Montage

Man fragt sich unweigerlich, wozu Montage gut sind. Nicht nur als angestellter Arbeitnehmer. Aber die meisten Montage sind dann doch harmlos. Die meisten. Nicht alle.

  • Der morgendliche Einkauf im Husumer Supermarkt war ereignislos, sieht man davon ab, dass einmal mehr ein Depp einen Kasten Flens-Mix auf den Stapel Flens Frei gestellt hat. Der steht immer da, nie irgendwo anders. Und es hilft auch nicht, den Kasten einfach irgendwo mitten in den Weg zu stellen. Niemandem fällt auf, dass dieser Mix – zusammengestellt von irgendwelchen Idioten, die nie einen ganzen 20er-Kasten von einer Sorte kaufen, sondern immer 17 plus 3 oder so – nicht nur völliger Blödsinn ist, sondern für Alkoholabstinenzler mit gesundheitlichem Hintergrund mitunter auch gefährlich.
  • Und mein Lieblingsbrot gab’s auch nicht. Kein Karottenbrot. Nicht mal die Vollkornkruste. Also hab ich ein Honigbrot genommen. Weizenmehl pur – aber ich habe kein Glutenproblem. Und schmecken tut’s auch.
  • Die Rückfahrt ging nach Ostenfeld, zum Arzt, weil ich ein neues Insulinrezept brauchte. Und siehe da – einmal mehr war die Frage erlaubt, mit was die Ärzte und Mitarbeiter in dieser Gemeinschaftspraxis ihren Unterhalt verdienten. Oder bekommt man heutzutage als Arzt auch Geld von der Krankenkasse für urlaubsbedingte Praxisschließungen? Zusätzlich kann man sich auch fragen, wozu eine Praxis eine Internetseite unterhält, auf der sich keine aktuellen Informationen finden.
  • Einer der Vertretungsärzte sitzt in Schwabstedt. Angerufen, kein Problem wegen eines solchen Rezeptes. Patientenkarte mitbringen, Termin ist nicht nötig. Der Arzt indes residiert nicht nur auf einem Grundstück ohne Parkplätze in einer Zone absoluten Halteverbots, sondern ist auch von zivilen Klugscheißern fortgeschrittenen Alters umgeben, die draußen vorm Haus stehen, um jeden Halteverbotsverbrecher auf ein nur aus der anderen Fahrtrichtung sichtbares Halteverbotsschild zu verweisen – und zusätzlich auf Nachfrage auf ein Schild am Zonenbeginn hinzuweisen, dass in DIN-A5-Größe informiert, wo der Parkplatz zu finden ist. (Ich wäre vermutlich zu Fuß von Winnert aus schneller gewesen.)
    Immerhin bekam ich das Rezept schnell.
  • Daheim waren dann meine Tyrrell’s-Chips angekommen. Der Anbieter hat in seinem Shop auf einen Sonderpreis ab sechzehn 150-g-Tüten hingewiesen. Ein intelligenter Verkäufer und Shop-Betreiber hätte seinen Umsatz noch gesteigert, indem er darauf hingewiesen hätte, dass die Verpackungseinheit ein Karton mit zehn Tüten ist, statt den Käufer dem Risiko auszusetzen, dass sechs der losen Tüten beim Transport Schaden erleiden könnten (in Form von Mehl statt Chips).
  • Ab Mittag gab sich die holde Gattin dann ihrem hygienehysterischen Anfall hin. Hintergrund war der am 31. März ausgesprochene Verdacht (!), Susi könnte unter Giardienbefall leiden. Giardien sind unangenehme Einzeller, die den Dünndarm befallen und schädigen, was sich unter anderem in Durchfällen äußert. Drei Tage mit Panacur-Gaben hatten wir schon hinter uns, alles Mögliche musste ständig getauscht, gewaschen, getrocknet, wieder getauscht werden – und heute wurde dann alles weggeräumt, was nicht bei drei auf dem Baum war: Schuhe, Möbel, Teppichläufer (das einzige Zugeständnis an Kims altersbedingte Unsicherheiten beim Laufen auf glatten Böden) … einfach alles.
  • Nach dem letzten Gassigang fuhr ich beim Tierarzt vorbei, um ein Rezept für Kim zu holen. Dabei erhielt ich auch einen Ausdruck des Kottests vom 31.03. – und herzlichen Glückwunsch! Sie wurden erfolgreich verarscht! – Das Testergebnis war negativ, die uns angedrehten Medikamente sinnlos (und möglicherweise sogar schädlich) und das ganze hygienehysterische Theater der Frau des Hauses völlig überflüssig. Aber meine mehrfach geäußerte Vermutung, Susi könne keine Giardien haben – ihre Häufchen waren jedenfalls bei mir immer völlig normal; bei Frauchen selbstverständlich nicht (behauptete sie jedenfalls) –, war natürlich nicht von Bedeutung.
  • In der Apotheke in Ostenfeld gab es dann noch eine Überraschung. Kims Medikament war vorrätig, aber mein Insulin nicht. Denn der Vertretungsarzt hatte nicht die übliche Packung mit zehn Pens aufgeschrieben, die vorrätig gewesen wäre, sondern eine mit neun Pens. Argument: Als Vertretungsarzt darf er nur verschreiben, was gebraucht würde und nicht die größte Verpackung. Das ist ein ähnlicher Schwachsinn wie die Tatsache, dass ich für jede Packung Insulin ein neues Rezept brauche. Als ob man als Diabetiker von einem Tag auf den anderen gesund würde und kein Insulin mehr bräuchte, dass man dann vielmehr auf dem Schwarzmarkt verticken würde.

Wie gesagt, wer braucht schon Montage. Die Frage hat schon Christoph Maria Herbst in der Werbung für alkoholfreien Wein gestellt (jaja, der Zusammenhang ist nicht so eindeutig, muss er aber auch nicht).
Eigentlich hätte ich heute noch einige Telefonate führen wollen, die mir dann aber sparte, weil mindestens bei einem am Ende doch nur ein Wutanfall herausgekommen wäre. Schaun wird, was der Dienstag bringt …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*