Mit angemessener Verspätung

Diese Ausgabe der ANDROMEDA NACHRICHTEN litt unter großer Verspätung; fast einen Monat später als regulär üblich erschien die Ausgabe 272 Ende Januar bzw. Anfang Februar, und es lag nicht an der Druckerei, sondern an mir und meinen zeitlichen Möglichkeiten. Und nun, einen weiteren Monat später, will ich auch hier verkünden, dass es die Ausgabe gibt:

ANDROMEDA NACHRICHTEN 272
SFCD e.V., Winnert, Januar 2021, 148 Seiten A4, EUR 8,00. Bezug: SFCD-Archiv, archiv[at]sfcd.eu

Der Inhalt:
Impressum 3 * Notorische Verspätungen (Vorwort) 3 * Leserbriefe 3 * ESFS-Awards 2021 8 * Gewinnspiel AN 271 8 * Dieter Steinseifer – Nachrufe auf einen großen Menschen 8 * Conventions 12 * Curt-Siodmak-Preis 2021 14 * Fantasy 15 * Nostalgia 27 * Science Fiction 31 * Zwielicht 36 * Cinema 42 * Comix 51 * eGames 57 * Perry Rhodan 65 * Science 76 * FanzineKurier 90 * Reissswolf 99 * Schlachtplatte 110 * StoryFiles 142

Das Titelbild stammt von Lothar Bauer.

Zum Tage 2/3

Heute habe ich das Korrektorat und die Layoutvorbereitungen für den vierten Klaus-Hübner-Band der Reihe »Kein Twitter, kein Facebook« in Angriff genommen. Kräftiger Stoff über Literatur aus verschiedenen Ecken Europas. Zwei Drittel habe ich heute durchgenommen, es ging um die Schweiz und zuletzt um Tschechien. Und es geht sehr stark um historische Themen, weniger um aktuelle Autoren, als um das, was man im einfachen Deutsch als »Klassiker« zu bezeichnen pflegt. Ich bin auf das letzte Drittel gespannt, und ebenso darauf, wie umfangreich das Bildmaterial im Netz sein wird, denn zu den besprochenen Buchtiteln bringe ich ja immer auch die Coverabbildungen, bisweilen auch Fotos der Autoren (was abhängig vom Layout ist).

Wenn der vierte Band erschienen ist, werden alle vier Bände als Sammlung zu einem speziellen Preis zu beziehen sein, möglicherweise sogar in einem Schuber. Ich überlege.

Ein sauberes Stück Arbeit

Wie ich schon auf meiner Verlagsseite schrieb: Der erste Band der Reihe »Welten der SF« war einfach. Rainer Erler hat ein übersichtliches Kurzgeschichtenprogramm abgeliefert, und so war das Buch schlicht sein Gesamtwerk in Sachen SF-Storys.

Jörg Weigand ist ein anderes Kaliber. Bei diesem Mann musste Herausgeber Frank G. Gerigk großen Aufwand treiben, nicht nur, um die ganzen Bücher zu bekommen, zu lesen und zu entscheiden, welche Story in den zweiten Band, betitelt »Die Welten des Jörg Weigand«, einfließen sollte. Auch die Arbeit, die Texte in eine für meine Arbeit verwertbare Form – als Word-Dokument, natürlich – zu bringen, war mitunter aufwendig. Frank lieferte einerseits fertige Word-Dokumente, andererseits JPGs aus eigener Werkstatt, die ich mit einer Texterkennung scannte und ihm wieder zuspielte, damit er die mitunter typischen Scanfehler korrigieren konnte.

Am Ende hatte ich dann eine Reihe von Word-Dokumenten, die noch nachzubearbeiten waren – typischerweise, denn so einfach kommen mir Word-Dokumente nicht in den Publisher, mit dem ich layoute. Und schließlich sprach auch der Autor noch ein Wörtchen mit, machte Vorschläge zur Reihenfolge der Storys und lieferte eine aktualisierte und vollständige Bibliografie, die so beeindruckend umfangreich ist, dass ich ihr eine kleinere Schrifttype verpasste.

