Wenn ein Franke Theater macht

Wer Thomas Franke mal nicht als Bild- oder Textkünstler, sondern in seiner hochprofessionellen Eigenschaft als Theaterschauspieler erleben möchte, der gönne sich die Premiere seines Meta-Dialogs »Der Fall des Hauses Usher« am 23.09.2021 ab 20 Uhr im Horizont-Theater (Thürmchenswall 25, 50668 Köln). Details zur Premiere: hier. Der weitere Spielplan: hier.

Thomas Franke schreibt dazu: »Wir, die an der Erarbeitung des Stückes Beteiligten, dachten schon, dass es gar nicht mehr auf die Bühne gehen würde, aber nachdem nun bezüglich der Corona-Panik und den ständig wechselnden Verordnungen und mal geschlossenen, mal zum Teil wieder bespielten Theatern, ein wenig Ruhe eingetreten ist, werden wir wohl am kommenden Donnerstag, den 23. September, um 20.00 Uhr, nun endlich im Kölner Horizont-Theater die mittlerweile viermal verschobene Premiere des Monologstückes mit musikalischen Teilen »Der Fall des Hauses Usher« stattfinden lassen können.
Es ist ein wenig kurzfristig, dass ich diese Informations- und Einladungs-E-Mail schreibe, allerdings … die Corona-Panik … Wir, die ins Stück Integriertenden konnten uns nicht sicher sein, ob die im Mai dieses Jahres mit dem Theater abgesprochenen Aufführungstermine auch wirklich durchführbar sein würden, weswegen wir alle mit Informationen sehr zurückhaltend waren. Außerdem musste ich beinahe alle Arbeit nur mit Laura als Helferin erledigen: Ich war Regisseur, Schauspieler, Einleuchter, die Werbung dafür Treibender … Wir werden »Der Fall des Hauses Usher« selbstverständlich nicht nur am 23. September, sondern während der sich anschließenden Tage und Wochen öfter aufführen.

Abrechnung mit dem Papst

Der Pontifex von Karla Weigand
Fehnland Verlag, Mai 2021, 467 Seiten, Softcover
ISBN 978 3 96971 164
Rezension von Marianne Labisch

Der Roman spielt im Jahr 2039. Zum ersten Mal wird ein Afrikaner zum Papst gewählt. Dieser Mann kommt nach außen gut an, scheint eine nette Person zu sein, von der sich viele eine neue Ausrichtung der katholischen Kirche erwarten. Nur wenige kennen ihn wirklich und wissen, dass er von Hass zerfressen ist und einen Schwur abgelegt hat, sich an den Weißen zu rächen.
Einer seiner Vorfahren, der damals König in seinem Land war, wurde von den Kolonialmächten ermordet, woraufhin seine Frau das Heil in der Flucht suchte und in einem Kloster Unterschlupf fand. Von Generation zu Generation wurde der Hass auf die Besatzer mit dem Versprechen weitergegeben, Rache zu üben.

Der neue Papst zieht mit seiner vermeintlichen Schwester und Nichte in den Vatikan ein, was Anlass zu Gerüchten gibt, die nicht unbegründet sind, denn die angebliche Schwester ist seit langen Jahren seine Geliebte. Da ein gewählter Papst nicht mal eben so einfach wieder abgesetzt werden kann, der Papst sich im besten Alter befindet und kerngesund ist, arrangieren sich die Kritiker mit ihm und so manch ein ursprünglicher Gegner fühlt sich gebauchpinselt, wenn er zum Essen beim Papst eingeladen wird.
Obwohl er in seiner Antrittsrede kein Geheimnis daraus macht, dass er sich eine härtere Gangart wünscht, zu harter Konfrontation, zum Kampf für die Kirche auf Blut und Leben aufruft, scheint niemand diese Aussagen für ernst zu nehmen. Großzügig sieht alle Welt darüber hinweg, was ich für ausgesprochen unwahrscheinlich halte. Ich denke, bei solch einer Antrittsrede hätte es 1000 Nachfragen gegeben. Allerdings wäre die Kirche wahrscheinlich nicht um beschwichtigende Antworten verlegen gewesen.
Der Papst, der sich Leo nennt und schnell den Spitznamen Leo Africanus weg hat, sucht sich Verbündete, die Anschläge ausüben sollen, die man den Islamisten in die Schuhe schieben will. Er findet diese Verbündeten und diese Mitstreiter bilden junge katholische Männer zu Selbstmordattentätern aus.
Seine Geliebte, die Schwester Monique, eine Nonne, bemerkt, dass Leo ihr immer fremder wird, weiß aber nicht, wem sie sich anvertrauen kann und so finden die ersten Attentate statt, die neue Kreuzzüge auslösen sollen.
Als Monique endlich erkennt, dass ihr geliebter Papst geisteskrank ist, entschließt sie sich, ihn zu ermorden. Allerdings kommt ihr der Hausarzt zuvor. Um an ihren Geliebten zu erinnern, aber auch, um seine Machenschaften öffentlich zu machen, will sie ihre Memoiren schreiben und findet schnell einen Verlag, der sie herausgeben wird. Die Kirche kann nicht zulassen, dass die Pläne des toten Papstes an die Öffentlichkeit gelangen, und heuert einen Mörder an, der Monique aus dem Weg schaffen soll. Das Attentat gelingt. Doch auch der Mörder stirbt. So kann schön alles beim Alten bleiben.

