Unglaublich II: Fliegentöten

Wir leben in einer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde. In nächster Nachbarschaft haben wir zwei Landwirte mit Rindviechbeständen. Und das wirkt sich im Sommer auf die Zahl der Fliegen aus, die durch geöffnete Türen und Fenster ins Haus einfallen, um sich dort aus völlig unverständlichen Gründen darauf zu verlegen, zu nerven.
Ich töte pro Tag zwischen 40 und 60 Fliegen. Die verschiedensten Abwehrmethoden – Klebefolien an den Fenstern, die klassischen Fliegenfänger an der Zimmerdecke, ein Insektenvorhang vor der Tür zum Garten, eine Insektenfalle mit Strom – nutzen nicht wirklich etwas. Vor allem, wenn eine Tür geschützt wird, alle Fenster jedoch völlig ungesichert offen stehen.
Und die ultimative Methode, Fliegen zu töten, habe ich auch noch nicht gefunden. Insektenspray wirkt zu langsam, geht als Aerosol in die Atemluft und legt sich auf Monitore und andere Gegenstände. Am Ende bleibt nur die klassische Fliegenklatsche und die Tonne für Altpapier oder Kunststoff, um die Leichen zu entsorgen.
Und die Viecher nerven einfach nur. Sie sind zu dumm, um wahr zu sein, und sie nerven. Eine Spinne – und wir haben reichlich Spinnen im Haus – erweist sich noch als nützlich; nicht nur, weil sie auch Fliegen verspeist, wenn sie welche in ihrem Netz fangen. Aber Fliegen sind einfach nur dumm, und mir ist nicht klar, was sich die Schöpfung dabei gedacht hat, solch konzentrierte Dummheit mit Flügeln zu versehen.

Ich mag Tiere. Ich mag auch Insekten. Spinnen, Bienen, Wespen, Hummeln sowieso, Schmetterlinge natürlich auch. Sie alle haben irgendetwas Nützliches zu bieten. Fliegen möglicherweise auch – aber das, was sie an Positivem mitbringen, wird durch ihre nervtötende Dummheit mit tödlicher Konsequenz überlagert.
Schlimm. Aber nicht zu … paatsch!

Unglaublich I: Impftermine

Ich hab nicht wirklich geglaubt, jemals berücksichtigt zu werden. Als Angehöriger einer Risikogruppe – 62 Jahre alt, Diabetiker – war ich aufgrund meines Lebenswandels wohl nicht systemrelevant. Ich bin ja nur Verleger mit zwei Hunden, zwei bis drei Gassigängen pro Tag und einer Einkaufsfahrt nach Husum pro Woche. Da kann man sich nicht anstecken, da braucht man keine Impfung.

Aber nun scheint Impfstoff übrig zu sein. Vielleicht bekomme ich ja die Reste der Impfwoche, denn meine beiden Impftermine sind jeweils auf Sonntag gelegt worden, am frühen Nachmittag, kurz vorm Kaffeetrinken, kurz also vorm endgültigen Feierabend für die Woche. Da wird dann aus den letzten fünf, sechs Ampullen die Neige (bayrisch: das Noagerl) aufgezogen und ab dafür. Jemand wie ich kann das ab.

Impfaquatsch ohne Susanne

  • Ich bin 62 Jahre alt. Ich bin Diabetiker Typ 2. Ich spritze Insulin.
  • Ich lebe in Schleswig-Holstein. Wenn ich einen Impftermin gegen die Seuche haben möchte, versuche ich mein Glück auf www.impfen-sh.de.
  • Glücklos.
  • Zwei Wochen lang gibt es keine freien Termine.
  • Am 17.05. morgens gibt es auf einmal ein Angebot für den Impfstoff Janssen (Janssen-Cilag, Johnson & Johnson). Für über Siebzigjährige. Ich bin immer noch 62 Jahre alt.
  • Dann bietet sich auf einmal die Möglichkeit zur Terminbuchung.
  • Ich trage mich ein, verifiziere die erhaltene E-Mail.
  • Ein Termin in Lübeck (> 150 km) wird angeboten.
  • Nach einem Refresh der Seite Kreis Pinneberg (> 100 km).
  • Nach einem weiterem Refresh keine Termine mehr.
  • Später gibt es einen Termin in Bad Oldesloe (124 km).
  • Und dann in Elmshorn (< 100 km).
  • Und bei weiteren Versuchen wird man auch gerne mal nach zehn, fünfzehn Minuten aus der Seite geworfen, weil der zwei Stunden lang gültige Link ungültig geworden sei.
  • Und dann gar keine Termine mehr.

