Die Abzockertage sind gezählt

Ja, Sky ist ein Abzocker. Ja, ja, ich meine den Bezahlsender Sky. Eigentlich ist es ja ein Senderkonglomerat, wenn man es genau nimmt. Aber das ist irrelevant – ein Abzockerladen ist es.

1998 habe ich mit Premiere angefangen, weil mir auf den Geist ging, dass von Spielfilmen auf allen »freien« Fernsehsendern der Nachspann abgeknipst wurde, und auf den Privatsendern die Werbung vor, während und nach der Filme unerträglich wurde. Den Preis am Anfang erinnere ich nicht mehr. Irgendwann stieg ich aus, weil mir das Angebot für den Preis nicht mehr passend erschien. Ich erinnere mich, dass Sky – wie die dann schon hießen – mich mit Briefen fast schon belästigte, in jedem Brief ein anderes supergünstiges Angebot, das man mir vor der Kündigung nicht gönnen wollte.

Irgendwann – ich glaube Ende 2014 – ließ ich mich von einem Kollegen werben und stieg wieder ein. Am Anfang waren das 16,90 EUR monatlich – heute sind es fast 52 Euro. Und das nicht etwa durch ein erweitertes Programm. Ich habe keine Sportsender gebucht, ich nutze die Pay-per-view-Dienste nicht … nur die Sky-Kanäle für Filme und Serien, ein bisschen Doku.

Aber Sky ist da trickreich. Da werden ständig Neuigkeiten eingeführt und auf alle umgelegt. Da wird die Programmstruktur umgestellt, alte Sender fliegen raus, neue kommen rein, Pakete werden neu geschnürt, vermeintlich umfangreicher, definitiv teurer. Und dann die HD-Kanäle, die man auch mit einem 4K-55-Zöller nicht wirklich braucht; die kosten natürlich auch extra.

Aber es ist nicht nur das Geld. Es ist auch der Service – den es im Grunde nicht gibt. Irgendwann gab es Sky Q – vor allem auch auf einem zuvor einwandfrei funktionierenden Empfangsgerät (vulgo: Receiver). Die Steuerung wurde komplizierter und mit jedem weiteren Update unkomfortabler. Und die Software war offensichtlich nicht kompatibel zu allen Geräten. Seit Jahren habe ich Bildaussetzer, Tonstörungen, ein Fehlverhalten, das mal einen ganzen Abend gar nicht und dann wieder alle paar Minuten auftritt und sich nur durch mehrfache Neustarts des Gerätes beheben lässt – bis zum nächsten Mal. Die Sky-Software für PC, Tablet (vulgo: Flachrechner) und Smartphone (vulgo: Cleversprecher), mit der man das Programmangebot gemäß seiner Buchung auch ohne den Receiver (vulgo: Empfangsgerät) schauen kann, funktioniert von Haus aus nicht – ohne jede Fehlermeldung.

Und der Support? Existiert nicht. Ich habe es per Mail versucht, per Fax, per Brief, per Einschreiben. Die Reaktionen waren Anrufe zu mitunter seltsamen Tageszeiten. Manchmal sollte man mit einem Techniker verbunden werden; bevor der antworten konnte, wurde aufgelegt. Und das nicht nur einmal. Manchmal rief die Hotline an, niemand meldete sich, nach einer halben oder ganzen Minute wurde aufgelegt. Auch das nicht nur einmal. Eine Antwortmail, einen Brief oder Ähnliches erhielt ich nie. Die Hilfe im Internet ist ein schlechter Scherz, den zu beschreiben schon mehr Aufmerksamkeit bedeuten würde, als ein Haufen Blödsinn verdient hätte.

Ich habe es dann irgendwann einfach aufgegeben.

