Schokoladenfragen

Ich bin Diabetiker. Vermutlich Typ 2. Ich habe das Thema im Griff. Nicht ganz so, wie ich mir das vorstelle, aber weitgehend.
Gleichzeitig mag ich Süßes. Nicht alles, vor allem nicht Süßes mit normalem Zucker. Aber heutzutage gibt es ja hübsche Austauschstoffe. Xylit, Erythrit, Mannit. (Stevia kommt mir allerdings nicht ins Haus, das überlasse ich Ökos mit veganer Tendenz und der falschen Ansicht, nur Stevia sei natürlich.) Ab und zu gibt es ein, zwei Kekse, und natürlich: Schokolade.
Die hat den Vorteil, dass sie sich umso günstiger auf den Blutzuckerspiegel auswirkt, je mehr Kakao enthalten ist. Denn Kakao wirkt blutzuckersenkend.
So weit, so gut.

Mein Problem war lange Zeit, dass Schokolade mit einfachen Stücken ziemlich aus der Mode gekommen ist. Von Milka gibt es noch solche Tafeln; aber die haben nichts mit hohen Kakaowerten. Schogetten gibt es auch nicht mit Kakao. Alle Schokoladensorten mit Kakaowerten über 70 Prozent werden in so neumodischen Tafeln geliefert, die aus 6 oder 8 Täfelchen bestehen, die, wenn man sie teilen will, eine üble Bröselei ergeben. Oder man schiebt sich halt so ein dummes Schokobrett zwischen die Zähne.
Die einzige Rettung war dann die berühmte Ritter Sport. Da tauchten die ersten Kakaosorten auf – 55, 61, 74 Prozent. Die 74er Ritter Sport war lange Zeit die Sorte meiner Wahl.
Und vor Kurzem kam dann eine neue Sorte – mit 81 Prozent Kakaogehalt. Und sie erfreute mich aus zwei Gründen: Sie enthält nur halb so viel Zucker wie die 74prozentige Sorte, und sie schmeckt auch noch besser.
Rettung! Auf ganzer Linie!

Was bleibt, das ist die Frage, was für einen sittlichen Nährwert diese neumodischen »unstückigen« Schokoladeprodukte haben, die man zwischen den Fingern halten muss, um abzubeißen, die man sich entweder komplett ins Gesicht schieben muss oder aus denen man wenig attraktiven – und vor allem schlecht zu konsumierenden – Bröselsalat macht. Irgendein Marketingfuzzi wird mir vermutlich weismachen wollen, dass der Kunde das so möchte. Aber das kann ich mir nicht vorstellen. Denn wären diese Produkte so erfolgreich – und die klassischen Stückchen nicht mehr gewollt –, dann müsste Lindt – vermutlich einer der Marktführer in Sachen Schoki – nicht so immens viel Werbung machen, sondern Ritter Sport; die machen sicherlich auch Werbung, aber ganz sicher nicht mit dem Budget. Und die Supermarktregale sind voll mit Ritter Sport – alle Sorten.

Wenig lustig waren die Reaktionen auf Facebook in Bezug auf diese meine Problemstellung. Nicht alle, aber die meisten der dort Reagierenden hatten das Problem nicht verstanden: »hoher Kakaogehalt plus Stücke«, nicht nur »hoher Kakaogehalt, egal wie«. Aber am Ende ist es ja nicht Facebook, das einem hilft, sondern der Hersteller, der das Produkt herstellt und vermarktet, das man haben möchte.
Danke, Ritter Sport.

Zerstörter Tag

  • Hört sich schlimmer an, als es ist. Und eigentlich begann alles normal.
  • Oder auch nicht. Meiner Frau war schwindelig. Schon gestern Abend. So richtig. Gleichgewichtsstörungen. Als angehende Heilpraktikerin kennt sie den Fachausdruck, den ich mir nicht gemerkt habe. Irgendwas mit parapsychologischer Lageperistaltik. Oder so. Keine Ahnung.
  • Heute Morgen war es immer noch so. Die Frage, ob sie trotzdem nach Eckernförde auf ihren Lehrgang fahren soll oder ins Krankenhaus, wurde zugunsten des Krankenhauses beantwortet. Ich durfte Taxi spielen.
  • Da ging es recht fix. Schneller als sonst. Fazit: Der Arzt meinte, sie »solle runterkommen«. Soll heißen: Diagnose Stress. Kein Wunder. Zwei Wochen vor der nächsten schriftlichen Prüfung zum Heilpraktiker, mitten in einem Seminar (irgendwas mit Kranichheilung, wie gesagt, ich merke mir das nicht), und dann macht sie sich immer einen Haufen sinnloser Gedanken über Dinge, die sie sowieso nicht ändern kann. Sag ich ihr immer wieder. Zum Beispiel die Heilpraktikerprüfung. Sie besteht sie. Oder nicht. Sie hat sich gut vorbereitet. Denkt aber ständig darüber nach, was sie alles meint, nicht zu wissen. Statt darüber froh zu sein, was sie alles weiß. Und das ist eine immense Menge. Ein Wissensturm, den ich von hier unten, aus der heilpraktischen Dummheitsebene nicht überblicken kann. Trotzdem …
  • Mit diesen sinnlosen Dingen macht sie sich Stress. Und der wirkt sich halt mal aus. Zumal dieses Kranichding offensichtlich etwas sehr intensives nicht nur körperlich, sondern auch mental ist. Wie gesagt – ich bin da völlig unbeleckt und ahnungslos. Aber was sie so erzählt …
  • Der Tagesplan war jedenfalls hin. Aber über Pläne lachen die Götter ja eh nur.
  • Dann wollte ich das Brett im WC im Erdgeschoss einbauen. Da steht nur so ein Schränkchen unterm Waschbecken, nix, um irgendwas richtig abzulegen. Lesestoff zum Beispiel. Seit Ewigkeiten stand da ein Brett. Das musste lackiert werden, weil Frau Haitel keine unterschiedlichen Farben haben wollte: weißes Schränkchen, weißes Becken, helles Holzbrett, dunkleren Spiegel (der auch noch nicht montiert ist). Das Brett ist fertig lackiert, alles gut – passt aber nicht, denn die Farbe an den Seitenflächen macht es einen oder zwei Millimeter breiter als es sein dürfte. Und es ist Sonntag – kein Tag für die Schleifmaschine. Muff.
  • Also habe ich Kleinkram erledigt. Geld ausgegeben – der Schaltungsdienst freut sich. Leckerlis für die Hunde bestellt – mal eben für 180 Euro. Ein paar Mails hin und her geschoben. Und dann aus lauter Verzweiflung ein neues Layout angefangen, obwohl ich mit einem anderen noch nicht fertig bin. Muff.
  • Und dann dieses katastrophale Formel-1-Rennen in der Toskana. Dauernd Safety-Car-Einsätze, bislang zwei Rennabbrüche. Naja. Immer noch aufregender, als wenn sich Hamilton und Bottas alleine um die Spitze streiten. (Lustig die Umfrage von RTL, ob sich Vettel für Aston Martin richtig entschieden hat; ich hätte ja die Frage gestellt, ob Vettel nicht besser seinen Führerschein abgeben sollte.)
  • Jetzt kann nur noch Herbert W. Franke den Tag retten: Auf dem Notebook arbeite ich an der Korrektur und Layoutvorbereitung für einen weiteren Sonderband, darin die bislang unveröffentlichten Storys und die Storys, die im Laufe der Zeit verstreut veröffentlicht wurden. Titel des Buches wird »Das Gutenberg-Konzil« sein und wird zusammen mit den nächsten drei regulären Titeln noch in diesem Jahr erscheinen.

Meine erste Online-MV

Der WetzKon III war abgesagt, die Mitgliederversammlung (MV) des Science Fiction Club Deutschland e.V. (SFCD) konnte nicht stattfinden. Der ElsterCon wäre noch eine Möglichkeit gewesen; er wird, wie es aussieht, wohl stattfinden, wenn auch deutlich eingeschränkt. Aber das war nicht sicher. Und so entschied der Vorstand, eine MV im Netz abzuhalten. Blizz war die Software und Plattform der Wahl, und der erste Testtermin lief auch ganz gut; beim zweiten Testtermin versagte Vodafone mir den Internetzugang – gleich zweimal.

