Problemstellung

Es geht ja nicht nur um die Frage nach dem richtigen Weg. Die Menschheit hat sich selbst schwer verletzt – und die Rasse steht vor dem Abgrund. Es gibt eine Lösung – aber ist sie die richtige? Und funktioniert sie auch? Und wenn ja, warum eigentlich? Warum soll sie funktionieren? Und warum nicht, wenn nicht?

Der Roman, der durchaus durch Spannung brilliert, hat einen hochphilosophischen Grundtenor, der sich nicht nur mit der Frage nach dem Falsch oder Richtig beschäftigt, sondern letztlich auch mit der Rolle Gottes. Wenn der eine Rolle spielt. Der Zweifler, der die Ansicht vertritt, der Plan zur Rettung der Menschheit würde nicht funktionieren können, steht den vermeintlichen Rettern nicht entgegen, nicht im Wege. Der, der das eigentliche Problem repräsentiert, ist Gott. Der ohne Worte die Frage stellt, ob das alles überhaupt funktionieren darf.

Verwirrt?

Gern geschehen. Ich wüsste nicht, warum ich hier zu Erkenntnissen verhelfen sollte, die das Buch zu liefern hat. Mich hat die Geschichte sehr beeindruckt. Einige der üblichen Kritiker werden sich an Details aufhängen, wie sie das immer tun. Und man wird Genrekriterien heranziehen, um zu urteilen, warum der Autor mit seinem Plot gescheitert ist. Aber all das geht an den eigentlichen Fragen vorbei. Und diese Fragen findet man hier trefflich formuliert. Manchmal werfen die Antworten auch neue Fragen auf. Und freilich sind die Antworten nicht für jedermann gültig. Aber das würde sowieso bedeuten, dass es sich bei dem Buch um einen Bestseller handelt. Und wann hätte es das in meinem Verlag schon mal gegeben …

Müller, Ron, DAS THEODIZEE-PROBLEM

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