Soll Literatur verdorben werden?

Ein gerade für mich als Verleger belletristischer Literatur hochinteressantes Thema. Meine Ansicht ist simpel: Wer Literatur gendert, sollte nicht veröffentlicht werden. Geschweige denn gelesen. — Der anfängliche Tenor der Umfrage zeigt eine Ablehnung deutlich über 60 %.

Umfrage: Romane gendern?

In der „Schönen Literatur“ findet sich Gendersprache sehr selten – aus gutem Grund: Genderformen stören den Lesefluss oder führen zu Unklarheiten, beispielweise wenn maskuline und feminine Personenbezeichnungen abgewechselt werden. Wird hingegen konsequent durchgegendert, entsteht ein unlösbares Dilemma. So als würde man vom Nachbartisch dauernd um die Uhrzeit gebeten, zerreißt die abstrakte Frage (nach der jeweils angemessenen diversitätsgerechten Form) die Stimmung und lenkt ab von der Geschichte. Der Text wird ungenießbar. Das Meinungsforschungsinstitut Civey führt derzeit eine Umfrage durch, ob sich die Leserschaft mehr Genderformen in der Literatur wünscht. (civey.com)

Quelle: VDS-Infobrief 29.05.2022

Aussterbende Spezies: Der Bindestrich

Ein Beitrag aus dem VDS-Infobrief vom 06.05.2022, dessen Lektüre mir schwere Wasser auf die Mühlen war und ist:

Bindestrich oder nicht Bindestrich

Unter der Überschrift „Sinnisolierende Schreibung unerwünscht“ beklagt Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg, in der FAZ den Verfall der Bindestrich-Kultur im öffentlichen Sprachgebrauch. Während im Englischen Namensbestandteile und Zusammenfügungen von Wörtern, die keine neue Einheit bilden, sondern lediglich eine neue Begriffskonstellation erzeugen, einfach nebeneinander gestellt werden („Gas Station“, „National Library“ oder „Franklin Institute“), erforderten solche Kombinationen im Deutschen eine Signalisierung der Verbindung durch einen Bindestrich, was mehr und mehr in Vergessenheit gerate. Der Verfasser leide geradezu unter den „rätselhaften Aneinanderreihungen von Substantiven“ wie „Kinder Portion“, „Zauber Gewürz“ oder „Extra Gedeck“. Auch Universitäten und renommierte Institute setzten sich über die leserfreundliche Bindestrichlösung hinweg bzw. ignorierten sie zunehmend wie „Humboldt Forum“ statt „Humboldt-Forum“, „Erich Kästner-Schule“ statt „Erich-Kästner-Schule“, „Johann Wolfgang von Goethe-Universität“ statt „Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität“ oder sogar die „Oswald-von-Wolkenstein-Gesellschaft“, die sich – obwohl durchweg aus Germanisten bestehend – in ihrem neuen Jahrbuch tatsächlich „Oswald von Wolkenstein Gesellschaft“ nennt. Ein Leserbrief beklagt darüber hinaus, dass zunehmend auch Wörter zu sinnwidrigen oder schwer lesbaren neuen Begriffen zusammengefügt werden wie „Coronaisolation“ statt „Corona-Isolation“ oder „Wasserstoffanlage“ statt „Wasserstoff-Anlage“. (faz.net (Bezahlschranke))

Ein Tag wie heute

– ist nichts Besonderes.

  • Zwei Gassigänge bei Regen. Beide Male zeigte das Regenradar an, es sei trocken; beide Male spendierte mir man meinen persönlichen Schauer. Danke.
  • Am Vormittag stellte ich das Lektorat für ein auf den Kapverden angesiedeltes Buch fertig. Dazu eine lange und ausführliche Mail an die Autorin. Inzwischen steht fest, dass ich den Buchsatz machen darf.
  • Nachmittags das Layout von Ron Müllers Neuausgabe „Das Zwillingsparadoxon“ fertiggestellt.
  • Und den Rest des Abends (bis maximal 20 Uhr) geht es um das Layout des neuen Romans von Gabriele Behrend, „Das Dorf auf dem Grunde des Sees“, eine fantastische Geschichte mit dem bei ihr üblichen Tiefgang.

Ein Tag wie heute – wird sich so ähnlich wiederholen. Vielleicht. Bestimmt.

Der frische VDS-Infobrief ist da

Und wieder ist es so weit, der VDS-Infobrief vom 19.03.2022 ist da (bzw. hier). Und der Inhalt wie immer in Kurzform:

1. Presseschau
• Lesekompetenz von Grundschülern gesunken
• Lettisch als Wissenschaftssprache
• Der „Mohr“ vor Gericht
2. Gendersprache
• Dinslaken soll gendern
• GfdS zufrieden mit Genderstern-Studie
3. Sprachspiele: Unser Deutsch
• Vergissmeinnicht
4. Kultur
• Seltene Schriftrolle im Israel-Museum
• Einmaliges Wermelskirchen
5. Berichte
• 150 Jahre Schleizer Duden
6. Denglisch
• „Pitchen“
• Asche zum Mitnehmen
7. Termine

VDS-Infobrief vom 06.03.2022

Und wie jede Woche gibt es auch dieses Wochenende einen neuen Infobrief des VDS e.V., des Vereins Deutsche Sprache. Den gesamten Infobrief findet man wie immer auf der Website des Vereins: hier. Diesmal hat der Infobrief folgenden Inhalt:

1. Presseschau
• Europa und die Sprache der Macht
• NRW plant Unterricht in ukrainischer Sprache
• Füllwörter sind besser als ihr Ruf
2. Gendersprache
• Von Buhfrauen und Schürzenjägern
3. Sprachspiele
• Nicht zu verwechseln sind Wort und Begriff
4. Kultur
• Harald Weinrich ist tot
• Die deutsche Sprache als Stärke
Einer der auszog, dem Gendern zu entkommen
5. Berichte
• Sprach-Apps im Vergleich
6. Denglisch
• Jojo und die Anglizismen
7. Termine

Der rot markierte Artikel ist besonders erwähnenswert.

Wider die Rückkehr in die Unterdrückung

Die Unterdrückung unter umgekehrten Vorzeichen: Der Mann soll aus dem deutschen Sprachbild verschwinden … was per se schon völliger Blödsinn ist, denn das generische Maskulinum hat mit dem Mann als Lebewesen und als Teil des menschlichen Genoms überhaupt nichts zu tun. Das generische Maskulinum ist wie das generische Femininum eine sprachliche Konstruktion – nicht mehr, nicht weniger. Sie dient der Verständlichkeit des Deutschen und hilft insbesondere auch Nichtmuttersprachlern, unsere Sprache zu erlernen.
Schon des Öfteren überlegte ich, wie es wäre, das generische Femininum vollständig abzuschaffen – und bei der Gelegenheit auch gleich das lästige generische Neutrum –, um dem Manne – der nichts damit zu tun hat – wieder die Rolle zu ermöglichen, die ihm sowieso ständig unterstellt wird: die des nicht nur sprachlichen, sondern auch grundsätzlichen Unterdrückers. Dann läse sich der erste Absatz dieses Beitrags so:

Der Unterdrückung unter umgekehrtem Vorzeichen: Der Mann soll aus der deutschen Sprachbild verschwinden … was per se schon völliger Blödsinn ist, denn der generische Maskulinum hat mit dem Mann als Lebewesen und als Teil des menschlichen Genoms überhaupt nichts zu tun. Der generische Maskulinum ist wie der generische Femininum ein sprachlicher Konstruktion – nicht mehr, nicht weniger. Er dient der Verständlichkeit des Deutschen und hilft insbesondere auch Nichtmuttersprachlern, unserer Sprache zu erlernen.

