Kontroversi

Bislang hatte p.machinery nur einen Skandaltitel vorzuweisen. Nein, eigentlich zwei, wenn man das Titelbild von NOVA 29 mitrechnet (siehe hier und ab hier). Mit dem Skandaltitel ist »Inzucht und die denkbare Gesellschaft«, der als STORY CENTER 2010 im November 2010 erschienen ist – dank der Unterstützung von Armin Würfl und seiner Passauer Druckerei. Denn obwohl ich damals eigentlich Kunde und Partner von Books on Demand, Norderstedt, war, musste ich das Buch anderweitig drucken lassen, weil BoD die Produktion mit Hinweis auf den Inhalt des Buches ablehnte; wohlwissend, alleine nach dem Titel geurteilt zu haben, denn hätte man sich den Inhalt wirklich angesehen, hätte man festgestellt, dass die Storys allesamt frei von jeglicher Beanstandung – sieht man vielleicht von eventuellen qualitativen Gesichtspunkten ab – waren.

Nun hat p.machinery nachgelegt und den ersten Titel einer geplanten Reihe (Band 3 ist im Lektorat und Band 4 in Arbeit beim Schriftsteller, wie man hört) veröffentlicht, die es sprichwörtlich in sich hat. Entsprechend kontrovers sind auch erste Rezensionen ausgefallen, z. B. die von Judith Madera auf Literatopia. (Und auf die »Kritiken« im DSFP-Komitee gehe ich hier mal nicht ein, die sind ja nicht öffentlich.)
Auf die Literatopia-Kritik reagierte der Autor cool: »Natürlich wimmelt es in meiner Geschichte von Widersprüchlichkeiten – das fängt ja schon auf der Erzählebene an, wenn Adrian sich ständig selbst widerspricht. Natürlich sieht er zunächst überall nur Klischees, die aber sogleich wieder gebrochen werden. Menschen und Gesellschaften sind in sich widersprüchlich – genau das möchte ich mit diesem Buch bloßstellen. Welcher Standpunkt richtig oder falsch ist – oder ob die ›Wahrheit‹ eine ganz andere ist –, möge sich jeder selbst überlegen.«
Immerhin gibt es auch andere Reaktionen auf das Buch, das trotz seines Inhalts wohl keine Altersfreigabe nach FSK benötigt oder gar Gefahr läuft, auf dem Index zu landen (da finden sich heute an jedem Kiosk und für alle Altersgruppen zugänglich »schärfere« Objekte). Carsten Kuhr zum Beispiel hat sich auf Phantastik News deutlich positiver geäußert.

Ärgerlich für mich ist, dass hier nach »Land unter« von Dieter Rieken einmal mehr ein Titel auseinandergenommen wird, statt als Werk betrachtet zu werden. Natürlich gibt es in jedem Buch Aspekte, die man negativ kritisieren kann, aber im Fazit sollte auch aufscheinen, dass man das Gesamtkunstwerk als solches wenigstens erkannt hat.
Andererseits kann es mir auch gleichgültig sein. Ich habe ein Buch verlegt, das mir angeboten wurde und das mir gefallen hat. Natürlich könnte man argumentieren, dass ein mangelhafter Bucherfolg ein Problem – mein Problem – ist (und natürlich das des Autors). Andererseits sehe ich das Problem eher bei den Lesern, die keine sind und keine werden, weil sie sich von einer Kritik beeindrucken lassen, die um der Kritik willen verfasst wurde. Wie so oft in diesen Tagen. Vielleicht ist ausgerechnet Dieter Riekens »Land unter« schon vom Titel her bezeichnend für das, was in der deutschen SF-Leser-Szene heutzutage vor sich geht. Oder auch nicht geht.

Genug gemeckert. Lest das Buch und macht euch selbst ein Bild. Oder lasst es bleiben.

P.S.: Für die Freunde züchtigerer Abbildungen auf einem Buchtitel sowie für die Sittenwächter bei Facebook gibt es auch noch eine … nein, sogar zwei »heruntergefahrene« Versionen:

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