Ich wünsche was

Das Gleiche, das ich als Verleger wünschte: hier.

Obwohl ich das relativieren muss. Nazis, COVIDioten und Verschwörungstheoretiker möchte ich ausnehmen – die haben mindestens keinen Erfolg, aber wohl auch kein Glück verdient; gesund sollten sie bleiben dürfen, ich möchte mich nicht der verbalen Körperverletzung schuldig machen.

Und konkretisieren muss ich das Geschriebene. Gemeint sind alle Menschen. Da ich Gendersternchen, Unterstriche und sonstiges Sonderzeichenzeug ablehne – wie auch das Gendern überhaupt – kann ich nur sagen, dass alle gemeint sind. Alle Menschen. Gleich, welcher Sorte sie angehören. Und für die, denen das nicht reicht: Gemeint sind auch alle meine Autorenden, Grafickenden … äh …, ja, doch …, Herausgebernden, Kundenden, Rezensierenden und alle anderen, die einfach nur enden wollen.

Ich freue mich auf ein neues Jahr, in dem wieder Sternchenfans und Unterstrichende versuchen, die deutsche Sprache zu verhunzen und ihre zweifelhaften Minderheitenmeinungen den Menschen aufzudrücken, die in diversen Umfragen schon mehrheitlich geäußert haben, dass sie das – indirekt oder direkt – albern und unpassend finden, sprich: ablehnen. Aber welche Minderheit hat sich schon mal dafür interessiert, was die Mehrheit will; es ist ja immer die Mehrheit, die die Minderheit unterdrückt.

In diesem Sinne: rutscht gut, aber rutscht nicht aus. Auf was auch immer. Und gegebenenfalls meinem Buckel runter, wenn er (sic!) gendern gut findet.

Grüne Sprachzecken

Im Infobrief des VDS e.V. vom 12.12.2021 steht geschrieben, wer da in die Regierung gewählt wurde:

Neue Familienministerin ist für das Gendern gegen die Mehrheit

Die bisherige rheinland-pfälzische Klimaschutzministerin Anne Spiegel (Grüne) ist jetzt die neue Bundesfamilienministerin. In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland verkündete sie: „Ich finde gendergerechte Sprache wichtig, auch in staatlichen Dokumenten. Es wäre wünschenswert, wenn die Bundesregierung zu einem einheitlichen Verfahren findet.“ Auch ihre Parteikollegin und Außenministerin Annalena Baerbock sprach sich in der Vergangenheit bereits mehrfach fürs Gendern aus: „Ich will Politik für alle Menschen machen und das bedeutet, auch alle mit anzusprechen – und nicht nur mit zu meinen.“ Die Welt erinnert in diesem Zusammenhang an die Umfrage von Infratest Dimap für die Welt am Sonntag im Mai 2021. Dieser zufolge lehnen 65 Prozent solche Formulierungen wie „Forschende“ statt „Forscher“ ab, auch das große Binnen-I („ZuschauerInnen“) in der geschriebenen und die Sprechpause („Akademiker_innen“) in der gesprochenen Sprache werden mehrheitlich abgelehnt. (welt.de, berliner-zeitung.de)

So geht man nicht mit Mehrheiten um, meine Damen. Aber bei den Grünen gelten ja schon immer die Gesetze ein wenig anders, als sie formuliert sind. Und möglicherweise wird im Begriff »Demokratie« das »Demo« leicht überbewertet.

Gendern verletzt Urheberrechte

Pressemitteilung vom 27. Oktober 2021:

Genderklage gegen Zeitschrift wegen Urheberrechtsverletzung

Klägerin: Freiheit des Autors wurde missachtet

Die Autorin Sabine Mertens klagt wegen Urheberrechtsverletzung gegen den Verlag ManagerSeminare (Bonn). Dessen Zeitschrift „Training aktuell“ hatte einen ihrer Artikel gegendert, obwohl die Autorin mehrfach deutlich darauf hingewiesen hatte, keine Gendersprache nutzen zu wollen. Trotz der Zusage, den Artikel in der eingereichten Form abzudrucken, hat der Verlag ihn in der Endversion in sogenannter gendergerechter Sprache veröffentlicht. „Ich erwarte Respekt vor der Freiheit des Autors, umso mehr von der Redaktion eines Magazins, das sich mit Weiterbildung und Lernen beschäftigt“, so Mertens.
Die Klägerin Sabine Mertens ist Autorin und Coach, außerdem leitet sie die AG Gendersprache im Verein Deutsche Sprache (VDS). Anfang Oktober 2021 reichte sie Klage beim Landgericht Hamburg ein. Anlass war die sprachliche Veränderung ihres Textes an zwei Stellen. Statt „Zeichner“ hat der Verlag nach der Korrektur in der überarbeiteten Version den Begriff „zeichnende Person“ veröffentlicht. In der Klageschrift heißt es dazu: „Sprache ist in ihrer Arbeit (Beratung, Coaching, Therapie) von sehr hoher und sehr persönlicher Bedeutung. Eine derart unpersönliche Ausdrucksweise wie ‚Person‘ disqualifiziert die Klägerin in ihren Augen in ihrem Tätigkeitsfeld.“ Trotz mehrfacher Mails im Vorfeld der Veröffentlichung, in der Mertens ihre Sicht deutlich gemacht hatte, hat sich der Verlag dazu entschieden, gegen das Urheberrecht zu verstoßen und seiner eigenen Gender-Ideologie zu folgen.
Sabine Mertens ist von der Vorgehensweise des Verlags enttäuscht und entsetzt zugleich: „Damit hat der Verlag gegen meinen ausdrücklichen Willen die Gendersprachdoktrin durchgesetzt.“ Eine inhaltliche Auseinandersetzung habe nicht stattgefunden, gegen die finale Änderung habe sie sich nicht wehren können. „Ich wurde hintergangen und vor vollendete Tatsachen gestellt. Der Verlag hat seine Stellung missbraucht.“
Der VDS unterstützt Sabine Mertens in der Klage gegen die Zeitschrift. „Das Urheberrecht darf nicht mit Füßen getreten werden“, sagt der VDS-Vorsitzende Prof. Walter Krämer, „wer die eigene Ideologie vor die Persönlichkeitsrechte eines Menschen stellt, zeigt, wie wenig ihm an einem Miteinander gelegen ist.“

Verein Deutsche Sprache e. V.
Vereinssitz: Martin-Schmeißer-Weg 11, D-44227 Dortmund
Für Briefsendungen: Postfach 10 41 28, 44041 Dortmund
Telefon/Telefax: +49 231 7948520
www.vds-ev.de

K(l)eine Pause

Unter dem Titel »Kleine Pause« berichtet die Süddeutsche Zeitung: »Eine Mehrheit der Deutschen lehnt das Gendern ab, in Presse und Fernsehen kommt es immer häufiger vor. Wie verhalten sich die Öffentlich-Rechtlichen?« Ausführliches über das Chaos in der sprachlichen Vergewaltigungstätigkeit unserer bürgerlich finanzierten Sendeanstalten liest man unter sz.de/1.5383641.

Gebührenfinanzierte Herabwürdigung

Wer sich einmal öffentlich-rechtlich fundiert herabwürdigen – und je nach persönlichem Geschmack gar beleidigen – lassen möchte, der versuche einfach, Gunther Grabowski (»Ach du liebes Deutsch!«, IFB, 2013) nachzueifern und sich bei ARD (und vielleicht testweise auch ZDF?) über genderischen Unfug in Hörfunk und Fernsehen zu beschweren. Grabowski hat das getan und Michael Hanfeld hat das kommentiert (hier).
Die ARD reagierte zunächst pampig, hatte mit Grabowski allerdings den Falschen erwischt und musste letztlich zurückrudern. Michael Hanfeld dazu:

Bezüglich „gendergerechter“ Sprache gebe es „keinen ARD-Standard“. Im ARD-Gemeinschaftsprogramm kämen „in verschiedenen Sendungen unterschiedliche Regeln zum Einsatz“, alle Häuser befassten sich „intensiv mit diesem Thema“. Beim „Thema ,Gendergerechte Sprache‘“ sei es dem Senderverbund „wichtig, niemanden aus unserer Kommunikation auszuschließen“. In dem „Bewusstsein, dass unsere Sprache einerseits lebendig und in stetigem Wandel begriffen und andererseits in ihrer Beständigkeit zu schützen ist“, wird dem Zuschauer versichert, „dass wir einen Weg suchen, hier den Bedürfnissen aller gerecht zu werden.“
Aller? Wie schwierig das ist, zeigt sich in einem vorhergehenden Satz: „Da die ARD ihre Angebote für die Gesamtheit aller BeitragszahlerInnen bereitstellt, sollten sich auch möglichst alle BürgerInnen von uns angesprochen fühlen.“ Zweimal Binnen-I. Im Umgang mit seinem Publikum, den „BeitragszahlerInnen“ und „BürgerInnen“, kann der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht sensibel genug sein. Denn sonst setzt sich der Eindruck fest: Die sprechen nicht unsere Sprache und bilden sich noch etwas darauf ein.

Und nicht nur das – wenn man es schon richtig machen möchte, sollte man auch Sensibilität gegenüber den mit dem Binnen-I ignorierten LGBTQIA+ entwickeln. Oder die deutsche Sprache mit ihrem Angebot einfach so nutzen, wie sie schon immer war – und funktioniert hat.

Einzelnd in der Apotheke

Seit Beginn der Seuche sieht man das ja überall. Die Böden von Supermärkten, Läden und auch Apotheken sind vollgeklebt mit Absperrfolien, Verkehrszeichen mit Richtungspfeilen und Verhaltenshinweisen.
In einer Apotheke in Husum entdeckte ich gestern einen etwa DIN A4 großen Aufkleber an mehreren Stellen, laut dessen Text der potenzielle Kunde aufgefordert wurde, an diesen Stellen »einzelnd« zu warten – »bis der nächste frei ist«.
Man kann nun überlegen, wer mit dem »nächsten«, der eigentlich groß geschrieben werden müsste, gemeint sein könnte. Faszinierender ist die offensichtliche Unfähigkeit von Menschen offensichtlich deutscher Mundart – ein Türke oder Grieche würde niemals »einzelnd« sagen –, einen Text, den man drucktechnisch vervielfältigen möchte, Korrektur zu lesen. Noch faszinierender finde ich die Unfähigkeit von Menschen, die solche Texte drucktechnisch vervielfältigen, einen Blick darauf zu werfen und dem Auftraggeber einen Tipp zu geben. Ich hege bisweilen die Vermutung, es könnte sich bei Menschen, die solche Fehler entdecken und vor dem Unfall beheben, um »Einzelndfälle« handeln.

P.S.: Ich habe absichtlich kein Foto gemacht.

Verfehlte Verteidigung?

Da hat sich Joachim Huber im »Tagesspiegel« zu einer Verteidigungsrede hinreißen lassen, um der der einwandfreien Verwendung der deutschen Sprache im Wort unwilligen Jana Pareigis nach ihrer ersten »heute«-Moderation beizustehen. Gut. Das ist Joachim Huber unbenommen.

(Bildquelle: tagesspiegel.de)

Allerdings begeht der gute Joachim Huber eine Fehlinterpretation – oder doch wenigstens eine Fehleinschätzung:

»Sprache gehört allen oder keinem, nicht Jana Pareigis, nicht dem Kritiker, nicht Joachim Huber. Wer immer aus seinem individuellen Sprachgebrauch eine allgemeine Ideologie abzieht, der schwingt sich zum Sprachpapst auf, der bedroht alle anderen mit Exmatrikulation und redet im Extrem der Inquisition der Sprache das Wort – also dem Schweigen.
Meine Sprache, Deine Sprache, Ihre Sprache: Ich möchte mich in meiner Sprache ausdrücken, mich darin wiederfinden, sie ist im persönlichen wie gesellschaftlichen Miteinander das, was mich ausmacht. Meine Sprache gehört mir. Die Sprache von Jana Pareigis gehört Jana Pareigis. Daran gibt es nichts zu kritisieren. In keiner Sprache.«

Das ist sogar grundsätzlich richtig – aber es sind gerade Genderschwänze und Gendermösen, die sich zu Sprachpäpsten aufschwingen. Denn das, was Joachim Hubert da postuliert, das gilt auch

  • für Professoren an Universitäten und Hochschulen;
  • für Studenten ebenda;
  • für Politiker in Parlamenten in jeder Größe, vom Stadtrat bis zum Europäischen Parlament (Stichwort: Zürich);
  • für Mitarbeiter in Behörden und Ämtern, gleich welcher »Branche«;
  • für Mitarbeiter bei Volkswagen gegenüber der Konzerntochter Audi;
  • für Mitarbeiter aller Konzerne und Firmen bis hinunter zur kleinsten Einheit;
  • eben für alle Menschen.

Und das ist es, was Joachim Huber übersieht – dass heute insbesondere diejenigen, die am allerwenigsten von angeblicher Diskriminierung durch angeblich nicht genderkonforme Sprache betroffen sind, auch diejenigen sind, die zu verhindern suchen, dass wir, du, ich, wir alle unsere Sprache so verwenden, wie sie richtig ist, wie sie verständlich ist und auch bleibt. Und dabei nicht vor Methoden und Repressalien zurückschrecken, die es nötig machen, dass eine Züricher Stadtverordnete ihr Recht auf ungegenderte Einbringung von Anträgen gerichtlich erstreiten musste, wie auch ein Volkswagen-Mitarbeiter Audi verklagen muss, um von seinem Recht der Verwendung ordentlichen Deutschs Gebrauch machen zu dürfen.

Jana Pareigis indes empfehle ich wie allen anderen Fernseh- und Radiomoderatoren (sowie allen anderen Menschen) mit einem dieser neumodischen Sprachfehler, einen Logopäden aufzusuchen und sich nachfolgend an einer Grundschule ihrer Wahl in der deutschen Sprache auf den aktuellen, aber richtigen Stand der Dinge bringen zu lassen.

Unwiderruflich

Gestern habe ich mit den Arbeiten an meiner unwiderruflich letzten – und gleichzeitig meiner hundertsten – Ausgabe der ANDROMEDA NACHRICHTEN des SFCD, des »Science Fiction Club Deutschland« e.V. begonnen. Es ist nicht anzunehmen, dass der Verein bereit ist, mich für meine Dienstleistung zu bezahlen, sodass es keine Ausgabe 275 aus Winnert geben wird. Die 274, die wohl Anfang August an die Vereinsmitglieder verschickt wird, wird meine letzte Ausgabe gewesen sein.
Die Arbeiten beginnen mit Standardaufgaben. Texte sichten, zusammenstellen, einzelne Dateien (eine pro Themensparte) bauen, Korrekturlesungen, ein wenig Lektorat geht auch immer – und vor allem wird entgendert, denn einiges Material – allem voran: Pressetexte – ist heutzutage schlicht und ergreifend nicht mehr lesbar, sofern man einem Text nicht hilft, zur offiziellen deutschen Rechtschreibung zurückzukehren.

Gekommen bin ich gestern bis zum »Reissswolf«, Michael Baumgartners Rezensionssparte. Bei den Texten war auch eine Asimov-Kellerbar-Story von Klaus Marion, ein allerliebster Text, mit dem er sich bei Ralf Boldt und mir für unsere Dienste im SFCD bedankt.
Heute folgt noch die »Schlachtplatte« mit den Rezensionen, die nicht über Michael Baumgartners Tisch gelaufen sind, sowie die »Story:Files«, die in dieser Ausgabe sehr umfang- und zahlreich ausfallen werden.

Tiny Stricker in der Hörbahn on stage

Im Literaturradio »Hörbahn on stage« wird man Tiny Stricker am 14.07.2021 ab 18 Uhr hören können – und so die Seuche will, kann man ihn in der Georgenstraße 63 zu München sehen. Es geht vor allem um sein aktuelles Buch »U-Bahn-Reiter« und er wird über die Entstehung des Buches, sich selbst und seine Odyssee sprechen. Weitere Details zur Veranstaltung: hier. Weitere Informationen zum Buch: hier. Und zur Werkausgabe insgesamt: hier.