NOVA 30 + Tom Turtschi: Neuromarketing

Mazurenko, 05:23: »Du willst verhindern, dass morgen den Chinesen das System präsentiert wird. Die ganze Zeit suchst du nach einem Grund, um das Projekt zu canceln.«

Felix Schwarz, 05:24: »Wie kommst du auf diese Idee? Warum sollte ich unsere Arbeit torpedieren? Das will ich definitiv nicht, und werde es nie wollen!«

Mazurenko, 05:24: »Du wirst den Rollout verhindern. Alle Daten vernichten, um eine künftige Auslieferung zu verunmöglichen. Die Brille zerstören, im Serverraum ein Feuer legen, die Backups löschen. Und du wirst dich nicht mehr von Lazard blenden lassen. Du wirst sie ausschalten.«

Felix Schwarz, 05:27: »Lydia? Warum zum Teufel soll ich Lydia ausschalten?«

NOVA 30 – das Jubiläum

Ein neues Baby ist im Haus

Science-Fiction für die Fingerspitzen

Das Manuskript war eine Empfehlung von René Moreau, den man als einen der Herausgeber von EXODUS kennt. Das Buch zu veröffentlichen, entpuppte sich als brillante Idee. Nicht nur, dass »Unter den Sternen von Tha« Chancen auf einen Kurd-Laßwitz-Preis hat, und nicht nur, dass Heribert Kurth, der Autor, zu der Gruppe von Schriftstellern gehört, die nicht der Ansicht sind, alles Marketing müsse der Verlag leisten, sondern sich selbst mit großer Vehemenz an der Vermarktung des eigenen Werkes beteiligen. Nein, im Rahmen seiner Aktivitäten, das Buch unter das lesende Volk zu bringen, ist er auf eine Zielgruppe gestoßen, an die Kleinverleger selten denken: blinde, seh- und lesebehinderte Menschen. Und so wird es mir als Verleger des Romans »Unter den Sternen von Tha« irgendwann in derzeit noch nicht absehbarer Zeit eine große Ehre und Freude sein, offiziell zu verkünden, dass Heribert Kurths Meisterwerk dank des Deutschen Zentrums für barrierefreies Lesen (dzb lesen) als Braillebuch erschienen sein wird.

dzb lesen | Brailleschrift | Punktschrift

Aller guten Dinge sind vier: Frankes Tetrapack

Würde ich behaupten, ich hätte es längst aufgegeben, nach Gründen zu suchen, müsste ich lügen. Das liegt mir fern. Dennoch habe ich bis heute keinen Grund gefunden, warum ich trotz eines mir von verschiedenster Seite bescheinigten immensen Ausstoßes an Büchern in meiner p.machinery letztlich immer wieder Bücher habe, die lange liegen, die viel Zeit brauchen, oft mehr, als es verständlich ist. Aber es ist so, und ich will wenigstens nicht lamentieren.
Es war jedenfalls längst wieder Zeit für die Fortführung der SF-Werkausgabe Herbert W. Franke, und nun erscheinen endlich die schon für Ende 2020 vorgesehenen vier Bände »Paradies 3000«, »Tod eines Unsterblichen«, »Das Gutenberg-Konzil« und »60 Jahre Grüner Komet«. Mit Verspätung, leider. Aber immerhin stellen die beiden letztgenannten Bände nicht nur erweiterte Neuausgaben schon bekannter Franke-Werke dar, nein … »Das Gutenberg-Konzil« kann mit einer erklecklichen Reihe von bislang völlig unveröffentlichten Storys brillieren, und auch bislang verstreut veröffentlichte Geschichten finden sich hier erstmals an einer Stelle versammelt.
Die klassisch von Thomas Franke illustrierten Bücher erscheinen in gewohnter Qualität vom Schaltungsdienst Lange (sofern man sie nicht bei Amazon & Co. bestellt) als Paperback (Softcover) und Hardcover, und natürlich auch als E-Books.

Ach, so wenig Zeit

Und nein, auch Hans Jürgen Kuglers jüngst erschienener Roman »Von Zeit zu Zeit« wird unserem realweltlich chronischen Zeitmangel nicht abhelfen. Leider. Oder Gott sei Dank. Denn auch, wenn ich mir ganz sicher oft wünsche, die Zeit würde langsamer verlaufen, nicht so rasen, dass man am Montag überrascht feststellt, dass doch schon wieder Donnerstag ist, dass ich immer noch und immer wieder hoffe, jemand würde den Zweiundsiebzigstundentag einführen … Gegen eine langsamer ablaufende Zeit um mich herum anzukämpfen – und ein Kampf ist es sicherlich, wenn die Atome um mich herum langsamer schwingen –, das liest sich nicht nur nicht spaßig, das ist es vermutlich auch nicht. Obwohl … von wegen »nicht spaßig« … Hans Jürgens Roman ist kein Slapstick und ganz eindeutig nicht auf die Humorschiene ausgerichtet, aber was er da an Problemen mit einer langsamer ablaufenden Zeit schildert, das kommt eindeutig nicht ohne humoristische Elemente aus. Wenn der eigentliche Plot allerdings durchaus ernsthaft angelegt ist, denn die Probleme fordern unter anderem auch Menschenleben …

Hans Jürgen Kugler ist kein Unbekannter in der SF-Szene – Details siehe unter dem Link zum Buch unten – und nach den beiden breit besprochenen Hirnkost-Anthologien »Der Grüne Planet« und »Pandemie« ist es mir eine Ehre, seine »Zeitgeschichte« veröffentlicht zu haben.

Kugler, Hans Jürgen, VON ZEIT ZU ZEIT

Aussichten auf mehr?

Ich entsinne mich dumpf, mit Paul Sanker in Kontakt gekommen zu sein, nachdem ich seinen ersten Roman »Der Tod aus einer anderen Welt« verrissen hatte, wobei sich der Verriss eindeutig nicht auf seinen Roman als solchen bezog, sondern auf das, was der Noel-Verlag damit angestellt hat. Richtiger: daran verbrochen hat. Während der Verlag auf die Kritik auf typische Weise reagierte – ich wurde des damaligen Verlagsforums verwiesen, Paul Sanker wird heute nicht mehr als Autor genannt –, nahm Paul die Kritik eher entspannt auf. Und er gab nicht auf, sodass nicht nur, aber auch in meiner p.machinery eine ganze Reihe von Kurzgeschichten in verschiedenen Anthologien erschienen ist.

»YOLO« lag eine Weile auf Halde, wie das in meiner p.machinery häufig so ist. Als Einzelkämpfer mit nur zwei Händen und nur vierundzwanzig Stunden pro Tag ist man ein wenig limitiert. Die Geschichte, die nur vermeintlich eine Fantasystory ist, jedoch eindeutige SF-Elemente vorzuweisen hat, dreht sich um eine Gruppe junger Menschen, die sich Onlinerollenspielen widmet und im selbst entworfenen »Kingdom of Fantasy« merkwürdige Dinge feststellt, die sich bis in die reale Welt auswirken. Wie gesagt: keine Fantasy, sondern echte SF – wenn auch Onlinerollenspieler mit Fantasyneigungen ganz sicher nicht zu kurz kommen.

Paul Sanker hat durchblicken lassen, dass er die Schreiberei an den Nagel gehängt hat, jedenfalls die in größerem Stil betriebene. Da gab und gibt es andere Dinge, die seiner Aufmerksamkeit bedürfen, und solche Wandlungen im Leben eines Menschen sind nicht ungewöhnlich. Immerhin ist »YOLO«, wenn es bei Pauls Entscheidung bleibt, vermutlich der letzte Roman, der von ihm veröffentlicht wird, und darauf bin ich durchaus stolz. Aber man weiß ja nie – und vielleicht kann ich ihn auch noch dazu überreden, eine Sammlung seiner Kurzgeschichten herauszubringen. Man wird sehen.

Zunächst einmal sollte man sich seinem aktuellen Roman »YOLO. Wir treffen uns im nächsten Level« widmen, der ganz frisch erschienen ist.

Sanker, Paul, YOLO. Wir sehen uns im nächsten Level

Eine neue Chance für Tiny Stricker

Dank der Seuche wurde seine Lesung zwei Mal verschoben – nun wird es am 18. Juni 2021 einen neuen Anlauf geben: Tiny Stricker liest. Und wenn es nicht klappen sollte, prüft man die Möglichkeit, das Ganze über Zoom zu veranstalten. – Weitere Details zur Lesung: hier. Informationen zu seiner Werkausgabe: hier.

