Neuigkeiten bei NOVA

In der NOVA-Redaktion stehen demnächst bedeutsame Umstellungen an.

NOVA 33 wird die letzte Ausgabe sein, die Michael K. Iwoleit als Storyredakteur betreut. Ab NOVA 34 wird Marianne Labisch seinen Posten übernehmen, tatkräftig unterstützt von Yvonne Tunnat, von deren gründlichen Kenntnissen der deutschen SF wir uns starke Impulse für die Einbeziehung neuer und vielversprechender Autoren erhoffen.

Michael K. Iwoleit wird dem Magazin nicht ganz verloren gehen, sondern im Hintergrund in den Bereichern Koordination und Promotion weiterwirken, weiterhin die Einleitungen zu den Geschichten schreiben und die Gaststorys betreuen.

Angebote neuer Geschichten sind ab sofort an Marianne Labisch (storyredaktion@nova-sf.de) zu richten, die für NOVA 34 durchaus noch gute Geschichten sucht.

Die »Gelehrtenrepublik« bei den Pirckheimern

Im Blog der Pirckheimer Gesellschaft wurde die »Gelehrtenrepublik« in der fulminant-fantastischen Folianten-Ausgabe erwähnt – hier.
Das Fazit hat der Autor möglicherweise bei Horst Illmer abgelesen :)

Mit der von Franke reich illustrierten und gemeinsam mit Michael Haitel gestalteten sowie als Künstlerbuch aufwendig hergestellten, bei p.machinery edierten Neuausgabe des Romans erweist sich Franke als ein Liebhaber des Schmidtschen Humors und seiner bissigen Ironie, weswegen er bei der Gestaltung des Künstlerbuches nicht zurückstehen wollte: die Bücher wurden in Cabra gebunden, ein Material, das sich anfühlt als würde man einer Zentaurin aus dem „Hominidenstreifen“ das Fell streicheln.

Schmidt, Arno, DIE GELEHRTENREPUBLIK

Fünf Jahre Arbeit

Die Kimera

Auf Basis existierender Technik hatte ich einige Wochen vor Kims Abschied noch eine Erfindung zu vermelden: die Kimera.

Kim schlief zuletzt immer mehr. Und ihr Lieblingsplatz war die alte Hundebox, die wir angeschafft hatten, als Kim damals 2011 zu uns gekommen war. Sie stand auch in Murnau immer strategisch so gut, dass sie von dort aus einen guten Überblick hatte. Hier in Winnert stand die Box in der Diele; links geht es in die Küche, rechts zum WC und in Frauchens Arbeitszimmer, das wir auch als Wohnzimmer nutzen.

Solange sie schlief, war alles gut. Wenn sie wach wurde, war eine Reaktion gefordert: Sie musste durch die Küche und den Hauswirtschaftsraum nach draußen geführt werden, damit sie sich erleichtern konnte. Ich saß allerdings einige Meter entfernt in meinem Arbeitszimmer, mit dem Rücken zu ihrem Aufenthaltsort, sodass ich manchmal nicht mitbekam, dass sie wach wurde, denn nicht immer machte sie entsprechende Geräusche.
Also schaffte ich die Kimera an.

Die Kimera stand auf einem Hocker in der Tür zu meinem Arbeitszimmer. Dank der Technik – es handelt sich um ein Modell von Logitech – konnte ich Kim auch verfolgen, wenn sie später nicht gleich wieder in ihre Box zurückkehrte.

Die drei Fotos sind Schnappschüsse. Es gab natürlich noch mehr zu sehen. Lustig war es, wenn Kim direkt vor der Kimera stand, als würde sie wissen, was das darstellte. Oder Susi, die das ganz sicher haargenau wusste; einmal schlabberte sie mit ihrer Zunge über das Objektiv.
Inzwischen hat die Kimera keine Aufgabe mehr und sie wird auch diesen Namen verlieren, denn Kim ist ja nicht mehr da. Möglicherweise wird sie beizeiten eine Karriere als Naomera beginnen, aber das wird sich zeigen.

[Kim] Alltag, durcheinander

Mein Alltag ist durcheinander. Irgendwie. Natürlich ist das nicht Kims Schuld. Aber seit sie nicht mehr da ist, zeigt sich, wie sehr man tagtäglich in einer gewissen Spur läuft. Und die hat sich jetzt geändert.

Über Monate hinweg war ich hauptsächlich für die Gassigänge zuständig. Wenn Frauchen nicht da war, weil sie arbeiten musste, ging ich nicht nur mit Naomi und Susi, sondern auch noch mit Kim. Meist ging ich mit ihr zuerst, es waren ja keine langen Gänge mehr, sie wurden immer kürzer, wie schon erwähnt. Trotzdem wollte sie auch immer noch nach draußen, man merkte es ihr an. Und auch, wenn ich des Öfteren vermutete, dass es ihr vor allem um die Leckerlis ging – das war okay. Nach Kim waren dann Naomi und Susi dran. Nicht so lang, meist dreißig, fünfunddreißig Minuten, selten länger – es sei denn, Frauchen war da. Derweil stand die hintere Tür zum Garten offen, damit Kim raus konnte. Was sie selten musste, denn die dringenden Geschäfte hatte sie zuvor erledigt. Meist wartete sie nur auf uns, dass wir zurückkehrten.
Heute kann ich mit Naomi und Susi wieder längere Gänge machen. Wenn sie Lust dazu haben und sich nicht in Schnüffelorgien ergehen wollen. Ich mag halt doch laufen, nicht herumstehen. Aber es ist seltsam. Man muss sich wieder daran gewöhnen, nicht ständig daran zu denken, dass ja noch ein Hund daheim ist, ein alter Hund, der nicht mehr fit ist … Selbst jetzt, nach anderthalb Wochen, blitzt manchmal der Anfang eines solchen Gedankens in meinem Kopf auf.
Frauchen kann nun auch wieder Gassi gehen – und damit fehlt mir jeweils ein Gassigang. Das bringt meinen Rhythmus durcheinander. Es gibt feste Abläufe. Mittags zum Beispiel: halb zwölf Gassigang, danach Mittagsleckerli für die Mädels, Insulin für mich, dann Mittagsbrotzeit. Letztens hat Frauchen einen Mittagsgang gemacht – und prompt habe ich nicht nur mein Insulin, sondern auch das Mittagessen vergessen. Das Gleiche geschah auch an einem Nachmittag.

Kim am 11.04.2022

Auch andere Abläufe gestalten sich anders. Nicht grundlegend, aber doch anders.
Zuletzt fuhr ich zum Einkauf nach Husum nur, wenn Frauchen daheim war. Nicht wegen Naomi und Susi, sondern wegen Kim. Die Tür nach hinten auf zu lassen, wenn alle drei Mädels daheim waren, war (und ist) gefährlich, weil gerade Susi ein Ausbrechergen zu haben scheint; jedenfalls ist ihr immer noch zuzutrauen, dass sie eine Gelegenheit wahrzunehmen bereit ist, wenn sie sich ihr bietet. Also fuhr ich immer so, dass die Hunde allenfalls eine halbe Stunde allein waren, wenn Frauchen doch zur Arbeit musste. Und das hat geklappt.
Heute ist das wieder wurscht. Morgengassi mit den beiden verbliebenen Mädels, dann ins Auto und ab nach Husum – kein Problem und egal, ob Frauchen da ist oder nicht.

Und es gibt noch andere Kleinigkeiten, die sich geändert haben. Meist ist es eher lustig, wenn man drauf kommt. Es ist mir auch vorher immer mal passiert, dass ich Naomi Kim rief. Heute ist das merkwürdig, es fällt mehr auf.

