NOVA 30 + Norbert Stöbe: RITA flies at 5 p.m.

»Einen Panda in freier Wildbahn sehen, das passiert mir vielleicht einmal im Leben«, sagte sie. »Nur fünf Minuten!« Die Angst, die sie während des Anmarsches verspürt hatte, war verflogen. Sie richtete sich auf und schlich hinter Hong her durch den Bambus. Es wurde immer heller, dann auf einmal hatte sie freie Sicht auf den Felsvorsprung. Sie kauerte sich neben Hong hinter einen Farn. Die Abschussvorrichtung mit der NH13 leuchtete in der Morgensonne wie ein Alienartefakt. Sie war ein Fremdkörper inmitten des grünen Bambuswalds. NH13 sei der kleinste Marschflugkörper der chinesischen Marine, hatte Kenshou erklärt, kaum zweieinhalb Meter lang. Die Reichweite betrage lediglich 120 Kilometer, doch für ihre Zwecke sei das mehr als genug …

NOVA 30 – das Jubiläum

Ein neues Baby ist im Haus

Verkrampfte Puritaner

Ich dachte ja zuerst, dass Amazon wieder eine neue Macke entwickelt hat, als ich auf Bookwire ein Ticket vorfand, in dem die Entfernung des Titelbildes und der Innenillustrationen aus Bernhard Kempens E-Book »ARKADIA« verlangt wurde, anderenfalls man das E-Book im Shop nicht freigeben würde.
Wir waren seinerzeit durchaus vorsichtig mit der Werbung für das Buch. Auf meiner eigenen Website und in diversen Foren habe ich mich nicht zurückgehalten; ich denke, das ist in der heutigen Zeit nicht mehr notwendig (und einen Sexismusvorwurf kassiert man schon für einen von unten rot beleuchteten Frauenhintern auf einem Buchrücken, bei dem ansonsten nichts außer der hübschen Rundung zu sehen ist). Bei Facebook haben wir – Bernhard Kempen und ich – eine mit einem Banner entschärfte Version eingestellt, und Bernhard hat eine Variante mit den beiden ZDF-Fingern über Greedys Brüsten aufgenommen und zur Verfügung gestellt.
Nun erscheint Band 2 der Trilogie um die Arkadierin Greedy und den Sensationsreporter Adrian unter dem Titel »DARLING«, wobei das der Name der Computerseele eines eigentlich »Daoling« genannten Raumschiffs ist. Das Cover zeigt Greedy wiederum in traditioneller arkadischer Nichtbekleidung, und inhaltlich geht es nun weniger um die gesellschaftlichen Besonderheiten der arkadischen Zivilisation, als vielmehr um Darling – und natürlich um Greedy, die diesmal von einer nicht sehr angenehmen Erkrankung heimgesucht wird.
Der Roman liest sich gefällig und ausgesprochen unterhaltsam, und wem Band 1 gefallen hat, der muss sich hier nicht zurückhalten.

Ach ja, die Forderung, das E-Book »ARKADIA« zu verstümmeln, kam nicht von Amazon, sondern von den verkrampften Puritanern des E-Book-Shops »Apple Books«. Ich habe das E-Book ausgeblendet und werde »DARLING« von vornherein nicht an Apple Books ausliefern lassen. Ich möchte ja nicht, dass am Ende noch irgendein Ami beim Wichsen in Ohnmacht fällt …

Kempen, Bernhard, DARLING

Vielleicht nicht neu. Vielleicht. Aber jedenfalls gut

Spontan erinnerte mich der Titel an den Film mit David Bowie, »Der Mann, der vom Himmel fiel« (The Man Who Fell to Earth, 1976), aber auch wenn es Ewigkeiten her ist, dass ich den Streifen gesehen habe – mit dem Plot hat der »Zef’ihl« – so der hausinterne Kurzname des Romans von Dieter Bohn – nichts zu tun. Im Gegenteil.
Die bohnsche Geschichte ist nicht neu, denke ich … doch, die Geschichte an sich natürlich schon, aber die Idee dahinter ist es nicht. Wenn mir auch vorrangig Geschichten einfallen, die eher damit zu tun haben, dass die Angehörigen einer entwickelteren Zivilisation vermeiden sollten bzw. zu vermeiden versuchen, dank ihrer technologischen und ideologischen Kenntnisse eine mittelalterliche Zivilisation in ihrer Entwicklung zu beeinflussen. Das sind, so erinnere ich mich, in der »Star Trek Classic«-Serie beliebte Themen gewesen, und auch in anderen SF-Werken – gleich in welchem Medium – sind solche Plots immer wieder vorgekommen.
Bei Dieter Bohn indes geht es eher um die Frage, ob das, was ich als Angehöriger einer »höherstehenden« Zivilisation über die Errungenschaften der eigenen Welt weiß und ob und wie ich diese in einer Umgebung anwenden kann – wenn ich wie hier muss –, die so gar nicht darauf eingerichtet ist, meine Kenntnisse, so ich sie denn in hinreichender Vollständigkeit abrufen und anwenden kann, auch in wirkliche Ergebnisse umzusetzen. Denn das ist in der Tat nicht einfach. Ich wüsste zum Beispiel diverse hübsche Giftstoffe, um jemanden abzumurksen; bei der Auffindung der den Giftstoff liefernden Pflanze wäre ich schon aufgeschmissen. Ich weiß auch, welche Stoffe geeignet sind, um Explosionen hervorzurufen; aber wie ich Kaliumpermanganat zum Beispiel herstelle, entzieht sich im Grunde meinem ansonsten unnützen Wissenspool. Ihr versteht, was ich meine.
Dieter Bohns Protagonist indes ist nicht ganz so unwissend wie ich in mancherlei Beziehung, und so gelingt es ihm mit massiver Unterstützung der Eingeborenen auf dem Planeten, auf dem er gestrandet ist, das zu erreichen, was das Ziel ist: ein Reitervolk zurückzuschlagen. Und auch seine Verfolger entpuppen sich als kleineres Problem als befürchtet …

Bohn, Dieter, Der Zef’ihl, der vom Himmel fiel

Kämpfer an der Front

Auf meiner Verlagsseite habe ich schon Andeutungen gemacht, wie es um die Kurzgeschichte in Deutschland steht. Ob es außerhalb der SF überhaupt relevante Veröffentlichungen gibt, entzieht sich meiner Kenntnis; ich kann auch nicht alles wissen. Aber eigentlich bin ich sicher, dass dem so ist – und Klaus Hübner hat in seiner Tetralogie auch von solchen nicht fantastischen Geschichten geschrieben, ich erinnere mich.
Warum die Kurzgeschichte vor allem auch auf dem SF-Sektor so einen schweren Stand hat, ist mir nicht klar. Die Kurzgeschichte ist ein Werk, das besondere Anforderungen an einen Autor stellt, um in der Kürze die Würze für ein besonderes Qualitätsprodukt zu liefern. Ich mag nicht behaupten, dass das Schreiben eines Romans einfacher ist – das ist sicher nicht der Fall, und die Anforderungen an ein Romanwerk sind auch ganz andere –, aber eine Kurzgeschichte zu schreiben, die in Erinnerung bleibt, die begeistert und erfreut, das ist mindestens ebenso schwierig.
Aber in unserer »Geiz ist geil«-Zeit stellt der Leser auf »mehr Papier für weniger Geld« ab. Multilogien – mit drei, vier, fünf Titeln, ganze Serien – gehen ebenso gut wie dicke Schwarten mit achthundert, neunhundert, tausend Seiten. Autoren solcher Textfluten kassieren Preise und die Absatz- und Umsatzzahlen rechtfertigen offensichtlich die Fortsetzung solcher Programme.

Gut. Auch Kurzgeschichtenautoren gewinnen Preise. Aber während die klassischen deutschen SF-Preise – gemeint sind DSFP und KLP – nur deutsche, jedoch keine übersetzten Kurzgeschichten prämiieren, wird die Lage für rege Kurzgeschichtenschreiber schwieriger und schwieriger. Denn wenn der Markt keine Kurzgeschichten verlangt, nimmt die Zahl der Verlage ab, die Kurzgeschichten überhaupt noch veröffentlichen. Und damit auch die Chancen, mit einer wirklich guten Kurzgeschichte einen Preis zu ergattern.

Wie auch immer. Ich liebe Kurzgeschichten. Sie entsprechen nicht nur meiner Art, zu lesen, ich mag es auch, innerhalb kürzester Zeit auf nur wenigen Seiten gefesselt und auf spannendem Wege zu einem überraschenden Ende geführt zu werden. Und Gerd Frey, ein Autor kurzer Storys, der in meinen Augen sogar ein wenig unbeachtet zu sein scheint – ich kann mich natürlich täuschen, das wird sich an Verkaufszahlen zeigen –, war für mich ein klarer Veröffentlichungsbedarfsfall. Da war eine Sammlung – zuerst hatte ich »Dunkle Sonne« vorliegen, 2002 bei Shayol erschienen und längst nicht mehr lieferbar – und dann noch eine – eben »OUTPOST« –, und dann war da ja noch der Roman, den es bis dato nur als E-Book gab – »Der Übergang« –, und inzwischen liegt ein weiterer Roman auf der Festplatte …
Gerd Freys Kurzgeschichten haben mir gefallen. Sie sind genau das, was ich mag, und wenn sich zeigen sollte, dass der Markt es mit seiner Ablehnung von Kurzgeschichtensammlungen ernst meint, dann habe ich eben ein Buch für mich gemacht – und für Gerd, zugegeben –, das ist auf jeden Fall besser, als es nicht getan zu haben.

Frey, Gerd, OUTPOST, Dunkle Sonne 2

Abverkauf eines Buches

Jörg Huggers Buch »Tod oder Metall-Leben«, seit 2014 im Programm, ist nun auf Wunsch der Autoren aus dem Programm genommen. Es sind sowieso mehr als 5 Jahre – die normale Vertragslaufzeit – vergangen.
Es sind nun jedoch noch einige Restexemplare vorhanden, die ich zum Abverkaufspreis von EUR 8,90 (incl. MwSt. und Versand) abgebe. Wer noch ein Exemplar für seine Sammlung haben möchte, sende eine Mail an michael@haitel.de.

Hugger, Jörg, Tod oder Metall-Leben

NOVA 30 + Horst Pukallus: Das lange Jahr der kurzen Tage

Konteradmiral-Imam Theophorus Asadullah L’Edefere, Nachfolger des glücklosen Admirals Chrestotes Rustam-Ali de la Forge (der noch heute den Spottnamen »Allahs Amboss« trug, weil die Intersolaren Guerillos des Autonomen Regionalsektors Pherhad und die Fedajin der Souveränen Enklave Al Tais ihn so oft geschlagen hatten), zählte für Götzengläubige zu den bekanntesten Theogonie-Heroen der Retheologisierung, für Liberalisten dagegen zu den berüchtigtsten Okkultkriminellen des Kosmos. Als Günstling des auch als »Lügenpapst« geschmähten »Reformtheologen« Primas-Kalif Kuschajim-Schelumiel II. stieg er schon in jungen Jahren vom schlichten Oblatenpater des Oblatorianer-Ordens zum Liturgikus und während langen Fronens auf zum Rhetor, Doktrinarius, Suggestor, Mystiker, Indoktrinator – extern bezeichnete man die Denkweise dieser Ränge als Stereoptype Normopathie – und zu guter Letzt zum Legaten. Dank der Protektion durch den Geheimdienstleiter des Empireums, des sogenannten Heiligen Schattens, von dem man nur hörte, dass er »Prophet« sein sollte, hatte er, als seinen Vorgänger Admiral de la Forge die Degradierung stürzte, von der Diplomatie nur einen kleinen Schritt zur militärischen Karriere vollziehen müssen. Seither war das Universum merklich gealtert …

 

NOVA 30 – das Jubiläum

Ein neues Baby ist im Haus

NOVA 30 + Karsten Kruschel: Dreckdrohnen und die Mathematik Mozarts

Bewegung kam in die Wolke schwebender Maschinen. Wellen gingen durch den Schwarm, die Drohnen näherten sich einander an und schwangen wieder voneinander weg, und das alles im Rhythmus der Windstöße, die von draußen kamen.

»Nun haben wir eine kleine Zeitverzögerung ins Programm der Drohnen geschrieben«, sagte Lundberg.

Fessenheim starrte fasziniert nach oben; es war, als schaue man dem Wind zu, wie er durch ein Feld voller reifer Weizenähren streift und sie in wellenförmige Bewegung versetzt. Der Wolf geht durchs Korn, nur eben dreidimensional …

NOVA 30 – das Jubiläum

Ein neues Baby ist im Haus

NOVA 30 + Tom Turtschi: Neuromarketing

Mazurenko, 05:23: »Du willst verhindern, dass morgen den Chinesen das System präsentiert wird. Die ganze Zeit suchst du nach einem Grund, um das Projekt zu canceln.«

Felix Schwarz, 05:24: »Wie kommst du auf diese Idee? Warum sollte ich unsere Arbeit torpedieren? Das will ich definitiv nicht, und werde es nie wollen!«

Mazurenko, 05:24: »Du wirst den Rollout verhindern. Alle Daten vernichten, um eine künftige Auslieferung zu verunmöglichen. Die Brille zerstören, im Serverraum ein Feuer legen, die Backups löschen. Und du wirst dich nicht mehr von Lazard blenden lassen. Du wirst sie ausschalten.«

Felix Schwarz, 05:27: »Lydia? Warum zum Teufel soll ich Lydia ausschalten?«

NOVA 30 – das Jubiläum

Ein neues Baby ist im Haus

Die Quadratur des Herbert W. Franke

In der ersten musealen Ausstellung zur Geschichte der NFT-Kunst wurde des jüngste Projekt vorgestellt: Herbert W. Frankes Einstieg in die Welt der NFT-Kunst, der dank eines gemeinsamen Projektes mit dem ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe ermöglicht wird.

Details: hier.

[Die Bilder stammen von der Website hyperraum.tv, die sich aufgrund eines anderen Protokolls jedoch nicht direkt einbinden lassen.]