Wachsende Komplexität

Phil Rickman
DIE NACHT DER JÄGERIN
(The Prayer of the Night Shepherd, 2004)
Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, April 2011, a. d. Engl.: Karolina Fell, Taschenbuch, 603 Seiten, ISBN 978 3 499 25335 5

VORBEMERKUNG
Manchmal denke ich, dass die Watkins-Romane von Mal zu Mal komplexer werden. Und gerne ziele ich ja immer darauf ab, wie sehr die Bücher an Filme erinnern. Aus der »Nacht der Jägerin« hätte man locker einen Dreiteiler drehen können …

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Das Kopfecho vom K. K.

Was ich mit K. K. als Autor anfangen soll, weiß ich nicht wirklich. Der Mann lebt in der Schweiz und ist offensichtlich ein Multitalent. Aber er ist – komisch? geheimnisvoll? seltsam? Keine Ahnung. Er ist vor allem überraschend unkompliziert. Obwohl er während der Produktion des Buches immer wieder – und nicht wenige – eigene Ideen einbrachte, hat er sich nie wirklich darüber beschwert, dass ich sehr viele seiner Ideen nicht realisieren wollte, weil sie der »Corporate Identity« der Bücher von p.machinery widersprachen, weil sie mir subjektiv nicht gefielen, warum auch immer. Er war bei diesem ersten Buch – ich fürchte (und hoffe!), es folgen weitere – immer konstruktiv, innovativ, er war durchaus fleißig, was die Beteiligung an der Fertigstellung des Buches anging, er war –
Keine Ahnung. Ich kenne den Namen hinter »K. K.« – und werde ihn natürlich nicht verraten, das ist so in meinem Verlag. Er ist auch nach dem Kontakt im Rahmen der Produktion dieses Buches immer noch geheimnisvoll. Ich finde das okay. Ich kann als Korrektor, Lektor, Druckvorlagenmacker und Verlegerlein auch mal meinen kleinen Thrill gebrauchen. Der steht mir zu.
Das Buch selbst ist vorrangig ein Thriller. Ein Krimi. Und es gibt ein kleines fantastisches Element, das aber für eine Berücksichtigung im Bereich der klassischen fantastischen Literatur kaum ausreichen wird. Mir war das egal. Nachdem ich das Schweizerdeutsch des Autors korrigiert hatte – wir 0815-Deutschen wissen vermutlich meist gar nicht wirklich, wie anders die Schweizer das Deutsche verwenden –, hatte ich ein Buch, das mir gefiel. Und deshalb:

K. K.
WIE EIN ECHO IN MEINEM KOPF
Action, Thriller, Mystery 6
p.machinery, Murnau, Mai 2015, 124 Seiten, Taschenbuch
ISBN 978 3 95765 031 3 – EUR 6,90 (DE)

Der Bruder vom Beisswenger

Ich weiß gar nicht mehr, wie ich an Kai Beisswenger und seinen Roman geraten bin. Man bekommt so viele E-Mails, hat so viele Facebook-Kontakte … irgendwann spielt es einfach keine Rolle mehr.
Kai hat mir seinen Roman angeboten, aus irgendeinem Grund habe ich ihn abgespeichert und gesagt: »Schaue ich mir an«. Das ist so eine Aussage, in der auch ein »…, dauert aber« enthalten ist. Und so war es auch.
Als ich das Buch dann las, war ich in mehrerlei Hinsicht überrascht. Das Ganze ist durchaus eine SF-lastige Geschichte, es geht um Paralleluniversen, um das Leben von Menschen des einen Universums in einem anderen, eigentlich also eine uralte Kamelle, die so oder so oder anders von vielen SF-Autoren schon beschrieben wurde.
Kais Werk fällt insofern ein wenig anders aus, als dass sich viel Lokalkolorit findet. Sehr unterschiedlicher Lokalkolorit. Menschen, die in Frankfurt geboren sind, dort leben, sich dort wohlfühlen, kommen ebenso auf ihre Kosten, wie ich als gebürtiger Düsseldorfer (Kai lebt in der Nähe von Düsseldorf und arbeitet in dieser mondänsten Stadt Deutschlands). Fußballfans kann dieses Buch wärmstens empfohlen werden, vor allem solchen, die sich historisch bewandert fühlen, was deutschen Fußball angeht – obwohl das Buch alles ist, nur kein Fußballbuch.
Die Geschichte selbst ist sehr schräg. Sie würde sich für eine Verfilmung eignen. Irgendwann fielen mir Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu – die ja schon das eine oder andere Mal zusammen gefilmt haben – als mögliche Topbesetzung für eine Verfilmung ein, und bis zuletzt ist mir der Gedanke nicht aus dem Kopf gegangen (sic!).
»Der verlorene Bruder« heißt als E-Book »Nichts ist besser als das Leben«, ein Titel, der mir nicht passend schien. Kai war mit einer Änderung einverstanden, und auf der Verlagsbuchseite wird auf das E-Book und dessen Titel hingewiesen.

Kai Beisswenger
DER VERLORENE BRUDER
Action, Thriller, Mystery 5
p.machinery, Murnau, Mai 2015, 140 Seiten, Taschenbuch
ISBN 978 3 95765 030 6 – EUR 7,90 (DE)

Das Kino vom Kiefer

Peter Kiefer gehört seit »Treibgut« zu meinem Verlag, ein Buch aus der Reihe »ErlebnisWelten«, eine Mischung aus Reiseerinnerungen zahlreicher Reisen quer durch die Welt, zahlreichen Bildern, das erste Buch, das ich nach dem Weggang von Books on Demand in dem opulenten 210×210-Format (Softcover; die Hardcover haben 216×216 mm) beim Schaltungsdienst Lange produziert habe. Das Layout des Covers war indirekt auch die Vorlage für die Bücher von Die|QR|Edition – weil es mir gefällt. (Und es ist eben mein Verlag, weshalb dort gemacht wird, was mir gefällt.)
Dass Doktor Kiefer – ich weiß lustigerweise gar nicht, was für einen Doktortitel er trägt – auch literarisch aktiv ist, hat mich ein wenig überrascht, gleichzeitig aber auch erfreut. Sein »Treibgut« war schon gut geschrieben, und sein »Kleines Kino« hat mir sehr gefallen. Literarische Juwelen zu benennen steht mir als Klein(st)verleger nicht zu, aber ich hatte mehr als einmal ein Blinken im Auge, als ich das Manuskript las (was für mich als Korrektor, Lektor und Druckvorlagenproduzent in Personalunion ja mehr als einmal vorkommt).
Peter Kiefer hat den Roman als »Slapstick« eingestuft, was für meine Verlagsveröffentlichung insofern problematisch war, als dass dieser Begriff der »situativen Komik« heutzutage durch dumm-amerikanische Soaps und Under-Gürtellinien-Filme längst zu einer genretechnischen Beleidigung verkommen ist und von niemandem, den man vielleicht ernsthaft ansprechen möchte, noch als das wahrgenommen und erkannt wird, was es ist: »situative Komik«. Kiefers Buch ist nicht albern, sondern durchaus ernsthaft, aber wir wissen nicht erst seit Buster Keaton und Woody Allen, dass Komik nicht albern ist, sondern durchaus einer gewissen Ernsthaftigkeit auf beiden Seiten – dem Präsentator und dem Betrachter – bedarf. Wie auch immer …
Der Markt wird entscheiden, wie gut dieses Buch läuft. Ich bin mir bewusst, dass ich einen winzigen Verlag habe, der vor allem mit seinen Nicht-SF-Reihen noch winziger ist, als ich mir das wünschen sollte. Aber ich bin notfalls auch mein eigener Fan, wenn sonst keiner mitziehen mag.

Peter Kiefer
KLEINES KINO
Action, Thriller, Mystery 4
p.machinery, Murnau, Mai 2015, 120 Seiten, Taschenbuch
ISBN 978 3 95765 029 0 – EUR 6,90 (DE)

Schlag die Vier

Vier auf einmal sind es natürlich nicht, denn klarerweise sind die Bücher nacheinander entstanden und fertiggestellt worden. Aber diese vier Bücher sind in diesen Tagen in kurzer Abfolge in meinem Verlag p.machinery erschienen:

Und das Ganze war ein … hm, anstrengender? interessanter? witziger Mix aus verschiedenen Büchern, die unterschiedlich lange schon auf meinem Server lagerten (der Beisswenger hat, glaube ich, das größte Opfer gebracht), aus sehr unterschiedlichen Büchern, die auch bei mir als Korrektor, Lektor, Druckvorlagenmacher und Verleger sehr unterschiedliche Aspekte meiner Leseleidenschaften angesprochen haben.
Auf der Verlagsseite erscheinen in den folgenden vier Tagen die offiziellen Infos zu den Büchern; wer sich hier für die Bücher direkt und ohne Geschwafel interessiert, der klicke einfach auf die Cover oben und landet direkt auf den Buchseiten auf der Verlagswebsite – incl. Amazon-Bestelllink. Wer noch ein wenig zusätzliche Informationen zu den Büchern lesen möchte – aus meiner Feder, die ich mir als Verleger nur privat erlauben kann, der schaue in den nächsten vier Tagen immer wieder mal hier vorbei.

Himmel und Hölle

Phil Rickman
DER HIMMEL ÜBER DEM BÖSEN
(The Lamp of the Wicked, 2003)
Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2011, Übers. a. d. Engl.: Karolina Fell, Nicole Seifert, Taschenbuch, 687 Seiten, ISBN 978 3 499 25334 8

VORBEMERKUNG
Ich habe lange keinen Rickman gelesen, und als ich letztens die Wahl zwischen einem der genialen Werke aus dem Ancient Mail Verlag, Groß-Gerau, und einer schon ein wenig angejahrten Rickman-Schwarte, fiel die Entscheidung dann doch nicht schwer.

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Intelligenz. Titelwahl. Nähe. Nicht in diesem Buch

Anonymus
PSYCHOKILLER
(The Red Mohawk, 2013)
Lübbe Paperback, Bastei Lübbe, Köln, 2015, Übers. a. d. Engl.: Thomas Schichtel, Paperback mit Klappenbroschur, 335 Seiten, ISBN 978 3 7857 6106 9

VORBEMERKUNG
Der Titel, den ich oben angebe, mithin »PSYCHOKILLER«, ist nicht der Titel des Buches. Glaubt man dem Buch, lautet der Titel »PSYCHO Killer« oder »PSYCHO KILLER«, jedenfalls in zwei Worten, wahlweise ein- oder zweizeilig gesetzt. Es gehört zu den heute üblichen Dummheiten vor allem auch großer, angeblich renommierter Verlage – wo haben die heute noch ihr Renommee her? –, bei der Titelwahl von Büchern oft genug die blödmöglichste Auswahl zu treffen. Psychokiller ist für mich ein Begriff, der mich an Hitchcock, »Psycho«, an hintertückische, gemeine, fiese Mörder erinnert, die auf perfide Art und Weise töten. »Psychokiller« ist für mich auch ein Wort, das man in einem Stück schreibt, ohne Versalien, ohne Mehrzeilenquatsch, ohne Gedöns und Brimborium. Aber das können heutzutage keine renommierten Verlage – ohne erkennbares Renommee – mehr. Vermutlich, weil da die zuständigen Leute auch nur noch nicht-bezahlte Praktikanten sind.
Pack!

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Unverständlich

David Mitchell
DER WOLKENATLAS
(Cloud Atlas, 2004)
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, Sonderausgabe November 2012 (»Das Buch zum Film ›Cloud Atlas‹«), aus dem Englischen: Volker Oldenburg, Taschenbuch, 668 Seiten, ISBN 978 3 499 24141 3

VORBEMERKUNG
Ich habe den Film gesehen. Zwei Mal. Und ich habe ihn nicht verstanden. Ich habe nun auch das Buch gelesen. Und ich glaube, ich habe auch das Buch nicht verstanden.
(Noch ein Hinweis: Es ist nicht auszuschließen, dass in dieser Besprechung gespoilert wird. Wer den Film noch nicht kennt oder das Buch noch lesen möchte, sollte diese Besprechung vielleicht nicht lesen.)

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Zwiespältige Qualität für die Jugend

Cristin Terrill
ZEITSPLITTER
(All our Yesterdays, 2013)
Bastei Lübbe, Köln, 2014, Umschlag: Sandra Taufer, Übers. a. d. amer. Englisch: Barbara Imgrund, Hardcover mit Schutzumschlag, 332 Seiten, ISBN 978 3 414 82390 8

VORBEMERKUNG
Nach der Verzweiflung hervorrufenden Lektüre von Falkes »Bran« diente dieses Buch der Entspannung, war ein Versuch, in reguläres Lesen zurückzufinden. Gelungen ist es nur zum Teil.

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