Nachtagrockt 17/12

  • Schietwetter. Regen.
  • Ein E-Book nachgearbeitet, es gab Korrekturen.
  • Mittags aufs Gassigehen verzichtet. Bei Regen Gassi zu gehen, ist keine artgerechte Haltung. Nicht für die Hunde. Für mich. Ich bin nur Sternzeichen Fisch, aber ich mag kein Wasser. Das ist wie mein Aszendent: widderlich.
  • Am Layout für die Klinik gebastelt. Das Dokument ist mit Formatvorlagen durchformatiert. Nur noch ca. 460 Seiten. Als Nächstes kommt das Korrektorat, dann Feinlayout.
  • Gassigang um vier war schön. Trocken. Mild. Kein Frühling, aber auch kein Winter.
  • (Ich bin gespannt, ob jemand den Titel dieses Beitrags versteht.)

Tiny Stricker im LiteraturVerhör

Heute Abend, 18.12., stellt sich unser Autor Tiny Stricker auf dem Münchner Radio Lora dem LiteraturVerhör. Den Livestream kann man auf der Internetseite des Radiosenders finden und hören. Tiny Stricker ist Autor der »Werkausgabe Tiny Stricker« bei p.machinery.

Das ist mein Mädchen!

Die letzten Tage ging es Kim nicht gut. Und gestern ging es ihr schlecht.

Kim ist ein Mix von Labrador und Schnauzer. Der Labrador lieferte die Farbe (schwarz, die braun schimmernden Stellen stammen wohl vom Schnauzer), eine Reihe von Charaktereigenschaften und die Lust auf alles, was man fressen kann. Ein Labbi halt. Nur mit Wasser hat sie es nicht so.

Kim bekommt morgens eine Tablette, ein Schmerzmittel wegen ihrer altersbedingten Knochengerüstmalessen, dieselbe, weil sie nicht sehr groß ist und sich nicht vernünftig zerkauen lässt, mit einem Stückchen Käse, ein Brie, schön weich, schön lecker. Und gestern nahm sie das Stückchen Käse nicht. Und das nicht wegen der Tablette.
Den ganzen Tag über mäkelte sie an den Leckerlis herum, nahm nicht alle. Und abends dann die endgültige Katastrophe: Zum allerersten Mal in den rund neuneinhalb Jahren, die sie nun bei uns ist, hat sie ihren Napf nicht leer gefressen. Huhn mit Gemüse, dazu Kartoffelflocken, mit Wasser angesetzt (das ist dann wie Kartoffelbrei). Nach der Hälfte war Schluss. Ich konnte sie noch überreden, ein wenig mehr zu fressen, aber nach drei Vierteln ging einfach nichts mehr. Sie ging weg und ließ sich nicht mehr locken.

Ich hatte schon vorher überlegt, was ich tun konnte. Sie war nicht nur unlustig, was die Aufnahme von Nahrung anging. Sie war müde, irgendwie niedergeschlagen, unaufmerksam – sie reagierte nicht auf jede Ansprache –, beim Gassigang lief sie neben mir her, was sie normalerweise nie tut, sie geht immer voraus. Ich entschied dann – ohne Rücksprache mit der Tierärztin –, das Gabapentin abzusetzen, das sie wegen ihrer neurologischen Probleme – ihr Zittern und Schwanken – bekam, ein Humanmedikament – in meinen Augen für ein Tier sowieso nicht wirklich geeignet – gegen epileptische Symtpome und neuropathische Schmerzen. Ich gab ihr abends die übliche Kapsel einfach nicht.

Das Ergebnis zeigte sich schon in der Nacht. War sie in den zwei Nächten zuvor unruhig, stand immer wieder auf und taperte im Schlafzimmer herum – sehr schön dank des nicht vorhandenen Teppichs auch das Geräusch ihrer Krallen auf dem Laminat. Gestern Nacht schlief sie praktisch wie immer. Sie wurde einmal wach, trank Wasser, wollte zum Pieseln runter und schlief dann weiter.
Morgens nahm sie ihren Käse, und um kurz vor acht Uhr fanden wir uns wie verabredet bei der Tierärztin ein, direkt in der Nachbarschaft. Nach dem üblichen Theater, das Kim beim Anlegen des Maulkorbs – ein einfaches Stoffteil, das das Zuschnappen und Beißen verhindern soll – anstellte, war alles nicht ganz so tragisch. Fieber hatte sie nicht, ihr Magen war leicht verhärtet, was auf Magenschmerzen schließen ließ, und gegen ihren Schnupfen – sie niest schon längere Zeit häufig und heftig – bekam ich Tabletten mit pflanzlichen Wirkstoffen, schön groß diesmal und geschmacklich so attraktiv, dass Kim sie mit rechter Begeisterung zu sich nahm.
Und schon beim mittäglichen Gassigang dachte ich mir: ›Ja, das ist mein Mädchen.‹ Da lief sie im Freilauf vor mir her, strammen Schrittes, wie immer, bis sie anhielt, sich umdrehte und auf mich wartete, um ein Leckerli zu kassieren. Und am Abend war alles wie immer: Der Napf leerte sich mit der für einen Labbi typischen Geschwindigkeit, vollständig – und nur Naomi fand wie üblich noch das eine oder andere Molekül, das sie mit griechischer Sorgfalt seiner Bestimmung zuführte.