Kim ist nicht mehr da. Ich hatte erwartet, dass ich viel mehr trauern würde. Aber zum einen hatten wir viel Zeit, uns vorzubereiten. Und zum anderen sind noch zwei Hunde da, die unserer Aufmerksamkeit bedürfen und sie verdient haben. Kim ist nicht vergessen, ganz im Gegenteil; Frauchen hat ihre große Fotosammlung mit Kim als wechselnde Hintergrundbilder auf dem PC ablaufen. Und ich schreibe Blogbeiträge, die sich um sie drehen.
Und wenn ich genau darüber nachdenke, finde ich es irgendwie schön, sie in Sicherheit zu wissen. Nicht nur ihre Asche im Regal hinter mir, auch ihre kleine Hundeseele jenseits der Regenbogenbrücke, bei all den anderen gegangenen Hundeseelen. Es geht ihr ja im eigentlichen Sinne nicht (mehr) gut, aber es geht ihr auf jeden Fall nicht mehr schlecht. Und das ist irgendwie … hm … befriedigend? Beruhigend? Ich bin nicht sicher.

[Kim] Alltag, anstrengend

Immer wieder hört man, wie toll alte Hunde seien, vor allem von Tierschützern. Und es ist sicher richtig, auch alte Hunde sind tolle Hunde, vielleicht noch toller als Welpen und Junghunde. Aber dabei wird immer verheimlicht, dass alte Hunde im Alter auch anstrengend werden können.

Unser Tagesablauf veränderte sich.
Die Gassigänge gingen nicht mehr zu dritt. Während ich mit Naomi und Susi dreimal am Tag unterwegs war, gab es für Kim nur noch zwei, manchmal sogar nur einen Gassigang. Meist, weil sie schlief. Oder weil erkennbar war, dass sie die Kraft nicht hatte. Kims Strecken wurden, wie gesagt, immer kürzer.
Wenn ich mit ihr heimkehrte, ließ ich hinten die Tür offenstehen, falls sie noch einmal hinaus wollte. Selten war dies nötig, trotzdem tat ich es.
Die Gassigänge mit Naomi und Susi wurden auch kürzer. Eigentlich sollte es dreimal eine Stunde sein, doch sie währten meist nur dreißig bis vierzig Minuten, wenn Kim alleine daheim war.
Ab dem Abendessen – das ist so zwischen 16.30 und 17.00 Uhr – war Kim unruhig, lief herum, kam immer wieder zu mir und unterbrach mich bei meiner Arbeit. Ich führte sie nach hinten, und oft wollte sie dort gar nicht hin. Sie war einfach orientierungslos, und ich glaube, sie wollte nicht einmal mehr wirkliche Aufmerksamkeit, denn wenn sie sie bekam, reagierte sie meist nicht – wenn nicht gar ablehnend, sie ließ sich schon länger nicht mehr bekuscheln.
Abends war dann an einen echten Fernsehgenuss nicht mehr zu denken – was in diesem Fall nicht am Programm lag, sondern an Kim. Immer noch unruhig ging sie immer wieder in die Diele, stand dort, soff wie ein Loch – sicher auch wegen des Trockenfutters, aber oft scheinbar auch nur aus Langeweile, wie mir schien –, und immer wieder folgte ich ihr, um zu sehen, ob sie nicht hinauswollte. Meist wollte sie nicht, meist stand sie nur in der geöffneten Tür, starrte nach draußen, drehte dann um – und manchmal erleichterte sie sich gleich in der Küche, der Diele.
Die Nächte waren unruhig. Wenn sie wach wurde, lief sie manchmal orientierungslos in der Wohnung herum, dem Teil, den wir nicht blockiert hatten, damit sie sich nicht auf festen Teppichen (die man nicht waschen konnte) erleichterte, oder auf glatten Böden (wie in der Küche unter dem Tisch) ausrutschte und dort nicht mehr auf die Beine kam, weil es zu glatt war und ihr die Kraft fehlte.
Wir begannen schlecht zu schlafen, weil immer im Hinterkopf Kim war. Das was sie tat. Oder auch nicht tat.

Nun ist sie nicht mehr da, und unser Tagesablauf verändert sich wieder. Aber das ist ein anderes Thema. Später.