Dreigestirn

Auch wenn ich in Düsseldorf geboren bin und deshalb eine besondere Beziehung zur närrischen fünften Jahreszeit haben könnte, ist dem nicht so. Und dennoch: Daheim habe ich ein Dreigestirn:

Von links nach rechts: Kim (Ungarn, Prinzessin, seit gestern 12 Jahre alt), Susi (Rumänien, 5 Jahre), Naomi (Griechenland, Griechin reinsten Wassers, im Januar 9 Jahre alt).

Unsere Prinzessin ist 12

Heute ist sie zwölf Jahre alt geworden: Kim, unsere ungarische Prinzessin. Alt ist sie geworden, ein wenig schwerhörig. Vielleicht sieht sie auch schon nicht mehr so gut, denn des Öfteren muss sie genau hinschauen, um ein Leckerli am Boden zu finden. Alt ist sie nun, und gesundheitlich steht es mit ihr nicht zum Besten. Die Knochen wollen nicht mehr so recht, die Muskeln haben schwer abgebaut und glatter Boden — von dem es bei uns viel zu viel gibt <seufz> — macht ihr immer häufiger zu schaffen. Aber noch giert sie nach Leckerlis, noch läuft sie gerne draußen frei, noch geht es. — Meine süße Maus, mein allerliebster Mausekäfer … ich … nein, WIR wünschen dir noch eine lange, lange Zeit bei uns und mit uns und mit den beiden anderen Mädels an deiner und unserer Seite.

Scheitern

  • 09:30 Uhr: Frau fährt zur Arbeit. Vorher hat sie Susi das Geschirr abgenommen.
  • 11:15 Uhr: Erste Versuchsreihe, Susi ihr Geschirr anzulegen. Mit Käseunterstützung. Sie verweigert sich.
  • 11:30 Uhr: Zweite Versuchsreihe. Kein Erfolg.
  • 11:40 Uhr: Auch das Halsband möchte sie sich nicht anlegen lassen. Inzwischen verkriecht sie sich zu Naomi in die Hundehütte in der Diele, die von allen drei Hunden als einer der bedeutendsten Rückzugspunkte genutzt wird.
  • 11:50 Uhr: Gassigang mit Kim allein, damit Susi nicht allein daheim bleiben muss (wie sie das packt, wissen wir noch nicht). Freilauf auf dem Norderweg. Kim hat keine Lust, trottet hinter mir her und beschleunigt ihren Schritt auch nicht, wenn ich zur Leckerlitasche greife. Stattdessen stolpert sie des Öfteren.
  • 12:30 Uhr: Heimkehr mit Kim, die gleich ein Leckerli haben möchte. Kann sie sich abschminken. Neuer Versuch, bei Susi einen Erfolg zu verbuchen. Gestrichen.
  • 12:35 Uhr: Gassigang mit Naomi allein. Während sie sonst immer zögerlich mitgeht, wenn sie allein ist, ständig zurückschaut, ist sie heute eine tolle Begleitung, erfreut, mit Herrchen allein Gassi gehen zu dürfen. „Herrchen hat Zeit für mich“, scheint sie zu denken und sich zu freuen.
  • 13:15 Uhr: Heimkehr mit Naomi. Das war ein schöner Gassigang, der mich ein wenig trösten konnte. Leckerlis für alle; Susi würde es nicht verstehen, warum sie keines bekommt. Und eigentlich hat sie ja auch nichts verbrochen.
  • 13:30 Uhr: Mittagessen fällt aus. Keine Zeit.
  • 15:05 Uhr: Neue Versuchsreihe … ihr wisst schon. Das Ergebnis ist bekannt. Inzwischen weicht Susi mir aus, versteckt sich, sobald ich das Geschirr oder das Halsband in der Hand halte.
  • 15:20 Uhr: Kim macht keine Anstalten, Gassi gehen zu wollen. Sie lässt sich aber zu einer kleinen Runde überreden.
  • 15:45 Uhr: Ich mache noch eine Runde mit Naomi.

