Eigentlich daneben

Ja, eigentlich. Eigentlich sollte dieses Buch viel früher erscheinen. Aber einmal mehr hat mir alles Mögliche einen Strich durch die Rechnung gemacht. Hier eine Verzögerung, da ein Schnellschuss, zwischendurch irgendwas anderes. Manchmal ist es zum Heulen. Aber nicht immer. Denn durch die entstandene Verzögerung kam das Buch nun halt pünktlich zum 70. Geburtstag von Thomas Le Blanc heraus, um dessen Phantastische Bibliothek sich dieses Buch direkt und indirekt dreht. Direkt jedenfalls, weil die Erlöse des Buches der Phantastischen Bibliothek zugutekommen sollen und werden.

Frambach, Sabine & Focke, Kai (Hrsg.), STAUBKORNFEE TRIFFT ICH-MASCHINE

Nun ist sie weg, die 6 vornweg – oder: Wenn man 70 wird

Ja, so ist das. So geht das vielen Menschen – und allen, denen es so geht, ist es nicht nur grundsätzlich zu wünschen, sondern auch immer in Verbindung mit Gesundheit, geistiger und körperlicher Fitness und der Aussicht auf noch zahlreiche fantastische Jahre. Heute hat es Thomas Le Blanc erwischt, den Mann, der nicht nur die Phantastische Bibliothek zu Wetzlar gegründet und aufgebaut hat, sondern der auch mit der Erfindung der »Phantastischen Miniaturen« für alle Kurzgeschichtenfans – zu denen ich mich auch zähle – eine Pioniertat begangen hat. Nachdem Herbert W. Franke in den 1960ern die ersten Kürzestgeschichten im »Grünen Kometen« präsentierte, hat Thomas Le Blanc diese winzigsten aller Literaturwerke – sieht man von Gedichten ab – gemeinsam mit zahlreichen Autoren kultiviert. Und nicht nur die gratulieren mit diesem Buch, sondern vor allem auch ich. Denn bislang haben Thomas Le Blanc und ich wenig miteinander zu schaffen gehabt – aber es zeigen sich Tendenzen, dass sich das ändern könnte.

Niehaus, Monika, Weigand, Jörg & Karla (Hrsg.), PHANTASTISCH! PHANTASTISCH!

Gebührenfinanzierte Herabwürdigung

Wer sich einmal öffentlich-rechtlich fundiert herabwürdigen – und je nach persönlichem Geschmack gar beleidigen – lassen möchte, der versuche einfach, Gunther Grabowski (»Ach du liebes Deutsch!«, IFB, 2013) nachzueifern und sich bei ARD (und vielleicht testweise auch ZDF?) über genderischen Unfug in Hörfunk und Fernsehen zu beschweren. Grabowski hat das getan und Michael Hanfeld hat das kommentiert (hier).
Die ARD reagierte zunächst pampig, hatte mit Grabowski allerdings den Falschen erwischt und musste letztlich zurückrudern. Michael Hanfeld dazu:

Bezüglich „gendergerechter“ Sprache gebe es „keinen ARD-Standard“. Im ARD-Gemeinschaftsprogramm kämen „in verschiedenen Sendungen unterschiedliche Regeln zum Einsatz“, alle Häuser befassten sich „intensiv mit diesem Thema“. Beim „Thema ,Gendergerechte Sprache‘“ sei es dem Senderverbund „wichtig, niemanden aus unserer Kommunikation auszuschließen“. In dem „Bewusstsein, dass unsere Sprache einerseits lebendig und in stetigem Wandel begriffen und andererseits in ihrer Beständigkeit zu schützen ist“, wird dem Zuschauer versichert, „dass wir einen Weg suchen, hier den Bedürfnissen aller gerecht zu werden.“
Aller? Wie schwierig das ist, zeigt sich in einem vorhergehenden Satz: „Da die ARD ihre Angebote für die Gesamtheit aller BeitragszahlerInnen bereitstellt, sollten sich auch möglichst alle BürgerInnen von uns angesprochen fühlen.“ Zweimal Binnen-I. Im Umgang mit seinem Publikum, den „BeitragszahlerInnen“ und „BürgerInnen“, kann der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht sensibel genug sein. Denn sonst setzt sich der Eindruck fest: Die sprechen nicht unsere Sprache und bilden sich noch etwas darauf ein.

