Auf den G-Punkt

»Geschlechtergerechte Sprache« ist das Gegenteil dessen, was sie vorgibt zu sein. In Wahrheit ist sie frauendiskriminierend und -herabsetzend. Während man den Männern ohne Weiteres genug Verstand und Intelligenz zuspricht, zu erkennen, dass sie auch mit grammatikalisch weiblichen Ausdrücken wie »Person«, »Aushilfe«, »Koryphäe« oder »Niete« etc. gemeint sein können, traut man den Frauen diesen Abstraktionsschritt nicht zu. Man unterstellt, sie könnten sich nur »gemeint« fühlen, wenn für sie ein auch grammatikalisch weiblicher Ausdruck verwendet wird. Diese Ungleichbehandlung in der Zuschreibung von Intelligenz und Sprachkompetenz ist antiemanzipatorisch und rückschrittlich.
Wer gendert, hält Frauen offenkundig für intellektuell überfordert, die Prinzipien der Sprache zu verstehen.

[Leserbrief im Online-Magazin Publico, 27.09.2020, gelesen in den VDS-Sprachnachrichten 88 (IV/2020)]

Die erste Lesung

Im Februar 2020 erschien »Tales of Science«, die von Marianne Labisch und Christine Neuy herausgegebene Sammlung von »Zukunftsgeschichten aus der Mikrosystemtechnik«. Als erste von mehreren Lesungen stand Autorin Estera Grelle zur Verfügung:

Tales of Science – Estera Grelle: Der Kurzschluss

Labisch, Marianne & Neuy, Christine (Hrsg.), TALES OF SCIENCE

Worte zum Tag 05/12

  • Samstag. E-Mail-Tag. Anfangs schwergängig, dann doch erfolgreich. Wie immer sind einige Mails liegen geblieben. Aber die Mailbox sieht besser aus als noch am Morgen.
  • Werbidiotie. Ich neige eigentlich nicht dazu, neue Worte erfinden zu wollen. Obwohl schon der Exkrementalausgang auf meine Kappe geht. Aber Werbidiotie ist um mich herum, überall. Und sie nervt. Heute Morgen poppte irgendwo eine Werbung für die neue S-Klasse von Mercedes-Benz auf. Diese Autos sehen seit Jahren aus wie mutierte Küchenschaben. Und nun zeigt auch Mercedes-Benz (bzw. Daimler-Benz) den Willen, seine Küchenschaben nur noch an Feinde der deutschen Sprache zu verkaufen: »Cares for what matters« heißt es, und es erklärt nichts. Und abgesehen davon, dass ich bezweifle, dass Daimler-Benz wirklich weiß, was bei mir »matters«, würde ich gerne unterstellen, dass sei ein Hinweis auf die Selbstfahrfähigkeiten dieser Blechinsekten, erfüllt von der Hoffnung, dass man sich die Benutzung einer solchen »Carre« letztlich sparen kann. Sie fährt ja dann eh allein. – Ich will indes nicht verstehen und auch nicht akzeptieren, warum eine deutsche Automarke in Deutschland für ein deutsches Auto mit einem – noch dazu ziemlich dämlichen – englischen Spruch wirbt.
  • Und wo ich gerade bei werbidiotischen Autoherstellern bin … Audi ist eine Marke, die ich niemals selbst fahren würde. Alles jenseits des A4 sieht aus wie eine Zuhälterkarre, zumal die Angebote an Designzubehör die Optik allenfalls noch verschlimmern. Audi war mir bislang als Hersteller bekannt, der mit dem Spruch »Vorsprung durch Technik« wirbt – und das macht er auch immer noch, außer, wenn es um die Elektroautos geht. Da muss es »Future is an Attitude« sein – und bei dieser Erkenntnis, dass Zukunft eine Einstellung ist oder sein kann, erkenne ich auch: Deutsch (zu sprechen) ist eine Einstellung. Und zwar die richtige.

Werbidioten II

Die Rügenwalder Mühle macht Werbung für »veganes Mühlenhack«. Über den Sinn eines solchen Produktes möchte ich hier nicht nachdenken. Aber sie bieten ihr »veganes Mühlenhack« für Lasagne an. Und für Bolo. —
Bolo?
Das heißt Spaghetti Bolognese. Oder Ragù alla bolognese. Ihr sprech- und denkfaulen Vollhonks!

Werbidioten

Kaufland bewirbt seine aktuellen Produkte, die es »diesen Dobimi« gibt … »Dobimi«? Links oben steht es ausgeschrieben: »Donnerstag bis Mittwoch«. Wer die deutsche Sprache nicht lesen und nicht sprechen kann, sollte die Gelegenheiten nutzen, die seit 2015, seit der Flüchtlingsschwemme in Deutschland geschaffen wurden. Nennt sich Sprachkurs. Und gibt’s nicht nur »Dobimi«.

PokerStars, ein für mich völlig nebensächlicher und überflüssiger Anbieter für Pokerzocker, macht jetzt Werbung mit einem »frischen Markenansatz« (so der Blog auf pokerstars.com): »Zwei Wörter. Mehr braucht es nicht. I’M IN.« Es ist schon scheiße, wenn Deutsche die deutsche Sprache nicht beherrschen, nicht zuletzt, weil sie ihre Muttersprache mit Anglizismen und anderem Unsinn verseuchen. Aber nicht mal den Unsinn, den man verzapft, im Griff zu haben, das erinnert mich irgendwie an den Zauberlehrling. »I’M IN« jedenfalls sind genau *DREI* Wörter: »I AM IN«, so kennt es der der englischen Sprache mächtige Fachmann, und er weiß auch, dass sich durch die apostrophische Verkürzung zu »I’M IN« weder normal noch versal die Zahl der Worte verringert. – Mein Fazit dazu: Auf einer Pokerseite, die in einer Werbekampagne schon nicht richtig zählen kann, würde ich nicht spielen wollen – da würde ich meine Gewinne doch zu sehr gefährdet sehen.

Noch ein Tag 02/12

  • Sie reihen sich aneinander. Einer nach dem anderen. Tag für Tag.
  • Gestern kamen die aktuellen Sprachnachrichten des VDS. Ich mag das Blatt. Es fühlt sich an, als würde es mich bilden. Im Sinne von Bildung. Sprachbildung. Ich denke, die Nummer werde ich hier besprechen, wenn ich sie durch habe.
  • Morgens dem Schaltungsdienst einen Druckauftrag gegeben. Und Nachdruckaufträge. Der Bestelleingang kann sich derzeit sehen lassen. Aber gut – es weihnachtet.
  • Dann Layout für ein Buch über Verschwörungstheorien. Aus dem Blickwinkel von Platon. Wird Band 51 »Außer der Reihe«.
  • Und nachmittags ein Lektorat. Neuer Auftrag. Zweites Buch einer Reihe einer Autorin, die auch schon bei p.machinery veröffentlicht hat.
  • Ärgerlich. Eines meiner letzten Bücher strotzt vor Fehlern. Meint ein Leser. Ich bin nicht sicher, ob da nicht eine Verwechslung der Textdatei passiert ist. Ich war überzeugt, bei der Fahnenkorrektur sorgfältig gewesen zu sein. Ärgerlich. Muss ich mir anschauen.
  • Kim geht es nicht wirklich besser, aber sie hat sich im Griff. So sieht es jedenfalls aus. Die Medikamentenlage ist problematisch. Sie bekommt unter anderem Gabapentin. Zweimal 50 mg pro Tag. Es gibt nur 100 mg-Kapseln. Hartkapseln. Tabletten gibt es erst ab 600 mg – und die kann ich dann nicht mehr dosieren. Dass Arzneimittelhersteller so überhaupt nicht nachdenken. Als wenn es sie gar nicht interessiert, was man als Anwender für Malessen mit ihrem Scheiß hat. Muff.

Die Tage 27/11 – 01/12

27/11

  • Das dritte Ikebana-Buch ist im Druck. Bzw. auf dem Weg dahin. Druckfreigabe erteilt. Und die ersten Bestellungen für Autorenexemplare kommen herein. Immerhin haben sich 31 Ikebanisten (plus die Autorin Ayako Graefe) an dem Werk beteiligt.

28/11

  • Kim geht es nicht gut. Medikamentenwechsel. Ein Medikament fehlt noch, das kommt erst am Montag. Wenn es meinem Hund nicht gut geht, geht es mir auch nicht gut.
  • E-Mail-Tag. Das Übliche.
  • Abends fünf Titel für den SERAPH 2021 eingereicht. Ich ahnte nicht, dass das so einfach geht.

29/11

  • Buchhaltung.
  • Fck!
  • Seit Ende August habe ich nichts mehr gemacht. Das ist die Strafe. Und es ist ja nicht so, dass ich das nicht wüsste.

30/11

  • Buchhaltung, Tag 2.
  • Fck!
  • Ansonsten Kleinkram erledigt.
  • Kim geht es nicht gut. Muff.

01/12

  • Die üblichen Aufgaben zum Monatsersten. Lexware-Nummernkreise aktualisieren. VLB-Lieferstati aktualisieren.
  • Beim Versuch, EON den Zählerstand per 30.11. zu melden, kann ich nur einen Vertrag erledigen. Der andere ist nicht zu finden. Chat aufgerufen. Die Chatpartnerin fängt mit 0815-Routinekram an. Daten aktualisieren. Abgebogen. Der Vertrag ist abgelaufen und Feierabend. Zählerstand für den zweiten Zähler via Chat übermittelt.
  • Stromio, der neue Anbieter, erlaubt gar keine Zählerstandsmeldung. Mit einer blöden Fehlermeldung. Von wegen maximal zwölf Mal im Jahr. Und nicht so kurz hintereinander. Toll. Der Vertrag mit denen läuft seit heute. Ich hasse solche Internetkrücken. Entweder kann ich das oder ich lass es bleiben. Aber diese Internetseiten, die einem unterstellen, man sei doof, die gehen gar nicht. Erster Punkt auf der schwarzen Liste für Stromio.
  • Sky-Receiver abgebaut, verpackt, versandfertig gemacht. TechniSat-Receiver in Betrieb genommen. Ablauf eigentlich ganz cool, wenn auch zeitaufwändig. Aber das sind die heutzutage wohl alle. Immerhin hat er WLAN, Internetzugang usw. usf. Schaumermal, was er taugt.
  • Kim geht es nicht gut. Das macht mich fertig.

Die Abzockertage sind gezählt

Ja, Sky ist ein Abzocker. Ja, ja, ich meine den Bezahlsender Sky. Eigentlich ist es ja ein Senderkonglomerat, wenn man es genau nimmt. Aber das ist irrelevant – ein Abzockerladen ist es.

1998 habe ich mit Premiere angefangen, weil mir auf den Geist ging, dass von Spielfilmen auf allen »freien« Fernsehsendern der Nachspann abgeknipst wurde, und auf den Privatsendern die Werbung vor, während und nach der Filme unerträglich wurde. Den Preis am Anfang erinnere ich nicht mehr. Irgendwann stieg ich aus, weil mir das Angebot für den Preis nicht mehr passend erschien. Ich erinnere mich, dass Sky – wie die dann schon hießen – mich mit Briefen fast schon belästigte, in jedem Brief ein anderes supergünstiges Angebot, das man mir vor der Kündigung nicht gönnen wollte.

Irgendwann – ich glaube Ende 2014 – ließ ich mich von einem Kollegen werben und stieg wieder ein. Am Anfang waren das 16,90 EUR monatlich – heute sind es fast 52 Euro. Und das nicht etwa durch ein erweitertes Programm. Ich habe keine Sportsender gebucht, ich nutze die Pay-per-view-Dienste nicht … nur die Sky-Kanäle für Filme und Serien, ein bisschen Doku.

Aber Sky ist da trickreich. Da werden ständig Neuigkeiten eingeführt und auf alle umgelegt. Da wird die Programmstruktur umgestellt, alte Sender fliegen raus, neue kommen rein, Pakete werden neu geschnürt, vermeintlich umfangreicher, definitiv teurer. Und dann die HD-Kanäle, die man auch mit einem 4K-55-Zöller nicht wirklich braucht; die kosten natürlich auch extra.

Aber es ist nicht nur das Geld. Es ist auch der Service – den es im Grunde nicht gibt. Irgendwann gab es Sky Q – vor allem auch auf einem zuvor einwandfrei funktionierenden Empfangsgerät (vulgo: Receiver). Die Steuerung wurde komplizierter und mit jedem weiteren Update unkomfortabler. Und die Software war offensichtlich nicht kompatibel zu allen Geräten. Seit Jahren habe ich Bildaussetzer, Tonstörungen, ein Fehlverhalten, das mal einen ganzen Abend gar nicht und dann wieder alle paar Minuten auftritt und sich nur durch mehrfache Neustarts des Gerätes beheben lässt – bis zum nächsten Mal. Die Sky-Software für PC, Tablet (vulgo: Flachrechner) und Smartphone (vulgo: Cleversprecher), mit der man das Programmangebot gemäß seiner Buchung auch ohne den Receiver (vulgo: Empfangsgerät) schauen kann, funktioniert von Haus aus nicht – ohne jede Fehlermeldung.

Und der Support? Existiert nicht. Ich habe es per Mail versucht, per Fax, per Brief, per Einschreiben. Die Reaktionen waren Anrufe zu mitunter seltsamen Tageszeiten. Manchmal sollte man mit einem Techniker verbunden werden; bevor der antworten konnte, wurde aufgelegt. Und das nicht nur einmal. Manchmal rief die Hotline an, niemand meldete sich, nach einer halben oder ganzen Minute wurde aufgelegt. Auch das nicht nur einmal. Eine Antwortmail, einen Brief oder Ähnliches erhielt ich nie. Die Hilfe im Internet ist ein schlechter Scherz, den zu beschreiben schon mehr Aufmerksamkeit bedeuten würde, als ein Haufen Blödsinn verdient hätte.

Ich habe es dann irgendwann einfach aufgegeben.

Die Entscheidung, zu kündigen, ist schon vor meinem Umzug nach Nordfriesland gefallen, und nachdem Sky jetzt öffentlich lügt – es wird behauptet, es gäbe jeden Tag einen neuen Film, was definitiv gelogen ist, wenn man die alten Kamellen, die Sky unter dem Namen Sky noch nicht gezeigt hat (wohl aber noch unter dem Namen Premiere), nicht mitrechnen möchte – und auch sonst eben nichts dafür tut, mich als Kunden zu halten, war es nun genug. Die Kündigung selbst musste ich telefonisch machen: Per Mail kann man nicht kündigen, und ob Faxe oder Briefe überhaupt irgendwo zur Kenntnis genommen werden, wage ich inzwischen zu bezweifeln. Also rief ich an, und hatte zuerst das unvergleichliche Erlebnis eines unhöflichen, offensichtlich desinteressierten Hotliners, der nicht mal nach meinem Namen fragte. Eine Kündigungsbestätigung, die mir auf zweimalige Nachfrage versprochen wurde, erhielt ich nicht. Also wiederholte ich die telefonische Kündigung, die doch registriert worden war – und dann erhielt ich auch eine Bestätigung.

Am 30.11. ist der letzte Tag. Ein Montag. Montagabends ist traditionell zdfneo-Tag, weil abends »Inspector Barnaby« kommt. Da brauche ich Sky schon nicht mehr. Am 01.12. wird das Empfangsgerät abgebaut, zusammengepackt und noch am gleichen Tag zurückgeschickt. Während ich das Paket zur Post fahre, darf das neue Empfangsgerät schon mal seinen Sendersuchlauf absolvieren. Es ist von TechniSat und hat keine Möglichkeit, eine Karte von einem PayTV-Anbieter aufzunehmen.

Schlimmer als Denglisch: Werblisch

Zahllosen Menschen ist das richtige Gefühl für die deutsche Sprache längst verloren gegangen. Man wird allerorten mit denglischem Kauderwelsch zugemüllt. Besonders Coole benutzen massenhaft Begriffe, deren wirkliche Bedeutung sie nicht kennen – Hauptsache, man kann sich cool geben. Nur noch die deutsche Sprache in ihrer reinen Form zu verwenden, das ist nicht mehr cool. Ähm … cool … genau.

Aber es geht noch schlimmer als Denglisch. In der Werbebranche ist inzwischen noch mehr geboten: Werblisch ist eine Sprachverderbnis, die inzwischen dazu führt, dass man mitunter überlegt, wo gleich das Wörterbuch untergebracht war. Oder benutzt man doch gleich den Google Translator … ach, nein, selbst Google nennt den ja auf seiner deutschen Seite »Übersetzer«! Wer hätte gedacht, dass Google eine Vorbildrolle für sich in Anspruch nehmen könnte …

Aber ich schweife ab.

