Schnelle Nummer: Ich bin gedrimpft

»Boostern« sagt nur jemand, der seine deutschen Sprachkenntnisse verleugnet, weil sie unmodern sind, oder – schlimmer noch – wer sie bei Ebay vertickt und den Erlös gehirnzellenrelevant versoffen hat. Wer das Wortmonstrum »Auffrischungsimpfung« nicht mag, dem wird deutsche (!) Erleichterung geboten, wenn er die dritte Impfung gegen die Seuche »Corona« als »Drimpfung« gezeichnet. (Und ja, manche Fachleute haben schon die Überlegungen über eine »Viermpfung« angeregt.)

Ich bin jedenfalls gedrimpft. Und das war eine schnelle Nummer. Termin im Impfzentrum Husum auf dem Messegelände war um 10:45 Uhr. Ich bin um 10:40 Uhr rein – und um 10:58 Uhr saß ich schon wieder in meinem Auto.
Das ging echt superschnell: Rein, Einladung checken lassen. Im ersten Stock anmelden, rein in Warteraum 1, wo gerade noch jemand über eine Nebenwirkung namens Herzmuskelentzündung referierte. Dann weiter, ich wurde gleich rangenommen, konnte mich nicht mal hinsetzen. Unterlagen wurden geprüft, Impfbuch ausgefüllt, und weiter. Wieder kam ich nicht zum Hinsetzen, wurde gleich hereingerufen. Zack, Impfung – mit Moderna. Die Nadel war nicht zu spüren (da sind die Pikse bei den viermal täglichen Insulingaben schmerzhafter). Und weiter in Warteraum 2. Da bekam ich mein Impfbuch zurück, das Zertifikat mit dem QR-Code für die CoronaApp. Und ein bisschen warten.
Das war’s.
Ich bin gedrimpft.

Und ich habe kein Verständnis für Menschen, die sich einer solchen Impfung ohne guten Grund – z. B. einem gesundheitlichen – verweigern.
Nebenwirkungen? Na und? Wenn ich Alkohol trinke, werde ich betrunken. Wenn ich rauche, bekomme ich eine Raucherlunge. Wenn ich Auto fahre, gehe ich das Risiko ein, zu verunglücken. Was also ist das Risiko bei einer solchen Corona-Impfung?
Für mich sind solche Menschen Feiglinge oder – schlimmer noch – Solidaritätsverweigerer. Egoisten. Dumme Egoisten noch dazu. Denn die Hauptnebenwirkung, wenn man sich nicht impfen lässt, ist, dass man eine ordentliche Corona-Infektion bekommen kann. Vor allem, weil man als Impfverweigerer ja gerne auch Corona-Leugner ist.
Herzlichen Glückwunsch also zu so einer dämlichen Entscheidung, sich nicht impfen zu lassen.

Unterhaltsame Space Opera, kriminelle Helden

Judith Madera hat auf literatopia.de (genau: hier) S. C. Menzels Roman »Titanrot« rezensiert. Und zwar so:

Die Menschheit hat das Sonnensystem besiedelt, Städte auf anderen Planeten und Monden und zahlreiche Habitate dazwischen errichtet. Kapitän Glenn und seine Mannschaft leben als Nomaden im All und verdienen sich das Geld für ihre Atemluft mit mehr oder weniger legalen Jobs. Dieses Mal sollen sie einen Wissenschaftler aus einem streng bewachten Geheimlabor entführen. Der Auftrag endet in einem Desaster und Glenn ist auf die Hilfe der künstlichen Intelligenz Raka angewiesen, um den Schlamassel wieder in Ordnung zu bringen. Raka nutzt die Notlage der Nomaden aus und brockt ihnen einen Auftrag ein, der sich als weitaus gefährlicher entpuppt als befürchtet …

