Leichte Entscheidung

Wolf Wellings Geschichten (und Romane) haben immer etwas Außergewöhnliches an sich. Seien es seine Handlungsorte oder einfach nur die ungewöhnlichen Geschehnisse — einer meiner persönlichen Favoriten ist sein Roman »Wanderer«, eine Geschichte, die als Quasi-Roadmovie genau auf meiner Linie liegt –, es gibt keinen Zweifel, dass man seine Werke lesen und genießen kann, dass man sich durch seine Worte an Orte versetzen lassen kann, die man in der Realität ganz sicher nicht und auch in der Fantasie nicht ganz so einfach besuchen kann, wenn man in den Werken anderer Autoren danach sucht.
Über die Qualitätsansprüche Michael Iwoleits muss ich mir auch keine Gedanken mehr machen. Was er gut findet, ist es auch. Und so war die Entscheidung für die Sammlung »Nebenwelten« mit den besten Storys des Wolf Welling keine wirkliche, sondern allenfalls eine leichte Entscheidung. Die zudem vorrangig von Michael Iwoleit ausging und von mir leicht begleitet werden konnte.
»Nebenwelten« ist eine »Best of«-Sammlung. Und das mit Fug und Recht.

Welling, Wolf, NEBENWELTEN

Insekten, Haken, Ösen

Würde man das Buch als einen Problemfall beschreiben wollen, ohne dies näher auszuführen, träfe es die Sache absolut nicht. Aber es hat eine ganze Weile gedauert, bis das Buch dann doch erscheinen konnte. Die Verzögerung kam zustande, weil Gernot Schatzdorfer, der Autor, Titelbildideen hatte, die förmlich nach einer Arbeit von Thomas Franke schrien. Unglücklicherweise hatte der gute »Künschteler«TM Thomas Franke mit Malessen zu kämpfen, die mit seinem künschtelerischen (ha!) Schaffen so gar nichts zu tun hatten und die man keinem Mitmenschen, den man nicht abgrundtief hasst, wünschen würde. So verzögerte sich das Titelbild, es verzögerte sich und es zog sich dahin, zog sich hinaus, verzögerte … Irgendwann trafen wir die Vereinbarung, noch ein wenig Zeit vergehen zu lassen und dann eine Entscheidung zu treffen.
Und das geschah dann auch. Thomas sagte ab.
Zum Glück hatte ich für zwei Innenillustrationen (als Illustrationen für die beiden Teile des Romans) schon Klaus Brandt angespitzt, der einmal mehr nicht ablehnte, sondern mit von der Partie war. Und so war es nicht schwierig, ihn davon zu überzeugen, auch das Titelbild zum Werk zu machen — und das war so gelungen, dass Gernot sogar die Haarfarbe seiner Protagonistin im Text an die der Abbildung von Klaus Brandt anpasste, was sich auch unter Kontrastgesichtspunkten als kluge Entscheidung bewährte.

Die Geschichte selbst ist keine Utopie, dafür fehlt zu viel Weltenbau. Aber es ist vor allem keine Dystopie. Es ist eine spannende, aber ansonsten durch und durch positive Geschichte über eine Menschenfrau, die nach einer Bruchlandung auf einem fremden Planeten eine Rasse von Insektoiden — daher der Buchtitel! — kennenlernt … und Freunde findet. Insgesamt ist das eine liebevolle Geschichte geworden, ein Roman, der seine Spannung mitbringt, der vor allem aber eines ist: knuffig. Ein Begriff, den man richtig einordnen sollte — und wenn man ihn nicht kennt, sollte man ihn ignorieren –, aber der Begriff, den man gerne mit Haustieren oder Stoffpuppen in Verbindung bringt, ist in diesem Fall ein eindeutiges Qualitätsmerkmal.