Insgesamt erfreute mich die Gelegenheit, zu scheitern. Es gibt so wenige Dinge, die das Leben bereichern. Und freilich liegt die Priorität, Susi nach dem Morgangassi das Geschirr abzunehmen und mich dann bei dem Versuch, es ihr wieder anzulegen, scheitern zu lassen, deutlich höher als die Priorität eines Gassigangs für Susi, mit Schnüffeln, Pieseln und anderen Unwichtigkeiten.

Kein Skat II: Gassi mit drei

Sonntag. Immer noch schönstes Wetter. Wieder Freilauf auf dem Norderweg. Es ist durchaus angenehm, dass wenigstens den Hunden immer die gleiche Strecke nicht langweilig wird. Für mich ist es schon eine Herausforderung. Aber da muss man durch.

Auf dem Hinweg kommen uns zwei Motorroller entgegen. Ich nehme Kim und Naomi zu mir, Susi an die Seite. Alles gut. Die Motorroller wechseln auf die andere Spur und fahren hintereinander an uns vorbei. Langsam und gesittet. Leider stinken die Dinger wie die Seuche. Finden auch die Hunde, die alle niesen müssen, um den Gestank wieder loszuwerden.

Auf dem Rückweg zwei Radler. Die schaffen es weder, hintereinander auf einer Spur zu fahren noch die Geschwindigkeit zu senken. Sind ja cool, solche Mountainbikerennräder für eierlose Yuppies. Und dann die Klamotten – die sehen so scheiße aus, dass man schnell an jemandem vorbeifahren muss, der sie scheiße finden könnte.

Kein Skat I: Gassi mit drei

Samstag. Bildschönes Wetter. Strahlender Sonnenschein, kühl. Kühl genug für eine ordentliche Jacke. (Hinterher schwitze ich doch, aber egal.) Freilauf im Norderweg. Kim und Naomi laufen frei, mit Tracker. Susi an der langen Leine. Keine Schleppleine, aber schon drei Meter.
Kim ist wie immer scharf auf Leckerlis, aber sie fängt wieder an, sich an die Punkte zu erinnern, an denen es etwas gibt. Zwischendurch hat sie versucht, sie neu zu setzen. Jetzt läuft sie wieder voraus, bis zum nächsten Punkt, bleibt stehen und spaziert uns langsam entgegen. Und muss trotzdem warten, bis wir am nächsten Punkt sind.
Naomi ist wie immer schnüffelfreudig. Susi auch. Bei mir dürfen sie das auch. Ich hasse es, die Hunde wie Säcke Kaffee oder Blumenerde hinter mir her zu schleifen. Sie sollen schnüffeln können. Nicht uferlos. Nach einer guten Minute spreche ich dann schon mal eine Fortsetzung des Gassis an. Nach spätestens zwei Minuten ziehe ich dann auch. Aber Schnüffeln ist erlaubt.
Susi macht sich nicht schlecht. Sie läuft ordentlich an der Leine, hat aber einen Linksdrall, heißt: Sie will immer links von mir gehen. Selten lässt sie sich längere Zeit auf die rechte Seite holen. Auf der Fortsetzung vom Norderweg ist das okay.

Auf dem Rückweg kommt uns ein Auto entgegen. Pkw mit Hänger. Lada, denke ich. Am Steuer ein Arschloch. Zwanzig Meter vor uns hupt er uns an. Völlig sinnlos. Susi ist eh bei mir, Kim und Naomi längst zu mir gekommen. Sie hören ja auf ihren Namen. Arschloch fährt an uns vorbei, pöbelt irgendwas durchs offene Autofenster und fährt weiter. Ohne auch nur für einen Augenblick vom Gas gegangen zu sein. Nun gut: Ich habe mir dein Kennzeichen gemerkt, du dumme Sau.

