Lieblingstanz

Es gab mal eine Zeit, da tanzte ich. Nicht nur anderen Leuten auf der Nase herum. Sondern richtig. Auf der Tanzfläche. Aber das ist länger her. Dank eines nicht immer zu unterschätzenden Rückenproblems – ein Arzt sprach schon von Arthritis – ist das heute kein Vergnügen mehr.

Aber Tanz ist ja nicht nur die Bewegung auf dem glatten Boden, sondern auch die Musik. Und eine Musik, die ich auch ohne das geschwungene Bein schon immer mochte, ist der Walzer. Der richtige, der Wiener, der Strauss-Walzer. Der Kaiserwalzer, die schöne blaue Donau, das Wiener Blut.

Und so war es mein naheliegender Wunsch, die von Ellen Norten zur Show verpflichteten Aliens Walzer tanzen zu lassen. Ellen begleitete die Idee und zahlreiche Autoren machten mit. Mit Geschichten, die nicht nur aus einem »heiteren Universum« berichten, sondern die auch in der Tat eine Verbindung zwischen Alien und Walzer herzustellen in der Lage waren und sind.

Für einen Walzer-Fan wie mich ist das eine höchst gelungene Anthologie geworden. Und das nicht nur, weil ich der Verleger des Buches bin. Gerade deswegen nicht.

Norten, Ellen (Hrsg.), DAS ALIEN TANZT WALZER

Gemächlich, der Tag

Am Morgen scannte ich die am Vortag sortierten privaten Dokumente. Dabei fiel mir eine Lebensversicherung in die Finger, an die ich nicht mehr gedacht habe.

Ich testete eine im Juni gekaufte Dokumentenkamera vom Typ Optoma DC554. Zum wiederholten Male. Und zum wiederholten Male funktionierte sie nicht. Ich schrieb eine Reklamation:

  1. Die Fernbedienung funktioniert nicht. Trotz Wechsel auf definitiv nagelneue Batterien reagiert das Gerät nur dann auf die Fernbedienung, wenn man sie direkt und nicht weiter als 3 cm entfernt vor den Sensor hält, der sinnigerweise auf der Rückseite des Geräts direkt neben dem Stecker für das Netzgerät angebracht ist.
  2. Die Tasten »Playback« und »Menü« auf dem Gerät haben keinen erkennbaren Effekt; das Menü ist nicht erreichbar, Einstellungen können dort nicht vorgenommen werden.
  3. Das Bild lässt sich nicht vernünftig auf Standardformate einrichten, z. B. auf DIN A4. Das Objektiv ist beim Format A4 unter anderem so weit von der Vorlage entfernt, dass Probleme gem. Punkt 4. entstehen:
  4. Aufnahmen aller Vorlagen, vor allem aber von DIN-A4-Seiten sind grundsätzlich verzerrt, d. h., gewölbt. Das führt zu Unschärfen an den Außenrändern der Vorlage (jeweils ein Drittel links und rechts, die Mitte ist auch nur leidlich scharf). Das Problem lässt sich nicht beheben.

Fazit: Bedauerlicherweise ist die Kamera nicht geeignet, Dokumente in einwandfreier und langfristig nutzbarer Qualität zu fotografieren, vor allem auch nicht in größeren Stückzahlen. Das Filmen von Videos ist nicht beabsichtigt.

Und verpackte das Stück versandfertig. Benutzen kann ich sie ja sowieso nicht.

Dann musste ich eine Software reklamieren, die ich erstanden hatte. Ein Paket Adobe CS6. Ältere Version, klar, aber die enthaltene InDesign-Version hätte für meine Zwecke gereicht. Die Seriennummern erwiesen sich allesamt als ungültig, und auch in einer virtuellen Maschine ohne jede Verbindung zur Außenwelt (virtuelle Netzwerkkarte deaktiviert) stellte die Software nach 7 Tagen den Dienst ein.

