Endlich steht es fest

Lange hat sie gebibbert, Gabriele Behrend, eine meiner allerliebsten Autorinnen in meinem Verlag. Ihr »Salzgras & Lavendel« hat beim Kurd-Laßwitz-Preis 2021 den dritten Platz belegt, und so war die Hoffnung nicht zu unrecht groß, dass es beim Deutschen Science-Fiction-Preis (DSFP) 2021 klappen könnte. Indes …
Die Ergebnisse sind bekannt gegeben; man findet sie hier.
Und es hat nur zum zweiten Platz gereicht. Immerhin – für ein Romandebüt ist das nicht schlecht, und schaut man sich die Konkurrenz an – Peterson, Dittert, Kling, van den Boom u. a. m. –, dann kann sie durchaus zufrieden und erfreut sein.

Bis sie erfährt, dass ausgerechnet ich nicht unschuldig daran bin, dass sie nicht den ersten Platz belegt hat. Denn ich musste ja unbedingt dem SFCD auf ganzer Front den Rücken kehren – inklusive dem DSFP-Preiskomitee. Wäre ich geblieben, hätte mein Voting ihren Sieg bedeutet. Und hätte Peter »Pappnase« P., der ihr Buch überhaupt erst nominiert hat, nicht verschnarcht, sein Voting abzugeben (wie man mir berichtete), dann vermutlich auch.
Vielleicht spendiere ich Gabriele eine Bogenzielscheibe mit meinem Konterfei, an dem sie sich austoben kann. Verdient hätte ich es.

Ich gratuliere Gabriele Behrend jedenfalls zu ihrem zweiten Platz. Den Gartenführer »Die Sprache der Blumen« auf Platz 1 kenne ich nicht, insofern ist sie für mich die Siegerin.

Behrend, Gabriele, Salzgras & Lavendel

NOVA 30 – das Jubiläum

Sonntag, Jubeltag

An einem Sonntag Geburtstag zu haben, ist nicht unpraktisch. Man kann schön reinfeiern, hat die wilde Party größtenteils schon hinter sich und kann den Jubeltag entspannt angehen. Selbst in Seuchenzeiten.
Heute hat es eine Autorin geschafft, nicht nur an einem Sonntag ihren Geburtstag zu feiern, sondern auch noch einen ganz besonderen – den siebzigsten.
Persönlich kenne ich sie noch nicht. Der bisherige Kontakt fand per E-Mail statt und gestaltete sich angenehm und unkompliziert. Letztens hatte ich sogar Gelegenheit, mit ihr zu telefonieren – und war von einer höchst jugendlichen, gar nicht zu richtig zu einem siebzigsten Geburtstag passen wollenden Stimme angenehm überrascht.
Ja, heute ist Geburtstag, und ich sage (und schreibe):

Herzlichen Glückwunsch,
Monika Niehaus!

Schorm, Rainer, Weigand, Jörg & Karla (Hrsg.), Die Autorin am Rande des Universums

Vage Erinnerungen

Ich erinnere mich vage daran, dass Marianne Labisch die Geschichte aufgeschrieben hat, wie dieser Episodenroman, diese »Residenz in den Highlands« zustande gekommen ist. Ich finde den Text oder Link nicht mehr, erinnere mich nicht. Nicht mal vage. Es ging um ein Zerwürfnis und eine Trennung zweier Herausgeber, woraus zwei thematisch nicht unähnliche Projekte resultierten. Unser Projekt spielt in einer Residenz in den Highlands, das andere in einem Sanatorium sonst wo. Ich erinnere mich nicht genau.

Deutlich weniger vage erinnere ich mich an die einzelnen Episoden in diesem Roman. Die Lektüre im Rahmen meiner Layoutvorbereitungsarbeiten und während der nachfolgenden Fahnenkorrektur liegt noch nicht lange zurück. Aber selbst dann wären mir einige der Geschichten stark in Erinnerung geblieben. Während ich manchmal dazu neige, Geschichten im Rahmen dieser Layoutvorbereitungsarbeiten nur oberflächlich zu lesen und mich auf die Anmerkungen und Markierungen meines Duden Korrektors zu verlassen, habe ich diese Geschichten intensiv gelesen, was mich dann immer ein wenig irritiert, weil ich hinterher vermute, die Lektüre so intensiv genossen zu haben, dass ich eventuelle Fehler übersehen haben könnte. Man kann sich auch als Multitasker nicht auf alles gleichzeitig konzentrieren.