Schnelle Kopplung

Als Naomi 2014 zu uns kam – Kim war damals schon drei Jahre bei uns –, da gab es von Anfang an keine Probleme. Die beiden Mädchen – so unterschiedlich sie waren und sind – verstanden sich von Anfang an. Das eine oder andere Thema war zu diskutieren, da gab’s mal einen Knurrer, da gab’s mal einen kleinen Dominanzversuch, aber das war nicht andeutungsweise auch nur eine Spur von Stress. Und auch, wenn man es ihnen im täglichen Umgang nicht wirklich ansieht – sie lieben sich. Man merkt es immer dann, wenn sie getrennt werden. Da geht Kim mal alleine zum physiotherapeutischen Schwimmen – und Naomi geht mit mir alleine Gassi. Oder Kim geht mal schnell mit Frauchen zum Tierarzt. Kim leidet schweigend, aber man sieht ihr an, dass sie Naomi vermisst. Und bei Naomi kann man es auch hören, wirklich erleben.

Bei Susi ist es anders. Nicht, dass es Stress gäbe. Die kleine Maus ist nun seit gut einer Woche bei uns – und sie hat sich praktisch sofort an Kim gehalten, die sich dann wohl doch als die souveräne Hündin entpuppt hat, für die wir sie nie gehalten haben. Ganz ohne Aufregung, einfach so. Susi sucht Kims Nähe, sie ahmt ihr Verhalten nach. Nicht in allen Facetten, aber es ist immer wieder erkennbar. Und da war vorgestern dieser Abend, da saß Frauchen mit einem Becher Joghurt auf dem Sofa. Kim, die dann immer vor ihr sitzt und darauf spekuliert, den Rest auslecken zu dürfen, tat, was sie immer tat. Schauen, warten, geduldig. Und Susi – sitzt genau wie Kim neben ihr, schaut, wartet, nicht ganz so geduldig wie Kim, aber das ist dem Umstand geschuldet, dass die Kleine die Abläufe noch nicht kennt.

Kim ist völlig cool. Sie ist die Älteste im Trio, und sie ist die Nummer 1 unter den Hundemädchen. Dass Naomi letztlich immer die Nummer 2 war, war nach den oben erwähnten Kleinigkeiten am Anfang schnell klar. Und nie ein Problem. Kim hat das im Griff.
Naomi indes ist im Augenblick ein wenig … hm, geknickt könnte man sagen. Es hat den Anschein, als wäre sie zur Nummer 3 degradiert worden und ist darüber nicht erfreut. Andererseits ist sie nicht der Charakter, der dagegen angeht. Sie nimmt es hin, und wir sind uns noch nicht im Klaren darüber, ob da ein Problem heranwächst – oder ob das einfach mal so ist und so bleibt, bis Kim eines Tages über die Regenbogenbrücke gehen wird und Susi für Naomi hoffentlich das sein kann und sein wird, was wir uns vorstellen: ihre Freundin, ihre Gefährtin, der Hund, der Naomi zu vergessen und zu verkraften hilft, dass Kim uns alle verlassen muss, musste.

Und ja, ich erwarte, dass man mir vielleicht vorwirft, ich würde meine Hundemädchen vermenschlichen. Aber das ist mir nicht nur völlig gleichgültig – es zeigt mir auch, dass derjenige, der es tut, Hunde nicht kennt und nicht versteht.

