So kann man sich täuschen

Bei manchen Filmen frage ich mich, wie sie auf meine Leihliste bei Videobuster geraten sind. So auch bei »The Pirates of Somalia«. Gut, Al Pacino und Melanie Griffith sind große Namen, aber beide gehören nicht auf meine Favoritenliste; und sie besetzen auch nur Nebenrollen. Ich vermute eher, dass »Somalia« das Stichwort war, auf das ich quasi hereingefallen bin. Denn die vermutliche Annahme einer irgendwie gearteten thematischen oder stilistischen Verbindung zu »Black Hawk Down«, einem meiner All-time-Favourites, ist wohl naheliegender. (Und könnte falscher nicht sein; auch wenn der Film in den »Pirates« sogar erwähnt wird.)

Jay Bahadur, Kanadier, möchte Journalist oder Schriftsteller oder beides werden, ist jedoch an seinem beruflichen Anfang nicht sehr erfolgreich. Schließlich geht er nach Somalia, um dort Kontakt zu den sogenannten Piraten aufzunehmen, herauszufinden, wer diese Menschen sind, wie sie leben, was sie tun – und warum sie es tun.

Somalia gilt auch heute noch – nicht zuletzt dank solcher Filme wie ausgerechnet »Black Hawk Down« (ich mag den Film trotzdem noch) – als Pfuhl des Bösen, die Piraten kapern wahllos Schiffe, töten Menschen, das ganze Programm. Dass es inzwischen längst eine demokratisch gewählte Regierung gibt, ist weitgehend unbekannt; dass die al-Shabaab-Miliz immer noch ein Machtfaktor ist, wird von den Medien höher und kritischer bewertet. Die Gründe für die sogenannten Piraten, Schiffe zu kapern und Lösegeld zu verlangen, sind durchaus naheliegend: Fremde Nationen – allen voran die Chinesen – haben die somalischen Fischgründe längst leergefischt und den Somaliern ist nichts geblieben, um zu überleben. Längst gibt es keinen Thunfisch mehr aus Somalia, einst der Hauptexportartikel des Landes. Und dass bei den Piratenüberfällen Menschen sterben, ist wohl letztlich dem – durchaus logischen – Wunsch der Überfallenen zuzuschreiben, sich zu wehren – und dabei durchaus nicht zimperlich zu sein.

Bahadurs Tage in Somalia sind abwechslungsreich, aber nicht wirklich gewalterfüllt. Der Kontakt zu den sogenannten Piraten gelingt, aber was er in die Heimat übermittelt, trifft auf taube Ohren – seine Kontaktperson dort macht ihm keine Hoffnungen. Und dennoch bleibt er bis zu dem Punkt, an dem es sinnvoll ist, Somalia zu verlassen.

Als er nach Hause kommt, erwartet ihn eine Überraschung. Und am Ende gilt er als Fachmann für die sogenannten Piraten in Somalia, und seine letzten Worte sind nichts anderes als eine Liebeserklärung an Somalia, wie es der ganze Film als solcher auch ist, wenn man es genau nimmt.

»Black Hawk Down« wird als das Paradebeispiel dafür erwähnt, was an falschen Informationen und Eindrücken über Somalia im Westen vermittelt wird. Eine der bemerkenswertesten Aussagen einer Somali ist, dass in dem ganzen Film nicht ein einziger Somali mitgespielt hat …

Wie auch immer: Der Film ist nicht nur wegen der Darstellung ganz anderer Somalier eine Bereicherung. Er ist angenehm ruhig gespielt, die Gewalt beschränkt sich auf comichaft dargestellte (Alb-) Traumszenen Bahadurs, und Evan Peters, der Darsteller Bahadurs, erinnert nicht nur optisch – im Laufe des Films wächst ihm ein wilder Vollbart –, sondern auch von seiner Spielweise her mehr als deutlich an Leonardo di Caprio.

Wenn ich für diesen Film fünf Sterne vergeben müsste, würde ich das tun.

Vier Filme

An manchen Tagen geht mir das normale TV-Programm auf den Keks. Meine bevorzugten Sender – NITRO, ZDFneo, ONE, eventuell noch SIXX, auch der NDR – liefern manchmal ein Programm, das ich nicht mag. Das passiert nicht nur, aber vor allem am Wochenende. Ich schrieb hier schon davon. Dann gönne ich mir einfach Filme aus meiner Sammlung. Zum Beispiel:

30 Grad unter Null
(Centigrade, https://www.imdb.com/title/tt8945942)
Ein Kammerspiel, wenn man es genau nimmt. Ein Pärchen ist in einem Auto irgendwo in Norwegen eingeschneit. Sie ist schwanger. Er ist der Depp, der nicht weiterfahren wollte. Nun sitzen sie da, eingeschneit, das Auto lässt sich nicht öffnen. Tagelang sitzen sie dort. Es gibt Notwendigkeiten und Nöte, es gibt die typischen Konflikte eines Paares in einer solchen Extremsituation. Das Baby wird geboren, der Mann stirbt. Und zum Schluss kann die Frau sich und ihr Neugeborenes befreien und findet Hilfe.
Die Atmosphäre kann die Situation, in der sich die beiden befinden, nicht adäquat wiedergeben, der Film bleibt flach und anspruchslos. Und dazu kommt noch, dass er über lange Strecken so kontrastarm ist, dass man ihn besser im Dunkeln anschauen sollte. Wenn überhaupt.

A Quiet Place
(https://www.imdb.com/title/tt6644200)
Eine postapokalyptische Welt, in der die Menschen mit Monstern konfrontiert sind, die extrem gut hören und auf Geräusche reagieren, um zu töten, was sie hören. Eine Familie … Ein Junge geht verloren, weil er nicht auf seinen Vater hört und sein Spielzeug Geräusche macht, die die Monster anlocken – und die sind schnell. Es gibt die typischen Probleme einer Familie mit einer pubertierenden Tochter – die noch dazu taubstumm ist – und einem ängstlichen Jungen, und natürlich spielen die Monster mehr und mehr eine nicht ganz unblutige Rolle.
Abgesehen vom SF-Hintergrund und den Horrorelementen der Monster handelt es sich um einen durchaus solide gemachten Actionthriller, der manchmal das eine oder andere Klischee drückt, andererseits aber durchgehend spannend bleibt. Und die Auflösung der Frage, welche Schwachstelle die Monster haben, ist absolut gelungen. Kann man sich anschauen, ist jedenfalls keine Zeitverschwendung.

Code 8
(https://www.imdb.com/title/tt6259380)
Auch dieser Film ist ein Actionthriller mit SF-Hintergrund, gewürzt mit einer Prise Drama: Die Menschheit besteht nicht nur aus normalen Menschen, sondern auch aus solchen mit besonderen Kräften. Bei den X-Men würde man sie Mutanten nennen. Früher wurden sie gebraucht, dann von den Maschinen verdrängt und zur Handlungszeit des Films sind sie nicht nur überflüssig, sondern im Grunde als Kriminelle eingestuft und verfolgt.
Die Mutter des Protagonisten gehört zu den Menschen mit besonderen Kräften, ihr Sohn auch. Sie ist krank, wird sterben, und ihr Sohn möchte ihr helfen, möchte ihre Heilung bewirken. Dazu begibt er sich auf die schiefe Bahn, aber all seine Bemühungen gehen letztendlich schief. Und die Heilerin, die er aus den Fängen eines Verbrechers befreit hat, kann seiner Mutter nicht helfen, denn die Verletzungen und Krankheiten, die sie heilt, überträgt sie auf sich selbst.

Coma
(Koma, https://www.imdb.com/title/tt6087226)
Ein Architekt, von der Welt missverstanden, erleidet einen Unfall und findet sich in einer Welt wieder, die durch die Erinnerungen von Komapatienten entsteht und existiert. Die Welt, die streckenweise stark an »Inception« erinnert, hat ihre eigenen Gesetze und ihre eigenen Probleme. Erst in dieser Welt kann der Architekt sein Traumprojekt einer futuristischen Stadt realisieren. Aber an der Komawelt ist etwas falsch …
Es ist längst üblich, dass sich russische Filme fantastischen Einschlags nicht mehr hinter amerikanischen oder britischen Produktionen verstecken müssen. Was geblieben ist, ist immer noch ein deutlich erkennbarer philosophischer Hauch von Nachdenklichkeit, den schon die Filme Andrej Tarkovskys auszeichneten. Von den vier Filmen des Tages war dieser zwar nicht der beste, aber der von der Optik her schönste.

Und dann war da noch …

… die Ausgabe 260 der ANDROMEDA NACHRICHTEN, die ich »zwischen den Jahren« gemacht habe:

ANDROMEDA NACHRICHTEN 260
SFCD e.V., Murnau, Januar 2018, 100 Seiten A4, EUR 8,00. Bezug: SFCD-Archiv, archiv[at]sfcd.eu

Der Inhalt:
Conventions
Fantasy
Science Fiction
Zwielicht
Cinema
E:Games
Perry Rhodan
Science
FanzineKurier
Reissswolf
StoryFiles

Das Titelbild stammt von Alexander Preuss.

Diese Ausgabe gibt es auch zum Download:
https://www.sfcd.eu/download/pubs/an201-300/an260open.zip

Jackson ist ein Ar***loch

Ich bin kein beinharter Tolkienfan. Ich habe vor vielen Jahren – es sind mehr als zwanzig – meinen Hobbit gelesen, meinen Herrn der Ringe. Jeweils zwei Mal. Ich habe das, was ich las, für gut und richtig befunden und für mich festgestellt, dass es mehr dazu nicht zu sagen gibt. Vom Silmarillion habe ich schon die Finger gelassen, weil … Ich weiß nicht. Der Hobbit und der Herr der Ringe waren mir genug.

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Clooney vs. Schweighöfer

Ich habe zwei Dinge zu gestehen.
Zum einen: Ich bin bekennender und großer George-Clooney-Fan. Abgesehen von »Emergency Room«, das ich nie gesehen habe, kenne ich vermutlich jeden seiner Filme – und ich liebe sie alle. Ich kenne keinen Film, in dem er schlecht gewesen wäre, in dem ich ihn mir hätte sparen wollen. Und: Clooney ist cool. Er hat eine Ausstrahlung, die ich ganz spontan immer nur mit Sean Connery vergleichen kann. Und er sieht gut aus. Wäre ich eine Frau, würde ich mich, glaube ich, von ihm besteigen lassen wollen. Wenn ich im nächsten Leben die Wahl hätte, würde ich gerne wie George Clooney aussehen und diese Ausstrahlung haben.
Zum anderen: Ich bin dabei, Matthias-Schweighöfer-Fan zu werden. Da bin ich noch ganz am Anfang, da habe ich noch kein festes Bild, aber es sieht so aus, als wäre ich auf genau diesem Weg.

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Drei Filme

Obwohl ich ständig Filme schaue, habe ich lange nichts über Filme geschrieben. Das kann man ja ändern.

Heute nachmittag sah ich »Stereo«, ein Film mit Vogel und Bleibtreu. Solche Filme landen auf meiner Liste, weil ich meinem ANDROMEDA NACHRICHTEN-Cinema-Redakteur Jörg Krömer zu vertrauen pflege, was nicht immer Garant für genehmen Filmgenuss ist.
»Stereo« jedenfalls ist mir, während ich Marketingunterlagen für diverse Bücher meines Verlages produzierte, als ziemlich halbesoterisches, pseudomystisches Geschwurbel in Erinnerung geblieben. Die Handlung habe ich nicht verstanden, aber das macht auch nichts. Verfestigt hat sich meine längst gefundene Erkenntnis, dass deutsche Filmemacher von einem Genre auf jeden Fall die Finger lassen sollten: Mysterythriller. Und wenn überhaupt, dann vielleicht mit frischen, neuen, unbekannten Schauspielern, aber ganz sicher nicht mit Vogel, Bleibtreu oder anderen deutschen »Filmgrößen«, auch wenn die einen notorischen Hang zu solchen Stoffen zeigen – was man jedenfalls von Moritz Bleibtreu annehmen darf.

Sehr viel erfrischender und erfreulicher war »Systemfehler – Wenn Inge tanzt«, den ich gestern Abend auf Sky Comedy goutieren durfte. Eine absolute Topkomödie aus Deutschland, gespickt mit unbekannten Schauspielern, die eben frisch und neu waren und sind, dazu ein lustiger Plot um eine Band, die versucht, einen Plattenvertrag zu bekommen, dazu aber ausgerechnet den Gitarristen durch das Mädel ersetzen muss, das den Namen des Bandtophits lieferte: »Wenn Inge tanzt«. Ich habe mich immens amüsiert – und die Musik hat Ohrwurmqualitäten (auch wenn Klaus N. Frick den angeblichen »Punkrock« der Band sicher anders einstufen würde – bei den Songs der Jungs geht wirklich gut was ab, das gefällt sogar mir altem Tranceliebhabersack). Und wie das Mädel die »Punkrockjungs« abzieht, das ist Deutschfilm vom Allerfeinsten.
Das Geilste an dem Streifen war aber – Peter Kraus. Ja, genau. Genau der Peter Kraus. Er spielt den Onkel des Leadsängers der Band »Systemfehler«, und er spielt die Rolle schweinecool, richtig schweinecool. Peter Kraus war als Musiker und Schauspieler nie mein Fall – aber in diesem Film punktet er voll auf die Hundert.