So geht das einige Tage lang. Zwischendurch gibt es manchmal Terminangebote, die alle über 100 km weit entfernt liegen. Einmal, nein, zweimal wird ein Termin in Kropp angeboten, eine halbe Autostunde entfernt. Das wäre machbar. Ist aber nicht machbar, denn sobald man den Link anklickt, ist der Termin weg. Da hat man mit Lotto mehr Erfolg.
Am 01.06. verfasse ich den Blogbeitrag »Priorisierte Impfverarschung endet« anlässlich der bevorstehenden Aufhebung der Priorisierung. Passend kann man sich als Schleswig-Holsteiner dann auch für einen Impftermin in einem Impfzentrum seiner Wahl registrieren. Freilich ist nur eine Registrierung erlaubt. Ich wähle Husum. Naheliegend. Und nahe liegend.
Danach geschieht nichts mehr. Ich müsste lügen, wenn ich anderes erwartet hätte.

Zum Glück brauche ich die Impfung nicht dringend. Meine Frau – 51 Jahre alt, gesund – ist zweifach geimpft und treibt sich in der Regel in Kreisen herum, von denen kaum Gefahr droht. Und ich selbst habe praktisch keine persönlichen Kontakte. Gassigänger, denen ich begegne, halten manchmal schon wegen der Hunde Abstand – nicht alle Hunde sind sich bekanntermaßen grün –, und den Supermarkteinkauf einmal die Woche bewältige ich ohne Probleme mit Maske und Abstand.
Aber es stellen sich halt Fragen, die einem vermutlich keiner beantworten kann. Warum ist meine Frau geimpft und ich nicht? Warum bekommt mein Hausarzt keinen Impfstoff? Sollte ich tatsächlich auf das Angebot einer Gynäkologin eingehen, mich in eine Liste eintragen zu lassen, falls sie Impfstoff zur Verfügung hat?
Dass Deutschland das Thema schon aus föderalistischen Gründen nicht im Griff haben kann – viele Köche verderben bekanntermaßen den Brei –, das erscheint mir beinahe logisch. Und Mühe gibt sich auch keiner. Es ist ja wichtiger, beim kleinsten Lichtblick Beschränkungen aufzuheben, damit die Bürger ihre Freiheitsrechte wiedererhalten; seltsamerweise fühle ich mich keines einzigen Rechtes beraubt, sieht man davon ab, dass ich mit einer Clique, in der ich nicht bin, nicht in einer Disco saufen und schwofen kann. Oder ich mich nicht ohne Maske und mit Fremden kuschelnd an den Demonstrationen geistiger Querschläger (sic!) beteiligen kann.

Aber was soll’s? In mindestens einem Bundesland dieser Republik werden schon die ersten Überlegungen und sogar Vorbereitungen zur Bewältigung der vierten Welle getroffen. Oh, eine vierte Welle wird es nicht geben? Weil wir dann alle geimpft sind?
Ich wette lieber darauf, dass ich am 31. Oktober noch nicht geimpft sein werde – und dann werden die ersten Ausläufer der vierten Welle schon zu sehen sein.

Und mit der Sonne kommt die Dummheit

Sonne. Temperaturen über 30 Grad. Autos mit leicht geöffneten Seitenscheiben. Darin kleine Kinder. Und Hunde. Die Dummheit des Menschen ist unglaublich. Unbegreiflich. Aber es ist jeder Jahr das Gleiche.
Und immer wieder fragen sich die Leute, ob sie die Autoscheibe einschlagen dürfen.
Ja, dürfen sie. Es liegt eine Notlage vor, es geht um das Wohl und sogar Leben eines Kindes, eines Hundes, eines anderen Tieres. Ergo: Scheibe einschlagen, Kind oder Tier retten (und in den Schatten bringen!), Polizei rufen – und bei der Gelegenheit gleich Strafanzeige wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz (Stichwort: Tierquälerei) bzw. wegen Körperverletzung erstatten.

Mehr auf: br.de

Keine Meinung? Besser isses

FOCUS Online meldet, dass »noch nie so wenige Deutsche an die freie Meinungsäußerung« in diesem unserem Lande glaubten. Sie sei »nicht mehr möglich, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen«.
Nicht nur, dass die Formulierung unterstellt, dass die freie Meinungsäußerung mit Konsequenzen rechnen muss, es ist auch die arme, arme AfD, die sich mit und in ihrer braunen Brabbelsuppe eingeschränkt fühlt.
Aber in der Tat könnte an der Behauptung etwas Wahres dran sein, denn eigentlich ist es heutzutage gleichgültig geworden, was du zu sagen hast – du wirst auf jeden Fall einen Shitstorm ernten.

Quelle: focus.de

Keexalaam

Frau kocht. Ich nicht. Kochen ist nicht mein Ding. Frau macht ihre Sache gut. Nicht immer nach meinem Geschmack, was aber daran liegt, dass ich eigentlich immer noch ein Fleischfresser bin. Und sie halt nicht. Aber es gibt auch Fleisch.
Und es gibt Abwechslung: Lachs mit Gemüse und Gemüse mit Lachs. Manchmal auch Gemüse ohne Lachs, aber nie Lachs ohne Gemüse. Und manchmal auch anderen Fisch, aber eher selten. Es zeigt sich, dass Lachs einer der geschmacklich attraktivsten Fische ist, die man hierzulande bekommt. Aber gut. Wir haben uns da eingeschossen.
Ach ja, Hühnchen mit Reis und Tomatensoße. Das ist eine ihrer Spezialitäten. Hört sich nicht so an, ist es aber. Unzweifelhaft.
Und ihre Pizza. Ich habe in meinem Leben viele Pizze verzehrt. Und in der berühmten »Trattoria« zu Murnau am Staffelsee waren die Pizze hervorragend. Aber das, was meine Frau da abliefert, ist allererste Sahne. Und wird immer besser.

Und: Shortbread. Auch für den hauseigenen Diabetiker. Halt nicht mit Zucker pur, sondern gemischt mit Zuckeraustauschstoffen wie Xylit, Erythrit etc. Immer wieder werden Variationen der Rezeptur getestet, aber am Ende sind sie immer gut. Sehr gut. Hervorragend. Shortbread vom Feinsten.

Und Keexalaam ist, wenn man in der Keexdose mehr Boden als Keex sieht.

Selbstgespräche

made.com ist ein Internetshop für Wohnungseinrichtung. Wie auf anderen solchen Seiten auch bekommt man hier alles. Fast alles. Und da sich nun alle Welt darauf freut, die Seuche besiegt zu haben, kann man sich laut einer aktuellen Werbung des Anbieters »endlich wieder offline unterhalten«.

Ich bin erstaunt. Offlineunterhaltungen führe ich bei praktisch jedem Gassigang mit meinen Hundemädchen. Die hören sowieso nur zu, wenn es um Leckerlis geht, und außer Schnapp- und Schmatzgeräuschen kommt da nichts. Folglich unterhalte ich mich mit mir selbst. Offline eben.

Wie man so eine Unterhaltung bei der in der Werbung abgebildeten Party führen soll, bleibt mir schleierhaft. Aber vielleicht habe ich das nur noch nicht ausprobiert.

Über das Versagen

Ob es ein Sprichwort oder nur eine Redensart ist, spielt eigentlich keine Rolle. Vor allem in Bayern hört man gerne den Spruch »Sitzt, passt, wackelt, hat Luft«, eine Redensart – sic! –, die man sich vorrangig nach handwerklichen Tätigkeiten gönnt. Oder auch einfach, wenn es passt.

Die Handwerker-Website manomano.de – eine Art Online-Baumarkt – hat sich nun in Verkennung der Bedeutung dieser Redensart die Variante »Sitzt, passt und wackelt nicht« einfallen lassen und sich damit in die Riege der Werbidioten eingegliedert. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Fehlentscheidung.

Mach dir eine Kopie, dann hast du zwei

Das empfehle ich gerne Menschen, die behaupten, ein Problem zu haben. Mach dir eine Kopie von dem Problem, dann hast du zwei. Ein guter Rat. Das führt zu mehr Zeitvertreib beim Versuch, zwei statt nur ein Problem zu lösen. Eine nicht ganz unumstrittene Methode, sich die Zeit zu vertreiben, zugegeben …

Aber es gibt wohl in der Tat Menschen, die zu wenig Probleme haben. Was also tun? Man sucht sich irgendetwas und bauscht es zu einem Problem auf.
Da gibt es dann diesen Kunden meines Verlages, der erstmals ein Buch bestellt, indem er mir eine E-Mail schickt. Immerhin hat er das geschafft, ohne mich anzumeckern, dass es auf meiner Verlagswebsite keinen Shop gibt. (Auch solche Probleminhaber gibt es, in der Tat.)
Am 30.05. erhalte ich also die Bestellung, und als fleißiger Mensch schreite ich sogleich zur Tat, schreibe die Rechnung und sende sie an den Schaltungsdienst Lange, damit dieser das Buch, das bei ihm lagert, verschickt. Der Versand erfolgt noch am gleichen Tag, und ich erfahre dann gestern, dass die Sendung am 09.06. eingetroffen ist (nur nebenbei: Bei einem anderen Kunden hatte ich letztens den Fall, dass eine Büchersendung von Berlin bzw. von Winnert in den Raum Bremerhaven gute drei Wochen unterwegs war).
Aber oweh – das Problem! Die Rechnung wies – wie die allermeisten meiner Rechnungen – das Zahlungsziel »Zahlbar innerhalb 8 Tagen ab Rechnungsdatum ohne Abzug« auf. Und der Kunde beschwert sich nun, dass er die Rechnung am 07.06. hätte bezahlt haben müssen, die er erst am 09.06. mit der Sendung erhalten hat.

Es gibt Vorschriften, was auf einer Rechnung in Deutschland zu stehen hat. Eine Zahlungsbedingung gehört dazu, es ist eine Mussbedingung. Ich könnte mehr als 8 Tage notieren, sehe das aber nicht ein. Ich könnte auch »8 Tage ab Rechnungserhalt« notieren, aber das führt nur dazu, dass der möglicherweise säumige Zahler dann behauptet, er hätte die Rechnung gar nicht erhalten (und solche Fälle habe ich sowieso schon gehabt; für manche Kunden ist es schon schwierig, die Rechnung in dem knallroten Umschlag auf der Versandverpackung ausfindig zu machen). Jedenfalls habe ich meine Formulierung der Zahlungsbedingung gewählt, wie sie ist. Und habe damit bislang keine Probleme gehabt.
Es gibt Kunden, die tatsächlich innerhalb dieser 8 Tage zahlen – wenn die Post bei der Lieferung mitspielt, ist das auch kein Problem. Dass die Post nicht immer mitspielt, trifft bei mir auf keinerlei Unverständnis. Ich mache das Geschäft lange genug, um schon viele Varianten erlebt zu haben (wie z. B. eine Sendung nach Melbourne in »Australia«, die mit dem Vermerk »Empfänger unbekannt« aus Wien, Austria, zurückkam). Und schon, weil ich meine Buchhaltung allenfalls alle zwei Wochen erledige, mahne ich überfällige Zahlungen auch ganz sicher nicht eher als nach Ablauf von zwei Wochen – und da ich ein netter Mensch bin, tue ich dies sogar oft erst nach vier Wochen. Warum auch nicht? Mahnungen machen Arbeit und sind für den Gemahnten oft unangenehm, weil es durchaus nicht selten gute Gründe gibt, dass es zu einer Verzögerung gekommen ist. (Die notorisch Zahlungsunwilligen ohne guten Grund knöpft sich irgendwann mein Inkassodienstleister vor.)

Langer Rede kurzer Sinn: Am Ende protestierte der Kunde nicht nur im Text seiner Paypal-Überweisung, sondern auch in einer eigens verfassten Mail:
»Buch und Rechnung sind HEUTE, am 09.06.2021 eingetroffen.
Die Rechnung war zu zahlen bis 07.06.2021.
Das wirft ein schlechtes Licht auf mich, als scheinbar säumiger Zahler.
Ich bitte um Verständnis, dass ich hier künftig nichts mehr bestellen werde, solange nicht eine Vorab-Zahlung via paypal möglich ist.
In solchen Dingen bin ich empfindlich, da möchte ich mir nichts nachsagen lassen.«

Ich habe nichts gesagt. Auch nicht nachgesagt. Eine Vorauszahlung verlange ich grundsätzlich nicht, für mich gilt: »Erst die Ware, dann das Geld.« Und wer so ein Problem damit hat, der sollte sich wirklich eine Kopie machen, um dieses dann doppelte Problem in seiner ganzen Schönheit und Würze genießen zu können. Ich indes kann mir jede Kopie sparen, denn ich habe kein Problem. Nicht mit solchen Albernheiten.

Priorisierte Impfverarschung endet

Am 07.06., so heißt es, endet die Priorisierung bei der Antiseuchenimpferei. Dann können sich nicht mehr nur die Personen verarschen lassen, die ein bestimmtes Alter überschritten haben, die Vorerkrankungen haben – dazu gehört auch Diabetes – oder die bestimmten Berufsgruppen zuzuordnen sind, nein, ab dem 07.06. kann sich jeder Deutsche verarschen lassen, der das Alter von 12 Jahren erreicht hat.

Verarschen? Ja, denn ganz offensichtlich diente die Priorisierung bislang nicht der Bevorzugung der oben erwähnten Personen beim Impfen gegen die Seuche, sondern bei der Verarschung angelegentlich der zwangsläufig erfolglosen Versuche, einen Impftermin zu bekommen:

Das geht schon seit Tagen so (und vorher sah es nur anders aus) und wenn dann doch mal ein stornierter Termin für Sekunden aufblitzt, dann auf jeden Fall für eine Impfung innerhalb der nächsten 30 Minuten in mindestens 110 Kilometern Entfernung.

Da tue ich doch lieber etwas für meine Bildung und übersetze den ganzen Blödsinn ins Maltesische: