Unendlich viel Zeit

… haben sich Michael Awe und Andreas Fieberg mit der sechzehnten Ausgabe von GEGEN UNENDLICH nicht gelassen, nein, nein – und auch mein fast unvermeidlicher Zeitaufschlag war letztlich überschaubar. Trotzdem hat es gedauert, da beißt die Maus keinen Faden ab. Aber es hat sich gelohnt. Die Storys stellen in ihrem Zusammenhang ein sehr homogenes Werk auf recht hohem Niveau dar. Die Storys, so unterschiedlich die Genres aus der Fantastik mitunter auch sein mögen, passen gut zusammen und bieten dem Fan der Reihe und der Genres durchgehend angenehmes Lesevergnügen.

Klar, meint ihr jetzt, muss er ja sagen, ist ja der Verleger.

Ja, bin ich. Aber heißt das, das ich keinen eigenen Geschmack habe, ihr Nasen? Mitnichten. Und ich beschäftige mich intensiv mit so einer Anthologie, intensiver als ihr, denn ich lese die Texte nicht nur einmal, sondern selbst bei einer schon von ihren Herausgebern vorbereiteten Sammlung mindestens zwei Mal, oft drei Mal. Ich behaupte also durchaus mit Recht, dass ich weiß, wovon ich schreibe.

Und jetzt ihr!

Unter der Haube gab’s auch eine Neuerung: Bis zur Ausgabe 15 wurde zuerst das E-Book veröffentlicht, erstellt von Andreas Fieberg und seinen Mannen (wer es genau war, weiß ich nicht, ist auch wurscht, denn:) Mit der Ausgabe 16 durfte erstmals ich das E-Book zeitgleich mit dem Printbuch machen, und das hatte – abgesehen von dem wegfallenden Druck des schon erschienenen E-Books und dem noch ausstehenden Druckwerk – auch den für mich charmanten Vorteil, dass die Texte nun in beiden Varianten wirklich identisch sind, während sie zuvor wegen der für die Printversion noch einmal erfolgenden Korrektur durchaus Abweichungen aufweisen konnten.

Eine weitere Neuerung wird es erst ab Ausgabe 17 geben, denn vorliegenden Informationen aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zufolge wird Andreas Fieberg die Reihe ab der Ausgabe 17 alleine fortführen. Aber er wird sie fortführen, hat er gesagt bzw. geschrieben, und das freut mich sehr. Aber bis dahin ist ja noch ein bisschen Zeit.

Awe, Michael J. & Fieberg, Andreas (Hrsg.), GEGEN UNENDLICH 16

Knallchargenbrevier

Der Autor kann nichts dafür, dass man die Leute, die er sich in diesem Buch vorknöpft, als Knallchargen bezeichnet. Unter anderem. Sich ernsthaft mit Verschwörungstheorien zu beschäftigen, kann gefährlich sein und böse enden. Der bessere Umgang ist Sarkasmus, Satire, durchaus kabarettistisch, vor allem aber böse und – ja, intelligent. Gerade mit Intelligenz ist man gegen Verschwörungstheorien am besten gewappnet, denn Intelligenz ist vermutlich das, was den Vertretern verquerer Denke am ehesten fehlt – nicht selten vollständig.

Kristjan Knall hat mit seinen Platon in den Mund gelegten Worten heftig Wasser auf meine Mühlen gegossen und er hat mich, der ich Fan politischen und gesellschaftlichen Kabaretts auf sarkastischer Grundlage bin, mit vielen bösen Seitenhieben erfreut. Es ist zu verknusen, dass Xavier Naidoo nicht die Hauptfigur ist, auch, dass Hildmann und andere Kameraden der Branche nicht zu Wort kommen, vor allem aber hat mich eher noch erfreut, dass die deutsche COVIDiotie keine Plattform bekommen hat, obwohl sie es sicherlich auch verdient hätte. Aber das Thema der Seuche nervt, und ich kann nicht ausschließen, dass ich mit dem Autor hätte diskutieren müssen, ob das Thema auch noch nötig gewesen wäre – aber das war ja auch gar nicht nötig.

Das Buch richtet sich an den interessierten Intelligenzler, der in der Lage ist, Satire richtig aufzufassen. Es ist eindeutig nichts für die Knallchargen dieser Welt, denn das, was Kristjan Knall geschrieben hat, macht ihnen keinen Spaß – weniger, weil er auf ihre Kosten geht, als vielmehr, weil sie gar nicht verstehen, was hier Sache ist.

Knall, Krischan, PLATON SIEHT CHEMTRAILS

Gelingen diagnostiziert

Natürlich geht so ein Projekt nicht ohne Diskussionen über die Bühne. Die Herren Tinnefeld und Bendick waren hier besonders rege, glaubten sie doch, sich neben inhaltlichen Fragen auch über das Erscheinungsbild des Buches Gedanken zu machen. Eine Sache, die bei mir nur in ganz engem Rahmen wirklich Erfolg verspricht, denn das Layout meiner Bücher ist mein Königreich, in das ich allenfalls den einen oder anderen Minnesänger einlasse, wenn er denn Ideen in Form sinnreicher Gesänge zu präsentieren hat.

Tinnefeld, Michael & Bendick, Uli (Hrsg.): DIAGNOSE|F

Michael und Uli hatten hier wenig Glück. Es gab diverse Ideen zum Layout, es gab Testseiten, und bis zuletzt wurden auch winzige Details diskutiert. So ging es zuletzt um die Frage der Benennung der Abbildungen von Uli Bendick und Mario Franke, die Michael Tinnefeld an die Storytitel anlehnen wollte, während ich mir jeweils einen Teil der Dateinamen der Bilder vorgestellt habe. Unschwer anzunehmen, dass ich mich letztlich durchgesetzt habe. Bei den Bildtiteln ging es mir um die Abwechslung: Storytitel im Inhaltsverzeichnis, am Beginn der Geschichte, im Titel des zugehörigen Bildes und im abschließenden Register … das mag sicherlich auch den letzten Leser allzeit und allerorten auf den richtigen Weg führen, ist aber mental wenig anspruchsvoll. Und auch bei einigen anderen Layoutaspekten waren meine Argumente die besseren.

Das quadratische Format (210 x 210 mm) ist eines meiner Lieblingsformate meiner Bücher und ist erstmals auch bei einem Buch der Reihe »AndroSF« zum Zuge gekommen. Die Fläche ist opulent – und so wirken auch die ganzseitigen Bilder – und man kann einige nette Dinge machen, die zunächst unauffällig sind, ihre Wirkung aber unterbewusst beim Betrachter entfalten. Ich lerne immer noch tagtäglich dazu, aber im Großen und Ganzen habe ich schon ein paar schöne Sachen drauf.

Das Buch ist jedenfalls in jeder Beziehung gelungen: Format, die Qualität vom Schaltungsdienst Lange – man sollte das Buch beim Verlag bestellen; was es so in Internetshops gibt, ist Print-on-Demand-Produktion, für deren Qualität ich nicht geradestehe –, die tollen Bilder von Uli und Mario, die sensationellen und nicht selten preiswürdigen Storys (DSFP und KLP 2022 lassen grüßen) und letztlich die fachlich fundierten »diagnostischen Kommentare« von Michael Tinnefeld – das ist eine Packung, die ihren (umfangsbedingten) Preis durchaus wert ist.

Ich habe demnächst noch zwei, drei Titel im Format 210 x 210 mm zu präsentieren, aber die »Diagnose|F« ist eindeutig herausragend.

Mit angemessener Verspätung

Diese Ausgabe der ANDROMEDA NACHRICHTEN litt unter großer Verspätung; fast einen Monat später als regulär üblich erschien die Ausgabe 272 Ende Januar bzw. Anfang Februar, und es lag nicht an der Druckerei, sondern an mir und meinen zeitlichen Möglichkeiten. Und nun, einen weiteren Monat später, will ich auch hier verkünden, dass es die Ausgabe gibt:

ANDROMEDA NACHRICHTEN 272
SFCD e.V., Winnert, Januar 2021, 148 Seiten A4, EUR 8,00. Bezug: SFCD-Archiv, archiv[at]sfcd.eu

