Alt, aber aktuell – und jetzt neu als E-Book

Das Buch ist nicht neu – es erschien im August 2015, einige Wochen vor dem 25jährigen Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung. Heute, Ende Oktober 2020, einige Wochen nach dem 30jährigen Jubiläum dieser Wiedervereinigung, die nach dem Bekunden nicht weniger Menschen immer noch nicht vollendet sein soll, ist das Buch immer noch aktuell und erscheint ganz frisch und erstmals auch als E-Book.

Die Geschichte des Zaubi M. Saubert, der nach der Wende nach Halle an der Saale gegangen ist, um dort seinen Weg zu machen, ist heute so aktuell und frisch wie damals – als sich die Ereignisse abspielten und als das Buch erschien. »GO EAST« schildert ein Stück deutscher Geschichte, deutscher Wiedervereinigung. Das Buch schildert simple menschliche Schicksale, die die Welt nicht bewegten und die doch all das ausmachten und ausmachen, was um uns herum ist.

Das E-Book gibt es bis 10.11.2020 zum Sonderpreis von EUR 1,99 bei Amazon und allen anderen Verdächtigen, danach wird es zum Preis von EUR 7,49 zu erstehen sein.

Tageskrönung

Es war komplizierter als gedacht, deshalb hat es den ganzen Tag gedauert, aber das Buch »Himmel und Erde. Die Bilder Tatjana Freys« ist fertig. Eine Mischung aus Tatjanas Bildern und davon inspirierten Storys, initiiert und letztlich zusammengestellt von einer meiner liebsten Herausgeberinnen – de facto habe ich sie alle lieb … – wird sich mit einem Umfang von 160 Seiten als quadratisches Hardcover präsentierten:

Schwierig wurde es allerdings, das Buch bei Bookwire einzustellen, damit beizeiten auch der Internetbuchhandel sowie die Barsortimenter ihren Spaß mit dem Werk haben. Denn: Das Buch beinhaltet fünfundzwanzig Fotocollagen der Künstlerin Tatjana Frey, die allesamt »randabfallend« präsentiert werden, das heißt – für den drucktechnisch weniger Informierten –, sie werden bis zum Rand gedruckt. Das Problem: Die Bilder sind nicht quadratisch, sie sind nicht alle hochkant, sondern auch querformatig. Und die Software von Bookwire, »Bookwire OS« genannt, eine von der Sorte, die voreilige Geister gerne »künstliche Intelligenz« schimpfen, die glaubt nun, das Recht zu haben, den abgelieferten Buchblock als fehlerhaft zu interpretieren – weil gedrehte Seiten enthalten seien. Der clevere Nachdenker erkennt das Problem: Die Abfolge »hochkant, hochkant, querformatig, hochkant, vollflächig, querformatig« führt das Klugscheißerprogramm zu der Annahme, alle querformatigen Bilder müssten wie die hochkantigen hochkantig sein, ergo sind sie in meiner Vorlage fehlerhaft gedreht.

»Arschlochprogrammierer, drogensüchtiger!«, erlaube ich mir da den Ausruf und würde mir wünschen, dass nicht nur dieser offensichtlich technisch völlig von der Buchproduktion Unbeleckte auf der Stelle zu Staub zerfalle, sondern sein ärgerliches, dummes, überflüssiges Produkt gleichermaßen. Eine Software, die mir vorschreiben will, wie ich mein Layout mache, hat verschissen – bis in die Steinzeit und drei Steine weiter.

Zwei Bücher

»KINDERGEFÄNGNIS und andere verlassene Orte« ist fertig. Der Umschlag lehnt sich am ersten Band an. Natürlich. Die Druckdaten sind beim Schaltungsdienst, Bookwire ist versorgt. Das E-Book ist gebaut und ebenfalls bei Bookwire abgelegt. Dieser Tage werden die Autoren informiert und ich warte auf den Andruck.

Am Band »Himmel und Erde« mit Bildern von Tatjana Frey und Storys dazu bin ich weitergekommen. Die Fahnenkorrektur ist durch, die Buchblöcke stehen. Morgen geht es weiter. Wahrscheinlich. Hoffentlich. Schaumermal.

Tage des Layouts

Bücher zu machen kann manchmal wie ein Rausch sein. Nicht für jeden, vermutlich. Für mich aber ganz sicher. Wenn ich in Fahrt komme, denke ich manchmal, dass ich nie mehr aufhören möchte.

