Another Day of Scan

Den gestern verschobenen ScanDay habe ich dann heute nachgeholt. Es war ein Haufen Fanzines aus der Zeit Ende der Fünfziger, Anfang bis Mitte der Sechziger, sehr viel Umdruckmaterial – nicht ganz einfach zu scannen, aber inzwischen kenne ich mich mit dem Spielchen schon aus; die Ergebnisse sind lesbar, aber nichts für Leute mit schlechten Augen und wenig Geduld – und xerografierte Fanzines. Zwischen den Fanzines, die sehr oft mit dem SFCD der damaligen Zeit zu tun hatten – Rundbriefe von XY an alle SFCD-Mitglieder (und FOLLOWer, die auch im SFCD Mitglied waren; an diese ergingen sogar nicht nur Aufrufe, etwas Bestimmtes zu tun, sondern regelrechte Befehle!), Ergüsse kritischer Gedanken, Gemecker, Gemotze, Gemaule, Vereinspolitik – fand sich auch ein ordentlicher Stapel von Einzeldokumenten, von denen ich ad hoc nicht herausfinden konnte, wie sie zustande kamen und wie sie seinerzeit welche Empfänger erreichen. Da wird zu einem späteren Zeitpunkt noch einiges aufzuarbeiten sein.

Der nächste ScanDay kommende Woche wird sich mit den Utopia-Großbänden aus dem Pabel-Verlag und vor allem mit den darin enthaltenen »Meteoriten« von Walter Ernsting, mithin also wieder auch und vor alle mit dem SFCD beschäftigen.
Dazu werde ich die Originale des »Daedalos« von Hubert Katzmarz & Co. scannen, um beizeiten daraus einen Reprint zu produzieren.
Und dann habe ich aus ganz, ganz alten Zeiten noch eine Zettelsammlung eines Professor Hacker, der zu Lebzeiten in Archiven aller Art Informationen zu Auswanderungen von Deutschen in alle Herren Länder gesammelt und zusammengestellt hat. In den Neunzigerjahren hatte ich Kontakt mit einer Genealogin in München, die solche Daten und Informationen in Buchform – bei einem amerikanischen Verlag! – veröffentlichte, und irgendwann erbte ich diesen Karton, eigentlich mit dem Ziel, ein weiteres Buch daraus zu machen, aber dann ging der Kontakt verloren. Zu Professor Hacker, zu der Genealogin – auf deren Namen ich ums Verrecken nicht mehr komme – und zu dem amerikanischen Verlag. Nur die Unterlagen gingen nicht verloren, und die möchte ich nun scannen, damit sie auch in digitaler Form archiviert sind. Und vielleicht doch noch verarbeitet werden können …

It’s a Scan Day

DSF³A könnte ich auch als DSFFFA schreiben, aber DSF³A sieht cooler aus. Es ist die Abkürzung für ein Projekt namens »Deutsches Science-Fiction-&-Fantasy-Fanzine-Archiv«. Ein Scanprojekt. Irgendwann habe ich angefangen, Fanzines zu scannen und auf meinem Server abzulegen. Ich glaube mich zu erinnern, dass es Druckvorlagen meiner eigenen Fanzines aus lange zurückliegender Vergangenheit waren. Genau weiß ich es nicht mehr. Von irgendwoher kamen dann andere Fanzines dazu, und die Produkte, die ich irgendwann begann, am Computer zu produzieren, fanden sich auch in der Sammlung ein.

Was aus diesem Projekt werden wird, weiß ich nicht. Ob ich jemals die Ergebnisse meiner Arbeiten veröffentlichen werde? Ob sie auf meinem Server verstauben werden – was natürlich gar nicht möglich ist? Wie gesagt, ich weiß es nicht. Gegen eine Veröffentlichung sprechen die vielfältigen Problem- und Fragestellungen des Urheberrechts. Sicherlich wird es möglich sein, SFCD-Publikationen – wie die ANDROMEDA NACHRICHTEN und das ANDROMEDA SF MAGAZIN – innerhalb des SFCD verfügbar zu machen, aber so sicher ist auch das nicht.

Aber eigentlich mache ich mir darüber keine Gedanken. Muss ich auch nicht. Ich konnte schon mit einigen Scans aushelfen. Zuletzt war Michael Marrak auf der Suche nach Rezensionen zu einer DENEBOLA-Ausgabe, die er mal gemacht hat. Und sicherlich ergeben sich da auch noch andere Möglichkeiten. Vielleicht wäre es schon eine Hilfe, würde ich das Projekt bekannter machen. Andererseits …

Heute war »Scan Day«. So nenne ich die Tage, an denen ich mit zwei Rechnern arbeite, an denen ich zwei oder gleich drei Scanner beschäftige. Ich bin gut ausgerüstet: zwei Konica, ein Sharp, ganz neu eine Optoma-Dokumentenkamera, die ich aber noch nicht richtig ausgetestet habe. Heute waren es vor allem Fanzines aus dem EDFC, aus dem Fantasy Club und FOLLOW. Und Vorbereitungen für den nächsten geplanten Scan Day am kommenden Donnerstag.

Am Ende des Tages bin ich immer ein wenig befriedigt. Ich habe was geschafft. Obwohl die Kartons, die da noch rumstehen, scheinbar nicht weniger werden …

Andeutungsweise

2018 habe ich in meinem Verlag Reihen eingestellt. »Action, Thriller, Mystery«, »ErlebnisWelten« – niemand wollte Erlebnisse von den Reisen anderer lesen –, »Fantasy« – vor allem, weil man nur Multilogien mit Plots immer wiederkehrenden Musters angeboten bekommt –, »Horror« – weil mein Verlag da eindeutig nur ein kleines Licht bleiben konnte.
2020 folgte »ErlebnisHund«. Wie bei den »ErlebnisWelten« interessieren Bücher über das Leben mit Hunden niemanden. Nicht nur bei den Lesern, sondern schon bei der Journaille.

Science-Fiction bleibt der Schwerpunkt. Mit der Hauptserie »AndroSF«, mit den »Welten der SF« – der zweite Band mit Werken von Jörg Weigand nähert sich der Fertigstellung, das dauert aber noch –, »ProtoSF« ist auch noch in der Planung. Die Werkausgaben zu Herbert W. Franke und Tiny Stricker entwickeln sich. »ErlebnisMalta« hat endlich seine erste Autorin gefunden und den Start hingelegt. Und von den sogenannten Imprints muss ich gar nichts schreiben.

Aber das hauptsächliche Genre, die SF, bekommt ein neues Kind. Ein Kindlein. Etwas Kleines. Auch vom Buchformat her. »Fantastica minimalis« wird das Baby heißen. Und es wird Monografien veröffentlichen. Ein erster Band liegt schon auf dem Server. Und eigentlich fehlt nur noch die Antwort auf die Frage des genauen Formates. Wir tendieren in Richtung Reclam-Hefte. Aber das letzte Wort hat da der Digitaldrucker. Der muss das ja können.
Die Idee stammt übrigens von Jörg Weigand, den ich hier auch als Herausgeber der Reihe zu führen gedenke. Denn: Ehre, wem Ehre gebührt.

Wenn einem so was Gutes wird beschert …

… das ist schon einen Beitrag wert. – Aber im Ernst: 99 AndroSF-Titel waren damals noch nicht erschienen – da gibt es heute noch die eine oder andere Lücke –, aber unserem AndroSF 99 mit dem Titel »LVDOWIGVS von Lüttelnau«, verfasst von Axel Kruse, wurde nun ein Audiobook – auch Hörbuch genannt – beschert. Abgesehen von der Geschichte ist eines über alle Maßen beeindruckend: die Stimme der Sprecherin Linda Mikulec.


www.linda-m.de | www.facebook.com/linda.mikulec

Linda hat eine klare, wohlklingende Stimme, die das Buch zusätzlich aufwertet – ein Genuss für die Ohren!

Axel Kruse
LVDOWIGVS von Lüttelnau
AndroSF 99
p.machinery, Winnert, Juli 2020, 118 Seiten
ISBN 978 3 95765 203 4 – EUR 7,99 (DE)

Sprecherin: Linda Mikulec
Produktion: Oliver Kels Music, Korschenbroich
Laufzeit: 190 Min. (3:10:30)

Da waren es schon zwei

Klaus Hübner hat zum zweiten Mal zusammengestellt, und es war mir einmal mehr ein Genuss, dieses Buch zu machen. Auch wenn es diesmal ein klein wenig Diskussionsstoff gab.
Auf der Verlagsseite habe ich es erwähnt: Das Rösti machte Probleme. Klaus Hübner war von seiner Präsentation nicht wirklich überzeugt, aber ich konnte mich letztlich durchsetzen. Immerhin wird es im Titel genannt, und auch wenn der Fotomarkt keine sonderlich attraktiven Abbildungen der Schweizer Flachspeise hergab, so war doch zumindest die Oberflächenstruktur präsentabel. Und der Farbklecks schien mir wichtig. Von der Gesamtkomposition der Bilder ganz abgesehen, anderenfalls anstelle der röstigen Fläche eine Lücke geblieben wäre.

Immerhin. Das Buch ist fertig. Und worum es geht, das fasste Klaus Hübner für den Klappentext hinreichend informativ wie folgt zusammen: »Der zweite Band versammelt Arbeiten zur Gegenwartsliteratur aus Österreich und der Schweiz. Man lernt einen alttestamentarischen Aphoristiker kennen, einen ewigen Existentialisten, einen Lachsfischer aus Barbarswila, einen passionierten Helfer namens Viktor, einen albanischen Wiener und einen Berner aus Süditalien. Dazu siebenundsiebzig Geschwister, Pferdekutschen im Prater, erotische Malerei und einiges mehr. Sogar Habsburg steht in Flammen.«

(Und ich gebe zu: Wenn ich Barbarswila lese, muss ich immer an Barbapapa denken …)

Über den literarischen Tellerrand

Die meisten Namen in seinen Büchern sagen mir nichts. Ihre Bücher erst recht nicht. Und vielleicht ist die Auseinandersetzung mit den vier Büchern, die ich mit dem Werk Klaus Hübners veröffentlichen werde, gerade deshalb etwas Besonderes, etwas besonders Spannendes für mich.

Klaus Hübner ist Publizist und Literaturkritiker und hat über zahlreiche Autoren und deren Werke geschrieben. Schlaue Sachen, interessante Sachen, Sachen, die mich überrascht haben und überraschen, wo ich doch aus einer völlig anderen Ecke der Literatur komme. Hübners Essays, Kritiken und Rezensionen beschäftigen sich mit dem, was man in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland als Literaten bezeichnet. Das sind nicht einfach nur Autoren, nicht einfach nur Schreiberlinge – das sind Menschen, die in ihren Textwerken die Welt beschreiben und abbilden, die nicht die Menschheit, die Welt oder das Universum retten, sondern es erklären und detaillieren.

Meine privaten Lektüren sind bislang geprägt von meiner Zugehörigkeit zum Komitee des Deutschen Science-Fiction-Preises, und schon deshalb sind sie auch geprägt von einer gewissen Einseitigkeit, die sich oft mit Langeweile paart. Was mir Hübner mit seinen Texten andeutet, ist etwas ganz anderes.

Es werden vier Bände werden, die wir gemeinsam – Klaus Hübner und ich – zur Buchwelt bringen. Im ersten Band geht es bunt und munter zu, und es sind beileibe nicht nur Deutsche, über die da geschrieben wird, aber immer Schriftsteller, die ganz unabhängig von ihrer oft balkanischen, slawischen Herkunft auf Deutsch schreiben. (Der zweite Band wird sich auf Autoren aus Österreich einerseits und solche aus der Schweiz andererseits verlegen, so viel sei schon einmal verraten.)

Die Arbeit an dem unter dem Titel »Hippies, Prinzen und andere Künstler« erschienenen Band 1 der kleinen Reihe »Kein Twitter, kein Facebook« hat mir zwei Erkenntnisse gebracht:

Zum einen funktioniert die Vermarktung der oft auch nur in Kleinverlagen erscheinenden Werke ganz anders als auf dem SF-Sektor zu verlaufen. Man findet wenig zu den Büchern und vor allem die oft spartanischen und nahezu kunstbefreiten Umschläge sind nur selten in vernünftigen Auflösungen zu finden, was mir bei der Layoutproduktion so manches Kopfverbrechen bereitete.

Zum anderen bin ich auf eine Autorin gestoßen, von der es einen Roman gibt, der noch nie veröffentlicht wurde, und dessen Beschreibungen in Hübners Andeutungen mich neugierig gemacht haben. Leider kenne ich zwar den Eigner der Rechte an diesem Werk, weiß von diesem aber auch, dass mit keinerlei Unterstützung seinerseits bei der Beschaffung und der Arbeit an und um das Werk herum zu rechnen ist.

Die Arbeit an dem ersten Band – der zweite Band ist im Stadium der Fahnenkorrektur – hat großen Spaß gemacht. Nicht nur wegen des Layouts in einem meiner Lieblingsformate – dem quadratischen 210 x 210-mm-Format –, sondern auch wegen der spannenden Suche nach Buchcovern und Autorenfotos, die eben nicht immer ganz einfach war. Und natürlich wegen der Dinge, die ich lernen durfte – und noch lernen werde. Wie auch immer der Verkauf laufen wird – für mich hat das Buch bereits gelohnt.

Mal ganz was anderes

Oder eigentlich auch nicht. Es geht um ein Buch. Um ein Buch meines Verlages. Und dennoch ist etwas Besonderes daran.

Tetiana Trofushas Story »Coming Home« erschien ursprünglich in »INSPIRATION. Die digitalen Welten des Andreas Schwietzke«, einer Anthologie mit wundervollen Geschichten und einem Bildband mit ebenso wundervollen Bildern. Die Anthologie wurde von Marianne Labisch zusammengestellt und herausgegeben, eine herrliche Arbeit, die letztlich – wie dies in diesem lesefaulen und geizigen Land üblich ist – auch nur in den Regalen herumliegt, um langsam alt zu werden und zu vergammeln.
Tetianas Story immerhin blieb nicht ganz unbeachtet, wurde im Deutschen Science-Fiction-Preis 2019 ebenso nominiert wie im Kurd-Laßwitz-Preis 2019. Und im DSFP belegte die Story am Ende sogar Platz 2 – immerhin und durchaus bemerkenswert.