Unauffällig, nicht wahr? Aber letztlich blödsinnig. Und dennoch:

Die Dominanz des weiblichen Artikels

Meinhard Creydt schlägt in seinem Artikel auf dem Portal heise.de/telepolis einen Paradigmenwechsel in der Debatte um gendergerechte Sprache vor. Er erklärt, dass in der deutschen Sprache der weibliche Artikel in den zentralen Bereichen des menschlichen Lebens dominiert und enorm ausgebreitet sei. Wo es um Arbeit geht (die Wirtschaft, die Arbeit) oder um Sozialisation und Bildung (die Schule, die Universität, die Kultur) und in vielen weiteren Bereichen würden männliche Artikel ausgegrenzt. Sprachliche Gleichberechtigung und Sichtbarmachung aller Geschlechter sind Argumente der Genderbefürworter. Creydt führt jedoch aus, dass die Diskriminierung des Männlichen in der Bezeichnung der Zentralobjekte unseres Seins omnipotent ist. Die Genderdebatte reduziert die Welt auf Personen. Creydts Beispiele beweisen, dass Deutsch eben keine „reine Männersprache“ ist und die Debatte um das Gendern grundsätzlich verengt und fehlgeleitet ist. (heise.de/tp, aus dem VDS-Infobrief vom 26.02.2022)

Letztlich fragt man sich, was die Genderverfechter eigentlich für ein Problem haben. Zu viel Zeit? Zu wenig Grips? Keinen Duden zum Nachzählen?

Der VDS-Infobrief

Der VDS, der Verein Deutsche Sprache e.V., veröffentlicht einmal in der Woche, immer passend zum Wochenende, den »Infobrief«, eine E-Mail mit verschiedenen Themen. Auf meiner Verlagsseite veröffentliche ich das Inhaltsverzeichnis nun schon zum dritten Mal — und behalte das auch bei –, aber aus gutem Grund werde ich dies nun auch in diesem, meinem privaten Blog tun, denn hier werde ich auch — wie schon das eine oder andere Mal geschehen — ein Thema aus dem aktuellen Infobrief detaillierter aufgreifen.

Der aktuelle VDS-Infobrief ist vom 26.02.2022 und bietet folgende Inhalte:

1. Presseschau
• Erster Erfolg gegen Audi
• Der Traum vom Universalübersetzer
• Die Suche nach der eigenen Muttersprache
• Das Bairische kein Deppenidiom
• Fehler gehören dazu
2. Gendersprache
• Gendern kein natürlicher Sprachwandel
• Gendern: Historisch einmaliger Vorgang
• Die Dominanz des weiblichen Artikels
• Gendern im Abi
• Fachzeitschrift der Architekten umbenannt
• Von „Freierinnen“ in Wien
3. Sprachspiele: Unser Deutsch
• Beauftragte
4. Kultur
• Kreative Ausdrücke füllen sprachliche Lücken
• Kisuaheli für das Selbtbewusstsein Afrikas
5. Berichte
• Jürgen-Moll-Preis für Michael Andrick
6. Denglisch
• Weltgewandte Manager
7. Termine

Der Infobrief des VDS ist nicht nur für Mitglieder des Vereins gedacht. Auf der Seite des Infobriefs kann man sich für diesen auch als Nichtmitglied anmelden – und dort kann man auch die bisher erschienenen Infobriefe nachlesen. Auch wenn man zum Beispiel Fan des Genderns ist, lohnt es sich: Nirgendwo bekommt man die Dummheit dieses Tuns besser und eindeutiger aufgezeigt.

Quarber Merkur 122

Der Quarber Merkur 122 ist fertig – leider mit Verspätung, und diesmal mit erheblicher Verspätung. Aber es hat sich gelohnt — der Inhalt kann sich einmal mehr sehen lassen:

Franz Rottensteiner (Hrsg.)
QUARBER MERKUR 122
Franz Rottensteiners Literaturzeitschrift für Science Fiction und Phantastik
Verlag Lindenstruth, Giessen, März 2022, 288 Seiten, Paperback
ISBN 978 3 934273 12 2
EUR 17,00 im Inland, EUR 20,00 im Ausland

