Aussichtslos

Es stellt sich unweigerlich die Frage, für wen die Situation aussichtsloser ist:

Für Frauchen, ihren Snack in Ruhe und vor allem unbeobachtet zu genießen?
Oder Kim (links) und Naomi, etwas abzubekommen?

Im Vertrauen – an diesem Abend gingen die Mädels leer aus. Aber das ist beileibe nicht immer so: Mandarinen, Orangen, Äpfel, Birnen … Kims Welt strahlt. Naomi ist anspruchsvoller und als Fleischfresser sind es allenfalls mal Nüsse, die sie sich gönnt. Oder Joghurt. Oder Quark. Oder andere Milchprodukte …

Der Tag 16/3

  • Frau geht früh zur Arbeit. Nein, sie fährt natürlich. Coronatests durchführen. Ehrenvolle Aufgabe in diesen Zeiten und offensichtlich nicht sehr gefährlich. Bisher gab es keine positiven Fälle. Und eigentlich ist es normal. Die Leute, die sie testet – Lehrer, Personal von Kindertagesstätten u. ä. – würde zu so einem Test nicht zur Verfügung stehen, wenn es bereits Symptome gäbe. Aber gut – Frau ist beschäftigt. Das ist gut. Hilft auch, von der Panik abzulenken, die sich ihrer zu bemächtigen gedenkt, wenn sie an die bevorstehende Heilpraktikerprüfung (mündlich) denkt.
  • Ich darf also den Morgengassigang machen. Das Wetter ist nicht schlecht, der Gang angenehm und exkrementell erfolgreich. Bürgermeisterin und ihre Luise getroffen. Der blonde Labrador Retriever ist mindestens so begeistert von unseren Begegnungen wie Naomi und sogar Kim. Kein Wunder: Leckerlis, Leckerlis, Leckerlis …
  • Um 9 Uhr Hundeschwimmen. Zuerst Naomi, diesmal ohne panischen Gesichtsausdruck, aber mit irgendeinem Ohrproblem. Vermutlich ist Wasser reingelaufen. Aber im Wasser hilft Schütteln wenig.

Danach Kimmi. Während sie warten musste, hat sie gezittert. Aufregung, vielleicht auch ein wenig Angst, Bammel eher. Sie ist zwar ein Labradormix, aber Wasser ist nicht ihr Ding. Trotzdem schwimmt sie tapfer und so, wie es sein soll:

  • Später daheim Arbeiten für den Naturwanderführer (oder wie man das Werk bezeichnen möchte). Es gibt nicht viel zu tun. Zwei Texte, weitere Texte sollen noch folgen, sind aber noch nicht da. Vor allem fehlt mir eine seit bald zwei Wochen versprochene InDesign-Layoutdatei, damit ich eine Bewerbung layouten kann. Eigentlich würde ich lieber mit dem Publisher arbeiten, aber hier gibt es ein fertiges Layout – das ich noch nicht habe. Also dümple ich so vor mich hin.
  • Derweil liegen die Hunde in Frau Haitels Arbeitszimmer beim Trocknen:

Und wie immer sind die beiden dunklen Mädchen sehr kontrastarm. Schade.

  • Mittagsgassi fällt aus, die Hunde sind noch (zu) feucht.
  • Stattdessen geht es mit Gabi Behrends Storys weiter, Geschichten von meinem literarischen Licht in diesen trüben Zeiten …
  • 13:45: Kim wird nervös. Wepsig. Sie steht dann neben meinem Stuhl, brummelt, mufft, ihre Rute rotiert. Entweder muss sie pieseln oder langweilt sich. Pieseln war’s nicht – also ist Zeit für einen Gassigang. Der besteht derzeit häufig aus Gassistehen. Naomi, die sowieso ein Schnüffeltier ist, schnüffelt sich den Wolf, und neuerdings interessiert sich Kim immer mehr, was ihre Freundin da so erschnüffelt, also stehen sie beide da, schnüffeln, oftmals regelrecht ineinander verkeilt. Ich würde lieber strammer marschieren, aber gut … es lässt sich nicht ändern. Ich hasse es, die beiden Hunde hinter mir herzuschleifen.
  • Gabis Storysammlung – die übrigens den Titel »Die Liebesmaschine tragen wird – entwickelt sich zu einer Sammlung potenzieller Preisträgergeschichten. Sauber. Allerdings finde ich – nebst reichem Fehlerschatz – sogar noch einige Stellen, an denen man lektorisch eingreifen kann. Nur marginal, nichts Gravierendes.
  • Um 16:15 letzter Gassigang. Ohne besondere Vorkommnisse.
  • Und dann Belege: Rechnungen, Lieferscheine … »Diagnose|F« ist ins Lager gebucht worden …