Das Weitere ist in meinen Erinnerungen ein wenig konfus. Da war Wolf von Witting, der für sein Fanzine COUNTERCLOCK nach internationalen Storys suchte, und irgendjemand – Marianne Labisch oder ich – kam auf die Idee, Tetiana zu fragen, ob sie ihre Story hergeben würde. Es war natürlich eine Übersetzung nötig, denn COUNTERCLOCK hat eine internationale Verbreitung und erscheint in englischer Sprache.
Marianne, glaube ich, fand in Ilona Schmidt eine Übersetzerin, die eine Arbeit ablieferte, die vor allem auch Tetiana gefiel. Und sogleich kam die Idee auf, die Übersetzung ins Englische auch als Buch herauszubringen. Kein Problem – oder doch?

Man muss wissen, dass mein Verlag eigentlich nur deutsche Werke von deutschsprachigen Autoren veröffentlicht, keine Übersetzungen – und vor allem keine englischen Texte.
Eigentlich.
Denn schon in der Ikebana-Reihe habe ich gegen diese Regel verstoßen: Ayako Graefes »Contemporary Ikebana and Its Traditional Background« war mein erster englischsprachiger Titel.
Und er sollte eben nicht der letzte bleiben.

Die Idee schließlich ging noch weiter. Wenn wir »Coming Home« schon auf Englisch veröffentlichten, spräche auch nichts gegen die deutsche Variante. Et voilà – vielleicht konnte man mit einer zweisprachigen Variante (deutsch und englisch) sein Glück auch mal bei den Kulturministerien der deutschen Länder versuchen?
Und so kam, wie es kommen musste: Anfang Februar (und erst heute ganz offiziell verkündet) erschien »Coming Home« in drei Varianten, die sich optisch nur durch jeweils passende Fähnchen auf dem Buchrücken und am Rand der vorderen und hinteren Umschlagseiten unterscheiden. Und natürlich durch den Text im Inneren, mal deutsch, mal englisch, mal deutsch und englisch.

Andreas Schwietzke schuf übrigens das Cover, eine Abwandlung desjenigen Bildes, von dem sich Tetiana in »INSPIRATION« zu ihrer Geschichte inspirieren ließ.

Ich hege keine große Hoffnung auf einen Verkaufserfolg. Darauf war ich auch nicht aus. In einem geizigen und dummen Land wie diesem sollte man sich nicht auf ein Wunder verlassen. Gerade diejenigen, die am lautesten jammern und beklagen, dass die deutsche SF nichts taugt, am Boden oder gar tot ist, sind die, die am wenigsten deutsche SF kaufen und lesen. Von dem Lamento in Bezug auf Kurzgeschichten ganz zu schweigen. Damit muss man als Kleinverleger mit einem solchen Programm in Deutschland einfach leben.

KLP als Quell der Freude

Die Nominierungen für den KLP 2020 sind raus: http://www.kurd-lasswitz-preis.de/2020/KLP_2020.htm.
3x NOVA mit Kurzgeschichten. 1x p.machinery mit einer Kurzgeschichte aus „Gegen Unendlich 15“ – und das Titelbild ist auch nominiert.
Und nicht nur das erfreut: Udo Klotz, Treuhänder des KLP schrieb, dass p.machinery auf der Longlist (203 Einträge in 8 Kategorien) 17 Mal mit Erzählungen und Covergrafiken vertreten war.

Turtschi für Lesefaule

Meine Frau ist so ein Mensch. Wenn sie liest, dann derzeit meist für ihre Ausbildung. Prüfungsvorbereitungen. Und so was. Ansonsten ist sie — auch nach eigenem Bekunden — eher lesefaul. Aber sie hört Bücher. Hörbucher. Neudeutsch: Audiobooks. Je mehr, umso besser.

Und für solche Leute kann ich verkünden, dass in meinem Verlag p.machinery in den nächsten Tagen das zweite Audiobook erscheinen wird. Es wird bei den üblichen Verdächtigen im Internet zu bekommen sein und wird sich hoffentlich großem Zuspruch erfreuen:

Tom Turtschi
GOTTESZONE
Die Reise ins Licht
AndroSF 103
p.machinery, Winnert, Februar 2020
ISBN 978 3 95765 200 3 – EUR 9,99 (DE)

Sprecher: Markus Amrein
Tonstudio: hof3 GmbH
Schnitt: Tom Turtschi
Laufzeit: 8:46:30