Gestern, 20.10.:

  • Für den SFCD habe ich sfcd:intern 48 fertiggestellt. Das kleine Käseblättchen, das ich seinerzeit ins Leben rief, um vor allem vorstandsinterne Streitigkeiten aus den ANDROMEDA NACHRICHTEN zu verbannen, nähert sich seinem ersten runden Jubiläum. Nicht übel. Die Inhalte sind vereinsintern relevant, das Titelbild seit einiger Zeit dem der zugehörigen ANDROMEDA NACHRICHTEN-Ausgabe entsprechend.
  • Der Schaltungsdienst Lange bekam den Druckauftrag für den dritten Band der Klaus-Hübner-Reihe »Kein Twitter, kein Facebook | Von Menschen, Büchern und Bildern«. Unter dem Titel »Bierkämpfe, Barockengel und andere Bavaresken« geht es vor allem um Literatur aus und zu Bayern. Wie schon bei den ersten beiden Bänden war ich beeindruckt. (Ein vierter Band folgt, voraussichtlich Anfang 2021, denke ich.)
  • Nach einem Arzttermin – ich bin ja Diabetiker, also routinemäßig alle drei Monate beim Onkel Doktor (wobei mein Arzt gar keinen Doktortitel hat, aber trotzdem gut ist) – habe ich mich dann noch mit »KINDERGEFÄNGNIS und andere verlassene Orte« beschäftigt, dem von Corinna Griesbach herausgegebenen zweiten Band mit Storys und Fotos von Sebastian Schwarz zu verlassenen Orten, und danach mit einem weiteren Buch, das mit Bildern zu tun hat: »Himmel und Erde« wird das ebenfalls von Corinna Griesbach herausgegebene Werk mit Kurzgeschichten zu den Collagen der Tatjana Frey heißen. Beide Werke wird es nur als Hardcover geben.

Heute, 21.10.

  • war es übersichtlich: Ein Lektorat erübrigt sich bei Kurzgeschichten von Jörg Weigand, zumal vor mir schon der Herausgeber der Reihe »Die Welten der SF«, Frank G. Gerigk, daran gearbeitet hat, aber ein letztes Korrektorat und Vorbereitungen zum Layout sind dennoch fähig. »Die Welten des Jörg Weigand« wird die nach Ansicht von Frank Gerigk besten Storys Weigands enthalten und im Dezember 2020 erscheinen.

Bücher machen ist schön. Einfach schön.

Kultur retten

  • Mit den Büchern meines Verlages werde ich die deutsche (Sprach-) Kultur ganz sicher nicht retten, aber das ist auch nicht mein Ziel. Ich werde sie jedenfalls nicht beschädigen oder gar zerstören. Und ich werde meinen Spaß daran haben, immer wieder.
  • Der Buchblock für Norbert Stöbes »Kleiner Drache« ist fertig und liegt dem Autor vor. Der Umschlag entsteht morgen.
  • Der Buchblock für Ron Müllers »Das Theodizee-Problem«, ein durchaus politisches SF-Werk, kann man sagen, ist heute regelrecht geflutscht. Und liegt dem Autor ebenfalls vor.
  • Und begonnen habe ich mit den Korrekturarbeiten und Layoutvorbereitungen für das von Frank G. Gerigk herausgegebene Werk »Die Welten des Jörg Weigand«, Band 2 der Reihe »Die Welten der SF«.
  • Ja. Kultur macht Spaß. Besonders, wenn sie nicht destruktiv ist.

Kurz vom Tage

  • Eigentlich war Buchhaltung angesagt. Einmal mehr verschoben. Wenn ich dann doch wieder zulange, werde ich es verfluchen. Aber das kenne ich schon.
  • Stattdessen habe ich vier neue Bücher vorbereitet.
  • Darunter Norbert Stöbes Roman »Kleiner Drache«, ein kleines, asiatisch angehauchtes SF-Prachtstückchen. Dazu wird es ein fantastisches Titelgemälde von Andreas Schwietzke geben.
  • Erste Sitzung Kraniosakral. Dazu kann ich noch nicht viel sagen. Außer, dass die Schreibweise mit C im Deutschen jedenfalls falsch ist. Aber modern. Wie das heute so ist.

Aus anderem Blickwinkel

Dieter Rieken ist Autor in meinem Verlag; sein Buch »Land unter« wurde hier natürlich schon erwähnt. Aber Dieter interessiert sich auch für andere Bücher aus meinem Programm, und so möchte ich an dieser Stelle seine Rezension zu Gabriele Behrends »Salzgras & Lavendel« als Gastbeitrag veröffentlichen – mit seiner Erlaubnis selbstverständlich:

Douglas Hewitt ist in der Verwaltung von Acodis Inc. als »Datenarchäologe« tätig. Kaynee Simmons arbeitet im »Zenith«, einem Traumazentrum außerhalb der Stadt. Douglas ist im Ghetto unter »Wilden« geboren, die sich kein Implantat und »Persönlichkeitsset« leisten können. Nachdem er zur Waise wurde, erhielt er im Heim zumindest ein »Basisset«, das ihm ein sozialverträgliches Verhalten ermöglichen sollte. Kaynee dagegen hat ihr »Socket« gleich nach der Geburt implantiert bekommen und switcht nach Bedarf und Situation zwischen den vielen »Abspaltungen« ihrer künstlich erzeugten multiplen Persönlichkeit hin und her.

Die beiden leben im Zeitalter der »Effizienzdiversität«. Die in der Regel postnatal eingesetzten Implantate haben eine Gesellschaft hervorgebracht, die auf Effizienz getrimmt ist. Die Technik, die aus der Gamer-Szene hervorging, führte nicht nur zu einer Leistungssteigerung jedes Einzelnen, sondern ermöglicht es der großen Mehrheit auch, auf alle nur denkbaren Situation angemessen zu reagieren. So »kommen alle viel besser miteinander aus«, findet Kaynee.

Doch der äußere Schein trügt. Douglas zum Beispiel führt ein einsames und eintöniges Leben. Er wird von Ängsten und Zweifeln geplagt, die ihn bis in seine Träume verfolgen. Und dann begeht er – scheinbar aus heiterem Himmel – einen Mord. Um der Haft zu entgehen, bleibt ihm nur der Ausweg, sich ebenfalls eine multiple Persönlichkeit implantieren zu lassen. Im »Zenith« trifft er auf Kaynee, die seine »Patin« wird – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als ihre Hardware Fehler aufweist und sie die Kontrolle über sich verliert.

»Salzgras & Lavendel« spielt an einem unbestimmten Ort in der Zukunft, an dem »alles seinen ruhigen Gang« geht, während die Welt ringsum »an allen Ecken und Enden brennt«. Die Autorin streut nur wenige Hinweise auf klimatische Veränderungen und auf den technischen Fortschritt ein. Sie konzentriert sich auf die Frage, wie eine Gesellschaft aussähe, in der technische »Aufspaltungen« der Persönlichkeit – »neuronale Cluster« genannt – die Regel sind. Indem man Katy, Keira, Kandy, Kassy und Kaynees andere »Splits« in Aktion erlebt, hat man bereits nach wenigen Seiten einen lebhaften Eindruck davon, wie die Menschen im Alltag damit umgehen.

Am Beispiel von Douglas zeigt Gabriele Behrend, dass diese Technik für Menschen mit schweren Traumata ein Segen sein kann. Auf der anderen Seite stellt das Buch kritische Fragen: Was bedeutet es für eine Gesellschaft, wenn eine solche Technik zur Norm wird, sie sich aber nicht jeder leisten kann? Wenn der öffentliche Frieden gefördert wird, aber niemand mehr eingreift, um Verbrechen zu verhindern? Was passiert, wenn die Technik versagt oder Fehler in ihrer Anwendung passieren? Wie würde der Staat reagieren, wenn ein Dogma ins Wanken gerät? Was die multiplen Persönlichkeiten betrifft, läuft der Roman auf die Frage hinaus, ob eine Separation – wie Kaynees »geordnetes Haus« – oder die Fusion der einzelnen Ich-Aspekte die richtige Antwort ist, um ein glückliches Leben zu führen.

Das alles packt die Autorin in eine Geschichte, die weder trocken noch langweilig ist. Dafür sorgen unter anderem die Nebenfiguren: der Techniker Sanders Mayerhoff, der neben seiner Arbeit im »Zenith« geheime Experimente durchführt und eifersüchtig auf Douglas ist; und Claire Paulson, die Leiterin des Traumazentrums, die als Spezialistin für »adulte Diversität« gilt – und die am bittersüßen Ende des Romans auf ganz unerwartete Weise zu Douglas’ Retterin wird.

Hier und da ist der Autorin beim Schreiben die Fantasie durchgegangen. Ein Meeting aller Ich-Aspekte im eigenen Kopf? Und im Kopf einer anderen Person? Das sind großartige Szenen, die noch dazu perfekt in die Dramaturgie passen. Sie erscheinen jedoch übertrieben.

In Stil und Sprache ragt das Buch deutlich aus der Masse der Science-Fiction-Literatur heraus. Die Verwendung des Präsenz’ schafft eine große Nähe zu den Protagonisten. Mit einfachen Mitteln gelingt es der Autorin jederzeit, den Leser durch die vielen Ich-Aspekte der Figuren zu lotsen, so dass man immer genau weiß, mit welchem man es gerade zu tun hat.

Für die zentrale Frage des Buchs – Separation oder Fusion? – findet Gabriele Behrend starke Bilder. Eine eindeutige Antwort sucht man vergebens. Wahrscheinlich, weil es keine gibt.

Quelle: https://deutsche-science-fiction.de/?p=5558

Gastbeitrag beim Verlag

Auf der Website meines Verlags p.machinery habe ich nun eine schon etwas ältere Buchbesprechung von Marianne Labisch eingestellt, die so außergewöhnlich ist wie das Buch, das sie bespricht: »La Triviata« von Dirk C. Fleck. Die Besprechung findet sich: hier.

Die nächste Ausgabe ist die 60ste

Obwohl das nicht stimmt. In den Achtzigern und anfangs der Neunziger im letzten Jahrhundert habe ich schon mal die ANDROMEDA NACHRICHTEN für den SFCD e.V. gemacht, damals im Format DIN A5. Aber ich habe auf die Schnelle nicht im Zugriff, wie viele Ausgaben ich damals machte. Obwohl …
Doch. Mit der Nummer 101 habe ich im März 1986 angefangen. Und die Nummer 138 vom Juni 1992 war meine letzte Nummer. Damals. Also 38 Ausgaben. Damals.
Mit der 213 bin ich 2006 wieder eingestiegen. Und dieser Tage – Quark, heute war das! – habe ich die Ausgabe 271 festgestellt. Ergo: 59 Ausgaben seit 2006.
Die Überschrift  ist also falsch. Richtig ist:

Die nächste ist die 98ste

Und das ist nicht spektakulär. Richtig. Spektakulär wird die Ausgabe 274, die im Juli 2021 erscheinen wird.

Das ist dann meine 100ste!

Aber bis dahin dauert es noch, und so ist für den Augenblick nur interessant, dass die Ausgabe 271 seit heute beim Drucker ist (der vermutlich erst am Montag anfangen wird, sich damit zu beschäftigen).

ANDROMEDA NACHRICHTEN 271
SFCD e.V., Winnert, November 2020, 128 Seiten A4, EUR 8,00. Bezug: SFCD-Archiv, archiv[at]sfcd.eu

Der Inhalt:
Michael Haitel: Deutsche Sprache in Zeiten der Corona 6 * Seraph 2021 7 * SF-Gewinnspiel 8 * Conventions und Stammtische | Birgit Fischer: Der Nicht-SFCD-Con 9 | Robert Corvus: ElsterCon 2020 11 | Birgit Fischer: Fantastikstammtische in Corona-Zeiten 14 * Karl Aulbachs Fantasy 15 * Science-Fiction | Dieter Riekens »Land unter« 22 | Martin Stricker: Mehr war nicht, es war ein ruhiges, beschauliches Leben – Nachruf auf Thomas R. P. Mielke 28 * Zwielicht 33 * Jörg Krömers Cinema 34 * Gerd Freys eGames 39 * Perry Rhodan | Michael Haitel: Meine erste Sonne 46 | Robert Hector: Guckys Tod, der Zweite Zweig und die Staubfürsten 47 | Franz Hardt: Der Ilt ist tot! 53 * Science | Robert Hector: Kernfusion – Eine unerschöpfliche Energiequelle der Zukunft? 56 | Robert Hector: Das Multiversum, Parallelwelten und kosmische Doppelgänger 59 | Robert Hector: Künstliche Intelligenz 66 * Science-Fiction | Michael K. Iwoleit: Triumphe eines Ahnungslosen. Anmerkungen zu Stanislaw Lems Technologiekritik 71 * Armin Möhles FanzineKurier 78 * Michael Baumgartners Reissswolf 83 * Schlachtplatte 89 * StoryFiles | Anna Wegloop: Turing-Test revisited 123 | Dirk C. Fleck: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit 125

Das Titelbild stammt von Lothar Bauer.

Diese Ausgabe gibt es ab 01.10.2021 (!) auch zum Download unter https://www.sfcd.eu/download/pubs/an201-300/an271open.zip

Meine erste Sonne

PERRY RHODAN-FanZentrale e.V. (Hrsg.)
SOL 99
Das Magazin der Perry Rhodan FanZentrale
PRFZ e. V., o. O., März 2020, DIN A4, 64 Seiten, ISSN 1439-2453

VORBEMERKUNG. Ich bin kein Perry-Rhodan-Fan. Ich lese die Serie wieder, stecke in den 2900ern. Dahinter steckt ein gewisses Kalkül, das hier keine Rolle spielt. Ob ich jemals eine SOL gelesen habe, entzieht sich meiner Erinnerung. Gesehen habe ich schon welche, das ist sicher. Aber gelesen – eher nicht.
Nachdem offensichtlich niemand Lust hatte, die Ausgabe 99 zu rezensieren, habe ich mich bereiterklärt. Auch das mit einem gewissen Kalkül, denn der Schwerpunkt der Nummer steht in einem Zusammenhang mit einem bei p.machinery erschienenen Buch: Walter Ernsting.

WORUM GEHT ES? Blöde Frage. Um Perry Rhodan. Und das Drumherum. Der Inhalt des professionell aufgemachten Magazins ist abwechslungsreich, der Schwerpunkt Walter Ernsting nimmt einen nicht unerheblichen Teil des Magazins ein, lässt jedoch auch Platz für andere Themen.
So startet Matthias Hettler nach den üblichen Vorworten von Christina Hacker und Nils Hirseland – Mist, ich glaube, ich bin enttarnt! – mit »Reflexionen zum Mythos-Zyklus« und wirft einen ausführlichen Blick auf die Romane 3059 bis 3068. Für mich als Noch-nicht-3000er-Leser ist das durchaus interessant, gewinne ich doch einen ersten Einblick und könnte hier die Einschätzungen Robert Hectors fundierter oder unsinniger finden. Was ich mangels echter Detailkenntnisse nicht tue. Aber wie gesagt, Hettlers Ausführungen haben die noch verfinsterten Sektoren meines Geistes durchaus erhellt.
Alexander Trinley interviewt danach ausführlich Arndt Ellmer, der sich wieder »fit wie neue Turnschuhe!« fühlt. Sagt er. Ich bin, wie gesagt, nicht drin in der Perry-Rhodan-Szene und habe demzufolge nicht mitbekommen, dass Arndt glatte fünf Jahre weg vom Fenster war. Gesundheitliche Gründe. Ernste Gründe. Es ist durchaus positiv, zu lesen, dass er wieder auf dem Damm ist.
Leonhard Beyrle schreibt über den ersten interaktiven Perry-Rhodan-Roman, den Peter Terrid 1996 auflegte. Mit Ausschnitten aus dem 1997 veröffentlichten Werkstattbericht Terrids ruft Beyrle eine »fast vergessene Kuriosität aus dem Perry Rhodan-Umfeld« wieder in Erinnerung.
Jörg Isenbergs Fortsetzungsstory »Projekt Vertigo« ist mir als ehemaliges FanEdition-Projekt in Erinnerung, das dann dort nicht veröffentlicht wurde, weil Jörg kein Neuautor mehr ist. In SOL 99 wird der 9. Teil präsentiert.
Thomas Harbach, als ausführlicher Rezensent auch in den ANDROMEDA NACHRICHTEN des SFCD bestens bekannt, bespricht »Sternenfieber«, eine Publikation des TCE (Terranischer Club Eden), als »eine gelungene Erweiterung der Perry-Rhodan-Historie«. Ich kenne »Sternenfieber« nicht, glaube aber, Thomas‘ Urteil vertrauen zu können.
Stefan Wepil liefert eine ausführliche und bebilderte Beschreibung der »alternativen Erde« Iya. Bei FOLLOW würde man dergleichen als »Enzy« einstufen. Für mich wird das erst interessant, wenn ich wirklich in die 3000er-Bände vorgestoßen bin.
Und dann ist er dran – Walter Ernsting. Christina Hacker beschreibt in »Eine Legende im Fokus« die verschiedenen Publikationen, die zu Walter und seinem Pseudonym »Clark Darlton« zuletzt aufgelegt wurden, wobei »zuletzt« einen Zeitraum von durchaus 20 Jahren umfasst. Klaus N. Frick beschreibt seine »erste Begegnung mit Walter« auf dem WeltCon 1980 in Mannheim, auf dem ich auch war, wenn auch weit entfernt von all den Perry-Rhodan-Honoratioren. Thomas Harbach indes widmet sich »Walter E. und seine ›Men in Black‹«, worin es irritierenderweise nicht um Außerirdische und deren Anwesenheitsbewältigung geht … oder doch? Ja, man könnte es so sehen, denn eigentlich geht es in Thomas‘ Artikel um Walter Ernsting und Erich von Däniken, die eine Freundschaft verband, die nicht selten auch mal zulasten von Walter Ernsting und dessen Ernsthaftigkeit ausgelegt wurde. Nachfolgend hat Christina Hacker »Schlaglichter« zusammengestellt, kurze Texte von »Autoren, Fans und Freunden über Walter Ernsting«. Bekannte Namen sind es: Uwe Anton, Olaf Brill, Ekkehardt Brux, Robert Corvus, Erich von Däniken (!), Arndt Ellmer, Andreas Eschbach, Gustav Gaisbauer, Reinhard Habeck, Hubert Haensel, Erich Herbst, Michael Marcus Thurner, Roman Schleifer, Andreas Schweitzer, Christian Wehrschütz, Jörg Weigand, Uschi Zietsch – seufz. Wenn sich irgendwann einmal an mich auch nur der allerkleinste Bruchteil solcher Namen erinnert, dann kann ich zufrieden meinen Hunden über die Regenbogenbrücke folgen.
Den Abschluss des Schwerpunkts gestaltet Clark Darlton dann quasi selbst. Unter dem Titel »Die verlorene Zeit« hielt Walter Ernsting im September 1986 auf dem WeltCon in Saarbrücken eine Rede, deren Text in SOL 99 nachzulesen ist.
Danach geht es mit »Perry Rhodan NEO« weiter. Christian Hacker schreibt über die Staffel »Arkon erwacht« und präsentiert die Bände 220 bis 229 in epischer und höchst informativer Breite.
Zum Abschluss der neunundneunzigsten Ausgabe des Magazins SOL gibt es noch eine Rezension von Thomas Harbach zu den Planetenromanen 39 und 40, verfasst von Horst Hoffmann, eine Story von Dieter Bohn mit dem Titel »Chirurgischer Eingriff«, die mich daran erinnerte, dass ich die Figuren von Tatcher a Hainu und Dalaimoc Rorvic nie gemocht habe, und zu guter Letzt die Liste der Stammtische.

WAS GEFIEL? Im Detail kann ich das nicht sagen. Der Schwerpunkt zu Walter Ernsting hat mich vor allem auch deshalb sehr positiv angesprochen, weil ich im Juni erst ein eigenes Buch herausbrachte – »Unser Walter«, herausgegeben vom leider verstorbenen Wolfgang Thadewald und dem zum Glück noch höchst lebendigen Ulrich Blode – und bei der Lektüre feststellte, wie viel es über den Mann noch zu sagen und schreiben gegeben hätte. Ansonsten gefiel mir SOL 99 als die vermutlich allererste Ausgabe, die ich jedenfalls komplett goutiert habe, als informatives und abwechslungsreiches Magazin, das den Perry-Rhodan-Fan auf jeden Fall interessieren wird – und wegen des Schwerpunkt vielleicht sogar SF-Fans, die es mit der Serie nicht so am Hut haben.

ZU EMPFEHLEN? Für Perry-Fans auf jeden Fall. PRFZ-Mitglieder bekommen die SOL ja im Rahmen ihres Mitgliedsbeitrages, und wenn ich mehr Zeit hätte – für noch mehr Lektüre –, dann würde ich vermutlich ernsthaft über eine Mitgliedschaft nachdenken. Besonders empfehlenswert ist das Magazin aber vor allem wohl für diejenigen, die einfach nur mal schauen wollen, was in der Serie und drumherum so vor sich geht, ohne sich gleich in die Serienhandlung stürzen zu wollen. Die Überblicke über die Serie an sich und über NEO sind da besonders hilfreich.

NOCH WAS? Ja. Mir ist angenehm aufgefallen, dass in SOL nicht gegendert wird. Das ist heutzutage beinahe schon bemerkenswert.
Negativ fiel mir auf, dass die Macher der SOL dem gleichen Fehler zum Opfer fallen, dem viele, vor allem Vereine unterliegen: Der Verein ist der Verlag, soweit ist das richtig. Aber der Herausgeber kann niemals ein e. V., sondern nur eine natürliche Person sein; auch wenn es gerade Vereine sind, die mit fadenscheinigen Einlassungen dagegen argumentieren.