Quartalssäufer vorm Automaten

Leergutautomaten sind sensible Wesen. Menschen, die ihr ordentliches und gepflegtes Leergut zurückgeben möchten, auch. Und es gibt Menschen, die sich nicht zwischen beide stellen sollten. Hofft man.

Aber die Hoffnung stirbt nicht immer zuletzt, sondern gleich. Vorm Leergutautomaten. Da sammeln sich die Menschen, die drei Monate lang Aludosen und Plastikflaschen leer saufen und dann mit einem Transporter ankommen, dessen Inhalt vier Einkaufswagen füllt. Und dann stehen sie da mit ihrem leer gesoffenen Hirn und drücken immer wieder die gleiche Dose in die Öffnung, glotzen den Schriftzug an, der sie informiert, dass die Marke nicht zum Marktangebot gehört oder die Dose nicht leer ist. Und sie drücken die Dose wieder in die Öffnung, und noch einmal und noch einmal und immer wieder. Bis die Elektronik aufgibt.

Eine Konservenstimme bittet dann einen Mitarbeiter zum Leergutautomaten. Der kommt auch, sogar recht fix, öffnet den Automaten einmal, schließt ihn wieder, der Computer, der dahinter steckt, bootet und das Spielchen geht wieder von vorne los. Diese Dose … in die Öffnung … wieder, wieder, wieder und wieder. Und immer wieder.

Darf man solche Menschen eigentlich in den Kopf schießen – wieder, wieder, wieder und wieder? Und bekommt dann doch mildernde Umstände?

Samstagverdorben in Winnert

Es ist Samstag, morgens, 7 Uhr. Sonnig. Wenig Wind. Ein Wetter, König zu zeugen. Und doch.

Der Gassigang bleibt nicht ungetrübt. Statt daheimzubleiben und Mutti zu vögeln, orgelt ein Volvo-V40-Fahrer durch den Ort, zwei Mal, drei Mal, natürlich mit überhöhter Geschwindigkeit. Klar – mit so einer hässlichen Karre möchte ich auch nicht länger als nötig gesehen werden.

Was die A6- und A8-Zuhälter offensichtlich auch so sehen, obwohl die ja wohl der Meinung sind, ihre Karren sähen toll aus. Tun sie aber nicht. Toll aussehen. Sie sehen eben aus wie Zuhälterkarren – und irgendwie habe ich das Gefühl, damit dem rechtschaffenen Zuhälter mit dem pinkfarbenen Chevy unrecht zu tun – und so brettern die Fahrer auch durch den Ort, möglicherweise zum nächsten Termin mit ihren Pferdchen.

Am Ende bleiben vom morgendlichen Gassigang nur die beiden hübschen Haufen der Mädels und die Bürgermeisterin und ihre Luise, die sich immer mindestens so freut wie meine beiden, wenn wir uns begegnen. Und die Windräder im Sonnenlicht, diesem unvergleichlichen Sonnenlicht …

Maunzeraschung

Niedliche Überraschung am Morgen. Gestern Abend habe ich zwölf, dreizehn Ebay-Sendungen verpackt und will sie heute Morgen ins Auto verladen. Da huscht ein kleiner dunkler Schatten davon, eine Ratte? Nein, eine Katze – denn in dem kleinen Katzenhäuschen, das wir immer noch im Carport stehen haben, liegen mindestens drei kleine, leise maunzende Katzenbabys, keine zehn Zentimeter lang. Sie würmeln vor sich hin, maunzen … und ich denke: Was jetzt?
Bei der zweiten Ladung Pakete fehlt eines der Katzenbabys, ein ganz helles, das ganz vorne lag – und ich nehme an, dass die Katzenmama gleich begonnen hat, umzuziehen. Vielleicht, vielleicht auch nicht.
Wenn ich nachher von der Fahrt zur Post zurückkehre, schaue ich noch einmal nach dem Rechten, versuche, ein Foto zu machen. Wenn niemand mehr da ist, ist das Schicksal. Und wenn Katzenmama wirklich umzieht, hoffe ich, sie findet ein ruhige(re)s Plätzchen. Unser Katzenhäuschen ist zwar ganz praktisch – und durchaus gerne frequentiert –, aber für eine junge Familie vielleicht doch nicht so der richtige Platz.

