Aufregendes Universum

Jeder Ort dieser Welt ist ein Universum für sich. Gleich, ob es eine Großstadt oder ein Dorf ist. Winnert, das Dorf, in dem ich nun seit bald drei Jahren lebe, ist bei Weitem nicht so aufregend wie Hamburg. Und nicht einmal annähernd so aufregend wie der kleine Ort, den Peter Kiefer in seinem Buch »LANDLÄUFIG. Die Welt hinterm Acker« beschreibt. Wobei, halt, er beschreibt weniger den Ort, als die in ihm lebenden Menschen. Was am Ende das Gleiche ist. Vermutlich.

Ich kenne Peter Kiefer nicht persönlich. Noch nicht. Aber wir machen schon länger Bücher miteinander, das erste Werk erschien im Mai 2013: »Treibgut. Vom Verreisen«, der Band 6 aus der längst eingestellten Reihe »ErlebnisWelten«. Ein Reisebuch eben. So was kauft heute kein Mensch mehr, selbst in diesen Seuchenzeiten, in denen Reisen nicht mehr ganz so einfach ist.
Aber das ist hier nicht das Thema.
Peter Kiefers Bücher haben immer einen gewissen Kick, den ich schlecht beschreiben kann. Sie wirken sehr normal, üblich, alltäglich, gewöhnlich – und wenn man sie liest, merkt man, dass man sich hat täuschen lassen. Denn da ist immer dieser besondere Strich, der entgegen aller anderen läuft.
»LANDLÄUFIG« ist ein Episodenroman, dessen Plotdetails ich auf Basis meines langjährigen Dorflebens (meine letzte Großstadt war München Mitte der Neunziger) gut nachvollziehen kann, auch wenn die Menschen, denen ich so begegnete und begegne, nicht so schillernd und außergewöhnlich erscheinen, wie Peter Kiefer seine Menschen schildert. Aber er beschreibt sie auch sehr wissend, während ich von meinen Mitmenschen hier in Winnert in den allermeisten Fällen wenig weiß (und am meisten oft genug noch über ihre Hunde).

Zum Cover hatte der Autor durchaus konkrete Vorstellungen. Einem angefragten Grafikerteam waren diese Ideen … oh, ich weiß die genaue Formulierung nicht mehr, sie war jedenfalls abwertend gemeint und zeugte davon, dass man nicht verstanden hat, worum es ging. Klaus Brandt kam dann jedenfalls zum Zuge, denn er verstand – und schuf den an sich unbekleideten Körper einer Frau, auf der das Dorf des Romans zu finden ist, und die Kirche steht direkt oberhalb der Scham. Eine Anspielung. Vielleicht mag derjenige, der herausfindet, worauf sie sich bezieht, eine Mail schicken …

Kiefer, Peter, LANDLÄUFIG. Die Welt hinterm Acker

Nach einem Päuschen

Durch die beiden fotolastigen Bücher »DIE ZUKUNFT …« und »KINDERGEFÄNGNIS und andere verlassene Orte«, die zwar keine HALLER-Ausgaben darstellen, aber im Grunde aus dieser Werkstatt stammen, entstand eine Pause, bis nun der siebzehnte HALLER mit dem Thema »SPAM!« erschienen ist. Details findet man unter dem unten stehenden Link:

Es ist soweit! HALLER 17 „SPAM!“ erscheint jetzt!

Knallchargenbrevier

Der Autor kann nichts dafür, dass man die Leute, die er sich in diesem Buch vorknöpft, als Knallchargen bezeichnet. Unter anderem. Sich ernsthaft mit Verschwörungstheorien zu beschäftigen, kann gefährlich sein und böse enden. Der bessere Umgang ist Sarkasmus, Satire, durchaus kabarettistisch, vor allem aber böse und – ja, intelligent. Gerade mit Intelligenz ist man gegen Verschwörungstheorien am besten gewappnet, denn Intelligenz ist vermutlich das, was den Vertretern verquerer Denke am ehesten fehlt – nicht selten vollständig.

Kristjan Knall hat mit seinen Platon in den Mund gelegten Worten heftig Wasser auf meine Mühlen gegossen und er hat mich, der ich Fan politischen und gesellschaftlichen Kabaretts auf sarkastischer Grundlage bin, mit vielen bösen Seitenhieben erfreut. Es ist zu verknusen, dass Xavier Naidoo nicht die Hauptfigur ist, auch, dass Hildmann und andere Kameraden der Branche nicht zu Wort kommen, vor allem aber hat mich eher noch erfreut, dass die deutsche COVIDiotie keine Plattform bekommen hat, obwohl sie es sicherlich auch verdient hätte. Aber das Thema der Seuche nervt, und ich kann nicht ausschließen, dass ich mit dem Autor hätte diskutieren müssen, ob das Thema auch noch nötig gewesen wäre – aber das war ja auch gar nicht nötig.

Das Buch richtet sich an den interessierten Intelligenzler, der in der Lage ist, Satire richtig aufzufassen. Es ist eindeutig nichts für die Knallchargen dieser Welt, denn das, was Kristjan Knall geschrieben hat, macht ihnen keinen Spaß – weniger, weil er auf ihre Kosten geht, als vielmehr, weil sie gar nicht verstehen, was hier Sache ist.

Knall, Krischan, PLATON SIEHT CHEMTRAILS

Preiskomiteemitgliederunterhaltungskost

Edward St. Aubyn
DER BESTE ROMAN DES JAHRES
Piper Verlag, München, 2014, Hardcover (ohne Schutzumschlag, mit Lesebändchen, ohne Fadenheftung), 253 Seiten, ISBN 978 3 492 05435 5

VORBEMERKUNG
Das Buch schenkte mir Corinna Griesbach, eine meiner Herausgeberinnen in meinem Verlag p.machinery. Ich erinnere nicht mehr genau, mit welchen Worten ich das Werk erhielt – aber ich bin sicher, sie bezog sich auf meine Verlegertätigkeit. Ich beziehe mich mit dieser Rezension eher auf den Deutschen Science-Fiction-Preis und seine Komiteemitglieder, zu denen ich ja auch zähle.

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