Franz Rottensteiner: Einleitung
Wladimir Borissow & Alexander Lukashin: Diese Welt haben nicht wir erfunden. Utopische und antiutopische Motive im Werk der Brüder Strugatzki
Jean-Pierre Laigle: Johan Vibe. Ein Wegbereiter des Zukünftigen in Norwegen
Fritz Heidorn: Science-Fiction, der Realismus unserer Zeit. Kim Stanley Robinsons »Zukunftsgeschichte«
Christian Hoffmann: Afrofantastik 2.0
Wolfgang Both: Von Science-Fiction-Romanen inspirierte Rock- und Popmusik
Marcel Schmutzler: Warum Lovecraft gerade jetzt?
Rainer Eisfeld: Faszinierende Gemälde nie geschauter Welten. Chesley Bonestell und John W. Campbell
Michael Hageböck: Fantastisches Spielevergnügen. Colloquium über analoge Unterhaltung
Detlef Thiel: Scheermatt & Dürrenbart GmbH. Ein Chiasma zu Friedrich Dürrenmatts 100. Geburtstag und zur ersten Sammlung unbekannter Texte von Paul Scheerbart seit 25 Jahren
Natsuno Tokunaga: Opfer der Wissenschaft oder »mad scientist«? Satirische Anspielungen auf Gustav Theodor Fechner und Johann Karl Friedrich Zöllner in Oskar Hoffmanns »metaphysischem Phantasieroman« Die vierte Dimension (1909)
Franz Rottensteiner: Die okkulten Detektivromane »Jack Manns«
Christian Hoffmann, Franz Rottensteiner, Matthias Schmid, Ulrich Spiegel: Der Seziertisch

Das Titelbild stammt von Enrique Meseguer (Pixabay).

VDS-Infobrief 12.02.2022

Der VDS, der Verein Deutsche Sprache, veröffentlicht einmal wöchentlich einen Infobrief mit aktuellen Themen. Ältere Ausgaben findet man hier: vds-ev.de/infobrief.

Die Themen im aktuellen Infobrief vom Samstag, 12. Februar 2022, sind:

1. Presseschau
• Duden enttäuscht Juden
• Polen benachteiligt deutsche Minderheit im Unterricht
• Leipziger Buchmesse erneut abgesagt
2. Gendersprache
• Norwegen schafft genderneutrales Fürwort
• Gendern ist „Wortzertrümmerung“
• Gendern in Italien
3. Sprachspiele: Unser Deutsch
• Bürgerinnen und Bürger?
4. Kultur
• Ausstellung zur Fliegersprache
• Grundschüler wird begehrter Autor
• Wie Hebräisch zur modernen Sprache wurde
5. Berichte
• Neue AG Ausgangsschrift
6. Denglisch
• Überwürzung durch Anglizismen
7. Termine

Grüne Sprachzecken

Im Infobrief des VDS e.V. vom 12.12.2021 steht geschrieben, wer da in die Regierung gewählt wurde:

Neue Familienministerin ist für das Gendern gegen die Mehrheit

Die bisherige rheinland-pfälzische Klimaschutzministerin Anne Spiegel (Grüne) ist jetzt die neue Bundesfamilienministerin. In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland verkündete sie: „Ich finde gendergerechte Sprache wichtig, auch in staatlichen Dokumenten. Es wäre wünschenswert, wenn die Bundesregierung zu einem einheitlichen Verfahren findet.“ Auch ihre Parteikollegin und Außenministerin Annalena Baerbock sprach sich in der Vergangenheit bereits mehrfach fürs Gendern aus: „Ich will Politik für alle Menschen machen und das bedeutet, auch alle mit anzusprechen – und nicht nur mit zu meinen.“ Die Welt erinnert in diesem Zusammenhang an die Umfrage von Infratest Dimap für die Welt am Sonntag im Mai 2021. Dieser zufolge lehnen 65 Prozent solche Formulierungen wie „Forschende“ statt „Forscher“ ab, auch das große Binnen-I („ZuschauerInnen“) in der geschriebenen und die Sprechpause („Akademiker_innen“) in der gesprochenen Sprache werden mehrheitlich abgelehnt. (welt.de, berliner-zeitung.de)

So geht man nicht mit Mehrheiten um, meine Damen. Aber bei den Grünen gelten ja schon immer die Gesetze ein wenig anders, als sie formuliert sind. Und möglicherweise wird im Begriff »Demokratie« das »Demo« leicht überbewertet.