Schatzdorfer, Gernot, INSEKTOID

60 Jahre Klaus N. Frick

So lautet der Untertitel des Buches, welches ich gemeinsam mit Christina Hacker und Alexandra Trinley als Herausgeberinnen für die Perry Rhodan FanZentrale (PRFZ) produzieren und verlegen durfte. Das kam indirekt zustande, denn eigentlich war die Frage zunächst, ob ich das Buch layouten würde. Was ich sowieso getan hätte, klarer Fall. Aber nachdem ich 2013 schon zu Klaus‘ 50. Geburtstag »Der die Unsterblichen redigiert« (AndroSF 40, hrsg. von Frank G. Gerigk) veröffentlicht hatte, machte ich den Vorschlag, auch den Geburtstagsband zu Klaus‘ 60. zu verlegen. Die Verhandlungen waren eigentlich keine, und alle nachfolgenden Details waren jeweils schnell geklärt. Alles in allem war das eine erfreuliche Buchproduktion, die noch dazu terminlich wundervoll klappte. Und dank der PRFZ hat das Buch auch eine für meine Verhältnisse hohe Startauflage von mehr als 150 Exemplaren — und inzwischen wird schon nachgedruckt.

Die Arbeit an dem Buch hat sehr viel Spaß gemacht. Nicht nur, aber auch, weil ich Klaus‘ schon lange kenne und nicht wenige seiner historischen Facetten live erleben durfte. Und ich hoffe, dass den Lesern des Buches ebenso viel Spaß zuteil wird.

Meine direkten Glückwünsche an Klaus sind dank der gekappten DSL-Leitung – ich berichtete – völlig untergegangen. Deshalb an dieser Stelle (nachträglich): Herzlichen Glückwunsch, Klaus. Möge dir alles Gute dieser Welt zuteil werden und mögest du noch lange dem Perryversum und seinen Fans mit deinem Wirken erhalten bleiben.

Hacker, Christina & Trinley, Alexandra, »Das wüsste ich aber!«

Der »REISSWOLF« 32 ist da!

Der neue »REISSWOLF« enthält auf 46 Seiten Besprechungen zu Comics, zusammengestellt von Karl E. Aulbach, sowie zu Büchern von Leigh Brackett, Edgar Rice Burroughs, Jenny Wood, dem Autorengespann Stefan Cernohuby & Melanie Vogltanz, Gene Wolfe, Torsten Weitze, Melanie Vogltanz solo, P. Djèlí Clark und letztlich einigen p.machinery-Publikationen. Dazu gibt es ein Interview mit Sarah Lutter.
Das gedruckte Exemplar gibt es im Internet (nicht bei Amazon) zum Preis von EUR 5,10.

Download unter: https://www.reisswolf-magazin.de/edits/RW32komplett.pdf

Was soll man da sagen?

Ich kenne Tom Turtschi nicht nur aus seinen NOVA-Storys in den Ausgaben 28, 29 und 30, sondern auch von anderen gemeinsamen Projekten, die wir umgesetzt  haben. Da wäre der Roman »GOTTESZONE. Die Reise ins Licht«, ein Buch (und Hörbuch!), das ich durchaus mit Absicht in der gleichen Weise gestaltet und ausgestattet habe, wie die »Anderzeiten« von Helmut W. Mommers: großformatig, Hardcover mit Schutzumschlag, Kapital- und Lesebändchen. Gleichermaßen »Die blauen Hunde von Lop Nor«, erschienen ganz aktuell in ebensolcher Aufmachung.
Inzwischen würde ich von Tom jedes Werk ungelesen zur Veröffentlichung annehmen. Er hat mich – und Michael Iwoleit wohl auch – noch nie enttäuscht, und ich glaube nicht, dass er das Potenzial mitbringt, einen Lektor oder Verleger zu enttäuschen, sofern Letztgenannte seinen Genres zugeneigt sind. Und möglicherweise sogar darüber hinaus.
Sein aktuelles »PROTOKOLL DELTA BRAVO« jedenfalls beweist einmal mehr, dass in diesem Autor großes Potenzial steckt. Potenzial vor allem – aber nicht nur –, Lesefreude zu bereiten.

Turtschi, Tom, PROTOKOLL DELTA BRAVO

Was lange währt

Auf meiner Verlagsseite schreibe ich Jahreszahlen auf, die mit dem Buchprojekt »Faszination Science-Fiction« von Robert Hector in Verbindung stehen: hier. Warum das alles so lange gedauert hat, kann ich nicht mehr nachvollziehen. Ich erinnere mich, mehrfach mit dem Projekt angefangen zu haben, aber aus irgendeinem Grund ist es immer wieder eingeschlafen. Mehrfach. Einmal sogar, nachdem der Text schon fast veröffentlichungsreif war. Und immer wieder war der Text etwas anders als zuvor – möglicherweise ein Grund.
Aber das ist alles nicht mehr wichtig. Das Buch ist jetzt da. Endlich.

Hector, Robert, FASZINATION SCIENCE-FICTION

Wieder eine gute Idee?

Das wird sich zeigen. Einmal hat sie funktioniert, als ich vor vielen Jahren den dritten Band der »Maeva!«-Trilogie von Dirk C. Fleck übernahm, auf den Piper keine Lust mehr hatte. Das Buch hat sich gut verkauft.
Gut verkauft sich auch der dritte Friesenhexe-Band von Karla Weigand, »Die Friesenhexe in der Neuen Welt«, und das nicht nur auf Föhr, wo der Ursprung und das Zentrum der Friesenhexe angesiedelt ist. Hier hatte Heyne keine Lust auf eine Fortsetzung – und dem Vernehmen nach ist der vierte Band schon in Arbeit.

Zu hoffen ist, dass die Idee auch mit dem dritten Band der Pentalogie »Im Licht der Horen« von Petra E. Jörns funktionieren wird. Hier hatte Plan9 keine weitere Lust auf eine Veröffentlichung mehr, weil die Verkaufszahlen der ersten beiden Bände nicht gut genug waren. Was vielleicht auch an der Einstufung im Military-SF-Genre lag und liegt, die insgesamt eher falsch zu betrachten war und ist. Die Autorin selbst bezeichnet ihr Werk als »Space Romance«, und das kommt auch in meinen Augen eindeutig besser hin. Weshalb ich das Werk auch so vermarkten werde.
Das Buch ist nun der Mittelteil der Pentalogie und bekanntermaßen sind solche Mittelteile ja meist die schwächsten Titel einer Reihe. Aber das letztliche Urteil muss eh der Leser fällen, da kann ich nur hoffen. Aber ich bin guter Dinge – denn auch der dritte Teil hat Spannung und Gefühl – Space Romance! – zu bieten, und macht neugierig auf den vierten Teil, der als Manuskript auch schon vorliegt.

Besonderer Dank gilt hier übrigens Klaus Brandt, dem Grafiker, dem es gelungen ist, die Fortführung der Reihe auch optisch korrekt abzubilden. Er wird auch Band 4 und 5 optisch gestalten – und bei den Entwurfsarbeiten sind sogar schon Umschläge entstanden, die beizeiten Band 1 und 2 krönen werden, wenn der Vertrag mit Plan9 abgelaufen ist.

Jörns, Petra E., Im Licht der Horen 3: SPONDE – OPFER

Katzmarz in zehn Jahren?

Ich kann nicht hellsehen (und das ist gut so). Möglicherweise aber wird es in zehn Jahren, so 2023 und 2033, wieder literarische Erinnerungen an Hubert Katzmarz und sein Werk geben. Man wird sehen. Möglicherweise interessiert mich das dann auch schon gar nicht mehr. Man wird auch das sehen.
Im Augenblick ist von Interesse, dass die aktuellen »Festlichkeiten« zum Gedenken an Hubert Katzmarz – seinen 70. Geburtstag 2022 und seinen 20. Todestag 2023 – beendet sind, nachdem dieser Tage der vierte Band eines Buchquartetts erschienen ist: »Ein Meisterwerk der Weltliteratur« heißt das Buch und präsentiert einen – bislang unvollständigen – Roman und eine Novelle aus der Feder des Autors und ehemaligen Verlegers. Die Aufmachung kann sich – wie bei den anderen drei Bänden »Im Garten der Ewigkeit«, »Abschied von Bleiwenheim« und »Rückkehr nach Bleiwenheim – sehen lassen, sofern man das Buch beim Verlag oder im normalen Buchhandel bestellt; der Internetbuchhandel stellt nur ein Hardcover ohne Schutzumschlag zur Verfügung, weil moderne 0815-Print-on-demand-Druckereien zu solchen Veredelungen nicht fähig sind.
Wie auch immer – es ist nun vollbracht, und die Gemeinschaft der an katzmarzscher Literatur Interessierten hat nun mindestens zehn Jahre Zeit, sich an seinen Werken zu erfreuen.

Katzmarz, Hubert, Ein Meisterwerk der Weltliteratur