Die Lebensversicherung wurde einer Prüfung unterzogen und zum Verkauf freigegeben. Angebote wurden angefragt, es wird sich zeigen, ob sie sich verkaufen lässt. Es ist eine ehemalige Direktversicherung, eine berufliche Altersversorgung, längst beitragsfrei, aber manche Anbieter wollen sie partout nicht haben, andere äußern sich diffus und ungenau. Kündigen kann ich sie am Ende immer noch. Es macht einen Unterschied, jetzt eine fünfstellige Summe zur Verfügung zu haben oder ab 2024 monatlich knapp 90 Euro.

Der mittägliche Gassigang war herrlich. Länger als ursprünglich geplant – einfach anders abgebogen – und praktisch ohne Autoverkehr. Doch – ein Traktor, ein Pkw, beide Raser, wie üblich. Aber sonst war es sonntäglich still. Und sonnig, wenn auch kühl.

Mein Autohaus bekam eine E-Mail. Der Passat und der Skoda Roomster brauchen Service für Kleinigkeiten. Winterreifen aufziehen bzw. kaufen, eine Inspektion für den Roomster. Ich schreibe gerne auf, was ich will und lasse mich dann von einem schreibfaulen Servicemitarbeiter anrufen. Spart Zeit und Mühen, spart auch Korrekturen von Fehlern, weil man nicht an alles gedacht hat.

Ich habe eine Leviadecke bestellt. Irgendwo gab’s einen Gutschein. 12 % auf den Kaufpreis. 175 statt 199 Euro. Die Leviadecke wiegt 9 kg, hat eine Glaskugelfüllung und soll die Schlafqualität verbessern. Nachdem ich mit meiner 0815-Normaldecke unzufrieden bin, will ich das mal ausprobieren. Es gibt auch 3-von-5-Sterne-Bewertungen, lustigerweise einige mit dem Tenor »zu warm« und andere mit dem Tenor »zu kalt«. Ich bin gespannt. (Wer schauen will: www.leviadecke.de.)

Zum Abschluss des Tages konnte ich die Fahnenkorrektur für »Das Alien tanzt Walzer«, die von Ellen Norten herausgegebene Anthologie, beenden. Morgen komme ich vielleicht dazu, den Rest zu erledigen. Mal sehen.

Gemächlich war der Tag, wenn auch nicht langweilig. Ich bin zufrieden mit dem Geleisteten, und das macht den Tag besonders. Schön.

Noch nicht zu spät

Mein Autor Dieter Rieken – »Land unter« ist sein Buch – ist heute ab 17.30 Uhr zur Lesung im Augsburger Klimacamp:

Dieter schreibt:

Am Samstag, den 10.10., bin ich ins Augsburger Klimacamp eingeladen, um aus meinen Roman »Land unter« zu lesen. Die Lesung ist öffentlich. Wer Interesse hat, ist herzlich eingeladen.
Das habe ich heute auf Facebook gepostet – und ein Foto dazu.
Warum nicht? Sind junge Klimaaktivisten (Fridays for Future), die dort dann 100 Tage ausharren. Vorher läuft eine Diskussionsrunde mit Stadtratsmitgliedern, nach mir spricht ein Anti-AKW-Veteran. (Das bin ich im Grunde auch, aber das nur nebenbei).
Vielleicht verirrt sich ja noch jemand dahin. Das Besondere ist der Standort neben dem Rathaus. Dazu gibt’s im Netz zig Berichte und einige Filme, falls es dich interessiert.

Interessiert mich. Und die vier Leser meines Blogs sicherlich auch.

 

Wenn KDP Korinthen kackt

KDP versus Arkadia

Ich arbeite ja nicht mehr direkt mit KDP, weil mir deren sogenannte »Techniker« – eine Sorte Knöpfchendrücker und Textbausteinschubsern, die es vermutlich nicht mal schaffen, den Deckel von der Schüssel anzuheben, bevor … naja … –, aber eine wirkliche Rettung vor deren Dummheiten ist auch die Wahl von Bookwire als Partner nicht. Und eigentlich hätte ich bei Bernhard Kempens »Arkadia« mit dem Titelbild als Problemursache gerechnet:

Das Problem äußerte sich so, dass zwar – wie üblich – gleich nach dem Einstellen des E-Books dieses auch über Amazon zu beziehen war, das Paperback jedoch zwar erwähnt, jedoch unbepreist als nicht verfügbar bezeichnet wurde. Man wisse auch nicht, ob und wann es verfügbar sein würde. Es war leicht zu erkennen, dass hier ein Problem seitens Amazon – bzw. KDP, dem Print-on-Demand-Ableger des Vereins – vorliegen musste.
Der Kontakt mit Bookwire, meinem Partner, ergab dann in der Tat, dass das Problem nicht das Titelbild, sondern die Karte war, die am Buchende zu finden ist:

Bookwire teilte mit:

(…) ja, der Titel hat einen Fehler. Es geht um die Seite 159, und zwar um die Beschriftung in der Grafik, dort steht der Text zu nah am Rand.

Zum Bund hin muss ein Rand zum Text von 12,7 mm eingehalten werden (bei einer Seitenzahl von 150–300). Zu den äußeren Seiten hin muss ein Abstand von 6,35 mm eingehalten werden (die Beschnittzugabe zählt da nicht mit rein). (…). Wir haben nachgemessen:

Die drei gemessenen Stellen sind die problembehafteten. Die am linken Rand müssten weiter reingeschoben werden, »Nordpolarmeer« könnte knapp noch passen (12,47 mm Abstand), würden wir aber sicherheitshalber aber auch noch leicht schieben.
Und der Text am rechten Rand muss auch weiter reingeschoben werden (hat circa 2,54 mm, braucht mindestens 6,35 mm).

Am lustigsten sind immer die Ausreden von KDP bzw. Amazon, warum die sogenannten »Techniker« von Tuten und Blasen keine Ahnung haben (und offensichtlich auch die Leute, die die Digitaldruckmaschinen bedienen, schon Schwierigkeiten mit der Kaffeemaschine im Pausenraum haben dürften):

Amazon möchte so vermeiden, dass Inhalte unlesbar sind und der Kunde das Buch aus Qualitätsmängelgründen zurückschickt. Es gibt da leider auch nichts zu diskutieren mit Amazon, das muss behoben werden, sonst drucken sie es nicht. Wenn Sie nicht korrigieren möchten, empfehlen wir einen Takedown bei Amazon, dann hat man noch die Chance, dass es über KNV verfügbar wird bei Amazon.

Über den Autor habe ich Kontakt mit der Künstlerin der Karte – Maria Wohnig – aufgenommen, und die hat schnell gearbeitet:

Der korrigierte Buchblock ist bereits eingestellt, und nun wird sich zeigen, ob KDP immer noch etwas zu meckern hat. Ich bin sicher, dass die wieder eine Ameise finden, die sie ficken können.

BTW: Das Buch ist im Amazon Marketplace verfügbar: Hugendubel, Storisende und Die Bücherschwester bieten an, marketplace-üblich leider mit Zuschlag. Aber immerhin.

Wir bleiben am Ball und ermitteln weiterhin in alle Richtungen.

08.10., Nachtrag

Die technischen Möglichkeiten eines Blogs würden erlauben, diesen Beitrag so einzustellen, als wäre er am 08.10. geschrieben und veröffentlicht worden. Und diejenigen regelmäßigen Besucher – ich tippe derzeit auf vier solche – würden sich Gedanken machen müssen, ob sie unter Sehstörungen, Vergesslichkeit oder Demenz leiden. Oder ob ich sie gelinkt habe.
Nichts dergleichen habe ich im Sinn.

Der gestrige Tag war vor allem feucht. Die beiden Gassigänge – frühmorgens ging Frauchen – mittags und nachmittags waren regnerisch.

Ansonsten gab es Routine. Morgens verkaufte ich – wie eigentlich jeden Tag – Bücher meines Verlages: Rechnungen und Lieferscheine schreiben, an den Schaltungsdienst Lange mailen, Eintragungen in Excel, Kopien in Verzeichnisse, Ausdrucke. Routine. – –
Ein Korrektorat wurde fertiggestellt, gemailt, Rechnung geschrieben. Ein Roman nach wahren Ereignissen, allerdings in Romanform verfasst, literarische Aufbereitung wahrer Geschehnisse, vor allem Erinnerungen, denn es ging um die Zeit des Zweiten Weltkriegs, um eine Familie in Ostfriesland. Beeindruckend und stellenweise bedrückend. Ganz zum Schluss gab es eine kleine Szene, bei der mir eine Träne entfleuchte. – –
Danach stellte ich ein Lektorat fertig. Einmal mehr Military SF, geschrieben von einer bekannten Autorin. Bei Military SF weiß ich manchmal nicht so recht, was ich davon halten soll, was allerdings nichts mit Stil und Können der Autorin zu tun hat (was auch für Petra Jörns gilt, deren ersten Band der Reihe »Im Licht der Horen« ich lektorieren durfte), sondern mit mir. Das aktuelle Buch, das ich gestern fertigstellte und ablieferte, ist gut geschrieben, spannend, eine packende Handlung, ich würde sagen: gute Military SF. Trotzdem … an manchen Stellen überlegte ich, ob ich den Stil nicht … aufgeblasen ist das falsche, weil negative Wort … gewölbt passt besser …, also, ob ich den Text nicht gewölbt finden sollte. Andererseits … vielleicht muss Military SF ja auch so sein und ich habe einfach noch nicht genug solcher Stoffe goutiert, um das wirklich beurteilen zu können. – –
Am Ende habe ich Unterlagen sortiert. Private Unterlagen. Rechnungen, Verträge, Papier, das ich vielleicht nochmal brauche. Wahrscheinlich eher nicht. Aber ganz sicher brauche ich die Unterlagen noch, die ich nicht aufhebe. Obwohl ich Verleger mit einem Faible für gedruckte Bücher bin, hasse ich Papier. Jedenfalls, wenn es unnötigen Platz wegnimmt. Also werden meine Unterlagen mehr oder weniger regelmäßig – d. h., zuletzt 2017 – gescannt. Und das Papier dann geschreddert.
Vorher wird ausgewählt. Was kann doch ohne Scan weg? Die Unterlagen werden in die richtige Reihenfolge – nach Datum, natürlich – gebracht, das erspart späteres Rumsortieren im PDF.
Für Scans war indes keine Zeit.

Denn ab 18 Uhr war eine virtuelle Sitzung des SFCD-Vorstands angesagt. Beinahe gewohnheitsmäßig nur mit drei Leuten. Ein Vierter kandidiert bei den nächsten Wahlen nicht mehr und hat wohl schon gekündigt. Ein Fünfter hat sich wählen lassen, aber noch nie was getan. Und der Sechste kann mich nicht leiden (auch ein guter Grund).
In früheren Jahren waren Vorstandstreffen so was wie richtige Ereignisse. Man traf sich irgendwo in Deutschland. Aber das ist lange her. Heute benutzen wir Skype bzw. ganz aktuell Blizz, und das einmal im Monat.
Gestern gab es nichts Wichtiges zu diskutieren. Ich hatte schlechte Nachrichten bezüglich der Verzögerung bei den ANDROMEDA NACHRICHTEN 271, ansonsten sprachen wir ausführlich über die Idee, Anfang Januar 2021 einen virtuellen Con zu veranstalten. Angepeilt haben wir den 08. und 09. Januar, jeweils für anderthalb bis zwei Stunden. Aber da folgen noch genaue Informationen, vor allem zum Programm.

