Überraschend: MARO und China-SF

Der MAROverlag ist mir seit vielen, vielen, vielen, vielen Jahren bekannt. Meine Kontakte mit Benno Käsmayr und seinen Mannen und Mädels gehen auf die 80er des letzten Jahrhunderts zurück. Dieser Tage nun entdecke ich überrascht Verbindungen zwischen MARO und chinesischer SF, die ja im Augenblick in der Szene total angesagt ist:

Schrägmarketing

Kai Beisswengers Marketingvideos haben was für Leute, die es schräg mögen. Und schräg ist ja nun Englisch, und Englisch ist modern. Hat schon meine Mama immer gesagt :)

Buchtrailer: Restwelt von Hand-Dieter Eberhard

Eberhard, Hans-Dieter, RESTWELT

[VDS-Kommentar] Zu weiß, zu männlich, zu irgendwas

Aus dem VDS-Infobrief vom 20.05.2024 und zum Thema der Literaturpreiskriterien:

Es ist nur noch peinlich. Da beschreiben zwei Autorinnen in der Zeit, wie mühsam es war, einen Gewinner bei einem Literaturpreis zu küren. Und das nicht etwa, weil die eingereichten Bücher so schlecht oder gut waren, dass man sich nicht entscheiden konnte. Nein, die Entscheidung wurde diskutiert, weil der Hintergrund der Autoren zum vermeintlichen Stimmungsbild der Gesellschaft passen musste. Zu viele Weiße? Geht nicht, was ist mit den schwarzen Autoren oder jenen, die aus anderen farblich abgesetzten Teilen der Welt kommen? Zu viele Männer? Geht auch nicht, denn auch Frauen sind ja schließlich in der Lage, (Bücher) zu schreiben. Zu Französisch oder Spanisch? Fast; ist ja immerhin fremdländisch, aber nicht exotisch genug. Das Werk selbst wird in den Hintergrund gerückt, weil es wichtiger ist, sich politisch korrekt zu positionieren.

Mit dem schließlich ernannten Sieger war man insgesamt zufrieden, ist das Werk doch wirklich authentisch und würdig, da es ein Leben repräsentiert, das bisher noch nicht gehört wurde. Doch der Weg dahin ist einer Jury unwürdig. Wenn ein Preis schon bestimmte Kriterien voraussetzt, dann ist es Aufgabe der Juroren, die eingereichten Werke anhand genau dieser Kriterien zu begutachten und durchaus darüber zu streiten. Die Herkunft, Hautfarbe, Religion oder sexuelle Orientierung dürfen durchaus im Werk wichtig sein, sie sollten aber nicht Grund für oder gegen eine Preisverleihung sein. Kunst ist Gefühl, sie ist Ausdrucksstärke, Eindringlichkeit. Wenn ein Autor es schafft, einen Leser in seinem Innersten zu berühren, ist das das Einzige, das zählen sollte. Politik hat bei der Entscheidungsfindung vor der Tür zu bleiben. Wer Werke aufgrund einer political correctness auszeichnet, nimmt ihnen die Würde, denn er reduziert sie auf eine politische Ebene, die nicht immer Bestandteil der Werke sein muss.

Juroren haben blind zu sein für persönliche moralische Einstellungen, allein dem Buch muss die Aufmerksamkeit dienen. Und wenn in einem Jahr nun mal keine Non-Binären mit Migrationshintergrund, dafür mit Rollstuhl, in die engere Auswahl gekommen sind, sondern ausschließlich Männer in einer Vorauswahl die meisten Punkte einfahren konnten, dann hat auch diese Liste ihre Berechtigung. Wer Menschen und ihre Werke auf das Geschlecht oder die Hautfarbe des Autors reduziert, hat Literatur nicht verstanden. (Doro Wilke)

[VDS] Kriterien bei Literaturpreisen

Aus dem VDS-Infobrief vom 20.05.2024:

Die Autorinnen Ronya Othmann und Juliane Liebert berichten in der Zeit von der Abstimmung zum Internationalen Literaturpreis, der jährlich vom Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin vergeben wird. Beide waren in der Jury, die zunächst eine grobe Auswahl (Longlist), dann eine gekürzte Auswahl (Shortlist) und anschließend den Sieger prämieren sollte. Bei der Abstimmung sei es im Frühjahr 2023 allerdings zu Zwischenfällen gekommen, die sich beide nicht hätten vorstellen können.