Der Inhalt:
Impressum 3 * Notorische Verspätungen (Vorwort) 3 * Leserbriefe 3 * ESFS-Awards 2021 8 * Gewinnspiel AN 271 8 * Dieter Steinseifer – Nachrufe auf einen großen Menschen 8 * Conventions 12 * Curt-Siodmak-Preis 2021 14 * Fantasy 15 * Nostalgia 27 * Science Fiction 31 * Zwielicht 36 * Cinema 42 * Comix 51 * eGames 57 * Perry Rhodan 65 * Science 76 * FanzineKurier 90 * Reissswolf 99 * Schlachtplatte 110 * StoryFiles 142

Das Titelbild stammt von Lothar Bauer.

Erfolgsgeschichtenfortsetzungsversuch

Mit Ayako Graefes erstem Ikebana-Buch »Geist und Schönheit japanischer Blumenkunst« begann die Existenz meines Verlages. Das Buch, das 1985 beim Ulmer Verlag erschien und irgendwann nicht fortgeführt wurde, weil der Ulmer Verlag der Ansicht war, das Buch sei nicht erfolgreich genug, existiert derzeit in seiner dritten Version – die zweite, seinerzeit bei Maro in Augsburg gedruckt, ist längst vergriffen – und wird bei und von Books on Demand in Norderstedt produziert und vertickt (und das ist auch das einzige Buch, das ich bei BoD belassen werde; einfacher kann man sein Geld nicht verdienen). Und das Buch ist mein absoluter Topverkaufsschlager, von keinem anderen meiner Bücher einholbar. Ich müsste genau nachrechnen, aber die Gesamtauflage beläuft sich inzwischen auf irgendwas zwischen 6000 und 8000 Exemplaren (incl. der 2500 bei Maro entstandenen Exemplare der ersten p.machinery-Version).

Das zweite Ikebana-Buch ist in englischer Sprache verfasst, heißt »Contemporary Ikebana and its traditional background« und beinahe erwartungsgemäß eher in den USA, Kanada und Großbritannien gut laufend. Ayako Graefe meinte letztens, dass die deutschen Ikebanisten (ihre Wortschöpfung!) vielleicht der Ansicht sind, es handle sich um eine Übersetzung des ersten Buches – was definitiv nicht der Fall ist.

Graefe, Ayako, Contemporary Ikebana and its Traditional Background

Das dritte Buch nun, »Blumenkunst für jeden Anlass«, ist unter inhaltlichen Gesichtspunkten eine ganz andere Hausnummer. Im Grunde handelt es sich um einen Bildband: Rechts findet man großformatige (216 x 248 mm) Farbfotos von Ikebana-Arrangements, links daneben Beschreibungen dazu in deutscher, englischer und japanischer Sprache. Das Buch präsentiert »Arrangements zu verschiedenen Jahreszeiten, Festen und Lebensstilen«, und schon beim einfachen Durchblättern üben die Fotografien eine besondere Faszination auf den Betrachter aus.
Zahlreiche Ikebanisten haben ihre Werke zu diesem Buch beigesteuert, und das großformatige Werk eignet sich nicht nur für Ikebana-Künstler, nicht nur für Freunde und Fans der japanischen Kultur und der Philosophie des Landes und des Volkes, es ist auch ein – zugegebenermaßen nicht preiswertes – besonderes Geschenk zu besonderen Gelegenheiten, eben »für jeden Anlass«.