Meinem Mädchen geht es wieder gut. Sie ist immer noch alt, sie ist immer noch nicht hundertprozentig fit, aber ohne Gabapentin ist sie wieder das, was ich erwarte, wenn ich sie anschaue, wenn ich sie rufe, wenn sie zu mir kommt, mich anschaut …
Und jetzt, wo es ihr wieder besser geht, fühle auch ich mich wieder besser.

P.S.: Übrigens … das ist auch mein Mädchen … Meine Naomi …

Unter den Büchern von Thalia

Heribert Kurth ist ganz offensichtlich ein exzellenter Überreder. Thalia in Düren hat sein Buch »Unter den Sternen von Tha« in seinen Regalen platziert. Zwischen Eschbach und Peterson, unter Liu und Pratchett, über Perry Rhodan und Scalzi. Und mein kleiner Verlag zwischen Lübbe, Fischer TOR, Piper, Heyne und Goldmann. Echt nicht übel. Nicht übel. Wirklich nicht übel.

Kurth, Heribert, UNTER DEN STERNEN VON THA

Mitten aus dem Buch. Ein Lesepröbchen

Vom Tage 14/12

  • Heute war es einfach.
  • Ein Einkauf. Lauter Bekloppte. Hat wirklich irgendein Politiker geglaubt, die Leute würden vor dem neuerlichen Verschlusszustand nicht einkaufen, als gäbe es kein Morgen? Mehl war fast weg, vor allem die Ökofuzzisorten. Weizen kann ja jeder. Und Klopapier übel dezimiert. Ich erwischte den vorletzten Hefewürfel. Und nahm noch zwei Packen Klopapier mit. Wenn schon kein Mehl mehr da war.
  • Zwei Gassigänge. Der mittags war nicht schön. Wind und Regen, aber nicht mal richtiger Regen. Nur so einer, der dann Arbeit macht, weil die Hunde patschnass sind. (Und mäkelig sind die zwei neuerdings auch. Ständig gibt’s was an den Leckerlis zu meckern. Blöde Weiber, blöde.)
  • Und ansonsten eine Arbeit für ein großes deutsches Klinikum, die ihren Masterplan 2020 in eine optisch einheitliche Form gebracht haben möchten. Dazu Korrektorat, Vereinheitlichung von Schreibweisen, Aktualisierung des Inhalts- und des Abkürzungsverzeichnisses. Ein Job, dem man eine gewisse Stupidität nicht absprechen kann. Aber manchmal mag ich das.
  • Und vor Inspector Barnaby ein wenig laute Musik. Zappas »Heavy Duty Judy« und der »Ring of Fire« (von »The Best Band You Never Heard In Your Life«). Es gab mal Zeiten, da konnte ich Zappa nicht leiden. Zum Glück erinnere ich mich nicht dran.

Die Lesung, zum dritten Mal

Im Februar 2020 erschien »Tales of Science«, die von Marianne Labisch und Christine Neuy herausgegebene Sammlung von »Zukunftsgeschichten aus der Mikrosystemtechnik«. In der dritten Lesung liest Professor Thomas Stieglitz seine Story »Was willst du, neue Hand?«

Tales of Science – Prof. Thomas Stieglitz: Was willst du, neue Hand?

Labisch, Marianne & Neuy, Christine (Hrsg.), TALES OF SCIENCE

Weise Voraussicht

In weiser Voraussicht – könnte man annehmen – hat Gustav Gaisbauer verkündet, dass der für den Juni 2021 geplante OldieCon, jenes legendäre Risikogruppentreffen von SF- und Fantasyfans, die Hugo Gernsback und Elric von Melniboné noch persönlich kannten, auf den 24. September 2021 – einen Freitag – verschoben wird.

Ja, das ist weise Voraussicht, daran zu denken, dass der noch im Juni 2021 wütende Virus im September des gleichen Jahres bereits endgültig besiegt sein wird.

Immerhin tangiert mich das wenig. Nach meinem Exodus gen Nordfriesland habe ich mir vorgenommen … nein, geschworen, bayerischen Boden nie mehr zu betreten. Wozu auch sollte das gut sein? Und auch wenn ich ehrlicherweise die ganze alte Garde gerne noch einmal wiedersehen würde – ich bin längst zu faul dafür geworden. Und so ist es mir eigentlich gleichgültig, wann das Treffen stattfinden wird – und ob unsere derzeitige Lieblingsseuche mit am Tische sitzen wird.

P.S.: Das Foto hat Gustav seiner Informationsnachricht angehängt.

Das ist das Ende

Die Formel 1 ist zu Ende. Natürlich nicht für immer. Die Saison 2020 ist gelaufen. Heute war das letzte Rennen in Abu Dhabi. Aber gleichzeitig war es auch das letzte Formel-1-Rennen, das ein Normalsterblicher ohne masochistische Anfälle und Geldscheißer im Keller im freien Fernsehen anschauen konnte. Nach 30 Jahren war das heutige Rennen das letzte, das RTL übertragen hat. Damit geht eine deutsche Fernsehära zu Ende. Und ich bin traurig.

Ich mag keine Privatsender. Auch RTL nicht. Deren Programm ist bestenfalls peinlich. Bei RTL ist das sogar schlimmer, nämlich dämlich. Stundenlange Dokusoaporgien mit kölschen Bullen, hysterischen Weibern und durchgeknallten Typen gehen an die Substanz, deren Rest dann von Shows mit Dieter Bohlen und Steuern schuldenden Comedians plattgemacht wird. Aber die Formel-1-Berichterstattung war einwandfrei, das hat gepasst und das waren meine persönlichen RTL-Highlights, von denen sich in den letzten zwei Jahren auch die DTM, deren Berichterstattung man zur Schlachtung Sat.1 übergeben hatte, etwas hätte abschauen können.

Nun ist es vorbei. Und ich bin ein wenig traurig. Für mich gibt es nun keine Autorennen im Fernsehen mehr, die ich anschauen könnte. Von Sky, die die Formel 1 ab 2021 alleine übertragen dürfen, habe ich mich gerade getrennt: zu teuer, kein Service, Verarschung in den Werbesprüchen. Die DTM gönne ich mir nicht, solange der Moderator nicht in den Senderkeller zum Aktenwaschen geschickt wurde und jemand moderiert, der die Zuschauer nicht flächendeckend für blöd hält und auch so behandelt. Und Motorradrennen, die es z. B. auf ServusTV oder auf Eurosport gäbe, sind nicht mein Ding.

Nun ist es also vorbei. Aber wer weiß schon, wozu es gut ist.

Ein Fest für die Tiere

Deutschland macht dicht. Heute wurde es entschieden. Weihnachten ganz klein, nur im engsten Familienkreis – wobei »engsten« sehr eng auszulegen ist. Aber das Beste: Silvesterfeuerwerke sind dieses Jahr UNTERSAGT! Keine Feiern, keine Feste, keine Feuerwerke! — Wie seltsam: Eine Seuche kann sogar Positives bewirken!

Keine Werbung für die Sprache

Stelle ich mir vor, jemand aus der zweifelhaften Riege deutscher Werbefachleute würde einen Werbespot für die deutsche Sprache machen, packt mich gleich beim zweiten gedanklichen Ansatz eher das kalte Grausen. Wie das wohl aussehen würde? Ein Spot mit hübschen Bildern, hübschen Menschen, die Bücher großer deutscher Klassiker lesen – Goethe, Schiller, Mann, Grass, Böll – und in einem weisen Text wird herausgestellt, welche Bedeutung die deutsche Sprache für den deutschen Teil der Menschheit – jedenfalls den, der noch Deutsch kennt und spricht – besitzt, und wenn man sich dann angenehm berührt und von Ehrfurcht und Demut erfüllt zurücklehnt, kommt der Slogan: »So speak more German, friend!« Oder: »German is an attitude«, »straight to the soul of German«. Und nächste Woche bietet Dyson dann den »Wireless Deutsch-Concealer« an …
An den Haaren herbeigezogen?
Ich will es schwer hoffen. Ich bete inständig dafür.
Hoffnungsvoll bin ich indes nicht mehr. Eher im Gegenteil.

Gestern habe ich mir auf RTL das letzte Formel-1-Qualifying angeschaut, das RTL jemals übertragen wird – ab 2021 gibt es die Formel 1 im Fernsehen nur noch bei Sky –, und dabei habe ich mir mal notiert, was in einem der Werbeblöcke so vor sich ging. Vorab gebe ich zu: Die Mischung war noch verhältnismäßig harmlos; ich hatte auf RTL und auf NITRO schon das absolut zweifelhafte Vergnügen einer ganz anderen Mischung, bei der ich mich fragen musste, ob beim Brexit irgendwas mit der eingeschlagenen Himmelsrichtung falsch gelaufen ist.

Und das ging da ab: