Mit angemessener Verspätung

Diese Ausgabe der ANDROMEDA NACHRICHTEN litt unter großer Verspätung; fast einen Monat später als regulär üblich erschien die Ausgabe 272 Ende Januar bzw. Anfang Februar, und es lag nicht an der Druckerei, sondern an mir und meinen zeitlichen Möglichkeiten. Und nun, einen weiteren Monat später, will ich auch hier verkünden, dass es die Ausgabe gibt:

ANDROMEDA NACHRICHTEN 272
SFCD e.V., Winnert, Januar 2021, 148 Seiten A4, EUR 8,00. Bezug: SFCD-Archiv, archiv[at]sfcd.eu

Der Inhalt:
Impressum 3 * Notorische Verspätungen (Vorwort) 3 * Leserbriefe 3 * ESFS-Awards 2021 8 * Gewinnspiel AN 271 8 * Dieter Steinseifer – Nachrufe auf einen großen Menschen 8 * Conventions 12 * Curt-Siodmak-Preis 2021 14 * Fantasy 15 * Nostalgia 27 * Science Fiction 31 * Zwielicht 36 * Cinema 42 * Comix 51 * eGames 57 * Perry Rhodan 65 * Science 76 * FanzineKurier 90 * Reissswolf 99 * Schlachtplatte 110 * StoryFiles 142

Das Titelbild stammt von Lothar Bauer.

Vier Filme

An manchen Tagen geht mir das normale TV-Programm auf den Keks. Meine bevorzugten Sender – NITRO, ZDFneo, ONE, eventuell noch SIXX, auch der NDR – liefern manchmal ein Programm, das ich nicht mag. Das passiert nicht nur, aber vor allem am Wochenende. Ich schrieb hier schon davon. Dann gönne ich mir einfach Filme aus meiner Sammlung. Zum Beispiel:

30 Grad unter Null
(Centigrade, https://www.imdb.com/title/tt8945942)
Ein Kammerspiel, wenn man es genau nimmt. Ein Pärchen ist in einem Auto irgendwo in Norwegen eingeschneit. Sie ist schwanger. Er ist der Depp, der nicht weiterfahren wollte. Nun sitzen sie da, eingeschneit, das Auto lässt sich nicht öffnen. Tagelang sitzen sie dort. Es gibt Notwendigkeiten und Nöte, es gibt die typischen Konflikte eines Paares in einer solchen Extremsituation. Das Baby wird geboren, der Mann stirbt. Und zum Schluss kann die Frau sich und ihr Neugeborenes befreien und findet Hilfe.
Die Atmosphäre kann die Situation, in der sich die beiden befinden, nicht adäquat wiedergeben, der Film bleibt flach und anspruchslos. Und dazu kommt noch, dass er über lange Strecken so kontrastarm ist, dass man ihn besser im Dunkeln anschauen sollte. Wenn überhaupt.

A Quiet Place
(https://www.imdb.com/title/tt6644200)
Eine postapokalyptische Welt, in der die Menschen mit Monstern konfrontiert sind, die extrem gut hören und auf Geräusche reagieren, um zu töten, was sie hören. Eine Familie … Ein Junge geht verloren, weil er nicht auf seinen Vater hört und sein Spielzeug Geräusche macht, die die Monster anlocken – und die sind schnell. Es gibt die typischen Probleme einer Familie mit einer pubertierenden Tochter – die noch dazu taubstumm ist – und einem ängstlichen Jungen, und natürlich spielen die Monster mehr und mehr eine nicht ganz unblutige Rolle.
Abgesehen vom SF-Hintergrund und den Horrorelementen der Monster handelt es sich um einen durchaus solide gemachten Actionthriller, der manchmal das eine oder andere Klischee drückt, andererseits aber durchgehend spannend bleibt. Und die Auflösung der Frage, welche Schwachstelle die Monster haben, ist absolut gelungen. Kann man sich anschauen, ist jedenfalls keine Zeitverschwendung.

Code 8
(https://www.imdb.com/title/tt6259380)
Auch dieser Film ist ein Actionthriller mit SF-Hintergrund, gewürzt mit einer Prise Drama: Die Menschheit besteht nicht nur aus normalen Menschen, sondern auch aus solchen mit besonderen Kräften. Bei den X-Men würde man sie Mutanten nennen. Früher wurden sie gebraucht, dann von den Maschinen verdrängt und zur Handlungszeit des Films sind sie nicht nur überflüssig, sondern im Grunde als Kriminelle eingestuft und verfolgt.
Die Mutter des Protagonisten gehört zu den Menschen mit besonderen Kräften, ihr Sohn auch. Sie ist krank, wird sterben, und ihr Sohn möchte ihr helfen, möchte ihre Heilung bewirken. Dazu begibt er sich auf die schiefe Bahn, aber all seine Bemühungen gehen letztendlich schief. Und die Heilerin, die er aus den Fängen eines Verbrechers befreit hat, kann seiner Mutter nicht helfen, denn die Verletzungen und Krankheiten, die sie heilt, überträgt sie auf sich selbst.

Coma
(Koma, https://www.imdb.com/title/tt6087226)
Ein Architekt, von der Welt missverstanden, erleidet einen Unfall und findet sich in einer Welt wieder, die durch die Erinnerungen von Komapatienten entsteht und existiert. Die Welt, die streckenweise stark an »Inception« erinnert, hat ihre eigenen Gesetze und ihre eigenen Probleme. Erst in dieser Welt kann der Architekt sein Traumprojekt einer futuristischen Stadt realisieren. Aber an der Komawelt ist etwas falsch …
Es ist längst üblich, dass sich russische Filme fantastischen Einschlags nicht mehr hinter amerikanischen oder britischen Produktionen verstecken müssen. Was geblieben ist, ist immer noch ein deutlich erkennbarer philosophischer Hauch von Nachdenklichkeit, den schon die Filme Andrej Tarkovskys auszeichneten. Von den vier Filmen des Tages war dieser zwar nicht der beste, aber der von der Optik her schönste.

Ein sauberes Stück Arbeit

Wie ich schon auf meiner Verlagsseite schrieb: Der erste Band der Reihe »Welten der SF« war einfach. Rainer Erler hat ein übersichtliches Kurzgeschichtenprogramm abgeliefert, und so war das Buch schlicht sein Gesamtwerk in Sachen SF-Storys.

Jörg Weigand ist ein anderes Kaliber. Bei diesem Mann musste Herausgeber Frank G. Gerigk großen Aufwand treiben, nicht nur, um die ganzen Bücher zu bekommen, zu lesen und zu entscheiden, welche Story in den zweiten Band, betitelt »Die Welten des Jörg Weigand«, einfließen sollte. Auch die Arbeit, die Texte in eine für meine Arbeit verwertbare Form – als Word-Dokument, natürlich – zu bringen, war mitunter aufwendig. Frank lieferte einerseits fertige Word-Dokumente, andererseits JPGs aus eigener Werkstatt, die ich mit einer Texterkennung scannte und ihm wieder zuspielte, damit er die mitunter typischen Scanfehler korrigieren konnte.

Am Ende hatte ich dann eine Reihe von Word-Dokumenten, die noch nachzubearbeiten waren – typischerweise, denn so einfach kommen mir Word-Dokumente nicht in den Publisher, mit dem ich layoute. Und schließlich sprach auch der Autor noch ein Wörtchen mit, machte Vorschläge zur Reihenfolge der Storys und lieferte eine aktualisierte und vollständige Bibliografie, die so beeindruckend umfangreich ist, dass ich ihr eine kleinere Schrifttype verpasste.

Und nun liegt das Buch vor, Band 2 der Reihe »Die Welten der SF«, mit einem Titelbild von Rainer Schorm – das nicht wirklich dem entspricht, was Frank Gerigk sich thematisch vorstellte, das mir immerhin dennoch gefällt – und einem Umfang, der sich mit dem Erstling zu Rainer Erler durchaus messen lassen kann. Die stilistisch und genreseitig durchaus gemischten Geschichten – Jörg Weigand ist kein reiner, einfacher SF-Schreiber – hinterlassen einen schönen Eindruck von seinem Werk und machen Appetit auf mehr. In mir haben sie erste Gedanken aufkeimen lassen, dass sich irgendwann eine Werkausgabe lohnen könnte … <hüstel> …

Gerigk, Frank G. (Hrsg.), Die Welten des Jörg Weigand

Noch eine vierte Lesung

Fast wäre mir das durch die Lappen gegangen: Im Februar 2020 erschien »Tales of Science«, die von Marianne Labisch und Christine Neuy herausgegebene Sammlung von »Zukunftsgeschichten aus der Mikrosystemtechnik«. In der vierten Lesung liest Herausgeberin Marianne Labisch die Story »Kleines Cleverle« von Moustafa Nawito.

 

A wuida Dog

  • Nein, ein wirklich wilder Tag war es nicht. Aber viel Kleinkram.
  • Das Werk für das nicht näher genannte Klinikum hat mich noch einmal beschäftigt. Zuerst habe ich den Buchblock finalisiert, den Druckpreis kalkuliert und danach nach einem Titelbildmotiv gesucht – nicht einfach, und meine Ansprechpartnerin hat einen alternativen Vorschlag gemacht, der sich nicht wirklich dumm anhört.
  • Danach habe ich drei Ausgaben der Hornsignale, das Clanmagazinchen der Einhörner in FOLLOW, hergerichtet und zum Druck gegeben.
  • Bookwire meinte, nach der Rücksetzung der Meerschweinchensteuer auf die alten Werte von 19 bzw. 7 % wären drei Bücher mit Fehlern aus dem Raster gefallen. Bei einem Buch – ein Hardcover, sodass nur CPI/Umbreit als Partner in Frage kommt – stimmten die Covermaße nicht. Behoben. Bei zwei anderen Büchern – auch Hardcover, also CPI/Umbreit – gab es Unstimmigkeiten wegen des Buchblockumfangs. Bei dem einen Buch – »Malta-Nudel« von Anke Jablinski – wurde beanstandet, dass 44 Seiten nicht ausreichen, 100 Seiten seien Minimum. Beim anderen Buch – »Mein Malta«, auch von Anke Jablinski – sollten es bei einem Buchblockumfang von 180 Seiten auf einmal mindestens 200 Seiten sein. Es stellte sich heraus, dass dies vom Buchrücken – rund oder gerade – abhängig war. Für »Mein Malta« habe ich das Problem behoben, bei der »Malta-Nudel« nicht. Ich frage mich immer, warum der Schaltungsdienst Lange solche Probleme nicht hat.
  • Den Nachmittag verbrachte ich dann mit zwei eiskalten Gassigängen und dem Lektorat von Petra Jörns’ zweitem Horen-Buch für Plan9.
  • Später gab‘s dann noch meinen dreimonatlichen Arztbesuch in Sachen Diabetes. Wie immer fühle ich mich danach ohne besonderen Grund aufgebaut und aufgemuntert.
  • Wie geht es weiter? Noch ein wenig Lektorat und um 20.15 Uhr dann entweder »American Pie 2« auf ZDFneo oder ein »Inspector Barnaby« aus der ZDF-Mediathek. Mal sehn.

Tage des Wiederbelebens

Als in Deutschland die Märchensteuer von 19 auf 16 und von 7 auf 5 Prozent gesenkt wurde, erwies sich KDP als »kleines dämliches Pack«, denn aus reiner Faulheit gibt man dort Nettopreise ein und KDP rechnet die jeweilige Meerschweinchensteuer oben drauf. Problem: In Deutschland unterliegen Bücher einer Preisbindung, und so stand ich – wie viele andere KDP-Nutzer auch – vor dem Problem, die Nettopreise bei KDP entsprechend anzupassen, um am Ende den z. B. im VLB hinterlegten »offiziellen« Verkaufspreis auch in dem halben Jahr der Steuersenkung zu erhalten.

Das war mir zu doof. Das wären bei mir weit über 100 Titel gewesen, und KDP neigt zusätzlich noch dazu, bei jeder Gelegenheit mit irgendeinem Scheiß daherzukommen, warum ein Buch nicht (mehr) freigeschaltet werden könne. Ich habe mehr als einmal Schadenersatzforderungen angedroht, damit das aufhörte. Wie gesagt, das alles war mir zu doof.

Also habe ich alle Titel bei KDP deaktiviert – löschen kann man sie ja nicht –, wodurch sie aus dem Amazon-Shop verschwunden sind. Halt, nein, nicht verschwunden – sie waren (und sind) einfach nicht lieferbar.

Peu à peu belebe ich die Titel auf anderem Wege wieder. Mit meinem (neuen) Partner Bookwire kommen die Printtitel wieder auf den Markt. Das ist allerdings ein nicht zu unterschätzender Haufen Arbeit: geringfügige Anpassung des Buchblocks, Erstellung von drei verschiedenen Covervarianten (manchmal sind es auch nur zwei, bei Hardcovern auch nur eines, weil nur ein Bookwire-PoD-Partner Hardcover kann … immerhin …), Dateneingaben, Uploads und so weiter und so fort. Pro Titel kann man von bis zu 60 Minuten Zeitaufwand ausgehen.

Heute gab es drei Autoren, die von einem ganzen Tag Arbeit profitieren durften:

  • Julia Beylouny mit ihren drei »Durch die Flut«-Titeln »Weltenreise« (Fantasy 8), »Das Flüstern der See« (Fantasy 11) und »Tiefe Wasser« (Fantasy 14), sowie »Lisanne« (Fantasy 19) und das Bändchen »Menschliche Augenblicke« (Außer der Reihe 23);
  • Kai Beisswenger mit seinen Titeln »Der verlorene Bruder« (Action, Thriller, Mystery 5), »Schräge Helden« (Außer der Reihe 19) und »Finger im Spiel« (Action, Thriller, Mystery 12); sowie
  • Dirk C. Fleck mit »GO! – Die Ökodiktatur« (AndroSF 38), »Feuer am Fuß« (Band 3 der Maeva-Trilogie, AndroSF 49), »Palmers Krieg« (Action, Thriller, Mystery 9), »99NOTES« (Außer der Reihe 24) und »La Triviata« (Außer der Reihe 31), wobei es drei der Titel sowohl als Paperback als auch als Hardcover gibt.