P.S.: Das eingangs Beschriebene geschah um etwa 06.45 Uhr. Ich nahm an, Katzenmama würde zurückkehren – offensichtlich hat sie es nicht getan.
Als Frau Haitel gegen 07.45 Uhr zur Arbeit fuhr, fand sie ein totes Kätzchen vor ihrem Auto. Ich kehrte vom Einkauf gegen 08.30 Uhr zurück. Die noch vorhandenen drei Kätzchen rührten sich fast nicht. Ich fürchtete schon, sie würden gleich sterben. Also Tierärztin angerufen, Kätzchen in eine Schachtel gepackt, zur Praxis gefahren.
Dort wurden die drei, die durchaus noch lebten, trocken gerubbelt, mit Glukose gespritzt, die Temperatur gemessen – alle drei unterkühlt (d. h. unter 34 °C Körpertemperatur), aber alle drei meckerten über das Thermometer im Heck (kein schlechtes Zeichen) – und unter eine Wärmelampe gelegt. Sie sind jetzt in der Obhut der Tierärztin und ihrer Mädels.
Offensichtlich wurden die Kleinen in der letzten Nacht geboren. Sie haben alle noch ein Stück Nabelschnur am Bauch, die Augen sind geschlossen, und die Decke im Katzenhäuschen war feucht, fast nass, vermutlich vom Fruchtwasser.
Warum die Katzenmama nicht zurückgekehrt ist, ist unklar. Zu viel Verkehr, möglicherweise; obwohl die Katzen der Umgebung, die das Häuschen bislang genutzt haben, wissen, was so auf unserem Grund und Boden los ist und eigentlich immer ganz entspannt reagier(t)en. Die Tierärztin meinte, sie sei vielleicht nur überfordert gewesen; vielleicht ist das bei frei laufenden oder gar streunenden Katzen so, denn die haben ja sowieso ganz andere Sorgen als Hauskatzen, die wissen, wo ihr Napf steht …
Es ist jetzt 09.30 Uhr.

P.S. (2): Letzter Stand (15.10 Uhr): Den drei Kätzchen geht es so weit gut, sie sind inzwischen ins Tierheim gekommen und werden dort aufgepäppelt. Ich denke, man wird dort eine Spende gebrauchen können.

Umbau II: Und wenn man schon mal dran ist

Während die Pinnwände, von denen ich gestern berichtete, zusammenbaute – was sein Weilchen brauchte – konnte ich so knapp die Hälfte meines Schreibtisches nicht wirklich nutzen. Da lagen halt die Pinnwände. Erst einfach so. Dann Kork und Holz verklebt. Und so weiter. Mein Hauptarbeitsplatz (vier Monitore) und der separate Scanplatz (links daneben) drängelten sich kuschelig aneinander.

Da sah nicht so wild aus, war aber bisweilen unpraktisch.

Das musste anders werden. Und eine ordentliche Reinigung konnte der Teil des Schreibtischs auch vertragen (die andere Hälfte ignoriere ich noch eine Weile, die ist aber auch fällig). Also: Alles abräumen, Platz machen und nass wischen.

Und nach einem geraumen Weilchen – unterbrochen von einem Gassigang mit nicht wenig schmerzendem Kreuz – macht der Scanplatz mit dem Plustek OpticSlim 1180 (DIN A3, Flachbett; Funktionstasten erlauben Direktscans in JPG, PDF oder eine E-Mail) links neben dem 27-Zöller von Fujitsu und dem Kodak i1220 (Durchzugsscanner, Duplex) rechts doch einen ganz anderen Eindruck. (Das Geraffel vor dem Kodak kommt noch weg.)

Jedenfalls reicht es mir für heute (= 26.04., dieser Beitrag wird verzögert veröffentlicht) erst mal. Ich bin halt doch älter geworden und eigentlich zu alt für so einen Scheiß.

Das geht doch auch ordentlich

Oder nicht?

Nicht nur, dass hier sinnlos pflanzliches Leben gemeuchelt wird, es gibt sich nicht mal jemand die Mühe, dass es hinterher aussieht, als hätte derjenige, der die Tat begangen hat, Ahnung gehabt, wie man eine Pflanze ermordet. Aber nein, da dürfen die letzten Stümper und Schlamper ran, und am Ende bleibt dann so was zurück:

Bei einem solchen Anblick kommen mir manchmal Gedanken an einen Amoklauf mit einer rostigen Kettensäge –

Umbau I: Wenn die Frau nicht will

Während ihrer Lernorgie, um Heilpraktikerin zu werden, hat meine Frau jede Menge Zettel und Blätter um sich herum an die Wände gepinnt. Überall. Naja, fast überall. Da dachte ich mir, dass Pinnwände nett wären. Richtige Pinnwände. Kaliber. Aber kaum war sie Heilpraktikerin, wollte sie die nicht mehr. Muff.

Mein Arbeitszimmer dient vor unserem Hauskauf unbekannten Zwecken. Vielleicht als Wohnzimmer. Vielleicht auch als Arbeitszimmer für den Vorbesitzer. Keine Ahnung. Das Kabuff, das im Zimmer abgeteilt ist, diente noch unbekannteren Zwecken. Hinter der Plexiglasscheibe steht unser Digitaldruckerkopiererscannerfinishersattelhefter. Unser Sharp MX-4112N. Und ein Haufen Chaos.

Wirklich wichtig ist der Durchblick ins Kabuff nicht. Und nachdem meine Frau die Pinnwände nicht mehr wollte …

Bestückt sind die Pinnwände jetzt natürlich noch nicht. Gemach, gemach. Material habe ich genug, so ist das nicht. Hundebilder vor allem <grins>. Die rechte Pinnwand ist nicht ganz so leicht erreichbar, da ist der nicht ganz winzige Schreibtisch dazwischen. Aber da wird sich eine Lösung finden.

Im Kabuff ist es jetzt natürlich dunkler als vorher, denn noch ein Fenster gibt es nicht. Tagsüber geht es, weil die Fensterwand nicht bis zur Decke geht. Aber trotzdem wird es eine hübsche Lichtinstallation geben. Mit zwei, drei Lampen, einer Steckdosenleiste an der Wand und ordentlich Verlängerungskabel.

Wie man den Tag verbringt

  • 4/4: Ostersonntag. Rainer Eisfeld feiert seinen 80sten Geburtstag. Später wird sich zeigen, dass unser Geburtstagsbuch gut angekommen ist.
    Ich habe AntiquaRIOT 4 für die FAN-APA 132 geschrieben. Diesmal nur vier Seiten. Das Ding wird man hier Ende April herunterladen können.
    Ostereier gesucht, die Hundemädchen haben geholfen.
    Mit Mama telefoniert. Das ist Ostertradition.
    Layouts für zwei Gabriele-Behrend-Storysammlungen.
    Textarbeiten für den Schorm-Bildband.
  • 5/4: Kleinkram.
    Telefonat mit Thomas Franke zu verschiedenen Themen, vor allem zu unserem ansonsten noch geheimen Buchprojekt. Sicher ist: Das wird das geilste Buch, das ich bisher gemacht habe; und wohl auch das teuerste. Und es wird nicht nur bei diesem einen Werk bleiben.
    Abends die Arbeiten an den Texten für den Schorm-Bildband beendet.
  • 6/4: Amazon zickt ja wieder rum. Bücher, die schon mal bei KDP veröffentlicht waren und damit in der Amazon-Datenbank enthalten sind, lassen sich über Bookwire nicht neu einstellen, weil die ISBN nicht mehr verwendbar sei. Nachdem ich sechs solcher Bücher zunächst für Amazon gesperrt habe, habe ich sie wieder aktiviert, weil ich nicht einsehe, dass Amazon zu entscheiden hat, was mit meinem Eigentum – den ISBN – geschieht.
    Nachmittags mit den Hunden zum physiotherapeutischen Schwimmen. Kim macht das inzwischen sehr gut; für Naomi ist es noch sehr ungewohnt und sie bewegt die Hinterläufe nicht richtig, wenn man sie nicht dazu animiert.
  • 7/4: Wenig Aufregendes heute.
    Nach dem Gassigang am Nachmittag habe ich am Layout für einen neuen Storyband von Gabriele Behrend gearbeitet.
    Und gen Feierabend ging es einmal mehr um das Story-Vermächtnis von Manfred Borchard. Mit einem Fünftel der annähernd 900 Seiten Word-Datei bin ich durch.
  • 8/4: Ein früherer Autor und leider nicht sehr guter Kunde hat zuletzt endlich einen Weg gefunden, alte Schulden zu begleichen und unser Vertragsverhältnis auf anständige Weise zu beenden. Fast sechs Jahre hat das gedauert. Immerhin. Seine Bücher habe ich vom Markt genommen. Wie schnell allerdings die E-Books verschwinden, kann ich nicht beeinflussen.
    Abends die Andrucke von Klaus Hübners viertem Band mit dem schönen Titel »Dermaleinst, anderswo und überhaupt« geprüft und zum Druck freigegeben. Die Tetralogie ist damit vollständig.
    Noch später habe ich die Texte für einen Gedichtband mit Illustrationen vorbereitet. Wird als kleines Hardcover in der Größe eines Jewel Cases erscheinen. Die Bilder sind von Marianne Labisch. Den Gedichtautor halte ich noch geheim. Man braucht ja mal ein Geheimnis. Von Zeit zu Zeit.
  • 9/4: Ich arbeite seit drei Tagen, nein, seit vier Tagen am Layout eines Naturführers für einen Reutlinger Verlag. Aufwendiger als erwartet. Oder ich werde doch alt.
    Mit Michael telefoniert. Es gibt möglicherweise Stress in der Szene wegen eines NOVA-Mitarbeiters. Da will sich wieder jemand um Sachen kümmern, die eigentlich für ihn nicht relevant sind. Und einmal mehr wird vergessen, die einzig wichtige Frage zu stellen: »Wer hat das Problem?«
    Dann geht es weiter mit dem Layout von Gabriele Behrends »Liebesmaschine«.
    Und später geht es um den ersten Roman in meinem neuen Imprint »Zwischen den Stühlen« (gemeinsam mit Kai Beisswenger).

Ja. So verbringt man seine Tage. Ich jedenfalls.

Schlachtopfer

Winnerts möglicherweise letztes Schlachtopfer im Jahre 2021 – und die Schlachtung fand statt, als es bereits nicht mehr erlaubt war, zu schlachten.

Die Ausreden sind immer die Gleichen:
»Das haben wir schon immer gemacht.«
»Das macht man eben so.«
»Im Herbst verliert der Baum Blätter.« (Ach, wirklich?)
»Die Äste ragen zu weit über die Straße.« (Wirklich relevant auf einer Nebenstraße der Hauptstraße mit einer 30er-Zone.)
»Die Äste fallen aufs Nachbarhaus.« (Dazu müssten sie morsch sein, was sie nicht waren, und dazu müsste das gegenüberliegende Haus auf die Straße verschoben werden.)

Wer den Baum im letzten Jahr noch gesehen hat, weiß, dass diese Schlachtung völlig unsinnig war und nur einen Zweck hatte: »Hey, fuck, meine Kettensäge setzt Rost an …!«

Aussichtslos

Es stellt sich unweigerlich die Frage, für wen die Situation aussichtsloser ist:

Für Frauchen, ihren Snack in Ruhe und vor allem unbeobachtet zu genießen?
Oder Kim (links) und Naomi, etwas abzubekommen?

Im Vertrauen – an diesem Abend gingen die Mädels leer aus. Aber das ist beileibe nicht immer so: Mandarinen, Orangen, Äpfel, Birnen … Kims Welt strahlt. Naomi ist anspruchsvoller und als Fleischfresser sind es allenfalls mal Nüsse, die sie sich gönnt. Oder Joghurt. Oder Quark. Oder andere Milchprodukte …

Die Horde

Normalerweise sieht man sie hier in der Gegend nur einzeln oder paarweise: Rehe (und ganz selten auch mal einen Hirsch). Heute morgen war es eine kleine Horde, die da auf einem Feld stand – und sie ließ sich nicht einmal von meinen beiden neugierig blickenden Hundemädchen beeindrucken, sondern schlenderten dann gemächlich gen Osten hinfort.

Auf die Entfernung war mit der Blödbeere kein besserer Schuss zu machen. Und auf die Entfernung versagten auch meine allenfalls marginalen Kenntnisse, die genaue Art (Sorte, Rasse, Marke? Wer weiß das heute noch …) zu erkennen. Manchmal reicht es ja auch, sich an Anblick und Begegnung zu ergötzen.