Hanna

An diesem besonderen Tag möchte ich sie euch vorstellen: Hanna. Traurig sind ihre Augen. Ich habe keine Vorstellung von ihrem Schicksal, aber allein das Wissen, dass man sie trächtig kastrieren wollte – und damit neun Hundebabys zum Tode verurteilt hätte –, erfüllt mich mit Grauen. Würde man eine schwangere Frau im achten Monat sterilisieren, gälte das als eine ganze Reihe von Straftaten, schwere Körperverletzung und Mord (am Baby) inklusive. Eine Hündin indes darf ihre Babys nicht zur Welt bringen, jedenfalls nach der Meinung von gefühllosen Schreibtischtätern, die willkürlich und ohne jede wirklich hieb- und stichfeste Begründung festgelegt haben, dass eine trächtige American-Staffordshire-Mix-Hündin in Bayern, Baden-Württemberg und anderen Bundesländern eine Bestie sein soll. Und keiner dieser unheiligen (und nicht nur potenziellen) Mordbuben kann erklären, warum Hanna in Schleswig-Holstein und Niedersachsen harmlos ist.

Hanna. Ein Schicksal, von dem man nicht mehr wissen möchte, weil man die eigene Wut nicht aushalten kann. Ein Schicksal, das man in ihren Augen sieht.

Hanna ist in der Obhut der Listenhunde-Nothilfe e.V., schon längere Zeit, und ich denke, sie wünscht sich nichts mehr, als ein Heim bei ihren Menschen. Auf ihrer Pflegestelle ich sie gut untergebracht, das ist sicher; aber so eine Pflegestelle ist eben kein Heim, nur eine Zwischenstation.

Hanna

Hier kommt Matz!

Heute morgen ist er zum ersten Mal da, bei der Listenhunde-Nothilfe: Matz. Ein Welpe, ein ganz junger Hund, noch in einem Alter, in dem ein toller Hund aus ihm werden kann (und wird), wenn seine Leute Zeit für ihn haben – und den Willen, dass er zu dem Familienhund wird, den American Staffordshires normalerweise darstellen. Matz

Der Hund des Tages

Gina ist – wie man auf den Fotos sehen kann – eine »bildschöne Hündin«, »ein kleiner Sonnenschein«. Die Beschreibung auf der Vereinsseite ist ein wenig älter und man darf davon ausgehen, dass sie sich längst in positiver Richtung – das ist so üblich auf den Pflegestellen, die die Hunde des Vereins übernommen haben – weiterentwickelt hat.

Der Listenhunde-Nothilfe e.V. ist »mein Verein«, ich bin Mitglied und möchte mich (nach dem Ende meiner Facebook-Mitgliedschaft) wenigstens auf diesem Wege bemühen, etwas (mehr) für den Verein zu tun (als nur meinen Beitrag zu zahlen). Die Hunde, um die es hier geht, sind in der Regel ganz normale Hunde mit oft von Menschen verursachten Baustellen, wozu auch gehört, dass diese eigentlich liebenswerten und friedlichen Tiere in den meisten Bundesländern dieses Staates als gefährlich gelten, weil sie von Schreibtischtätern auf eine Liste gesetzt wurden.

Problematisch (für mich und meine Frau) ist, dass zahlreiche dieser Hunde Tiere sind, die einen Einzelplatz möchten – was bei uns schon von Haus aus nicht drin ist –, und Hündinnen (die ich einem Rüden vorziehe) gegenüber anderen Hündinnen meist »nach Sympathie« entscheiden, was auch immer das heißt. (Als wir seinerzeit Naomi zu uns holten, war das im Grunde auch die Frage: Macht Kim das mit? Hat sie – und möglicherweise ist die entsprechende Anmerkung in der Vereinsbeschreibung nicht vorsichtig gedacht, allzu vorsichtig möglicherweise … Aber in der Tat weiß man nie.

Gina indes ist kein Einzelplatzhund, im Gegenteil. In der Beschreibung wird eine sportliche Familie – oha! – mit Kindern und anderen Hunden gesucht, weshalb davon ausgegangen werden darf, dass Gina jedenfalls nicht soziophob oder gegenüber Artgenossen aggressiv ist. Sie ist ein hübscher Hund und vor allem die Fellfarbe wäre genau unser Ding. Und noch dazu lebe ich in einem Bundesland, das keine sogenannte »Rasseliste« hat …

Nur … wir sind keine »sportliche Familie«. Seufz.

Überleben in der Kälte der Welt

Mindestens einmal am Tag – meist morgens, jedenfalls, wenn es am meisten stört – ist Frauchen der Ansicht, dass die Feuchtigkeit im Hause zur Neige geht. Also wird gelüftet. Und Zimmer können keinesfalls einzeln und nacheinander gelüftet werden, nein: Durchzug ist vonnöten.

Aber zum Glück gibt es einen Raum, der auch in der Kälte noch einen Funken Wärme zu bieten hat: Herrchens Arbeitszimmer. Die Rettung.

Vorne Naomi, dahinter Kim.