Die Entscheidung, zu kündigen, ist schon vor meinem Umzug nach Nordfriesland gefallen, und nachdem Sky jetzt öffentlich lügt – es wird behauptet, es gäbe jeden Tag einen neuen Film, was definitiv gelogen ist, wenn man die alten Kamellen, die Sky unter dem Namen Sky noch nicht gezeigt hat (wohl aber noch unter dem Namen Premiere), nicht mitrechnen möchte – und auch sonst eben nichts dafür tut, mich als Kunden zu halten, war es nun genug. Die Kündigung selbst musste ich telefonisch machen: Per Mail kann man nicht kündigen, und ob Faxe oder Briefe überhaupt irgendwo zur Kenntnis genommen werden, wage ich inzwischen zu bezweifeln. Also rief ich an, und hatte zuerst das unvergleichliche Erlebnis eines unhöflichen, offensichtlich desinteressierten Hotliners, der nicht mal nach meinem Namen fragte. Eine Kündigungsbestätigung, die mir auf zweimalige Nachfrage versprochen wurde, erhielt ich nicht. Also wiederholte ich die telefonische Kündigung, die doch registriert worden war – und dann erhielt ich auch eine Bestätigung.

Am 30.11. ist der letzte Tag. Ein Montag. Montagabends ist traditionell zdfneo-Tag, weil abends »Inspector Barnaby« kommt. Da brauche ich Sky schon nicht mehr. Am 01.12. wird das Empfangsgerät abgebaut, zusammengepackt und noch am gleichen Tag zurückgeschickt. Während ich das Paket zur Post fahre, darf das neue Empfangsgerät schon mal seinen Sendersuchlauf absolvieren. Es ist von TechniSat und hat keine Möglichkeit, eine Karte von einem PayTV-Anbieter aufzunehmen.

Schlimmer als Denglisch: Werblisch

Zahllosen Menschen ist das richtige Gefühl für die deutsche Sprache längst verloren gegangen. Man wird allerorten mit denglischem Kauderwelsch zugemüllt. Besonders Coole benutzen massenhaft Begriffe, deren wirkliche Bedeutung sie nicht kennen – Hauptsache, man kann sich cool geben. Nur noch die deutsche Sprache in ihrer reinen Form zu verwenden, das ist nicht mehr cool. Ähm … cool … genau.

Aber es geht noch schlimmer als Denglisch. In der Werbebranche ist inzwischen noch mehr geboten: Werblisch ist eine Sprachverderbnis, die inzwischen dazu führt, dass man mitunter überlegt, wo gleich das Wörterbuch untergebracht war. Oder benutzt man doch gleich den Google Translator … ach, nein, selbst Google nennt den ja auf seiner deutschen Seite »Übersetzer«! Wer hätte gedacht, dass Google eine Vorbildrolle für sich in Anspruch nehmen könnte …

Aber ich schweife ab.

Werblisch also. Inzwischen gibt es für manche Produkte nicht mal mehr deutsche Bezeichnungen. Die Kosmetikindustrie ist da ganz vorne, und das sogar bei einer traditionell deutschen Firma wie Beiersdorf mit ihrer Nivea-Produktpalette. Da wird aktuell ein Antipigmentfleckenprodukt namens »Cellular Luminous« angeboten – what? Ist das eine Wandfarbe – wohl auch für außen? Oder der »Nivea Skin Guide«, eine App – fck! – zur »Hautanalyse per Selfie«. Und für die, die es am liebsten ganz ohne Deutsch hätten, gibt es das »Nivea Invisible for Black & White Deo« – assholes! Das hört sich an wie ein genehmigungspflichtiger Kampfstoff aus dem Irakkrieg. Und der »Nivea Hyaluron Cellular Filler« ist vermutlich Fensterkitt oder ein Dichtmittel für Risse, worin auch immer.