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Sittlicher Nachtrag

Marianne Labisch hat Jörg Weigands Buch rezensiert. Ich darf die Rezension hier veröffentlichen. Ein Gastbeitrag, für den ich mich herzlich bedanke:

Zwischen Gesellschaftsroman und Pornografie – Jörg Weigand
Dieter von Reeken, Lüneburg, April 2021, 209 Seiten
ISBN 978 3 945807-59-0

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es Leihbücher, die für wenige Pfennige ausgeliehen wurden und sich großer Beliebtheit erfreuten. Im Prinzip liefen dort die Themen, die auch in Heftromanen gut ankamen: Arztromane, Liebesromane, Adelsromane, Abenteuerromane, Western, und Sittenromane.
In den Sittenromanen ging es oft freizügiger zu, als es zu jenen Zeiten gestattet war. Deshalb kamen etliche dieser Sittenromane auf die Liste jugendgefährdender Schriften.
Jörg Weigand, ausgewiesener Fachmann wenn es um Leihbücher geht, präsentiert uns in diesem Buch, wie in der Bundesprüfstelle gearbeitet wurde und belegt das mit Originaldokumenten. Er zitiert aus Begründungen ebenso wie aus den Originalromanen und weist darauf hin, dass es oft nicht um pornografische Stellen ging, die nebenbei bemerkt  aus heutiger Sicht eher harmlos daher kamen, sondern dass oft kritisiert wurde, wenn einer der Autoren, die Obrigkeit »verunglimpfte«, oder ehrlicher gesagt, hinter die Fassaden blickte.
Ich kannte das Phänomen Leihbuch nicht und fand dieses Sachbuch von Jörg Weigand so spannend wie einen Roman. Er versteht es den Leser zu fesseln.
Die reichhaltigen Cover versetzten mich in die Zeit zurück, in der diese Leihbücher entstanden.
Wer noch nie von Leihbüchern gehört hat oder wer sich intensiver mit diesem Phänomen beschäftigen möchte, ist mit »Zwischen Gesellschaftsroman und Pornografie« wirklich gut bedient.

 

Sittlichkeit nach ’45

Die Zeit nach 1945 war eine besondere Zeit. Ich habe sie nicht erlebt, lese aber gerade Rainer Eisfelds »Als Teenager träumten«, in dem er sich die »magischen 50er« vorgenommen hat, die ja auch noch unter den gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten des Dritten Reichs und sicherlich auch der Zeit davor standen. Dass ich hier Jörg Weigands Buch »Zwischen Gesellschaftsroman und Pornografie« erwähne, hat zwei Gründe: Zum einen mag ich seinen Verleger Dieter von Reeken und sein Verlagsprogramm, das ich für sehr bedeutend und sehr wichtig halte – vor allem auch im Hinblick auf Science-Fiction und Fantastik –, zum andern mag ich Jörg Weigand, der mich bei meiner eigenen Verlagsarbeit mit einem reichhaltigen Fundus an Ideen versorgt und in unseren zahlreichen Telefonaten immer ein Highlight des Tages liefert. Sein Buch kenne ich selbst noch nicht, aber das wird sich noch ändern.

Details zum Buch finden sich natürlich auch bei Dieter von Reeken auf seiner Verlagsseite: hier.

Die vierte Ausgabe COZMIC ist im Kommen

COZMIC hat keine eigene Website, nur eine Unterseite beim EXODUS-Magazin (von einer eventuellen Fehlermeldung beim Aufruf nicht beeindrucken lassen, einfach auffrischen, dann geht es). Mehr Infos bekommt man bei Facebook und Twitter zu lesen. Oder man legt sich gleich das aktuelle Heft (und die Vorgänger!) zu. Für Comicfans ein Muss – für solche, die es werden wollen, auch.

Endlich steht es fest

Lange hat sie gebibbert, Gabriele Behrend, eine meiner allerliebsten Autorinnen in meinem Verlag. Ihr »Salzgras & Lavendel« hat beim Kurd-Laßwitz-Preis 2021 den dritten Platz belegt, und so war die Hoffnung nicht zu unrecht groß, dass es beim Deutschen Science-Fiction-Preis (DSFP) 2021 klappen könnte. Indes …
Die Ergebnisse sind bekannt gegeben; man findet sie hier.
Und es hat nur zum zweiten Platz gereicht. Immerhin – für ein Romandebüt ist das nicht schlecht, und schaut man sich die Konkurrenz an – Peterson, Dittert, Kling, van den Boom u. a. m. –, dann kann sie durchaus zufrieden und erfreut sein.

