Sprachschänder-DNB

Manche Menschen sind dumm. Und ahnungslos. Journalisten gehören häufig in eine solche Menschengruppe. Werbefuzzis. Geschäftsleute, sogenanntes »Business-Gesoxx«.

Ich bekomme morgens den täglichen Xing-Newsletter. Meist sind die Nachrichten für mich nicht interessant. Manchmal sind sie einfach nur albern. Manchmal bemerkenswert (z. B. aktuell die Fritz-Kola-Reaktion auf diesen Shitstorm wegen der Trump-Karikatur). Und sehr häufig ärgerlich.

Da wird heute Morgen der Titel »Homeoffice, Vertrauen, flexible Arbeitszeiten: Wie Vaude-Chefin van Dewitz ihre Firmen-DNA verändert hat«. Das Ärgerliche ist nicht der Artikel, den ich nicht gelesen habe, weil mich nicht interessiert, wieso eine Firmenchefin eines »Outdoorausrüsters« (was sind »Outdoors«, die man ausrüsten müsste?) irgendwas macht, was andere auch machen, nur nicht so schnell. Das Ärgerliche ist auch nicht der eigentliche Titel des Beitrages, »Firmenkultur: So schafft Ihr es, Werte wirklich zu leben«, in dem Ihr Idioten »Ihr« groß geschrieben habt, Ihr Idioten!

Nein, das eigentlich Ärgerliche ist dieses Ding mit der »Firmen-DNA«. Nicht nur, dass ich bezweifle, dass eine Firma über so was wie Erbgut verfügen kann (jedenfalls keines, das nicht bei jeder Kündigung und jeder Neueinstellung heftig mutiert), sondern der Text zeigt auch die Desinformiertheit des Schmierfinks: Es heißt nicht DNA, weil wir hier in Deutschland Deutsch schreiben und sprechen, sondern DNS. Für Desoxyribonukleinsäure. Und nur die der deutschen Sprache mehr und mehr unfähigen Schmierfinken, Sprücheklopfer und Abzocker benutzen die Abkürzung des englischen Begriffs – ohne freilich zu wissen, was sie da überhaupt vor sich hin brabbeln (siehe die Frage, wieso eine Firma Erbgut haben soll – sieht man vom Tod des eventuell noch vorhandenen Firmeneigentümers ab).

Was DNB heißt? Desoxyribonukleinblödheit. Wenn Firmen eine DNA haben, dann haben Sprachschänder eine DNB.

Warten. Bis es fertig ist

Nein, das ist kein Hinweis für die Autoren meines Verlages. Obwohl es auch passen könnte. In Wirklichkeit geht es um was anderes.

Schafe. Haben wir ja hinterm Haus. Vormittags grasen sie, wenn sie nicht rempeln – es sind lauter Böcke, Einjährige, wenn ich richtig informiert bin. Und sie kacken. Während sie grasen. Zwischen ihnen stolzieren Krähen herum, mit diesem dämlich-arroganten Gehabe, das Krähen so drauf haben. Und picken aus den Hinterlassenschaften der Schafe irgendwas raus, was ihnen den Aufwand lohnenswert erscheinen lässt.

Krähen gelten als intelligent. Sind es aber wohl nicht. War da doch eine, die sich an frischem Exkrement eines Schafes zu schaffen machen wollte. Also hin, Kopf runter, picken – und pflaatsch! Ganz dumm, wenn das Schaf noch nicht fertig ist. Hähä. (Oder krähä?)

Tage des Layouts

Bücher zu machen kann manchmal wie ein Rausch sein. Nicht für jeden, vermutlich. Für mich aber ganz sicher. Wenn ich in Fahrt komme, denke ich manchmal, dass ich nie mehr aufhören möchte.

Gestern, 20.10.:

  • Für den SFCD habe ich sfcd:intern 48 fertiggestellt. Das kleine Käseblättchen, das ich seinerzeit ins Leben rief, um vor allem vorstandsinterne Streitigkeiten aus den ANDROMEDA NACHRICHTEN zu verbannen, nähert sich seinem ersten runden Jubiläum. Nicht übel. Die Inhalte sind vereinsintern relevant, das Titelbild seit einiger Zeit dem der zugehörigen ANDROMEDA NACHRICHTEN-Ausgabe entsprechend.
  • Der Schaltungsdienst Lange bekam den Druckauftrag für den dritten Band der Klaus-Hübner-Reihe »Kein Twitter, kein Facebook | Von Menschen, Büchern und Bildern«. Unter dem Titel »Bierkämpfe, Barockengel und andere Bavaresken« geht es vor allem um Literatur aus und zu Bayern. Wie schon bei den ersten beiden Bänden war ich beeindruckt. (Ein vierter Band folgt, voraussichtlich Anfang 2021, denke ich.)
  • Nach einem Arzttermin – ich bin ja Diabetiker, also routinemäßig alle drei Monate beim Onkel Doktor (wobei mein Arzt gar keinen Doktortitel hat, aber trotzdem gut ist) – habe ich mich dann noch mit »KINDERGEFÄNGNIS und andere verlassene Orte« beschäftigt, dem von Corinna Griesbach herausgegebenen zweiten Band mit Storys und Fotos von Sebastian Schwarz zu verlassenen Orten, und danach mit einem weiteren Buch, das mit Bildern zu tun hat: »Himmel und Erde« wird das ebenfalls von Corinna Griesbach herausgegebene Werk mit Kurzgeschichten zu den Collagen der Tatjana Frey heißen. Beide Werke wird es nur als Hardcover geben.

