Piper im Herbst, Vorwarnung

Man kann sich fragen, was bei Piper los ist. Die Programmvorschauen, die ich noch im Jahre 2020 erhalten habe, sehen heute anders aus. Und es sind auch keine Vorschauen, sondern Vorvorschauen, enthalten »erste Informationen«, so als wäre ein Verlag neuerdings mit seinen Erscheinungsterminen so abhängig wie Filmstudios von der Öffnung (oder Schließung) von Kinos oder Musiker von den Absagen ihrer Konzerte.

Die Vorvorschauen sind optisch spartanisch aufgemacht. Es gibt keine echte Verlags-CI, keine Titelbilder zu den Büchern.

Aufgefallen ist mir (einmal mehr) jedoch etwas anderes: Von 16 vorangekündigten Titeln im Bereich Fantasy, SF und dem Programm »ivi« tragen 8 Titel – mithin 50 % – ganz oder teilweise englische Titel.

Ich möchte das unkommentiert lassen, nicht zuletzt, weil Ausreden zu einfach wären. So könnte man bei Astrid Scholtes »Into Dark Waters« argumentieren, dass die Autoren in Australien lebt und deshalb …

Blödsinn. Ganz klar. Und es ist die pure Verschwendung. »In dunkle Wasser« wäre ein lyrischerer, poetischerer Titel gewesen, der viel schöner über die Stimmbänder vibriert hätte als dieses englische Lallabralla.

RDP über Entsolidarisierung der Gesellschaft

Die Entsolidarisierung der Gesellschaft ist ein Problem, bei dem auch die Tendenzen der gewaltsamen Veränderungen der deutschen Sprache eine Rolle spielen. Stichworte: »Gendern«, »Cancel culture«, »Political correctness« u. v. m. Richard David Precht geht darauf speziell hier nicht ein, aber die entsolidarisierte Gesellschaft ist nicht nur sprachlich präsent.

Siehe auch in der NDR-Mediathek.

Coronasprech

Auf dem Nachrichtenticker des WDR entdecke ich heute morgen die Meldung:

»Studie: Mit Maske nur noch halb so laut
Corona-Masken mindern die Sprachverständlichkeit – besonders, wenn es sich um KN95- und FFP2-Masken handelt. Das hat eine Studie der TH Köln ergeben. So führte die Community-Maske im Spitzenbereich zu einem Übertragungsverlust von mehr als zehn Dezibel. Das entspricht etwa eine Halbierung der Lautstärke. Mit der KN95- sowie der FFP2-Maske gingen demnach bis zu 15 Dezibel verloren.«

Ja, und?

Das Zeug, das im Zusammenhang mit der Seuche zu hören ist, ist eh größtenteils Brabbelsuppe aus der Krabbelgruppe. Und ansonsten halte ich es doch mal mit der Werbung:

DANN BRÜLL HALT BEI NORMA!

Da habt ihr’s, Pack! oder Wenn Frauen sich dem Gendern verweigern

Es wird von einschlägigen Genderfetischisten gerne der Eindruck erweckt, die Zerstörung der deutschen Sprache diene der Gleichberechtigung vor allem der Frauen. Vor allem der Frauen, weil die anderen, die »Diversen« ja für diese Sprachzerstörer keine Rolle spielen; sie sind als minderheitliche Minderheitenminderheit zu wenig Zugpferd für den vor allem auch medialen Transport von pseudolinguistischen Scheißhausparolen. Nein, nein, den Frauen solle das Sonderzeichengeblubber und Moderatorenhicksen Gleichberechtigung verschaffen: gleiche Berufe, gleiche Gehälter, gleiche Aufgabenverteilung im Leben (sprich: in der Familie) und vieles mehr.

Es ist bekannt, dass diese Behauptungen jeglicher Grundlage entbehren. Es ist hinlänglich bekannt, dass nicht nur die Gesellschaft im Allgemeinen, sondern vor allem auch Frauen den Genderblödsinn ablehnen.

Julia Ruhs, Volontärin beim Bayerischen Rundfunk, hat sich im »Mittagsmagazin« klar gegen das Gendern geäußert und ihre Ansichten in einem Interview vertieft. Eine junge Frau, die zu der Gruppe Menschen gehört, die laut Genderschwänzen und Gendermösen die Zielgruppe der Sprachvernichtung sind, ist das schöne Beispiel dafür, wie wir alle von linguistischen Klugscheißern und verbalen Straftätern verarscht werden.

Lesenswert!

Mein Highlight:
»Hat man Sie vorgeschickt, weil sich die älteren Kollegen nicht trauen gegen das Gendern zu sein?«
»Ich glaube, dieses Thema verlangt schon danach, von einer jungen Journalistin kommentiert zu werden. Jedem älteren, vor allem männlichen Kollegen wäre im aktuellen Diskursklima sofort abgesprochen worden, sich über das Thema äußern zu dürfen – weil er zu alt ist oder als Mann von dieser angeblich diskriminierenden Sprache eh nicht betroffen ist. Aber ich bin mir sicher, ich spreche schon dem ein oder anderen Kollegen aus der Seele.«

Genuine dämglisch

Auch das noch aus dem VDS-Infobrief vom 07.03.2021:

Click & Meet

Die Läden sind geschlossen, verkauft werden soll trotzdem. Damit auch in Zeiten der Pandemie eingekauft werden kann, hat man sich neue Konzepte überlegt – natürlich mit englischem Titel. Es begann mit Click & Collect, was offenbar nur unter Mühen mit „Klicken & Abholen“ übersetzbar ist. Der Kunde verpflichtet sich mit seiner Bestellung zum Kauf und holt den Artikel dann beim Laden ab. Nachdem nun die ersten Lockerungen angekündigt wurden, folgt Click & Meet, welches mit etwas Übung in „Klicken & Treffen“ übersetzbar ist – im Grunde nichts weiter als eine Weiterentwicklung des Click & Collect-Prinzips: Der Kunde vereinbart einen Termin mit dem Geschäft und kann zur vereinbarten Zeit zum Einkaufen vorbeikommen. Während das Konzept Click & Collect noch einen Zusammenhang zur Wortbedeutung aufweist, klingt Click & Meet eher nach Partnerbörse als nach Einkaufen. Absicht? (noz.de, rnd.de)

Bemerkenswert dabei ist auch das: Das sowieso schwer anglizismusverseuchte Internetkaufhaus »Seats & Sofas« hat immer damit geworben, dass man »heute bestellen, abends sitzen« kann – was man als Versprechen einer schnellen Lieferung interpretieren darf. Nun beteiligt man sich – immer noch mit dem gleichen Werbespruch und natürlich auf Dämglisch – am Klicken-&-Aufsammeln-Verfahren und verschiebt damit schlicht die Erfüllung des Lieferzeitversprechens in den Verantwortungsbereich des Kunden – von der Notwendigkeit der Beschaffung einer Transportmöglichkeit für eine zwölfsitzige Sofagarnitur ganz zu schweigen.

P.S.: Im Internet präsentiert sich »Seats & Sofas« mit dem Partnerbörsekonzept.

Klingonisch im Bundestag?

Ja, man fragt sich unwillkürlich, wann Klingonisch als Schriftsprache für Anträge und mehr im Bundestag zugelassen wird. Das dauert aber noch ein Weilchen, denn derzeit bereitet man eher die Unleserlichkeit … nein, die Unvorlesbarkeit von Anträgen und so weiter im Bundestag vor.

Der VDS-Infobrief vom 07.03.2021 vermeldet dazu:

Bundestag erlaubt Gendersprache

Der Tagesspiegel berichtet, dass die Verwaltung des Bundestags gegendert vorgelegte Anträge, Entschließungsanträge und so weiter nicht mehr korrigiert, Gendersternchen, Gender_Gap und andere Zeichen werden nicht mehr angepasst, sondern dem Plenum in der eingereichten Form vorgelegt. Der VDS hat bei der Pressestelle des Bundestags nachgefragt, sie hat diese Vorgehensweise bestätigt. Lediglich die Titel der Vorlagen blieben weiter „vorlesbar“, so ein Bundestagssprecher. Darüber hinaus seien die Fraktionen für die Schriftstücke zuständig, trügen daher auch das Risiko, „dass die Intentionen ihrer politischen Initiativen bei den übrigen Mitgliedern des Bundestages unter Umständen nicht oder falsch verstanden und deshalb abgelehnt werden“. Der VDS hat sich in einem offenen Brief an den Bundestagspräsidenten Dr. Wolfgang Schäuble und den Direktor beim Bundestag, Dr. Lorenz Müller gewandt und diesen Brief auch zur Kenntnisnahme an die Fraktionsvorsitzenden weitergeleitet. Darin macht der VDS deutlich, dass auch Volksvertreter sich an die Regeln der amtlichen Rechtschreibung halten sollten, da allein diese verbindliche Strukturen vorweisen. Die Abgeordneten vertreten die Sprachgemeinschaft , diese lehnt das Gendern aber mehrheitlich ab, daran sollten sich auch die Volksvertreter orientieren. Geschlechtergerechtigkeit werde vom VDS umfänglich unterstützt, das Gendern der Sprache diene der Gerechtigkeit jedoch nicht – vielmehr käme das Kulturgut zu Schaden, das uns allen eine Kommunikation auf Augenhöhe überhaupt erst ermöglicht.

Der offene Brief des VDS an diverse Angehörige des Bundestages ist hier nachzulesen; der vollständige Text ist dort auch als PDF abrufbar.
Die Erwähnung des Themas im Tagesspiegel findet man hier.

Die Grünen sind raus

Es gab mal eine Zeit, da habe ich die Grünen gewählt. Es gab keine Alternative für mich, jedenfalls keine, die mir sinnvoll erschien. Vielleicht hatte ich da den Wahlomat nicht befragt, vielleicht wusste ich gar nicht, dass es ihn gibt (was mir heute nicht mehr passiert). Mindestens einmal habe ich den Grünen meine Stimme gegeben, und ich weiß, das ist lange her. Und es wird mir ganz sicher nicht mehr passieren.

Es gibt viele Gründe, warum das so ist. Winfried Kretschmann, grüner Ministerpräsident in Baden-Württemberg, zeigt wohl am deutlichsten, wie weit sich die Grünen von ihrem ursprünglichen Denken und Argumentieren entfernt haben. Robert Habeck kann bestenfalls und netterdings als Schwätzer durchgehen. Und was die zahlreich vorhandenen weiblichen Mitgliedenden angeht, so müssen sich nicht wenig schon ordentlich lang machen, um einigermaßen ansehnlich zu sein.

Aber das ist nicht das eigentliche Problem. Vielmehr reagierten die Hamburger Grünen auf die Idee der Witwe des Jan Fedder, weit über Hamburg hinaus bekannter Schauspieler und ein echtes Hamburger Original, die Flaniermeile an den Landungsbrücken nach ihm zu benennen, mit einer mehr als krausen Forderung, die schlicht und ergreifend nicht nur nicht akzeptabel, sondern einfach nur bodenloser Schwachsinn ist.

Der VDS-Infobrief vom 06.02.2021 vermeldet dazu:

Gender-Streit um Jan-Fedder-Promenade

Der Schauspieler Jan Fedder war ein Hamburger Original. Er starb 2019 , am Hamburger Hafen soll die Flaniermeile an der Landungsbrücke nach ihm benannt werden. Während zunächst der Vorschlag seiner Witwe begrüßt wurde, regt sich nun Widerstand. Nach dem Willen der Fraktion sollen künftig keine Straßen, Plätze oder Brücken mehr nach „cis-Männern“ benannt werden. So einer war Fedder, und das – so die Grünen in der Bezirksfraktion Hamburg-Mitte – würde das Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen bei der Benennung von Straßen und Plätzen verschärfen. Seit 1974 wurden in Hamburg 404 Verkehrsflächen nach Männern benannt, 162 nach Frauen. Die Grünen haben daher einen eigenen Antrag eingereicht: „Priorität sollen weibliche und diverse Benennungen haben. Ausnahmen für Männer wären aber möglich. Dann müsste aber ein besonderer Grund für die Ehrung eines Mannes vorliegen und zeitgleich eine Fläche nach einer Frau, einer inter, trans* oder non-binary Person benannt werden, heißt es im Antrag“, schreibt das Portal moin.de. In der Meldung des Abendblattes werden cis-Männer erwähnt. Wer an die Tongeschlechter denkt (cis-Moll, Cis-Dur), der irrt. Die Präfixe cis und trans (diesseits und jenseits) entdeckt man beispielsweise auf Reisen: die cisalpine und die transalpine Seite der Berge.

Dieses höchst zweifelhafte Kabinettstückchen jedenfalls ist für mich Anlass, die Grünen bei zukünftigen Wahlen nicht einmal mehr ansatzweise als wählbar in Betracht zu ziehen.

Die (übrigens sehr interessanten) Quellen: vds-ev.de, mopo.de, moin.de, abendblatt.de

Das Ende in uns

Es ist nah. Das Ende in uns. In uns allen. Manche hat es schon erreicht. Die Studierenden. Die Mitarbeitenden. Die Pflegenden. Die Siechenden. Die Mordenden. Die Stinkenden.

Und es hört nicht auf. Bürgerinnen und Bürger werden zu Bürgernden. Polizistinnen und Polizisten zu Polizistenden (mitunter auch zu Beamtenden oder im Jargon zu Bullenden und Polypenden). Politikerinnen und Politiker werden zu Politickenden (nur richtig mit ck, damit bei denen wenigstens eine Sache richtig tickt). Schülerinnen und Schüler werden zu Schulenden. Idiotinnen und Idioten sind dann Idiotende. Und …

Und selbst die Tierwelt bleibt nicht verschont: Sau und Eber werden Schweinende, Stute und Hengst Pferdende. Kuh und Stier werden Rindende, und selbst die Ochsen werden hinzugerechnet, ihr quasi drittes Geschlecht ignorierend. Ameisinnen und Ameisen werden Ameisende, Fröschinnen und Frösche zu Fröschenden.

Und wenn Vögelinnen und Vögel zu Vögelnden werden, ist es an der Zeit, über Schweinendereien nachzudenken.

Nur die Enten können es leicht nehmen, denn ihr Ende naht niemals, sind sie doch Entenden, mithin als einzige Lebensform in der Lage, sich zu ent-enden.

Und wir? Wir Deutschen? Wir sind mitsamt unserer misshandelten Sprache nur die Endenden.

Sprachschatz

Weltweit sterben nicht nur Tierarten aus – auch Sprachen sind unter Druck. Aus den unterschiedlichsten Gründen werden Minderheitssprachen und Dialekte unterdrückt, die Menschen, die es sprechen, sterben aus – und damit auch die Sprachen. Englisch plättet mit Anglizismen oder gleich als Amtssprache die lokale Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten. Das Ende naht …

Aber nicht gleich. Ich erinnere mich als ehemaliger Seher des DRS – das ist das Fernsehen der deutschen und rätoromanischen Schweiz – an die Quotensendungen fürs Rätoromanische (solche es auch im Radio gibt), bei denen mich eine mitten in Europa angesiedelte Sprache faszinierte, die zuerst völlig fremdartig klang und dann nach und nach neben den ganz eigenen Vokabeln die deutschen, italienischen und französischen Einflüsse offenlegte.

Das Lëtzebuergesch ist auch so eine ausgefallen klingende Sprache. Ich fand die Idee immer amüsant, dass diese Sprache, in Luxemburg gesprochen, der erfolglose Versuch eines Kölners sei, Französisch zu sprechen. Und nun hat ausgerechnet »der Streaminganbieter Netflix ein kleines, aber wichtiges sprachliches Zeichen gesetzt: Die Krimiserie ›Capitani‹, die von RTL gedreht und dann an Netflix gegeben wurde, ist nicht in den deutlich gängigeren europäischen Sprachen Französisch oder Deutsch entstanden, sondern auf Lëtzebuergesch, also Luxemburgisch, der Nationalsprache und einer der drei Amtssprachen des Landes. Obwohl es von rund der Hälfte der Bevölkerung gesprochen wird, fristet es immer noch ein Schattendasein. Gesetzestexte werden bis heute nicht auf Luxemburgisch verfasst, es ist auch keine Amtssprache der Europäischen Union. Umso erfreulicher, dass der Streamingriese Netflix sich hier dazu entschieden hat, das Original einer Serie in einer Sprache anzubieten, die eher ungewöhnlich für Ohren der EU-Bürger klingt. Da das Luxemburgische eine moselfränkische Form des Westmitteldeutschen ist, kann es sein, dass man es zumindest in Teilen versteht. Wer sein Gehör und Sprachverständnis testen will, kann bei den Netflix-Spracheinstellungen ins Luxemburgische wechseln.«

Ich kann übrigens aus eigenen Hörerfahrungen bestätigen, dass es für einen Normaldeutschen durchaus einfacher ist, Lëtzebuergesch zu verstehen, als dies beim Rätoromanischen gelingen dürfte. Vielleicht drehen die Rätoromanen ja auch einmal eine Serie in ihrer Sprache …

Quellen: VDS-Infobrief 27.02.2021, serienjunkies.de

Bald auch »Dummheit to go«?

Aschermittwoch ist nun schon ein paar Tage her, doch im aktuellen VDS-Infobrief vom 27.02.2021 wird auf eine besonders clevere Idee des Klerus Bezug genommen:

Da die Aschermittwochsgottesdienste zwar regional stattfinden konnten, die Besucherzahlen in diesen Seuchenzeiten jedoch limitiert waren, gab es einen Bedarf, den Gläubigen das Aschekreuz auf der Stirn auf anderem Wege zur Verfügung zu stellen. Und so erfand man die »Ash to go«, die man außerhalb von Kirchen an verschiedenen Orten »wortlos und ohne Berührung« empfangen konnte – »Asche zum Mitnehmen«.

Auch im VDS-Infobrief wird die Frage gestellt, warum die Idee den Namen »Ash to go« bekommen musste. Wäre »Asche zum Mitnehmen« so uneindeutig, so umständlich zu formulieren gewesen? Oder wollte man die bodenlose Blödheit der Idee an sich kaschieren, damit manch einer nicht gleich darauf kommt?

Vielleicht gibt es bald auch »Dummheit to go«. Schwierig wird es dann nur werden, einen Anglizismus dazu zu finden: »Stupidity to go« wird manchen Deutschen sicherlich überfordern. Oder wie wäre es mit »Stupi to go«? Wir haben ja immerhin auch das »Handy« zum internationalen Lacherfolg gebracht …

Quelle zur thematischen Vertiefung: hier.