Und nun liegt das Buch vor, Band 2 der Reihe »Die Welten der SF«, mit einem Titelbild von Rainer Schorm – das nicht wirklich dem entspricht, was Frank Gerigk sich thematisch vorstellte, das mir immerhin dennoch gefällt – und einem Umfang, der sich mit dem Erstling zu Rainer Erler durchaus messen lassen kann. Die stilistisch und genreseitig durchaus gemischten Geschichten – Jörg Weigand ist kein reiner, einfacher SF-Schreiber – hinterlassen einen schönen Eindruck von seinem Werk und machen Appetit auf mehr. In mir haben sie erste Gedanken aufkeimen lassen, dass sich irgendwann eine Werkausgabe lohnen könnte … <hüstel> …

Gerigk, Frank G. (Hrsg.), Die Welten des Jörg Weigand

Nervenaufreibende Qualität mit Dampf

Wer Detlef Klewer kennt, dem muss ich eigentlich über seine neueste Anthologie »NECROSTEAM« nicht viel erzählen. Einmal mehr hat der Mann mit dem Talent, gute Storysammlungen zusammenzustellen und mit seinen wundervollen Bildern zu krönen, zugeschlagen und sich mitsamt seinen schriftstellernden Mitstreitern der Kombination aus lovecraftschen Universen mit Alten Göttern und düsteren Mythen und dem Steampunk gewidmet. Und das Ergebnis kann sich sehen … nein, lesen lassen. Finde ich. Und das sagt jemand, dem weder lovecraftsche Universen noch Steampunk wirklich etwas geben. Hier durfte ich beim Buchmachen eine Ausnahme machen.

Klewer, Detlef (Hrsg.), NECROSTEAM

Cthulhupunk nennt Detlef das Genre dieses Buches. Nun gut. Man kann sich über das ganze Gepunke in den mehr oder minder fantastischen Genres ­– Liebespunk oder Arztpunk gibt es wohl noch nicht … – sicherlich streiten, und ich lehne sie eigentlich auch ab. Bei dieser Geschichtensammlung ist die Einordnung möglicherweise ganz hilfreich. Immerhin ist Cthulhu namentlich womöglich ein Zugpferdchen.

Erfolgsgeschichtenfortsetzungsversuch

Mit Ayako Graefes erstem Ikebana-Buch »Geist und Schönheit japanischer Blumenkunst« begann die Existenz meines Verlages. Das Buch, das 1985 beim Ulmer Verlag erschien und irgendwann nicht fortgeführt wurde, weil der Ulmer Verlag der Ansicht war, das Buch sei nicht erfolgreich genug, existiert derzeit in seiner dritten Version – die zweite, seinerzeit bei Maro in Augsburg gedruckt, ist längst vergriffen – und wird bei und von Books on Demand in Norderstedt produziert und vertickt (und das ist auch das einzige Buch, das ich bei BoD belassen werde; einfacher kann man sein Geld nicht verdienen). Und das Buch ist mein absoluter Topverkaufsschlager, von keinem anderen meiner Bücher einholbar. Ich müsste genau nachrechnen, aber die Gesamtauflage beläuft sich inzwischen auf irgendwas zwischen 6000 und 8000 Exemplaren (incl. der 2500 bei Maro entstandenen Exemplare der ersten p.machinery-Version).

Das zweite Ikebana-Buch ist in englischer Sprache verfasst, heißt »Contemporary Ikebana and its traditional background« und beinahe erwartungsgemäß eher in den USA, Kanada und Großbritannien gut laufend. Ayako Graefe meinte letztens, dass die deutschen Ikebanisten (ihre Wortschöpfung!) vielleicht der Ansicht sind, es handle sich um eine Übersetzung des ersten Buches – was definitiv nicht der Fall ist.

Graefe, Ayako, Contemporary Ikebana and its Traditional Background

Das dritte Buch nun, »Blumenkunst für jeden Anlass«, ist unter inhaltlichen Gesichtspunkten eine ganz andere Hausnummer. Im Grunde handelt es sich um einen Bildband: Rechts findet man großformatige (216 x 248 mm) Farbfotos von Ikebana-Arrangements, links daneben Beschreibungen dazu in deutscher, englischer und japanischer Sprache. Das Buch präsentiert »Arrangements zu verschiedenen Jahreszeiten, Festen und Lebensstilen«, und schon beim einfachen Durchblättern üben die Fotografien eine besondere Faszination auf den Betrachter aus.
Zahlreiche Ikebanisten haben ihre Werke zu diesem Buch beigesteuert, und das großformatige Werk eignet sich nicht nur für Ikebana-Künstler, nicht nur für Freunde und Fans der japanischen Kultur und der Philosophie des Landes und des Volkes, es ist auch ein – zugegebenermaßen nicht preiswertes – besonderes Geschenk zu besonderen Gelegenheiten, eben »für jeden Anlass«.

Graefe, Ayako, IKEBANA – Blumenkunst für jeden Anlass

Rettet die deutsche Sprache vor dem Duden

Aufruf

Der Verein Deutsche Sprache e. V. fordert alle Freunde der deutschen Sprache auf, den aktuellen Bestrebungen der Dudenredaktion zu einem Umbau der deutschen Sprache entgegenzutreten. So wird auf den Internetseiten des Duden das in der deutschen Grammatik und im modernen Sprachgebrauch fest verankerte generische Maskulinum abgeschafft: „Mieter: Substantiv, maskulin – männliche Person, die etwas gemietet hat.“ Frauen könnten demnach keine Mieter sein. Damit widerspricht der Duden nicht nur den Regeln der deutschen Grammatik, sondern auch dem Bundesgerichtshof, der im März 2018 letztinstanzlich festgehalten hat, dass mit der Bezeichnung „der Kunde“ Menschen jeglichen Geschlechts angesprochen seien. Die Beschwerde der Klägerin, die von ihrer Sparkasse mit „Kundin“ angeredet werden wollte, wurde kürzlich vom Bundesverfassungsgericht abgewiesen.