Schweinehund

Da dräut am Horizont ein Lektorat, das ich aber vermutlich nicht bekommen werde. Heute sollte der Auftrag vergeben werden, aber bislang ist noch nichts gekommen. Es ist 19.22 Uhr.

Eine Anfrage für ein Korrektorat habe ich positiv beantwortet. Eine Woche Zeit für die Arbeit. Mit links. Der Text ist noch nicht da. Kommt vermutlich morgen früh.

Derweil habe ich meinen inneren Schweinehund überwunden und meinen Rekord nicht noch weiter ausgedehnt: Der Redaktionsschluss für die ANDROMEDA NACHRICHTEN 271 ist morgen drei Wochen her – und ich habe heute endlich mit den Textvorbereitungsarbeiten begonnen. Es könnte diesmal eine dünnere Nummer werden, jedenfalls sieht es ein wenig danach aus. Aber das hat mich auch früher schon das eine oder andere Mal getäuscht. Immerhin zeige ich hier erstmalig das Titelbild – von Lothar Bauer, der nicht nur genial, sondern immer hilfsbereit ist, wenn man nach einem Titelbildmotiv sucht.

Auch Erinnerungen

Tiny Stricker kenne ich eigentlich sehr lange. Als ich in den Achtzigern des vorigen Jahrhunderts – wow, hört sich gut an! – für den Maro-Verlag Texte abtippte, waren auch Werke von ihm dabei. Damals schon lieferte er handgeschriebene Manuskripte ab, und noch heute benutzt er zum Schreiben neuer Werke keinen Computer, sondern einen Kugelschreiber. Welches die ersten Bücher von ihm waren, die ich abtippte, weiß ich nicht mehr. »Soultime« und »Spaghetti Junction« gehörten vielleicht dazu. Vielleicht auch »Trip Generation«, das Maro 2014 neu auflegte. Es spielt auch keine Rolle.

Irgendwann hatte ich Gelegenheit, das erste Buch von ihm im eigenen Verlag zu veröffentlichen: »Vom Gehen in griechischen Städten«. Das Werk erschien zunächst in der längst eingestellten Reihe »ErlebnisWelten« und später dann in einer Neuausgabe als Band 5 der Werkausgabe. Wie wir auf die Idee kamen, weiß ich auch nicht mehr. Es ergab sich so, diskutiert während eines Treffens in einem Münchner Restaurant.

»U-Bahn-Reiter« ist das zweite Buch, dessen Erscheinen wir nicht mehr mit einem Treffen feiern können; schon beim »Spieler im Park«, das im Mai 2019 erschien, war ich mit meinem Verlag nicht mehr in Bayern, sondern hier, in der Nähe von Husum in Nordfriesland, weit weg von den Bergen, die er liebt und die ich nicht (mehr) mag. Und ob wir jemals noch Gelegenheit zu einem persönlichen Treffen haben werden, steht in den Sternen. Immerhin ist sicher, dass die Werkausgabe peu à peu vervollständig werden wird. Die noch fehlenden Bände 1 bis 4 und der Band 6 – den mir weiland Maro vor der Nase wegschnappte – erscheinen nach meiner Planung 2021, Band 6 vermutlich erst 2022. Das mündliche Okay von Benno Käsmayr liegt vor; einer der besten und genialsten Kleinverleger Deutschlands unterstützt das Werkausgabenprojekt.

Keine Etikettenfrage

Es stand außer Zweifel, dass ich dieses Buch veröffentlichen würde. Nicht nur, weil es von Gabriele Behrend verfasst wurde. Aber auch deshalb, natürlich. Nein, der Hauptgrund war die Geschichte, eine sehr außergewöhnliche Geschichte, die viel mit Menschen und ihrer vielfältigen Psyche zu tun hat, die auch ein eindeutiges Science-Fiction-Element nicht nur enthält, sondern quasi als Treibmittel verwendet: die Technik, die unterschiedlichen charakterlichen Aspekte eines Menschen eindeutig zu definieren und zu unterschiedlichen Gruppen zusammenzufassen, um dem Menschen an sich die Möglichkeit zu geben, sich und sein Verhalten in den unterschiedlichsten Lebenssituationen optimal zu kontrollieren und zu gestalten. Diese Technik ist Science-Fiction, ganz eindeutig, und sie ist sogar mindestens zwei oder drei einschlägigen SF-Filmen angelehnt – nein, nicht geklaut, nicht abkopiert, aber es gibt Ähnlichkeiten, die unübersehbar sind. Das Produkt, das diese Technik erzeugt, ist jedoch neu. Gabriele Behrends Geschichte ist SF.

Das Problem für mich war das Label. Was heute auf dem SF-Rezensionssektor abgeht, verträgt eine Kuh nicht mal mehr als simples Leder. Bücher werden nicht mehr als Werk an sich gesehen, sondern zerlegt und dann häppchenweise durch den Schredder gedrückt, bis am Ende nur noch ein Matschfazit übrig bleibt. »Salzgras & Lavendel« war mir zu schade, um als Opfer von klischeeorientierten SF-Pseudofachleuten zu enden, und so war für mich früh klar, dass das Label nur meine Reihe »Außer der Reihe« sein konnte. Hier bekommt ein SF-Buch die Chance, auch von Leuten gelesen zu werden, die sich dank der Politik großer Verlage und der Kritik kleiner Geister vom Begriff »Science-Fiction« eher abgestoßen fühlen, weil sie inzwischen schon gar nicht mehr wissen, dass SF auch anderes umfasst, als Schlachten, Raumschiffe, Aliens, Thrill und Action. Wer freilich meint, dass Letzteres SF ausmacht, der sollte von diesem Buch die Finger lassen; es bestünde die Gefahr, neue Erkenntnisse über SF und Vorurteile zu gewinnen.

Widerstand ist zwecklos

Es gibt scheinbar keinen Zusammenhang zwischen diesem Werbeslogan für Sheba-Katzenfutter und den Bilderbüchern von Gabriele Behrend, die ich verlege. Oder vielleicht doch. Auch bei Gabis Büchern ist irgendwie jeder Widerstand zwecklos. Jedenfalls bei den Bilderbüchern.
Die Zielgruppe ist irgendwie unklar. Die Inhalte laufen nicht immer rund, wenn man dem einen oder anderen Kritiker glaubt (aber er glaubt denen schon?). Irgendeinen Meckerpunkt findet irgendjemand immer. Das liegt daran, dass dieser Irgendjemand Gabi nicht kennt.
Ich kenne sie hinreichend gut, um nicht nur ihre SF-Geschichten zu veröffentlichen, sondern eben auch diese Bilderbücher. Ich finde sie knuffig, die Texte nudelig, sie in die Hand zu nehmen, hat etwas Nettes, Samtiges, etwas Anrührendes. Es mag sein, dass die Bilderbücher nur vermeintlich auch Kinderbücher sind. Vielleicht sind sie es wirklich nicht. Aber das erscheint mir irgendwie … unerheblich.

Ich bin Kleinverleger. Ich kann es mir leisten, Dinge zu tun, die ich tun möchte. Ich kann es mir leisten, Bücher zu veröffentlichen, weil sie mir gefallen. Wenn anderen Menschen solche Bücher nicht gefallen, sollten diese Menschen sich vielleicht mal Gedanken machen, warum ihnen so viele Dinge nicht gefallen – und warum es so wenige Dinge gibt, die sie mögen. Einfach so.
Ich jedenfalls weiß, was ich mag. Gabis Bücher zum Beispiel.

Kontroversi

Bislang hatte p.machinery nur einen Skandaltitel vorzuweisen. Nein, eigentlich zwei, wenn man das Titelbild von NOVA 29 mitrechnet (siehe hier und ab hier). Mit dem Skandaltitel ist »Inzucht und die denkbare Gesellschaft«, der als STORY CENTER 2010 im November 2010 erschienen ist – dank der Unterstützung von Armin Würfl und seiner Passauer Druckerei. Denn obwohl ich damals eigentlich Kunde und Partner von Books on Demand, Norderstedt, war, musste ich das Buch anderweitig drucken lassen, weil BoD die Produktion mit Hinweis auf den Inhalt des Buches ablehnte; wohlwissend, alleine nach dem Titel geurteilt zu haben, denn hätte man sich den Inhalt wirklich angesehen, hätte man festgestellt, dass die Storys allesamt frei von jeglicher Beanstandung – sieht man vielleicht von eventuellen qualitativen Gesichtspunkten ab – waren.

Nun hat p.machinery nachgelegt und den ersten Titel einer geplanten Reihe (Band 3 ist im Lektorat und Band 4 in Arbeit beim Schriftsteller, wie man hört) veröffentlicht, die es sprichwörtlich in sich hat. Entsprechend kontrovers sind auch erste Rezensionen ausgefallen, z. B. die von Judith Madera auf Literatopia. (Und auf die »Kritiken« im DSFP-Komitee gehe ich hier mal nicht ein, die sind ja nicht öffentlich.)
Auf die Literatopia-Kritik reagierte der Autor cool: »Natürlich wimmelt es in meiner Geschichte von Widersprüchlichkeiten – das fängt ja schon auf der Erzählebene an, wenn Adrian sich ständig selbst widerspricht. Natürlich sieht er zunächst überall nur Klischees, die aber sogleich wieder gebrochen werden. Menschen und Gesellschaften sind in sich widersprüchlich – genau das möchte ich mit diesem Buch bloßstellen. Welcher Standpunkt richtig oder falsch ist – oder ob die ›Wahrheit‹ eine ganz andere ist –, möge sich jeder selbst überlegen.«
Immerhin gibt es auch andere Reaktionen auf das Buch, das trotz seines Inhalts wohl keine Altersfreigabe nach FSK benötigt oder gar Gefahr läuft, auf dem Index zu landen (da finden sich heute an jedem Kiosk und für alle Altersgruppen zugänglich »schärfere« Objekte). Carsten Kuhr zum Beispiel hat sich auf Phantastik News deutlich positiver geäußert.

Ärgerlich für mich ist, dass hier nach »Land unter« von Dieter Rieken einmal mehr ein Titel auseinandergenommen wird, statt als Werk betrachtet zu werden. Natürlich gibt es in jedem Buch Aspekte, die man negativ kritisieren kann, aber im Fazit sollte auch aufscheinen, dass man das Gesamtkunstwerk als solches wenigstens erkannt hat.
Andererseits kann es mir auch gleichgültig sein. Ich habe ein Buch verlegt, das mir angeboten wurde und das mir gefallen hat. Natürlich könnte man argumentieren, dass ein mangelhafter Bucherfolg ein Problem – mein Problem – ist (und natürlich das des Autors). Andererseits sehe ich das Problem eher bei den Lesern, die keine sind und keine werden, weil sie sich von einer Kritik beeindrucken lassen, die um der Kritik willen verfasst wurde. Wie so oft in diesen Tagen. Vielleicht ist ausgerechnet Dieter Riekens »Land unter« schon vom Titel her bezeichnend für das, was in der deutschen SF-Leser-Szene heutzutage vor sich geht. Oder auch nicht geht.

Genug gemeckert. Lest das Buch und macht euch selbst ein Bild. Oder lasst es bleiben.

P.S.: Für die Freunde züchtigerer Abbildungen auf einem Buchtitel sowie für die Sittenwächter bei Facebook gibt es auch noch eine … nein, sogar zwei »heruntergefahrene« Versionen: