblich umzudrehen.
Nur die Morrosche Möhrensuppe wollte sie partout nicht nehmen. Die kleinen Leckerlis der Tierärztin nahm sie, auch die Stückchen Hähnchenbrustfilets waren kein Problem. Aber sonst …

Abend war ich unsicher, was ich tun sollte. Zunächst ließ ich alle drei Mädels hungern. Klar war, dass Kim kein normales Futter bekommen sollte. Aber ich wollte den anderen beiden nichts geben, solange Kim zuschauen musste. Schließlich versuchte ich es – Tipp von Frauchen –, indem ich Kim die Möhrensuppe mit Leinöl (als Geschmacksträger; die Möhrensuppe schmeckt nach nichts, wobei Naomi bewies, dass sie Grimassen ziehen kann) in ihrem normalen Fressnapf am normalen Platz gab – funktionierte. (Als Ausgleich zickte Susi rum. Sie war irgendwie nervös und in solchen Situationen lässt sie sich von mir nicht locken, zeigt Fluchtverhalten. Am Ende ging es dann doch, aber schön ist das nicht, vor allem, wenn man sowieso keinen normalen Ablauf vor Augen hat.)

Die Nacht immerhin war ruhig. Kim hat durchgeschlafen, ich auch. (Nur meine Huawei-App hat natürlich gemeckert, weil ich angeblich zwei Mal wach geworden war.)
Und heute morgen nahm Kim ihre Medizin mit … Banane.

Ausgerechnet heute

Es ging schon in der Nacht los. Gestern Nachmittag bekam Kim Durchfall. Zunächst nicht sehr massiv. Sie setzte einen Haufen ab, direkt in der Einfahrt. Aber nachts … Sie musste acht Mal raus, und immer war ich derjenige, der sie hinauslassen und dann in der Kälte warten durfte, bis sie zurückkehrte. Und sie tat sich schwer. Es kam nichts wirklich Großes mehr, aber es zwickte offensichtlich doch so heftig, dass sie raus wollte. Viel geschlafen habe ich jedenfalls nicht.

Und dann sollten morgens die Handwerker kommen. Um sieben. Monatelang tat sich nichts, außer kruden Terminideen, falls das Wetter draußen nicht gut wäre (was es dieser Tage garantiert nicht ist), und auf einmal dann doch … Um sieben. Morgens. Es ging um einen Türdurchbruch, damit man von der Wohnung im Erdgeschoss in die ins Obergeschoss nicht mehr außen rum musste. Und natürlich hat der Erbauer des Vorbaus mit den beiden Haustüren Intelligenz in Hochform walten lassen – um die Stromleitungen zu verlegen, brauchten wir einen Elektriker, und ganz entgegen meiner bisherigen Erfahrungen ging das schnell. Es ging dann alles schnell. Die Tür ist nun eingebaut, ein bisschen ist noch nachzuarbeiten – natürlich, irgendwas bleibt ja immer offen –, aber jetzt haben wir eine Tür und müssen nicht mehr raus, um … Das heißt, meine Frau muss nicht mehr raus, um in ihre Praxis zu kommen. Ich habe da oben ja nichts mehr zu suchen.

Und das Auto. Morgens um sieben – ha! – gab ich meinen Passat in der Werkstatt ab und holte mir einen Leihwagen. Es bestand der Verdacht, dass rechts vorne das Radlager seinen Abschied nehmen wollte. Klassische Effekte – die ich schon von meinem Laguna kannte, der das auch mal hatte: An- und abschwellendes Brummen zwischen 95 und 110 km/h, ansonsten hörbares Brummen in Linkskurven, Stille in Rechtskurven. Am Ende war da nichts. Alles okay. Man vermutete Sägezahnbildung auf den Vorderreifen. Wie das zustande kommen sollte, erklärte man mir. Jetzt warten wir die Sommerreifen ab, wenn die auch so ein Geräusch liefern, wird noch mal geschaut.

Kim geht es den ganzen Tag nicht gut. Sie läuft schlecht, müde, matt. Sie schnappte nicht wie sonst nach den Leckerlis, nahm sie einfach nur, zögerlich. Der Dünnpfiff ist möglicherweise erledigt, nachdem sie vorher noch auf einem Teppich ein Malheur angerichtet hat. Nach dem Mittagsgassi, kurz nur wegen Kim, bot ich ihr Zwieback an – der soll ja bei Dünnpfiff helfen –, aber sie nahm ihn nicht, blickte mich nur unglücklich an. Das Würstchen nahm sie dann. Das Abendessen verspeiste sie auch nicht vollständig; ein Fünftel blieb übrig und sie war nicht davon zu überzeugen, sich noch einmal damit zu beschäftigen. Wenn sie gekonnt hätte, hätte sie das Gesicht verzogen, jedenfalls sah es so aus. Leider blieb auch die Pregabalin-Kapsel liegen, die ich ihr später auch mit einem Stückchen Lieblingskäse – der nun scheinbar keiner mehr ist – nicht verabreichen konnte. Das Ganze gefällt mir nicht, und zwischendurch musste ich meinen Gefühlen freien Lauf lassen. Es wird wohl sowieso Zeit, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass sie nicht mehr bei uns ist.

Und das alles an so einem Tag. Früher hätte ich mir vielleicht gedacht: »Was für ein Scheißtag.« Aber heute? Man wird halt abgeklärt. Immerhin haben alle dran gedacht. Hermann, meine Schwester, Mama, mein Bruder. Und meine Frau natürlich auch (wenn auch verspätet, gnihii).