Chemie gegen Vorurteile

Ich hätte manchmal große Lust, Procter & Gamble (oder P&G, wie sie sich heute nennen) vor den Kadi zu zerren. Wegen Diskriminierung. Speziesismus, um genau zu sein. Da wurde schon so geworben (das war 2016):

Hundemief ade: Febreze Car bringt Wohlfühlduft in Ihr Auto!

Aktuell ist es der »Febreze 3volution Duftstecker«, für den geworben wird. Und immer geht es um Gerüche, die man selbst nicht (mehr) wahrnimmt, weil man »geruchsblind« ist, Dritte nehmen jedoch Gerüche war. Und immer wird unterstellt, dass Hunde dabei eine Rolle spielen. (Sinnigerweise sind es nie Katzen, deren Hinterlassenschaften im Katzenklo offensichtlich so gar keine olfaktorischen Erlebnisse bieten.)

Abgesehen davon, dass der Geruch eines gesunden Hundes maßgeblich von seiner Ernährung abhängig ist – wer Aldibillig, Lidlkostnix oder Pennyreichtauch verfüttert, kann einfach nicht mehr erwarten –, habe ich zwei wundervolle Geruchsbeispiele in meinem eigenen Haus. Und ich bin ganz sicher nicht »geruchsblind« – sieht man von den olfaktorischen Foltern meiner Gattin beim Abbrennen nicht zur Verbrennung gedachter Kräuter, getrockneter Tierteile und Chemikalien ab –, denn ich liebe es, meine Nase ins Fell meiner ungarischen Prinzessin Kim II. zu drücken und tief Luft zu holen. Wir hatten mal ein Angebot eingeholt, was es kosten würde, Kims Duft in ein Parfüm zu verwandeln; leider war das richtig, richtig teuer. Und selbst Naomi, die weniger wie ein Parfümfläschchen riecht, als vielmehr kernig, mit einem Hauch von Gras und einem Abgang frisch getrockneten Heus, ist ganz sicher kein Stinker.

Ja, klar, da kommt dann so ein Schlaumeier und labert was von »nassen Hunden, die aber doch stinken«. Siehe oben: Ernährung.

Auf jeden Fall sind die Werbekampagnen des Febreze-Herstellers indiskutabel und schlicht zu verurteilen. Zumal diese Produkte vermutlich pure Chemie sind. Und auch so stinken …

Durcheinander?