Bei der Lektüre ließen mich manche Geschichten und der Episodenroman insgesamt annehmen, dass er 2022 auf der Shortlist irgendeines fantastischen Literaturpreises landen müsste. Vermutlich wird er das nicht tun. Episodenromane haben gerne das Problem, dass die Leser das Konzept nicht verstehen. Sie verstehen den Romancharakter nicht, weil zu viele verschiedene Autoren daran beteiligt sind; und sie finden die Kurzgeschichten – die es tatsächlich eben nicht gibt – nicht gut, weil sie sich zu ähnlich sind. Irgendeinen – notfalls auch anderen – Grund findet sich immer, einen Episodenroman schlechter zu bewerten, als einen x-ten Teil eines Schwartenzyklus. Nun ja, gut, das ist jetzt gehässig. Möglicherweise. Ich werde überlegen, ob ich mich irgendwann vage daran erinnern sollte, dass das so sein könnte. Gehässig.

Labisch, Marianne & Scherm, Gerd (Hrsg.), DIE RESIDENZ IN DEN HIGHLANDS

Das Ziel doch noch erreicht

Den ganzen Ablauf des Projektes bekomme ich nicht mehr zusammen, obwohl er vermutlich im Forum der Geschichtenweber dokumentiert sein könnte; aber was nutzt es auch, alte Kamellen noch einmal durchzukauen. Tatsache ist, dass das Projekt durchaus vielversprechend begann, dann Kapriolen machte, die ursprüngliche Herausgeberin gab auf, die Versuche, das Projekt doch noch zu realisieren, scheiterten 2018 endgültig.
Vermeintlich.
Marianne Labisch fand es schade, Autoren, die hier ihren ersten Auftritt hätten haben sollen, hängen zu lassen, und nahm sich des Projektes an.
Erfolgreich, wie sich nun zeigt. Das Buch wurde nicht nur zu einem guten Ende gebracht, es wurde auch von Gerd Scherm kongenial illustriert und wird vom Schaltungsdienst in gewohnter Hardcoverqualität hergestellt. Das Buch ist Spitz auf Knopf kalkuliert, aber das war mir in diesem Fall nicht so wichtig. Hardcover sind nie wirklich preisgünstig, aber dafür sind sie schön und liegen viel besser in der Hand – ein guter Grund, auf ein Softcover zu verzichten, das in dieser Größe (210 x 210 mm) und diesem Umfang (»nur« 176 Seiten) eher die Haptik eines Lappens aufweisen würde.

Labisch, Marianne (Hrsg.), DIE GOLDENE FEDER. Geschichten aus dem alten Orient

Völlig außer der Reihe

Meine Reihe »Außer der Reihe« ist ja heute vom Konzept her dazu gedacht, Stoffe aus Genres aufzunehmen, die nicht in das sonstige Programm passen. Soll heißen: keine Science-Fiction sind und auch mit Malta oder Ikebana nichts zu tun haben. Dabei landen in der Reihe in der Regel eher Stoffe, die Richtung Fantasy, Märchen, Fantastik tendieren, auch mal Literatur, die man meiner Ansicht nach als »Mainstream« bezeichnen möchte (wobei dieser Begriff so schwammig ist, dass man das Genre besser nur »Schwamm« nennen könnte). Und es gibt auch mal was aus der Krimiecke …
Und Sachen, die völlig aus der Reihe tanzen. So ein Buch ist Stella Finks »Mission Brüderchen«, eine knuffige Geschichte über ein Mädchen, das gemeinsam mit einem Freund versucht, die vorschulische und schulische Karriere ihres Brüderchens zu regeln, während dieser noch in Mamas Gebärmutter auf den schrecklichen Moment der Geburt wartet. Knuffig, wie gesagt, witzig, amüsant, ein schönes Buch nicht nur für Jugendliche, sondern für alle Altersgruppen, die sich ihren Humor und ihre positive Weltsicht bewahrt haben.

Stella Fink ist übrigens ein Pseudonym, aber mehr wird dazu nicht verraten.

Fink, Stella, Mission Brüderchen

Aufregendes Universum

Jeder Ort dieser Welt ist ein Universum für sich. Gleich, ob es eine Großstadt oder ein Dorf ist. Winnert, das Dorf, in dem ich nun seit bald drei Jahren lebe, ist bei Weitem nicht so aufregend wie Hamburg. Und nicht einmal annähernd so aufregend wie der kleine Ort, den Peter Kiefer in seinem Buch »LANDLÄUFIG. Die Welt hinterm Acker« beschreibt. Wobei, halt, er beschreibt weniger den Ort, als die in ihm lebenden Menschen. Was am Ende das Gleiche ist. Vermutlich.

Ich kenne Peter Kiefer nicht persönlich. Noch nicht. Aber wir machen schon länger Bücher miteinander, das erste Werk erschien im Mai 2013: »Treibgut. Vom Verreisen«, der Band 6 aus der längst eingestellten Reihe »ErlebnisWelten«. Ein Reisebuch eben. So was kauft heute kein Mensch mehr, selbst in diesen Seuchenzeiten, in denen Reisen nicht mehr ganz so einfach ist.
Aber das ist hier nicht das Thema.
Peter Kiefers Bücher haben immer einen gewissen Kick, den ich schlecht beschreiben kann. Sie wirken sehr normal, üblich, alltäglich, gewöhnlich – und wenn man sie liest, merkt man, dass man sich hat täuschen lassen. Denn da ist immer dieser besondere Strich, der entgegen aller anderen läuft.
»LANDLÄUFIG« ist ein Episodenroman, dessen Plotdetails ich auf Basis meines langjährigen Dorflebens (meine letzte Großstadt war München Mitte der Neunziger) gut nachvollziehen kann, auch wenn die Menschen, denen ich so begegnete und begegne, nicht so schillernd und außergewöhnlich erscheinen, wie Peter Kiefer seine Menschen schildert. Aber er beschreibt sie auch sehr wissend, während ich von meinen Mitmenschen hier in Winnert in den allermeisten Fällen wenig weiß (und am meisten oft genug noch über ihre Hunde).

Zum Cover hatte der Autor durchaus konkrete Vorstellungen. Einem angefragten Grafikerteam waren diese Ideen … oh, ich weiß die genaue Formulierung nicht mehr, sie war jedenfalls abwertend gemeint und zeugte davon, dass man nicht verstanden hat, worum es ging. Klaus Brandt kam dann jedenfalls zum Zuge, denn er verstand – und schuf den an sich unbekleideten Körper einer Frau, auf der das Dorf des Romans zu finden ist, und die Kirche steht direkt oberhalb der Scham. Eine Anspielung. Vielleicht mag derjenige, der herausfindet, worauf sie sich bezieht, eine Mail schicken …

Kiefer, Peter, LANDLÄUFIG. Die Welt hinterm Acker

Texte für GEGEN UNENDLICH gesucht

Auf meiner Verlagsseite habe ich soeben eine neue, recht kurz laufende Ausschreibung für die GEGEN-UNENDLICH-Anthologie 17 veröffentlicht:

GEGEN UNENDLICH ist der Tradition der kurzen Form verpflichtet und bringt Kurioses, Skurriles, Bizarres, Absurdes und Abseitiges aus allen Bereichen der Fantastik, vorzugsweise in Erstveröffentlichung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf einer allgemein gehaltenen Literatur des Unheimlichen und Wunderbaren, bei der das Irreale »in homöopathischer Dosierung« (Cortázar) verabreicht wird.

GEGEN UNENDLICH versteht sich als ein Kurzgeschichtenmagazin, in dem vor allem das Ungewöhnliche, Neu- und Andersartige seinen Platz findet. Dabei bietet es auch bislang unentdeckten Talenten die Möglichkeit, neben etablierten Autoren zu publizieren, denn das Entscheidende ist ein guter Text – fantastisch und mitreißend.

Wir sind ständig auf der Suche nach frischen Texten, kreativen Ideen und originellen Einfällen, die auf einem handwerklich hohen Niveau umgesetzt wurden und dazu geeignet sind, dem Genre neue Impulse zu geben. Für die kommende Ausgabe werden noch Beiträge gesucht. Die Wahl der Themen ist freigestellt, überraschen Sie uns! Einsendungen (mit einem Umfang zwischen 5.000 und 40.000 Zeichen) bitte bis zum 31. Oktober 2021 an den Herausgeber Andreas Fieberg unter gegen_unendlich@gmx.de.