Erinnerung an Susanne

Es war eine schöne Idee von Marianne Labisch, der Erinnerung an Susanne Haberland anlässlich ihres fünften Todestages am 1. April 2021 ein Buch zu widmen. Ein Steampunk-Buch. Und nicht nur eine Anthologie, sondern einen Roman. Ein Episodenroman. Das hat sich so ergeben, und das ist ein wunderschönes Buch geworden, das der Erinnerung an Susanne und ihr eigenes Werk mehr als angemessen ist.

Susanne Haberland war ein liebenswerter Mensch. Ich kannte sie eigentlich nur durch unsere E-Mail-Kommunikation, und selbst da … Wer sie besser kannte, das war Marianne Labisch, und an dieser Stelle erlaube ich mir deshalb, Mariannes Vorwort aus diesem Buch, aus »Die Fahrt der Steampunk Queen« abzubilden:

Labisch, Marianne & Scherm, Gerd, DIE FAHRT DER STEAMPUNK QUEEN

Piper im Herbst, Vorwarnung

Man kann sich fragen, was bei Piper los ist. Die Programmvorschauen, die ich noch im Jahre 2020 erhalten habe, sehen heute anders aus. Und es sind auch keine Vorschauen, sondern Vorvorschauen, enthalten »erste Informationen«, so als wäre ein Verlag neuerdings mit seinen Erscheinungsterminen so abhängig wie Filmstudios von der Öffnung (oder Schließung) von Kinos oder Musiker von den Absagen ihrer Konzerte.

Die Vorvorschauen sind optisch spartanisch aufgemacht. Es gibt keine echte Verlags-CI, keine Titelbilder zu den Büchern.

Aufgefallen ist mir (einmal mehr) jedoch etwas anderes: Von 16 vorangekündigten Titeln im Bereich Fantasy, SF und dem Programm »ivi« tragen 8 Titel – mithin 50 % – ganz oder teilweise englische Titel.

Ich möchte das unkommentiert lassen, nicht zuletzt, weil Ausreden zu einfach wären. So könnte man bei Astrid Scholtes »Into Dark Waters« argumentieren, dass die Autoren in Australien lebt und deshalb …

Blödsinn. Ganz klar. Und es ist die pure Verschwendung. »In dunkle Wasser« wäre ein lyrischerer, poetischerer Titel gewesen, der viel schöner über die Stimmbänder vibriert hätte als dieses englische Lallabralla.

Literatur in Deutschland: Rufschädigende Verlage

Und dann ist da ein Verlag, der ein Buch vorlegt. Es soll korrigiert werden. Im fertigen Buchsatz. Mit einem Text, der nicht lektoriert wurde und von unlogischen Abfolgen von Handlungs- und Beschreibungselementen lebt. Mit einem Text, der nicht korrigiert wurde; eine Rechtschreibung, die Kindern zugemutet werden soll, die schon genug unter ihrem »Schreiben nach Gehör« zu leiden haben. Mit einem Buchsatz, der von einem Ahnungslosen vorgenommen wurde – vermutlich in InDesign, dieser völlig übertrieben teuren und ebenso übertrieben aufwendigen Software, die man einfach für nichts nutzen sollte, vor allem nicht für Arbeiten, von denen man keinen Schimmer hat.

Es ist traurig. Jämmerlich. Es ist ein Zeichen – eines von vielen – für den Niedergang der Literatur in Deutschland. Wenn Selfpublisher jeden unlektorierten und unkorrigierten Mist in Word mit Blocksatz und ohne Silbentrennung veröffentlichen dürfen, sollte man wenigstens von einem Verlag erwarten können, dass seine Bücher etwas taugen.

So kann man sich täuschen. Und die (vor allem Klein-) Verlage, die sich redlich Mühe geben, zahlen am Ende die Rechnung. Der einzig richtige Begriff ist Rufschädigung.