Der Anfang war ruckelig, zuckelig, alles andere als glatt und geschmeidig. Ein Neustart des Meetings war notwendig, dann ging es. Im Großen und Ganzen ganz gut. Und ungewohnt. Man hörte sich hauptsächlich, nur die wesentlichen Redner wurden mit der Kamera sichtbar. Die Abstimmungen gestalteten sich ein wenig anders als gewohnt; es wurden Nein-Stimmen und Enthaltungen abgefragt, die Ja-Stimmen ergaben sich zwangsläufig. Es gab eh nicht viel zu entscheiden. Entlastung des Vorstands, Beitragserhöhung. Das war alles. Und völlig unproblematisch.
Die Diskussionen waren nicht ganz so ausufernd wie auf normalen MVen, aber es gab sie. Insgesamt …

Am Ende kickte mich Vodafone wieder raus. Als ich dann – nach drei sinnlosen DSL-Neustarts – wieder ins Netz kam, war die MV schon vorbei. Ich kam jedenfalls nicht mehr ins Meeting rein.

Das war also meine erste Online-MV. Okay. Gewöhnungsbedürftig. Die Vorstandstreffen machen wir schon lange online, bisher über Skype, jetzt über Blizz, denn der geschlossene Vertrag läuft noch bis 2021. Die MV hinterließ einen eher zwiespältigen Eindruck, glaube ich. Ich bin nicht sicher, ob ich sie nicht doch lieber in der althergebrachten Weise goutieren würde.
Aber das zeigt sich nächstes Jahr. Für mich sieht es nicht danach aus, als ob wir den Virus und die aus ihm resultierenden Umstände nächstes Jahr schon los wären …

Klugscheißer & Naseweis

Ich benutze seit vielen Jahren KLCP, die K-Lite Codec Packs (siehe www.codecguide.com). Angefangen hat das in meinem letzten Job als ITler in einer Maschinenbaufirma, wo diverse Kollegen – vor allem im Vertrieb und im Service – häufig Videos mit mehr oder weniger dubiosen Codecs bekamen, die sie dann im »Windoof Media Bläher« nicht abspielen konnten. KLCP hat nicht nur und liefert immer noch die aktuellsten Codecs und zusätzliche Gimmicks: Sensationell gut ist auch der »Media Player Classic«, der zum Paket gehört (das es im Übrigen in verschiedenen Größen gibt; ich benutze die »Mega«-Version, »mit allem und scharf«), der einfach alles abspielt, was ein bewegtes Bild enthält, sogar Flash-Videos. Und natürlich Musik.

Heute Morgen wird mir ein Update gemeldet, dessen Installation sonst eine Sache von drei Klicks ist (herunterladen, starten, UAC abnicken). Heute Morgen käst mich jedoch der Chromescheißer an, das Update – eine *.exe, was als Downloadangebot zugegebenermaßen schon mal eine dämliche Idee ist – könne nicht heruntergeladen werden. Warum und wieso, das erklärt Google immerhin hier. Aber am Ende ändert das nichts – das ist Chromescheißerei.

Mit dem Button »Behalten« – von Holländern aus dem Japanischen ins Englische übersetzt – kann man die Datei immerhin trotzdem herunterladen. Dann aber schaltet sich Windowsweis ein und erzählt mir ebenfalls was vom Pferd. Aber auch hier lässt sich letztendlich das Update starten und installieren. (Und offensichtlich lernt Windoof, denn die Fehlermeldung zu der einmal freigegebenen und installierten Datei kommt nicht noch einmal.)

Solche Meldungen sind sicherlich sinnvoll. Aber nicht immer. Ich will mich nicht darauf herausreden, dass ich nach 18+ Jahren beruflicher IT-Tätigkeit und 30+ Jahren IT-Erfahrung insgesamt über genügend Erfahrungen verfüge, um Probleme zu vermeiden. Aber der ganze Vorgang ist gerade für unerfahrene Benutzer eher »gespenstisch« und auf vernünftigem Wege – inklusive einem Lernvorgang für zukünftige Fälle – nicht zu bewältigen. Das fängt an mit der dumm formulierten Chrome-Fehlermeldung und dem irreführenden »Behalten«-Button, es wird vor allem fortgesetzt durch die zu versteckten Lösungsmöglichkeiten. Und für mich als IT-Erfahrenen fehlt die Möglichkeit, den beiden Kameraden Chromescheißer & Windowsweis zu hinterlassen, dass KLCP eine ordentliche Software ist.