Werblisch also. Inzwischen gibt es für manche Produkte nicht mal mehr deutsche Bezeichnungen. Die Kosmetikindustrie ist da ganz vorne, und das sogar bei einer traditionell deutschen Firma wie Beiersdorf mit ihrer Nivea-Produktpalette. Da wird aktuell ein Antipigmentfleckenprodukt namens »Cellular Luminous« angeboten – what? Ist das eine Wandfarbe – wohl auch für außen? Oder der »Nivea Skin Guide«, eine App – fck! – zur »Hautanalyse per Selfie«. Und für die, die es am liebsten ganz ohne Deutsch hätten, gibt es das »Nivea Invisible for Black & White Deo« – assholes! Das hört sich an wie ein genehmigungspflichtiger Kampfstoff aus dem Irakkrieg. Und der »Nivea Hyaluron Cellular Filler« ist vermutlich Fensterkitt oder ein Dichtmittel für Risse, worin auch immer.

Die Kosmetikbranche hat ja noch so viel Anstand, in den meisten Werbespots – die sich jetzt vor Weihnachten wieder massiv häufen – die Fresse zu halten, nur Musik zu machen und dem – natürlich nicht-deutschen – Produktnamen eine Stimme zu geben. Ausreißer aber auch hier: Boss wirbt mit Chris Hemsworth in seinem Filmchen für das Produkt »BOSS Bottled«. Der Spruch dazu: »Be the Man of Today«. Gut. Die Franzosen nennen es folgerichtig »soyez l’homme d’aujourd’hui« – denn Französisch ist den Franzosen heilige Sprache. Und die Deutschen? »Sei der Man of Today …« – da fällt mir nur noch ein fig cocksucker! ein.

Und selbst seinen Haushalt kann man nicht mehr mit deutsch benannten Produkten reinigen. Die Firma Love Nature, die sich aktuell mit veganen Reinigungsmitteln in der Werbung breitmacht, hat ja schon bei ihrer »Liebe zur Natur« sprachlich versagt. Moonflower (vulgo: Mondblume), Cherry Blossom (vulgo: Kirschblüte), Cactus Leaves (vulgo: Kaktusblätter), Verbena (vulgo: Eisenkraut) heißen die Duftrichtungen für Spül- und Waschmittel und allerlei anderes Gedöns. Was zum Henker ist an einer Duftrichtung »Kirschblüte« auszusetzen?

Werbung kann man praktisch nicht aus dem Weg gehen, möchte man sich nicht völlig von der Außenwelt abkoppeln, Radio und Fernsehen abgeschaltet lassen und sich ansonsten mit Scheuklappen, Sonnenbrille und Mickymäusen gegen jeden werblischen Affront wappnen. Aber am Ende frage ich mich mehr und mehr, wie übel man als Werbefuzzi drauf sein muss, um der Deutsch sprechenden Welt solchen überflüssigen und die Sprache verderbenden Unsinn zuzumuten. Die deutsche Sprache kann Fremdworte durchaus vertragen – das konnte sie schon immer. Aber das, was da in der Werbung geschieht – und auch an vielen anderen medial zugänglichen Orten –, das entbehrt jeglicher Notwendigkeit. Büro, Computer, Telefon, Radio … viele Begriffe, die wir heute für urdeutsch halten, haben einen anderen sprachlichen Ursprung, und es hat sich als vernünftig erwiesen, sie zu verwenden. Man kann ein Büro auch Kontor nennen (auch ein Fremdwort), einen Computer Rechner, ein Telefon Fernsprecher (und ein Fax Fernbild!), ein Radio Rundfunkempfänger … Es zu tun schadet nicht. Es nicht zu tun aber auch nicht.

Am Ende wird sich nichts ändern. Die Werbung wird weitermachen, immer weitermachen, und spätestens die Jugend wird’s übernehmen, nach und nach die deutschen Gegenstücke vergessen und irgendwann – was ich zum Glück wohl nicht mehr erleben werde – wird Esperanto mehr deutsche Worte enthalten als die deutsche Sprache selbst. Vielleicht sollte ich auf meine alten Tage doch noch Französisch lernen; diese Sprache wehrt sich schon klanglich erfolgreich gegen Anglizismen, wie es scheint.