Mach dir eine Kopie, dann hast du zwei

Das empfehle ich gerne Menschen, die behaupten, ein Problem zu haben. Mach dir eine Kopie von dem Problem, dann hast du zwei. Ein guter Rat. Das führt zu mehr Zeitvertreib beim Versuch, zwei statt nur ein Problem zu lösen. Eine nicht ganz unumstrittene Methode, sich die Zeit zu vertreiben, zugegeben …

Aber es gibt wohl in der Tat Menschen, die zu wenig Probleme haben. Was also tun? Man sucht sich irgendetwas und bauscht es zu einem Problem auf.
Da gibt es dann diesen Kunden meines Verlages, der erstmals ein Buch bestellt, indem er mir eine E-Mail schickt. Immerhin hat er das geschafft, ohne mich anzumeckern, dass es auf meiner Verlagswebsite keinen Shop gibt. (Auch solche Probleminhaber gibt es, in der Tat.)
Am 30.05. erhalte ich also die Bestellung, und als fleißiger Mensch schreite ich sogleich zur Tat, schreibe die Rechnung und sende sie an den Schaltungsdienst Lange, damit dieser das Buch, das bei ihm lagert, verschickt. Der Versand erfolgt noch am gleichen Tag, und ich erfahre dann gestern, dass die Sendung am 09.06. eingetroffen ist (nur nebenbei: Bei einem anderen Kunden hatte ich letztens den Fall, dass eine Büchersendung von Berlin bzw. von Winnert in den Raum Bremerhaven gute drei Wochen unterwegs war).
Aber oweh – das Problem! Die Rechnung wies – wie die allermeisten meiner Rechnungen – das Zahlungsziel »Zahlbar innerhalb 8 Tagen ab Rechnungsdatum ohne Abzug« auf. Und der Kunde beschwert sich nun, dass er die Rechnung am 07.06. hätte bezahlt haben müssen, die er erst am 09.06. mit der Sendung erhalten hat.

Es gibt Vorschriften, was auf einer Rechnung in Deutschland zu stehen hat. Eine Zahlungsbedingung gehört dazu, es ist eine Mussbedingung. Ich könnte mehr als 8 Tage notieren, sehe das aber nicht ein. Ich könnte auch »8 Tage ab Rechnungserhalt« notieren, aber das führt nur dazu, dass der möglicherweise säumige Zahler dann behauptet, er hätte die Rechnung gar nicht erhalten (und solche Fälle habe ich sowieso schon gehabt; für manche Kunden ist es schon schwierig, die Rechnung in dem knallroten Umschlag auf der Versandverpackung ausfindig zu machen). Jedenfalls habe ich meine Formulierung der Zahlungsbedingung gewählt, wie sie ist. Und habe damit bislang keine Probleme gehabt.
Es gibt Kunden, die tatsächlich innerhalb dieser 8 Tage zahlen – wenn die Post bei der Lieferung mitspielt, ist das auch kein Problem. Dass die Post nicht immer mitspielt, trifft bei mir auf keinerlei Unverständnis. Ich mache das Geschäft lange genug, um schon viele Varianten erlebt zu haben (wie z. B. eine Sendung nach Melbourne in »Australia«, die mit dem Vermerk »Empfänger unbekannt« aus Wien, Austria, zurückkam). Und schon, weil ich meine Buchhaltung allenfalls alle zwei Wochen erledige, mahne ich überfällige Zahlungen auch ganz sicher nicht eher als nach Ablauf von zwei Wochen – und da ich ein netter Mensch bin, tue ich dies sogar oft erst nach vier Wochen. Warum auch nicht? Mahnungen machen Arbeit und sind für den Gemahnten oft unangenehm, weil es durchaus nicht selten gute Gründe gibt, dass es zu einer Verzögerung gekommen ist. (Die notorisch Zahlungsunwilligen ohne guten Grund knöpft sich irgendwann mein Inkassodienstleister vor.)

Langer Rede kurzer Sinn: Am Ende protestierte der Kunde nicht nur im Text seiner Paypal-Überweisung, sondern auch in einer eigens verfassten Mail:
»Buch und Rechnung sind HEUTE, am 09.06.2021 eingetroffen.
Die Rechnung war zu zahlen bis 07.06.2021.
Das wirft ein schlechtes Licht auf mich, als scheinbar säumiger Zahler.
Ich bitte um Verständnis, dass ich hier künftig nichts mehr bestellen werde, solange nicht eine Vorab-Zahlung via paypal möglich ist.
In solchen Dingen bin ich empfindlich, da möchte ich mir nichts nachsagen lassen.«

Ich habe nichts gesagt. Auch nicht nachgesagt. Eine Vorauszahlung verlange ich grundsätzlich nicht, für mich gilt: »Erst die Ware, dann das Geld.« Und wer so ein Problem damit hat, der sollte sich wirklich eine Kopie machen, um dieses dann doppelte Problem in seiner ganzen Schönheit und Würze genießen zu können. Ich indes kann mir jede Kopie sparen, denn ich habe kein Problem. Nicht mit solchen Albernheiten.

Diagnose|F wird gelesen

Es liegt mir fern, das verheimlichen zu wollen:
Robert Corvus hat sich in seinen »Schreibzeichen«, Ausgabe 104, unsere »Diagnose|F« besprochen. Das Video findet sich hier:

Schreibzeichen 104 - mit Markus Regler

Yvonne Tunnat, die Rezensionsnerdista, wie sie sich nennt, hat das Buch ebenfalls besprochen: hier. Leider erwähnt sie weder ISBN noch den Verlag, aber findige Buchinteressenten haben damit sicherlich kein Problem.
Im Literaturforum hat ein Frank1 das Buch besprochen: hier.
Und ein anderer Frank, der Werneburg nämlich, hat sich im Fantasyguide mit dem Werk beschäftigt: hier.
Ein Buch in aller Munde, könnte man sagen.

Normalität

In manchen Situationen ist es sinnvoll, einfach zur Normalität überzugehen. Es gibt Dinge, die geschehen müssen – und die geschehen. NOVA hat einen neuen Untertitel erhalten. »NOVA Science-Fiction« ist Vergangenheit, das »Magazin für spekulative Literatur« ist NOVAs Zukunft. Einhergehend mit dem neuen Untertitel war auch ein neues Titellayout, ein neues Logo angesagt. Et voilà:

Das O im Schriftzug NOVA wird zukünftig durch eine als Nova-Korona gedachte Grafik repräsentiert. Die neue Schrift heißt Nasalization. Und diese Banderole wird in dieser Form die zukünftigen Ausgaben von NOVA zieren. Farblich wird sich das neue Stück vielleicht den Gegebenheiten der Titelabbildung anpassen, das steht aber noch nicht fest. Abwarten.

Auf jeden Fall gefällt mir die neue Optik. Das finale Titelbild wird noch ein wenig erweitert, denn gemeinsam mit dem neuen Untertitel und der damit verbundenen Kennzeichnung als Magazin werden sich auf dem Cover auch Informationen zum Inhalt – Autorennamen, Themen u. ä. – finden. Aber diese Dinge stehen für die Ausgabe  31 noch nicht fest. Jedenfalls nicht offiziell.

Die doppelte Gabi

Spätestens seit meinen hiesigen Ausführungen zu ihrem Roman »Salzgras & Lavendel« dürfte auch dem letzten Ignoranten klar geworden sein, dass ich auf Gabriele Behrends Schreiberei abfahre. Und so war es nicht nur keine Frage, dass ich ihre nächste Storysammlung auflegen würde, sondern auch, dass die bereits Anfang 2013 erschienene Sammlung »HUMANOID«, die mehrfach nachgefragt wurde und schön länger nicht mehr lieferbar ist, neu aufgelegt wird.

Et voilà! »DIE LIEBESMASCHINE« enthält nicht nur Storys, die sie seit 2014 veröffentlicht hat, sondern auch zwei niegelnagelneue Erstveröffentlichungen, die beide einmal mehr zeigen, was die Frau kann. Und die anderen Storys leisten das natürlich auch. Nicht umsonst gab es für »Suicide Rooms« den Kurd-Laßwitz-Preis 2017 und mit dieser und den anderen Storys jede Menge Platzierungen im Deutschen Science-Fiction-Preis.

Und abgesehen von der Titelgrafik, die aus der Feder des Routiniers Stas Rosin stammt, präsentiert sie in diesem Buch auch noch eine Reihe ihrer Grafiken als Titelbilder zu ihren Storys. Und überrascht mit einem ganz eigenen Stil, der etwas Comichaftes hat und mit knalligen Farben einen echten Eindruck hinterlässt.

Auch in »HUMANOID 2.0« gibt es Neuigkeiten – zu den ursprünglichen Geschichten sind fünf weitere Werke hinzugekommen, und die in der Erstausgabe veröffentlichten Bilder wurden durch aktuelle Werke ersetzt, die den Werken in der »LIEBESMASCHINE« in nichts nachstehen.

Insgesamt wird auf den knapp 500 … naja, gut, 480 Buchseiten jede Menge brillanter Lesestoff geboten, mit dem man wunderbar jeden seuchenbedingten Durchhänger überwinden kann. Und es darf als sicher angenommen werden, dass dies nicht mein letzter Coup mit dieser Düsseldorfer Residentin gewesen ist, denn da liegen noch zwei Romanmanuskripte, auf die ich auch schon sehr gespannt bin …

Behrend, Gabriele, DIE LIEBESMASCHINE

Behrend, Gabriele, HUMANOID 2.0