Mitten aus dem Buch. Ein Lesepröbchen

Statt hier immer die gleichen Storys zu erzählen, wie ein Buch zustande gekommen ist, möchte ich diesmal einfach ein Lesepröbchen aus »Unter den Sternen von Tha« präsentieren. Es stammt aus dem Kapitel »Der Baum, zweiter Teil«, das zum Teil »Sie« gehört, zwischen dem neunten und zehnten Teil des Werkes gelegen. Mehr will ich gar nicht schreiben. Lasst es auf euch wirken:

Je weiter eine Rasse in ihrer Entwicklung gedeiht, desto bedeu­tungsvoller wird die Frage nach der eigenen Herkunft und nach dem Sinn der eigenen Existenz. Das sind möglicherweise die ein­zigen Fragen überhaupt, die mit keinerlei wissenschaft­licher oder technischer Erkenntnis beantwortet werden kön­nen.
Durch die frühen Zeitalter hinweg gibt es einen Weg, der in der Menschheitsgeschichte erkennbar ist, wie ein Leitfaden und von dem ich durch meine Auftraggeber weiß, dass intelligen­te Lebewesen in anderen fernen Universen ihn ebenfalls ge­gangen sind.
Jedes Leben entsteht im Wasser oder einer verwandten Flüs­sigkeit und wenn es mit dem Potenzial ausgestattet ist, ei­ne sich selbst bewusste Intelligenz zu entwickeln, drängt es an Land.
Im primitiven Stadium erforschen intelligente Lebewesen die eigene Umgebung, den eigenen Wald, das Tal und anschließend das weiträumige Territorium bis hin zu den Ufern der Flüsse, Seen und Meere.
Es ist lediglich eine Frage der Zeit und der Technologie bis zur Erforschung des gesamten Heimatplaneten.
Daraufhin folgen – falls vorhanden – der Mond oder die Mon­de, die nahe gelegenen Planeten, das Heimatsystem, der Spi­ralarm, die Heimatgalaxie, die Nachbargalaxie …
Alles baut aufeinander auf. So hätten wir ohne die Errungenschaft der Terunaltechnologie niemals Nelu Jehudiel entdecken können, um das Tor zu unserem Heimatuniversum und dem Multiversum aufzustoßen. Was einen sehr nachvollzieh­baren, wenn auch nicht sonderlich spektakulären Protokollvermerk darstellt.
Aber was für eine gleichermaßen wunderbare und merkwür­dig schicksalhafte Fügung, dass Nelu Jehudiel ausgerechnet in unserer eigenen Heimatgalaxie zu finden war.
Wenn dieser Planet, dessen Entdeckung und Erforschung so gut wie alles in der Menschheitsgeschichte verändert hatte, auch nur in unserer Nachbargalaxie positioniert gewesen wä­re – einer Entfernung, die heute als navigatorische Schulungsdistanz für Kinder gilt –, dann wären wir Menschen Gefan­gene der Milchstraße geblieben und unserem Untergang aus­geliefert. Eine betrübliche Vorstellung.
Von meinen Auftraggebern weiß ich, dass jede intelligente Le­bensform – egal in welchem Universum – die Technologie der Resonanzenergetik erlernen muss, um das eigene Sonnensys­tem zu verlassen. Eine andere Möglichkeit, sich kontinuier­lich jenseits der Lichtgeschwindigkeit fortzubewegen, existiert im gesamten Multiversum nicht.
Und unbegreiflicherweise kann jede intelligente Rasse in ih­rer eigenen Heimatgalaxie eine Lebensform vorfinden, die in der Lage ist, quantenmechanische Verschränkungen durchzu­führen.
Diese Lebensform muss gefunden werden, um eine Technolo­gie aufzubauen, mit deren Hilfe man die zwingend erforderli­chen biologischen Komponenten für die Sprunggeneratoren züchten kann, ohne die das Reisen zwischen den Galaxien un­möglich ist und ohne die kein Transportgenerator funktionie­ren kann.
Es ist fast so, als wäre jedes Universum eine Art Test, den es zu bestehen gilt. Und ich bin bereits jetzt nicht mehr sicher, ob das ohne Hilfe überhaupt möglich ist.
Ich verspüre mehr und mehr ein überwältigendes Verlangen zu verstehen, welchen bizarren Weg meine Auftraggeber ge­gangen sind. Fest steht für mich bis jetzt lediglich, dass sie ent­decken mussten, dass eine Pflanze auf Tha das menschliche Bewusstsein verändert und dass wir mithilfe dieser Pflanze letztendlich zu Erkenntnissen gelangen können, die selbst für sie schwer zu erreichen sind.
In diesem Zusammenhang bestätigten sie mir, dass es nur ei­nen einzigen Ort im gesamten Multiversum gibt, an dem der Sa­pientiae-Baum wächst – und dieser Ort ist der Planet Tha. Kei­nerlei Reaktionen oder Kommentare erhielt ich hingegen zu meinen Überlegungen bezogen auf einen eventuellen Test.

Es war ihnen von jeher bewusst, dass die Menschen durch die in die Vergangenheit gerichtete visuelle Beobachtung ihres Hei­matplaneten eine verstörende und unheimliche Erfahrung ge­macht hatten. Aufgrund des geringeren Aufwandes für die Na­vigationstechnik wurden damals die ersten Superteleskopstationen circa elftausendfünfhundert Lichtjahre von der Erde entfernt auf die berechneten historischen Parallelkurse zur Erd­umlaufbahn gebracht, um sich dem Bau der Pyramiden an­zunähern.
Dieses Vorhaben gelang tatsächlich und es brachte die enorm eindrucksvolle Erkenntnis hervor, dass die Pyramiden, deren verfallene Überreste heute unter einer Schutzatmosphäre isoliert sind, nahezu zweitausend Jahre älter waren als ver­anschlagt. Die zum Bau verwendeten schiefen Ebenen stan­den ihnen dabei in ihrer majestätischen Ausstrahlung in nichts nach.
Die Aufwendungen im Vergleich zum erzielten Nutzen oder Wis­sen des Beobachtungsprojektes waren jedoch so gigantisch, dass man sich entschloss, die Stationen lediglich noch auf ein einziges Ziel einzujustieren. Auf den Zeitraum des Le­bens und Wirkens von Jesus von Nazareth.
Die Menschen hatten sich Gott in ihren Gedanken und Wün­schen erschaffen und hofften noch immer darauf, diesseits jeglicher Ontologie seine Existenz zu beweisen.
Und es war weit mehr als nur ein bizarres Frösteln und Un­be­hagen, das mich überfiel, als ich die zusammenfassende Be­richterstattung hierüber einsehen konnte. Ich bin zuversichtlich, dass es mir gelingen wird, an späterer Stelle eine geeignete Darstellungsweise für die daraus abzuleitenden und in jeg­licher Hinsicht atemberaubenden Aspekte zu finden.
Die grundsätzlichen Auswirkungen der Vergangenheitsbetrachtung sollten jedenfalls einen tief greifenden Einfluss auf das Leben der Menschen haben, und in der Synchrondatei gibt es hierzu alle erforderlichen Informationen.