Und nicht nur das – wenn man es schon richtig machen möchte, sollte man auch Sensibilität gegenüber den mit dem Binnen-I ignorierten LGBTQIA+ entwickeln. Oder die deutsche Sprache mit ihrem Angebot einfach so nutzen, wie sie schon immer war – und funktioniert hat.

NOVA 30 + Michael Schmidt: Faith Healer

Borison hatte eine lange Reise hinter sich. Quer durch die Galaxie, immer auf der Suche nach dem letzten der Teenage Idols. Als würde dieser Borison absichtlich ausweichen, kam er immer erst zu einem beliebigen Ort, wenn der Idol schon wieder weg war, und oft genug glaubte er, einem Phantom aufgesessen zu sein, dass es weder den Planeten Idols gab, von dem niemand wusste, wo er sich befinden sollte, noch dass einer der sagenumwobenen Faith Healer wahrhaft existierte. Bisher waren die Faith Healer wie Rauch gewesen: aus der Entfernung schienen sie Substanz aufzuweisen, doch je näher man ihnen kam, desto mehr lösten sie sich in Wohlgefallen auf. Aber hier, im Galactic Pot Healer, der Raumstation der Abartigkeit, war er fündig geworden …

NOVA 30 – das Jubiläum

Ein neues Baby ist im Haus

Einzelnd in der Apotheke

Seit Beginn der Seuche sieht man das ja überall. Die Böden von Supermärkten, Läden und auch Apotheken sind vollgeklebt mit Absperrfolien, Verkehrszeichen mit Richtungspfeilen und Verhaltenshinweisen.
In einer Apotheke in Husum entdeckte ich gestern einen etwa DIN A4 großen Aufkleber an mehreren Stellen, laut dessen Text der potenzielle Kunde aufgefordert wurde, an diesen Stellen »einzelnd« zu warten – »bis der nächste frei ist«.
Man kann nun überlegen, wer mit dem »nächsten«, der eigentlich groß geschrieben werden müsste, gemeint sein könnte. Faszinierender ist die offensichtliche Unfähigkeit von Menschen offensichtlich deutscher Mundart – ein Türke oder Grieche würde niemals »einzelnd« sagen –, einen Text, den man drucktechnisch vervielfältigen möchte, Korrektur zu lesen. Noch faszinierender finde ich die Unfähigkeit von Menschen, die solche Texte drucktechnisch vervielfältigen, einen Blick darauf zu werfen und dem Auftraggeber einen Tipp zu geben. Ich hege bisweilen die Vermutung, es könnte sich bei Menschen, die solche Fehler entdecken und vor dem Unfall beheben, um »Einzelndfälle« handeln.

P.S.: Ich habe absichtlich kein Foto gemacht.

Arschlöcher im Getränkemarkt

Ich weiß nicht, was das für Menschen sind, die das tun. Ich will das auch gar nicht wissen, glaube ich. Das ist besser. Vor allem für die Gesundheit dieser Menschen.

Ich bin Diabetiker. Typ 2. Ich bin mit meinen Blutzuckerwerten nicht zufrieden. Meist sind sie zu hoch. Und nicht selten nicht unerheblich zu hoch. Aber es gibt ja Möglichkeiten.
Ich bin Antialkoholiker. Seit Februar 2019. Damals stellte man anlässlich einer Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse) fest, dass ich eine Leberzirrhose im Anfangsstadium mein eigen nennen darf. Der Arzt meinte recht unverblümt: »Wenn sie nicht aufhören zu saufen, werden sie sterben.« Es gibt Aussagen, über die denkt man nicht lange nach.
Seitdem trinke ich alkoholfreies Bier, solches mit »max. 0,5« und solches mit »0,0«. Bei der Gelegenheit stellte ich fest, dass Bayern kein alkoholfreies Bier können und Krombacher auch alkoholfrei geil schmeckt.
Das Problem: Auch alkoholfreies Bier enthält Kohlehydrate, und die sind Blutzuckerwerten nicht zuträglich. Auf Bier zu verzichten, dazu habe ich aber keine Lust. Wenn man auf alles verzichtet, lohnt sich das Leben wirklich irgendwann nicht mehr.
Das Krombacher Weizen ohne Blei schmeckt ausgezeichnet, hat aber noch mehr Kohlenhydrate als andere Sorten. Nachdem sich meine Blutzuckerwerte nicht wirklich verändern wollten, habe ich die Sorte gewechselt. »Flens frei« ist alkoholfreies Pils und hat knapp halb so viel Kohlehydrate wie das Krombacher.
Und siehe da: Es klappt. Seit ich nur noch »Flens frei« trinke – in gleichen Mengen wie zuvor das Krombacher – gefallen mir meine Blutzuckerwerte. Sie sind immer noch ein wenig über dem Limit. 80 bis 160 ist der Zielbereich, ich liege oft unter 160, aber auch immer wieder mal über 160 … aber nicht mehr über 200, so wie oft zuvor. Insgesamt war das eine gute Idee.

