Intelligenz. Titelwahl. Nähe. Nicht in diesem Buch

Anonymus
PSYCHOKILLER
(The Red Mohawk, 2013)
Lübbe Paperback, Bastei Lübbe, Köln, 2015, Übers. a. d. Engl.: Thomas Schichtel, Paperback mit Klappenbroschur, 335 Seiten, ISBN 978 3 7857 6106 9

VORBEMERKUNG
Der Titel, den ich oben angebe, mithin »PSYCHOKILLER«, ist nicht der Titel des Buches. Glaubt man dem Buch, lautet der Titel »PSYCHO Killer« oder »PSYCHO KILLER«, jedenfalls in zwei Worten, wahlweise ein- oder zweizeilig gesetzt. Es gehört zu den heute üblichen Dummheiten vor allem auch großer, angeblich renommierter Verlage – wo haben die heute noch ihr Renommee her? –, bei der Titelwahl von Büchern oft genug die blödmöglichste Auswahl zu treffen. Psychokiller ist für mich ein Begriff, der mich an Hitchcock, »Psycho«, an hintertückische, gemeine, fiese Mörder erinnert, die auf perfide Art und Weise töten. »Psychokiller« ist für mich auch ein Wort, das man in einem Stück schreibt, ohne Versalien, ohne Mehrzeilenquatsch, ohne Gedöns und Brimborium. Aber das können heutzutage keine renommierten Verlage – ohne erkennbares Renommee – mehr. Vermutlich, weil da die zuständigen Leute auch nur noch nicht-bezahlte Praktikanten sind.
Pack!

Warum man den Roman nicht einfach »Der rote Irokese« benannt hat, wie es der Originaltitel ebenso wie die Bezeichnung für eine der Hauptpersonen nahelegt, weiß ich nicht. Ich kann nur vermuten, dass da irgendeinem Verlagsheini der Arsch auf Grundeis ging, weil er vermutete, man könnte das Buch für irgendeinen Fantasy-X-Teiler oder irgendeinen Ethnoscheiß halten, Weicheier, wie diese Verlagsheinis heutzutage sind.
Naja.

Immerhin hat der Buchrückseitentext nicht gelogen: »Wärme. Weisheit. Liebe. Nicht in diesem Buch …«

WORUM GEHT ES?
Irgendein reicher Sack aus der Filmbranche kauft sich einen Ort und benennt ihn in »B-Movie-Hell« um (mit Bindestrichen nur auf der Buchrückseite, ansonsten bindestrichfrei – wie es sich für Verlage gehört, die Ahnung von der deutschen Schriftsprache haben). Alles gehört ihm, alle arbeiten für ihn, alles bingobongo.
Dann kommt ein böser Bube, der schon angedeutete rote Irokese (im Buch immer hübsch als »der Rote Irokese« bezeichnet, ohne dass erklärt wird, warum »rot« und »Rot« einen Unterschied machen), und fängt an, Leute zu massakrieren.
In Washington oder so gibt es einen CIA-NSA-FBI-DEA-Trallala-Mufti, der einen Exagenten reaktiviert, der sich um das Thema kümmern soll. Macht er auch. Mit einer Partnerin. Und das Ende der Geschichte ist zwar naheliegend – ja, man kommt durchaus vor der eigentlichen Schilderung drauf –, aber doch recht gewitzt.

WAS GEFIEL?
Der Schreibstil ist locker, fluffig, schnell, spannend, er lässt wenig zu wünschen übrig, liest sich gut bis hervorragend, es passt alles.
Der Buchrückseitentext lügt ausnahmsweise nicht. (Vermutlich hat der Autor ihn selbst verfasst; Verlagsvertreterpraktikantenfuzzis können ja in der Regel gar nicht lesen.)
Es geht ordentlich zur Sache.
Es haben auch Figuren zu leiden, die in anderen Szenarien auf mehr oder minder überflüssige Weise vom Autor »gerettet« werden (müssen).
Die Geschichte ist nicht kompliziert, nicht schwierig, die Spannungskurve passt sehr gut, das Ende ist einwandfrei, wie gesagt, nicht wenig naheliegend, aber doch … naja: passend.
Es gibt kein Nachwort und keine peinliche Dankesworte-ich-schleim-euch-alle-voll-Sammlung.

WAS GEFIEL NICHT?
Das Ding mit dem Titel.
Das blöde Gedöns mit dem Autor.

ZITAT GEFÄLLIG?
Nö.

ZU EMPFEHLEN?
Wer auf Actionliteratur steht, wo es einfach zur Sache geht, ohne dass die eigenen Gehirnwindungen Verrenkungen veranstalten müssen, ist hier bestens bedient. Es ist – so würde ich es nennen: – »anspruchsvolle Unterhaltungsliteratur«, also nicht seichtes, unteres Ende, sondern schon was, was einen packt, aber ansonsten eben Unterhaltungsliteratur.