Nachdem die Jury-Mitglieder ihre Punkte zur Shortlist vergeben hatten, waren Einzelne mit der Abstimmung nicht zufrieden. In der Auswahlliste: „Ein senegalesischer Autor, der auf Französisch schreibt und in Paris lebt, eine südkoreanische Autorin, die in den USA lebt, eine russische Autorin, die mittlerweile im Berliner Exil lebt, eine belarussische Autorin, eine mexikanische und eine französische.“ Somit wären ein Mann und fünf Frauen nominiert gewesen.

Eine Jurorin war mit dieser Liste nicht einverstanden, denn danach wären drei schwarze Frauen, die zuvor weniger Punkte bekommen hatten, ausgeschieden, während es „eine weiße Französin (Mariette Navarro)“ in die Shortlist geschafft hätte. Sie würde daher Navarro ihre Stimme entziehen und ihre Punkte einer der drei schwarzen Autorinnen geben; andere Jury-Mitglieder schlossen sich dem an.

Man liebäugelte mit Cherie Jones, „deren Buch vorher einige als ‚Gewaltporno‘ und ‚netflixstyle‘ abgelehnt hatten“. Einen weiteren, punktgleichen Autor gab es mit Péter Nádas, dessen Buch viele vorher als Meisterwerk bezeichnet hatten. Die Diskussion entspann sich aber um das vermeintliche Problem, dass Nádas „nun mal ein vom Feuilleton geliebter, privilegierter weißer Autor“ sei.

Othmann führte an, dass Nádas aus einer jüdischen Familie stamme, obendrein noch einige Jahrzehnte real existierenden Sozialismus hinter sich habe und auch jetzt in Viktor Orbáns Ungarn nichts zu lachen habe. Es sei ihr unangenehm, dieses ins Feld zu führen, weil es mit dem Werk an sich nichts zu tun habe, sah sich angesichts der Diskussion jedoch dazu gezwungen. „Nádas ist der bessere Autor, aber politisch muss man halt Cherie Jones wählen,“ hieß es am Ende. Nach einem weiteren verbalen Schlagabtausch sagte ein anderer Juror zu Liebert: „Sorry, ich liebe Literatur, aber Politik ist wichtiger.“

Die Mitarbeiter des HKW, die der Sitzung beiwohnten, griffen nicht ein, obwohl die Kriterien des Preises („Die Einreichungen werden nicht nach dem Ansehen von Autor*in / Übersetzer*in beurteilt, sondern nach der Qualität des Buches. (…) Die Einreichungen werden ohne Bevorzugung oder Vorurteile in Bezug auf Verleger*in, Herausgeber*in, Autor*in, Übersetzer*in, Nationalität, ethnische Zugehörigkeit sowie politische und religiöse Ansichten bewertet.“) nicht eingehalten wurden.

Einige Wochen später fand die finale Jury-Sitzung statt, da wurde Mohamed Mbougar Sarr mit „Die geheimste Erinnerung der Menschen“ ausgezeichnet. Doch auch diese Wahl wurde hitzig diskutiert, denn nun bemängelten einige Jury-Mitglieder die Hautfarbe der beiden Übersetzer: „Denn weiße Menschen könnten generell keine schwarzen Autoren übersetzen.“ Zwar habe der schwarze Autor das N-Wort selbst verwendet, um die Diskriminierung seiner Figur zu zeigen, die weißen Übersetzer dürften es aber nicht reproduzieren. Eben dieses habe einer bei einer Lesung angeblich getan.

Wie Liebert berichtet, wurde sie angefahren: „Du als weiße Frau hast hier eh nichts zu sagen!“ Für die Jury zum diesjährigen Preis wurden Othmann und Liebert dann nicht wieder aufgestellt, viele andere der 2023er-Jury hingegen schon – das habe einen Beigeschmack hinterlassen.