Und Susi rettet meinen Tag

  • Susi ist heute eine Woche bei uns. Das Beziehungsgeflecht hat sich schon entwickelt. Über Kim, Naomi und Susi schreibe ich morgen etwas. Heute geht es um die Beziehung Menschen Haitel und Susi.
  • Die ersten Tage waren Stress. Nicht zuletzt, weil Frauchen während der gemeinsamen Gassigänge meinte, man müsse rennen, um die mit fünf Jahren doch jüngere Susi auszulasten. Ich war jedes Mal erledigt, nass geschwitzt und eigentlich auch ein wenig sauer.
  • Das Verhältnis zwischen Susi und Frauchen entwickelte sich schnell positiv. Das war auch einfach. Frauchen hat eine höhere Stimme als ich, ist eine Frau. Ich bin ein Mann, groß, dunkle Stimme, Bart – und Balkanhunde (Susi kommt aus Rumänien) aus dem Tierschutz haben alle erst mal Angst vor Männern.
  • Und so dauerte es seine Zeit, bis sie sich von mir anfassen lässt. Bemerkenswerterweise passiert es zuerst auf unserem Bett, wo sie sich genüsslich bekuscheln lässt. Beim Rumlaufen in der Wohnung ist das anders. Sie weicht mir aus, geht mir aus dem Weg, manchmal sieht es fast nach einer Flucht aus. Ich versuche dem Rechnung zu tragen, indem ich mich langsam bewege, sie anspreche, keine ruckartigen Bewegungen mache. Und so weiter, das Spielchen ist nicht ungewöhnlich.
  • Im Laufe der Tage hat sich das erkennbar entwickelt, wenn es auch immer noch Zeit brauchen wird, bis der Umgang zwischen Susi und Herrchen so ist, wie zwischen Herrchen und Kim und Naomi. Immerhin lässt sie sich inzwischen auch außerhalb des Bettes anfassen.
  • Sie hört noch nicht wirklich auf ihren (neuen) Namen (eigentlich heißt sie Sue). Eigentlich reagiert sie eher auf die Stimmlage, die Stimmungslage, wenn wir sie rufen. Auch hier ist Frauchen natürlich erfolgreicher.
  • Susi läuft bislang nur testweise am Halsband – das richtige Halsband muss noch beschafft werden –, ansonsten an einem Geschirr. Das geht ganz gut. Das Anlegen des Geschirrs ist noch ein wenig zeitaufwendig und mit Leckerliverbrauch verbunden. Aber es geht. Bei Frauchen sehr gut.
  • Und seit heute Nachmittag auch bei mir. Susi hat einen Tag, der wie die letzten Tage ein wenig chaotisch – und unter beruflichen Gesichtspunkten wenig kreativ – ausgefallen ist, gerettet. Meinen Tag.
  • Frauchen ist damit beschäftigt, im Obergeschoss an den Vorbereitungen für Renovierungsarbeiten zu werkeln, die letztlich zu ihrer Heilpraktikerpraxis führen sollen. Um 16 Uhr war Gassitermin – und ich wollte es einfach versuchen. Und Susi wollte mitspielen.
  • Sie ließ sich unter Einsatz von einigen Leckerlis und im physischen Beisein von Kim das Geschirr anlegen. Sie ließ sich anleinen. Und wir machten einen schönen Gassigang bei wenig schönem, weil regnerischem Wetter. Und auch die Heimkehr mit Ableinen, Pfoten säubern und Fell trocknen, das alles ging wunderbar. Noch nicht ganz so einstudiert wie bei Kim und Naomi, aber es ging ohne Theater vonstatten.
  • Und deshalb: Danke, Susi, für diesen schönen Tagesausklang, mit dem du mir den Tag gerettet hast.

Streusalz

Ich bin Teppichbodenfreund. Ich bin mit Teppichböden aufgewachsen. Und ich vermisse sie. Meine Frau steht auf glatten Boden. Weil er einfacher zu reinigen ist. Oder so. Aber man muss Kompromisse machen.
Kim wird älter. Immer älter. Ihr Gang wird unsicherer, ihre Muskeln bauen ab, vor allem in den Beinen, und sie ist nicht mehr so kräftig, einem glatten Boden Widerstand entgegenzusetzen. In meinem Arbeitszimmer ist sie mehrfach auf dem Parkett ausgerutscht, weggerutscht und einmal sogar richtig hingefallen.
Das geht nicht an. Also: