Modebewusst

Mein kleiner Mausekäfer leidet. Nein, Naomi hat keine Schmerzen; dafür war die kleine Operation nicht groß genug. Die Wunde sieht gut aus, alles kein Problem. Aber sie macht den Eindruck, als sei sie angepisst. Was bei so einem Outfit (das war Lösungsversuch Nummer 3) verständlich sein könnte:

Aber kein Hund sollte so etwas aushalten müssen, und so sind wir inzwischen zu einer schwarzen Strumpfhose übergegangen, die leicht und unproblematisch sitzt und tut, was sie soll: verhindern, dass Naomi an die Operationswunde geht.
Trotzdem ist sie angepisst. Wenn wir draußen sind, trägt sie die Strumpfhose nicht und alles ist gut. In der Wohnung trägt sie das Stück Textil wieder, da sie dort nicht ständig unter Beobachtung ist – tatsächlich sucht sie sowieso immer den am weitesten von mir entfernten Punkt des Hauses auf –, und prompt macht sie einen angepissten Eindruck.

Nunja. Schicksal. Da muss sie durch. Nächsten Mittwoch kommen die Fäden raus – und am kommenden Freitag darf sie auch wieder schwimmen. Dann hat sie einen neuen alten Grund, angepisst zu sein. Macht aber nichts. Sie ist dann ja eh nass.

Überflüssige Schule

Die Aspekte des deutschen Bildungswesens, die mich interessieren, interessieren mich, weil ich sie gruselig finde. Zum Beispiel den Umgang mit der deutschen Rechtschreibung in den ersten Schulklassen (Stichwort: »Schreiben nach Gehör«). Aber ich bin trotzdem sicher, dass es Schulen gibt, in denen man einfach nichts lernt.
Kurz hinter der Zufahrt zu meinem Parkplätzchen im Wald vor Ostenfeld, direkt dahinter liegt eine sogenannte Jagdschule. Ich will gar nicht wissen, was man da lernt. Jäger sind auch nicht so mein Menschenschlag.
Den Umgang aber mit Hunden lernt man offensichtlich nicht. Zur Jagdschule gehört mindestens ein Hund, ich glaube sogar, es sind zwei. Die sind öfter auch mal draußen und riechen meine Hundemädchen, wenn wir da zum Gassigang ankommen und aussteigen. Die Hunde der Jagdschule schlagen dann an, das ist durchaus okay. Und sie beruhigen sich auch gleich wieder, wenn wir uns entfernt haben.
Letztens war nur ein Hund draußen, und er hat die ganze Zeit gebellt. Wenn man selbst Hunde hat, lernt man die unterschiedlichen Signale, die ein Hund durch sein Bellen gibt. Das Anschlagen als Hinweis auf Fremde – ob Mensch oder Hund ist egal – in der Nähe hört sich anders an, als das, was dieser Hund da tat. Er bellte ununterbrochen, die ganze Zeit, während wir im Wald unterwegs waren, war er zu hören, und sein Signal war klar. »Ey, Arschloch Herrchen oder Frauchen, ich will ins Haus, kapierste das? Beweg deinen Hintern und lass mich rein!«
Aber entweder war niemand da oder es interessierte niemanden. Wozu auch? Soll der Hund doch bellen. Der nächste Nachbar ist weit weg, und wenn der Hund nicht mehr bellen will oder seine Stimme verliert, dann wird er schon aufhören.

Jäger gelten nicht umsonst als im Umgang mit Hunden wenig sensibel. Vielleicht ist es das, was man auf dieser Jagdschule auch lernt. Wie man seinen Hund unsensibel behandelt.

bpt: Ein Update

Ich habe vor Kurzem die Kampagne „Europäisches Parlament: EU will weitreichendes Antibiotikaverbot für Tiere – Gefahr für unsere Tiere“ auf Change.org unterschrieben und hier auch berichtet (der Beitrag stand eine Weile ganz oben auf dieser Seite, festgepinnt).
Jetzt gibt es eine spannende Entwicklung.
Der Petitionsstarter hat folgendes Update gepostet: „Offener Brief zur Pressmitteilung vom 10. September an Herrn Häusling“. Unter dem Link unten kann man Ausführliches dazu lesen und vielleicht hat ja noch jemand Lust, die Petition auch zu unterschreiben.

Für mich ganz persönlich zeigt dieser offene Brief, dass die Grünen für mich unwählbar sind und bleiben. Aber das ist nur ein Nebeneffekt.

Petitionslink: https://chng.it/QWHc6Qm6Md

Rotes Auto mit Hund

Neben dem Lehmsiek gibt es noch einen zweiten Wald, in dem ich mit den Hundemädchen Gassi gehe, wenn es warm ist und die Sonne vom Himmel knallt. Vor Ostenfeld geht es links in den Wald, und wenige Meter nach der Einfahrt ist Platz für vier Autos (oder zweieinhalb ScheißUVs).
Ich biete langsam dort ein, damit die Mädels im Heck meines Autos nicht hin und her geworfen werden, denn da ist eine Rinne am Straßenrand. Auf dem Parkplätzchen steht ein rotes Auto. So was wie ein Roomster oder Yeti, ich achte nicht drauf.
Ich packe meine Mädels aus, leine sie an und als wir losgehen, tobt in dem roten Auto ein Hund los. Mir fallen die offenen Seitenscheiben auf, und obwohl ich es eigentlich hasse, einen Hund allein im Auto zurückzulassen, ist es an dieser Stelle nicht so schlimm, weil der Schatten dicht fällt und die Luft nicht zu heiß ist. Trotzdem …
Rotes Auto, Scheiben geöffnet, Hund im Auto, keine Menschen in der Nähe. Was soll das?
Auf unserem Weg kommt uns dann eine Frau entgegen, klein, hager, sieht mit ihren weißen Zöpfen aus wie eine noch nicht vollständig mumifizierte Indianerin. Ihr Gang ist langsam, gleichmäßig, ohne Eile, keine Hektik, sie lächelt ein wenig entrückt, grüßt aber.
Als wir zu meinem Wagen zurückgekehrt sind, ist das rote Auto weg. Ob es der Indianerinnenmumie gehörte, weiß ich nicht. Ich frage mich nur, welches Arschloch in den Wald fährt und den Hund im Auto allein zurücklässt.

Tierarzt immer noch doof. T-Shirt nich so.

Es war ein Bild des Jammers. Entweder stand sie bewegungslos irgendwo herum, den Kopf gesenkt, so weit es der Kragen zuließ. Oder sie lag irgendwo bewegungslos, Kopf flach auf dem Boden, im Kragen natürlich. Ich halte körperliche Schmerzen aus – aber nicht, wenn mein Hund leidet.
Nach dem Gassigang gab’s ein altes T-Shirt (von meinem letzten Arbeitgeber, das ich sowieso nicht mehr trage) als Alternative:

Sieht nicht schick aus, fühlt sich sicher auch komisch an, aber immerhin legt sie sich wieder entspannt hin:

Ach, Mausi … <3 <3 <3

Tierarzt is doof. Kragen auch.

Naomi hatte heute morgen einen kleinen OP-Termin bei unserer Tierärztin. Am rechten Ellbogen hatte sich ein etwa centgroßes Fleischläppchen ausgebildet, und sie neigte jedenfalls anfänglich dazu, daran herumzuknabbern. Nun ist es ab, die Wunde genäht, und sie muss einen Kragen tragen:

Ein glücklicher Hund sieht nicht nur anders aus, sondern:

Jetzt sitzt sie auch noch wie ein Häufchen Elend regungslos im Flur, den Blick auf die Haustür gerichtet.

Das ist nicht euer Ernst!

Es wird vorgegeben, dass sich das auf Nutztiere bezieht, für Nutztiere gelten soll – aber es ist leicht auszurechnen, dass am Ende alle Tiere, auch Haustiere und selbst die wertvollen Tiere in europäischen Zoos von dem geplanten Verbot betroffen sein werden. Und das geht nicht – schon unter Gesichtspunkten des Tierschutzes ist eine Umsetzung einer solchen EU-Verbotsrichtlinie in Deutschland verfassungswidrig. Und das Ganze führt endlich auch zu einer Kriminalisierung der Landwirtschaft, denn es wird für die industrielle Landwirtschaft ein mafiöser Grau- und Schwarzmarkt jenseits jeglicher Kontrollmöglichkeiten entstehen.

Tiere können krank werden. Es ist nicht die Lösung, kranke Tiere zu töten. Kranke Menschen werden auch nicht getötet, es wird versucht, ihnen mit allen Mitteln zu helfen. Tiere zu töten, weil man ihnen aufgrund der Entscheidungen von desinteressierten Schreibtischtätern nicht helfen darf, das grenzt an Mord.

