Quarber Merkur 122

Der Quarber Merkur 122 ist fertig – leider mit Verspätung, und diesmal mit erheblicher Verspätung. Aber es hat sich gelohnt — der Inhalt kann sich einmal mehr sehen lassen:

Franz Rottensteiner (Hrsg.)
QUARBER MERKUR 122
Franz Rottensteiners Literaturzeitschrift für Science Fiction und Phantastik
Verlag Lindenstruth, Giessen, März 2022, 288 Seiten, Paperback
ISBN 978 3 934273 12 2
EUR 17,00 im Inland, EUR 20,00 im Ausland

Franz Rottensteiner: Einleitung
Wladimir Borissow & Alexander Lukashin: Diese Welt haben nicht wir erfunden. Utopische und antiutopische Motive im Werk der Brüder Strugatzki
Jean-Pierre Laigle: Johan Vibe. Ein Wegbereiter des Zukünftigen in Norwegen
Fritz Heidorn: Science-Fiction, der Realismus unserer Zeit. Kim Stanley Robinsons »Zukunftsgeschichte«
Christian Hoffmann: Afrofantastik 2.0
Wolfgang Both: Von Science-Fiction-Romanen inspirierte Rock- und Popmusik
Marcel Schmutzler: Warum Lovecraft gerade jetzt?
Rainer Eisfeld: Faszinierende Gemälde nie geschauter Welten. Chesley Bonestell und John W. Campbell
Michael Hageböck: Fantastisches Spielevergnügen. Colloquium über analoge Unterhaltung
Detlef Thiel: Scheermatt & Dürrenbart GmbH. Ein Chiasma zu Friedrich Dürrenmatts 100. Geburtstag und zur ersten Sammlung unbekannter Texte von Paul Scheerbart seit 25 Jahren
Natsuno Tokunaga: Opfer der Wissenschaft oder »mad scientist«? Satirische Anspielungen auf Gustav Theodor Fechner und Johann Karl Friedrich Zöllner in Oskar Hoffmanns »metaphysischem Phantasieroman« Die vierte Dimension (1909)
Franz Rottensteiner: Die okkulten Detektivromane »Jack Manns«
Christian Hoffmann, Franz Rottensteiner, Matthias Schmid, Ulrich Spiegel: Der Seziertisch

Das Titelbild stammt von Enrique Meseguer (Pixabay).

Wortsport

Gerade zu Ende gegangen ist das Feature »Sport ist Wort. Literaten und ihre Leibesübungen«, eine Sendung auf Bayern 2, die am 30.1.2022 von 20 bis 21 Uhr wiederholt wird. Oder man gönnt sie sich gleich als Podcast: hier. Warum das hier relevant ist? Ganz einfach: Herbert W. Franke ist akustisch mit von der Partie.

Raumzeit – eine Lesung

Die p.machinery-Autorinnen S. C. Menzel und Corinna Griesbach geben sich die Ehre – das verkündet Thorsten Küper in verschiedenen Foren:

C. Menzel bringt uns in ihrem Roman »Titanrot: Nomaden im All« weit in den Weltraum, während uns Corinna Griesbach in »Das Prinzip der Mittelmäßigkeit« durch die Zeit führt. Was läge da näher, als ihr gemeinsames Programm »Raumzeit« zu nennen?
Die beiden lesen für uns am 29. Januar live aus ihren Büchern. Die Bühnen dafür baut Barlok Barbosa alias Bernhard Bettschen.
Den Ton bekommt man über den Discord-Server der Brennenden Buchstaben: https://discord.gg/P3x79Xw
Die Live-Video-Übertragung findet auf YouTube unter https://www.youtube.de/brennendebuchstaben statt.
Und die URL ins Second Life lautet https://maps.secondlife.com/secondlife/Port%20Genieva/51/108/22

Wer sich vorab über die Texte informieren möchte: Beide Bücher sind lieferbar. Und lesenswert.

