Durcheinander?

  • Gestern erfuhr ich durch Zufall, dass ich heute Vormittag einen Termin habe. Kimmischwimmi. Das sind Kims physiotherapeutische Schwimmrunden. Frau muss arbeiten, ich darf den Termin wahrnehmen. Zum Glück – oder auch nicht – gibt es keinen Gummianzug in meiner Größe (vor allem nicht mit meiner Schuhgröße 49), sodass die Physiotherapeutin das Schwimmen übernimmt. Und sehr gut macht. Kim ist beschäftigt, sie muss richtig arbeiten und ist hinterher fein ausgeruht. Feucht. Und fit. Aber ich glaube, sowas berichtete ich schon.
  • Vorher konnte ich ein Lektorat beenden. Erste Runde, Military SF. Von einer sittsam bekannten Autorin, die in Sachen Genre aber ziemlich flexibel ist. Nein, ich sag den Namen nicht. Sie hat über sechzig Bücher verfasst. Vielleicht kommt ihr von selbst drauf. – Das Lektorat ist noch nicht zu Ende. Und wird lustig. Oder auch nicht. Die Entscheidung, Gendern zu akzeptieren oder nicht, überlasse ich dem Verlag. Ich finde es in einem belletristischen Werk nicht richtig, aber im Zweifelsfall kann ich mehr als Kritik nicht anbringen. Ich bin nur der Lektor, nicht der Autor.
  • Mittagsgassi fiel wegen Kimmischwimmi aus. Auch für Naomi. Ohne Kim mit Naomi Gassi zu gehen, ist aussichtslos. Selbstquälerisch. Sie hat keinen Spaß dran. Ich auch nicht. Also fiel es aus.
  • Nach der Mail an die Autorin fiel ich irgendwie in ein Loch. Ich wusste nicht, womit ich weitermachen sollte.
  • Also sortierte ich Unterlagen. Zettelkram. Sachen, die noch zu erledigen waren. Der elende Papierhaufen, den ich letztens vom Schreibtisch in ein Regal verbannt habe. Wodurch er nicht kleiner wurde.
  • Dann versuchte ich, das Lexware-Formular für meine global:epropaganda auf die neue Version, die ich letztens erstellte, umzubauen. Erfolglos. Der Formularbereich, auf den die Makros zugreifen, lässt sich jedenfalls mal nicht einfach kopieren. (Hinterher wurde mir klar, dass das schon okay war; nur die Makros hätte ich auch kopieren müssen.)
  • Gassigang, große Runde. Ich war lange nicht mehr hinten über die Äcker gelaufen. Hinten heißt: Richtung Norden. Das ist Frauchens Territorium, wo sie jeden Morgen Freilauf zelebriert. Jeden Morgen die gleiche Strecke. Mich würde das irgendwann irremachen. Aber heute war das gut. Allerdings ohne Freilauf, weil mir Kims Gehopse den Rest gegeben hätte (längere Story, muss ich andermal erzählen). Die Sonne schien, es war recht warm, schön einfach.
  • Wieder daheim wurden die Hunde umgerüstet. Ein anderes Halsband für Kim. Dazu der Maulkorb, noch in meiner Hand. Und ab zum Tierarzt. Für Kim standen Routineimpfungen an. – Wir mussten eine Stunde warten, trotz Termin. Unsere Tierärztin kann sich über Kundschaft nicht beklagen. Kim schlug sich tapfer, wenn auch wie üblich: Maulkorb an, mit Widerstand rauf auf den Tisch, Kim festhalten, damit sie nicht abhaut. Die Azubine hörte nicht richtig zu und entkam Kims Zugriff gerade eben. (Wenn der Maulkorb »dicht« ist, ist er immer noch hart; und Kim ist nicht zimperlich, wenn sie sich wehrt.) Interessante Erkenntnis: Obwohl sie sich aufführt, als ginge es ihr ans Leben, ist ihr Herzschlag völlig normal. Typischer Fall von Rumzicken. »Bockig«, meinte die Tierärztin und entschuldigte sich unnötigerweise.
  • Daheim nervte Kim, indem sie ständig hinter mir herrannte. Erst als ich sie anschnauzte, gab sie Ruhe. (Und jetzt, da ich dies schreibe, liegt sie irgendwo und schläft.)
  • Am Ende gelang es mir doch noch, das global:epropaganda-Formular für die Lexware herzurichten. Wer das Layout sehen möchte, kann sich ja ein Angebot von mir machen lassen. Gehe dazu auf www.globalepropaganda.de und schau dir an, was ich so anbiete.

Gendern ist sinnlos

Gendern versaut die deutsche Sprache. Gendern ist dumm und fantasielos. Und Gendern hilft nicht dabei, das Ziel zu erreichen, wegen dem Genderfans gendern. Genderfans sind in der Tat diejenigen, die verhindern, dass sich die Gesellschaft auf das eigentliche Problem konzentrieren kann: auf die Gleichstellung von Mann und Frau (und von wem sonst noch). Genderfans sind die, die sich beleidigt geben, wenn man ihnen ihr Geschlecht nicht verbal oder schriftlich ins Gesicht schmiert.

