Selbstgespräche

made.com ist ein Internetshop für Wohnungseinrichtung. Wie auf anderen solchen Seiten auch bekommt man hier alles. Fast alles. Und da sich nun alle Welt darauf freut, die Seuche besiegt zu haben, kann man sich laut einer aktuellen Werbung des Anbieters »endlich wieder offline unterhalten«.

Ich bin erstaunt. Offlineunterhaltungen führe ich bei praktisch jedem Gassigang mit meinen Hundemädchen. Die hören sowieso nur zu, wenn es um Leckerlis geht, und außer Schnapp- und Schmatzgeräuschen kommt da nichts. Folglich unterhalte ich mich mit mir selbst. Offline eben.

Wie man so eine Unterhaltung bei der in der Werbung abgebildeten Party führen soll, bleibt mir schleierhaft. Aber vielleicht habe ich das nur noch nicht ausprobiert.

Über das Versagen

Ob es ein Sprichwort oder nur eine Redensart ist, spielt eigentlich keine Rolle. Vor allem in Bayern hört man gerne den Spruch »Sitzt, passt, wackelt, hat Luft«, eine Redensart – sic! –, die man sich vorrangig nach handwerklichen Tätigkeiten gönnt. Oder auch einfach, wenn es passt.

Die Handwerker-Website manomano.de – eine Art Online-Baumarkt – hat sich nun in Verkennung der Bedeutung dieser Redensart die Variante »Sitzt, passt und wackelt nicht« einfallen lassen und sich damit in die Riege der Werbidioten eingegliedert. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Fehlentscheidung.

Korrektur hören

Ich empfehle gerne, Texte aller Art Korrektur zu lesen, bevor man sie veröffentlicht, und schließe dabei vor allem auch textliche Werbeaussagen mit ein. Aber bisweilen sollte man auch das gesprochene Wort Korrektur lesen … nein, hören. Bei so einer Aktion wäre den Werbidioten der McMakler GmbH in Berlin vielleicht auch aufgefallen, dass die Antje Hamer die TV-Werbung mit der Frage beginnt, ob man seine Mobilie (!) verkaufen möchte.

McMakler TV-Spot "Immobilien verkauft man mit McMakler"

Und nein, ich mochte meine Im(!)mobilie schon zu den Zeiten des halsnasenohrenkranken Sprecher schon nicht verkaufen, und daran hat sich nichts geändert. Und meine Mobilie – derer ich zwei besitze – verkaufe ich auch nicht, auch nicht bei den Nervwerbern von ichversaufedasgeldfuerdeinauto.de.

Makellos oder Macke groß?

Das kommt dabei heraus, wenn man Rauschgift nimmt:

Aber was will man auch von einer Werbung für ein Produkt einer Firma erwarten, die in München sitzt und sich völlig unpassend »Nordic Cosmetics« (auf Deutsch ging es wieder nicht) nennt (für Münchner liegt Garching bereits jenseits des Polarkreises) und mit Cannabis nicht nur Kosmetik produziert, sondern offensichtlich auch den recht zweifelhaften Kreativprozess der zuständigen Marketingmitarbeiter zu steuern versucht. Aber »Fühl dich wohl in deiner eigenen Haut« war wohl einmal mehr zu deutsch.

Peinlichende Verlage*innen

Mit Hinstorff kam ich über die kurze Zeit in Berührung, wenn ich mich recht entsinne, als der Verlag mit dem Heyne-Verlag zusammenarbeitete. Noch heute bekomme ich die Mails von Hinstorff, mit dem man die neuen Verlagsprogramme ankündigt. Eigentlich angenehm unaufwendig und wenig nervig. Aber:

»Mit Vorfreude auf einen schönen Sommer, möchten wir Sie heute schon auf die neuen Hinstorff-Titel für das zweite Halbjahr aufmerksam machen. Unsere Autor*innen, Illustrator*innen und Fotograf*innen entführen uns in ihre spannenden, unterhaltsamen und aufregenden Welten, die wir nun in Form von wunderbaren neuen Titeln präsentieren dürfen.«

Das gibt es nicht, denke ich mir, und öffne »Die schönsten Bücher im Norden«, das Programm für den Herbst 2021 »mit Gesamtverzeichnis«. Das Programm des Verlages ist ausgesprochen nordlastig – SF ist längst kein Thema mehr (und das ist vielleicht gut so) –, aber der Programmkatalog ist gespickt mit pseudodeutschen Sprachpeinlichkeiten in Form von Gendersternen. Und man kann Peinlichkeitende durchaus noch steigeren*innen:

Da gibt es »Das Lehrbuch für Plattdeutsch« in der »Expert*innen-Neuauflage«, und eine Seite weiter wird für eine plattdeutsche Krimireihe geworben:

»Man nehme: Einen Hauptkommissar namens Jörg Knaak und den Kommissar Werner Rhode von der Mordkommission, dazu Dr. Schmidt und Hella Kaminski von der Spurensicherung … und? Und natürlich Kriminalfälle, skurril oft, meistens undurchsichtig, ja unheimlich, manchmal mit Wendungen, die nicht nur die Ermittler überraschen. Diese „Zutaten“, gut gemixt, ergeben Wolfgang Mahnkes Kurzkrimis, gekonnt erzählt auf Niederdeutsch, wie wir es von ihm in bewährter Art und Weise kennen. Die Leser*innen werden zahlreiche Tatorte in Rostock und der näheren Umgebung kennen: „Ganz in’e Nehg füll ’n Schuss. Vera Buck löt vör Schreck denn’ lütten Plasteemmer fall’n un grep sick an ’t Hart. In dat Unnerholt marachte wat up se tau“ … Ja, und was da wo passierte in „Blage Beern un rode Hoor“ finden die Kommissare und die Leser*innen heraus in atemberaubender Spannung, die nicht nur beim Autor die Frage aufkommen lässt: „Sünd s’ existent orer blot Droom?“ Also ein weiterer Fall – dieses Mal von wem zu lösen?«

Das herausragend Peinlich*innene daran: Nur die Leser werden gegendert – obwohl es inzwischen genügend Umfragen gibt, die klarstellen, dass die das in der Mehrheit nicht mögen –, nicht jedoch der Hauptkommissarende, die Mordkommissionenden, die Ermittler*, die Kurzkrimi*innen und das Niederdeutschende …

Merkt ihr was?

Ein Verlag, der überhaupt auf die Idee kommt, ein Sternchen zu benutzen, um irgendeine krude Halbverschwörungstheorie – Gendern fördert ja angeblich die Gleichberechtigung – zu unterstützen, ist peinlich. Ein Verlag, der das nicht konsequent durchzieht, ist dämlich. Und ein Verlag, der das konsequent durchziehen würde, ist indiskutabel und sollte die Branche wechseln. Am besten Schraub*innende herstellen.

Ich habe die Newslettermail heute abbestellt.

P.S.: Wer sich die Vorschau*innen anschauen möchte: http://www.hinstorff.de/img/cms/Herbst.2021_Vorschau.pdf.

Das Ende kommt näher

Es ist so weit, ein weiterer Schritt zum Ende unserer Sprache – der Sprache der Dichter und Denker – ist Opfer von undichten Genderschwänzen und denkunfähigen Gendermösen (oder umgekehrt? Gleichberechtigung! Gleichberechtigung!) geworden:

Gesprochen wird das: »… und fragen Sie Ihre Ärzt innen oder Apotheker innen« – und verdammt, für diese Missachtung meines Mannseins und für diese Schändung der deutschen Sprache hoffe ich, dass euch die Eier verfaulen. Alle Eier – Gleichberechtigung! Gleichberechtigung!