Heute, 21.10.

  • war es übersichtlich: Ein Lektorat erübrigt sich bei Kurzgeschichten von Jörg Weigand, zumal vor mir schon der Herausgeber der Reihe »Die Welten der SF«, Frank G. Gerigk, daran gearbeitet hat, aber ein letztes Korrektorat und Vorbereitungen zum Layout sind dennoch fähig. »Die Welten des Jörg Weigand« wird die nach Ansicht von Frank Gerigk besten Storys Weigands enthalten und im Dezember 2020 erscheinen.

Bücher machen ist schön. Einfach schön.

Kultur absagen

Die Wikipedia kennt den Begriff auch schon: »Cancel Culture«: »Als Cancel Culture (dt. „Absagekultur“) wird ein systematischer Boykott von Personen oder Organisationen bezeichnet, denen beleidigende oder diskriminierende Aussagen bzw. Handlungen vorgeworfen werden. Wegen der unterstellten gravierenden Auswirkungen gilt der Begriff als ambivalent und ist heftig umstritten.«

Abgesehen davon, dass der Hintergrund des Begriffes schon schwachsinnig ist, ist es der englische Begriff als Gebrauchswort in der deutschen Sprache auch. Und damit zu recht umstritten. Und überflüssig. (Sogar die Wikipedia schafft es, den deutschen Begriff zu erwähnen: »Absagekultur«.)

Für mich ist das vor allem eine Absage an die Kultur der deutschen Sprache. Asche auf euer Haupt, ihr Schandmäuler.

Abgebrochen

Ich wollte mir Zeit nehmen, diese Gesprächsrunde anzuschauen – und habe sie abgebrochen (bei 00:11:29 von 01:14:20). Wer ernsthaft der Meinung ist, dass Sprache schuld an Diskriminierungen ist, der sollte sich das anschauen, denn da findet er mindestens zwei Menschen, die genauso dumm und unintelligent sind, wie alle, die glauben, dass Sprache diskriminiert und nicht etwa der Mensch.

Ich habe das abgebrochen. Ich finde Dummheit wenig erträglich.

Hart aber fair 05.10.2020 Streit um die Sprache: Was darf man noch sagen und was besser nicht?

Kurz vom Tage

  • Eigentlich war Buchhaltung angesagt. Einmal mehr verschoben. Wenn ich dann doch wieder zulange, werde ich es verfluchen. Aber das kenne ich schon.
  • Stattdessen habe ich vier neue Bücher vorbereitet.
  • Darunter Norbert Stöbes Roman »Kleiner Drache«, ein kleines, asiatisch angehauchtes SF-Prachtstückchen. Dazu wird es ein fantastisches Titelgemälde von Andreas Schwietzke geben.
  • Erste Sitzung Kraniosakral. Dazu kann ich noch nicht viel sagen. Außer, dass die Schreibweise mit C im Deutschen jedenfalls falsch ist. Aber modern. Wie das heute so ist.

Verzeichnis unsinnigen Denglischs

Das VLB ist das Verzeichnis lieferbarer Bücher, ein Garant dafür, dass ein Buch, das man auf den Markt bringt, auch für Buchhändler zugänglich wird, jedenfalls für die, die nicht nur deppert und damisch in ihre dämliche Barsortimenterdatenbank glotzen. Das VLB-Team der MVB, der Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH (nebenbei auch Betreiber der deutschen ISBN-Agentur), macht natürlich auch eigene Aktionen, Veranstaltungen – in neuerer Zeit nicht nur aus gegebenem Anlass auch online.

Eine der »Veranstaltungen« trägt den schönen Titel »Mission Innovation Talk«, und auch wenn manch einer damit argumentieren mag, dass man das auch deutsch aussprechen kann – »Talk« schreibt sich allerdings mit »g« und hat mit Labern nix zu tun –, ist dem nicht so. Vielmehr ist das einer von diesen zwanghaften Anglizismen, mit denen der Schöpfer und Nutzer – das VLB, die MVB, wer auch immer – cool sein will.

Ich empfehle Umbenennung. DAB. Directory of available books. Hört sich auch doof an. Und gibt vermutlich Probleme. Verwechslungsgefahr. Digital Audio Broadcasting. Und dann erinnere ich mich dumpf an eine Brauerei …

Wasn das fürn Film?

Der Typ trägt keine Maske. Grinst blöde. Vermutlich glaubt er, das Recht zu haben, seine Mitmenschen zu gefährden. Ich brauche meine Hände, sonst hätte ich ihm eine getuppt. Aber da kommen schon zwei Mitarbeiter des Supermarkts. Beide könnten Zwillinge sein. Jedenfalls stammen sie aus einem Labor für Kleiderschrankgenetik. Sie greifen sich den Blödgrinser. Der eine Kleiderschrank nutzt den Nackengriff. Wäre der Maskenlose ein Hund, hätte der Schrank ihn am Nackenfell davontragen können. Aber der Grinser hat kein Nackenfell. Er ist nicht feist, auch nicht dürr. Einfach normal. Und normale Menschen haben kein Nackenfell. Blöd gelaufen. Die – übrigens ordentlich maskierten – Kleiderschränke nehmen den Grinser zwischen sich und verfrachten ihn nach draußen. Der Kerl wehrt sich, strampelt, zetert Mordio und Totschlag, aber am Ende schließt sich die Schiebetür hinter ihm – et voilà. Und jetzt dann Virentest, oder?

Der Parkplatz ist großzügig angelegt. Man kann eigentlich gut ein- und ausparken. Wenn man nicht ganz blöde ist, wenn man sein Auto kennt und einen Führerschein, gar Fahrpraxis hat. Aber da gibt es den Klassiker: Tussi, knapp eins fuffzig groß, und ihr ScheißUV von Audi oder BMW. Auf jeden Fall groß. Und scheiße. Und mit rundherum verdunkelten Scheiben. Die Mausetussi zieht die Einsteigehilfe – vier Stufen – in den Wagen und hockt sich hinters Lenkrad. Mithilfe der Plateausohlen kommt sie gerade an die Pedale und mithilfe der fünf Schaumstoffkissen kann sie zwischen oberem Lenkradrund und Armaturenbrettoberkante hindurchsehen. Obwohl sie so nichts sieht. Anstatt einzuschlagen, rauscht sie rückwärts geradeaus aus ihrer Lücke – links und rechts steht kein anderes Fahrzeug – und rammt den gegenüber stehenden Kleinwagen. Und immer noch – die Servolenkung ist für Zwerge einfach zu schwergängig: vorwärts, zurück in die Lücke, rückwärts geradeaus, direkt in den Kleinwagen. Und immer wieder. Am Ende ist der Kleinwagen ein Blechknäuel und der ScheißUV hat einen dreieinhalb Zentimeter langen Kratzer an der Innenseite eines der acht überflüssigen Auspuffrohre, ein Schaden, den der Kleinwagenbesitzer als brutaler Unfallverursacher wird bezahlen müssen.

Wasn das fürn Film? Im Nachspann lese ich es dann. Ein Quedlin-Tarantulina-Film. Naja. Wenn es eine gegeben hätte, hätte ich es an der Musik erkennen können.

FAN: Mein erster Beitrag nach langer Zeit

Vor ewiger Zeit war ich schon einmal Mitglied der APA »FAN«, und seit der Ausgabe 129 bin ich es wieder. Interessant. In den modernen Zeiten mit Blog, Facebook und E-Mails eine neue, alte Erfahrung. Meinen ersten Beitrag unter dem (Reihen-) Titel »AntiquaRIOT« präsentiere ich hier.

Bonk!

Heute hatte ich meine erste Amsel in der Hand. Oder Drossel. Jedenfalls kein Fink. Und für einen Star war sie zu klein. Egal. Schwarz war sie, und deutlich größer als ein Spatz.

»Bonk!« ist das Geräusch, wenn ein nicht zu kleiner Vogel vor eine Fensterscheibe fliegt. Der Flugverkehr in und über unserem Garten ist recht intensiv. Vorrangig sind es Sperlinge, Spatzen, Finken – aber immer wieder sind auch größere Kaliber darunter. Und ganz selten, aber doch immer wieder macht es »Bonk!«

Ich gehe dann immer raus und schaue, ob ein Vogel dort liegt. Und heute lag dort einer. Wie gesagt, schwarz. Er hatte keinen gelben Schnabel, der Vogel, deshalb denke ich, es war eine Drossel.

Sie ließ sich in die Hand nehmen und saß dann auf meinem Zeigefinger. Ich streichelte über ihren Rücken, keine Reaktion. Ich prüfte ihre Flügel, indem ich sie vorsichtig auseinanderzog; sie zog sie wieder zurück und legte sie an. Offensichtlich waren sie unverletzt.

Trotzdem versuchte sie nicht, davon zu fliegen. Vermutlich war sie benommen. Als sie leicht zu flattern begann und offensichtlich unruhig wurde, setzte ich sie auf den weißen Kunststofftisch hinter dem Haus. Dort stand auch ein Futterhäuschen, frisch gefüllt. So wird sie nicht verhungern, dachte ich.

Eine Weile saß sie dort und ich überlegte, ob ich sie vielleicht zum Tierarzt nebenan bringen sollte. Aber als ich dann mit den Hunden zum Kimmischwimmi – Kims physiotherapeutisches Schwimmvergnügen – fuhr, war sie verschwunden. Ich schaue noch nach, ob sie irgendwo lag, aber offensichtlich war sie dann doch wieder fit gewesen und davon geflogen.