Das Kalenderblatt für April

Gerd Frey hat für 2022 einen Kalender geschaffen, mit einer Auswahl der in den letzten zwanzig (!) Jahren entstandenen Illustrationen und Titelbildern verschiedener Publikationen, darunter EXODUS und NOVA. Der Kalender für 2022 wird in DIN A3 (EUR 25,- incl. Versand) und DIN A4 (EUR 15,- incl. Versand) geliefert – solange der Vorrat reicht; die Preise sind Selbstkostenpreise. Bestellen kann man den Kalender bei G.R.I.M.M. ScanPlot & DigiDruck, am besten per E-Mail an gf@grimm-repro.de.

Ich habe vom Künstler die Erlaubnis, das Kalenderblatt für den nächsten Monat zum Download anzubieten. Einfach auf das Kalenderblatt klicken und die angezeigte Grafik im A3-Format abspeichern.

https://www.pmachinery.de/?s=Frey%2C+Gerd

Und schon wieder ein VDS-Infobrief (26.03.2022)

Pünktlich wie die Feuerwehr landet der VDS-Infobrief am Samstag (und manchmal auch erst am Sonntagmorgen) in der Mailbox. Diesmal mit folgendem Inhalt:

1. Presseschau
• Interne PEN-Kämpfe gegen Deniz Yücel
• GfdS sieht Deutsch nicht im Bach
• Über Hirnimplantate mit ALS-Patienten kommunizieren
• Ukrainisch – Einführung für Deutsche
2. Gendersprache
• Fragwürdige Kategorisierung in Stellenanzeigen
• Gendern in Wien – schiefer Vergleich mit Schweden
3. Sprachspiele: Wort-Schätze
• Unfreiwillige Wortschöpfungen – Teil 1
4. Kultur
• Die Maus auf Ukrainisch
• Hessisch ist nicht gleich Hessisch
• Volkshochschullehrer gibt Tipps zum Deutschlernen
5. Berichte
• Genderfreie Ökumene
• Anerkennung durch Sprache
6. Denglisch
• Diskussion über Anglizismen und Denglisch
7. Termine

Interessant sind übrigens auch die »Sprachnachrichten« des VDS, die 4mal im Jahr auf Papier erscheinen und – mit Ausnahme der jeweils aktuellen Ausgabe – unter vds-ev.de/sprachnachrichten nachgelesen werden können.

Acht Mäuse

Eigentlich müssten es »Acht Löwen« heißen, folgt man der Benennung des Listenhunde-Nothilfe e.V.
Beschlagnahmen sogenannter Listenhunde in Nordrhein-Westfalen sind – wie auch in anderen Bundesländern, in denen Ahnungslose an grünen Tischen entscheiden, welche Hunderassen gefährlich sind – nicht selten. Unter anderem hat es diesmal Kira erwischt, ein trächtiges Hundemädchen, und ich denke, es war Glück für die Hündin und ihre Welpen, dass die Beschlagnahme so rechtzeitig erfolgte, dass die jungen »Löwenkinder« in Sicherheit auf einer Pflegestelle des Vereins das Licht der Welt erblicken konnten.

Ab Anfang April können sie nun in ein richtiges Zuhause vermittelt werden. Die Beschreibungen, die sich unter den untenstehenden Links finden, sind praktisch identisch, so wie sich die kleinen Jungs und Mädchen einander ähnlich sind. So jung wie sie sind ist zumindest eines sicher: Gelangen sie in die richtigen Hände, haben sie ein schönes Leben als normaler Hund vor sich, möglicherweise sogar ohne die Einschränkungen eines Lebens als Listenhund.

Mojo | Sanura | Adisa | Tayo | Kimara | Abebi | Kiano | Kesiha

Schrottworte: Worte mit Schrottwert

Ich weiß nicht mehr, welche Werbung das war. Lief vor einer Weile im Fernsehen. Privatsender, VOX oder NITRO oder so. Es ging auf jeden Fall um ein Produkt, das für den deutschen Markt Bedeutung haben sollte. Und da tauchte das Wort »classy« auf.
Einfach so.
Fast motivationslos.

Die ansonsten deutschsprachige Werbung – so viel erinnere ich mich – war an sich unauffällig. Und dann dieses Wort.
Einfach so.
Und irgendwie völlig unpassend.

Die eigentliche Frage ist allerdings, warum so ein Wort überhaupt benutzt werden muss. Wer außer Vollhonks benutzt so ein Wort in seinem alltäglichen Wortschatz? Jugendliche vielleicht? Ich traue den sprachlich unerfahrenen Menschen jungen Alters durchaus einiges zu. Aber »classy«? Statt »nobel«, »klasse« – ja, vor allem »klasse«, das sogar fast identisch klingt –, oder »erstklassig«, »vornehm«, »exklusiv«, »todschick« … Gut, die letzten vier Begriffe sind längst unmodern, es sei denn, man ist so ein alter Sack wie ich, der solche Worte sogar noch kennt und mitunter dazu neigt, sie zumindest in mehr oder minder naheliegenden Gedankengängen zu wälzen.
Aber warum zum Henker nicht einfach »klasse«?

P.S.: Eine Parfümwerbung war es nicht. Die Werbidioten, die Parfümwerbung machen, können ja überhaupt kein Deutsch mehr.

Mein Reden: Leichtsinn und Aufsichtspflichtverletzung

Heute morgen gab’s einen Newsletter von TASSO zu der Frage, warum man einen Hund nicht unbeaufsichtigt vor einem Geschäft (Supermarkt, Bäcker, was auch immer) zurücklassen sollte: hier.

Und nicht nur auf petfindu.com, von wo ich das Bild ausgeliehen habe, findet sich ein Beitrag im gleichen Tenor. Wenn man bei Google nach dem Stichwort »Hund vor dem Supermarkt« sucht, findet man massenhaft Beiträge, die alle in die gleiche Richtung argumentieren: nicht (nach-) machen! (Und man sollte sich immer überlegen, ob man sein Kind auch draußen anbinden würde [und nein, das Argument »Das ist ja nicht das Gleiche!« zieht nicht].)

Gendern mit Party-ZIP

Studenten gibt’s ja nicht mehr. Student darf man niemanden mehr nennen. Nicht mal männliche Studenten. Denn sagt man Student zu irgendjemandem, schließt man weibliche Studenten – vulgo: Studentinnen – automatisch aus. Selbst wenn die Bagage aus lauter Männern besteht.
Mag man – wie ich – Sternchen, Doppelpunkt, Unterstrich und anderen Schwachfug nicht, kann man sich auf anstrengende und zeitraubende Doppelnennungen versteifen – die dann die nicht-binären Studentenvarianten ausschließen (die in dem ganzen Genderschmarrn sowieso ausgeschlossen sind) oder man befleißigt sich des Party-ZIPs.
Studierende also. Studierende indes sind ganz arme Schweine, denn sie studieren ununterbrochen, anderenfalls sie keine Studierenden, sondern nur Studenten sein könnten. Erhellend hierzu äußert sich das ZAAR, das Zentrum für Arbeitsbeziehungen und Arbeitsrecht in durchaus amüsanter Weise: hier. Max Goldt wird mit einem schon 2002 veröffentlichten Ausspruch zitiert:

»(…) Wie lächerlich der Begriff ›Studierende‹ ist, wird deutlich, wenn man ihn mit einem Partizip Präsens verbindet. Man kann nicht sagen: ›In der Kneipe sitzen biertrinkende Studierende.‹ Oder nach einem Massaker an einer Universität: ›Die Bevölkerung beweint die sterbenden Studierenden.‹ Niemand kann gleichzeitig sterben und studieren.«

Hunde, Kinder, Widrigkeiten

Der Vorteil von Hunden gegenüber Kindern ist, dass sie nicht jammern und quengeln. Die Hunde. Andererseits ist das ein Nachteil, denn dadurch weiß man nicht immer und oft nicht gleich, dass ihnen was fehlt und was ihnen fehlt.

Susi ist heute morgen um zwanzig vor fünf wach geworden und ins Bett gekommen. Aus der Nacht zuvor habe ich gelernt, dass sie dann raus will. Allerdings nicht mit mir, sondern nur mit Frauchen. Draußen lief sie dann rum und graste. Jedenfalls sah es so aus. Später wiederholte sich das immer wieder. Und sie kümmerte sich nicht nur um Graskonsum, sondern auch darum, an einer neuen Stelle zu buddeln.
Der Stuhlgang sah nicht gut aus, meinte Frauchen. Rötlich, oder braun. Sie nahm keine Leckerlis, auch nicht das große nach dem ersten Gassigang. In ihrem Bauch grummelte es hörbar.
Mittags wirkte sie beim Gassigang unmotiviert, schnüffelte bei Weitem nicht so viel und intensiv wie sonst, lief auch nicht vorne weg. Wie sonst.
Beim Treffen mit der Bürgermeisterin und ihrer Luise (oder Louise?) legte sie sich hin. Auf die Seite. Das ist kein gutes Zeichen. Auf dem Heimweg setzte sie ein kleines Häufchen ab. Flüssig, schwarz (Blut?), nicht viel, aber begleitet von einem Mordsfurz.

Und Naomi auch. Die spuckte ihr Morgenleckerli mittags aus. In zwei gelblich-grünen Portionen. Und ihr Minihäufchen sah auch nicht so gut aus (nachdem sie vor dem Gassigang im Garten noch eher festen Kot abgesetzt hatte).

Schöne Geschichte, nicht wahr? Genau richtig für diesen Blog, für die Öffentlichkeit.
Heute gibt es Diät. Für Susi und Naomi. Für Susi auf jeden Fall kein Abendessen; bei Naomi muss ich dann schauen. Und für Susi morgen dann die berühmte Morosche Möhrensuppe.

Wie gesagt. Hunde haben Vorteile. Aber am Ende fehlt halt doch nur das Jammern und Quengeln.

luegner.edu

Die Website academia.edu behauptet, 177 Millionen (!) registrierte Benutzer zu haben, die 28 Millionen (!!) Dokumente hochgeladen haben und 83 Millionen (!!!) Besuche (»visits«) pro Monat verzeichnet.
Schön.
Ich kann das Gegenteil nicht beweisen, aber ich denke, dass die Kultur der Lüge auf dieser Website sehr umfangreich gepflegt wird.

Irgendwann hatte ich mal einen Text gecheckt, der mich interessierte. Irgendwas zu fantastischer Literatur. Seitdem bekomme ich mehr oder minder regelmäßig Mails von academia.edu, in denen ich über neue Beiträge, die hochgeladen wurden, informiert werde. 99,9 % davon sind für mich uninteressant und die restlichen 0,1 % überlese ich.
Viel interessanter ist jedoch, dass ich berühmt bin. Denn mein Name taucht gemäß den Behauptungen von academia.edu ständig in einer inzwischen vierstelligen Anzahl von Dokumenten aller Art aus aller Herren Länder und von Autoren aller Genres und Wissenschaften auf.
Der Witz dabei: Ich werde immer wieder eingeladen, mir anzuschauen, in welchen Dokumenten überall mein Name auftaucht. Das Problem dabei: Dazu muss ich einen kostenpflichtigen Account eröffnen – und damit haben wir das Motiv der Betrüger entlarvt.
Wenn nur 1 % der angeblichen Benutzer bezahlt, dann sind das 1,77 Millionen zahlende Benutzer. 1,77 Millionen … ähm, wow!

P.S.: Und dann werben sie auch noch frech mit dem Spruch »The world’s largest open access library in your pocket«. Unter »open access« verstehe ich eher was Gebührenfreies.

Gendern ohne Ende – oder mit oder doch?

Glaubt man den Sprachdiktatoren in diesem Land, ist Gendern ein Muss. Vielleicht noch nicht überall, doch grundsätzlich immer. Jederzeit. Gegenüber jedermann. Ähm. Sorry. Jederdingsbums. Oder Jeder*dings:bums_! Obwohl man »jeder« vermeiden sollte, weil jedes Wort mit »er« von Haus aus verdächtig ist.
Lesbarkeit und Verständlichkeit ist unmodern. Und unter der Schutzbehauptung der Inklusion werden die „diversen“ Menschen, die Nicht-Binären ebenso ausgeschlossen, wie Behinderte – oha! – und Nichtangehörige der deutschen Muttersprachler. (Jaja, ich verstoße in diesem Satz massiv gegen jede Genderrichtlinie; nur gut, dass es keine solche Richtlinie gibt, an die ich mich zu halten hätte.)

Die Probleme sind vielfältig. Eine beliebte Methode, der ungerechten Ignoranz gegenüber Frauen aus dem Weg zu gehen (und gleichzeitig die Ignoranz gegenüber den diversen anderen perfekt zu zelebrieren), ist die Verwendung von Partizipkonstruktionen. Wer – wie ich – Doppelnennungen zeitaufwendig und albern aufgeblasen findet, der neigt mitunter dazu, sich dieser Möglichkeit zu bedienen und von Mitarbeitenden, Studierenden, Lesenden und anderen Wurstenden zu reden.
Was für ein Scheiß!

Irgendwann schrieb ich schon mal von Katholenden, Evangelenden und Judenden. Und das Ganze geht immer weiter. Wenn man nicht von Bürgerinnen und Bürgern reden möchte – was ich für unnötig halte, denn wer sich bei »Bürger« nicht gemeint fühlt, hat möglicherweise schlicht keine Bürgerrechte –, landet man bei Bürgernden. Bürgermeister und Bürgermeisterinnen werden über Bürgerinnenmeisterinnen (hier absichtlich ohne Sternchen, um das ganze sinnlose Volumen darzustellen) zu Bürgerndenmeisternden.
Und das hört eben nicht auf. Niemals.

Ich bin froh, dass ich inzwischen als Selbstständiger (oder Selbstständigender? Selbstendständigender gar?) arbeite. So muss ich mir nicht überlegen, ob das Ehepaar in der oberen Etage meines Arbeitgebers, vulgo: Chef und Chefin, nicht doch einfach nur die Chefenden sind.