  • Aktuelle Informationen zum Thema auf der Seite des Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt): hier.
  • Der Text zur Kampagne des bpt: hier.
  • Die Petition auf Change.org – bitte lesen und unterschreiben: hier.

Wer glaubt denn so was? Das Popotop!

Jedermann hat heutzutage den Begriff des Biotops im Ohr und im Kopf. Ständig wird er in den Mund genommen. Wenn eine Autobahn gebaut werden soll, ein Windrad zu errichten ist, irgendein Eingriff in die Natur erfolgen soll, entstehen auf einmal Biotope – wie aus dem Nichts. Die Nachbarin meiner Hundephysiotherapeutin wollte ein durchaus für Bebauung geeignetes Grundstück zum Biotop erklären lassen, um keinen direkten Nachbarn hinnehmen zu müssen. Das einzig Biotopische an dem Grundstück allerdings waren und sind bis heute plattgemachte Bäume, die offensichtlich auch gestört haben.

Was aber ist ein Popotop? Wenn man zwei Hunde hat, dann weiß man irgendwann, dass auch Hunde mit zunehmendem Alter ihre Zipperlein entwickeln. Meine beiden Mausemädchen leiden gleichermaßen unter Arthrose. Hüfte, Rückgrat, Pfoten – man könnte glatt von klassischen Problemstellen sprechen. Damit die Entwicklung nicht ganz so schnell und nicht ganz so umfangreich ausartet, gibt es heute Möglichkeiten. Zum Beispiel eine Hundephysiotherapeutin, die über einen Pool verfügt, in dem die Hunde schwimmen können (auch wenn meine beiden Mäuse das zugegebenermaßen lieber nicht tun würden).
Nach so einer Schwimmung, die in der Regel zwanzig bis dreißig Minuten pro Hund dauert, sind die Hunde nass. Ja, manch Leser mag überrascht sein, aber sie sind nicht nur einfach nass – sondern nass bis auf die Haut (und nicht nur oberflächlich wie nach einem Gassigang bei Regen). Und auch, wenn der Hund den größten Teil des Wassers im Fell los wird, indem er sich schüttelt, und auch, wenn man als Mensch selbst mit großen Badetüchern zulangt, Feuchtigkeit bleibt.
Interessanterweise ist der Körperteil des Hundes, der sich am längsten die Feuchtigkeit bewahrt, das Heck, das Hinterteil – vulgo: der Popo. Und es dauert Stunden, bis der getrocknet ist, und in dieser Zeit hat man das Vergnügen, ein vierbeiniges Feuchtbiotop im Hause zu haben, das beim Hinsetzen auf Laminat und Parkett gerne einen Sitzfleck hinterlässt.
Und das ist es – das hündische Feuchtbiotop, das sogenannte Popotop.

Hat man diese Erkenntnis erst einmal verinnerlicht, ereilen einen Menschen mit verlegerischer Tätigkeit sogleich verlegerische Gedanken. Das Genre der Utopie ist uralt, Thomas Morus hat es begründet und viele Autoren haben sich mehr oder minder erfolgreich an Utopien versucht. Die ewigen Griesgräme unter den Schriftstellern kamen irgendwann auf die Idee, die Lesewesen dieser Welt mit dem Gegenteil der Utopie zu behelligen – der Dystopie. Sie ist heutzutage nicht nur modern, sondern omnipräsent. Wer etwas anderes zu schreiben und zu vermarkten versucht, als eine Dystopie, muss schon damit rechnen, schräg angeschaut zu werden.
Aber die Rettung ist in Sicht. Utopien sind durch, Dystopien nerven – morgen schreibt man Popotopien, und wer behauptet, das sei Literatur für den (Hunde-) Arsch, der ist ein böser Mensch. Popotopien zu schreiben ist einfach. Knuffig muss die Literatur sein, mit langem oder kurzem Fell gestaltet, eben feucht – mal mehr, mal weniger –, und vier Beine, zwei große, nicht kupierte Ohren und einen allerlieblichsten Blick muss das Werk haben, so sehr, dass der Leser bei der Lektüre vor Freude und Zuneigung zum Werk, zur Popotopie förmlich zerfließt.
Also auf! Autoren! Schreibt Popotopien! Mein Verlag, die p.machinery (vulgo: popoganda machinery, deutsch: Popogandamaschinerie), wartet auf eure Ergüsse.