SF eines Großmeisters der Kurzgeschichte

Die große Storysammlung eines großen Meisters der deutschsprachigen SF-Kurzgeschichte ist immer noch im Programm meines Verlages: Helmuth W. Mommers’ »Anderzeiten«. Und nun darf ich die enthaltene Kurzgeschichte »Ein Programm zum Verlieben« als Leseprobe präsentieren: hier. Ein Wunsch des Autors – welch glücklicher Zufall.

Das wundervolle Titelbild stammt nach wie vor von dem ebenso großartigen Lothar Bauer.

Mommers, Helmuth W., ANDERZEITEN. Erzählungen

Wenn ein Franke Theater macht

Wer Thomas Franke mal nicht als Bild- oder Textkünstler, sondern in seiner hochprofessionellen Eigenschaft als Theaterschauspieler erleben möchte, der gönne sich die Premiere seines Meta-Dialogs »Der Fall des Hauses Usher« am 23.09.2021 ab 20 Uhr im Horizont-Theater (Thürmchenswall 25, 50668 Köln). Details zur Premiere: hier. Der weitere Spielplan: hier.

Thomas Franke schreibt dazu: »Wir, die an der Erarbeitung des Stückes Beteiligten, dachten schon, dass es gar nicht mehr auf die Bühne gehen würde, aber nachdem nun bezüglich der Corona-Panik und den ständig wechselnden Verordnungen und mal geschlossenen, mal zum Teil wieder bespielten Theatern, ein wenig Ruhe eingetreten ist, werden wir wohl am kommenden Donnerstag, den 23. September, um 20.00 Uhr, nun endlich im Kölner Horizont-Theater die mittlerweile viermal verschobene Premiere des Monologstückes mit musikalischen Teilen »Der Fall des Hauses Usher« stattfinden lassen können.
Es ist ein wenig kurzfristig, dass ich diese Informations- und Einladungs-E-Mail schreibe, allerdings … die Corona-Panik … Wir, die ins Stück Integriertenden konnten uns nicht sicher sein, ob die im Mai dieses Jahres mit dem Theater abgesprochenen Aufführungstermine auch wirklich durchführbar sein würden, weswegen wir alle mit Informationen sehr zurückhaltend waren. Außerdem musste ich beinahe alle Arbeit nur mit Laura als Helferin erledigen: Ich war Regisseur, Schauspieler, Einleuchter, die Werbung dafür Treibender … Wir werden »Der Fall des Hauses Usher« selbstverständlich nicht nur am 23. September, sondern während der sich anschließenden Tage und Wochen öfter aufführen.

Abhängen in SPO

Donnerstag, 09.09. Frau hatte Sankt Peter-Ording (kurz SPO) verordnet. Ein paar Stunden. Strandkorb reserviert.
Natürlich ging es verspätet los. Halbe Stunde. Die Fahrt war nicht sehr schön. Obwohl es mitten in der Woche war, war uferlos viel Verkehr. Die B5 Richtung Hamburg ist sowieso eine Katastrophe. Die B202 gen SPO nicht minder. Irgendwann war vor mir so eine Minikarre mit einem zögerlichen Fahrer, der meinte, er müsste mir in den Weg fahren, als ich zum Überholen angesetzt hatte. Und natürlich – ganz Lehrer – wurde gemächlich beschleunigt, nur keine Hektik, nur nicht hudeln. Ein bisschen Telekinese wäre nicht schlecht gewesen, dann wären ihm ob meiner Flüche wenigstens die Eier abgefault. Braucht er sowieso nicht, solche Fahrer sollten sich nicht vermehren dürfen.
Die Zufahrt zum Strandparkplatz war belebt. Ich denke, wir haben eine halbe Stunde gebraucht, bis wir dann auf dem Strand waren. Rundherum gab es jede Menge hirnlose Radfahrer, die meinten, sie hätten irgendwelche Vorrechte. Eine Frau war sogar der Ansicht, dass es sinnvoller sei, sich umfahren zu lassen, statt einfach mal Blickkontakt aufzunehmen. Und dann wird natürlich gemosert, weil ja immer die Autofahrer schuld sind; dabei war die Radlerspur – extra ausgewiesen – auf der anderen Fahrbahnseite.
Ich musste für kleine Grafen. Und hatte natürlich die Maske im Auto liegen lassen. Wer kommt auch am helllichten Tag auf den Gedanken, auf dem WC eine Maske zu brauchen. Eine nette Dame schenkte mir eine. Noch dazu eine, die perfekter saß als jede andere, die ich zuvor aufsetzen durfte. Danke sehr, Gnädigste. Ich werde sie in Ehren halten.
Im Strandkorb, der mit dem Rücken zur Sonne gedreht stand, war es dank ablandigem Wind durchaus kühl. Angenehm kühl. Nicht zu heiß, nicht zu kalt. Frau nölte rum. Warum ich das Notebook nicht mitgenommen hätte. Ob ich was zu lesen dabei hätte (hatte ich). Ob ich mich nicht nackig machen wollte (wie immer war der Hundestrand auf dem FKK-Gelände – deutsche Verantwortliche für so einen Schwachsinn sind meines Erachtens so krank, dass sie eingewiesen gehören) – und nein, wollte ich nicht. Und lauter so Sachen. Irgendwann zog sie dann mit Naomi zu einem längeren Gassigang ab und ich hatte meine Ruhe, sofern man Kims ständige Versuche, an Leckerlis zu kommen, nicht als Störung betrachten wollte. Wollte ich nicht.
Zum Daddeln auf der Blödbeere war es zu hell. Ohne Brille und aus fünf Zentimeter Entfernung ging es. War aber langweilig. Lesen ging besser (es geht halt nichts über einen anständigen E-Book-Reader), ermüdete mich aber. Die meiste Zeit saß ich da und glotzte in die Landschaft, nahm unwichtige Details wahr, an die ich mich auch nicht mehr erinnere.

So vergingen die Stunden. Am Ende wollten wir noch was essen gehen. Eigentlich hatte ich keinen Hunger. Andererseits wäre es schon mal wieder ganz nett, was anderes als Lachs und Sommergemüse zu sich zu nehmen. Aber die »Silbermöwe« war zwar offen, aber dicht – alle Plätze besetzt, Zugang abgesperrt, Warteschlange davor. Also Heimfahrt.
Irgendwo zwischen der B5, Südermarsch und Rantrum gab es eine Ampel. Angesagte zehn Minuten Rotphase. Die Straße war von Blechplatten bedeckt. Offensichtlich war da jemandem der Asphalt ausgegangen. Oder eine blöde Idee gekommen. Frau meinte, man bräuchte durchaus zehn Minuten für die Strecke. 5 km/h waren erlaubt.
Nachdem meine Ampel auf Grün wechselte und ich losfahren konnte, kam mir noch ein Lahmarsch in einem Mercedes entgegen. Nun gut. Schlimmer und unverschämter war der Arsch von Busfahrer – mit einem riesigen Reisebus – und der nachfolgende Wichser in einem Mercedes Viano, die offensichtlich in der Fahrschule gepennt hatten, als die rote Ampel dran war.
Daheim gab es dann einen Haufen Arbeit. Buchbestellungen. Nachdruckaufträge. Und zum Abendessen gab es Lachs mit Sommergemüse.

Modebewusst

Mein kleiner Mausekäfer leidet. Nein, Naomi hat keine Schmerzen; dafür war die kleine Operation nicht groß genug. Die Wunde sieht gut aus, alles kein Problem. Aber sie macht den Eindruck, als sei sie angepisst. Was bei so einem Outfit (das war Lösungsversuch Nummer 3) verständlich sein könnte:

Aber kein Hund sollte so etwas aushalten müssen, und so sind wir inzwischen zu einer schwarzen Strumpfhose übergegangen, die leicht und unproblematisch sitzt und tut, was sie soll: verhindern, dass Naomi an die Operationswunde geht.
Trotzdem ist sie angepisst. Wenn wir draußen sind, trägt sie die Strumpfhose nicht und alles ist gut. In der Wohnung trägt sie das Stück Textil wieder, da sie dort nicht ständig unter Beobachtung ist – tatsächlich sucht sie sowieso immer den am weitesten von mir entfernten Punkt des Hauses auf –, und prompt macht sie einen angepissten Eindruck.

Nunja. Schicksal. Da muss sie durch. Nächsten Mittwoch kommen die Fäden raus – und am kommenden Freitag darf sie auch wieder schwimmen. Dann hat sie einen neuen alten Grund, angepisst zu sein. Macht aber nichts. Sie ist dann ja eh nass.