Mit seiner Ankündigung, mehr als 12.000 Personen- und Berufsbezeichnungen mit weiblicher und männlicher Form in die Netz-Version des Werkes aufzunehmen, betreibt der Duden eine problematische Zwangs-Sexualisierung, die in der deutschen Sprache so nicht vorgesehen ist. Das biologische Geschlecht (Sexus) ist nicht mit dem grammatikalischen Geschlecht (Genus) gleichzusetzen. „Der Engel“ ist geschlechtslos, „der Scherzkeks“ kann auch eine Frau sein. Noch absurder wird das Vorgehen bei der Betrachtung des Plurals: „Die Ärztekammer“ vertritt Ärztinnen und Ärzte gleichermaßen, ebenso wie das Finanzamt Geld vom „Steuerzahler“ einzieht – unabhängig vom Geschlecht. Wenn wir konkrete Personen ansprechen, sagen wir selbstverständlich „Ärztin“ oder „Lehrerin“.

Indem er diese Grundsätze missachtet, ist der Duden auf dem Weg, seine Rolle als Standard-Referenzwerk für das Deutsche aufzugeben. Indem er Sprache nicht mehr nur widerspiegelt, sondern sie aktiv verändert, widerspricht er seinen eigenen Grundsätzen. Der VDS fordert deshalb den Duden auf, seine Sexualisierungspläne zu überdenken, in Zukunft sensibler und behutsamer mit der deutschen Sprache umzugehen, und sich auf seine ursprünglichen Ziele zu besinnen.

https://vds-ev.de/allgemein/aufrufe/rettet-die-deutsche-sprache-vor-dem-duden/

12 Nudeln für Malta

Sie mag Malta. Naja, das ist untertrieben. Wer weit über sechzig Mal die kleine Inselrepublik südlich von Sizilien besucht hat, ist süchtig nach Malta. Aber sie mag Malta. Sie mag auch Nudeln. Und sie mag Malen. Und da sie auch noch über ein gerüttelt Maß an Humor verfügt, haben wir gemeinsam ein lustiges Buch mit lustigen Bildern und zwölf einfachen Nudelrezepten mit maltesischem Flair gemacht. Und es gibt keinen Grund, sich vor allzu fremdartiger Küche zu fürchten – immerhin essen wir Deutsche auch Chinesisches, Indisches, Thailändisches und sogar Fastfood aus den USA. Die maltesische Küche ist mediterran, mit erkennbaren Einflüssen aus Italien und – wenigstens was das Frühstück angeht – Großbritannien, dazu ein Hauch Arabien. Aber die Nudelgerichte als solche stellen eine wunderbare Basis dar, auch dem letzten Deutschen, der keine mediterrane Küche kennt, den Geschmack der Inseln nahezubringen.

Anke Jablinski ist die Autorin des kleinen Buches – und sie hat auch die Malereien zu den Nudelgerichten abgeliefert. Eine kleine, feine Sache, die sich auch ausgezeichnet als Geschenk eignet.

Jablinski, Anke, MALTA-NUDEL. Zwölf einfache Gerichte

Das Buch zeigt auch noch etwas ganz anderes. Denn das System in Deutschland, das sich Selfpublisher zunutze machen und das auch von Verlagen – wie dem meinen – genutzt wird, ist nicht perfekt, ganz im Gegenteil. Denn dieses simple Hardcover, 210 x 210 mm groß, mit nur 44 Seiten Umfang, lässt sich im Print-on-Demand-Verfahren nicht auf den Markt bringen.
PoD nutze ich, um meine Bücher über Internetbuchhändler wie Amazon, Thalia, Hugendubel etc. verfügbar zu machen. Auch erlaubt Bookwire, der Partner, den ich nutze, die Verfügbarkeit der Bücher im Barsortiment, dem Großhandel (mit dem ich direkt nichts zu tun haben möchte, weil ich mir das schon finanziell nicht leisten kann).
Aber siehe da, über Bookwire geht das mit diesem Büchlein nicht. Bookwire hat für Hardcover nur einen Partner – immerhin, denn im PoD-Bereich ist das extrem selten. Der Partner ist der Barsortimenter Umbreit gemeinsam mit der Großdruckerei CPI, die hier im nordfriesischen Leck zu finden ist. Und die können Hardcover erst ab einem Umfang von 100 Seiten (bei geradem Buchrücken; ist er rund, sind es sogar mindestens 200 Seiten).
Und so wird das kleine Buch mit dem großen Format, aber dem geringen Umfang nur beim Verlag, beim gut sortierten und der Nutzung des VLB fähigen Buchhandel und bei Amazon im Marketplace (mit den hinlänglich bekannten 3 Euro Aufschlag) zu bekommen sein.
Schade. Aber nicht zu ändern.