  • Gestern erfuhr ich durch Zufall, dass ich heute Vormittag einen Termin habe. Kimmischwimmi. Das sind Kims physiotherapeutische Schwimmrunden. Frau muss arbeiten, ich darf den Termin wahrnehmen. Zum Glück – oder auch nicht – gibt es keinen Gummianzug in meiner Größe (vor allem nicht mit meiner Schuhgröße 49), sodass die Physiotherapeutin das Schwimmen übernimmt. Und sehr gut macht. Kim ist beschäftigt, sie muss richtig arbeiten und ist hinterher fein ausgeruht. Feucht. Und fit. Aber ich glaube, sowas berichtete ich schon.
  • Vorher konnte ich ein Lektorat beenden. Erste Runde, Military SF. Von einer sittsam bekannten Autorin, die in Sachen Genre aber ziemlich flexibel ist. Nein, ich sag den Namen nicht. Sie hat über sechzig Bücher verfasst. Vielleicht kommt ihr von selbst drauf. – Das Lektorat ist noch nicht zu Ende. Und wird lustig. Oder auch nicht. Die Entscheidung, Gendern zu akzeptieren oder nicht, überlasse ich dem Verlag. Ich finde es in einem belletristischen Werk nicht richtig, aber im Zweifelsfall kann ich mehr als Kritik nicht anbringen. Ich bin nur der Lektor, nicht der Autor.
  • Mittagsgassi fiel wegen Kimmischwimmi aus. Auch für Naomi. Ohne Kim mit Naomi Gassi zu gehen, ist aussichtslos. Selbstquälerisch. Sie hat keinen Spaß dran. Ich auch nicht. Also fiel es aus.
  • Nach der Mail an die Autorin fiel ich irgendwie in ein Loch. Ich wusste nicht, womit ich weitermachen sollte.
  • Also sortierte ich Unterlagen. Zettelkram. Sachen, die noch zu erledigen waren. Der elende Papierhaufen, den ich letztens vom Schreibtisch in ein Regal verbannt habe. Wodurch er nicht kleiner wurde.
  • Dann versuchte ich, das Lexware-Formular für meine global:epropaganda auf die neue Version, die ich letztens erstellte, umzubauen. Erfolglos. Der Formularbereich, auf den die Makros zugreifen, lässt sich jedenfalls mal nicht einfach kopieren. (Hinterher wurde mir klar, dass das schon okay war; nur die Makros hätte ich auch kopieren müssen.)
  • Gassigang, große Runde. Ich war lange nicht mehr hinten über die Äcker gelaufen. Hinten heißt: Richtung Norden. Das ist Frauchens Territorium, wo sie jeden Morgen Freilauf zelebriert. Jeden Morgen die gleiche Strecke. Mich würde das irgendwann irremachen. Aber heute war das gut. Allerdings ohne Freilauf, weil mir Kims Gehopse den Rest gegeben hätte (längere Story, muss ich andermal erzählen). Die Sonne schien, es war recht warm, schön einfach.
  • Wieder daheim wurden die Hunde umgerüstet. Ein anderes Halsband für Kim. Dazu der Maulkorb, noch in meiner Hand. Und ab zum Tierarzt. Für Kim standen Routineimpfungen an. – Wir mussten eine Stunde warten, trotz Termin. Unsere Tierärztin kann sich über Kundschaft nicht beklagen. Kim schlug sich tapfer, wenn auch wie üblich: Maulkorb an, mit Widerstand rauf auf den Tisch, Kim festhalten, damit sie nicht abhaut. Die Azubine hörte nicht richtig zu und entkam Kims Zugriff gerade eben. (Wenn der Maulkorb »dicht« ist, ist er immer noch hart; und Kim ist nicht zimperlich, wenn sie sich wehrt.) Interessante Erkenntnis: Obwohl sie sich aufführt, als ginge es ihr ans Leben, ist ihr Herzschlag völlig normal. Typischer Fall von Rumzicken. »Bockig«, meinte die Tierärztin und entschuldigte sich unnötigerweise.
  • Daheim nervte Kim, indem sie ständig hinter mir herrannte. Erst als ich sie anschnauzte, gab sie Ruhe. (Und jetzt, da ich dies schreibe, liegt sie irgendwo und schläft.)
  • Am Ende gelang es mir doch noch, das global:epropaganda-Formular für die Lexware herzurichten. Wer das Layout sehen möchte, kann sich ja ein Angebot von mir machen lassen. Gehe dazu auf www.globalepropaganda.de und schau dir an, was ich so anbiete.

Ein einfacher Tag  

Letztens monierte ich die Fragmentierung eines Tages. Heute war die Struktur simpel:

    • 1 Lektorat
    • 2 Gassigänge
    • 1 Layout

Das Lektorat betraf ein neues Manuskript, das mich auch noch zwei, drei Tage – oder länger, das weiß man ja nie – beschäftigen wird. Ich bin mir noch nicht schlüssig, wie ich vorgehe. Zunächst habe ich mich zu einem nicht zu brutalen Lektorat entschieden, aber im Hinterkopf habe ich den Gedanken, da noch ein zweites, härteres Lektorat anzusetzen, weil der Text immer wieder sehr aufgeblasen wirkt, sehr redundant, erfüllt von für die Handlung nicht wichtigen Phrasen. Nicht immer, aber doch immer wieder. Ich werde mich nach dem ersten Lektorat und einer Rücksprache mit dem Autor entscheiden.

Die Gassigänge waren feucht und kühl. Der erste Gang im Ruheforst bei Ostenfeld war anstrengend und dauerte länger als erwartet. Aber den Hunden tut das genauso gut wie meinem Blutzuckerspiegel. Letzterer war leider nicht ganz so gut wie erhofft. Der zweite Gang ging hier in Winnert durch die sogenannte Siedlung, ein recht junger Ortsteil. Schmerzen im rechten Knie führten zu langsamem Schlendern, was Naomi zu schamlosem Dauerschnüffeln an wirklich jedem Büschelchen ausnutzte. Aber gut. Das ist ihre Leidenschaft. Ich gönne mir ja auch die meine, selbst dann, wenn Naomi das nicht mag. (Wobei ihr meine Leidenschaften de facto wurscht sind, sieht man von Gassigängen mit Schnüffelchancen ab.)

Das Layout war die Fortsetzung der Arbeiten an »KINDERGEFÄNGNIS und andere verlassene Orte«. Es geht voran. Es fehlen noch circa 30 Seiten für die erste Runde. Danach gibt’s die Fahnenkorrektur inklusive Behebung von Layoutfehlerchen.

Heute ist Montag. Das Fernsehprogramm steht also fest: »Inspector Barnaby«. Wir haben wohl alle Folgen inzwischen drei, vier, sechs Mal oder häufiger gesehen. Wir haben irgendwann aufgehört zu zählen. Aber montags muss das sein.

Stimmung, 14.09.

Wie sehr ich Norddeutschland mag, wie sehr ich Nordfriesland mag, dürfte inzwischen bekannt sein. Bei Facebook war es einfacher, auf die Schnelle solche Stimmungsbilder zu präsentieren. Was mich hier nicht hindert. So sieht es aus, wenn man morgens zwischen 7 und 8 Uhr mit den Hunden unterwegs ist.

Apropos Einhörner

Natürlich hat auch Schleswig-Holstein seine Wälder. Man nennt sie Landesforsten. Die haben nicht nur ihren Amtssitz in Neumünster, sondern auch eine Internetseite: www.forst-sh.de. Und natürlich haben die auch Wälder. Deshalb ja Landesforsten.
Lehmsiek beim Schwabstedt, einer meiner derzeit bevorzugten Gassimarschorte vor allem bei sonnigem Wetter, ist so ein Forst. Und ein ordentlicher Forst ist an seinen Grenzen beschildert. Das gehört sich in Deutschland so.
Und wie es sich ebenfalls in Deutschland gehört, gibt es Gebots- und Verbotsschilder auch an den Grenzen der schleswig-holsteinischen Forsten.

In Lehmsiek sind Autos und Motorräder im Forst nicht erlaubt; dass die Forstverwaltung aus Neumünster hier ein ganz und gar nicht der Straßenverkehrsordnung entsprechendes Schild wählten, ist vermutlich der Grund, warum die schon in einem früheren Post erwähnten ScheißUV fahrenden Waldkacker das nicht verstanden haben.
Eindeutiger, weil auch nicht in einer Verordnung aufgeschrieben, ist die Aufforderung an Hundehalter, ihren Hund anzuleinen. Was auch nicht jeder Hundehalter versteht, wie ich selbst schon erleben durfte.

Amtlich hingegen sieht das ansonsten überhaupt nicht amtliche Verbotsschild für Einhörner aus. Der Witzbold, der sich das ausdachte, hat sich natürlich nicht genügend Gedanken darüber gemacht, was er da anrichtete. Denn natürlich soll eigentlich verhindert werden, dass sich Reiter der Forstwege bemächtigen und diese möglicherweise so beschädigen, das die waldkackenden ScheißUV-Fahrer Schwierigkeiten in ihren illegalen Vorwärtsbewegungen verspüren.
Indes verbietet dieses Schild schlicht und ergreifend nur Einhörnern, den Forst zu betreten oder gar zu durchqueren. Und zwar unberittenen Einhörnern. Pferde hingeben, die die eigentliche Zielgruppe darstellen dürften, sind nicht betroffen – weder mit noch ohne Reiter.
Und mich würde es ungemein reizen, einen Prozess zu provozieren, um herauszufinden, wie viel die Fantasie eines Schilderscherzbolds vor Gericht wert ist. Grundsätzlich würde ich damit rechnen, dass er verliert. Aber Pferde kotzen bekanntermaßen auch vor Apotheken, weshalb wohl eher gilt: »Das Urteil ist nicht eindeutig vorherzusagen …«

P.S.: Nicht an allen Grenzen des Forstes zu Lehmsiek wird indes in orangefarbener Signalität vor aggressiven Bäumen und Ästen gewarnt …

Abwesend aufm ElsterCon

Mit zunehmendem Alter werde ich wohl auch ein wenig wunderlich. Vielleicht zickig. Für mich ist das okay. Immerhin.
Was ich damit meine, ist, dass ich jetzt, wo ich im hohen Norden wohne, Probleme sehe, noch auf Cons zu fahren. Dazu gibt es verschiedene Gründe.
Zum einen musste ich überrascht feststellen, dass Husum verdammt viel weiter vom Schuss ist, als seinerzeit Murnau im Süden Bayerns. Von Murnau nach München waren es 75, 80, 85 Kilometer, je nachdem, wohin man wollte. Würde ich heute Dirk Fleck in Hamburg besuchen wollen, wären das an die zwei Stunden Fahrt und mindestens 133 Kilometer. Kiel liegt natürlich näher, ist aber mit München nicht annähernd zu vergleichen (sorry, Kiel).
Zum zweiten sind da die beiden Hundemädchen. Frau arbeitet, nicht immer, nicht regelmäßig, aber wegen ihrer Profession als an der Wellness orientierte Kosmetikerin in einem Hotel-Spa vorzugsweise auch am Wochenende. Und das sind keine zwei, drei Stunden, die sie da außer Haus ist – sondern der ganze Tag. Mit Fahrzeit und allem gerne und nicht selten 9, 10 Stunden. So lange will ich die Hundemädels nicht allein lassen. Und mitnehmen ist so eine Sache. Das geht nicht überall hin – und genau das war auch schon Grund für Boykotte. Als ich noch Mitglied bei FOLLOW war, bin ich nicht mehr auf die Feste der Fantasie gefahren, weil Hunde nicht erlaubt waren; Kinder waren es sehr wohl, aber selbstredend ist das was ganz anderes. Sagten die Veranstalter.
Und letztlich bin ich vielleicht auch einfach nur faul geworden. Ich weiß nicht, ab welchem Alter man sich das rechtlich einwandfrei erlauben kann. Ich für meinen Teil fühle mich so, dass ich davon ausgehe, das ich das heute tun darf.

Der ElsterCon, der sowieso seuchenbedingten Einschränkungen unterworfen war, musste jedenfalls ohne mich auskommen. Frau war auf einem Seminar, die Fahrt hätte leicht 6 Stunden gedauert, eine Unterkunft hatte ich gar nicht erst gesucht, wegen der Hunde gar nicht erst gefragt.
Problematisch war dabei, dass mir offiziell der Kurd-Laßwitz-Preis für meine langjährigen Leistungen verliehen werden sollte. Aber in der heutigen Zeit gibt es ja Alternativen. Ich hatte Udo Klotz ein Video versprochen:

Der Weg dahin war überraschend mühsam. Es war klar, dass Equipment und Machart weit von jeglicher Professionalität entfernt wären, aber darauf kam es wohl auch nicht an. Aber ich war überrascht, wie schwer es mir fiel, alleine vor einer Kamera einen Text zu sprechen, den ich noch dazu vorgeschrieben habe, zwar nicht ablas, aber eigentlich »konnte«. Ich war nicht unvorbereitet – und das war das Problem, das dazu beitrug, dass ich das Video lange vor mir herschob. Am Ende habe ich es dann doch hinbekommen – aber ich denke immer noch, dass es mir live, vor Publikum, aus dem Stegreif gesprochen, leichter gefallen wäre.
Sehr seltsam.
Oder auch nicht. Während meiner lange zurückliegenden Unteroffiziersausbildung hatte ich auch Unterweisungen im Umgang mit Untergebenen, und dazu gehörte auch – nicht zuletzt wegen unseres »Fachgebietes« –, vor Untergebenen selbst Unterweisungen durchzuführen, sprich: vor Publikum aufzutreten.