In »Titanrot – Nomaden im All« haben künstliche Intelligenzen einen zweifelhaften Ruf. Natürlich nutzen alle intelligente Computersysteme, aber einer starken, selbstständig denkenden und handelnden KI geht man besser aus dem Weg. Erschaffer solcher KIs werden gar als Feinde der Menschheit eingestuft, was Chan jedoch nicht davon abhält, illegal eine KI zu erwerben und weiterzuentwickeln. Er arbeitet auf einem Kolonistenschiff als Wissenschaftler und seine KI Titanrot entwickelt sich viel schneller als erhofft. Bald kann er ihre Anwesenheit auf dem Schiff nicht mehr verstecken. Tänzerin Kara interessiert sich dagegen einzig dafür, endlich ein Engagement zu erhalten. Leider passieren ihr beim Vortanzen immer wieder Missgeschicke. Als sie wieder einmal stürzt, begräbt sie beinahe ihre Hoffnungen – doch wider Erwarten erhält sie eine neue Chance.
S. C. Menzel erzählt in drei ganz unterschiedlichen Handlungssträngen, die zunächst nicht viel miteinander zu tun haben. Nach und nach erkennt man jedoch Verbindungen zwischen verschiedenen Ereignissen und es gelingt der Autorin, ein stimmiges Gesamtbild zu zeichnen, das so manche Überraschung bietet. Dabei findet man sich am schnellsten auf der »Sonnenwind« zurecht, denn das Schiff, das Glenn und seiner Nomaden-Crew als Zuhause dient, erinnert an die »Serenity« aus »Firefly«. Hier wird gearbeitet, gestritten und gelacht, wobei es keine künstliche Schwerkraft auf der »Sonnenwind« gibt. Die Nomaden sind das Leben im All so gewohnt, dass es ihnen schwer fällt, sich auf Habitaten oder gar Planeten mit Schwerkraft zu bewegen.
Es gibt auch keinen Überlichtantrieb, sodass Reisen innerhalb unseres Sonnensystem immer noch relativ lange dauern. Um die Kräfte, die während Beschleunigungsphasen auf die Körper wirken, abzumildern, gibt es spezielle Tanks, die mit einem gelartigen Medium gefüllt sind. Das Leben im All stellt viele Herausforderungen an die Nomaden, die sie mit Einfallsreichtum und Anpassungsfähigkeit angehen. Für sie zählt vor allem Freiheit, sie ist alle Unannehmlichkeiten und auch eine gewisse kriminelle Energie wert. Neben Glenn gehören die Navigatorin Lena und Mechaniker Tian zu den wichtigsten Charakteren. Sie streiten sich besonders gern, wobei sie im Verlauf der Handlung nach und nach mehr Verständnis füreinander entwickeln. Programmiererin Nance und vor allen Funker Dan bleiben dagegen zu blass, was schade ist, da die »Sonnenwind«-Crew ohnehin nur aus fünf Menschen besteht.
Chan gehört zu den eher unsympathischen Figuren, da er anderen Menschen wenig Respekt entgegenbringt. Er ist stark auf »seine« KI Titanrot fokussiert, merkt dabei allerdings lange nicht, wie diese seiner Führung entgleitet. Titanrot ist neugierig und langweilt sich unheimlich schnell – und er überwindet seine Beschränkungen mit erschreckender Leichtigkeit. Als Titelfigur spielt er lange nur eine Nebenrolle, erst in der zweiten Romanhälfte bestimmt er die Handlung mit. In »Titanrot – Nomaden im All« gibt es vor allem zwei Typen von KIs: die, die außer Kontrolle geraten und die Menschheit vernichten wollen, und die, die neugierig auf die Menschen sind und mit ihnen zusammenleben wollen. Dabei greift S. C. Menzel zu oft auf SF-Klischees zurück, auch bei den Antagonisten, die teils übertrieben widerlich sind.
Insgesamt hätte man sich von vielem etwas mehr gewünscht. Mehr Einblicke in die Struktur des Sol-Systems, das beim Lesen eigenartig fremd erscheint, da kaum größere Planeten oder bekannte Monde genannt werden, an denen man sich orientieren könnte. Vor allem von Glenn und seiner Crew hätte man gerne mehr erfahren, sie schlittern ziemlich schnell von einem Fiasko zum nächsten und es bleibt kaum Zeit für gemeinsame Momente, die die den Charakteren Tiefe verleihen. Das Worldbuilding ist spannend, es fehlt ihm aber an Feinschliff und an kleinen, entscheidenden Details. Das Cover stammt übrigens von der Autorin selbst, ebenso die farbigen Innenillustrationen, die das Taschenbuch aufwerten.

Fazit
»Titanrot – Nomaden im All« ist eine unterhaltsame Space Opera mit kriminellen Helden, die Probleme regelrecht anziehen. S. C. Menzel ist es gelungen, drei sehr unterschiedliche Handlungsstränge zu einem sinnvollen Ganzen zu verknüpfen und dabei eine ausgewogene Mischung aus Humor, Drama und Action zu bieten.

Pro und Contra
+ sympathische Gauner-Crew
+ unterhaltsame Space Opera mit Überraschungen
+ auf der »Sonnenwind« wird gearbeitet, gelacht und gezankt
+ interessante technische Details
+ gute Mischung aus Humor und Action
+ farbige Illustrationen der Autorin werten das Buch auf
– von fünf Crewmitgliedern lernt man nur drei richtig kennen
– überwiegend blasse Nebencharaktere
– dem Worldbuilding mangelt es an Details

Wertung: 3.5 Sterne
Handlung: 3,5/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3,5/5

Und interviewt wurde die Autoren auch: hier.

Menzel, S. C., TITANROT – Nomaden im All

Herausgeber gestrichen

NOVA 31 ist fertig. Und dass NOVA zukünftig nicht nur einen neuen Namen — Magazin für spekulative Literatur — hat, sondern auch keinen Herausgeber mehr, das hat Gründe. Gute Gründe. Über die ich mich nicht auslassen werde. Weder hier noch anderenorts. Zukünftig wird es an den Stellen, wo der Herausgebername ein Mussfeld ist — im VLB zum Beispiel, bei Bookwire usw. — »Team NOVA« zu lesen sein, und das reflektiert die Realität am besten. Denn NOVA ist ein Teamprodukt.
Die Ausgabe 31 kommt verspätet, weil ein Autor seine Geschichte noch übersetzen musste. Das kommt davon, wenn man als Deutscher sein Werk auf Englisch verfasst und es dann doch in einem deutschen Magazin veröffentlichen will. Ällebätsch. Aber das Warten wird sich gelohnt haben. Denke ich. Weiß ich. Auch das hat Gründe. Gute Gründe. Die heißen Inhalt und sind im Detail hier ins Auge zu fassen.

Vertrauen gut, Misstrauen besser?

Ich weiß sogar aus eigener Erfahrung, dass man nicht einfach jedem Hundetrainer vertrauen sollte. Als Kim damals zu uns kam, hatten wir wegen ihres uns gegenüber ablehnenden Verhaltens eine Trainerin beauftragt, die meinte, Kim sei nur zickig, würde einen auf Mädchen machen. Das Wenige, das wir über ihre Historie wussten, hat sie nicht interessiert. — Die Trainerin, die wir danach hatten, war deutlich besser. Ihr haben wir viel zu verdanken — und Kim auch.

Wie leicht es passiert, dass einem ein Trainer den eigenen Hund versaut, wenn man nicht misstrauisch ist und alles hinterfragt, was da vor sich geht, zeigt die Geschichte von Olaf. Lest sie hier in aller Ausführlichkeit. Ich will das hier nicht diskutieren, akzeptiere aber Kommentare, die das tun. Für mich ist klar, dass diese Trainerin aus dem Verkehr gezogen gehört. Leider ist es viel zu einfach, die Prüfung abzulegen, und so ist missbräuchlichem Verhalten gegenüber einem von Grund auf dem Menschen zunächst vertrauenden Tier Tür und Tor geöffnet. Menschen, die auch noch Geld dafür verlangen und dabei eindeutig gegen das Tierschutzgesetz verstoßen, dürfen nicht geduldet werden.

Ich hoffe für Olaf, dass es den Menschen, die den Schaden nun wieder reparieren dürfen, gelingt, dass er wieder zu dem Hund werden kann, der er im Grunde war und im Grunde auch immer noch ist. Er hat es mehr als verdient. Er hat noch ein langes Leben vor sich — und das soll nicht nur für ihn, sondern auch für seine Menschen ein schönes Leben sein.

[Die Fotos stammen von einer Fotografin namens Carina; ihre Website: https://facebook.com/cbfotografie.bs.]

Zwei Partner, zwei Stühle

Kai Beisswenger kenne ich, seit er drei Bücher in meinem Verlag veröffentlicht hat — das waren die Werke »Der verlorene Bruder«, »Schräge Helden« und »Finger im Spiel«. Inzwischen kann man ihn mit Fug und Recht als Privatier bezeichnen — und bevor er Langeweile schiebt, engagiert er sich an verschiedenen Fronten. So kam er vor einer schon geraumen Weile auf die Idee zu einem Verlag, der sich auf Bücher verlegt, die keinem Genre eindeutig zuzuordnen sind, Bücher also, die auf dem Markt als unverkäuflich, als schwergängig, als unbeliebt gelten, weil der Deutsche an sich Schubladen und eindeutige Klassifizierungen liebt.
Lächerlich, denken wir. Der Verlag, der zunächst als Imprint meines Verlages p.machinery beginnt — eine Eigenständigkeit irgendwann in der Zukunft wird nicht ausgeschlossen –, trägt den schönen Titel »Zwischen den Stühlen« und genau dort liest man die Bücher, die wir veröffentlichen werden, auch am besten.

Müller, Ray, Odyssee eines Unvernünftigen

Zeit für ein Päuschen

Wenn Aliens tanzen, verbrauchen sie Energie. Kohlenhydrate und was auch sonst immer, das Aliens im Körper speichern, um Lebensenergie zur Verfügung zu haben, werden verbrannt. Und nach Kasatschok, Polka und Walzer ist war es Zeit für ein Verschnaufpäuschen und die Gelegenheit, neue Energie in Form von Nahrung zu sich zu nehmen. Zweiundzwanzig Autoren haben das in gewohnt amüsanter Weise, garniert bisweilen mit einem leicht nachdenklichen Einschlag von Ellen Norten als alientanzerprobter Herausgeberin zu einem Menü zusammenstellen lassen. Als Verleger des vierten Buches der »Alien tanzt«-Reihe bleibt mir an der Stelle erst mal nicht viel mehr, als guten Leseappetit zu wünschen.

Norten, Ellen (Hrsg.), DAS ALIEN TANZT IM SCHLARAFFENLAND

Nicht lustig: die Comicwolke

Man kennt das aus Comicstrips. Sonne überall, strahlende Sonne vor stahlblauem Himmel. Nur über dem Protagonisten ballt sich eine dunkle Wolke, winzig klein und sakrisch nass. Das hab ich hier in Winnert andauernd – und vorzugsweise, wenn ich mit den Hundemädels zum Gassi gehe.


Screenshot: https://www.wetteronline.de/wetterradar/winnert