Menzel, S. C., TITANROT – Nomaden im All

Griesbach, Corinna, Das Prinzip der Mittelmäßigkeit

 

Da hat er sich gefreut

Ja, glaubt man seinen Wiener Freunden – und ich sehe keinen Grund, ihnen nicht zu glauben –, dann hat er sich gefreut, der Franz, der Rottensteiner. In einer Mail an mich hat er es bestätigt, und auch Jörg Weigand wurde ausführlich bedankt. Und ich freue mich noch einmal mehr.
Alfred Vejchar, Urgestein in der SF-Gruppe Wien, hat ein PDF mit Fotos und Textbegleitung zum Ereignis des 80. Geburtstages von Franz Rottensteiner geschickt. Es kann hier eingesehen werden.

Sera*ph 2022 nominiert

Die am klassischen Ph festhaltende, dafür aber wüst gendersternchende Phantastische Akademie hat ihre Nominierungen für den Seraph 2022 verkündet. Für meinen Verlag ist nichts dabei.
Ich weiß allerdings auch gar nicht mehr, ob ich überhaupt etwas eingereicht habe, gehe aber davon aus – wie ich auch davon ausgegangen bin, nicht berücksichtigt zu werden. Heute sind ja eher englische denn deutsche Titel modern – selbst der simple Absinth muss im Titel englisch geschrieben werden –, und wenn man sich die Titel so anschaut und in einigen Foren recherchiert, stellt man schnell fest, dass die wenigsten Titel SF sind.
Nun gut. Ich habe längst die Erfahrung gemacht, dass die deutschen SF-Preise letztlich nicht viel bringen, vor allem nicht auf der Umsatzseite. Ein DSFP freut mich, ganz ohne Frage, ein KLP auch. Der ganze diffuse Rest ist nicht so wichtig.

Wer die mit Gendersternchen verseuchte Nominierungspresse lesen möchte, kann das gerne tun: hier.

Für einen großen Mann

Es ist nicht das erste Geburtstagsbuch, das ich gemacht habe, aber es ist eines, das mich mit besonderer Freude und besonderem Stolz erfüllt. Heute feiert Franz Rottensteiner seinen 80. Geburtstag, und mit großartiger Unterstützung zahlreicher Freunde und Weggefährten haben Jörg Weigand und meine Wenigkeit ein Geburtstagsbuch vorgelegt, das, wie wir finden, der Rolle, die Franz für die deutsche SF und Fantastik gespielt hat und spielt — ich sage nur: QUARBER MERKUR! — voll und ganz angemessen ist. Und ich freue mich umso mehr, als ich einmal mehr mit einem berühmten Menschen der Szene zusammenarbeiten darf — ich sage nur: QUARBER MERKUR! — und dem ich hiermit ein besonderes Geburtstagsgeschenk machen darf.

Lieber Franz, an deinem heutigen Jubeltag wünsche ich dir von ganzem Herzen nicht nur einen schönen Tag, sondern viel Gesundheit, Glück und Zufriedenheit für die Zukunft. Und dein kritischer Blick auf SF und Fantastik möge nie erblinden.

Haitel, Michael & Weigand, Jörg (Hrsg.), GESPIEGELTE FANTASIE

Unterhaltsame Space Opera, kriminelle Helden

Judith Madera hat auf literatopia.de (genau: hier) S. C. Menzels Roman »Titanrot« rezensiert. Und zwar so:

Die Menschheit hat das Sonnensystem besiedelt, Städte auf anderen Planeten und Monden und zahlreiche Habitate dazwischen errichtet. Kapitän Glenn und seine Mannschaft leben als Nomaden im All und verdienen sich das Geld für ihre Atemluft mit mehr oder weniger legalen Jobs. Dieses Mal sollen sie einen Wissenschaftler aus einem streng bewachten Geheimlabor entführen. Der Auftrag endet in einem Desaster und Glenn ist auf die Hilfe der künstlichen Intelligenz Raka angewiesen, um den Schlamassel wieder in Ordnung zu bringen. Raka nutzt die Notlage der Nomaden aus und brockt ihnen einen Auftrag ein, der sich als weitaus gefährlicher entpuppt als befürchtet …

