Wenn man seine Grenzen sehen kann

Bücher mit Heinrich »Tiny« Stricker zu machen, ist kein Spaziergang. Der Mann, den man wohl mit Fug und Recht der 68er Szene zuordnen kann, hat so seine ganz eigenen Vorstellungen von neuzeitlichen Entwicklungen im Literaturbereich – und wenn es nur um neue Rechtschreibung, moderne Schreibweisen und letztlich das Beharren auf angeblicher, aber unter heutigen Gesichtspunkten wesentlich unsinnigerer Authentizität geht.
Jedes Buch, das in der »Werkausgabe Tiny Stricker« in meinem Verlag p.machinery erscheint, wird umfangreich diskutiert. Nicht nur Neuausgaben, sondern auch die Erstveröffentlichungen – bei denen auch diese komische Authentizität eine Rolle zu spielen scheint.
Am Ende dann steht da doch ein Buch. Ich habe nachgeben müssen, er hat es auch getan, und wie beim aktuellen Werk »Grenzland« kommt dann mitunter noch eine umfangreiche Suche nach einem passenden Titelbildmotiv hinzu.
Am Ende ist es dann doch gelungen. Er hat seine »Bio-Referendare« und diverse andere Bindestricheriten bekommen, ich meine »Habtachtstellung« (statt Habachtstellung, die laut Duden zwar erlaubt, für einen Exsoldaten für mich aber sinnlos ist) und noch so ein paar Kleinigkeiten.

Und ein Titelbild haben wir auch gefunden. Zu dem man eine Geschichte erzählen kann. Und sollte.
Bei vorherigen Büchern der Werkausgabe war die Motivwahl recht einfach: Griechenland, Sarajevo, Essaouira – da gaben die Fotosammlungen im Web ordentlich Auswahl mit. Bei »Grenzland« war das schwieriger.
Der Roman mit autobiografischen Anklängen spielt in Hof an der Saale, in Bayreuth, ein wenig auch in München. Hofs Motive, die die Stadt für den Betrachter nicht nur erkennbar, sondern auch attraktiv machen, hat offensichtlich kein Schwein jemals wirklich fotografiert. In Bayreuth finden sich Motive wie das Schloss, das die Gebührengeier der Bayerischen Schlösserverwaltung unter der Fuchtel haben. Oder sie erscheinen dem Autor suspekt, wie das Richard-Wagner-Museum: wegen der Beziehungen zwischen Wagner und den Nazis. Am Ende einigten wir uns auf ein neutrales Motiv: Fichtelgebirge im Nebel. Und wir fanden diverse Winterbilder mit viel Schnee und weniger Nebel, die nicht infrage kamen. Und einige schöne Bilder, von denen eines unseren Geschmack traf.
Das Bild zu bekommen – zu kaufen! –, das war nicht schwierig. Schwieriger wäre die Erklärung, warum dieses Bild so gar nichts vom Fichtelgebirge zu haben scheint. Klar, Nebel ist sichtbar, jedenfalls eine passende Bewölkung. Aber das Gebirge ist kein Gebirge, sondern ein Berg. Und dem Ort meines Verlages wesentlich näher als den Handlungsorten des Romans: Es handelt sich schlicht und ergreifend um den Hohen Peißenberg, den Rigi. Aber am Ende war das egal. Das Bild passt von der Stimmung her – und es passt farblich zu den anderen Ausgaben der Werkausgabe, die bislang erschienen sind.

Details zum Buch: hier.
Details zur Werkausgabe Tiny Stricker: hier.

Spielfinger

Kai Beisswenger ist ein Mensch, der mir sympathisch ist. Ich kenne ihn nicht persönlich. Noch nicht, vielleicht. Aber ich empfinde Sympathie, wenn ich mit ihm maile. Wenn ich seine Facebook-Beiträge – die immer irgendwie politisch sind – lese. Wenn ich mit ihm über Bücher diskutiere.
Seine Bücher, die ich bislang verlegt habe, sind keine Verkaufsraketen. Sowohl sein »verlorener Bruder« (siehe hier) als auch seine »schrägen Helden« (siehe hier) sind an der Wahrnehmung des lesenden Publikums bislang weitgehend vorbei gegangen. Unverdient, wie ich finde.
Kais Schreibstil ist eine Freude für jeden Lektor (und Korrektor auch). Er weiß, was er tut, er schreibt überlegt, ohne verkopfte Texte zu produzieren. Seine Geschichten haben sehr realistische Elemente, aber auch immer einen fantastischen Touch.

Und bei seinem aktuellen Buch »Finger im Spiel« ist das fantastische Element nicht gleich offensichtlich, aber letztlich nicht zu übersehen. Die Geschichte arbeitet mit den Variationsmöglichkeiten von Parallelwelten – oder besser parallelen Handlungssträngen, und dies in einer Weise, die dem Leser schon deshalb leicht nahegebracht wird, weil die eigentliche Handlung, um die es geht, sehr real erscheint.

Wie schon erwähnt: Ich habe als Verleger immer das Problem, meine eigenen Bücher nicht sinnvoll rezensieren zu können. Aber »Finger im Spiel« ist wahrlich geeignet, eine Ausnahme zu machen. Das Buch flutscht. Es liest sich gut, locker, entspannt – und interessant, spätestens dann, wenn man sich als Leser Gedanken darüber macht, was mit dem eigenen Leben geschähe, fänden solche Dinge statt, wie sie Kai Beisswenger in »Finger im Spiel« beschreibt.

Details zum Buch: hier.

Warum mir der HALLER Spaß macht

  • Weil Corinna Griesbach eine gute Herausgeberin mit guten Ideen und einer durchaus stringenten Arbeitsweise ist.
  • Weil die Themen des HALLER sehr abwechslungsreich sind.
  • Weil die Ausgaben des HALLER immer wieder neue Herausforderungen an das Layout stellen.
  • Weil das Layout des HALLER trotzdem nicht ständig neu erfunden werden muss.
  • Weil ich Autoren kennenlerne, denen ich bei p.machinery selbst nicht unbedingt über den Weg gelaufen wäre.
  • Weil das Gleiche für die Illustratoren gilt.
  • Weil ich inzwischen eine wiederkehrend schöne Idee für die Titelbilder gefunden habe.
  • Weil ich Corinna Griesbach zu dieser Machart der Titelbilder Exklusivität versprochen habe.
  • Weil ich mich auf die nächste Ausgabe schon freue, wenn die letzte gerade fertiggestellt wurde.
  • Weil es halt so ist.

Details zum aktuellen HALLER 15 – Alte Freunde: hier.

Gut Ding will zwei Chancen haben

Ich habe sehr lange schon mit Tiny Strickers Texten zu tun (und ich fürchte, ich habe das hier auch schon verkündet). In den 80ern habe ich für Maro in Augsburg Texte erfasst, und Strickers Werke gehörten dazu. Ich weiß nicht mehr genau, was ich alles getippt habe – Tiny Stricker ist ein Autor, der klassisch mit der Hand schreibt, obwohl er inzwischen durchaus mit dem Computer umgehen kann. Selbst heute noch …

Zwei seiner Bücher, die ich seinerzeit getippt habe, sind bis heute nicht erschienen und werden voraussichtlich 2018 als Band 8 und 9 der Werkausgabe in meinem Verlag p.machinery erscheinen: »Grenzland« und »Spieler im Park«.

Wann genau ich in direkten Kontakt mit ihm kam, weiß ich nicht mehr. Es war wohl vor 2010, denn sein Werk »Vom Gehen in griechischen Städten« erschien im März 2010 als Band 2 meiner Reihe »ErlebnisWelten« – und bei diesem Buch hatten wir schon Kontakt miteinander.
Das nächste Buch – »Ein Mercedes für Täbris« – wurde nur von mir erfasst, erschien ansonsten im MaroVerlag zu Augsburg. Erst der darauffolgende Titel »Lektüren in Sarajevo« kam wieder meinem Verlagsprogramm zugute und war gleichzeitig der Startband für die Werkausgabe, die ansonsten »durcheinander« erscheint, was heißt: Die Nummerierung der Einzelbände orientiert sich am originalen Erscheinungs- und/oder Entstehungsdatum, was dazu führt, dass siblang nur die Bände 7, 10 und 5 – in dieser Reihenfolge – erschienen sind.

Langer Rede kurzer Sinn – auch dieses Beitrags: In diesen Tagen ist »Vom Gehen in griechischen Städten« in neu layouteter und noch einmal korrigierter Fassung als Band 5 der Werkausgabe Tiny Stricker schienen. Details zum Buch finden sich hier – und das Titelbild sieht so aus:

Ratlosgeber

Alexandra Reinwarth
AM ARSCH VORBEI GEHT AUCH EIN WEG
mvg verlag, München, 2017, 185 Seiten, ISBN 978 3 86882 666 1

VORBEMERKUNG
Bei der 666 in der ISBN könnte man schon misstrauisch werden. Einmal mehr, wenn man sich anschaut, dass sich die Reinwarth offensichtlich auf solche Arten von Pseudoratgebern spezialisiert hat.
Die Empfehlung kam indirekt von meiner Schwägerin. Ohne Details. Offensichtlich hat sie das Buch amüsiert, was noch nichts heißt. Ich habe es mir schicken lassen – was auch noch nichts heißt.

