Neuer geht’s nicht? Doch, immer …

»Cutting Edge« steht für »innovativ, auf dem neuesten Stand«. Sagt der Google-Übersetzer. Glaube ich ihm. Und auch wenn der erste Band des neuen Imprints meiner p.machinery lauter Geschichten von Thorsten Küper präsentiert, die schon einmal veröffentlicht wurden, birgt er Innovatität auf und zwischen den Buchdeckeln. Und damit ist nicht nur das Titelbild gemeint, das erstmals in der p.machinery unter dem Einsatz sogenannter künstlicher Intelligenz — ein Verfahren, das derzeit ja groß gehypt wird — zustande gekommen ist (ein Umstand, der sich in diesem Imprint wiederholen wird, denn es handelt sich um ein grundsätzliches Gestaltungselement der CI dieses Imprints).

Lesenswert sind die Storys von Thorsten Küper in jedem Fall. Und die gesamte Optik des Buches — die in gemeinschaftlicher Arbeit von Tom Turtschi, Michael Iwoleit und mir zustande gekommen ist — wird hoffentlich überzeugen.

Küper, Thorsten, BELICHTUNGSZEIT

Vom Streicheln einer Zentaurin :)

Horst Illmer, sittsam bekannt aus der »phantastisch!« und seinem »temporamores«, hat sich die »Gelehrtenrepublik« gegriffen und besprochen – nachzulesen en detail hier – und hat ein nettes Fazit gefunden: »Beide Ausgaben«, schreibt er, »sind in CABRA eingebunden, einem Material, das sich anfühlt, als würde man(n) eine Zentaurin streicheln. Gefühlsecht!« :))

Schmidt, Arno, DIE GELEHRTENREPUBLIK

Die »Normalausgabe« ist ja längst lieferbar. Die »Vorzugsausgabe« ist in Produktion. Der Buchdruck beim Schaltungsdienst Lange wird Anfang Dezember fertiggestellt sein, wenn nichts dazwischen kommt. Die Produktion des Schubers wird noch ein wenig dauern. Wir gehen derzeit davon aus, dass die Vorzugsausgabe zum Preis von EUR 222,- (incl. MwSt. und Versand) spätestens im Januar 2023 verfügbar sein wird. Vielleicht auch früher. Wird man sehen.

Manchmal glaubt man es nicht mehr

Aber wir haben es doch geschafft. – Die Idee, Arno Schmidts »Gelehrtenrepublik« in einer besonderen Form neu aufzulegen, stammt von Thomas Franke. Ich bin zu jeder Schweinerei bereit, und was Thomas mir erzählte, machte mir schnell klar, dass ich mit von der Partie sein würde. Aber ganz so einfach war die Sache nicht. (Erste Details siehe hier.)

Wir hatten ein Buch vom S.-Fischer-Verlag vorliegen, und als wir später den Vertrag mit der Arno Schmidt Stiftung schlossen, bekamen wir von denen eine Textdatei zur Verfügung – die durchkorrigiert und für den Buchsatz vorbereitet werden musste. Das war mein Job.

Thomas Franke kümmerte sich um seine Bilder und entwarf den Satzspiegel, das Seitenlayout. Bei der späteren Erstellung des Buchsatzes gab es ein Missverständnis meinerseits, sodass ich später noch einmal ran musste, um den Buchsatz komplett zu überarbeiten. Thomas gönnte sich dann eine ausführliche Sitzung, um das Schriftbild anzupassen, vorrangig bei Ligaturen. Handarbeit. Und wir mussten sicherstellen, dass das, was bei mir als Publisher-Datei ankam, dem entsprach, was Thomas bearbeitet hatte. Eine Frage des Druckertreibers, die sich mit dem Adobe Distiller beantworten ließ.

Am Ende produzierte ich den ersten Satz Druckdaten, fügte die Grafiken in die PDF-Druckdatei ein – der Publisher hätte das Dateivolumen nicht verkraftet, obwohl der in Winnert genutzte Rechner über 512 GB RAM verfügt; da gibt es einfach ein Limit, zumal ich nicht den neuesten Publisher verwende …

Der Schaltungsdienst Lange bekam die Druckdaten und den Druckauftrag. Der Andruck ging an Thomas und mich – und führte zu einer Überarbeitung hinsichtlich der Schriftfarbe, da sich 100 % Schwarz auf dem gewählten Papier als zu heftig, zu kontrastreich erwiesen. Es wurde ein Grauton gewählt – wie von Thomas vorgesehen.

Am Ende hieß es warten …

Ende September waren die Exemplare der Normalausgabe fertig. Sie sind nun verfügbar und der Versand wird in der ersten Oktoberwoche beginnen. Langsam, aber sicher.

Was noch fehlt, das ist die Luxusausgabe (Details siehe hier und hier). Und hier steckte noch viel Arbeit drin, denn es galt, einen Betrieb zu finden, der den Schuber herstellen konnte. Da musste Thomas einige nicht so schöne Erfahrungen machen, aber davon will ich hier nicht palavern. Auch die Luxusausgabe wird fertig werden. Den Druck und die Bindung wird auch hier der Schaltungsdienst Lange ausführen, den Schuber und die Mappe für die Digigrafik erstellt voraussichtlich eine Berliner Buchbinderei. Wir hoffen, das Ergebnis noch im Oktober in Händen zu halten.

Die Luxusausgabe ist übrigens streng auf 111 Exemplare limitiert. Davon werden 11 Exemplare gar nicht erst in den Verkauf gelangen. Die ursprünglich geplante Nummerierung der Bücher haben wir aus technischen Gründen gestrichen; die zugehörige Digigrafik indes wird nummeriert sein.

Ich denke, ich spreche auch für Thomas Franke, wenn ich sage, dass wir stolz auf unser Werk sind. Ich habe das Buch noch nicht in Händen, aber ich bin sicher, dass das Ergebnis hinter anderen Produkten des Schaltungsdienst Lange nicht zurückstehen wird – und Thomas Frankes geniale Schöpfungskraft wird hier einen weiteren Tempel errichtet haben.

Ich empfehle die Lektüre der Texte auf meiner Verlagsseite: hier und hier.

Schmidt, Arno, DIE GELEHRTENREPUBLIK

Die Reise geht weiter

Vor zweieinhalb Monaten hat Herbert W. Franke unsere Welt verlassen. Die Vollendung seiner Werkausgabe in meiner p.machinery hat er nun nicht mehr erlebt. Und unsere Ambitionen, als wir 2014 mit dem ersten Buch der Werkausgabe, mit »Der grüne Komet« begannen, waren schlicht illusorisch: Damals dachten wir, wir könnten die Werkausgabe bis 2017, bis zu seinem 90. Geburtstag vollenden. Aber so schnell wollten die Preußen einfach nicht schießen …

Aber auch wenn er gegangen ist – sein Werk hat er uns hinterlassen, und unsere Werkausgabe wird ohne Zweifel fortgesetzt. Aktuell erscheinen zwei Titel – und die Reise geht weiter …

Franke, Herbert W., TRANSPLUTO

Franke, Herbert W., KEINE SPUR VON LEBEN …

 

Man gönnt sich ja sonst nichts

Das dachte möglicherweise auch Heribert Kurth, Autor des Buches »Unter den Sternen von Tha«, als AndroSF 105 in meiner p.machinery erschienen. Und was da gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für barrierefreies Lesen (dzblesen.de) im Großdruck und in Braille-Kurzschrift entstanden ist, ist in der deutschen Fantastik-Kleinverlagsszene ganz sicher etwas Außergewöhnliches.

Siehe auch: hier.

Siehe auch: hier.

InterNova ist wieder da

InterNova online #1 steht unter dem Motto »Contemporary Issues« und enthält die folgenden Storys:

  • Brandon Crilly (Kanada) »Remembrance«
  • Adriana Alarco de Zadra (Peru)  »The Jellyfish«
  • Louis Evans (USA) »Babies Come from Earth«
  • Bruce Golden (USA) »The Withering«
  • Guy Hasson (Israel) »The Assassination«
  • Helmuth W. Mommers (Österreich) »Download«
  • Frank Roger (Belgien) »The Colony«
  • Ana Cristina Rossi (Costa Rica) »Abel«
  • C.M. Teodorescu (Rumänien) »The Death of Mr. Teodorescu«

InterNova online wird im Zwei- bis Dreimonatsrhythmus erscheinen und bringt abwechselnd international gemischte Ausgaben, die unter einem lockeren Motto stehen, und Themenausgaben zur Science-Fiction einzelner Länder und Regionen.

InterNova online wird es auch jeweils zum Download im PDF-Format und in verschiedenen E-Book-Formaten (epub, mobi, azw3) geben.

Franke zu Franke: Eine Art Nachruf

Thomas Franke, verfasst am Sonntag, 17.07.2022:

Gestern! Gestern endete das Leben meines Freundes Herbert W. Franke. Gut: er ist 95 Jahre geworden, allerdings ist ein solches hohes Alter für uns Hinterbliebene kein Grund dafür, seinen Tod weniger schmerzhaft zu empfinden.

Diese Freundschaft mit Herbert war eine besondere, eigenartig intensive, eine kreative. 1976 lernten wir einander persönlich während eines europäischen Science-Fiction-Cons im polnischen Poznań kennen. Noch in der DDR Malerei und Grafik studierend, allerdings schon im Osten wie im Westen Deutschlands als Grafiker phantastischer und surrealer Sujets bekannt, erhielt ich den Auftrag vom Verlag Neues Leben, seinen Roman »Ypsilon minus« zu illustrieren, weil die Verlagsleute wußten, daß ich im Gegensatz zu vielen Künschtelerkollegen und –kolleginnen den Mut aufbrachte, die Dystopie eines Schriftstellers aus dem Westen zu illustrieren. Gut: Ich schoß damals über die intellektuell gesetzten Grenzen hinaus, was mein Leben in diesem Land kompliziert werden ließ.

In Herberts Haus durfte ich mit meiner damaligen Frau die ersten Tage nach meinem 1984 erfolgten Hinauswurf aus der DDR unterkriechen, er hatte die DM für mich gesammelt, die ich dem Außenhandelsministerium der DDR hinterzogen hatte, als mein Hinauswurf absehbar wurde, und er lenkte unsere ersten Schritte im Güldenen Westen durch München. Die Erfahrungen, die ich dort während der ersten drei Tage machte, prägten mein darauffolgendes Leben.

Seit Ende 2014 gestalte ich die Bände seiner bei p.machinery erscheinenden SF-Werkausgabe. Bisher schuf ich die Buchgestaltungen und alles buchgestalterische Beiwerk für seine Augen und meine Bildtitel späßelten immer auch mit seinem Intellekt. Jetzt muß ich mir einen neuen so wachen, gebildeten Geist wie es der seine war und neue Augen suchen, für die ich jene Werke schaffe, denn bei dieser Arbeit schaute er mir als unsichtbarer Freund, imaginär anwesend, bisher immer über die Schulter.

Diese Suche wird sich schwierig gestalten.

Ich weine.

Ich bin (noch?) nicht in der Lage, meine Gedanken in Worte zu fassen. Deshalb: Danke, Thomas.