Meckern ist ja modern

Jedenfalls in Deutschland. Und ausgerechnet NOVA, das durchaus nicht unbeliebte SF-Magazin aus meinem Verlag, scheint sich zu einem beliebten Objekt für unfundierte und unbedachte Kritik zu entwickeln. War es bei der Ausgabe 29 noch das Titelbild, entzündet sich der schwindende Geist des Fans bei der Jubiläumsausgabe 30 am Prozedere der Vorbestellung und der Informationspolitik meines Hauses. Es ist schon bemerkenswert, wie unbekannt die Bedeutung des Begriffes »Vorbestellung« zu sein scheint, und die Zusammenhänge, die hergestellt werden – z. B. mit fehlenden Informationen auf bestimmten Internetseiten oder überhaupt der Information, dass die Ausgabe bereits physisch verfügbar sei – lassen an Außergewöhnlichkeit wenig vermissen. Während in der Regel gut informierte Mitarbeiter des NOVA-Teams schon auf Facebook und Twitter vermeldeten, dass NOVA 30 erschienen sei, bemängelten die dort einschlägig informierten Kritiker das Fehlen entsprechender Informationen auf der NOVA-Website und fragten sich zielbewusst, wie es denn mit der Möglichkeit einer Vorbestellung stünde.

Nun gut. Es ist offensichtlich hoffnungslos. Die SF-Gemeinde ist am Ende.

Von NOVA kann ich das nicht behaupten. Ganz im Gegenteil. Die Ausgabe 30 ist auch für meinen Verlag p.machinery ein kleines Jubiläum – denn es ist immerhin schon die fünfte (!) Ausgabe aus meinem Hause. Auch nicht schlecht.

Und jetzt ist die Ausgabe jedenfalls definitiv verfügbar. Punkt.

NOVA 30 – das Jubiläum

Ein neues Baby ist im Haus

Vom Tage 24/3

  • Heute habe ich mit Klaus Hübners viertem Band der Tetralogie »Kein Twitter, kein Facebook. Von Menschen, Büchern und Bildern« das Stadium der Fahnenkorrektur erreicht. »Dermaleinst, anderswo und überhaupt« wird der Titel des Buches sein. Und auch wenn sich der Titel einmal mehr recht bayerisch anhören mag, geht es um andere Themen: Alpendichter, Forscherpoeten, Nordlichter, Slowenien, Rumänien, die Donau und mehr. – Wenn der vierte Band erschienen und die Reihe komplett ist, wird es vielleicht sogar einen Schuber geben. Mal sehen.
  • Zum Feierabend vor dem PC habe ich dann noch die Neuausgabe des »Schäms-Scheuß-Virus« von Karl-Ulrich Burgdorf auf den Weg gebracht: Druckdaten an den Schaltungsdienst geschickt und die anderen Druckdaten bei Bookwire eingestellt. In den nächsten Tagen gibt es dann den Andruck aus Berlin und das E-Book für den Markt.
  • Ebenso zur Fahnenkorrektur bereit ist der Buchblock der Storysammlung »Sonnenbrand« von Peter Mathys. Und eine erste Version des Umschlags ist erstellt. Fehlt nur noch der Klappentext, den ich diesmal selbst schnitzen werde.
  • Und nachher geht es wieder an die Geschichten von Manfred Borchard, während Frau Haitel ihre Agatha Christie genießen wird.

Heute 20/3

  • 3 Gassigänge.
  • 44 E-Mails geschrieben.
  • 6 Folgen »Unbroken« angeschaut. ZDFmediathek. Vorhersehbar.
  • 4–5 Folgen »Shakespeare & Hathaway« angeschaut. Nett wie immer.
  • 1 PDF für Flipdatei »Unter den Sternen von Tha« erzeugt. Heribert macht den Rest.
  • 1 Titelbild für Neuausgabe des E-Books »Das Theodizee-Problem« erstellt. Wir wollen was ausprobieren.
  • 1 Titelbild für Ron Müllers »Zwillingsparadoxon« heruntergeladen.
  • 1 Titelbild für Udo Weinbörners »Sonnenaufgang« heruntergeladen. Noch zwei Motive bei Shutterstock gut.
  • 6 Rechnungen geschrieben.
  • 20 Lieferscheine geschrieben. Alles »GEGEN UNENDLICH 16«.
  • 1 weiterer Abend noch mit Storys. Diesmal Manfred Borchard.