Die Kosmetikbranche hat ja noch so viel Anstand, in den meisten Werbespots – die sich jetzt vor Weihnachten wieder massiv häufen – die Fresse zu halten, nur Musik zu machen und dem – natürlich nicht-deutschen – Produktnamen eine Stimme zu geben. Ausreißer aber auch hier: Boss wirbt mit Chris Hemsworth in seinem Filmchen für das Produkt »BOSS Bottled«. Der Spruch dazu: »Be the Man of Today«. Gut. Die Franzosen nennen es folgerichtig »soyez l’homme d’aujourd’hui« – denn Französisch ist den Franzosen heilige Sprache. Und die Deutschen? »Sei der Man of Today …« – da fällt mir nur noch ein fig cocksucker! ein.

Und selbst seinen Haushalt kann man nicht mehr mit deutsch benannten Produkten reinigen. Die Firma Love Nature, die sich aktuell mit veganen Reinigungsmitteln in der Werbung breitmacht, hat ja schon bei ihrer »Liebe zur Natur« sprachlich versagt. Moonflower (vulgo: Mondblume), Cherry Blossom (vulgo: Kirschblüte), Cactus Leaves (vulgo: Kaktusblätter), Verbena (vulgo: Eisenkraut) heißen die Duftrichtungen für Spül- und Waschmittel und allerlei anderes Gedöns. Was zum Henker ist an einer Duftrichtung »Kirschblüte« auszusetzen?

Werbung kann man praktisch nicht aus dem Weg gehen, möchte man sich nicht völlig von der Außenwelt abkoppeln, Radio und Fernsehen abgeschaltet lassen und sich ansonsten mit Scheuklappen, Sonnenbrille und Mickymäusen gegen jeden werblischen Affront wappnen. Aber am Ende frage ich mich mehr und mehr, wie übel man als Werbefuzzi drauf sein muss, um der Deutsch sprechenden Welt solchen überflüssigen und die Sprache verderbenden Unsinn zuzumuten. Die deutsche Sprache kann Fremdworte durchaus vertragen – das konnte sie schon immer. Aber das, was da in der Werbung geschieht – und auch an vielen anderen medial zugänglichen Orten –, das entbehrt jeglicher Notwendigkeit. Büro, Computer, Telefon, Radio … viele Begriffe, die wir heute für urdeutsch halten, haben einen anderen sprachlichen Ursprung, und es hat sich als vernünftig erwiesen, sie zu verwenden. Man kann ein Büro auch Kontor nennen (auch ein Fremdwort), einen Computer Rechner, ein Telefon Fernsprecher (und ein Fax Fernbild!), ein Radio Rundfunkempfänger … Es zu tun schadet nicht. Es nicht zu tun aber auch nicht.

Am Ende wird sich nichts ändern. Die Werbung wird weitermachen, immer weitermachen, und spätestens die Jugend wird’s übernehmen, nach und nach die deutschen Gegenstücke vergessen und irgendwann – was ich zum Glück wohl nicht mehr erleben werde – wird Esperanto mehr deutsche Worte enthalten als die deutsche Sprache selbst. Vielleicht sollte ich auf meine alten Tage doch noch Französisch lernen; diese Sprache wehrt sich schon klanglich erfolgreich gegen Anglizismen, wie es scheint.

Versandgedanken

Heute habe ich praktisch den ganzen Tag Rechnungen und Lieferscheine geschrieben. Was sich schön liest – vor allem die Rechnungen –, ist durchaus mit Arbeit verbunden. Sind die Adressen aktuell? Sind die Bestände okay? Und wenn man gleichzeitig mehrere neu aus der Druckerei im Lager gelandete Bücher verschicken möchte, wird das kein Viertelstundenjob.

Nach der Arbeit fällt mir dann wieder ein, wie es wäre, würde ich auch noch den Versand selbst machen. Nicht nur, dass ich Platzprobleme hätte: All die Bücher, die auf Lager lägen, von den Verpackungsmaterialien ganz zu schweigen. Ich bräuchte eine Konfektionierungszone, einen Lagerplatz für die fertigen Sendungen. Und der Zeitaufwand für die Verpackung und Fertigstellung der Sendungen. Von den speziellen Anforderungen im Auslandsversand will ich gar nicht reden. Und mit ziemlicher Sicherheit müsste ich praktisch täglich oder jedenfalls mehrmals in der Woche zur Post fahren. Da würde sich fast schon die Einrichtung eines eigenen Postshops lohnen – mit mir selbst als bestem Kunden.

Aber das ist alles nicht nötig. Denn ich nutze die Dienstleistung des Versandes durch den Schaltungsdienst Lange in Berlin. Da lagern die Bücher nicht nur – wenn ich meine Belege (Rechnungen und Lieferscheine) gemailt habe, werden die Sendungen hergerichtet und dann verschickt. Die Portokosten werden 1:1 durchgereicht, und für die Handhabung der Sendungen zahle ich kleine Pauschalen von um die zwei Euro pro Sendung, ganz selten auch mal mehr. Klar, das kostet Geld, und bei so vielen Sendungen wie heute läppert sich das schon mal auf ein paar Hundert Euro im Monat.

Aber die Sparfüchse in unserem Geiz-ist-geil-Königreich übersehen gerne das, was die Eigenleistung kostet. Und die würde mich eine ganze Menge mehr als ein paar Hundert Euro kosten. Platz, Zeit, der Verschleiß des Autos … und vor allem die Zeit, die mir für meine eigentliche Passion verloren ginge: das Büchermachen.

(Und das ist letztlich auch ein wesentlicher Grund, warum ich beim Schaltungsdienst Lange bleibe. Abgesehen davon, dass die Kunststücke vollbringen, die andere Druckereien ablehnen, weil ihre Maschinen – oder die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter – es nicht hergeben, ist es eben auch die Logistik, die mir eine estnische, lettische, polnische oder tschechische Druckerei nicht bieten kann, was die – vermeintliche – Kostenersparnis im Druckpreis letztlich schnell wieder auffrisst oder gar verdampfen lässt.)

Bemerkenswert?

Nein, in Winnert (und wohl auch der Umgebung) ist das normal: Der Mensch bläst mit einem Laubbläser (natürlich; Besen sind offensichtlich aus der Mode gekommen) Laub vom Gehweg, auf dem er seinen Lieferwagen geparkt hat – Parken auf der Straße ist auch nicht mehr modern –, dessen Motor die ganze Zeit läuft, damit die (eher sinnlose) Beleuchtung nicht auf die Batterie geht …

Der Tag danach

  • Die Arbeit hat mich wieder.
  • Belege für den Verlag geschrieben. Zwei neue Titel sind auf Lager. Der dritte Hübner-Band, dazu Norbert Stöbes »Kleiner Drache«. Und raus damit.
  • Den Skoda Roomster in die Werkstatt gefahren. Inspektion, Winterreifen. Der Leihwagen ist ein kleiner VW up! Nette Kiste, aber nichts für Großeinkäufe.
  • Mittagsgassi mit Naomi allein, weil Kim beim Schwimmen war und noch feucht ist. Ich bin davon überzeugt, Naomi keine Freude zu bereiten, alleine mit ihr Gassi zu gehen. Ihr ganzes Verhalten zeugt von großem Elend. Trauer. Einsamkeit. Aus lauter Verzweiflung will sie alle drei Meter ein Leckerli. Das macht sie nie, wenn Kim dabei ist.
  • Abends den Roomster zurückgeholt. 1167 Euro. Wow. Inspektion erledigt, Bremsen hinten getauscht, Winterreifen neu (die Ganzjahresreifen, die drauf waren, waren fünf Jahre alt und erledigt), Klimaanlage aufgefrischt. 1167 Euro. Und ein paar Kleinigkeiten sind noch »offen«. Damit kann ich die beiden neuen Winterreifen für die Hinterachse meines Passats erst mal abschreiben. Muss ich halt alle zwei Wochen aufpumpen. Kein Problem. Eigentlich.
  • Zwischendurch und am Abend mit dem Korrektorat des historischen Romans fortgefahren. Die Zeit der Inquisition war wahrlich keine schöne Zeit.
  • Ansonsten gilt für Kim und meine Ehe: 10+1.