Hoffentlich darf der Stricker lesen!

Edit: Es sieht allerdings schlecht aus, denn: »Diese Lesung findet wegen der von der Regierung verfügten Beschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Virus-Pandemie nicht statt.«

Nach der Verschiebung wegen der Seuche: Tiny Stricker liest wieder. Am 22.01.2021 ab 19 Uhr in den Räumlichkeiten des MLb, des Münchner Literaturbüros (Milchstr. 4, 81667 München). »Tiny Stricker liest Auszüge aus der Erzählung ›Vom Gehen in griechischen Städten‹ von 2017 und dem schon 2020 erschienenen München-Buch ›U-Bahn-Reiter‹ sowie aus dem noch unfertigen Manuskript ›Hotel Amir Kabir oder Die Wege der Hippies‹.

Das erste Buch handelt von fünf Jahren in Thessaloniki und dem gar nicht so leichten ›Gehen in griechischen Städten‹. ›U-Bahn-Reiter‹ ist eine Roadnovel durch München mit der U-Bahn als adäquatem Reisegefährt. ›Hotel Amir Kabir oder Die Wege der Hippies‹ schließlich beschreibt einen Roadtrip, der vom Hotel Amir Kabir in Teheran und einer Gruppe von Gästen dort ausgeht und am Ende wieder dorthin zurückkehren soll.«

Soweit die Info auf der MLb-Website (hier; man muss ein wenig blättern).

Daedalos, Rückkehr eines Phänomens

Ich erinnere mich nicht, aber ich denke, in den Achtzigern oder Neunzigern hatte ich Kontakt mit Hubert Katzmarz. Kurz nur, und ich erinnere mich nicht mehr, worum es ging. Vielleicht einfach nur so.
Anfang der Zwanzigzehner gab es dann einen indirekten Kontakt, der in den Sammlungen »Alptraumhaft« und »Schattenspiel« und später in der von Andreas Fieberg herausgegebenen Hommage »Abschied von Bleiwenheim« mündete.

Den ersten Kontakt mit »Daedalos«, dem Neunzigerjahre-Reader für Fantastik, hatte ich nach diesen Büchern, als Ellen Norten die Idee eines »Best of« der alten Daedalos-Ausgaben aufbrachte.

Norten, Ellen (Hrsg.), DAEDALOS 1994–2002

Das Buch, das es als Softcover noch gibt – das Hardcover mit limitierter Auflage ist förmlich verdampft –, zeigte, dass hier eine kleine Marktlücke darauf wartete, gefüllt zu werden. Eine erste Idee, die alten Ausgaben als Reprint in gehobener Ausstattung neu aufzulegen, wartet noch auf ihre Vollendung; die Originale liegen mir vor, es fehlt nur an Zeit und Gelegenheit.

Gleichzeitig entstand jedoch auch die Idee, Daedalos als Fantastik-Story-Reader wiederzubeleben. Soweit sinnvoll sollte der neue Daedalos Erinnerungen an die alten Hefte erlauben: Natürlich wird es kein Fanzine der alten Machart, handgeheftet, handgeschnitten, werden, sondern ein modernes Magazin im Buchformat, angelehnt an den zuvor erwähnten »Best of«-Band. Die Genres der Geschichten werden klassisch sein – keine Science-Fiction, keine Fantasy, nur Fantastik, Anklänge an Horror à la Lovecraft, Poe, ein Hauch Steampunk wird auch erlaubt sein, denke ich – aber wichtig ist: Die Storys sollen den Flair der Fantastik in modernem Gewand präsentieren.

Für den neuen Daedalos, der wiederum »Story-Reader für Phantastik« heißen wird, gibt es eine (Dauer-) Ausschreibung:

Daedalos: Wiederauferstehung eines Klassikers

Für den Herbst 2021 darf man den ersten Band erwarten.

Noch eine vierte Lesung

Fast wäre mir das durch die Lappen gegangen: Im Februar 2020 erschien »Tales of Science«, die von Marianne Labisch und Christine Neuy herausgegebene Sammlung von »Zukunftsgeschichten aus der Mikrosystemtechnik«. In der vierten Lesung liest Herausgeberin Marianne Labisch die Story »Kleines Cleverle« von Moustafa Nawito.