Gestern 19/3

  • 1 Angebot für 1 Lektorat eines Thrillers (oder so) abgegeben. Sieht gut aus, ist aber noch nicht spruchreif.
  • 1 weiterer Tag mit Arbeiten am Naturwanderreisedingsbumsführer. InDesign-Vorlagen für Eigenbau vermessen. (Mit InDesign will ich nicht arbeiten. Ich nehme ja auch keinen Rolls Royce zum Rasenmähen. Der Publisher kann einfach mehr. Und schneller.)
  • 1 letzte Runde Arbeit an Gabi Behrends »Liebesmaschine«. Steht.
  • 1 Runde Vorbereitungen für »Humanoid 2.0«, eine erweiterte und neu überarbeitete Neuausgabe des 2013er Titels.
  • 1 Korrektureneingabe, 2 neue Buchblöcke, 1 Prüfung des Andrucks, 1 Druckfreigabe, 1 Datenaustausch bei Bookwire, alles für »Die Reise der Steampunk Queen«, ein Episodenroman anlässlich des 5. Todestages von Susanne Haberland.
  • 1 Abend mit Bernhard Kempens »Darling«. Und fertig.

Riesenwinzig

Monika Niehaus ist eine interessante Autorin. Sie hat schon viele Dinge geschrieben, nicht nur SF-Storys, sondern auch ernsthafte Sachen. Irgendwann hat sie mir ihr »Wie man Männer in Schweine verwandelt …« geschickt, ein Buch über die Verwendung von Rausch- und Giftpflanzen in der Antike, und damit genau meinen Geschmack getroffen (ich hatte in den 70ern gemeinsam mit einem damaligen Freund einen Faible unter anderem für Gifte). Letztlich vor allem durch meinen Kontakt mit Jörg Weigand sind wir dann zusammengekommen, um eine Sammlung ihrer »Miniaturen« (und anderer Geschichten) aufzulegen, die in »Donnas Kaschemme« angesiedelt sind und das Kneipengeschehen in diesem Etablissement ebenso detailliert wie die dort agierenden Figuren schildern. Und abgesehen davon, dass der (vor allem per Mail ablaufende) Kontakt mit Monika sehr spaßig und amüsant ist, ist es mir natürlich auch eine Ehre, die Werke einer Autorin als Sammlung zu veröffentlichen, die immerhin in der angesehenen Phantastischen Bibliothek Wetzlar verlegt wurde und wird.

Und außerdem mag ich Kneipengeschichten, wobei mich seinerzeit ein wenig ärgerte, dass Axel Kruse den zweiten Band seiner Geschichten aus Joaquins Bar nicht mehr bei mir veröffentlichte. Mit den »Geschichten aus Donnas Kaschemme« konnte ich immerhin mein Herz erfreuen, und ich hoffe, dass das Buch viele Leser finden wird. Denn bekanntermaßen sind die »Phantastischen Miniaturen« der PhB Wetzlar nicht ganz so einfach zu bekommen, jedenfalls nicht so einfach, wie man nun diese Sammlung aus meinem Verlagshause bestellen und sich beschaffen kann.

Und – so viel sei verraten – eine zweite Sammlung mit Miniaturen aus Monikas Feder ist schon in Vorbereitung. Aber erst mal geht’s in die Kneipe, auf eines der besten Bierchen im Sektor der Galaxis …

Niehaus, Monika, Geschichten aus Donnas Kaschemme

Unendlich viel Zeit

… haben sich Michael Awe und Andreas Fieberg mit der sechzehnten Ausgabe von GEGEN UNENDLICH nicht gelassen, nein, nein – und auch mein fast unvermeidlicher Zeitaufschlag war letztlich überschaubar. Trotzdem hat es gedauert, da beißt die Maus keinen Faden ab. Aber es hat sich gelohnt. Die Storys stellen in ihrem Zusammenhang ein sehr homogenes Werk auf recht hohem Niveau dar. Die Storys, so unterschiedlich die Genres aus der Fantastik mitunter auch sein mögen, passen gut zusammen und bieten dem Fan der Reihe und der Genres durchgehend angenehmes Lesevergnügen.