Graefe, Ayako, IKEBANA – Blumenkunst für jeden Anlass

A wuida Dog

  • Nein, ein wirklich wilder Tag war es nicht. Aber viel Kleinkram.
  • Das Werk für das nicht näher genannte Klinikum hat mich noch einmal beschäftigt. Zuerst habe ich den Buchblock finalisiert, den Druckpreis kalkuliert und danach nach einem Titelbildmotiv gesucht – nicht einfach, und meine Ansprechpartnerin hat einen alternativen Vorschlag gemacht, der sich nicht wirklich dumm anhört.
  • Danach habe ich drei Ausgaben der Hornsignale, das Clanmagazinchen der Einhörner in FOLLOW, hergerichtet und zum Druck gegeben.
  • Bookwire meinte, nach der Rücksetzung der Meerschweinchensteuer auf die alten Werte von 19 bzw. 7 % wären drei Bücher mit Fehlern aus dem Raster gefallen. Bei einem Buch – ein Hardcover, sodass nur CPI/Umbreit als Partner in Frage kommt – stimmten die Covermaße nicht. Behoben. Bei zwei anderen Büchern – auch Hardcover, also CPI/Umbreit – gab es Unstimmigkeiten wegen des Buchblockumfangs. Bei dem einen Buch – »Malta-Nudel« von Anke Jablinski – wurde beanstandet, dass 44 Seiten nicht ausreichen, 100 Seiten seien Minimum. Beim anderen Buch – »Mein Malta«, auch von Anke Jablinski – sollten es bei einem Buchblockumfang von 180 Seiten auf einmal mindestens 200 Seiten sein. Es stellte sich heraus, dass dies vom Buchrücken – rund oder gerade – abhängig war. Für »Mein Malta« habe ich das Problem behoben, bei der »Malta-Nudel« nicht. Ich frage mich immer, warum der Schaltungsdienst Lange solche Probleme nicht hat.
  • Den Nachmittag verbrachte ich dann mit zwei eiskalten Gassigängen und dem Lektorat von Petra Jörns’ zweitem Horen-Buch für Plan9.
  • Später gab‘s dann noch meinen dreimonatlichen Arztbesuch in Sachen Diabetes. Wie immer fühle ich mich danach ohne besonderen Grund aufgebaut und aufgemuntert.
  • Wie geht es weiter? Noch ein wenig Lektorat und um 20.15 Uhr dann entweder »American Pie 2« auf ZDFneo oder ein »Inspector Barnaby« aus der ZDF-Mediathek. Mal sehn.

Buchsachen

Um Bücher geht’s bei mir ja eigentlich dauernd. Jetzt vor Weihnachten sowieso. – Kristjan Knalls »Platon sieht Chemtrails« liegt ihm schon ein paar Tage vor, aber ich fürchte, dass die Fahnenkorrektur alleine an mir hängen bleiben wird. Er meinte, er sei nicht nur schlecht im Fehler finden, sondern auch im Fehler vermeiden. Nun denn. – Detlef Klewers »Necrosteam«, eine sogenannte »Cthulhupunk«-Anthologie nach dem Motto »Lovecraft meets Steampunk« ist auch fertig geworden und ging an Detlef zur Fahnenkorrektur. Da dräute beinahe noch zeitraubende Mehrarbeit am Horizont, als mir einfiel, dass ich die Illustrationen Detlefs einzubauen vergaß. Zum Glück illustrierte er mit einem weißen Rand, sodass mir wenigstens der Umbau auf ein randabfallendes Layout erspart geblieben ist. – Gestern habe ich Frank Gerigk den Buchblock zu seinen bzw. unseren »Welten des Jörg Weigand« geschickt. Heute noch keine Reaktion. Was alles Mögliche bedeuten kann. – Und die ganzen Tage beschäftigt mich das dritte Ikebana-Buch. Natürlich. Heute habe ich die ersten Rechnungen geschrieben, denn das Softcover ist schon fertig. Das Hardcover dauert leider noch bis zum 21.12. – und dann gibt’s vor Weihnachten noch mal Rechnungsschreibstress (und für den Schaltungsdienst Versandstress). Aber dann ist auch wirklich Ruhe – und der Schaltungsdienst macht eh vom 24.12. bis 03.01. Ferien. Verdiente Ferien, auf jeden Fall. – Die Idee, heute dann auch mit den (Vor-) Arbeiten am einunddreißigsten Band der SF-Werkausgabe Herbert W. Franke zu beginnen, ist der Belegeschreiberei zum Opfer gefallen. Dieser Band wird eine zuvor völlig ungeplante Ausgabe zum sechzigjährigen Jubiläum des »Grünen Kometen«. Den Band bekomme ich im Dezember sicher noch fertig, die fertigen Bücher wird es aber wohl erst im Januar geben. Aber trotzdem behaupte ich einfach mal, dass das noch rechtzeitig hingehauen hat.

