[Susi] Tag 1, Klarstellung

Hätte die Videodatei keine eindeutigen Daten, würde ich nicht glauben, dass diese Aufnahme vom ersten Tag stammt, den Susi bei uns war:

So schüchtern und schreckhaft sie ganz am Anfang noch war — schüchtern ist sie nicht mehr, schreckhaft manchmal immer noch –, so hat sie doch eines klargemacht: „Hier wird gewohnt, wie ich das will!“ :) [Wobei festzuhalten ist, dass Susi kein Hund ist, der die Wohnung umdekoriert.]

Montag

Was wir als Bewohner der sogenannten westlichen Welt und wenigstens latent Angehöriger des sogenannten christlichen Glaubens von Montagen zu halten haben, wissen wir.
Ich auch.

Es fing damit an, dass Frauchen den ersten Gassigang machen wollte. Huch. Ich war geistig schon so gut wie unterwegs, da kommt sie mit dieser seltsamen Idee. Aber gut. Mehr Zeit für den Einkauf.
Erst wollte ich zum Edeka in Dreimühlen, dann fuhr ich doch zur Famila. Ob das gut war? Chicoree gab’s immer noch nicht, getrocknete Pfifferlinge auch nicht. An der Kasse dann der Beweis für die Montagsabergläubigkeit: Ich stelle aus dem Kasten eine einzelne Flasche Flens frei auf das Band – und die Flasche platzt. Einfach so. Der Rest geht dann gut.
Im Edeka in Dreimühlen gab’s auch keinen Chicoree, keine drüschen Pfifferlinge.
Auf dem Heimweg stelle ich dann fest, dass mein Finger blutet. Der Stinkefinger links. Offensichtlich habe ich mich an der Flasche verletzt. Auf der Suche nach einem Tempotaschentuch entdecke ich die allererste Corona-Maske. Ganz offensichtlich gebraucht. Die war noch handgenäht, damals gab’s ja nicht gleich von Anfang die FFP2-Masken in Apotheken und Supermärkten. Die allererste Corona-Maske stammte aus dem Geschenkeladen auf der anderen Seite der Hauptstraße hier in Winnert. Das waren noch Zeiten :)

Montag also. Schaun wir, wie er weitergeht.

Hinterm Mond 2023

Hinterm Mond 2023
4. Tag der Science-Fiction-Literatur in Ostfriesland
im Kulturspeicher in Leer
Sonnabend, 7. Oktober 2023, 15 Uhr
mit Thorsten Küper, Aiki Mira, Jol Rosenberg und Gerhard Wiechmann.

Zum vierten Mal wird der Kulturspeicher in Leer/Ostfriesland bei »Hinterm Mond 2023« zum Treffpunkt von Science-Fiction-Fans aus ganz Deutschland. Den 4. Tag der SF-Literatur am Sonnabend, 7. Oktober, gestalten Thorsten Küper (Herne), Aiki Mira (Hamburg) und Jol Rosenberg (Berlin), die aus ihren Werken lesen werden, sowie Gerhard Wiechmann (Oldenburg), der einen Vortrag über Reichsflugscheiben und Nazi-Ufos halten wird.
Veranstalter von »Hinterm Mond« ist der Journalist Norbert Fiks. Er hat seine zahlreichen Kontakte ins deutsche Science-Fiction-Fandom genutzt, um ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine zu stellen. Dieses Mal wird aktuelle SF deutscher Autorinnen und Autoren mit einem historischen Thema in Kontrast gesetzt.
»Hinterm Mond 2023« im Kulturspeicher in Leer beginnt  am Sonnabend, 7. Oktober, um 15 Uhr. Karten zum Preis von 15 Euro können online unter blog.fiks.de/hinterm-mond bestellt werden.

Thorsten Küper, Jahrgang 1969 und im Hauptberuf Lehrer in Herne, schreibt seit Anfang des Jahrtausends Kurzgeschichten für Anthologien und Magazine wie Nova, Exodus, c’t und Spektrum der Wissenschaft. Mehr als 20 Mal wurde er für den Kurd-Laßwitz-Preis und den Deutschen Science-Fiction-Preis nominiert. 2019 gewann er die beiden begehrten Preise mit seiner Kurzgeschichte »Confinement«. Thorsten organisiert seit 2010 mit seiner Frau Kirsten Riehl virtuelle Lesungen in Second Life, bei denen bisher rund 250 Schriftsteller, Verleger, Herausgeber, Künstler und Musiker aufgetreten sind. Gemeinsam mit Frederic Brake moderiert er die Fantastiktalkshow »Talkien«, zu sehen unter www.youtube.de/BrennendeBuchstaben.


Thorsten Küper – Foto: Thorsten Küper

Aiki Mira lebt in Hamburg und – nach eigenen Angaben – in der Science-Fiction. Gleich drei Storys von Aiki wurden 2022 für den Deutschen Science-Fiction-Preis und für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert. Das hat vorher niemand geschafft. Mit der Story »Utopie27« gewann Aiki beide Preise. Zusammen mit den beiden Künstlern Uli Bendick und Mario Franke gab Aiki die Anthologie »Am Anfang war das Bild« heraus, die 2022 ebenfalls für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert war und den zweiten Platz erreichte. Im zu Ende gehenden Jahr 2022 erschienen zudem zwei SF-Romane von Aiki: »Titans Kinder. Eine Space-Utopie« sowie »Neongrau. Game Over im Neurosubstrat«. Im Web: www.aikimira.webnode.page

Jol Rosenberg landete 1976 auf der Erde und lebt in Berlin. Jol bloggt auf www.jol-rosenberg.de mit dem Schwerpunkt deutsche Science-Fiction und schreibt vorwiegend in diesem Genre. Kurzgeschichten erschienen in Anthologien und Zeitschriften, unter anderem in Queer*Welten, c’t und der Anthologie Future Work. Jols Romandebüt »Das Geflecht. An der Grenze« erschien im Herbst 2022 im Verlag ohneohren, darauf folgt im Herbst 2023 – und hoffentlich rechtzeitig zu »Hinterm Mond 2023« – ein Roman-Zweiteiler, ein Hope-Punk-Werk, beim Verlag Plan9. Jols Markenzeichen: der Hut.

Gerhard Wiechmann, Lehrbeauftragter an der Carl-von-Ossietzky-Universität, ist Experte für Militär-, Marine- und Filmgeschichte mit einem Faible für die Science-Fiction und speziell der SF-Filme der DDR. »Perry Rhodan« war die Einstiegsliteratur, mit Claus Ritters »Kampf um Utopolis« von 1989 begann sein historisches Interesse an SF. 2022 wurde Gerd nicht nur über Konzepte deutscher »asymmetrischer« Kriegführung im 19./20. Jahrhundert habilitiert, sondern es wurde auch sein Buch »Von der deutschen Flugscheibe zum Nazi-UFO« veröffentlicht, das sich mit den »Metamorphosen eines medialen Phantoms« befasst. Möglicherweise wird das Thema ausgebaut unter dem Aspekt einer Geschichte der Military-SF.

»Hinterm Mond 2023 – 4. Tag der Science-Fiction-Literatur in Ostfriesland« wird veranstaltet von Norbert Fiks, Wagnerstraße 25, 26789 Leer.

Kopf ab

Der Besitzer des Grundstücks veranstaltet Yogasitzungen, wenn ich mich nicht irre. Sein Bewusstsein für die Schönheit der Natur ist offensichtlich genauso verkümmert wie die der zahlreichen anderen Pflanzenmörder im Lande:

Das jedenfalls war mal eine Hecke, im Frühjahr und Sommer schön grün, sehr ansehnlich.

Warum die einzelnen Sträuche so dilettantisch geköpft werden mussten, erschließt sich einem nur, wenn man das Hässliche mag.

Denn an Hässlichkeit ist der Anblick kaum noch zu überbieten.

Und wirklich im Weg waren die »ausgewachsenen« Sträucher auch nicht. Ich kann das beurteilen, denn der vergewaltigte Bewuchs liegt an einem meiner Standardgassiwege.

Wie gesagt: Man muss es hässlich mögen. Ich mag es nicht. Ich empfinde es auch als eine Unverschämtheit, regelmäßigen wie auch sporadischen Spaziergängern einen solchen Anblick zuzumuten. Ich fürchte nur: ändern wird sich nichts. Auch nicht im nächsten Winter.

[VDS] Infobrief vom 19.02.2023

Link zum Inhalt [folgt]

1. Presseschau
• Mehr als nur Füllsel
• Deutsch lernen in Polen
• Leichte Sprache im Alltag
2. Gendersprache
• Berliner Studenten beschließen Genderpflicht
• Sportschau gendert weiter
• GEW gegen Gendergegner
• Gendern in österreichischen Medien
• Zitatfälschung beim ZDF
3. Sprachspiele: Unser Deutsch
• Kipppunkt
4. Kultur
• Schlager in Polen
• Dialektförderung in Baden-Württemberg
5. Berichte
• Preis für Harald Martenstein
• Volksbegehren auch in Berlin?
6. Denglisch
• Englische Redewendungen to go
• Fußball-Denglisch für Zweitligisten
7. Soziale Medien
• Seggs
8. Kommentar
• Senior Project Manager (all genders)
9. Termine

London, Pop und für die Ohren

Heinrich Stricker hat aus seinem Werk »London, Pop und frühe Liebe« (Außer der Reihe 72) gelesen, was für das »Literatur Radio Hörbahn« aufgezeichnet wurde. Und danach hat er sich noch mit Uwe Kullnick über sein Buch, London und Reisen im Allgemeinen unterhalten. Das alles findet sich hier.

Stricker, Tiny, LONDON, POP UND FRÜHE LIEBE

 

Frisch besprochen

Naja, eigentlich für Bücher meiner p.machinery. Aber ihr wisst, was gemeint ist:

  • Thorsten Küpers »Belichtungszeit« auf Literatopia;
  • Sebastian von Arndts »Wächter der Verbotenen« auf Robots & Dragons, und
  • Willi van Hengels »Dieudedet oder Sowas wie eine Schneeflocke«, ebenfalls auf Robots & Dragons.

Herzlichen Dank an die Rezensenten.

[Kim] Der Anfang II

Kim soll ihre ersten anderthalb Jahre auf der Straße zugebracht haben. Sie muss mindestens einmal Junge bekommen haben, denn ihr Gesäuge war ausgeprägt (ausgeprägter zum Beispiel, als bei Naomi oder Susi). Der Tierarzt, der sie kastrierte, war vermutlich ein Metzger; kein vernünftiger Veterinär verpasst einer Hündin einen gut zwanzig Zentimeter langen Schnitt.

Und es war auf sie geschossen worden; in ihrem Körper steckten drei Diabolos (das ist Luftgewehrmunition), und einen davon hat sie mit in den Hundehimmel genommen, denn er saß zu nah an der Lunge, um herausoperiert zu werden; allerdings war die Kugel verkapselt, insofern ungefährlich.

Kim hatte ihre Baustellen. Sie mochte es nicht, am Hinterteil angefasst zu werden, jedenfalls anfangs. Von der Diabolo-Operation noch betäubt, nässte sie sich ein. Ich wollte ihr das Hinterteil mit einem Handtuch abtrocken, da schnappte sie im Halbdusel nach mir, erwischte den goldenen Ring meines Vaters und meinen Finger, der natürlich blutete. Ein wenig. Die Spur ihres Zahnes, der den Ring erwischte, ist noch da; ich werde sie auch nicht beseitigen lassen – das ist eine Erinnerung, nicht nur an Kim, sondern auch an meinen eigenen Fehler.

Es war nicht der einzige Fehler, den ich mit ihr machte. Wenn auch der blutigste. Als ich sie einmal auf dem Sofa sitzend in den Arm nehmen wollte, schnappte sie nach meinem Gesicht, erwischte mich aber nicht. Dass sie so reagiert, hätte ich mir denken können. Erst viele, viele Jahre später, 2022, um genau zu sein, ließ sie sich in den Arm nehmen, vor allem beim Tierarzt.

Der Fehler, der mir am intensivsten in Erinnerung bleiben wird, geschah beim Gassi gehen. Keine große Runde, in der Nachbarschaft, mehr nicht. Sie sollte nur noch einmal pieseln. Es regnete, ich hatte einen Schirm in der Hand (danach nie wieder beim Gassigang), in der anderen die Flexileine. Kim pieselte, die Flexileine – bzw. das schwere Gehäuse – rutschte mir aus der Hand, schoss auf den Hund zu, der panisch davon rannte, das verdammte Flexileinengehäuse immer hinter ihr her. Zum Glück blieb sie auf dem Gelände, auf dem wir wohnten, saß dann vor der Tür zum Haus, zitternd, ängstlich – und es gelang mir fast nicht, sie von der Tür wegzuziehen, um diese zu öffnen. Wie es danach weiterging, weiß ich nicht mehr – aber danach verschwand die Flexileine in der Versenkung und kam nie mehr zum Einsatz.

Kim im August 2012; da war sie freilich schon über ein Jahr bei uns.

[Kim] Der Anfang I

Die Erinnerungen verändern sich. Manche verblassen. Manche bleiben einem glasklar in Erinnerung. Und doch können sie täuschen. Ich vertraue ihnen nicht. Nicht immer. Aber die Details sind auch nicht wichtig. Nicht immer.

2011, im Frühjahr. Wir fuhren nach Odelzhausen, ein Ort westlich von München. Dort gab es einen Verein – irgendwas mit »vier Pfoten«; es gibt ihn nicht mehr, er wurde wegen illegalem Welpenhandel dichtgemacht, hieß es –, bei dem wir uns Hunde anschauen wollten. Beim ersten Besuch fanden wir nicht, was wir suchten. Nach den Erfahrungen mit meiner ersten Kim – einem Labrador-Airdale-Terrier-Mix – schwebte mir wieder so etwas vor. Ein Labbimix. Schwarz. Das war ein Muss. Die Hunde, die wir anschauen konnten, passten alle nicht.

Als wir wieder daheim waren, bekamen wir Fotos per E-Mail geschickt. Eine schwarze Hündin namens Gigi.

Kim, 2011. Damals hieß sie noch Gigi, und ihre später fast schwarzen Augen schimmerten braun.

Es war im Grunde sofort klar, dass sie unser Hund werden würde. Und als ich sie zum ersten Mal bei ihrem Namen rief, war klar, dass wir sie nicht Gigi nennen würden. Sie hieß Kim – wie ihre Vorgängerin. Das war ihr Name.

Als wir sie in Odelzhausen abholten, kam sie mir klein, fast ein wenig unscheinbar vor. Sie wirkte schüchtern, nahm ein Leckerli, aber sie wirkte irgendwie … verloren. Im Auto dann lag sie im Fußraum vor Frauchens Füßen und sie rührte sich nicht. An die eigentliche Heimkehr erinnere ich mich nicht mehr.

Die ersten Tage waren der Eingewöhnung gewidmet. Ich erinnere mich nicht daran, dass sie nicht stubenrein gewesen wäre. Aber sie wollte nicht fressen. Ich kniete zehn Minuten lang mit einer gefüllten Schüssel vor ihr und wartete. Aber sie wollte nicht fressen. Erst nach einigen Tagen siegte der Hunger. Und danach kam es nie wieder vor, dass sie nicht fressen wollte. Bis sich das dem Ende zu wieder veränderte, aber da sind wir noch nicht.

An Details aus der Anfangszeit erinnere ich mich nicht. Wir hatten irgendwann einen Pflegehund, einen kleinen Brackenmix, den wir Paula nannten, weil ihr eigentlicher Name Kims Namen zu ähnlich war. Die beiden kamen gut miteinander klar, und nach zwei, drei Wochen verschwand Paula wieder, fand ein neues Zuhause irgendwo am Ammersee.

Dirk C. Fleck zum Achtzigsten

Nachtrag: Aufgrund eines verwertungsrechtlichen Problems wird dieses Buch nicht in den Verkauf gelangen.

Ich bin auf alle meine Autoren stolz, die ich in meiner p.machinery veröffentlichen durfte und darf. Dabei spielt es keine Rolle, ob es eine (bislang) einmalige Veröffentlichung war (und ist), oder ob es sich um »Wiederholungstäter« handelt. Zu Letzteren gehört jedenfalls Dirk C. Fleck, der heute vor 80 Jahren in Hamburg das Licht der Welt erblickte, und zu dessen Ehren ich ein besonderes Buch aufgelegt habe. Besonders, weil

  • das Buch in einem ungewöhnlichen Format vorliegt, das Dirk Fleck als »Weinkarte« bezeichnet hat, weil esm it 150 x 297 mm Größe einer Weinkarte durchaus ähnlich ist (sieht man vom Umfang ab);
  • das Buch in der AndroSF-Subreihe zum Deutschen Science-Fiction-Preis (DSFP) läuft, weil das Buch »Das Tahiti-Projekt« 2009 den DSFP des besten Romans bekam;
  • das Buch die sogenannte »Maeva«-Trilogie in einem Band vereint; Maeva ist im Grunde die weibliche Hauptperson der Trilogie.

Das Buch wird einmal mehr für Kritik aufgrund des außergewöhnlichen Formats sorgen, doch das juckt mich nicht. Ich rechne bei diesem Werk nicht mit einem Bestsellererfolg, obwohl die Verkaufszahlen der beiden bisher erschienenen Bände (AndroSF 20 = »Die Stille nach dem Ton«, AndroSF 38 = »GO! Die Ökodiktatur«, Letzterer auch von Dirk C. Fleck verfasst) durchaus ordentlich ausgefallen sind, und der neue Band den Sammlern der DSFP-Reihe sicher gut ins Regal passen wird.