Worte zum Tag 05/12

  • Samstag. E-Mail-Tag. Anfangs schwergängig, dann doch erfolgreich. Wie immer sind einige Mails liegen geblieben. Aber die Mailbox sieht besser aus als noch am Morgen.
  • Werbidiotie. Ich neige eigentlich nicht dazu, neue Worte erfinden zu wollen. Obwohl schon der Exkrementalausgang auf meine Kappe geht. Aber Werbidiotie ist um mich herum, überall. Und sie nervt. Heute Morgen poppte irgendwo eine Werbung für die neue S-Klasse von Mercedes-Benz auf. Diese Autos sehen seit Jahren aus wie mutierte Küchenschaben. Und nun zeigt auch Mercedes-Benz (bzw. Daimler-Benz) den Willen, seine Küchenschaben nur noch an Feinde der deutschen Sprache zu verkaufen: »Cares for what matters« heißt es, und es erklärt nichts. Und abgesehen davon, dass ich bezweifle, dass Daimler-Benz wirklich weiß, was bei mir »matters«, würde ich gerne unterstellen, dass sei ein Hinweis auf die Selbstfahrfähigkeiten dieser Blechinsekten, erfüllt von der Hoffnung, dass man sich die Benutzung einer solchen »Carre« letztlich sparen kann. Sie fährt ja dann eh allein. – Ich will indes nicht verstehen und auch nicht akzeptieren, warum eine deutsche Automarke in Deutschland für ein deutsches Auto mit einem – noch dazu ziemlich dämlichen – englischen Spruch wirbt.
  • Und wo ich gerade bei werbidiotischen Autoherstellern bin … Audi ist eine Marke, die ich niemals selbst fahren würde. Alles jenseits des A4 sieht aus wie eine Zuhälterkarre, zumal die Angebote an Designzubehör die Optik allenfalls noch verschlimmern. Audi war mir bislang als Hersteller bekannt, der mit dem Spruch »Vorsprung durch Technik« wirbt – und das macht er auch immer noch, außer, wenn es um die Elektroautos geht. Da muss es »Future is an Attitude« sein – und bei dieser Erkenntnis, dass Zukunft eine Einstellung ist oder sein kann, erkenne ich auch: Deutsch (zu sprechen) ist eine Einstellung. Und zwar die richtige.

Werbidioten II

Die Rügenwalder Mühle macht Werbung für »veganes Mühlenhack«. Über den Sinn eines solchen Produktes möchte ich hier nicht nachdenken. Aber sie bieten ihr »veganes Mühlenhack« für Lasagne an. Und für Bolo. —
Bolo?
Das heißt Spaghetti Bolognese. Oder Ragù alla bolognese. Ihr sprech- und denkfaulen Vollhonks!

Werbidioten

Kaufland bewirbt seine aktuellen Produkte, die es »diesen Dobimi« gibt … »Dobimi«? Links oben steht es ausgeschrieben: »Donnerstag bis Mittwoch«. Wer die deutsche Sprache nicht lesen und nicht sprechen kann, sollte die Gelegenheiten nutzen, die seit 2015, seit der Flüchtlingsschwemme in Deutschland geschaffen wurden. Nennt sich Sprachkurs. Und gibt’s nicht nur »Dobimi«.

PokerStars, ein für mich völlig nebensächlicher und überflüssiger Anbieter für Pokerzocker, macht jetzt Werbung mit einem »frischen Markenansatz« (so der Blog auf pokerstars.com): »Zwei Wörter. Mehr braucht es nicht. I’M IN.« Es ist schon scheiße, wenn Deutsche die deutsche Sprache nicht beherrschen, nicht zuletzt, weil sie ihre Muttersprache mit Anglizismen und anderem Unsinn verseuchen. Aber nicht mal den Unsinn, den man verzapft, im Griff zu haben, das erinnert mich irgendwie an den Zauberlehrling. »I’M IN« jedenfalls sind genau *DREI* Wörter: »I AM IN«, so kennt es der der englischen Sprache mächtige Fachmann, und er weiß auch, dass sich durch die apostrophische Verkürzung zu »I’M IN« weder normal noch versal die Zahl der Worte verringert. – Mein Fazit dazu: Auf einer Pokerseite, die in einer Werbekampagne schon nicht richtig zählen kann, würde ich nicht spielen wollen – da würde ich meine Gewinne doch zu sehr gefährdet sehen.