Die ersten fünf Bücher im Januar liegen auch schon auf einem Stapel: ein Tabbert, drei Franke, ein Burgdorf. Mehr wird noch nicht verraten. Außer, dass mein Plan einer ordentlichen Reihe von Büchern der Franke-Werkausgabe 2020 wieder nicht hingehauen hat. 2021 muss es nun sein – und Thomas Franke, der als »Künschteler« von den Seuchenmaßnahmen und der Einstufung seiner Profession(en) als »nicht systemrelevant« ziemlich übel getroffen wurde und ist, hat doch ein wenig seinen Enthusiasmus wiedergefunden, wie sich jedenfalls bei zwei Telefonaten letztens zeigte.

Wenn der Stricker wieder liest

Freude! »Diese Lesung findet wegen der von der Regierung verfügten Beschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Virus-Pandemie nicht statt und wird auf den 22.1.2021 verschoben.« Muff.

Tiny Stricker liest wieder. Am 27.11.2020 ab 19 Uhr in den Räumlichkeiten des MLb, des Münchner Literaturbüros (Milchstr. 4, 81667 München). »Tiny Stricker liest Auszüge aus der Erzählung ›Vom Gehen in griechischen Städten‹ von 2017 und dem gerade erschienenen München-Buch ›U-Bahn-Reiter‹ sowie aus dem noch unfertigen Manuskript ›Hotel Amir Kabir oder Die Wege der Hippies‹.

Das erste Buch handelt von fünf Jahren in Thessaloniki und dem gar nicht so leichten ›Gehen in griechischen Städten‹. ›U-Bahn-Reiter‹ ist eine Roadnovel durch München mit der U-Bahn als adäquatem Reisegefährt. ›Hotel Amir Kabir oder Die Wege der Hippies‹ schließlich beschreibt einen Roadtrip, der vom Hotel Amir Kabir in Teheran und einer Gruppe von Gästen dort ausgeht und am Ende wieder dorthin zurückkehren soll.«

Soweit die Info auf der MLb-Website (hier; man muss ein wenig blättern).

Lustig, wenn man es genau nimmt: Ich bin aus Bayern abgehauen, weil ich genug davon hatte. Alpen – zehn Jahre unverbaubarer Blick in die Berge. Bayern, die Gesellschaft, die Stimmung, die maulfaulen, oft ewig grantigen Menschen. Lauter so Dinge. Und kein Wind. Und ich veröffentliche Bücher von Bayern, Infos zu Veranstaltungen ausgerechnet in München. Und solche Dinge. Und musste letztens feststellen, dass ich mein Bayerisch mag. Siebenunddreißig Jahre haben meine Sprache geprägt. Und diesen Dialekt und die Sprachfärbung (Wortwahl, Satzstellung etc.) loszuwerden, dafür brauche ich sicher noch einmal so lange. Und das schaffe ich nicht mehr. – Aber egal. Das wird mal ein Thema für einen eigenen Blogbeitrag. Denke ich.

Viereckhimmelerde

Zum Buch selbst will ich gar nicht viel schreiben. Die Bilder von Tatjana Frey, Fotocollagen allesamt, mit einem schönen Touch von Surrealismus und halbdadaistischen Anmutungen, sprechen für sich. Und die Geschichten, die nicht nur die Motive, sondern auch die Bildtitel in den Dateinamen als Inspiration nahmen, ebenso – die Autorenriege ist allen Fans des HALLER bestens bekannt.

Nein, für mich persönlich verbinde ich mit dem Buch einen weiteren Beweis für die mangelhafte Qualität von Softwareprodukten, die von drogensüchtigen und ständig masturbierenden Programmierern hergestellt und von ebensolchen Marketingleuten angeboten und Vertrieblern vertrieben werden. Denn in dem Buch sind Bilder enthalten, die nicht nur das quadratische Format vollständig füllen, sondern auch mal hochkant, mal querformatig abgebildet sind – mit weißen Flächen links und rechts, oben und unten. Alles gut – und der Schaltungsdienst, diese Riege gewiefter, ausgebildeter, in jeder Hinsicht höchstbegabter Buchhersteller, der hatte auch überhaupt keine Probleme mit meinen Vorlagen.
Nicht so Bookwire, mein Partner, dem ich die Präsenz meiner Produkte bei Amazon, Thalia, Hugendubel und anderen Internetplattformen zu verdanken habe – und nicht nur das, inzwischen bin ich sogar im Barsortiment vertreten, obwohl ich mit der Bande margenhalsabschneidender Verbrecher nichts zu tun habe. Die waren der Ansicht, die Druckdatei nicht annehmen zu können, weil sie gedrehte Bilder enthielte.
Wow, dachte ich. Was für ein Blödsinn ist das? Auf meine Mails reagierte Bookwire mit Verzögerung – ärgerlich, natürlich –, aber sie reagierten. Irgendwann. Und siehe da – sie präsentierten den Beweis, dass der Acrobat-Preflight feststellte, die PDF-Seiten der Druckdatei seien gedreht. Um neunzig Grad. Nach links. Link, fand ich, das ist link. Weil meine Druckausgabe korrekt war, weil meine Anzeige korrekt war, weil der Schaltungsdienst …
Nach einiger Fummelei fand ich dann heraus, dass ich dem Acrobat Distiller verbieten musste, die Seiten automatisch zu drehen. Warum er das tun sollte, war eh nicht klar. Es war alles korrekt eingestellt, alles auf hochkant, alles auf 210 x 210 mm (naja, 216 x 216 mm – wegen Beschnitts), alles gut. Nur der Distiller war irgendwie anderer Ansicht, drehte die Seiten um neunzig Grad nach links und zeigte sie dann im Acrobat korrekt an.
Leider kenne ich den wirklichen Verursacher nicht. Publisher, also Microsoft? Acrobat, also Adobe? (Denen wären schlechte Drogendealer und zu wenig Kleenex zuzutrauen!) Oder doch Bookwire?

Aber egal. Am Ende habe ich wenigstens mal eine Story zu einem meiner Bücher zu erzählen, die nicht direkt mit dem Buch zu tun hat. Oder doch auch wieder. Aber eben anders. Wie Tatjanas Bilder. Die sind auch anders.

Griesbach, Corinna (Hrsg.), HIMMEL UND ERDE. Die Bilder Tatjana Freys

Freilassen!

Die Fotos von Sebastian Schwarz sind mir nun schon mehr als einmal unter die Augen gekommen, nicht nur im Vorgängerband des aktuellen Buches, »DIE ZUKUNFT und andere verlassene Orte«. Der zweite Band dieser kleinen Quasireihe präsentiert achtzehn weitere seiner fantastischen Fotos, im Zusammenspiel mit einem ordentlichen Packen Storys, die zwar nicht konkret von seinen Fotos inspiriert wurden, aber die Stimmungen einfangen, die seine Bilder auch in sich tragen.

Wenn ich die Fotos betrachte, werde ich neidisch. Nicht nur, dass ich ihm am liebsten nacheifern würde, solche Orte zu fotografieren. Ich fotografiere auch leidenschaftlich gern, wenn sich die Gelegenheit bietet, und mein »Spezialgebiet« sind Kirchen. Aber ich habe nicht Sebastians Auge, nicht sein Talent.

Und wenn ich die Geschichten lese, geht es mir bei manchen davon nicht anders. Ich würde auch gerne schreiben können. An Ideen mangelt es nicht, eher an der Zeit. Und daran, dass ich nicht wirklich gut darin bin, »runde« Geschichten zu erfinden. Irgendwo hakt es immer.

Immerhin bleibt mir der Job als Verleger. So komme ich in den Genuss solcher Fotos, obwohl ich sie selbst nicht schaffen kann; und in den Genuss solcher Geschichten, obwohl mir das eigene Schreiben wohl dauerhaft verwehrt bleiben wird.

Griesbach, Corinna (Hrsg.), KINDERGEFÄNGNIS und andere verlassene Orte