Auf Sky Cinema gab es dann heute Nachmittag noch »Prisoners«. Ein Streifen mit Hugh Jackman und Jake Gyllenhaal. Eine finstere Thrillerstory um entführte Kinder und einen rot sehenden Vater (Jackman), mit einem Polizisten (Gyllenhaal), der sich bemüht, es aber nicht leicht hat, auf die richtige Spur zu kommen. Und leider – fast muss ich das sagen, denn ich hätte es erhofft – gibt es kein Happy End.

Das Fazit dieser drei Filme: Während ich dies hier schreibe, schaue ich die auf Sky problemlos zu bekommende Wiederholung von »Systemfehler« :) an. Weil: Qualität leiert nicht aus :)

»Stereo«: https://www.imdb.com/title/tt3348102
»Systemfehler – Wenn Inge tanzt«: https://www.imdb.com/title/tt2446786
»Prisoners«: https://www.imdb.com/title/tt1392214

Wiederholungstäter

Captain Yugi Nagata: We’re going to die!
Alex Hopper: We are going to die. You’re going to die, I’m going to die, we’re all going to die … just not today.

Der Film, den ich in meinem Leben am allermeisten gesehen habe, ist noch nicht alt. »Battleship« (Director: Peter Berg, USA 2012, https://www.imdb.com/title/tt1440129) heißt er. Laut IMDb-Angaben war er finanziell ein Flop. Und auch nach dem, was ich sonst so gelesen und gehört habe, soll der Film nicht gut sein. Ganz im Gegenteil: Als Fan dieses Films hört man vor allem die Unterstellung, dass man ihn ja nur wegen Rihanna gut fände und anschauen würde, was völliger Blödsinn ist, es sei denn, man fährt auf farbige Mädchen in US-amerikanischen Navy-Uniformen ab.
Wie auch immer: Ich habe diesen Film inzwischen weit über 120mal gesehen. Und das Videofile liegt auf meiner Festplatte an einem der schnellstmöglich zugänglichen Orte, so dass ich ihn jederzeit wieder sehen kann. Und immer wieder.

Und seltsamerweise wird er nicht langweilig, eher noch im Gegenteil. Inzwischen kann ich ganze Dialoge auswendig mitsprechen. Ich kenne die Szenen und wann sie in der Timeline auftauchen – sekundengenau. Und dennoch – der Film wird nicht langweilig.
Und ich kann nicht sagen, woran es liegt, dass ich diesen Film mag, immer wieder gerne anschaue – und woran die Faszination festzumachen wäre, die der Streifen auf mich ausübt. Die Figuren sind nicht über das in US-amerikanischen Spielfilmen mit hohem Actiongehalt hinausgehend detailliert gestaltet. Die Handlung ist klar, zielgerichtet, es gibt keine wirklich überraschenden Wendungen, ein paar Haken vielleicht, wie sie ein Hase auf dem Feld schlagen mag, aber nichts Weltbewegendes. Im Grunde ist die Handlung sogar … klischeehaft.

