Hundehalter, Waldkacker und Radlerhonks

Mittagsgassi. Es sah nach Sonne und Wärme aus. Also gedachte ich, in den Wald zu fahren. Lehmsiek. Immer eine gute Ecke. Und gedacht, getan. Zunächst war es allerdings gar nicht so warm. 16 Grad, in der Sonne etwas mehr. Aber es ging auch im T-Shirt.
Unser Parkplatz – hier – ist inzwischen Standard. Man ist schon im Wald, der Fahrweg ist geschottet, nicht mehr asphaltiert.

Gerade, als wir losgingen, kam aus der Seitenstraße rechts eine Frau auf einem Fahrrad mit zwei Hunden. Beide liefen unangeleint, sie nahm den einen an die Leine. Ich ließ meine Mädels sitzen, die Passage verlief unproblematisch, sieht man davon ab, dass Naomi einen ihrer »Gesänge«, die sie für solche Gelegenheiten auf Lager hatte, abließ. (»Gesänge« ist eine Hilfsumschreibung für etwas eigentlich Unbeschreibliches: Jaulen, Brummeln, kleine Wuffer, eine Bandbreite von mehreren Oktaven – wenn man es nicht selbst hört, kann man sich nichts darunter vorstellen.)
Wir folgten dem Trio in die gleiche Richtung. Naomi nahm – wie immer bei Hunden, die vor ihr hergelaufen waren – Witterung und Spur auf und zog wie Hechtsuppe. Wie üblich, wie gesagt. Ein Stück später bogen wir dann links in den Wald ab – hier.

An einer »Kreuzung« gab es eine Bank, auf der eine Tussi saß. Neben ihr stand ein Fahrrad. Und ich glaubte, irgendwo einen Hund gehört zu haben, sah aber nichts. Die Tussi reagierte auf das landestypische »Moin« mit einem dummen Gesicht, ansonsten schweigsam. Und starrte uns hinterher, wie wir unseren Weg fortsetzten, alle zwei bis drei Meter unterbrochen von Naomis Schnüffelattacken.
Den folgenden Weg gingen wir zum ersten Mal, er war gut erkennbar, aber nicht sonderlich befestigt. Zwischendrin gab es eine merkwürdige Attraktion – die wie eine Art Thron aussah und mit Absperrband umwickelt war – und später noch eine, die aus einem Baumstumpf mit einer Art Schubladen aus unterschiedlichen Holzarten bestand: Bildung im Wald.
An seinem Ende gab es so etwas wie einen Waldkindergarten, jedenfalls trieben sich da ein paar Frauen und Kinder herum. Dort trafen wir die Frau mit den beiden Hunden wieder. Die zwei waren angeleint und ohne Ansprache, sodass sie bellten und jaulten, um Frauchen mitzuteilen, was sie an Besonderem in der Umgebung festgestellt haben. Frauchen juckte das nicht. Der Klönschnack war wichtiger.

Dieser Wegweiser:

befand sich hier. Der Richtungshinweis zum Wilden Moor kam mir zunächst komisch vor, später wurde mir allerdings bewusst, wo ich mich befand und dass die Richtungsangabe völlig korrekt ist.

Zwischen dem vorherigen und diesem Wegweiser:

passierte uns die Fahrradfahrerin mit den beiden Hunden. Ich ließ meine Mädels wieder sitzen, aber diesmal hatte die Radlerin wohl ihre Intelligenz und Vernunft unterwegs verloren, denn beide ihrer Hunde liefen frei. Mit der fast logischen Folge, dass der Hund, der bei der ersten Begegnung angeleint war, auf Naomi zukam und diese vorging. Es gab keine Auseinandersetzung, aber alleine die Tatsache, dass mir Naomi mit ihrer Bewegung die raue Leine ein Stück durch die Hand riss, war Anlass für einen saftigen Fluch. Denn – so leid es mir tut – dieser Akt der Dummheit war schlicht und ergreifend unfreundlich.

Die weißen Hinweisschilder mit der schwarzen Schrift findet man in der Gegend um das Wilde Moor überall. Sie zeigen die Wege für Radler und Reiter an, dazu Entfernungen zu bestimmten Orten. Wirklich falsch finde ich hier die Richtungsangabe nach Winnert – ich würde die andere Richtung nehmen –, aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich kein Reiter bin.

Am Ende war der Gassigang in Ordnung. Er kostete mich – als Diabetiker – eine ordentliche Menge Blutzucker, sparte also Insulin, die Hunde hatten ihre Bewegung.
Geärgert habe ich mich trotzdem. Nicht nur über die Radlerin mit ihren Hunden – die natürlich nichts für Frauchens Dummheit konnten –, sondern auch über die zahllosen – es waren sechs Stück –, an den unglaublichsten Stellen parkenden ScheißUV – die Leute fahren echt mit dem Auto zum Kacken in den Wald! –, den fahrenden Pkw, der seinen Kackplatz noch nicht gefunden hatte, und die beiden Radler, die es partout nicht schafften, nebeneinander zu fahren, um zu zeigen, dass ihnen der § 1 der StVO bekannt ist.

Nur nicht schludern

Oder hudeln. Oder schlampen. Oder so.

ScanDay abgesagt. Ich hatte einfach keine Lust. Nicht, den zweiten Rechner einzuschalten, nicht, den Stapel Papier zu sichten, Heftklammern zu entfernen, zu prüfen, ob alle Seiten wirklich lose sind oder noch zusammenhängen. Einfach keine Lust.

Stattdessen habe ich das Layout für Klaus Hübners dritten Band des Konzeptwerks »Kein Twitter, kein Facebook« – ein Titel, der inzwischen vollständig zu mir und meinem Verlag passt –, der unter dem Titel »Bierkämpfe, Barockengel und andre Bavaresken« (»andre« hier nur richtig mit einem »e«) erscheinen wird, vorangetrieben. Auch dieses dritte Buch, in dem es um Sprachglossen sowie Arbeiten zu Literatur, Kunst, Städten und Landschaften in Bayern geht, war in der Vorbereitung für mich wieder höchst spannend und lehrreich. Unter anderem bin ich auf einen Autor gestoßen, der mich wohl noch verlegerisch beschäftigen wird. Auf jeden Fall lernt man »einen grandiosen Philologen aus der Holledau kennen, subversive Revolutionäre aus Schwabing, einen anarchistischen Bierkämpfer, einen halbböhmischen Stifter-Fan, einen Römer aus Hof und einen Marmorkuchen über der Donau. Dazu Männer im Kanu, eine gezähmte Wildsau, eine herzergreifende Madonna, einen wüsten Totentanz, Poesien in Acryl und einiges mehr« (Zitat aus dem geplanten Klappentext).

Am späteren Nachmittag kam dann ein Telekomtechniker zu Besuch. Ich hatte in den Tagen zuvor ziemlichen Stunk bei Vodafone – meinem Provider – gemacht, weil mir ständig die DSL-Verbindung abbricht und neu synchronisiert wird – und das vorzugsweise tagsüber (heute bis zum Technikerbesuch alleine 18 Mal) – und zudem, weil Vodafone zu wenig Bandbreite liefert. Laut der Bundesnetzagentur – da muss ich noch mal genauer recherchieren – ist eine dauerhafte »Kürzung« um 5 Prozent rechtmäßig; alle andere ist Vertragsbruch, und seit Monaten habe ich im Download mindestens 10 Prozent zu wenig (in Extremfällen bislang bis zu 92 Prozent!). Aber gut. –
Der Techniker war da, hat gemessen und letztendlich festgestellt, dass bei mir vor Ort alles in Ordnung ist. –
Hauptproblem mit Vodafone ist die Kommunikation: Man kann eigentlich nur Faxe schicken. Telefonisch gerät man an Schlaumeier, die einem bei 90 Prozent fehlender Bandbreite einzureden versuchen, der Vertrag gehe ja nur über »maximal 100|40 MBit« – mit der besonderen Betonung auf »maximal«. Und das Webformular für Servicetickets funktioniert nicht. E-Mail ist sowieso nicht drin. Und statt über den Festnetzanschluss kommuniziert Vodafone über Mobilfunk (Telekom!) – Sausack, wer Böses dabei denkt.

Erledigungsmeldungen

  • Der erste Buchblock – traditionell zur Fahnenkorrektur bestimmt – der Anthologie »Das Alien tanzt Walzer« ist fertig und wurde heute an Ellen Norten, die Herausgeberin, zur Begutachtung – und gerne auch Fehlerauffindung – gemailt. Das war das Buch, das ich letztens »aus lauter Verzweiflung« zu layouten begonnen habe.
  • »AntiquaRiot 2«, mein Beitrag zur FAN 130, ist auch fertig, an den OH gemailt, ausgedruckt und für die Post vorbereitet.
  • Meine Frau hat mir ja wieder nichts erzählt. Deshalb war mein erster Alleintermin bei der Hundephysio Andrea eine Überraschung. Einen Gummianzug in meiner Größe für den Pool gibt es nicht – aber Andrea erwartet auch nicht zwingend, dass die Kunden mit dem Hund ins Wasser gehen. Sie macht das auch. Das allerdings ist echte Arbeit für Kim gewesen – denn Frauchen mit ihrem Laissez-faire- und Spieltriebbefriedigungsstil ist halt doch eine andere Hausnummer. Bei Andrea wird richtig gearbeitet. Und Kim hat das wie immer toll gemacht.
  • Morgen ist ScanDay.
  • Und ich hoffe, der Telekomiker, der hoffentlich morgen auch wirklich erscheint, findet den Fehler, der mir die Geschäftsbeziehung zu Vodafone derzeit ziemlich verdirbt. Aber das ist keine Geschichte für heute.

Bei »Monster« verloren

Ich habe scherzeshalber beim Jobportal »Monster« eine Jobsuche eingegeben und gespeichert. Die Suche beinhaltet nur einen Suchbegriff: »Lektor«. Als Angebote bekommt man so was hier:

In der Tat sucht bei »Monster« nicht ein Mensch nach einem Lektor. Oder ich suche nach dem falschen Begriff. Vielleicht versuche ich einfach mal so was wie »Textschrauber«.

Gespräch im Walde

Der Lehmsiek bei Schwabstedt ist ein schönes Waldstück mit reichhaltigen Spazierwegen. Ich bin derzeit dabei, mir Weg für Weg zu erschließen. Das waldreiche Areal hat bei hohen Temperaturen und prallem Sonnenschein einen großen Vorteil für meine beiden schwarzen Hundemädchen: Es ist schattig. Sehr angenehm.
Angenehm ist auch, dass die Gegend schön ruhig ist. Die nächstgelegene Fahrstraße ist eine Nebenstraße der L38, die irgendwohin führt, wo kaum jemand hin will. Hollbüllhuus, Fresendelf. Nach den bisherigen Erfahrungen mit dem eher langweiligen Wald zwischen Winnert und Ostenfeld sowie dem Ruheforst zwischen Ostenfeld und Rott muss ich feststellen, dass der Lehmsiek die beste Lokation der drei Wäldchen ist.

Heute hatten wir dann eine nette Begegnung. Wir waren schon auf dem Rückweg, als ich zwischen den Bäumen Menschen gewahrte. Und dann kam ein schwarzer Hund auf uns zu, nicht angeleint. Man rief mir zu, ich könnte meine loslassen, er – der fremde Hund – sei vollständig sozialisiert. Was sich auch bewahrheitete. (Leider dürfen meine beiden Damen im Wald nicht ohne GPS-Tracker laufen, weil sie gerne ihrer Jagdleidenschaft frönen; und Kim fand schon in Bayern Wälder toll für stundenlange Exkursionen.)
Der Hund mit Namen Paul war jedenfalls ein Labrador-Bordercollie-Mix (mit einem eindeutig dominanten Labrador-Gen-Set), ein Rüde, ein hübscher Kerl, der gut zu meinen beiden Mädchen gepasst hätte. Und es gab auch keinen Stress zwischen den drei Hunden.
Pauls Herrchen und Frauchen hatten meinen Passat – immer noch mit Garmischer Kennzeichen – gesehen und nicht nur den, sondern auch die »Gendern – nein danke«-Aufkleber, die ausgesprochen positiv aufgenommen wurden. So kamen wir ins Gespräch und unterhielten uns über den Umgang mit der deutschen Sprache, die derzeit in Deutschland vor allem von Politik und Verwaltungen, von Medien und den überall auftretenden Unbelehrbaren systematisch beschädigt wird. Wir sprachen über Facebook, ein wenig über Politik, über dies und das.
Ein Biergarten wäre an der Stelle praktisch gewesen, ging mir später durch den Kopf.

Schokoladenfragen

Ich bin Diabetiker. Vermutlich Typ 2. Ich habe das Thema im Griff. Nicht ganz so, wie ich mir das vorstelle, aber weitgehend.
Gleichzeitig mag ich Süßes. Nicht alles, vor allem nicht Süßes mit normalem Zucker. Aber heutzutage gibt es ja hübsche Austauschstoffe. Xylit, Erythrit, Mannit. (Stevia kommt mir allerdings nicht ins Haus, das überlasse ich Ökos mit veganer Tendenz und der falschen Ansicht, nur Stevia sei natürlich.) Ab und zu gibt es ein, zwei Kekse, und natürlich: Schokolade.
Die hat den Vorteil, dass sie sich umso günstiger auf den Blutzuckerspiegel auswirkt, je mehr Kakao enthalten ist. Denn Kakao wirkt blutzuckersenkend.
So weit, so gut.

Mein Problem war lange Zeit, dass Schokolade mit einfachen Stücken ziemlich aus der Mode gekommen ist. Von Milka gibt es noch solche Tafeln; aber die haben nichts mit hohen Kakaowerten. Schogetten gibt es auch nicht mit Kakao. Alle Schokoladensorten mit Kakaowerten über 70 Prozent werden in so neumodischen Tafeln geliefert, die aus 6 oder 8 Täfelchen bestehen, die, wenn man sie teilen will, eine üble Bröselei ergeben. Oder man schiebt sich halt so ein dummes Schokobrett zwischen die Zähne.
Die einzige Rettung war dann die berühmte Ritter Sport. Da tauchten die ersten Kakaosorten auf – 55, 61, 74 Prozent. Die 74er Ritter Sport war lange Zeit die Sorte meiner Wahl.
Und vor Kurzem kam dann eine neue Sorte – mit 81 Prozent Kakaogehalt. Und sie erfreute mich aus zwei Gründen: Sie enthält nur halb so viel Zucker wie die 74prozentige Sorte, und sie schmeckt auch noch besser.
Rettung! Auf ganzer Linie!

Was bleibt, das ist die Frage, was für einen sittlichen Nährwert diese neumodischen »unstückigen« Schokoladeprodukte haben, die man zwischen den Fingern halten muss, um abzubeißen, die man sich entweder komplett ins Gesicht schieben muss oder aus denen man wenig attraktiven – und vor allem schlecht zu konsumierenden – Bröselsalat macht. Irgendein Marketingfuzzi wird mir vermutlich weismachen wollen, dass der Kunde das so möchte. Aber das kann ich mir nicht vorstellen. Denn wären diese Produkte so erfolgreich – und die klassischen Stückchen nicht mehr gewollt –, dann müsste Lindt – vermutlich einer der Marktführer in Sachen Schoki – nicht so immens viel Werbung machen, sondern Ritter Sport; die machen sicherlich auch Werbung, aber ganz sicher nicht mit dem Budget. Und die Supermarktregale sind voll mit Ritter Sport – alle Sorten.

Wenig lustig waren die Reaktionen auf Facebook in Bezug auf diese meine Problemstellung. Nicht alle, aber die meisten der dort Reagierenden hatten das Problem nicht verstanden: »hoher Kakaogehalt plus Stücke«, nicht nur »hoher Kakaogehalt, egal wie«. Aber am Ende ist es ja nicht Facebook, das einem hilft, sondern der Hersteller, der das Produkt herstellt und vermarktet, das man haben möchte.
Danke, Ritter Sport.

Zerstörter Tag

  • Hört sich schlimmer an, als es ist. Und eigentlich begann alles normal.
  • Oder auch nicht. Meiner Frau war schwindelig. Schon gestern Abend. So richtig. Gleichgewichtsstörungen. Als angehende Heilpraktikerin kennt sie den Fachausdruck, den ich mir nicht gemerkt habe. Irgendwas mit parapsychologischer Lageperistaltik. Oder so. Keine Ahnung.
  • Heute Morgen war es immer noch so. Die Frage, ob sie trotzdem nach Eckernförde auf ihren Lehrgang fahren soll oder ins Krankenhaus, wurde zugunsten des Krankenhauses beantwortet. Ich durfte Taxi spielen.
  • Da ging es recht fix. Schneller als sonst. Fazit: Der Arzt meinte, sie »solle runterkommen«. Soll heißen: Diagnose Stress. Kein Wunder. Zwei Wochen vor der nächsten schriftlichen Prüfung zum Heilpraktiker, mitten in einem Seminar (irgendwas mit Kranichheilung, wie gesagt, ich merke mir das nicht), und dann macht sie sich immer einen Haufen sinnloser Gedanken über Dinge, die sie sowieso nicht ändern kann. Sag ich ihr immer wieder. Zum Beispiel die Heilpraktikerprüfung. Sie besteht sie. Oder nicht. Sie hat sich gut vorbereitet. Denkt aber ständig darüber nach, was sie alles meint, nicht zu wissen. Statt darüber froh zu sein, was sie alles weiß. Und das ist eine immense Menge. Ein Wissensturm, den ich von hier unten, aus der heilpraktischen Dummheitsebene nicht überblicken kann. Trotzdem …
  • Mit diesen sinnlosen Dingen macht sie sich Stress. Und der wirkt sich halt mal aus. Zumal dieses Kranichding offensichtlich etwas sehr intensives nicht nur körperlich, sondern auch mental ist. Wie gesagt – ich bin da völlig unbeleckt und ahnungslos. Aber was sie so erzählt …
  • Der Tagesplan war jedenfalls hin. Aber über Pläne lachen die Götter ja eh nur.
  • Dann wollte ich das Brett im WC im Erdgeschoss einbauen. Da steht nur so ein Schränkchen unterm Waschbecken, nix, um irgendwas richtig abzulegen. Lesestoff zum Beispiel. Seit Ewigkeiten stand da ein Brett. Das musste lackiert werden, weil Frau Haitel keine unterschiedlichen Farben haben wollte: weißes Schränkchen, weißes Becken, helles Holzbrett, dunkleren Spiegel (der auch noch nicht montiert ist). Das Brett ist fertig lackiert, alles gut – passt aber nicht, denn die Farbe an den Seitenflächen macht es einen oder zwei Millimeter breiter als es sein dürfte. Und es ist Sonntag – kein Tag für die Schleifmaschine. Muff.
  • Also habe ich Kleinkram erledigt. Geld ausgegeben – der Schaltungsdienst freut sich. Leckerlis für die Hunde bestellt – mal eben für 180 Euro. Ein paar Mails hin und her geschoben. Und dann aus lauter Verzweiflung ein neues Layout angefangen, obwohl ich mit einem anderen noch nicht fertig bin. Muff.
  • Und dann dieses katastrophale Formel-1-Rennen in der Toskana. Dauernd Safety-Car-Einsätze, bislang zwei Rennabbrüche. Naja. Immer noch aufregender, als wenn sich Hamilton und Bottas alleine um die Spitze streiten. (Lustig die Umfrage von RTL, ob sich Vettel für Aston Martin richtig entschieden hat; ich hätte ja die Frage gestellt, ob Vettel nicht besser seinen Führerschein abgeben sollte.)
  • Jetzt kann nur noch Herbert W. Franke den Tag retten: Auf dem Notebook arbeite ich an der Korrektur und Layoutvorbereitung für einen weiteren Sonderband, darin die bislang unveröffentlichten Storys und die Storys, die im Laufe der Zeit verstreut veröffentlicht wurden. Titel des Buches wird »Das Gutenberg-Konzil« sein und wird zusammen mit den nächsten drei regulären Titeln noch in diesem Jahr erscheinen.

Über die Auswirkungen der Unfähigkeit, das Richtige zu tun

Im Grundgesetz gibt es ein Zitiergebot. Das ist hier kein Thema, das mit Urheberrecht und dem richtigen Zitieren in ansonsten abgekupferten Doktorarbeiten zu tun hat. Im § 19 Abs. 1 Satz 2 des Grundgesetzes geht es um das Zitiergebot in Gesetzen, wenn diese ein Grundrecht aus dem Grundgesetz einschränken. In dem einschränkenden Gesetz muss das eingeschränkte Grundrecht zitiert werden. Vollständig.

2020 gab es eine Reform der Straßenverkehrsordnung (StVO). Diverse Vorschriften und deren Auswirkungen wurden verschärft, und die Idee als solche war sicherlich sinnvoll. Schlampig jedoch war die Ausführung, denn Andreas B. Scheuer (das B. steht für Bundesminister) und seine Mannen hatten offensichtlich keine Ahnung, was im Grundgesetz steht. Jedenfalls fand sich in der 2020er StVO-Novelle an keiner Stelle ein vorgeschriebenes, vollständiges Zitat der Grundgesetzelemente, die die StVO-Novelle einschränkte.

Folge: Alles ungültig. Neben der Suche nach einem Schuldigen – sitzt der nicht mehr auf dem Chefsessel? – wird nun auch wegen der rechtswidrigen Bußgelder diskutiert und – wie in Deutschland üblich – gestritten.

Und nicht nur das. Leute, die genau hingeschaut haben – die hätte es vorher gebraucht – haben festgestellt, dass aus gleichem Grund auch die Reform von 2009 und damit alle nachfolgenden Neufassungen unwirksam sind.

Was zur Folge hätte, dass wir uns heute im Straßenverkehr mit den Vorschriften der StVO von 1970 bewegen. Mit dem Handy zu telefonieren ist erlaubt, E-Scooter sind verboten (einer der wenigen positiven Punkte an diesem Problem). Kinder müssen nicht mehr angeschnallt werden – und selbst für Erwachsene gab es keine Anschnallpflicht (die kam erst 1976), nicht mal eine Ausrüstpflicht der Fahrzeuge (die kam für die Vordersitze erst für Erstzulassungen ab 01.01.1974; ab Erstzulassung 01.05.1979 waren dann alle Sitze auszurüsten). Und es gibt ganz sicher noch mehr. Ich denke da an Alkohol am Steuer. Drogenkonsum im Straßenverkehr. Und sicher noch sehr viel mehr.

1970 also. Fein. Und warum? Wenn ich feststelle, dass ich in einem Text einen Bock eingebaut habe, öffne ich das Dokument, korrigiere den Fehler, speichere neu ab und maile ihn neu, falls das so sein soll. Im Verkehrsministerium unserer Republik schafft man das offensichtlich nicht. In der Zeit, in der man über Schuld und Sühne diskutiert hat, hätte man das Gesetz längst korrigieren und neu zur Entscheidung vorlegen können, und diese hätte längst getroffen werden können.

Aber stattdessen dürfen wir unsere Schlaghosen vom Dachboden holen, die Haare und die Koteletten wachsen lassen und uns auf das nächste Album von Deep Purple freuen – 1972 kam das sensationelle »Made in Japan« heraus. Wenn ich damals glücklich gewesen wäre, 11 Jahre alt zu sein, wenn ich die Musik damals toll gefunden hätte (Deep Purple ausgenommen) und wenn ich schon mehr im Kopf gehabt hätte als Erdkunde und Legobausteine, dann würde ich die Idee vielleicht knuffig finden. So aber …

Abenteuer am Straßenrand

Am Landstraßenrand, um genau zu sein. An der L38, direkt südlich von Winnert. Jetzt haben wir’s.

Kim ist wieder fit. Sie läuft wie eine junge Göttin. Kein Humpeln mehr, keine Ermüdungserscheinungen. Sie legt sich sogar wieder richtig in die Leine, was sie lange nicht getan hat. Die richtigen Drogen machen es. Prednisolon – das von meiner Frau notorisch als Cortison bezeichnet wird, obwohl das falsch ist, nicht nur, aber auch, weil es Cortison und nicht Prednisolon heißen würde, wenn es Cortison und nicht Prednisolon wäre. Und ein Schmerzmittel. Natürlich – und hoffentlich – nicht für immer.

Jedenfalls gab’s heute mal wieder eine richtige Runde. Eine Stunde lang. Süderweg, De Beck, dann ein Feldweg, ein Stück L38, ein namenloses Verbindungsstück zum Lütt Dörp und dann eben Lütt Dörp. Eine Stunde. Das beste Mittel gegen Diabetes ist nicht Insulin, sondern meine Hunde. Nach der Stunde hatte ich einen Blutzuckerwert von 140. Das ist trotz allem und bei aller Liebe abends ein selten zu messender Wert.

Ich glaube manchmal, dass ich der einzige Depp bin, der für das Überholen eines Radfahrers auf der Landstraße die Spur wechselt. Mit Blinken und Vorausschauen und so. Und Blinken beim Einscheren. Nicht nur wegen dem einen Meter fünfzig, den die Pappnasen im Verkehrsministerium gekippt haben, weil sie in ihrer StVO-Novelle das Grundgesetz nicht ordentlich zitiert haben.

Ich bin vermutlich auch der einzige Idiot, der langsamer fährt, wenn er einem Fußgänger begegnet – nicht nur, aber vor allem dann, wenn der einen Hund mit sich führt. Das mache ich zugegebenermaßen auch, um mir den Hund – oder die Hunde, manchmal sind es ja mehrere – anzuschauen. Aber das Ergebnis zählt. Fußgänger und Hund(e) erschrecken nicht. Alles gut.

Radfahrer haben es nicht so mit dem Abstand. Gut, die StVO-Novelle mit 1,5 Meter Abstand gilt nicht. Aber vorher gab’s ja auch einen Abstand. Radfahrer können den nicht. Die fahren zwanzig, dreißig Zentimeter am Fußgänger mit seinen zwei Hunden vorbei. Und ziehen dabei noch eine Fresse, als hätte man sie irgendwie in ihren Freiheiten beschnitten.

Dass Autofahrer das umso weniger drauf haben, je mehr PS ihr ScheißUV – gibt es überhaupt noch andere Autos? Manchmal glaube ich, ich bin der letzte Honk, der eine Limousine fährt – unter der Haube hat. Bekanntermaßen ist die Zahl dieser PS umgekehrt proportional zur Ziffernfolge des Intelligenzquotienten des Fahrers und seines Reservereifens.

Das Stückchen an der L38 heute sind – wie immer – zweihundertfünfzig Meter. Eine Laufzeit auch dann, wenn ein Hund zwischendurch schnüffeln will, von nicht mehr als fünf Minuten; laut Google Maps ohne Hund drei Minuten. In diesen fünf Minuten gab es heute sechs Radfahrer, von denen fünf es nicht schafften, weiter als dreißig Zentimeter zur Seite zu fahren, fünf Pkw aus Richtung Winnert – darunter vier ScheißUVs – und vier Pkw aus Richtung Schwabstedt – überraschenderweise ohne ScheißUV – und aus Schwabstedt des Weiteren ein Lkw, der einen Radfahrer vorschriftsmäßig (nach der ungültigen StVO-Novelle) überholte und dafür mit etwa einem halben Meter Abstand an mir und den beiden Hunden vorbeidonnerte.

Es ist natürlich schön, Gelegenheiten zu haben, anderen Verkehrsteilnehmern einen schönen Tod zu wünschen. Bedauerlicherweise sind ja die Unfallzahlen in Deutschland – vor allem die mit Verkehrstoten – seit vielen Jahren notorisch rückläufig, sodass die Wahrscheinlichkeit kontinuierlich kleiner wird, dass einem der Wunsch erfüllt wird. Trotzdem sage ich: »Danke für Ihre Teilnahme am Straßenverkehr. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tod. Der nächste Vierzigtonner ist für Sie reserviert.«

Bericht vom Tage

  • Famila, Einkauf. Nichts Besonderes. Auf einmal sind wieder Krombacher-Bestände (Weizen, bleifrei) da. Musste ich gleich dezimieren. Und Ablagekörbe gab’s auch. Wenn auch nur in Quietschfarben. Ich habe vier Stück in Hellblau genommen. Irgendwie musste ich ja versuchen, dem Stapel auf meinem Schreibtisch Struktur zu verleihen.
  • Ostenfeld. Die Hauptstraße ist endlich asphaltiert. Angeblich hat das anderthalb Wochen gedauert. Wahnsinn. Leider hat man vergessen, die 30er-Schilder wegzunehmen. Und einen Lehrer, der mit 28 km/h vor dir herzockelt, gibt’s ja immer. Heute im ScheißUV mit Anhänger, also nur mit 26 km/h.
  • Beim Arzt rein, Insulinrezept geholt, und raus. Zwei Minuten. So mag ich das. Der Alte mit seinem ScheißUV war immer noch beim Einparken, als ich wieder rauskam.
  • Offensichtlich war von der Hauptstraße noch Asphalt übrig, weshalb man begonnen hat, in Ostenfeld auch die Parkplätze zu asphaltieren. Vor der Apotheke zum Beispiel. Dass da vielleicht jemand rein muss, um sich sein Insulin zu holen … wozu so weit im Voraus denken, wenn die Dummheit liegt so nah.
  • Und dann überfährt so eine ScheißUV-Fahrersau ein Eichhörnchen. Das Tier war deutlich erkennbar. Es hätte gereicht, einmal vom ScheißUV-Gas zu gehen. Aber nein: Dafür hat man sich so eine Scheißkarre ja nicht angeschafft. Ganz im Gegenteil. – Das Tier war Matsch, da hätte kein Tierarzt mehr geholfen. – Und eine Anzeige bringt’s auch nicht. So eine Art von Tiermord fällt unter »Wildschaden«. – Ich wünsche einen schönen Tod. So einen Vierzigtonner, der nicht bremst.
  • Im SF-Netzwerk – hier – wird NOVA 29 demontiert. Keine weiblichen Schriftsteller, sexistisches Titelbild, Arsch auf dem Buchrücken. Leute, die keine Probleme haben, kaufen sich welche. NOVA 29 zum Beispiel.
  • Der QUARBER MERKUR 121 ist noch nicht fertig. Fast. Aber noch nicht ganz. – Heute habe ich eine Reihe von Korrekturen durchgearbeitet. Die unvermeidlichen kyrillischen Originaltitel in Literaturhinweisen und Fußnoten wollten ordentliche Trennungen. Thomas Franke hat geholfen, aber nur stückchenweise. Von Franz Rottensteiner kam auch etwas, er hatte jemanden mit Russischkenntnissen um Unterstützung gebeten (ich weiß auch, wer es war; ich erkenne es, wenn sich jemand nicht auf sein eigenes Können konzentriert, sondern mir ständig Vorschriften machen will, wie mein Layout auszusehen hat [und dann stinkig ist, wenn ich Widerworte habe]). – Darüber hinaus war im Artikel von Michael Weisser einiges im Argen. Franz hatte eine Liste geschickt, die scheint mir jedoch nicht vollständig (gewesen zu sein). Jedenfalls werde ich mir morgen das weissersche Elaborat greifen und auf Konformität mit den QUARBER-MERKUR-Standards überprüfen. Und korrigieren.