Beeindruckend

Nicht nur die Frau ist beeindruckend, sondern auch das, was sie über ihren Assistenzhund Tajo erzählt.

https://www.ardmediathek.de/video/ndr-talk-show/sitzvolleyballerin-und-amtsanwaeltin-inga-orlowski/ndr-fernsehen/Y3JpZDovL25kci5kZS9jNGJkNGY3NC1kMDJmLTQ1YWEtYWY0Yi1jODNlMTUyMGU5ZDA/


Edit 11.04.2022: Danke, ARD, danke für den neuerlichen Beweis, dass eure Mediathek vergesslicher ist als das Internet. Immerhin kann man die ganze betreffende NDR-Talkshow bei Youtube finden. Und die Inga Orlowski mit ihrem Assistenzhund ab Minute 29:07.

NDR Talk Show vom 09.04.2021 Ulrike Folkerts, Peter Schilling, Albrecht Mayer, Jan Gregor Kremp, Joh

Sturer Haufen und Hut

Der Bayerische Rundfunk ist aus vielen Jahren und Jahrzehnten bekannt für ein Verhalten, das man schon mal als zensorisch bezeichnen konnte. Ich erinnere mich daran, dass zwei, drei Titel von Frank Zappa gekürzt wurden, wenn sie über den Äther kamen. Oder TV-Sendungen, die im ARD-Sendegebiet des BR nicht übertragen wurden, weil sie den BR-Oberen nicht gefielen. Aber die Sturheit des BR kann auch positive Auswirkungen haben, so positiv, dass ich davor glatt meinen Hut ziehe. Was ich meine? Das steht hier.

Keine Solidarität mit meinen Worten

Deutschland erregt sich. Über alles Mögliche, das ein Kleingeist nicht verarbeiten kann. Auch über Satire. Und Blackfacing. Der Tagesspiegel jedenfalls füttert den deutschen Kleingeist mit seinen eigenen Befürchtungen: hier.
Es ist wohl typisch für linke Blätter, sich auf eine Thematik in dieser Form zu stürzen, und dabei so ganz nebenbei die Frage danach eben nicht zuzulassen, wie es denn mit dem „Whitefacing“ zum Beispiel im Voodookult aussieht. Ach ja, hier zieht ja die Religionsfreiheit, die freilich auch in Zeiten der Ausübung religiös argumentierter Gewalt ein höheres Gut ist als die Freiheit der Kunst.

Dass die Lage in Deutschland auch ganz andere Aspekte hat und konkrete Befürchtungen zulässt, weiß das Redaktionsnetzwerk Deutschland: hier.
Am Ende der Entwicklung wird ein verbaler und argumentativer Kampf »Jeder gegen jeden« stehen, der gar nicht ausgetragen werden kann, weil niemand mehr sagen darf, was er zu sagen hat, denn er ist für das Thema nie die richtige Person. Es sind ständige Schläge gegen die Solidarität in der Gesellschaft, und am Ende gibt es Solidarität nicht mehr — ist vielleicht selbst Opfer der »Streichidioten« (mein Deutsch für fanatische und gedankenlose Anhänger der undeutsch benannten »Cancel Culture«) geworden –, weil ich mich mit niemandem mehr solidarisieren kann, ohne die falsche Person für welches Thema auch immer zu sein.

Malta: Kleiner Film, eher enttäuschend

Auf ARTE läuft heute nachmittag um 17.50 der Film »Malta – Kleines Land ganz groß«. Es handelt sich um einen Teil einer fünfteiligen Dokumentationsreihe – und ich habe mir den knapp dreiviertelstündigen Film schon in der ARTE-Mediathek angeschaut.

Und bin enttäuscht.

https://www.arte.tv/de/videos/092103-003-A/malta-kleines-land-ganz-gross/

Als Malta-Fan mit (nur!) fünf Aufenthalten dort (ich kenne jemanden, der deutlich öfter dort war … Neid! Nicht wahr, Anke? :) habe ich natürlich bei solchen Filmbeiträgen meine Erwartungen. Aber ich erwarte Besonderes, Dinge, die ich noch nicht kenne, die besonderen Kleinigkeiten, die dem Malta-Fan jenseits des Pauschaltourismus das Bild des geliebten Inselarchipels abrunden und zum Leuchten bringen.

Indes ist der Grundtenor dieses Beitrages eher negativ. Es geht vor allem um Tierarten, die auf Malta – und möglicherweise nur dort – leben. Gut, die im Volksmund Lampuki genannte Goldmakrele ist natürlich keine rein maltesische Fischart, wenn sie auf Malta auch als Nationalgericht geführt wird. Problematisch fand ich den Herrn, der mehrfach nach kleinen Tieren grapschte und sie in seinen Fingern zappeln ließ; vor allem die winzigkleine Maus, die keine Maus, sondern eigentlich ein (Verwandter des) Igel(s) ist. Vernünftige Filmaufnahmen hätten hier sicherlich auch ihren Zweck erreicht.

Aber der Grundtenor waren Aussagen über all das, was verloren gegangen ist: die Landbrücke zwischen Italien und Afrika (nach deren Untergang Malta übrig geblieben ist), viele Tierarten (und das Chamäleon wird dann als Einwanderer von Afrika geoutet), die Natur (dank Städtebau, Straßenbau, vierhundertzwanzigtausend Autos und einer halben Million Einwohner) … Ich habe dann irgendwann nicht mehr zugehört, denn Natur- und Tierschutz in allen Ehren: Malta ist von Haus aus eine ziemlich dämliche Wahl, hier Notwendigkeiten zu propagieren. Denn was, bitte, sollen die Malteser denn machen – ins Wasser gehen?

Ärgerlich auch die schlampige Recherche. Mdina, die alte Hauptstadt des Johanniter Ritterordens, ist natürlich nicht die »Citta nobiltà« (gesprochen »nobilita«), sondern die »Citta notabile«, also nicht die »edle«, sondern die »bemerkenswerte Stadt«, ein Ehrentitel, den Mdina nach einem erfolgreich abgewehrten Hafsiden-Angriff 1422 erhielt. Was ohne weitere Recherche zu bezweifeln ist, denn die italienische Sprache kam erst durch die Johanniter auf die Inseln, und die ließen sich erst 1530 dort nieder.

Und auch der vielfältig kolportierte Blödsinn, Malta sei laut UN das wasserärmste Land der Welt, wird einmal mehr wiederholt. Aber es gibt Storys, die sind nicht auszurotten: Noch heute gibt es Menschen, die glauben allen Ernstes, es wäre auf ganz Malta nur eine Ampelanlage …

Edit 02.08.2021: Die arte-Mediathek führt den Film nicht mehr; der neue Link bei dailymotion.com wird mit Werbung gestartet. Aber immerhin …

Sprachschatz

Weltweit sterben nicht nur Tierarten aus – auch Sprachen sind unter Druck. Aus den unterschiedlichsten Gründen werden Minderheitssprachen und Dialekte unterdrückt, die Menschen, die es sprechen, sterben aus – und damit auch die Sprachen. Englisch plättet mit Anglizismen oder gleich als Amtssprache die lokale Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten. Das Ende naht …

Aber nicht gleich. Ich erinnere mich als ehemaliger Seher des DRS – das ist das Fernsehen der deutschen und rätoromanischen Schweiz – an die Quotensendungen fürs Rätoromanische (solche es auch im Radio gibt), bei denen mich eine mitten in Europa angesiedelte Sprache faszinierte, die zuerst völlig fremdartig klang und dann nach und nach neben den ganz eigenen Vokabeln die deutschen, italienischen und französischen Einflüsse offenlegte.

Das Lëtzebuergesch ist auch so eine ausgefallen klingende Sprache. Ich fand die Idee immer amüsant, dass diese Sprache, in Luxemburg gesprochen, der erfolglose Versuch eines Kölners sei, Französisch zu sprechen. Und nun hat ausgerechnet »der Streaminganbieter Netflix ein kleines, aber wichtiges sprachliches Zeichen gesetzt: Die Krimiserie ›Capitani‹, die von RTL gedreht und dann an Netflix gegeben wurde, ist nicht in den deutlich gängigeren europäischen Sprachen Französisch oder Deutsch entstanden, sondern auf Lëtzebuergesch, also Luxemburgisch, der Nationalsprache und einer der drei Amtssprachen des Landes. Obwohl es von rund der Hälfte der Bevölkerung gesprochen wird, fristet es immer noch ein Schattendasein. Gesetzestexte werden bis heute nicht auf Luxemburgisch verfasst, es ist auch keine Amtssprache der Europäischen Union. Umso erfreulicher, dass der Streamingriese Netflix sich hier dazu entschieden hat, das Original einer Serie in einer Sprache anzubieten, die eher ungewöhnlich für Ohren der EU-Bürger klingt. Da das Luxemburgische eine moselfränkische Form des Westmitteldeutschen ist, kann es sein, dass man es zumindest in Teilen versteht. Wer sein Gehör und Sprachverständnis testen will, kann bei den Netflix-Spracheinstellungen ins Luxemburgische wechseln.«

Ich kann übrigens aus eigenen Hörerfahrungen bestätigen, dass es für einen Normaldeutschen durchaus einfacher ist, Lëtzebuergesch zu verstehen, als dies beim Rätoromanischen gelingen dürfte. Vielleicht drehen die Rätoromanen ja auch einmal eine Serie in ihrer Sprache …

Quellen: VDS-Infobrief 27.02.2021, serienjunkies.de

HLF

Gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zufolge hat der Intendant des HLF (Horst-Lichter-Fernsehen) in der Nachfolge des ZDF entschieden, die die »Bares für Rares«-Sendungen unterbrechenden Nachrichten des ehemaligen »heute«-Formats (inzwischen als »lecker« und »lecker journal« bekannt) ebenfalls von Horst Lichter lesen zu lassen. Damit möchte man einerseits Kosten sparen, andererseits dem Publikum allzu große Schwierigkeiten bei ungewohnten Personalwechseln vor der Kamera ersparen.

Wie es indes mit HLFneo weitergehen wird, ist nach wie vor unklar, nachdem prominente Stimmen Kritik daran laut werden ließen, dass die die »Bares für Rares«-Sendungen unterbrechenden Altserien trotz ihres Alters zu wenig Bezug zu den TV-Angeboten alten Krams an Falschgeld verteilende Pseudoauktionatoren aufweisen würden.

So kann man sich täuschen

Bei manchen Filmen frage ich mich, wie sie auf meine Leihliste bei Videobuster geraten sind. So auch bei »The Pirates of Somalia«. Gut, Al Pacino und Melanie Griffith sind große Namen, aber beide gehören nicht auf meine Favoritenliste; und sie besetzen auch nur Nebenrollen. Ich vermute eher, dass »Somalia« das Stichwort war, auf das ich quasi hereingefallen bin. Denn die vermutliche Annahme einer irgendwie gearteten thematischen oder stilistischen Verbindung zu »Black Hawk Down«, einem meiner All-time-Favourites, ist wohl naheliegender. (Und könnte falscher nicht sein; auch wenn der Film in den »Pirates« sogar erwähnt wird.)

Jay Bahadur, Kanadier, möchte Journalist oder Schriftsteller oder beides werden, ist jedoch an seinem beruflichen Anfang nicht sehr erfolgreich. Schließlich geht er nach Somalia, um dort Kontakt zu den sogenannten Piraten aufzunehmen, herauszufinden, wer diese Menschen sind, wie sie leben, was sie tun – und warum sie es tun.

Somalia gilt auch heute noch – nicht zuletzt dank solcher Filme wie ausgerechnet »Black Hawk Down« (ich mag den Film trotzdem noch) – als Pfuhl des Bösen, die Piraten kapern wahllos Schiffe, töten Menschen, das ganze Programm. Dass es inzwischen längst eine demokratisch gewählte Regierung gibt, ist weitgehend unbekannt; dass die al-Shabaab-Miliz immer noch ein Machtfaktor ist, wird von den Medien höher und kritischer bewertet. Die Gründe für die sogenannten Piraten, Schiffe zu kapern und Lösegeld zu verlangen, sind durchaus naheliegend: Fremde Nationen – allen voran die Chinesen – haben die somalischen Fischgründe längst leergefischt und den Somaliern ist nichts geblieben, um zu überleben. Längst gibt es keinen Thunfisch mehr aus Somalia, einst der Hauptexportartikel des Landes. Und dass bei den Piratenüberfällen Menschen sterben, ist wohl letztlich dem – durchaus logischen – Wunsch der Überfallenen zuzuschreiben, sich zu wehren – und dabei durchaus nicht zimperlich zu sein.

Bahadurs Tage in Somalia sind abwechslungsreich, aber nicht wirklich gewalterfüllt. Der Kontakt zu den sogenannten Piraten gelingt, aber was er in die Heimat übermittelt, trifft auf taube Ohren – seine Kontaktperson dort macht ihm keine Hoffnungen. Und dennoch bleibt er bis zu dem Punkt, an dem es sinnvoll ist, Somalia zu verlassen.

Als er nach Hause kommt, erwartet ihn eine Überraschung. Und am Ende gilt er als Fachmann für die sogenannten Piraten in Somalia, und seine letzten Worte sind nichts anderes als eine Liebeserklärung an Somalia, wie es der ganze Film als solcher auch ist, wenn man es genau nimmt.

»Black Hawk Down« wird als das Paradebeispiel dafür erwähnt, was an falschen Informationen und Eindrücken über Somalia im Westen vermittelt wird. Eine der bemerkenswertesten Aussagen einer Somali ist, dass in dem ganzen Film nicht ein einziger Somali mitgespielt hat …

Wie auch immer: Der Film ist nicht nur wegen der Darstellung ganz anderer Somalier eine Bereicherung. Er ist angenehm ruhig gespielt, die Gewalt beschränkt sich auf comichaft dargestellte (Alb-) Traumszenen Bahadurs, und Evan Peters, der Darsteller Bahadurs, erinnert nicht nur optisch – im Laufe des Films wächst ihm ein wilder Vollbart –, sondern auch von seiner Spielweise her mehr als deutlich an Leonardo di Caprio.

Wenn ich für diesen Film fünf Sterne vergeben müsste, würde ich das tun.

Vier Filme

An manchen Tagen geht mir das normale TV-Programm auf den Keks. Meine bevorzugten Sender – NITRO, ZDFneo, ONE, eventuell noch SIXX, auch der NDR – liefern manchmal ein Programm, das ich nicht mag. Das passiert nicht nur, aber vor allem am Wochenende. Ich schrieb hier schon davon. Dann gönne ich mir einfach Filme aus meiner Sammlung. Zum Beispiel:

30 Grad unter Null
(Centigrade, https://www.imdb.com/title/tt8945942)
Ein Kammerspiel, wenn man es genau nimmt. Ein Pärchen ist in einem Auto irgendwo in Norwegen eingeschneit. Sie ist schwanger. Er ist der Depp, der nicht weiterfahren wollte. Nun sitzen sie da, eingeschneit, das Auto lässt sich nicht öffnen. Tagelang sitzen sie dort. Es gibt Notwendigkeiten und Nöte, es gibt die typischen Konflikte eines Paares in einer solchen Extremsituation. Das Baby wird geboren, der Mann stirbt. Und zum Schluss kann die Frau sich und ihr Neugeborenes befreien und findet Hilfe.
Die Atmosphäre kann die Situation, in der sich die beiden befinden, nicht adäquat wiedergeben, der Film bleibt flach und anspruchslos. Und dazu kommt noch, dass er über lange Strecken so kontrastarm ist, dass man ihn besser im Dunkeln anschauen sollte. Wenn überhaupt.

A Quiet Place
(https://www.imdb.com/title/tt6644200)
Eine postapokalyptische Welt, in der die Menschen mit Monstern konfrontiert sind, die extrem gut hören und auf Geräusche reagieren, um zu töten, was sie hören. Eine Familie … Ein Junge geht verloren, weil er nicht auf seinen Vater hört und sein Spielzeug Geräusche macht, die die Monster anlocken – und die sind schnell. Es gibt die typischen Probleme einer Familie mit einer pubertierenden Tochter – die noch dazu taubstumm ist – und einem ängstlichen Jungen, und natürlich spielen die Monster mehr und mehr eine nicht ganz unblutige Rolle.
Abgesehen vom SF-Hintergrund und den Horrorelementen der Monster handelt es sich um einen durchaus solide gemachten Actionthriller, der manchmal das eine oder andere Klischee drückt, andererseits aber durchgehend spannend bleibt. Und die Auflösung der Frage, welche Schwachstelle die Monster haben, ist absolut gelungen. Kann man sich anschauen, ist jedenfalls keine Zeitverschwendung.

Code 8
(https://www.imdb.com/title/tt6259380)
Auch dieser Film ist ein Actionthriller mit SF-Hintergrund, gewürzt mit einer Prise Drama: Die Menschheit besteht nicht nur aus normalen Menschen, sondern auch aus solchen mit besonderen Kräften. Bei den X-Men würde man sie Mutanten nennen. Früher wurden sie gebraucht, dann von den Maschinen verdrängt und zur Handlungszeit des Films sind sie nicht nur überflüssig, sondern im Grunde als Kriminelle eingestuft und verfolgt.
Die Mutter des Protagonisten gehört zu den Menschen mit besonderen Kräften, ihr Sohn auch. Sie ist krank, wird sterben, und ihr Sohn möchte ihr helfen, möchte ihre Heilung bewirken. Dazu begibt er sich auf die schiefe Bahn, aber all seine Bemühungen gehen letztendlich schief. Und die Heilerin, die er aus den Fängen eines Verbrechers befreit hat, kann seiner Mutter nicht helfen, denn die Verletzungen und Krankheiten, die sie heilt, überträgt sie auf sich selbst.

Coma
(Koma, https://www.imdb.com/title/tt6087226)
Ein Architekt, von der Welt missverstanden, erleidet einen Unfall und findet sich in einer Welt wieder, die durch die Erinnerungen von Komapatienten entsteht und existiert. Die Welt, die streckenweise stark an »Inception« erinnert, hat ihre eigenen Gesetze und ihre eigenen Probleme. Erst in dieser Welt kann der Architekt sein Traumprojekt einer futuristischen Stadt realisieren. Aber an der Komawelt ist etwas falsch …
Es ist längst üblich, dass sich russische Filme fantastischen Einschlags nicht mehr hinter amerikanischen oder britischen Produktionen verstecken müssen. Was geblieben ist, ist immer noch ein deutlich erkennbarer philosophischer Hauch von Nachdenklichkeit, den schon die Filme Andrej Tarkovskys auszeichneten. Von den vier Filmen des Tages war dieser zwar nicht der beste, aber der von der Optik her schönste.