Problemstellung

Es geht ja nicht nur um die Frage nach dem richtigen Weg. Die Menschheit hat sich selbst schwer verletzt – und die Rasse steht vor dem Abgrund. Es gibt eine Lösung – aber ist sie die richtige? Und funktioniert sie auch? Und wenn ja, warum eigentlich? Warum soll sie funktionieren? Und warum nicht, wenn nicht?

Der Roman, der durchaus durch Spannung brilliert, hat einen hochphilosophischen Grundtenor, der sich nicht nur mit der Frage nach dem Falsch oder Richtig beschäftigt, sondern letztlich auch mit der Rolle Gottes. Wenn der eine Rolle spielt. Der Zweifler, der die Ansicht vertritt, der Plan zur Rettung der Menschheit würde nicht funktionieren können, steht den vermeintlichen Rettern nicht entgegen, nicht im Wege. Der, der das eigentliche Problem repräsentiert, ist Gott. Der ohne Worte die Frage stellt, ob das alles überhaupt funktionieren darf.

Verwirrt?

Gern geschehen. Ich wüsste nicht, warum ich hier zu Erkenntnissen verhelfen sollte, die das Buch zu liefern hat. Mich hat die Geschichte sehr beeindruckt. Einige der üblichen Kritiker werden sich an Details aufhängen, wie sie das immer tun. Und man wird Genrekriterien heranziehen, um zu urteilen, warum der Autor mit seinem Plot gescheitert ist. Aber all das geht an den eigentlichen Fragen vorbei. Und diese Fragen findet man hier trefflich formuliert. Manchmal werfen die Antworten auch neue Fragen auf. Und freilich sind die Antworten nicht für jedermann gültig. Aber das würde sowieso bedeuten, dass es sich bei dem Buch um einen Bestseller handelt. Und wann hätte es das in meinem Verlag schon mal gegeben …

Müller, Ron, DAS THEODIZEE-PROBLEM

Kleiner Drache

Das ist der Titel seines neuesten, seines achten Romans. Norbert Stöbe ist kein Neuling in meinem Verlag – fast schon im Gegenteil. Seine erste Story »Zehn Punkte« erschien in der Sammlung »Die Stille nach dem Ton«, nachdem er mit ihr den Deutschen Science-Fiction-Preis gewinnen konnte. Und nicht nur folgten weitere Storys, so in NOVA, sondern im Imprint »sternwerk« ein weiterer Roman, »Der Durst der Stadt«.

Seine Geschichte um Wei Xialong, die aus China flieht, in Bangladesch versklavt wird und dort dann quasi Karriere macht, um später nach China zurückzukehren, ist nur vordergründig die Abenteuergeschichte einer Chinesin, denn der Hintergrund um das isolationistisch eingestellte China und eine Welt, die sich peu à peu im Fortgang der Geschichte deutlich von der unseren zu unterscheiden beginnt, ist nicht nur Science-Fiction, sondern auch eine gelungene Extrapolation von gesellschaftlichen und politischen Erscheinungen, die wir nicht nur schon kennen – Einreise- und Aufenthaltshindernisse in Australien, Neuseeland, den USA und anderen Staaten, dazu Ausreiseschwierigkeiten wie seinerzeit in der DDR –, sondern die wir aus unserer aktuellen Realität auch leicht extrapolieren können. Das mag vermeintlich wie ein Near-SF-Werk klingen – das ist der »kleine Drache« aber nicht. Und man mag den Roman für eine Dystopie halten – weil der Begriff der »Dystopie« wie Pestbeulen an allen Texten hängt, die nicht von vornherein auf ein Happy End ausgelegt sind –, aber auch das ist er nicht. Denn auch wenn er sich nicht so liest – unter einem gewissen Blickwinkel hat er sogar ein Happy End. Naja … vielleicht ohne »happy« …

Stöbe, Norbert, KLEINER DRACHE

Arbeitswut 17/11

  • Es sieht eigentlich nur aus wie Arbeitswut. An manchen Tagen habe ich einfach den Eindruck, viel geschafft zu haben. Das fühlt sich dann auch nach einem schönen Feierabend an.
  • Anke Jablinskis »MALTA-NUDEL« ist jedenfalls fertig, beim Schaltungsdienst Lange, bei Bookwire, die Nudel ist durch. Wenn das gute Stück wirklich so weit ist, wird es wieder Zeit für eine Zusammenstellung meiner Bücher, die sich bestens für Weihnachten als Geschenk eignen. Das sind inzwischen durchaus einige.
  • Den Abschluss machte dann »Die Welten des Jörg Weigand«, ein Buch, das insgesamt dann doch noch erhebliche Änderungen und vor allem Erweiterungen erfahren hat. Das schon fertige erste Layout habe ich zu den Akten gelegt. Es zeigt  meine Erfahrung, dass es einfach ist, bei einem solchen Änderungsvolumen einfach noch einmal von vorne zu beginnen. Und das passiert auch in den nächsten Tagen. Plane ich jedenfalls.

Tagwerk 3/11

Seltsam. Manche Dinge sind seltsam.

Da habe ich mich heute mit alten Kamellen beschäftigt. Vormittags. Siehe den vorherigen Beitrag. Nachmittags habe ich dann das E-Book, die Auftragsarbeit, repariert. Eines der enthaltenen Bilder entpuppte sich als richtig miese Zicke, ein Miststück sondergleichen. Mehrere Versuche, das mit einfachen Mitteln zu beheben, schlugen fehl. Am Ende habe ich es neu abgespeichert, erst JPG >> TIF, dann TIF >> PNG und dann wieder PNG >> JPG – und auf einmal klappte es. Rotzding, rotziges!

Und danach flutschte es in Sachen Band 2 der »Welten der SF«, die Jörg Weigand gewidmet sind. Die Storyauswahl oblag Frank Gerigk, der als Herausgeber der Reihe firmiert, und dass es diesmal eine Auswahl ist – und nicht wie bei Rainer Erler das gesamte Schaffenswerk –, liegt vor allem an Jörg Weigands immensem Schreibausstoß im Laufe der Zeit. Aber gut – auch eine Auswahl hat etwas für sich, und Franks Geschmack hat hier Gutes zusammengestellt. Die Texte sind jetzt jedenfalls bereit fürs Layout.

Und den Abschluss bildete der Beginn der Arbeiten an einem besonderen Buch, zu dem ich hier noch nichts verraten darf. Geheimsache.

Was ich heute eigentlich machen wollte, habe ich wieder nicht geschafft. Aber so ist das Leben. So ist mein Leben. Seltsam. Manchmal.

Vormittagsprogramm

Was man so an einem Vormittag macht, wenn der Terminkalender voll ist. Natürlich voll mit ganz anderen Dingen.

Nach der Trennung von KDP – eine lange Story, die ich in einem anderen Post erzählen werde – sind eine ganze Reihe – mehr als 120 – Titel meines Programms bei Amazon praktisch rausgefallen. Es war klar, dass ich sie über meinen neuen Partner Bookwire als Printwerk wieder einstellen und damit über Amazon wieder verfügbar machen wollte und will – aber das kostet Zeit. Heute Morgen ist es mir gelungen, immerhin fünf Bände der Reihe »GEGEN UNENDLICH« wieder einzustellen. Die Arbeit eines Vormittags. Nicht nur, aber auch, weil ich Instagram und pinterest gleich mit »erschlagen« habe.

Zwei Bücher

»KINDERGEFÄNGNIS und andere verlassene Orte« ist fertig. Der Umschlag lehnt sich am ersten Band an. Natürlich. Die Druckdaten sind beim Schaltungsdienst, Bookwire ist versorgt. Das E-Book ist gebaut und ebenfalls bei Bookwire abgelegt. Dieser Tage werden die Autoren informiert und ich warte auf den Andruck.

Am Band »Himmel und Erde« mit Bildern von Tatjana Frey und Storys dazu bin ich weitergekommen. Die Fahnenkorrektur ist durch, die Buchblöcke stehen. Morgen geht es weiter. Wahrscheinlich. Hoffentlich. Schaumermal.

Kultur retten

  • Mit den Büchern meines Verlages werde ich die deutsche (Sprach-) Kultur ganz sicher nicht retten, aber das ist auch nicht mein Ziel. Ich werde sie jedenfalls nicht beschädigen oder gar zerstören. Und ich werde meinen Spaß daran haben, immer wieder.
  • Der Buchblock für Norbert Stöbes »Kleiner Drache« ist fertig und liegt dem Autor vor. Der Umschlag entsteht morgen.
  • Der Buchblock für Ron Müllers »Das Theodizee-Problem«, ein durchaus politisches SF-Werk, kann man sagen, ist heute regelrecht geflutscht. Und liegt dem Autor ebenfalls vor.
  • Und begonnen habe ich mit den Korrekturarbeiten und Layoutvorbereitungen für das von Frank G. Gerigk herausgegebene Werk »Die Welten des Jörg Weigand«, Band 2 der Reihe »Die Welten der SF«.
  • Ja. Kultur macht Spaß. Besonders, wenn sie nicht destruktiv ist.

Kurz vom Tage

  • Eigentlich war Buchhaltung angesagt. Einmal mehr verschoben. Wenn ich dann doch wieder zulange, werde ich es verfluchen. Aber das kenne ich schon.
  • Stattdessen habe ich vier neue Bücher vorbereitet.
  • Darunter Norbert Stöbes Roman »Kleiner Drache«, ein kleines, asiatisch angehauchtes SF-Prachtstückchen. Dazu wird es ein fantastisches Titelgemälde von Andreas Schwietzke geben.
  • Erste Sitzung Kraniosakral. Dazu kann ich noch nicht viel sagen. Außer, dass die Schreibweise mit C im Deutschen jedenfalls falsch ist. Aber modern. Wie das heute so ist.

Aus anderem Blickwinkel

Dieter Rieken ist Autor in meinem Verlag; sein Buch »Land unter« wurde hier natürlich schon erwähnt. Aber Dieter interessiert sich auch für andere Bücher aus meinem Programm, und so möchte ich an dieser Stelle seine Rezension zu Gabriele Behrends »Salzgras & Lavendel« als Gastbeitrag veröffentlichen – mit seiner Erlaubnis selbstverständlich:

Douglas Hewitt ist in der Verwaltung von Acodis Inc. als »Datenarchäologe« tätig. Kaynee Simmons arbeitet im »Zenith«, einem Traumazentrum außerhalb der Stadt. Douglas ist im Ghetto unter »Wilden« geboren, die sich kein Implantat und »Persönlichkeitsset« leisten können. Nachdem er zur Waise wurde, erhielt er im Heim zumindest ein »Basisset«, das ihm ein sozialverträgliches Verhalten ermöglichen sollte. Kaynee dagegen hat ihr »Socket« gleich nach der Geburt implantiert bekommen und switcht nach Bedarf und Situation zwischen den vielen »Abspaltungen« ihrer künstlich erzeugten multiplen Persönlichkeit hin und her.

Die beiden leben im Zeitalter der »Effizienzdiversität«. Die in der Regel postnatal eingesetzten Implantate haben eine Gesellschaft hervorgebracht, die auf Effizienz getrimmt ist. Die Technik, die aus der Gamer-Szene hervorging, führte nicht nur zu einer Leistungssteigerung jedes Einzelnen, sondern ermöglicht es der großen Mehrheit auch, auf alle nur denkbaren Situation angemessen zu reagieren. So »kommen alle viel besser miteinander aus«, findet Kaynee.

Doch der äußere Schein trügt. Douglas zum Beispiel führt ein einsames und eintöniges Leben. Er wird von Ängsten und Zweifeln geplagt, die ihn bis in seine Träume verfolgen. Und dann begeht er – scheinbar aus heiterem Himmel – einen Mord. Um der Haft zu entgehen, bleibt ihm nur der Ausweg, sich ebenfalls eine multiple Persönlichkeit implantieren zu lassen. Im »Zenith« trifft er auf Kaynee, die seine »Patin« wird – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als ihre Hardware Fehler aufweist und sie die Kontrolle über sich verliert.

»Salzgras & Lavendel« spielt an einem unbestimmten Ort in der Zukunft, an dem »alles seinen ruhigen Gang« geht, während die Welt ringsum »an allen Ecken und Enden brennt«. Die Autorin streut nur wenige Hinweise auf klimatische Veränderungen und auf den technischen Fortschritt ein. Sie konzentriert sich auf die Frage, wie eine Gesellschaft aussähe, in der technische »Aufspaltungen« der Persönlichkeit – »neuronale Cluster« genannt – die Regel sind. Indem man Katy, Keira, Kandy, Kassy und Kaynees andere »Splits« in Aktion erlebt, hat man bereits nach wenigen Seiten einen lebhaften Eindruck davon, wie die Menschen im Alltag damit umgehen.

Am Beispiel von Douglas zeigt Gabriele Behrend, dass diese Technik für Menschen mit schweren Traumata ein Segen sein kann. Auf der anderen Seite stellt das Buch kritische Fragen: Was bedeutet es für eine Gesellschaft, wenn eine solche Technik zur Norm wird, sie sich aber nicht jeder leisten kann? Wenn der öffentliche Frieden gefördert wird, aber niemand mehr eingreift, um Verbrechen zu verhindern? Was passiert, wenn die Technik versagt oder Fehler in ihrer Anwendung passieren? Wie würde der Staat reagieren, wenn ein Dogma ins Wanken gerät? Was die multiplen Persönlichkeiten betrifft, läuft der Roman auf die Frage hinaus, ob eine Separation – wie Kaynees »geordnetes Haus« – oder die Fusion der einzelnen Ich-Aspekte die richtige Antwort ist, um ein glückliches Leben zu führen.

Das alles packt die Autorin in eine Geschichte, die weder trocken noch langweilig ist. Dafür sorgen unter anderem die Nebenfiguren: der Techniker Sanders Mayerhoff, der neben seiner Arbeit im »Zenith« geheime Experimente durchführt und eifersüchtig auf Douglas ist; und Claire Paulson, die Leiterin des Traumazentrums, die als Spezialistin für »adulte Diversität« gilt – und die am bittersüßen Ende des Romans auf ganz unerwartete Weise zu Douglas’ Retterin wird.

Hier und da ist der Autorin beim Schreiben die Fantasie durchgegangen. Ein Meeting aller Ich-Aspekte im eigenen Kopf? Und im Kopf einer anderen Person? Das sind großartige Szenen, die noch dazu perfekt in die Dramaturgie passen. Sie erscheinen jedoch übertrieben.

In Stil und Sprache ragt das Buch deutlich aus der Masse der Science-Fiction-Literatur heraus. Die Verwendung des Präsenz’ schafft eine große Nähe zu den Protagonisten. Mit einfachen Mitteln gelingt es der Autorin jederzeit, den Leser durch die vielen Ich-Aspekte der Figuren zu lotsen, so dass man immer genau weiß, mit welchem man es gerade zu tun hat.

Für die zentrale Frage des Buchs – Separation oder Fusion? – findet Gabriele Behrend starke Bilder. Eine eindeutige Antwort sucht man vergebens. Wahrscheinlich, weil es keine gibt.

Quelle: https://deutsche-science-fiction.de/?p=5558

Die nächste Ausgabe ist die 60ste

Obwohl das nicht stimmt. In den Achtzigern und anfangs der Neunziger im letzten Jahrhundert habe ich schon mal die ANDROMEDA NACHRICHTEN für den SFCD e.V. gemacht, damals im Format DIN A5. Aber ich habe auf die Schnelle nicht im Zugriff, wie viele Ausgaben ich damals machte. Obwohl …
Doch. Mit der Nummer 101 habe ich im März 1986 angefangen. Und die Nummer 138 vom Juni 1992 war meine letzte Nummer. Damals. Also 38 Ausgaben. Damals.
Mit der 213 bin ich 2006 wieder eingestiegen. Und dieser Tage – Quark, heute war das! – habe ich die Ausgabe 271 festgestellt. Ergo: 59 Ausgaben seit 2006.
Die Überschrift  ist also falsch. Richtig ist:

Die nächste ist die 98ste

Und das ist nicht spektakulär. Richtig. Spektakulär wird die Ausgabe 274, die im Juli 2021 erscheinen wird.

Das ist dann meine 100ste!

Aber bis dahin dauert es noch, und so ist für den Augenblick nur interessant, dass die Ausgabe 271 seit heute beim Drucker ist (der vermutlich erst am Montag anfangen wird, sich damit zu beschäftigen).

ANDROMEDA NACHRICHTEN 271
SFCD e.V., Winnert, November 2020, 128 Seiten A4, EUR 8,00. Bezug: SFCD-Archiv, archiv[at]sfcd.eu

Der Inhalt:
Michael Haitel: Deutsche Sprache in Zeiten der Corona 6 * Seraph 2021 7 * SF-Gewinnspiel 8 * Conventions und Stammtische | Birgit Fischer: Der Nicht-SFCD-Con 9 | Robert Corvus: ElsterCon 2020 11 | Birgit Fischer: Fantastikstammtische in Corona-Zeiten 14 * Karl Aulbachs Fantasy 15 * Science-Fiction | Dieter Riekens »Land unter« 22 | Martin Stricker: Mehr war nicht, es war ein ruhiges, beschauliches Leben – Nachruf auf Thomas R. P. Mielke 28 * Zwielicht 33 * Jörg Krömers Cinema 34 * Gerd Freys eGames 39 * Perry Rhodan | Michael Haitel: Meine erste Sonne 46 | Robert Hector: Guckys Tod, der Zweite Zweig und die Staubfürsten 47 | Franz Hardt: Der Ilt ist tot! 53 * Science | Robert Hector: Kernfusion – Eine unerschöpfliche Energiequelle der Zukunft? 56 | Robert Hector: Das Multiversum, Parallelwelten und kosmische Doppelgänger 59 | Robert Hector: Künstliche Intelligenz 66 * Science-Fiction | Michael K. Iwoleit: Triumphe eines Ahnungslosen. Anmerkungen zu Stanislaw Lems Technologiekritik 71 * Armin Möhles FanzineKurier 78 * Michael Baumgartners Reissswolf 83 * Schlachtplatte 89 * StoryFiles | Anna Wegloop: Turing-Test revisited 123 | Dirk C. Fleck: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit 125

Das Titelbild stammt von Lothar Bauer.

Diese Ausgabe gibt es ab 01.10.2021 (!) auch zum Download unter https://www.sfcd.eu/download/pubs/an201-300/an271open.zip