Bis sie erfährt, dass ausgerechnet ich nicht unschuldig daran bin, dass sie nicht den ersten Platz belegt hat. Denn ich musste ja unbedingt dem SFCD auf ganzer Front den Rücken kehren – inklusive dem DSFP-Preiskomitee. Wäre ich geblieben, hätte mein Voting ihren Sieg bedeutet. Und hätte Peter »Pappnase« P., der ihr Buch überhaupt erst nominiert hat, nicht verschnarcht, sein Voting abzugeben (wie man mir berichtete), dann vermutlich auch.
Vielleicht spendiere ich Gabriele eine Bogenzielscheibe mit meinem Konterfei, an dem sie sich austoben kann. Verdient hätte ich es.

Ich gratuliere Gabriele Behrend jedenfalls zu ihrem zweiten Platz. Den Gartenführer »Die Sprache der Blumen« auf Platz 1 kenne ich nicht, insofern ist sie für mich die Siegerin.

Behrend, Gabriele, Salzgras & Lavendel

NOVA 30 – das Jubiläum

Sonntag, Jubeltag

An einem Sonntag Geburtstag zu haben, ist nicht unpraktisch. Man kann schön reinfeiern, hat die wilde Party größtenteils schon hinter sich und kann den Jubeltag entspannt angehen. Selbst in Seuchenzeiten.
Heute hat es eine Autorin geschafft, nicht nur an einem Sonntag ihren Geburtstag zu feiern, sondern auch noch einen ganz besonderen – den siebzigsten.
Persönlich kenne ich sie noch nicht. Der bisherige Kontakt fand per E-Mail statt und gestaltete sich angenehm und unkompliziert. Letztens hatte ich sogar Gelegenheit, mit ihr zu telefonieren – und war von einer höchst jugendlichen, gar nicht zu richtig zu einem siebzigsten Geburtstag passen wollenden Stimme angenehm überrascht.
Ja, heute ist Geburtstag, und ich sage (und schreibe):

Herzlichen Glückwunsch,
Monika Niehaus!

Schorm, Rainer, Weigand, Jörg & Karla (Hrsg.), Die Autorin am Rande des Universums

Vage Erinnerungen

Ich erinnere mich vage daran, dass Marianne Labisch die Geschichte aufgeschrieben hat, wie dieser Episodenroman, diese »Residenz in den Highlands« zustande gekommen ist. Ich finde den Text oder Link nicht mehr, erinnere mich nicht. Nicht mal vage. Es ging um ein Zerwürfnis und eine Trennung zweier Herausgeber, woraus zwei thematisch nicht unähnliche Projekte resultierten. Unser Projekt spielt in einer Residenz in den Highlands, das andere in einem Sanatorium sonst wo. Ich erinnere mich nicht genau.

Deutlich weniger vage erinnere ich mich an die einzelnen Episoden in diesem Roman. Die Lektüre im Rahmen meiner Layoutvorbereitungsarbeiten und während der nachfolgenden Fahnenkorrektur liegt noch nicht lange zurück. Aber selbst dann wären mir einige der Geschichten stark in Erinnerung geblieben. Während ich manchmal dazu neige, Geschichten im Rahmen dieser Layoutvorbereitungsarbeiten nur oberflächlich zu lesen und mich auf die Anmerkungen und Markierungen meines Duden Korrektors zu verlassen, habe ich diese Geschichten intensiv gelesen, was mich dann immer ein wenig irritiert, weil ich hinterher vermute, die Lektüre so intensiv genossen zu haben, dass ich eventuelle Fehler übersehen haben könnte. Man kann sich auch als Multitasker nicht auf alles gleichzeitig konzentrieren.

Bei der Lektüre ließen mich manche Geschichten und der Episodenroman insgesamt annehmen, dass er 2022 auf der Shortlist irgendeines fantastischen Literaturpreises landen müsste. Vermutlich wird er das nicht tun. Episodenromane haben gerne das Problem, dass die Leser das Konzept nicht verstehen. Sie verstehen den Romancharakter nicht, weil zu viele verschiedene Autoren daran beteiligt sind; und sie finden die Kurzgeschichten – die es tatsächlich eben nicht gibt – nicht gut, weil sie sich zu ähnlich sind. Irgendeinen – notfalls auch anderen – Grund findet sich immer, einen Episodenroman schlechter zu bewerten, als einen x-ten Teil eines Schwartenzyklus. Nun ja, gut, das ist jetzt gehässig. Möglicherweise. Ich werde überlegen, ob ich mich irgendwann vage daran erinnern sollte, dass das so sein könnte. Gehässig.

Labisch, Marianne & Scherm, Gerd (Hrsg.), DIE RESIDENZ IN DEN HIGHLANDS