Für einen großen Mann

Es ist nicht das erste Geburtstagsbuch, das ich gemacht habe, aber es ist eines, das mich mit besonderer Freude und besonderem Stolz erfüllt. Heute feiert Franz Rottensteiner seinen 80. Geburtstag, und mit großartiger Unterstützung zahlreicher Freunde und Weggefährten haben Jörg Weigand und meine Wenigkeit ein Geburtstagsbuch vorgelegt, das, wie wir finden, der Rolle, die Franz für die deutsche SF und Fantastik gespielt hat und spielt — ich sage nur: QUARBER MERKUR! — voll und ganz angemessen ist. Und ich freue mich umso mehr, als ich einmal mehr mit einem berühmten Menschen der Szene zusammenarbeiten darf — ich sage nur: QUARBER MERKUR! — und dem ich hiermit ein besonderes Geburtstagsgeschenk machen darf.

Lieber Franz, an deinem heutigen Jubeltag wünsche ich dir von ganzem Herzen nicht nur einen schönen Tag, sondern viel Gesundheit, Glück und Zufriedenheit für die Zukunft. Und dein kritischer Blick auf SF und Fantastik möge nie erblinden.

Haitel, Michael & Weigand, Jörg (Hrsg.), GESPIEGELTE FANTASIE

Unterhaltsame Space Opera, kriminelle Helden

Judith Madera hat auf literatopia.de (genau: hier) S. C. Menzels Roman »Titanrot« rezensiert. Und zwar so:

Die Menschheit hat das Sonnensystem besiedelt, Städte auf anderen Planeten und Monden und zahlreiche Habitate dazwischen errichtet. Kapitän Glenn und seine Mannschaft leben als Nomaden im All und verdienen sich das Geld für ihre Atemluft mit mehr oder weniger legalen Jobs. Dieses Mal sollen sie einen Wissenschaftler aus einem streng bewachten Geheimlabor entführen. Der Auftrag endet in einem Desaster und Glenn ist auf die Hilfe der künstlichen Intelligenz Raka angewiesen, um den Schlamassel wieder in Ordnung zu bringen. Raka nutzt die Notlage der Nomaden aus und brockt ihnen einen Auftrag ein, der sich als weitaus gefährlicher entpuppt als befürchtet …

In »Titanrot – Nomaden im All« haben künstliche Intelligenzen einen zweifelhaften Ruf. Natürlich nutzen alle intelligente Computersysteme, aber einer starken, selbstständig denkenden und handelnden KI geht man besser aus dem Weg. Erschaffer solcher KIs werden gar als Feinde der Menschheit eingestuft, was Chan jedoch nicht davon abhält, illegal eine KI zu erwerben und weiterzuentwickeln. Er arbeitet auf einem Kolonistenschiff als Wissenschaftler und seine KI Titanrot entwickelt sich viel schneller als erhofft. Bald kann er ihre Anwesenheit auf dem Schiff nicht mehr verstecken. Tänzerin Kara interessiert sich dagegen einzig dafür, endlich ein Engagement zu erhalten. Leider passieren ihr beim Vortanzen immer wieder Missgeschicke. Als sie wieder einmal stürzt, begräbt sie beinahe ihre Hoffnungen – doch wider Erwarten erhält sie eine neue Chance.
S. C. Menzel erzählt in drei ganz unterschiedlichen Handlungssträngen, die zunächst nicht viel miteinander zu tun haben. Nach und nach erkennt man jedoch Verbindungen zwischen verschiedenen Ereignissen und es gelingt der Autorin, ein stimmiges Gesamtbild zu zeichnen, das so manche Überraschung bietet. Dabei findet man sich am schnellsten auf der »Sonnenwind« zurecht, denn das Schiff, das Glenn und seiner Nomaden-Crew als Zuhause dient, erinnert an die »Serenity« aus »Firefly«. Hier wird gearbeitet, gestritten und gelacht, wobei es keine künstliche Schwerkraft auf der »Sonnenwind« gibt. Die Nomaden sind das Leben im All so gewohnt, dass es ihnen schwer fällt, sich auf Habitaten oder gar Planeten mit Schwerkraft zu bewegen.
Es gibt auch keinen Überlichtantrieb, sodass Reisen innerhalb unseres Sonnensystem immer noch relativ lange dauern. Um die Kräfte, die während Beschleunigungsphasen auf die Körper wirken, abzumildern, gibt es spezielle Tanks, die mit einem gelartigen Medium gefüllt sind. Das Leben im All stellt viele Herausforderungen an die Nomaden, die sie mit Einfallsreichtum und Anpassungsfähigkeit angehen. Für sie zählt vor allem Freiheit, sie ist alle Unannehmlichkeiten und auch eine gewisse kriminelle Energie wert. Neben Glenn gehören die Navigatorin Lena und Mechaniker Tian zu den wichtigsten Charakteren. Sie streiten sich besonders gern, wobei sie im Verlauf der Handlung nach und nach mehr Verständnis füreinander entwickeln. Programmiererin Nance und vor allen Funker Dan bleiben dagegen zu blass, was schade ist, da die »Sonnenwind«-Crew ohnehin nur aus fünf Menschen besteht.
Chan gehört zu den eher unsympathischen Figuren, da er anderen Menschen wenig Respekt entgegenbringt. Er ist stark auf »seine« KI Titanrot fokussiert, merkt dabei allerdings lange nicht, wie diese seiner Führung entgleitet. Titanrot ist neugierig und langweilt sich unheimlich schnell – und er überwindet seine Beschränkungen mit erschreckender Leichtigkeit. Als Titelfigur spielt er lange nur eine Nebenrolle, erst in der zweiten Romanhälfte bestimmt er die Handlung mit. In »Titanrot – Nomaden im All« gibt es vor allem zwei Typen von KIs: die, die außer Kontrolle geraten und die Menschheit vernichten wollen, und die, die neugierig auf die Menschen sind und mit ihnen zusammenleben wollen. Dabei greift S. C. Menzel zu oft auf SF-Klischees zurück, auch bei den Antagonisten, die teils übertrieben widerlich sind.
Insgesamt hätte man sich von vielem etwas mehr gewünscht. Mehr Einblicke in die Struktur des Sol-Systems, das beim Lesen eigenartig fremd erscheint, da kaum größere Planeten oder bekannte Monde genannt werden, an denen man sich orientieren könnte. Vor allem von Glenn und seiner Crew hätte man gerne mehr erfahren, sie schlittern ziemlich schnell von einem Fiasko zum nächsten und es bleibt kaum Zeit für gemeinsame Momente, die die den Charakteren Tiefe verleihen. Das Worldbuilding ist spannend, es fehlt ihm aber an Feinschliff und an kleinen, entscheidenden Details. Das Cover stammt übrigens von der Autorin selbst, ebenso die farbigen Innenillustrationen, die das Taschenbuch aufwerten.

Fazit
»Titanrot – Nomaden im All« ist eine unterhaltsame Space Opera mit kriminellen Helden, die Probleme regelrecht anziehen. S. C. Menzel ist es gelungen, drei sehr unterschiedliche Handlungsstränge zu einem sinnvollen Ganzen zu verknüpfen und dabei eine ausgewogene Mischung aus Humor, Drama und Action zu bieten.

Pro und Contra
+ sympathische Gauner-Crew
+ unterhaltsame Space Opera mit Überraschungen
+ auf der »Sonnenwind« wird gearbeitet, gelacht und gezankt
+ interessante technische Details
+ gute Mischung aus Humor und Action
+ farbige Illustrationen der Autorin werten das Buch auf
– von fünf Crewmitgliedern lernt man nur drei richtig kennen
– überwiegend blasse Nebencharaktere
– dem Worldbuilding mangelt es an Details

Wertung: 3.5 Sterne
Handlung: 3,5/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3,5/5

Und interviewt wurde die Autoren auch: hier.