In einigen Tagen sind die Bücher über die üblichen Internetbuchportale verfügbar – und durch Bookwire erstmals auch im Barsortiment, dem Buchgroßhandel (Libri ausgenommen; die haben ja keine Lust mehr auf Kleinverlage).

Einem großen Mann zum Achtzigsten

Jörg Weigand … Als ich Anfang der Achtzigerjahre zum kleinen aktiven SF-Fan mutierte, war das bald ein Name der großen deutschen SF-Götter. Autor, Herausgeber … von seiner Laufbahn als Journalist beim ZDF bekam ich damals gar nichts mit, das waren damals für mich Themen zweier voneinander unabhängiger Welten. SF, Literatur, Politik – das passte nicht zusammen.

Heute ist da wohl mehr Augenhöhe. Jörg Weigand ist immer noch ein großer Mann der deutschen Science-Fiction – und nicht nur dieser –, aber heute macht er gemeinsam mit Rainer Schorm Bücher für meinen Verlag, wir reden über Projekte, machen sie aus, realisieren sie, wir machen Bücher.

Wie das zustande kam, weiß ich gar nicht mehr. Ich erinnere mich, ihm einmal begegnet zu sein, auf einem OldieCon. Welcher das war, weiß ich indes nicht mehr. Irgendwie schwirrt mir 2013 im Kopf herum. Aber das heißt nichts, da schwirrt so viel. Und ich weiß auch nicht mehr, ob wir uns damals unterhalten haben.

Irgendwann kamen wir dann auf anderem Wege in Kontakt, wegen eines Buches. Das kam durch Rainer Schorm und den von ihm mit herausgegebenen Band »Ihn riefen die Sterne«, ein Gedenken an Hanns Kneifel (erschienen im Juli 2017 als AndroSF 65). Und es folgten noch mehr Bücher: »Weiberwelten« (AndroSF 81, Mai 2018), »Vergangene Zukunft« (AndroSF 118, Februar 2020), das Geburtstagsbuch zum achtzigsten Geburtstag des Thomas R. P. Mielke, dann »Zweitausendvierundachtzig«, Kurzgeschichten orwellschen Duktus‘.

Und irgendwann begannen wir, zu telefonieren. Meist ist es Jörg Weigand, der sich meldet. Er kann auch E-Mail, unzweifelhaft – aber er mag das Telefon lieber, und für mich ist es immer wieder nicht nur Freude, sondern angenehme Abwechslung, wenn er sich meldet. Und das tut er beinahe jeden Tag.

Jörg Weigand … Damals in den Achtzigern, noch in den Neunzigern wäre ich vor Stolz und Freude vergangen, wäre da so ein Kontakt wie heute gewesen. Heute ist das alles ruhiger, gesetzter – aber nicht minder mit Stolz und Freude erfüllend. Und heute wird dieser große Mann der deutschen Science-Fiction, der nicht so früh wie Walter Ernsting und Herbert W. Franke, aber wohl von ebensolcher Bedeutung die deutsche SF vorwärtsgebracht hat, die auch ohne ihn heute nicht das wäre, was sie ist (und sie ist definitiv sehr viel mehr, als so manches Schandmaul über den Zustand der deutschen SF kolportieren möchte).

In den letzten Wochen haben wir – Karla, Jörgs Gattin, Rainer Schorm und letztlich ich – unser Geburtstagsgeschenk präpariert, und einmal mehr haben wir eine terminliche Punktlandung zuwege gebracht. Und nicht nur dank der zahlreichen Autoren, sondern auch dank der Leistung des Berliner Schaltungsdienst Lange.

Heute Morgen habe ich Jörg angerufen und ihm zum Jubeltage gratuliert. Es war wie immer eine freudige Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. Und nebst Gesundheit, Glück und Erfolg hat er sich Zufriedenheit gewünscht; die Weltherrschaft interessiert ihn nicht so sehr, meinte er.

Weigand, Karla & Schorm, Rainer (Hrsg.), IN 80 JAHREN UM DIE WELT

Unter den Büchern von Thalia

Heribert Kurth ist ganz offensichtlich ein exzellenter Überreder. Thalia in Düren hat sein Buch »Unter den Sternen von Tha« in seinen Regalen platziert. Zwischen Eschbach und Peterson, unter Liu und Pratchett, über Perry Rhodan und Scalzi. Und mein kleiner Verlag zwischen Lübbe, Fischer TOR, Piper, Heyne und Goldmann. Echt nicht übel. Nicht übel. Wirklich nicht übel.

Kurth, Heribert, UNTER DEN STERNEN VON THA

Mitten aus dem Buch. Ein Lesepröbchen