Jeden Tag ein Buch ist noch kein Tagebuch

Aber ich habe lange nicht zusammengefasst, worum es hier in Winnert gegangen ist, worum es geht. Während die Welt die Schotten dichtmacht – wenn man denen glaubt, deren Schotten im Kopf längst dicht sind –, spüre ich nach wie vor nichts von allem. Die Masken, gut. Aber an die gewöhnt man sich so schnell, trotz all der Unbilden: Brillennebel (auch so eine idiotische Wortneuschöpfung, immerhin eine deutsche), das Bartjucken, die Atemfeuchtigkeit zwischen den Barthaaren. Während also die Welt … scheiß drauf.

Was also war zuletzt?

  • »Kindergefängnis …« und »Himmel und Erde« sind durch. Norbert Stöbes »Kleiner Drache« im Grunde auch. Von »Kindergefängnis« und vom »Kleinen Drache« liegen hier die Andrucke zur Durchsicht und ggf. Freigabe. »Himmel und Erde« kommt wohl morgen.
  • Die letzten Tage war ich mit einem Auftrag beschäftigt. Eine Fantasygeschichte mit einem nicht zu übersehenden Bezug zur Realität: Es geht um Dämonen und Menschen, um Mutter Natur und Wälder, um Blaue Feuer, die die Wälder vernichten. Eine sehr schöne Geschichte, an deren Lektorat ich vielleicht noch ein wenig zu verbessern gewusst hätte. Eigentlich sollte ich nur das E-Book bauen, dann stellte sich aber heraus, dass das erste Korrektorat offensichtlich schiefgegangen ist. Jedenfalls durfte ich das dann auch noch machen. Dann das E-Book und die Eingabe der Korrekturen in die InDesign-Vorlage für die Druckversion. Meine erste Arbeit mit InDesign, das ich mir extra dafür angeschafft habe (Kosten: 20 Euro pro Monat, das wird sich schon irgendwie amortisieren; für den ersten Job auf jeden Fall). Der Autor erwies sich als ausgesprochen nett und nicht unglücklich über meine Arbeit. So kann das weitergehen.
  • Gestern Abend habe ich dann noch Ron Müllers »Das Theodizee-Problem« fertiggestellt: Druckdaten für den Schaltungsdienst incl. Druckauftrag, Daten für Bookwire, das E-Book, alles fertig. Jetzt warte ich auf den Andruck.
  • Heute war E-Mail-Tag, weil ich am Samstag keine Zeit dafür hatte. Und geschafft habe ich wieder nur einen Bruchteil. Nicht zuletzt diversen Telefonaten geschuldet. Nein, die sind nur dann Störungen, wenn ich nicht rangehe, obwohl ich nicht gerade mit den Hundemädels draußen bin.

Die Einkäufe am Morgen haben ordentlich Zeit gekostet, waren aber gut verlaufen. Keine Probleme. Oder doch: Man sieht mir nicht an, dass ich leichter geworden bin. Um 450 Euro. Davon 270 Euro alleine für frisches Insulin. Und meine Krankenversicherung habe ich gleich mit einem neuen »Leistungsauftrag« erfreut. Den letzten Leistungsauftrag habe ich von meiner Krankenkassenbeitragszahlung für November abgezogen. Ich hatte das angedroht, weil die mich vier, sechs, acht Wochen auf mein Geld warten lassen und dann immer die dämlichsten Ausreden haben. Mein Berater meinte, ich solle das nicht tun, das gäbe nur Ärger – aber auf genau den bin ich auch aus.

Tausend hysterische Tussen

30.10.2020, ein Supermarkt in Husum. Schon auf dem Parkplatz Blechrempeleien. Zwei Stück, Fahrerinnen. Bei einer war es eine von diesen 145-Zentimeter-Tussen in einem schweren Mercedes-Benz-ScheißUV, alle Scheiben (ausgenommen die Windschutzscheibe) verdunkelt. Die Gegnerin: eine Kleinstwagenfahrerin. Ihr Gefährt sah nicht gut aus. Ich kenne diese Zwergenweiber und ihr Fahrverhalten auf Supermarktparkplätzen. In Murnau hatte ich zwei Mal innerhalb weniger Wochen das Vergnügen.
Auf dem Supermarktparkplatz wildes Gewimmel. Nur Frauen. Die Männer, die sicher auch da waren, saßen vermutlich in ihren Autos, die Köpfe zwischen den Knien. Erste Diskussionen um die angesichts des neuerlich drohenden Verschlusszustands (von Dummdeutschen »Lockdown« genannt) limitierten Einkaufswägen.
Im Supermarkt pure Hysterie. Nur Frauen. Die Männer, die sicher auch da waren, saßen immer noch in ihren Autos; inzwischen zitterten sie auch am ganzen Leib. Bei dem Versuch, den Leergutautomaten zu erreichen, verlangte eine Kundin fünf Meter Sicherheitsabstand. Eine andere Kundin gedachte das Desinfektionsmittel zu nutzen und blockierte minutenlang den eigentlichen Eingang in den Markt.
Beim Obst wird mein Einkaufswagen erstmals angerempelt. Heftig. Zum Glück sind die aus Metall und tragen eher selten Verletzungen davon; ich wäre da sicherlich empfindlicher eingestellt gewesen. Eine Kundin mit Tochter hat die Ressourcen aufgeteilt; sie brüllen sich gegenseitig Informationen quer durch die Obst-und-Gemüse-Abteilung zu, damit das richtige Produkt ausgewählt werden kann.
In der Getränkeabteilung ist es ruhiger. Das Regal mit den alkoholfreien Bieren der Rügener Inselbrauerei wird von einem Reinigungswagen blockiert. Meine Unverschämtheit, darüber hinweggreifend sechs Flaschen der Sorte »Snorkeler« zu entnehmen, wird mit einem garstigen Blick quittiert.
Die Gänge sind, wie morgens um acht Uhr gleich nach der Marktöffnung üblich, mit Gitterwagen blockiert, in denen sich Waren zum Auffüllen befinden. Ich habe Verständnis dafür, dass man ungern um fünf oder sechs Uhr mit der Arbeit beginnt, aber keines, dass man als Kunde in seinem Kaufwunsch dadurch beeinträchtigt wird, dass erst einmal alles vollgestellt wird, bis irgendjemand dazu kommt, die Waren auch einzuräumen. (Seltsamerweise schafft es die Bäckerei immer, morgens um acht Uhr das volle Programm frisch aufgebacken anbieten zu können. Vielleicht sind deren Backwaren auch künstlich intelligent, obwohl mir das beim Verzehr noch nicht aufgefallen ist.)
Bei den zuckerfreien Keksen werde ich ein weiteres Mal angerempelt. Frontal von vorne. Gleiche Tusse wie beim ersten Mal. Meine Diagnose: hysterische Betriebsblindheit, einhergehend mit rücksichtsloser Verblödung. Kein Wort der Entschuldigung, kein Versuch, Blickkontakt herzustellen. Wäre die Tussi von hinten gekommen, hätte ich vermutlich einen Orthopäden gebraucht.
Der Gang an der Wursttheke vorbei ist mit den Einkaufswägen hochintelligenter Quersteher blockiert. Alles Frauen. Die Männer … siehe oben. Es war wichtig, zwischen dem eigenen Wagen und der Vorderfrau möglichst keinen Millimeter Platz zu lassen. Es hätte sich ja jemand dazwischen drängeln können und damit den Sicherheitsabstand marodiert. Von unerlaubtem Vordrängeln ganz zu schweigen.
Ich nehme einen Umweg. Ich brauche meine Wurst eh aus einer anderen Kühltruhe. Und Käse. Ich stelle meinen Wagen so ab, dass er nicht im Weg ist, studiere die Auslage, will mich entscheiden – da kreuzt eine alte Dame, die in diesen Tagen eigentlich in einem Heim isoliert besser aufgehoben wäre, meinen Weg, positioniert ihren Wagen präzise vor drei der Kühlschranktüren und beglotzt mit tumbem und völlig desinformiertem Gesichtsausdruck die Auslage. Ich muss die Realisierung meines eigenen Einkaufs aufschieben.
Ich fahre um die Ecke, um noch eine Butter mitzunehmen, da rammt die schon bekannte Tussi meinen Wagen zum dritten Mal. Ich frage sie, warum sie sich nicht zur Entspannung flachlegen lässt, bevor sie zum Einkauf fährt, ernte aber keinerlei Reaktion.
An der Kasse unterhalten sich zwei offensichtliche Mütter über die Leiden ihrer Kinder. Das Schwimmbad hätte gerade wieder aufgemacht, zwei Trainingsstunden hätte ihr Balg gerade in Anspruch nehmen können, nun ging das wieder nicht mehr … Blablabla – fünf Minuten später im Auto kam die Meldung, dass in Schleswig-Holstein für Kinder und Jugendliche alles offen bleibt: Kindertagesstätten, Kindergärten (gibt’s die eigentlich noch?), Schulen, Schwimmbäder, Turnhallen … Ich bin kein Fachmann, aber ich glaube, irgendwo mal gelesen zu haben, dass Hysterie den Blick auf und für die Realität versperren kann.

Auf dem Heimweg wurde mir klar, dass dieser Einkauf der Letzte dieser Art war. Soll heißen: Wenn der nunmehr ausgerufene Verschlusszustand wieder beendet sein sollte und einigermaßen Beruhigung – gerne auch durch die ärztlich verordnete Gabe von Beruhigungsmitteln größeren Kalibers – zurückgekehrt ist, mache ich einen einzigen Einkauf. Mit einem 7,5-Tonner. Und dann erst wieder, wenn der Impfstoff gefunden und in ausreichender Menge produziert worden ist. Oder alle anderen tot sind.

P.S.: Die Männer vom 30.10., die Interesse haben, mögen sich zwecks Gründung einer Selbsthilfegruppe bei mir melden. Wir müssen da durch, Jungs.

Dummparker in der Fremde

Aufgenommen im November 2016 in Grafenaschau, Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Grafenaschau liegt in der Nähe meines damaligen Wohnortes in Murnau-Westried und wurde von mir als Neureichengetto eingeschätzt. Ich vermute, der Krefelder auf dem Bild fühlte sich einfach wie daheim. Auf der falschen Rheinseite parkt man halt so.

Der neue Baum

Es gibt wenig, was ich mir im Garten wünsche; das ist das Territorium meiner Gattin. Aber ich verlange, dass die beiden Bäume im hinteren Teil des Gartens nicht weggesägt werden, und dass die Hecke zwar gestutzt, aber nicht beseitigt wird. Und einen Baum vor dem Haus hatte ich mir gewünscht. Das ist er nun.

Das Loch gab’s schon seit ein paar Monaten, und gestern kam dann der Baum. Eine Weiße Maulbeere, auch Morus alba genannt, in der Variante »Hochstamm«. Und die professionelle Verspannung stammt von Christoph, unserem Gärtner. Noch sieht er sehr mager aus, und jetzt wird er wohl auch erst mal seine Blätter verlieren. Aber das ist eben so. Nächstes Jahr wird sich zeigen, wie er sich macht.