Bei Xing erschienen heute zwei Beiträge, pro und contra. Thomas Nötting schrieb »Warum Gendern sinnlos ist«; er ist freier PR-Berater und Autor. Und natürlich ist es eine Frau, Karen Schmied, die behauptet, »nicht zu gendern ist auch keine Lösung«; sie ist Programmchefin von Radio Fritz beim RBB. – Die Beiträge kann leider nur lesen, wer bei Xing registriert ist, aber die Registrierung für ein Basispaket ist kostenlos und schnell erledigt.

Nele Pollatschek beweist beim TAGESSPIEGEL immerhin, dass sich Frauen nicht grundsätzlich den Vorwurf gefallen lassen müssen, »pro Gendern« eingestellt zu sein; dass dem nicht so ist – und in der Tat gibt es genauso viele männliche Sprachverbrecher – beweist sie unter dem Titel »Gendern macht die Diskriminierung nur noch schlimmer«. Höchst lesenswert.

Die Argumentationen »pro Gendern« sind meist völlig blödsinnig und ähnlich wertvoll wie Verschwörungstheorien. Und vor allem ist die Genderei rassistisch – denn eines übersehen die Genderfans: Es ist fein, dass erreicht werden soll, dass sprachlich »m« und »w« zu ihrem bislang aberkannten Recht kommen, aber was ist denn bitte mit »d«? Das Genderpack erreicht nicht nur das eigentliche Ziel der Gleichberechtigung nicht, sondern stößt auch noch diejenigen vor den Kopf, die sich einmal mehr entscheiden müssen, ob sie »m« oder »w« sein wollen, obwohl sie »d« sein möchten, nicht nur, aber auch, weil sie das Recht dazu haben sollten.

Ergo: Nicht labern, laberst du? Du laberst! Sondern handeln. Gleichberechtigung redet man nicht herbei – vor allem nicht mit einer Sprache, die man nicht mehr sprechen kann, weil sie mit Sonderzeichen verseucht ist.

Zum achten Mal

Zum achten Mal habe ich 2020 die Ehre, den QUARBER MERKUR zu layouten – und ich habe die Arbeiten heute beendet. Die Nummer steht, der Buchblock ist Korrektur gelesen, der Umschlag generiert. Es fehlt der Druckauftrag von Gerhard Lindenstruth, Verleger des QUARBER MERKUR, und auch seine Preisangaben (die allerdings vermutlich nicht weit von denen des QUARBER MERKUR 120 entfernt sein dürften, hat die # 121 doch gerade mal 4 Seiten mehr). Bis die Ausgabe 121 also käuflich zu erwerben sein wird, dauert es noch ein Weilchen, aber die Information möchte ich dennoch nicht vorenthalten.

Franz Rottensteiner (Hrsg.)
QUARBER MERKUR 121
Franz Rottensteiners Literaturzeitschrift für Science Fiction und Phantastik
Verlag Lindenstruth, Giessen, September 2020, 304 Seiten, Paperback
ISBN 978 3 934273 11 5

  • Franz Rottensteiner: Einleitung
  • Gundula Sell: Alle Inseln da, nur Soléa fehlt. Ursula K. Le Guins »Erdsee«-Gesamtausgabe – eine Welt im Wandel
  • Fritz Heidorn: Arthur C. Clarke – Schriftsteller des Anthropozäns
  • Michael Weisser: Die Zukunft der Science-Fiction in der digital vernetzten, intermedialen Gesellschaft
  • Maria Galina: Zurückkehren und ändern. Die Alternativgeschichte Russlands als Widerspiegelung der traumatischen Punkte im Kollektivbewusstsein des postsowjetischen Menschen
  • Franz York Haarmann: Eine »Mögliche Welt« am Anfang der Science Fiction: Kurd Laßwitz‘ Roman Auf zwei Planeten
  • Wolfgang Both: Science Fiction in der Popmusik
  • Marjan Asgari: Kafkas Erzählungen und der Hyperraum
  • Sophie Mantrant: Ein Essay oder Fiktion? Über Hieroglyphics, a Note upon Ecstasy in Literature (Arthur Machen, 1902)
  • Zarko Milenić: Warum der Film Stalker von Andrej Tarkowski nicht zum Genre Science-Fiction gehört
  • Hans Esselborn: Dietmar Dath: Neptunation oder Naturgesetze, Alter!
  • Marcel Schmutzler: Nur Realismus im Land der Trolle? Auf den Spuren einer aktuellen norwegischen Fantastik
  • Franz Rottensteiner: »Für eine Handvoll Dollar mehr« – der seltsame Fall des Prozesses Stanislaw Lem gegen Franz Rottensteiner vor dem Handelsgericht Wien
  • Christian Hoffmann, Hans Langsteiner, Franz Rottensteiner, Matthias Schmid, Ulrich Spiegel: Der Seziertisch

Das Titelbild stammt von Thomas Franke.