Klar, meint ihr jetzt, muss er ja sagen, ist ja der Verleger.

Ja, bin ich. Aber heißt das, das ich keinen eigenen Geschmack habe, ihr Nasen? Mitnichten. Und ich beschäftige mich intensiv mit so einer Anthologie, intensiver als ihr, denn ich lese die Texte nicht nur einmal, sondern selbst bei einer schon von ihren Herausgebern vorbereiteten Sammlung mindestens zwei Mal, oft drei Mal. Ich behaupte also durchaus mit Recht, dass ich weiß, wovon ich schreibe.

Und jetzt ihr!

Unter der Haube gab’s auch eine Neuerung: Bis zur Ausgabe 15 wurde zuerst das E-Book veröffentlicht, erstellt von Andreas Fieberg und seinen Mannen (wer es genau war, weiß ich nicht, ist auch wurscht, denn:) Mit der Ausgabe 16 durfte erstmals ich das E-Book zeitgleich mit dem Printbuch machen, und das hatte – abgesehen von dem wegfallenden Druck des schon erschienenen E-Books und dem noch ausstehenden Druckwerk – auch den für mich charmanten Vorteil, dass die Texte nun in beiden Varianten wirklich identisch sind, während sie zuvor wegen der für die Printversion noch einmal erfolgenden Korrektur durchaus Abweichungen aufweisen konnten.

Eine weitere Neuerung wird es erst ab Ausgabe 17 geben, denn vorliegenden Informationen aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zufolge wird Andreas Fieberg die Reihe ab der Ausgabe 17 alleine fortführen. Aber er wird sie fortführen, hat er gesagt bzw. geschrieben, und das freut mich sehr. Aber bis dahin ist ja noch ein bisschen Zeit.

Awe, Michael J. & Fieberg, Andreas (Hrsg.), GEGEN UNENDLICH 16

Knallchargenbrevier

Der Autor kann nichts dafür, dass man die Leute, die er sich in diesem Buch vorknöpft, als Knallchargen bezeichnet. Unter anderem. Sich ernsthaft mit Verschwörungstheorien zu beschäftigen, kann gefährlich sein und böse enden. Der bessere Umgang ist Sarkasmus, Satire, durchaus kabarettistisch, vor allem aber böse und – ja, intelligent. Gerade mit Intelligenz ist man gegen Verschwörungstheorien am besten gewappnet, denn Intelligenz ist vermutlich das, was den Vertretern verquerer Denke am ehesten fehlt – nicht selten vollständig.

Kristjan Knall hat mit seinen Platon in den Mund gelegten Worten heftig Wasser auf meine Mühlen gegossen und er hat mich, der ich Fan politischen und gesellschaftlichen Kabaretts auf sarkastischer Grundlage bin, mit vielen bösen Seitenhieben erfreut. Es ist zu verknusen, dass Xavier Naidoo nicht die Hauptfigur ist, auch, dass Hildmann und andere Kameraden der Branche nicht zu Wort kommen, vor allem aber hat mich eher noch erfreut, dass die deutsche COVIDiotie keine Plattform bekommen hat, obwohl sie es sicherlich auch verdient hätte. Aber das Thema der Seuche nervt, und ich kann nicht ausschließen, dass ich mit dem Autor hätte diskutieren müssen, ob das Thema auch noch nötig gewesen wäre – aber das war ja auch gar nicht nötig.

Das Buch richtet sich an den interessierten Intelligenzler, der in der Lage ist, Satire richtig aufzufassen. Es ist eindeutig nichts für die Knallchargen dieser Welt, denn das, was Kristjan Knall geschrieben hat, macht ihnen keinen Spaß – weniger, weil er auf ihre Kosten geht, als vielmehr, weil sie gar nicht verstehen, was hier Sache ist.

Knall, Krischan, PLATON SIEHT CHEMTRAILS