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Ich bin nicht gern gemein

Nein, das bin ich wirklich nicht. Aber ich kann auch nichts dafür, dass Dirk C. Fleck, einer meiner Autoren bei p.machinery, sich ein Buch gewünscht hat, als ein besonderes Stück zum Verschenken, ganz nach seinem Gusto. Es sollte nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sein – man kann sich darüber streiten, ob ein Autor wie Dirk C. Fleck nicht eine autobiografische und wirklich sehr persönliche Geschichte auch öffentlich machen darf, aber er wollte es halt nicht. Und für mich war das okay.

Eigentlich wollte er das Werk mit einem simplen Layout bei einem englischen PoD-Anbieter herausbringen, aber das konnte ich natürlich nicht akzeptieren. Es hat ein Weilchen gedauert – wie alle meine Bücher ein Weilchen dauern –, aber in diesen Tagen erscheint es nun: »Alles auf Rot«, eine sehr persönliche, sehr autobiografische Geschichte, die mir so gut gefallen hat, dass ich daraus den zwanzigsten Band meiner p.machinery-Reihe »Außer der Reihe« gemacht habe, obwohl es das Buch nicht zu kaufen geben wird. Aber das ist mir auch gleichgültig.

Dass ich das Buch für Dirk gemacht habe, hat sehr viel damit zu tun, dass ich den Menschen Dirk C. Fleck als Menschen schätze, als Autor, dass ich sein Werk mit Hochachtung betrachte, dass ich inzwischen auch ein klein wenig allergisch auf die Menschen reagiere, die meinen, Dirk für seine Ansichten und Einstellungen, für seine Fokussierung auf weltweite Ökologie, auf Themen zu den Dingen, die wir mit unserer Welt anstellen, und damit auf Themen zu unserer weltweiten Dummheit, verurteilen zu müssen, die ihn abkanzeln, herabwürdigen und die sich ihm gegenüber in einer Art und Weise benehmen, die einfach nicht akzeptabel ist.

Langer Rede kurzer Sinn: Es war mir ganz persönlich eine ganz besondere Freude, einem ganz besonderen Autor ein ganz besonders Geschenk zu machen. Und das ist »Alles auf Rot«. Und Dirk hat sich schon mit diesem Buch bei mir revanchiert – es ist eines seiner besten Werke, die ich kenne. Eben, weil es so ist, wie er ist.

Details zum Buch: hier.

Kein Schwimmbad nach Athen tragen

Also, an dieser Stelle noch viele Worte über den HALLER zu verlieren, würde bedeuten, den Eulen für Athen Dinge abzuverlangen, die sie nun wirklich nicht mehr mitmachen wollen. Aktuell jedoch erscheint die Ausgabe 14 mit dem Titel »Schwimmbad 1967«, eine Sammlung von durchaus auch autobiografischen Schwimmbaderinnerungen aus früheren Zeiten.

Wer mehr wissen mag, schaue hier.

Der eigentlich für’s Frühjahr 2017 vorgesehene Band erscheint leider mit ein wenig Verspätung. In der Ausgabe 15 – Ausschreibung siehe hier – werde ich das wieder aufholen. Versprochen.

Keine Helden auf der Kippe

Auch die Information, dass es dieses Buch gibt, hat ein wenig unter meiner derzeitigen Lebenslage gelitten. Aber natürlich vergammeln Bücher nicht, und so möchte ich das zweite Werk von Kai Beisswenger erwähnen, das in meinem Verlag erschienen ist und erscheint:

Die Geschichte hat durchaus Thrillerelemente – wenn man sich auch keine falschen Hoffnungen machen sollte, dass es sich hier um ein actiongeladenes Werk handle, das als Film in eine Materialschlacht ausarten würde. Vielmehr spielt sich der Thriller nur zu einem Teil in der physischen Realität ab – vielmehr ist es die Spannung der sich entwickelnden Beziehungen zwischen den Protagonisten, die den Text für mich veröffentlichungswürdig machte. Und ich stufe den Text für mich als Thriller ein.

Weitere Details zum Buch: hier.

Berichtspunk, Punkberichte

Klaus N. Frick
FÜR IMMER PUNK?
Eine Kurzgeschichten-Sammlung
Hirnkost, Berlin, 2016, Hardcover, 318 Seiten, ISBN 978 3 945398 44 9

VORBEMERKUNG
Klaus Frick kenne ich lange. Ich denke, wir kommen locker auf dreißig Jahre. Andererseits: Kennt man jemanden wirklich, nur weil man ihn vor dreißig Jahren kennengelernt hat? Ich glaube nicht, und bei der Lektüre dieser Kurzgeschichtensammlung (ich schreibe sie in einem Wort) habe ich mich mehr als einmal gefragt, ob Klaus und ich, ob wir uns wirklich kennen.

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