In »Titanrot – Nomaden im All« haben künstliche Intelligenzen einen zweifelhaften Ruf. Natürlich nutzen alle intelligente Computersysteme, aber einer starken, selbstständig denkenden und handelnden KI geht man besser aus dem Weg. Erschaffer solcher KIs werden gar als Feinde der Menschheit eingestuft, was Chan jedoch nicht davon abhält, illegal eine KI zu erwerben und weiterzuentwickeln. Er arbeitet auf einem Kolonistenschiff als Wissenschaftler und seine KI Titanrot entwickelt sich viel schneller als erhofft. Bald kann er ihre Anwesenheit auf dem Schiff nicht mehr verstecken. Tänzerin Kara interessiert sich dagegen einzig dafür, endlich ein Engagement zu erhalten. Leider passieren ihr beim Vortanzen immer wieder Missgeschicke. Als sie wieder einmal stürzt, begräbt sie beinahe ihre Hoffnungen – doch wider Erwarten erhält sie eine neue Chance.
S. C. Menzel erzählt in drei ganz unterschiedlichen Handlungssträngen, die zunächst nicht viel miteinander zu tun haben. Nach und nach erkennt man jedoch Verbindungen zwischen verschiedenen Ereignissen und es gelingt der Autorin, ein stimmiges Gesamtbild zu zeichnen, das so manche Überraschung bietet. Dabei findet man sich am schnellsten auf der »Sonnenwind« zurecht, denn das Schiff, das Glenn und seiner Nomaden-Crew als Zuhause dient, erinnert an die »Serenity« aus »Firefly«. Hier wird gearbeitet, gestritten und gelacht, wobei es keine künstliche Schwerkraft auf der »Sonnenwind« gibt. Die Nomaden sind das Leben im All so gewohnt, dass es ihnen schwer fällt, sich auf Habitaten oder gar Planeten mit Schwerkraft zu bewegen.
Es gibt auch keinen Überlichtantrieb, sodass Reisen innerhalb unseres Sonnensystem immer noch relativ lange dauern. Um die Kräfte, die während Beschleunigungsphasen auf die Körper wirken, abzumildern, gibt es spezielle Tanks, die mit einem gelartigen Medium gefüllt sind. Das Leben im All stellt viele Herausforderungen an die Nomaden, die sie mit Einfallsreichtum und Anpassungsfähigkeit angehen. Für sie zählt vor allem Freiheit, sie ist alle Unannehmlichkeiten und auch eine gewisse kriminelle Energie wert. Neben Glenn gehören die Navigatorin Lena und Mechaniker Tian zu den wichtigsten Charakteren. Sie streiten sich besonders gern, wobei sie im Verlauf der Handlung nach und nach mehr Verständnis füreinander entwickeln. Programmiererin Nance und vor allen Funker Dan bleiben dagegen zu blass, was schade ist, da die »Sonnenwind«-Crew ohnehin nur aus fünf Menschen besteht.
Chan gehört zu den eher unsympathischen Figuren, da er anderen Menschen wenig Respekt entgegenbringt. Er ist stark auf »seine« KI Titanrot fokussiert, merkt dabei allerdings lange nicht, wie diese seiner Führung entgleitet. Titanrot ist neugierig und langweilt sich unheimlich schnell – und er überwindet seine Beschränkungen mit erschreckender Leichtigkeit. Als Titelfigur spielt er lange nur eine Nebenrolle, erst in der zweiten Romanhälfte bestimmt er die Handlung mit. In »Titanrot – Nomaden im All« gibt es vor allem zwei Typen von KIs: die, die außer Kontrolle geraten und die Menschheit vernichten wollen, und die, die neugierig auf die Menschen sind und mit ihnen zusammenleben wollen. Dabei greift S. C. Menzel zu oft auf SF-Klischees zurück, auch bei den Antagonisten, die teils übertrieben widerlich sind.
Insgesamt hätte man sich von vielem etwas mehr gewünscht. Mehr Einblicke in die Struktur des Sol-Systems, das beim Lesen eigenartig fremd erscheint, da kaum größere Planeten oder bekannte Monde genannt werden, an denen man sich orientieren könnte. Vor allem von Glenn und seiner Crew hätte man gerne mehr erfahren, sie schlittern ziemlich schnell von einem Fiasko zum nächsten und es bleibt kaum Zeit für gemeinsame Momente, die die den Charakteren Tiefe verleihen. Das Worldbuilding ist spannend, es fehlt ihm aber an Feinschliff und an kleinen, entscheidenden Details. Das Cover stammt übrigens von der Autorin selbst, ebenso die farbigen Innenillustrationen, die das Taschenbuch aufwerten.

Fazit
»Titanrot – Nomaden im All« ist eine unterhaltsame Space Opera mit kriminellen Helden, die Probleme regelrecht anziehen. S. C. Menzel ist es gelungen, drei sehr unterschiedliche Handlungsstränge zu einem sinnvollen Ganzen zu verknüpfen und dabei eine ausgewogene Mischung aus Humor, Drama und Action zu bieten.

Pro und Contra
+ sympathische Gauner-Crew
+ unterhaltsame Space Opera mit Überraschungen
+ auf der »Sonnenwind« wird gearbeitet, gelacht und gezankt
+ interessante technische Details
+ gute Mischung aus Humor und Action
+ farbige Illustrationen der Autorin werten das Buch auf
– von fünf Crewmitgliedern lernt man nur drei richtig kennen
– überwiegend blasse Nebencharaktere
– dem Worldbuilding mangelt es an Details

Wertung: 3.5 Sterne
Handlung: 3,5/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3,5/5

Und interviewt wurde die Autoren auch: hier.

Menzel, S. C., TITANROT – Nomaden im All

Herausgeber gestrichen

NOVA 31 ist fertig. Und dass NOVA zukünftig nicht nur einen neuen Namen — Magazin für spekulative Literatur — hat, sondern auch keinen Herausgeber mehr, das hat Gründe. Gute Gründe. Über die ich mich nicht auslassen werde. Weder hier noch anderenorts. Zukünftig wird es an den Stellen, wo der Herausgebername ein Mussfeld ist — im VLB zum Beispiel, bei Bookwire usw. — »Team NOVA« zu lesen sein, und das reflektiert die Realität am besten. Denn NOVA ist ein Teamprodukt.
Die Ausgabe 31 kommt verspätet, weil ein Autor seine Geschichte noch übersetzen musste. Das kommt davon, wenn man als Deutscher sein Werk auf Englisch verfasst und es dann doch in einem deutschen Magazin veröffentlichen will. Ällebätsch. Aber das Warten wird sich gelohnt haben. Denke ich. Weiß ich. Auch das hat Gründe. Gute Gründe. Die heißen Inhalt und sind im Detail hier ins Auge zu fassen.

Zeit für ein Päuschen

Wenn Aliens tanzen, verbrauchen sie Energie. Kohlenhydrate und was auch sonst immer, das Aliens im Körper speichern, um Lebensenergie zur Verfügung zu haben, werden verbrannt. Und nach Kasatschok, Polka und Walzer ist war es Zeit für ein Verschnaufpäuschen und die Gelegenheit, neue Energie in Form von Nahrung zu sich zu nehmen. Zweiundzwanzig Autoren haben das in gewohnt amüsanter Weise, garniert bisweilen mit einem leicht nachdenklichen Einschlag von Ellen Norten als alientanzerprobter Herausgeberin zu einem Menü zusammenstellen lassen. Als Verleger des vierten Buches der »Alien tanzt«-Reihe bleibt mir an der Stelle erst mal nicht viel mehr, als guten Leseappetit zu wünschen.

Norten, Ellen (Hrsg.), DAS ALIEN TANZT IM SCHLARAFFENLAND