Und das ist möglicherweise eine der Erklärungen. Denn zu den Klischees US-amerikanischer Filme mit hohem Actiongehalt, gerade solche, die etwas mit dem Militär, mit Kriegen u. ä. zu tun haben, gehört das Bild des Patriotismus, das diese Filme vermitteln. Die Amerikaner haben zu ihrem Land und zu ihrer Rolle in der Welt eine ganz besondere Beziehung, die wir Europäer meist nicht nachvollziehen können, oder jedenfalls eher belächeln als verstehen. Die Deutschen sind in Bezug auf das Unverständnis des amerikanischen patriotischen Bildes besondere Vorreiter, denn aufgrund ihrer heute noch ungemein wichtigen Historie ist es dem Deutschen nahezu unmöglich gemacht, patriotische Gefühle zu entwickeln, patriotische Gedanken zu hegen, ohne gleichzeitig auch ein schlechtes Gewissen zu haben. Die Israelis – nur als Beispiel, weil man die Israelis als Nation gerne mit den Juden als Volk gleichsetzt, obwohl Juden kein Volk, sondern Angehörige einer Religionsgemeinschaft sind – haben wiederum eine andere Einstellung zum Patriotismus, sind sie doch von ständigen Anfeindungen und Angriffen umgeben, die mehr als genug Leben kosten, und wenn sie sich ihres Patriotismus’ bewusst werden, dann müssen sie sich am Ende dadurch entschuldigen, dass die Deutschen einen Großteil Schuld daran mittragen, dass die Israelis so sind, wie sie sind (obwohl die Existenz Israels den Briten zuzuschreiben wäre).

Wie auch immer: In den allermeisten Fällen wirkt der in US-amerikanischen Filmen vermittelte Patriotismus rein, sauber, ehrlich, direkt, man verbindet ihn beinahe zwangsläufig mit lauter Adjektiven, die man in einem deutschen Film ähnlicher Ausprägung nicht zu finden glauben würde und einem russischen Film von vornherein gar nicht erst zuzusprechen bereit wäre.
Dass aber auch solche US-amerikanischen Filme, bei denen der Patriotismus so eine mehr oder minder große Rolle spielt, während die Handlung scheinbar eher die Action als Mittelpunkt hat, rassistische Elemente haben, steht außer Frage. In »Battleship« sind die Bösen die Aliens, und sie sind böse, ja. Aber die Art, wie die Menschen, die sich – durchaus mit Fug und Recht – verteidigen, mit den Aliens umgehen, das wäre in vielen Gegenden der Welt – und nicht zuletzt eigentlich auch im sogenannten Westen – kritikwürdig, herablassend, rassistisch. Ich spreche der einen Seite, die von der anderen angegriffen wird, nicht das Recht auf Selbstverteidigung ab. Aber es gibt eine dünne und nicht selten schlecht zu erkennende Grenze, jenseits der Selbstverteidigung eine solche nicht mehr ist.

Und dennoch bezieht ein Film wie »Battleship« seine Faszination aus genau diesem latenten, vielleicht nur minimalen Rassismus. Im Grunde ähnelt er den Rachefilmen wie »Ein Mann sieht Rot« und all den anderen Filmen dieser Art, denn Rache ist es im Grunde genommen, die die Menschen in »Battleship« antreibt, um die Aliens zu vernichten. Vorzugeben, dass die Menschheit zu retten sei, ist nett, gut und ein hehres Ziel. Es ist vermutlich auch ein wahres Ziel. Aber die Antriebskraft, die es Menschen wie den Navy-Soldaten in »Battleship« erlaubt, bis zum Sieg zu kämpfen, ist mehr: Es ist vielleicht nicht nur, aber es ist auch Rache.
Und ich selbst spreche mich nicht davon frei, Rachegefühlen in mir selbst Raum geben zu wollen, Raum zu geben. Ganz im Gegenteil. Ich bin zwar kein nachtragender Mensch, wie manch einer, der mich kennt, wird bezeugen können, aber ich besitze immer und grundsätzlich die Bereitschaft, mich auch zu revanchieren, wenn es sich anbietet und vielleicht sogar sinnvoll erscheint.

Was das mit »Battleship« zu tun hat? Vielleicht nicht viel. Vielleicht alles. Keine Ahnung. Vielleicht ist es heute nur noch ein Magnetismus der Gewohnheit, der mich immer wieder diesen Film anschauen lässt. Es ist ein wenig so, als würde man sich eine lang laufende Serie anschauen. Auch wenn sie in diesem Falle nur aus einer Folge besteht.

Wechselhaft, mal so, mal so

Largo Winch 2 – Die Burma-Verschwörung
(Largo Winch II, Jérôme Salle, FR/BE/DE, 2011)
www.imdb.com/title/tt1322333

Der erste Largo Winch, den ich zweimal sah bislang, hat mir nicht gefallen; beim ersten Ansehen gar nicht, beim zweiten so lala. Er war mir einfach zu konfus, die Motivationen der handelnden Figuren waren mir zu unklar, zu häufig schien sich die Frage in den Vordergrund drängen zu wollen: »Was soll das eigentlich?«
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