Was das nun mit Arschlöchern im Getränkemarkt zu tun hat? Ganz einfach: Es gibt Menschen, die sich offensichtlich einen Spaß daraus machen, Getränkekästen mit gemischten Sorten zu bestücken. Die Flensburger-Kästen sind sich sehr ähnlich, man muss schon genau hinschauen, um den richtigen Stapel Kisten zu entdecken. Aber was ist das? In dem ersten Kasten »Flens frei« findet sich auch Radler, Pils (mit Blei) in verschiedenen Farben (normal, Gold, Dark und was auch immer) und so weiter und so fort.
Zweiter Kasten … das gleiche Spiel. Dritter Kasten … drei Mal dürft ihr raten. Jedenfalls durfte ich mir heute die vier Kästen, die ich haben wollte, aus insgesamt neun gemischten Kästen selbst zusammenstellen. Und das kann ja wohl nicht der Sinn eines Getränkemarktes sein.
Und vor allem weiß ich nicht, was das soll. Verarschung? Gehässigkeit? Brunzende Dummheit? Sicher ist für mich nur, dass hier Arschlöcher am Werk sind. Richtige, vollständige, reinrassige Arschlöcher, deren Exkrementalausgänge offensichtlich so groß sind, dass sie irgendwann auch ihr Gehirn ausgeschissen haben. Ich versuche mir dann einen älteren, sehbehinderten Mann vorzustellen, der irgendwann verreckt, weil ihm irgendein Arschloch in seinen Kasten alkoholfreien Bieres Flaschen mit Blei untergejubelt hat.
Wie gesagt: Es ist besser, dass ich nicht mehr weiß. Vor allem keine Gesichter, Namen und Adressen.

Stricker und die Hörbahn

Im Nachgang zur Veranstaltung am 14.07.2021 – siehe hier – sind nun die Podcasts online. Die Lesung und das Gespräch von Tiny Stricker und Uwe Kullnick kann man getrennt genießen. Hier.


Edit 27.04.2024: Es ist immer wieder schön, zu erleben, wie schlecht das Erinnerungsvermögen des Internets ist. Der Podcast ist jedenfalls nicht mehr verfügbar.

Über frühere Vorbilder

Carsten Kuhr bespricht Dieter Bohns »Zef’ihl« auf phantastiknews.de:

Dies mag auch damit zusammenhängen, dass ich vergleichbare Werke in meiner Jugend verschlungen habe. Gar viele Autoren wandten sich damals dem Topic des auf einem archaischen Planeten gestrandeten Raumschifffahrers zu, begleiteten diese dabei, den Wilden die Vorteile der Zivilisation näher zu bringen, beziehungsweise an dieser Aufgabe zu verzweifeln. Vermitteln Sie einmal einem mittelalterlichen Bauern die Vorteile einer Kanalisation, oder versuchen Sie vergessenes, weil weder in der Lehrstunde aufgepasst noch je gebrauchtes Wissen über Festungsbau, Waffenkunde, Chemie oder Medizin zu vermitteln. Eine wahre Sisyphus-Arbeit mit einigen unfreiwillig komischen Aspekten.
Nun, Dieter Bohn reiht sich in diese Phalanx an Verfassern mit entsprechenden Werken ein und er hat mich gut unterhalten. Ein paarmal holpert es sprachlich ein klein wenig; dem Text hätte eine Straffung und eine Streichung der Sklavinnen-Szenen allerdings gut zu Gesicht gestanden.
Dennoch, eine bemerkenswert gute Reminiszenz an frühere Vorbilder, die eigenständig daherkommt und letztlich gut, spannend und angereichert mit ein wenig Humor unterhält.

Mehr unter: https://www.phantastiknews.de/index.php/rezensionen/21562-dieter-bohn-der-zef-ihl-der-vom-himmel-fiel-buch

Bohn, Dieter, Der Zef’ihl, der vom Himmel fiel