Ich mag solche Geschichten nicht

Solche Geschichten, meist kurz nach irgendeiner Katastrophe von jemandem geschrieben, der nicht betroffen ist, triefen allzu oft vor infamer Betroffenheitsheuchelei. Die Medien mit ihrer verkappten Mitleidsorgie sind schon schlimm genug, aber irgendjemand ist da immer, der meint, noch einen drauflegen zu müssen. Seuchengeschichten, Kriegsstorys, all das bekommt einen unverdienten Hype. Nur die guten Dinge, die beschreibt niemand. Die interessieren auch niemanden.

Aber man kann auch anders damit umgehen:

Meine Hand umklammert ein Hasenohr. Der Plüschhase mit den langen Beinen und Armen, den umgeklappten Ohren und dem Puschelschwänzchen ist halb so groß wie ich und schleift mit seinen Hinterpfoten im Dreck, wenn ich mit ihm durch die Straßen ziehe. Der Hase hat vorher einem anderen Kind gehört, das Kind hat ihn nicht mehr genug liebgehabt, also hat es ihn hergegeben. Meine Mutter hat mir gesagt, dass das fremde Kind mich lieber gehabt hätte als den Hasen, und ihn mir deswegen schenken wollte. Aber das glaube ich nicht. Denn wie sollte mich das andere Kind liebhaben? Es kannte mich doch gar nicht. Wir haben uns nie gesehen. Der Hase hatte auf dem Berg anderer Spielzeuge gesessen, er hatte nicht gewusst, dass er zu mir kam, und ich hatte das auch nicht gewusst, aber jetzt hielt ich mich an seinem Hasenohr fest und wanderte durch diesen neuen Platz, der nun mein Platz werden sollte, so lange, bis wir einen besseren fanden.

Gabriele Behrend
»Der Ort meiner Träume«
Die ganze Geschichte: hier.

Immer wieder sonntags

Naja, nicht immer – diesmal kam der VDS-Infobrief schon am Samstag, den 09.04. Wie immer kann man den Infobrief auf der Website des VDS e.V. nachlesen, und zwar diesmal hier. Besonders beeindruckend sind wie immer die Beiträge zum Thema »Gendersprache«, aber das könnt ihr selbst dort nachlesen. Der Inhalt diesmal:

1. Presseschau
• Sprachverzögerung durch Corona-Masken
• „Mutmaßliche“ Gräueltaten
• Sprachliche Abrüstung
• Pilze sind Plaudertaschen
2. Gendersprache
• Die Platzwärterin vom Sportplatz
• Frauen sind auch Menschen
• Gott+
3. Sprachspiele: Unser Deutsch
• Resilienz
4. Kultur
• Niederländisch in Südafrika
• Russisch jetzt offizielle FIFA-Sprache
5. Berichte
• VDS beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk
• VDS-Vorsitzender beim Westfälischen Industrie-Klub
• Grimma-OB Sprachwahrer des Jahres
• Ausstellung „Ukrainische Märchen“
6. Denglisch
• Die Suche nach dem deutschen Wort
7. Termine

Ein Tag wie heute

– ist nichts Besonderes.

  • Zwei Gassigänge bei Regen. Beide Male zeigte das Regenradar an, es sei trocken; beide Male spendierte mir man meinen persönlichen Schauer. Danke.
  • Am Vormittag stellte ich das Lektorat für ein auf den Kapverden angesiedeltes Buch fertig. Dazu eine lange und ausführliche Mail an die Autorin. Inzwischen steht fest, dass ich den Buchsatz machen darf.
  • Nachmittags das Layout von Ron Müllers Neuausgabe „Das Zwillingsparadoxon“ fertiggestellt.
  • Und den Rest des Abends (bis maximal 20 Uhr) geht es um das Layout des neuen Romans von Gabriele Behrend, „Das Dorf auf dem Grunde des Sees“, eine fantastische Geschichte mit dem bei ihr üblichen Tiefgang.

Ein Tag wie heute – wird sich so ähnlich wiederholen. Vielleicht. Bestimmt.

Kein Schwachsinn: Der neue VDS-Infobrief vom 02.04.2022

Nein, kein Schwachsinn im Infobrief, aber in der diesmal sehr amüsanten Zusammenstellung geht es um Gendern in Italien, mittels eines Buchstabens, den es auf keiner Tastatur gibt und der »Schwa« genannt wird — eine Verwandtschaft zum »Schwachsinn« (des Genderns) scheint nahezuliegen. Wie auch immer: Den ganzen Infobrief gibt es auch diesmal zum Nachlesen: hier. Der Inhalt:

1. Presseschau
• Betonung auf das Ukrainische
• Mit Intensivklassen zum Integrationserfolg
• Sprache hilft bei Traumaverarbeitung
• Widerspruch als treibende Kraft
2. Gendersprache
• Italien: Streit wegen „schwa“
3. Sprachspiele: Wort-Schätze
• Unfreiwillige Wortschöpfungen – Teil 2
4. Kultur
• Der fragwürdige Buchstabe
5. Berichte
• Preisträgerin begeistert von Sprachenvielfalt
• An der Sprache Depressionen erkennen
6. Denglisch
• Klum-Tochter begeistert mit Deutsch-Aussprache
7. Termine

DPDS 22/04 – der Designpreis für Designscheiß

Wie im Vormonat zeichnet der

Designpreis für Designscheiß 22/04

einen Anbieter aus, der Plastik offensichtlich für ein ultimatives Verpackungsmaterial hält.

Ecuphars Produkt OROZYME ist ein Zahnpflegeprodukt für Hunde. Unterschiedlich dick, nicht immer gleich groß, jedenfalls aber hart und zäh sind die Kaustreifen nicht für jeden Hund die richtige Wahl. Eine meiner Hündinnen lehnt den Aufwand, sich des Kaustreifens endgültig zu bemächtigen, schlicht und ergreifend ab (sprich: es ist ihr zu anstrengend). Immerhin nennt Ecuphar die Zusammensetzung des Produktes auf der Außenverpackung.

OROZYME ist ein Warenzeichen der belgischen Firma Ecuphar, die den Vertrieb einem deutschen Ableger in Greifswald übertragen hat. Hergestellt wird das Produkt in Mexiko, wobei die Herstellerangabe auf der Verpackung irreführend ist:

»Apelso Camino a la Libertad« ist möglicherweise keine Firma, jedenfalls findet man im Internet nichts zu einem solchen Hersteller.

Aber wie auch immer: Grund für die Preisverleihung ist das, was man in der Verpackung aus Pappe findet – eine Plastikverpackung, nicht von Hand, sondern nur mit Hilfsmitteln (wie Schere oder Messer) zu öffnen, darin die Kaustreifen, die man leicht auch in einer Papierverpackung hätte liefern können. Auch diese Verpackung ist stark metallhaltig und damit nicht nur als Plastik eine Umweltsünde. Dafür hat Ecuphar meiner Ansicht nach den DPDS 22/04 mehr als verdient.

Aprilschneerz?

Wenn es einen Tag später geschehen wäre, hätte man es für einen durchaus misslungenen Aprilscherz halten können. In der Nacht vom 30. auf den 31. März fiel auch hier im Norden ordentlich Schnee — ich glaube, so viel wie den ganzen Winter nicht –, aber wie die folgenden Fotos vom Mittag des 31. März zeigen, dauerte das Vergnügen (für Kim vor allem; sie liebt Schnee [und Kälte]) nicht lange. Schon gestern Nachmittag waren Straßen und Gehwege abgetrocknet.

Blick gen Osten

Blick gen Nordwesten

Blick gen Westen