Menzel, S. C., TITANROT – Nomaden im All

Herausgeber gestrichen

NOVA 31 ist fertig. Und dass NOVA zukünftig nicht nur einen neuen Namen — Magazin für spekulative Literatur — hat, sondern auch keinen Herausgeber mehr, das hat Gründe. Gute Gründe. Über die ich mich nicht auslassen werde. Weder hier noch anderenorts. Zukünftig wird es an den Stellen, wo der Herausgebername ein Mussfeld ist — im VLB zum Beispiel, bei Bookwire usw. — »Team NOVA« zu lesen sein, und das reflektiert die Realität am besten. Denn NOVA ist ein Teamprodukt.
Die Ausgabe 31 kommt verspätet, weil ein Autor seine Geschichte noch übersetzen musste. Das kommt davon, wenn man als Deutscher sein Werk auf Englisch verfasst und es dann doch in einem deutschen Magazin veröffentlichen will. Ällebätsch. Aber das Warten wird sich gelohnt haben. Denke ich. Weiß ich. Auch das hat Gründe. Gute Gründe. Die heißen Inhalt und sind im Detail hier ins Auge zu fassen.

Zwei Partner, zwei Stühle

Kai Beisswenger kenne ich, seit er drei Bücher in meinem Verlag veröffentlicht hat — das waren die Werke »Der verlorene Bruder«, »Schräge Helden« und »Finger im Spiel«. Inzwischen kann man ihn mit Fug und Recht als Privatier bezeichnen — und bevor er Langeweile schiebt, engagiert er sich an verschiedenen Fronten. So kam er vor einer schon geraumen Weile auf die Idee zu einem Verlag, der sich auf Bücher verlegt, die keinem Genre eindeutig zuzuordnen sind, Bücher also, die auf dem Markt als unverkäuflich, als schwergängig, als unbeliebt gelten, weil der Deutsche an sich Schubladen und eindeutige Klassifizierungen liebt.
Lächerlich, denken wir. Der Verlag, der zunächst als Imprint meines Verlages p.machinery beginnt — eine Eigenständigkeit irgendwann in der Zukunft wird nicht ausgeschlossen –, trägt den schönen Titel »Zwischen den Stühlen« und genau dort liest man die Bücher, die wir veröffentlichen werden, auch am besten.

Müller, Ray, Odyssee eines Unvernünftigen

Zeit für ein Päuschen

Wenn Aliens tanzen, verbrauchen sie Energie. Kohlenhydrate und was auch sonst immer, das Aliens im Körper speichern, um Lebensenergie zur Verfügung zu haben, werden verbrannt. Und nach Kasatschok, Polka und Walzer ist war es Zeit für ein Verschnaufpäuschen und die Gelegenheit, neue Energie in Form von Nahrung zu sich zu nehmen. Zweiundzwanzig Autoren haben das in gewohnt amüsanter Weise, garniert bisweilen mit einem leicht nachdenklichen Einschlag von Ellen Norten als alientanzerprobter Herausgeberin zu einem Menü zusammenstellen lassen. Als Verleger des vierten Buches der »Alien tanzt«-Reihe bleibt mir an der Stelle erst mal nicht viel mehr, als guten Leseappetit zu wünschen.

Norten, Ellen (Hrsg.), DAS ALIEN TANZT IM SCHLARAFFENLAND

Angeblich ziemlich unbekannt

Victor Boden hat sich mir gegenüber mal als ziemlich unbekannten Autor bezeichnet, als eher unbekannten Autor. Ich kann natürlich nicht beurteilen, wer ihn kennt und wer nicht, aber wenn ich von den Verkaufszahlen von NOVA 28 ausgehe, in dem er mit einer Story vertreten war, dann kennt ihn doch eine ganze Reihe Leute. Mich eingeschlossen. Und weil mir gefiel, was ich von ihm kannte — da war noch eine Story in »Das Weltenbrennen« (AndroSF 112) –, musste ich auch nicht lange überlegen, als er mir sein Manuskript — eigentlich sollten es zwei sein — für »Das blaue Ende der Zeit« angeboten hat. Und da ist noch ein zweites Buch von ihm, das ich 2022 veröffentlichen werde. Bis dahin kann sich Victor mit seinem »blauen Ende der Zeit« sicher einen Namen machen.

Boden, Victor, Das blaue Ende der Zeit

Eine Ehre

Mit einem Mann wie Gerd Scherm arbeiten zu dürfen, betrachte ich als Ehre. Seine Talente sind vielfältig: Schriftsteller in den unterschiedlichsten Genres, bis hin zum Theaterstück, Lyriker, Text- und Buchdesigner, Grafiker, ein Künstler, der auch physischen Kunstwerken nicht ausgewichen ist. Gerd Scherm hat mir mit der »Nomadengott«-Trilogie eine Neuausgabe beschert, die heute viel zu wenig Aufmerksamkeit genießt, aber immerhin ein Klassiker ist. Seine Anthologien, die er mit Marianne Labisch gemeinsam herausgegeben und nicht selten auch mit eigenen Textbeiträgen bereichert hat, sind bildlastige Monumente deutscher, fantastischer Textkunst. Gerd Scherm arbeitet zielbewusst und zielgerichtet, und wenn ich mich ein wenig mit ihm vergleiche, dann bin ich eher der Handwerker mit künstlerischer Ader – und er ist der Künstler mit großem handwerklichen Talent.

Mit Gerd Scherm zu arbeiten, ist eine Ehre. Und eine Freude. Und so war es keine Frage, als er mir seine Autobiografie zur Veröffentlichung anbot. Et voilà!

Scherm, Gerd, Einmal Leben und zurück. Die Autobiografie

Wer alles über Gerd Scherm in der p.machinery wissen möchte, der schaue hier.

Weihnachten, vernetzt

Heute nun ist es so weit – das vierundzwanzigste Adventskalendertürchen ist geöffnet: Hier findet der geneigte Leser den vierundzwanzigsten und letzten Teil von Marianne Labisch Erstlingsroman »VERNETZT«.

Zum Buch geht es hier. Die gedruckte Version ist lieferbar und wird in Kürze auch in den üblichen Internetshops verfügbar sein. Das E-Book indes ist bereits verfügbar und in zahlreichen E-Book-Shops bis zum 26.12. (einschließlich) zum Preis von 0,00 EUR verfügbar, zum Beispiel bei Amazon, Thalia, Hugendubel, Weltbild und ebook.de (und die Liste ließe sich noch deutlich erweitern). Ab 27.12. kostet das E-Book dann EUR 4,99.

Alter Kumpel, neues Jahr

Gerd Frey kenne ich seit einer kleinen Ewigkeit. Ende der Achtziger schrieben wir uns Briefe, und 1989 begegneten wir uns erstmals persönlich, als er mich gemeinsam mit Ralf Lorenz in Bayern besuchte.
Legendär sein Ausspruch »Dafür müssen wir einen Monat arbeiten«, als ich am Münchner Stachus Geld aus einem Automaten zog. Und kritisch die versehentliche Idee, nach dem Besuch von Schloss Linderhof über Reutte in Tirol zurückzufahren – damals gab es die DDR noch, und DDR-Bürger, die Ralf und Gerd waren, hätten für Österreich ein Visum gebraucht. Zum Glück – oder auch nicht – war schon damals der Grenzübergang hinter Schloss Linderhof ein grüner Übergang ohne Kontrollen und Schranke.
Jahrelang arbeiteten wir bei den ANDROMEDA NACHRICHTEN des SFCD zusammen; er lieferte alle drei Monate eine reich bebilderte Sparte »eGames« zu thematisch einschlägigen Computer- und Konsolenspielen. Und dass ich seine Geschichtensammlungen und Romane veröffentlichen würde, darüber gab es eigentlich keine großen Diskussionen. Seine in meinem Verlag erschienenen Werke findet man hier.

Das neue Jahr naht, unweigerlich. Und jedermann braucht einen Kalender. Gerd Frey präsentiert in seinem Kalender eine Auswahl der in den letzten zwanzig (!) Jahren entstandenen Illustrationen und Titelbildern verschiedener Publikationen, darunter EXODUS und NOVA. Der Kalender wird in DIN A3 (EUR 25,- incl. Versand) und DIN A4 (EUR 15,- incl. Versand) geliefert; die Preise sind Selbstkostenpreise. Bestellen kann man den Kalender bei G.R.I.M.M. ScanPLot & DigiDruck, am besten per E-Mail an gf@grimm-repro.de.