Neue Optik, naheliegend

Es war aus zwei Gründen naheliegend, die Optik dieses Blogs zu ändern.

»Dusk to dawn«, das bisherige »Theme«, war alt und nach Aktualisierungen immer ein wenig zickig. Danach war Handarbeit angesagt. Irgendwann ließ ich die Aktualisierungen dann bleiben – was nicht viel ausmachte, denn es gab dann nur noch ein Update, und dann wurde »Dusk to dawn« nicht mehr weiterentwickelt.
Das Problem dabei ist, dass die Themes irgendwann nicht mehr zu den php-Versionen passen, die auf dem Webserver installiert sind, und auch die Plug-Ins entwickeln sich weiter und laufen irgendwann nicht mehr richtig. Obwohl ich so viele Plug-Ins gar nicht verwende, gab es zuletzt Probleme mit einem automatisch einmal am Tag laufenden Back-up-Plug-In.

Der zweite Grund ist simpler. Als ich mit meinem Blog namens »beckinsale« anfing, lag der auf einem maltesischen Server. Der hatte so seine Macken, war nicht sonderlich schnell angebunden – trotzdem fand ich das cool – und der Betreiber gab das Blog-Hosting irgendwann auf. Die Daten vom maltesischen Server konnte ich nicht retten, wenn ich auch die Texte im Großen und Ganzen als solche noch irgendwo auf dem Server liegen habe. Egal.
Als ich dann zunächst bei 1+1 und später bei allinkl.com meinen Blog aufbaute, waren wesentliche Teile immer noch in Englisch, da ich das zu maltesischen Zeiten angemessener fand, auch wenn meine Textbeiträge auf Deutsch waren. Diese englischen Überbleibsel habe ich heute entsprechend umbenannt – und die Kategorien dabei gleich erweitert –, sodass mein privater Blog in deutscher Sprache nun auch auf Deutsch auftritt. (Ausgenommen sind hier nur wordpress-theme-typische Elemente, wie die Links »Leave a comment« und »Edit«; für deren Änderung müsste ich in die Theme-Programmierung eingreifen, und dazu habe ich schlicht keine Lust.)

Nicht das dickste Buch

Petra Jörns‘ »Fremde Heimat« ist nicht das dickste Buch, das ich bislang in meinem Verlag verlegt habe, aber die Zahl der Bücher, die mehr als 500 Seiten Umfang auf die Waage bringen, liegt im einstelligen Bereich. Das Maddrax-Buch von Robert Hector (AndroSF 2, längst nicht mehr lieferbar) fällt mir ein, die ersten beiden Story-Center-Bücher »Das Wort« und »Boa Esperança« (Andro SF 4 und 5, auch nicht mehr lieferbar), und letztlich noch Helmuth W. Mommers‘ »Anderzeiten« (AndroSF 77; das Buch ist allerdings noch aktuell!). Das war’s dann aber schon. Mein Ziel war und ist nicht, die dicksten Bücher zu verlegen, sondern gute Bücher. Und die müssen nicht dick sein. (Die dicken Dinger sollen die Fantasyfuzzis schreiben und veröffentlichen …)

Petras Buch hat eine lange, aber abwechslungsarme Geschichte hinter sich. 2012 bekam ich ihr Manuskript, das dann lange lag, einige Aktualisierungen ihrerseits erfuhr. Gemeinsam mit dem im Mai 2015 verstorbenen Crossvalley Smith arbeiteten wir am Titelbild – das nun auch zum Zuge kam, nachdem wir einen alternativen Versuch mit Andreas Schwietzke unternommen hatten, der Petra aber letztlich nicht so begeisterte, wie Smiths Werk.

Die Geschichte selbst will ich hier nicht großartig ausbreiten. Es handelt sich im weiteren Sinne um Space Opera, allerdings ohne beständige Raumschlachten und zahllose Fremdrassen. Es geht vielmehr um die von einer Feindrasse geschlagene Menschheit und die Fremdrasse der Krail-on, in deren Hoheitsgebiet die letzten überlebenden Menschen versuchen, Fuß zu fassen. Und das ist nicht ganz einfach.

Das Werk ist durchaus komplex, die Zahl der Figuren nicht gering, aber übersichtlich. Die verschiedenen Parteien – Freund und Feind – sind nicht immer eindeutig abgegrenzt – anderenfalls würden Intrigen nicht funktionieren –, im Endeffekt aber doch klar und eindeutig. Und so schwierig und schmerzhaft der Weg zum Ziel auch ausgefallen ist, am Ende steht eine klare Erkenntnis.

Bemerkenswert ist übrigens die vermeintliche Diskrepanz zwischen dem Jüngelchen auf dem Titelbild und der Schilderung der Hauptfigur Alan McBride. Denn die Diskrepanz ist falsch – Alan ist ein junger Bursche, der allerdings eine ganze Menge abbekommt, und letztlich ist bewundernswert, was er alles wegsteckt, ohne, dass die Geschichte in der Hinsicht irgendwie unglaubwürdig wirkt.

Während meiner Arbeit am Lektorat und Korrektorat des Buches ist mir auch öfter eingefallen, dass eine Verfilmung des Stoffes bemerkenswert wäre. Aber das ist eine Baustelle, für die ich keinen Zugang besitze; insofern wird das wohl eine Idee bleiben.

P.S.: »Fremde Heimat« war lustigerweise eine schöne Vorbereitung auf das Lektorat von Petras Roman »Auge – Erstes Licht« aus dem auf fünf Bände angelegten Zyklus »Im Licht der Horen«, das ich für den niegelnagelneuen Verlag Plan9 machen durfte. Ich kannte Petra schon, ich kannte ihren Stil – und die Zusammenarbeit war aus meiner Sicht fantastisch. Ich hege große Hoffnung, auch die Folgebände beizeiten lektorieren zu dürfen. Aber das ist dann Thema eines anderen Blogbeitrags.

Über die Auswirkungen der Unfähigkeit, das Richtige zu tun

Im Grundgesetz gibt es ein Zitiergebot. Das ist hier kein Thema, das mit Urheberrecht und dem richtigen Zitieren in ansonsten abgekupferten Doktorarbeiten zu tun hat. Im § 19 Abs. 1 Satz 2 des Grundgesetzes geht es um das Zitiergebot in Gesetzen, wenn diese ein Grundrecht aus dem Grundgesetz einschränken. In dem einschränkenden Gesetz muss das eingeschränkte Grundrecht zitiert werden. Vollständig.

2020 gab es eine Reform der Straßenverkehrsordnung (StVO). Diverse Vorschriften und deren Auswirkungen wurden verschärft, und die Idee als solche war sicherlich sinnvoll. Schlampig jedoch war die Ausführung, denn Andreas B. Scheuer (das B. steht für Bundesminister) und seine Mannen hatten offensichtlich keine Ahnung, was im Grundgesetz steht. Jedenfalls fand sich in der 2020er StVO-Novelle an keiner Stelle ein vorgeschriebenes, vollständiges Zitat der Grundgesetzelemente, die die StVO-Novelle einschränkte.

Folge: Alles ungültig. Neben der Suche nach einem Schuldigen – sitzt der nicht mehr auf dem Chefsessel? – wird nun auch wegen der rechtswidrigen Bußgelder diskutiert und – wie in Deutschland üblich – gestritten.

Und nicht nur das. Leute, die genau hingeschaut haben – die hätte es vorher gebraucht – haben festgestellt, dass aus gleichem Grund auch die Reform von 2009 und damit alle nachfolgenden Neufassungen unwirksam sind.

Was zur Folge hätte, dass wir uns heute im Straßenverkehr mit den Vorschriften der StVO von 1970 bewegen. Mit dem Handy zu telefonieren ist erlaubt, E-Scooter sind verboten (einer der wenigen positiven Punkte an diesem Problem). Kinder müssen nicht mehr angeschnallt werden – und selbst für Erwachsene gab es keine Anschnallpflicht (die kam erst 1976), nicht mal eine Ausrüstpflicht der Fahrzeuge (die kam für die Vordersitze erst für Erstzulassungen ab 01.01.1974; ab Erstzulassung 01.05.1979 waren dann alle Sitze auszurüsten). Und es gibt ganz sicher noch mehr. Ich denke da an Alkohol am Steuer. Drogenkonsum im Straßenverkehr. Und sicher noch sehr viel mehr.

1970 also. Fein. Und warum? Wenn ich feststelle, dass ich in einem Text einen Bock eingebaut habe, öffne ich das Dokument, korrigiere den Fehler, speichere neu ab und maile ihn neu, falls das so sein soll. Im Verkehrsministerium unserer Republik schafft man das offensichtlich nicht. In der Zeit, in der man über Schuld und Sühne diskutiert hat, hätte man das Gesetz längst korrigieren und neu zur Entscheidung vorlegen können, und diese hätte längst getroffen werden können.

Aber stattdessen dürfen wir unsere Schlaghosen vom Dachboden holen, die Haare und die Koteletten wachsen lassen und uns auf das nächste Album von Deep Purple freuen – 1972 kam das sensationelle »Made in Japan« heraus. Wenn ich damals glücklich gewesen wäre, 11 Jahre alt zu sein, wenn ich die Musik damals toll gefunden hätte (Deep Purple ausgenommen) und wenn ich schon mehr im Kopf gehabt hätte als Erdkunde und Legobausteine, dann würde ich die Idee vielleicht knuffig finden. So aber …

Das Ende der menschlichen Intelligenz

Ja, ich weiß, es fehlt noch meine Begründung, warum ich am 31.08. bei Facebook ausgestiegen bin. Das ist nicht vergessen. Aber vielleicht brauche ich auch nur abzuwarten, bis Dritte genügend Gründe liefern. Ob das nun meine sind – die Folgenden sind es nicht – oder nicht, spielt möglicherweise keine Rolle.

Es ist eine Art Binsenweisheit, dass jede Kultur irgendwann in Dekadenz versinkt. Ob es die Griechen waren, das Römische Reich, Frankreich, Britannien, gleichgültig. Auch die Menschheit wird irgendwann in Dekadenz und Verdummung versinken. Das kann noch dauern, aber es wird irgendwann so weit sein. Und irgendwann fängt es an. Einen Anfang hat das Internet gemacht, die Erfindung des WWW, die Schaffung sogenannter sozialer Medien (deren Betreiber schon nicht wissen, was hinter dem Begriff »sozial« steckt).

Der Internet ist dabei, dem Menschen die Fähigkeit zu rauben, sich körperlich zu bewegen. Die Idee, zu einem Buchhändler zu gehen, um ein Buch zu kaufen, wird nicht nur durch das Internet, sondern auch durch dumme Buchhändler mit eingeschränkten Recherchemöglichkeiten zerstört, bevor jemand auf die Idee gekommen ist, es auszuprobieren.

Aber nur, weil es das Internet gibt, heißt das noch nicht, dass jemand es schafft, sich beim inzwischen weltweit wohl größten Buchhändler, dem bösen, bösen A(mazon) kundig zu machen und zuzuschlagen. Und wenn schon zahlreiche Buchhändler nicht fähig sind, auf der Suche nach einem Buch den Verlag zu kontaktieren, dann muss ein Buchkäufer in spe das zweimal nicht können.

Es stellt sich die Frage, was zuerst kommt: Dummheit oder Dekadenz. Oder ist Dummheit ein Bestandteil der Dekadenz? Dieser Fall hier ist jedenfalls auch einer – wenn auch einer der nachrangigeren – Gründe, warum ich Facebook verlassen habe. Meine Bücher in einer Horde offensichtlich des Denkens nicht mehr Mächtiger anzubieten, das fühlt sich für mich idiotischer an, als Eulen nach Athen zu tragen. Die Eulen schaffen es immerhin auch in Athen, zu fliegen. Ganz ohne Facebook, ganz ohne dumme Bemerkungen.

NOVA 29 – Im Fokus der Gestrengen

NOVA 29 ist eine ganz normale Ausgabe geworden. Erstklassige Geschichten – ich habe sie selbst mehrmals während der Produktion lesen dürfen und finde sie durchgehend stark. Auch der Sekundärteil zum Thema der Simulationshypothese ist ausgesprochen gelungen und zeigt, dass es neben literarischen auch sekundärliterarische Beiträge gibt, die es zu veröffentlichen lohnt. Abgerundet wird die Ausgabe einmal mehr – leider – von zwei Nachrufen (auf Syd Mead und Mike Resnick, letzterer geschrieben von keinem Geringeren als Cory Doctorow) und einer Reihe von hübschen und großteils farbigen Illustrationen. Eine schöne Ausgabe …

Einer, der meckert, findet sich ja immer. Und gerade NOVA wird da gerne als Ziel niederträchtiger Gelüste gewählt. Obwohl …

Es begann mit der in diesen Zeiten schon manischen Kritik an der beinahe schon unübersichtlichen Zahl von weiblichen Schriftstellern, die in NOVA 29 vertreten sind: Null. Die Zahl ist die Null. Selbstredend findet sich die Ursache schnell im Redaktionsteam, bei den Herausgebern, dem Verlag – und die Bundeskanzlerin hat sich zur Kritik nur noch nicht geäußert.

Die Kritiker an diesem Umstand gehören genau dem Geschlecht an, das sich in dieser Hinsicht auskennen muss. Männer. Schwanzträger. Den Schwanz haben einige auch gleich eingekniffen, als ich festgestellt habe, dass diese immer wiederkehrende Kritik angesichts der immer gleichen Begründung – einmal mehr vorgetragen von meinem Mitherausgeber Michael K. Iwoleit – und der immer gleichen zugrundeliegenden Umstände – weibliche Schriftsteller, die nichts einreichen, werden in NOVA einfach nicht veröffentlicht – langweilig und wenig konstruktiv ist. Eine der immer zu findenden Fachleute diesbezüglich fand das »pauschal pampig« …

… und damit wechselte der Fokus auch gleich auf das Titelbild, das – um es kurz zu machen – als sexistisch eingestuft wurde, wobei man insbesondere kritisierte, dass der Po einer – freilich beleglos – eindeutig als weibliches Wesen ausgemachten Zeichenfigur nicht nur von unten rot beleuchtet wird, sondern auch noch auf dem Buchrücken zu finden ist. Es wurde nicht gefordert, darf aber unterstellt werden, dass hier der Wunsch bestand – und möglicherweise besteht –, das Bild in diesem Bereich so zu beschneiden, dass der Po verschwunden wäre, wie diejenigen, die dies fordern könnten, möglicherweise auch sonst gerne in erogenen Zonen – zu denen ein Po zu zählen ist – herumschnippeln.

Freilich waren nicht alle Kritiker dieser Meinung. Speziell im Hinblick auf das Titelbild gab es auch Gegenstimmen, und mindestens eine war so eindeutig, dass sich Lothar Bauer, der Künstler des Titelbildes, trotz allem freuen darf, der 29. Ausgabe des NOVA Science-Fiction-Magazins ein solches Bild vermacht zu haben.

Ich für meinen Teil bin »nur« Herausgeber und »nur« Verleger von NOVA, auch der 29. Ausgabe. Ich muss meine NOVA-Kollegen gar nicht erst fragen, was sie von der Sache halten. Alle sind der gleichen Meinung, die fehlenden weiblichen Schriftsteller sind ein Skandal, und ein Titelbild ohne männliche Geschlechtsteile ist ein Unding. Ich selbst finde NOVA 29 inhaltlich wie auch optisch gelungen, das Titelbild gefällt mir und den – tatsächlich unabsichtlich dort positionierten – Po auf dem Buchrücken finde ich niedlich. Für NOVA 30 haben wir schon die Konsequenzen gezogen und werden dort einen nackten Männerhintern präsentieren – freilich nicht auf dem Buchrücken, obwohl … –, und auch für NOVA 31 kann ich schon etwas speziell für die Freunde des Antisexismus versprechen. Bis dahin darf auf keinen Fall vergessen werden, dass sich Sexismus freilich ausschließlich auf die Darstellung des spärlich bis unbekleideten Körpers des Weibes bezieht, während die Darstellung seines nackten Körpers dem Manne recht geschieht.

Abenteuer am Straßenrand

Am Landstraßenrand, um genau zu sein. An der L38, direkt südlich von Winnert. Jetzt haben wir’s.

Kim ist wieder fit. Sie läuft wie eine junge Göttin. Kein Humpeln mehr, keine Ermüdungserscheinungen. Sie legt sich sogar wieder richtig in die Leine, was sie lange nicht getan hat. Die richtigen Drogen machen es. Prednisolon – das von meiner Frau notorisch als Cortison bezeichnet wird, obwohl das falsch ist, nicht nur, aber auch, weil es Cortison und nicht Prednisolon heißen würde, wenn es Cortison und nicht Prednisolon wäre. Und ein Schmerzmittel. Natürlich – und hoffentlich – nicht für immer.

Jedenfalls gab’s heute mal wieder eine richtige Runde. Eine Stunde lang. Süderweg, De Beck, dann ein Feldweg, ein Stück L38, ein namenloses Verbindungsstück zum Lütt Dörp und dann eben Lütt Dörp. Eine Stunde. Das beste Mittel gegen Diabetes ist nicht Insulin, sondern meine Hunde. Nach der Stunde hatte ich einen Blutzuckerwert von 140. Das ist trotz allem und bei aller Liebe abends ein selten zu messender Wert.

Ich glaube manchmal, dass ich der einzige Depp bin, der für das Überholen eines Radfahrers auf der Landstraße die Spur wechselt. Mit Blinken und Vorausschauen und so. Und Blinken beim Einscheren. Nicht nur wegen dem einen Meter fünfzig, den die Pappnasen im Verkehrsministerium gekippt haben, weil sie in ihrer StVO-Novelle das Grundgesetz nicht ordentlich zitiert haben.

Ich bin vermutlich auch der einzige Idiot, der langsamer fährt, wenn er einem Fußgänger begegnet – nicht nur, aber vor allem dann, wenn der einen Hund mit sich führt. Das mache ich zugegebenermaßen auch, um mir den Hund – oder die Hunde, manchmal sind es ja mehrere – anzuschauen. Aber das Ergebnis zählt. Fußgänger und Hund(e) erschrecken nicht. Alles gut.

Radfahrer haben es nicht so mit dem Abstand. Gut, die StVO-Novelle mit 1,5 Meter Abstand gilt nicht. Aber vorher gab’s ja auch einen Abstand. Radfahrer können den nicht. Die fahren zwanzig, dreißig Zentimeter am Fußgänger mit seinen zwei Hunden vorbei. Und ziehen dabei noch eine Fresse, als hätte man sie irgendwie in ihren Freiheiten beschnitten.

Dass Autofahrer das umso weniger drauf haben, je mehr PS ihr ScheißUV – gibt es überhaupt noch andere Autos? Manchmal glaube ich, ich bin der letzte Honk, der eine Limousine fährt – unter der Haube hat. Bekanntermaßen ist die Zahl dieser PS umgekehrt proportional zur Ziffernfolge des Intelligenzquotienten des Fahrers und seines Reservereifens.

Das Stückchen an der L38 heute sind – wie immer – zweihundertfünfzig Meter. Eine Laufzeit auch dann, wenn ein Hund zwischendurch schnüffeln will, von nicht mehr als fünf Minuten; laut Google Maps ohne Hund drei Minuten. In diesen fünf Minuten gab es heute sechs Radfahrer, von denen fünf es nicht schafften, weiter als dreißig Zentimeter zur Seite zu fahren, fünf Pkw aus Richtung Winnert – darunter vier ScheißUVs – und vier Pkw aus Richtung Schwabstedt – überraschenderweise ohne ScheißUV – und aus Schwabstedt des Weiteren ein Lkw, der einen Radfahrer vorschriftsmäßig (nach der ungültigen StVO-Novelle) überholte und dafür mit etwa einem halben Meter Abstand an mir und den beiden Hunden vorbeidonnerte.

Es ist natürlich schön, Gelegenheiten zu haben, anderen Verkehrsteilnehmern einen schönen Tod zu wünschen. Bedauerlicherweise sind ja die Unfallzahlen in Deutschland – vor allem die mit Verkehrstoten – seit vielen Jahren notorisch rückläufig, sodass die Wahrscheinlichkeit kontinuierlich kleiner wird, dass einem der Wunsch erfüllt wird. Trotzdem sage ich: »Danke für Ihre Teilnahme am Straßenverkehr. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tod. Der nächste Vierzigtonner ist für Sie reserviert.«