Die Vorgänge 2023 seien typisch für die aktuelle Tendenz in deutschen Kulturbetrieben, sagen Othmann und Liebert: „Es wird ja ohnehin oft gemunkelt, wenn ein queerer, migrantischer oder sonst wie marginalisierter Autor gewinnt, dass es an seiner Identität und nicht am Werk lag – selbst wenn in der Jury nach literarischen Kriterien prämiert wurde. Eine Praxis, so wie wir sie in der HKW-Jury erlebt haben, schadet am Ende auch diesen Autorinnen und Autoren. Wir waren angetreten, um zu lesen und die literarische Qualität von Kunstwerken zu beurteilen. Wir mussten dann erleben, wie stattdessen im entscheidenden Moment diskutiert wurde: Es ging um Nationalität, ethnische Zugehörigkeit, Hautfarbe, um Politik und nicht um Literatur. Wieso haben wir denn all die isländischen, spanischen und rumänischen Autoren gelesen, wenn sie am Ende ohnehin nicht infrage kommen?“ (zeit.de (Bezahlschranke))

[VDS] Infobrief vom Montag, 20. Mai 2024

Zu den Texten: hier entlang.

1. Presseschau
• Über die Kriterien bei Literaturpreisen
• Körpersprache mal anders
• Authentizität statt Höflichkeit
• Anzügliche Bläser
2. Gendersprache
• Antidiskriminierungsstelle ist gegen Gender-Verbot
• Offener Brief an den Hessischen Rundfunk
• Kippt der Rechtschreibrat?
• Volksinitiative gegen Gendern in Niedersachsen
• FDP Emden will Gendern abschaffen
3. Sprachspiele: Unser Deutsch
• Spargel
4. Kultur
• Jung trifft auf Alt
• Mannheimer Sprachpreis wird verliehen
• Einzigartig Fränkisch
5. Berichte
• Zweisprachiges Elsass
• Philosophie bei Brecht
• Sprachpanscher 2024
6. Soziale Medien
• Boomer-Wort gesucht
• Sternchen im Senckenberg-Museum
• Gendern an der Uni
7. Kommentar
• Zu weiß, zu männlich, zu irgendwas
8. Termine

Lovecraft zu allen Zeiten

Detlef Klewer hat sich in meiner p.machinery zu einem gern gesehenen Herausgeber entwickelt. Nicht nur, dass er schöne Ideen hat – hier erscheint nun seine dritte auf dem Lovecraft-Universum basierende Anthologie namens »Chrononomicon« –, seine Zusammenstellungen sind auch immer in feiner Manier illustriert, Blickfänge, die alleine schon wert sind, dass man die Bücher aufschlägt.
Und Detlef Klewer ist ein geduldiger Mensch. Immerhin hat er mich nicht gesteinigt, weil die Anthologie, deren Ausschreibung am 30.09.2021 (!) beendet war, erst zweieinhalb Jahre später das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat. Gut, er hat natürlich für seine Arbeit – die nicht nur aus Illustrationen, sondern auch aus Lektorat der Arbeiten besteht – auch seine Zeit gebraucht, aber den größten Teil habe ich »verbraucht«, indem ich schlicht und ergreifend nicht »zu Potte gekommen« bin.
Aber nun ist es so weit. Das »Chrononomicon«, eine »historische Cthulhu-Anthologie«, ist erschienen und präsentiert Geschichten, die sich mit der Frage auseinandersetzen, zu welchen Zeiten der Menschheitsgeschichte die verschiedensten menschlichen Kulturen schon den Kampf gegen das Böse zu führen hatten. Wie immer bei Detlef Klewer: lesens- und sehenswert.

Klewer, Detlef (Hrsg.), CHRONONOMICON

Näherung mit leichtem Risiko

Sich heutzutage religiösen Themen in irgendeiner Form zu nähern – und in meinem Verlag reden wir sinnvollerweise von textlichen Veröffentlichungen –, kann sich als Risiko erweisen. Gut, einer meiner Autoren hat letztens noch festgestellt, dass ihm niemand zu seiner einzigen Mohammed-Karikatur ein Todesurteil übermittelte, aber das heißt nichts. Selbst so simple Dinge wie die Verweigerung gegenüber Abtreibungsverboten kann einem einen erzkatholischen »Shitstorm« bescheren. Von ganz anderen Themen ganz abgesehen. Ich möchte hier den Islam gar nicht erwähnen.

Die Anthologie »C.R.E.D.O.«, die Karl-Ulrich Burgdorf und Rainer Schorm zusammengestellt haben, ist so risikoreich nicht – wenn man simplen und religiös verbräumt-verblödeten Geistes ist. Man muss schon eine ordentliche Menge Hirnschmalz besitzen und einsetzen können, um in den Geschichten wirklich auf die richtigen Trichter der Religionskritik zu kommen. Aber manchen der Autoren war das auch nicht die Hauptsache – denn letztlich geht es in einer Anthologie, die in Buchform erscheinen soll (und wird), auch um den ganz profanen Autorenwunsch, nicht nur ein Einstellung, ein Weltbild zu vermitteln, sondern auch Unterhaltung zu ermöglichen.

Als Mitglied im Verein Deutsche Sprache (VDS e.V.) darf ich mir vorwerfen lassen, ein Neonazi zu sein, weil ich die deutsche Sprache hochhalten möchte. Als Exkatholik, der ich bin, mag man mir angesichts dieser Anthologie vorwerfen, dem Atheismus auf Kosten zugelassener und zulässiger Religionen Vortrieb leisten zu wollen. Gut. Das ist auch unter simpelsten Argumentationsgesichtspunkten bodenloser Schwachsinn. Aber so sind die Kritiker, die solche Ideen nutzen …

Ich finde, die Anthologie bietet nicht nur Möglichkeiten, die eigenen Ansichten als bestätigt zu betrachten, sondern auch, neue Ansichten zu betrachten, zu überprüfen und zu übernehmen oder zu verwerfen. Das ist das, was Literatur immer auch erreichen sollte. Und hier ist das gelungen.

Burgdorf, Karl-Ulrich & Schorm, Rainer (Hrsg.), C.R.E.D.O.

Volles Dutzend

Der Roman »RESTWELT« von Hans-Dieter Eberhard ist das zwölfte Werk meines gemeinsam mit Kai Beisswenger veröffentlichten Imprints »Zwischen den Stühlen« meiner – bzw. in diesem Fall unserer – p.machinery. Das Dutzend ist voll – und damit macht Kai fleißig Werbung (wie auch mit der Tatsache, dass wir dank dieses Buches einen »auf die Zwölf« bekommen haben).
Hans-Dieter Eberhard ist ein Bekannter von Wolfram Hirche, den ich ja mit inzwischen auch zwei Büchern verlege. Durch Hirche kam der Kontakt zustande, und weil ich keine Zeit hatte, habe ich das »Restwelt«-Manuskript gleich an Kai Beisswenger weitergeleitet. Der positiv reagierte – und da ich Kais Urteil so ziemlich vollständig vertraue, war die Frage dann nur noch, als welchen Band wir das Werk des schon betagten Autors – Jahrgang 1945 – veröffentlichen wollen. Der Ausfall eines anderen Titels kam aus durchaus nicht recht, aber ergab dann die Gelegenheit, »RESTWELT« quasi vorzuziehen. Et voilà … das Buch ist da. Und wie gesagt, Kai Beisswengers Urteil kann man vertrauen, voll und ganz – »RESTWELT« ist ein kurzweiliger Lesegenuss für Leute, die wissen – und genießen –, dass die deutsche Sprache nicht nur geschniegelt, geschlechtergerecht und um vermeintlich unangenehme Wahrheiten bereinigt ist, sondern vor allem eines: selbstbewusst!

Eberhard, Hans-Dieter, RESTWELT

Preis, wem Preis gebührt

Die litbox2 ist eine Literaturbühne in München, im KiM-Kino Einstein. Das ist in der Einsteinstraße 42 in München. Unter dem Titel »Auf ein Wort – Europa« gab es am 11.05. eine Lesung mit nachfolgender Feststellung eines Publikumsfavoriten. Und so neu unser Autor Hans-Dieter Eberhard zwischen unseren Stühlen ist, so neu ist auch sein 1. Preis, den er gewonnen hat. Freilich nicht für sein Buch »RESTWELT«, das bei uns erschienen ist, aber immerhin. Er hat etwas zu sagen und was er sagt, kommt an. Das galt für seinen Lesungsbeitrag zum Thema Europa und das gilt gleichermaßen für sein Buch »RESTWELT«.