Sonntag, Jubeltag

An einem Sonntag Geburtstag zu haben, ist nicht unpraktisch. Man kann schön reinfeiern, hat die wilde Party größtenteils schon hinter sich und kann den Jubeltag entspannt angehen. Selbst in Seuchenzeiten.
Heute hat es eine Autorin geschafft, nicht nur an einem Sonntag ihren Geburtstag zu feiern, sondern auch noch einen ganz besonderen – den siebzigsten.
Persönlich kenne ich sie noch nicht. Der bisherige Kontakt fand per E-Mail statt und gestaltete sich angenehm und unkompliziert. Letztens hatte ich sogar Gelegenheit, mit ihr zu telefonieren – und war von einer höchst jugendlichen, gar nicht zu richtig zu einem siebzigsten Geburtstag passen wollenden Stimme angenehm überrascht.
Ja, heute ist Geburtstag, und ich sage (und schreibe):

Herzlichen Glückwunsch,
Monika Niehaus!

Schorm, Rainer, Weigand, Jörg & Karla (Hrsg.), Die Autorin am Rande des Universums

Vage Erinnerungen

Ich erinnere mich vage daran, dass Marianne Labisch die Geschichte aufgeschrieben hat, wie dieser Episodenroman, diese »Residenz in den Highlands« zustande gekommen ist. Ich finde den Text oder Link nicht mehr, erinnere mich nicht. Nicht mal vage. Es ging um ein Zerwürfnis und eine Trennung zweier Herausgeber, woraus zwei thematisch nicht unähnliche Projekte resultierten. Unser Projekt spielt in einer Residenz in den Highlands, das andere in einem Sanatorium sonst wo. Ich erinnere mich nicht genau.

Deutlich weniger vage erinnere ich mich an die einzelnen Episoden in diesem Roman. Die Lektüre im Rahmen meiner Layoutvorbereitungsarbeiten und während der nachfolgenden Fahnenkorrektur liegt noch nicht lange zurück. Aber selbst dann wären mir einige der Geschichten stark in Erinnerung geblieben. Während ich manchmal dazu neige, Geschichten im Rahmen dieser Layoutvorbereitungsarbeiten nur oberflächlich zu lesen und mich auf die Anmerkungen und Markierungen meines Duden Korrektors zu verlassen, habe ich diese Geschichten intensiv gelesen, was mich dann immer ein wenig irritiert, weil ich hinterher vermute, die Lektüre so intensiv genossen zu haben, dass ich eventuelle Fehler übersehen haben könnte. Man kann sich auch als Multitasker nicht auf alles gleichzeitig konzentrieren.

Bei der Lektüre ließen mich manche Geschichten und der Episodenroman insgesamt annehmen, dass er 2022 auf der Shortlist irgendeines fantastischen Literaturpreises landen müsste. Vermutlich wird er das nicht tun. Episodenromane haben gerne das Problem, dass die Leser das Konzept nicht verstehen. Sie verstehen den Romancharakter nicht, weil zu viele verschiedene Autoren daran beteiligt sind; und sie finden die Kurzgeschichten – die es tatsächlich eben nicht gibt – nicht gut, weil sie sich zu ähnlich sind. Irgendeinen – notfalls auch anderen – Grund findet sich immer, einen Episodenroman schlechter zu bewerten, als einen x-ten Teil eines Schwartenzyklus. Nun ja, gut, das ist jetzt gehässig. Möglicherweise. Ich werde überlegen, ob ich mich irgendwann vage daran erinnern sollte, dass das so sein könnte. Gehässig.

Labisch, Marianne & Scherm, Gerd (Hrsg.), DIE RESIDENZ IN DEN HIGHLANDS

Das Ziel doch noch erreicht

Den ganzen Ablauf des Projektes bekomme ich nicht mehr zusammen, obwohl er vermutlich im Forum der Geschichtenweber dokumentiert sein könnte; aber was nutzt es auch, alte Kamellen noch einmal durchzukauen. Tatsache ist, dass das Projekt durchaus vielversprechend begann, dann Kapriolen machte, die ursprüngliche Herausgeberin gab auf, die Versuche, das Projekt doch noch zu realisieren, scheiterten 2018 endgültig.
Vermeintlich.
Marianne Labisch fand es schade, Autoren, die hier ihren ersten Auftritt hätten haben sollen, hängen zu lassen, und nahm sich des Projektes an.
Erfolgreich, wie sich nun zeigt. Das Buch wurde nicht nur zu einem guten Ende gebracht, es wurde auch von Gerd Scherm kongenial illustriert und wird vom Schaltungsdienst in gewohnter Hardcoverqualität hergestellt. Das Buch ist Spitz auf Knopf kalkuliert, aber das war mir in diesem Fall nicht so wichtig. Hardcover sind nie wirklich preisgünstig, aber dafür sind sie schön und liegen viel besser in der Hand – ein guter Grund, auf ein Softcover zu verzichten, das in dieser Größe (210 x 210 mm) und diesem Umfang (»nur« 176 Seiten) eher die Haptik eines Lappens aufweisen würde.

Labisch, Marianne (Hrsg.), DIE GOLDENE FEDER. Geschichten aus dem alten Orient

Kaum Einflussnahme

Ich kenne den Lions Club bislang nicht von direkten Kontakten. Namentlich ist er mir vor allem durch die regelmäßigen Buchbasare des Lions Club in Murnau in Erinnerung. Und mit Literatur scheint der Verein eine ganze Menge am Hut zu haben. Als Udo Weinbörner, mit dem ich bis dato auch keinen sehr intensiven direkten Kontakt hatte, mit der vermutlich von Jörg Weigand inspirierten Idee einer Storysammlung zu mir kam und die Kooperation mit dem Lions Club Meckenheim-Wachtberg erwähnte, nahm ich für einen Augenblick an, es könnte sich dabei um die Notwendigkeit handeln, mit dem Ableger des großen Lions Club intensiv zu verhandeln, über welchen Aspekt einer solchen Buchveröffentlichung auch immer. Aber es erwies sich alles als viel einfacher als befürchtet.
Der Lions Club legte Wert auf sein Logo auf dem Cover – eine ganz einfache Übung – und auf den Text und ein gewisses Erscheinungsbild einer Anzeige im Buch – auch keine wirkliche Herausforderung. Auch wenn sich das für den eher unwissenden Leser dieser Zeilen seltsam anhören mag: Es kommt nicht oft vor, dass ich ein Buch mit einer Startauflage von 200 Exemplaren und mehr verlege. Meist starte ich mit einer niedrigeren Auflage, weil das Risiko (und die Kapitalbindung) geringer ist (und der Schaltungsdienst Lange dies mit seiner Preispolitik unterstützt).
Das Buch selbst war dann kein großes Kunststück. Etwas aufwendiger war die Fahnenkorrektur, weil der Autor noch Überarbeitungen vornahm, aber das war halb so wild. Und das Titelbild war schnell ausgesucht – einmal mehr nutzte ich das Angebot von Shutterstock, um das ich normalerweise aus Kostengründen einen Bogen mache (aber zugegeben: Die Bilder, die man dort findet, sind schon deutlich besser als das Material aus kostenlosen Fotosammlungen).

Weinbörner, Udo, Bei Sonnenaufgang sind wir zurück

Texte für GEGEN UNENDLICH gesucht

Auf meiner Verlagsseite habe ich soeben eine neue, recht kurz laufende Ausschreibung für die GEGEN-UNENDLICH-Anthologie 17 veröffentlicht:

GEGEN UNENDLICH ist der Tradition der kurzen Form verpflichtet und bringt Kurioses, Skurriles, Bizarres, Absurdes und Abseitiges aus allen Bereichen der Fantastik, vorzugsweise in Erstveröffentlichung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf einer allgemein gehaltenen Literatur des Unheimlichen und Wunderbaren, bei der das Irreale »in homöopathischer Dosierung« (Cortázar) verabreicht wird.

GEGEN UNENDLICH versteht sich als ein Kurzgeschichtenmagazin, in dem vor allem das Ungewöhnliche, Neu- und Andersartige seinen Platz findet. Dabei bietet es auch bislang unentdeckten Talenten die Möglichkeit, neben etablierten Autoren zu publizieren, denn das Entscheidende ist ein guter Text – fantastisch und mitreißend.

Wir sind ständig auf der Suche nach frischen Texten, kreativen Ideen und originellen Einfällen, die auf einem handwerklich hohen Niveau umgesetzt wurden und dazu geeignet sind, dem Genre neue Impulse zu geben. Für die kommende Ausgabe werden noch Beiträge gesucht. Die Wahl der Themen ist freigestellt, überraschen Sie uns! Einsendungen (mit einem Umfang zwischen 5.000 und 40.000 Zeichen) bitte bis zum 31. Oktober 2021 an den Herausgeber Andreas Fieberg unter gegen_unendlich@gmx.de.

Eigentlich daneben

Ja, eigentlich. Eigentlich sollte dieses Buch viel früher erscheinen. Aber einmal mehr hat mir alles Mögliche einen Strich durch die Rechnung gemacht. Hier eine Verzögerung, da ein Schnellschuss, zwischendurch irgendwas anderes. Manchmal ist es zum Heulen. Aber nicht immer. Denn durch die entstandene Verzögerung kam das Buch nun halt pünktlich zum 70. Geburtstag von Thomas Le Blanc heraus, um dessen Phantastische Bibliothek sich dieses Buch direkt und indirekt dreht. Direkt jedenfalls, weil die Erlöse des Buches der Phantastischen Bibliothek zugutekommen sollen und werden.

Frambach, Sabine & Focke, Kai (Hrsg.), STAUBKORNFEE TRIFFT ICH-MASCHINE

Nun ist sie weg, die 6 vornweg – oder: Wenn man 70 wird

Ja, so ist das. So geht das vielen Menschen – und allen, denen es so geht, ist es nicht nur grundsätzlich zu wünschen, sondern auch immer in Verbindung mit Gesundheit, geistiger und körperlicher Fitness und der Aussicht auf noch zahlreiche fantastische Jahre. Heute hat es Thomas Le Blanc erwischt, den Mann, der nicht nur die Phantastische Bibliothek zu Wetzlar gegründet und aufgebaut hat, sondern der auch mit der Erfindung der »Phantastischen Miniaturen« für alle Kurzgeschichtenfans – zu denen ich mich auch zähle – eine Pioniertat begangen hat. Nachdem Herbert W. Franke in den 1960ern die ersten Kürzestgeschichten im »Grünen Kometen« präsentierte, hat Thomas Le Blanc diese winzigsten aller Literaturwerke – sieht man von Gedichten ab – gemeinsam mit zahlreichen Autoren kultiviert. Und nicht nur die gratulieren mit diesem Buch, sondern vor allem auch ich. Denn bislang haben Thomas Le Blanc und ich wenig miteinander zu schaffen gehabt – aber es zeigen sich Tendenzen, dass sich das ändern könnte.

Niehaus, Monika, Weigand, Jörg & Karla (Hrsg.), PHANTASTISCH! PHANTASTISCH!

Unwiderruflich

Gestern habe ich mit den Arbeiten an meiner unwiderruflich letzten – und gleichzeitig meiner hundertsten – Ausgabe der ANDROMEDA NACHRICHTEN des SFCD, des »Science Fiction Club Deutschland« e.V. begonnen. Es ist nicht anzunehmen, dass der Verein bereit ist, mich für meine Dienstleistung zu bezahlen, sodass es keine Ausgabe 275 aus Winnert geben wird. Die 274, die wohl Anfang August an die Vereinsmitglieder verschickt wird, wird meine letzte Ausgabe gewesen sein.
Die Arbeiten beginnen mit Standardaufgaben. Texte sichten, zusammenstellen, einzelne Dateien (eine pro Themensparte) bauen, Korrekturlesungen, ein wenig Lektorat geht auch immer – und vor allem wird entgendert, denn einiges Material – allem voran: Pressetexte – ist heutzutage schlicht und ergreifend nicht mehr lesbar, sofern man einem Text nicht hilft, zur offiziellen deutschen Rechtschreibung zurückzukehren.

Gekommen bin ich gestern bis zum »Reissswolf«, Michael Baumgartners Rezensionssparte. Bei den Texten war auch eine Asimov-Kellerbar-Story von Klaus Marion, ein allerliebster Text, mit dem er sich bei Ralf Boldt und mir für unsere Dienste im SFCD bedankt.
Heute folgt noch die »Schlachtplatte« mit den Rezensionen, die nicht über Michael Baumgartners Tisch gelaufen sind, sowie die »Story:Files«, die in dieser Ausgabe sehr umfang- und zahlreich ausfallen werden.

Kämpfer an der Front

Auf meiner Verlagsseite habe ich schon Andeutungen gemacht, wie es um die Kurzgeschichte in Deutschland steht. Ob es außerhalb der SF überhaupt relevante Veröffentlichungen gibt, entzieht sich meiner Kenntnis; ich kann auch nicht alles wissen. Aber eigentlich bin ich sicher, dass dem so ist – und Klaus Hübner hat in seiner Tetralogie auch von solchen nicht fantastischen Geschichten geschrieben, ich erinnere mich.
Warum die Kurzgeschichte vor allem auch auf dem SF-Sektor so einen schweren Stand hat, ist mir nicht klar. Die Kurzgeschichte ist ein Werk, das besondere Anforderungen an einen Autor stellt, um in der Kürze die Würze für ein besonderes Qualitätsprodukt zu liefern. Ich mag nicht behaupten, dass das Schreiben eines Romans einfacher ist – das ist sicher nicht der Fall, und die Anforderungen an ein Romanwerk sind auch ganz andere –, aber eine Kurzgeschichte zu schreiben, die in Erinnerung bleibt, die begeistert und erfreut, das ist mindestens ebenso schwierig.
Aber in unserer »Geiz ist geil«-Zeit stellt der Leser auf »mehr Papier für weniger Geld« ab. Multilogien – mit drei, vier, fünf Titeln, ganze Serien – gehen ebenso gut wie dicke Schwarten mit achthundert, neunhundert, tausend Seiten. Autoren solcher Textfluten kassieren Preise und die Absatz- und Umsatzzahlen rechtfertigen offensichtlich die Fortsetzung solcher Programme.

Gut. Auch Kurzgeschichtenautoren gewinnen Preise. Aber während die klassischen deutschen SF-Preise – gemeint sind DSFP und KLP – nur deutsche, jedoch keine übersetzten Kurzgeschichten prämiieren, wird die Lage für rege Kurzgeschichtenschreiber schwieriger und schwieriger. Denn wenn der Markt keine Kurzgeschichten verlangt, nimmt die Zahl der Verlage ab, die Kurzgeschichten überhaupt noch veröffentlichen. Und damit auch die Chancen, mit einer wirklich guten Kurzgeschichte einen Preis zu ergattern.

Wie auch immer. Ich liebe Kurzgeschichten. Sie entsprechen nicht nur meiner Art, zu lesen, ich mag es auch, innerhalb kürzester Zeit auf nur wenigen Seiten gefesselt und auf spannendem Wege zu einem überraschenden Ende geführt zu werden. Und Gerd Frey, ein Autor kurzer Storys, der in meinen Augen sogar ein wenig unbeachtet zu sein scheint – ich kann mich natürlich täuschen, das wird sich an Verkaufszahlen zeigen –, war für mich ein klarer Veröffentlichungsbedarfsfall. Da war eine Sammlung – zuerst hatte ich »Dunkle Sonne« vorliegen, 2002 bei Shayol erschienen und längst nicht mehr lieferbar – und dann noch eine – eben »OUTPOST« –, und dann war da ja noch der Roman, den es bis dato nur als E-Book gab – »Der Übergang« –, und inzwischen liegt ein weiterer Roman auf der Festplatte …
Gerd Freys Kurzgeschichten haben mir gefallen. Sie sind genau das, was ich mag, und wenn sich zeigen sollte, dass der Markt es mit seiner Ablehnung von Kurzgeschichtensammlungen ernst meint, dann habe ich eben ein Buch für mich gemacht – und für Gerd, zugegeben –, das ist auf jeden Fall besser, als es nicht getan zu haben.

Frey, Gerd, OUTPOST, Dunkle Sonne 2