Roadmovie auf Papier

Ich mag Roadmovies. Die haben etwas Geradliniges. Selbst, wenn die Handlung Kurven und Schnörkel macht, hat man doch den Eindruck, es ginge immer geradeaus, auf ein einziges Ziel zu. Oder auch nicht. Manchmal scheint ein Ziel zu fehlen. Und doch … Immer geradeaus …

Immer geradeaus geht es auch in Wolf Wellings »Wanderer«. In der Handlung der Geschichte geht es um ein Ziel – jeden Abend muss die Gruppe Wanderer auf einer unbekannten, etwas seltsamen Welt einen Punkt erreichen, an dem es Nahrung und Übernachtungsmöglichkeiten gibt. Und am nächsten Tag geht es weiter – ohne Ziel. Sic!
Was die Geschichte zu einem Roadmovie macht, sind die Figuren, die aus dem täglichen Trott ausbrechen und versuchen, herauszufinden, was sich da eigentlich abspielt.
Interessanterweise spielt die Frage, wie und wieso die Menschen auf diesen Planeten geschafft wurden, nur eine sehr untergeordnete Rolle. Künstler scheinen sie alle zu sein, alle aus der gleichen Gegend. Ein bisschen wie ein Versuch mit Ratten und Mäusen … Aber das bleibt unklar, und darum geht es auch gar nicht.

Welling, Wolf, WANDERER

Keine Eulen, kein Athen

Über Rainer Erler Weisheiten zu verbreiten, ähnelt wohl dem Versuch, Eulen nach Athen zu tragen. Wer ihn – und sein Werk – nicht kennt, so postuliere ich, hat von Science-Fiction keine Ahnung, und von deutscher SF zweimal nicht.
Sein »Blaues Palais« habe ich damals, Ende der 70er, Anfang der 80er gesehen, als ich meine Karriere als aktiver SF-Fan gerade im PRBCBS begann. Sein laut Kritikern bestes und bekanntestes Werk »Fleisch« habe ich erst sehr viel später gesehen. Und wann ich die »Operation Ganymed« und »Die Delegation« zum ersten Mal gesehen habe, weiß ich nicht mehr genau.
Sicher ist, dass ich mir sein Filmwerk noch einmal gegönnt habe, als ich – von ihm höchstpersönlich – die Erlaubnis erhielt, seine SF-Titel neu aufzulegen. Und meine Wahl für das erste Buch fiel auf meine heimlichen Lieblingsfilme, die fünf Folgen des »Blauen Palais«.
Das mit 642 Seiten nicht gerade dünne Buch ist ein finanzielles Risiko, zugegeben. Andererseits kaufen Hinz und Kunz die dicksten Fantasyschinken, wenn die richtigen Namen draufstehen – und bei einem Rainer Erler auf dem Cover sollten die Verkäufe doch in Ordnung gehen. Meine Entscheidung basierte auch darauf, dass sich EIN Buch trotz höherem Preis vielleicht besser verkaufen lässt, als FÜNF niedrigpreisigere Bücher, die alle zusammen letztlich teurer wären. So vermeide ich immerhin auch, dass der eine Titel sehr gut und ein anderer Titel gar nicht geht.
Und immerhin ist das Buch nicht einfach nur eine Neuauflage, sondern eine durchkorrigierte und auf neue Rechtschreibung umgestellte Neuausgabe. Man wird also sehen.

Erler, Rainer, DAS BLAUE PALAIS

Amazon will das nicht wissen

Arno von Rosen hat über Frank Gerigks »Gesetztheiten« geschrieben:

»Science-Fiction-Geschichten habe ich schon Tausende gelesen, ob ganze Reihen oder nur Kurzgeschichten, schon in Kindertagen. Die Aussicht auf ferne und vor allem fremde Welten hat mich schon immer fasziniert. Leider schrieb niemand mehr Geschichten wie Asimov, Heinlein oder A. E. van Vogt, doch nun habe ich zu meinem Glück jemanden gefunden, der es wirklich geschafft hat, mich wieder in die alten Zeiten zurück zu versetzen und zwar im modernen Stil, mit all den guten Zutaten, welche einen Träumen lassen von der Zukunft oder einem Angstschauer über den Rücken laufen lassen: Frank. G. Gerigk hat eine großartige Sammlung von Kurzgeschichten auf den Markt gebracht und mich immer mit einem Twist in jeder Geschichte abgeholt. Wäre ich Kritiker würde ich so etwas schreiben wie, »Seine neologistischen Worte mäandern durch die Topografie der Zeit«, aber zum Glück bin ich Leser. Eine feine Recherche zu wirklich jedem Thema, ohne dabei den Lehrer raushängen zu lassen, gefiel mir sehr gut, denn so kommen einem die Stories wirklich lebensnah vor, nur eine handbreit davon entfernt, sich dorthin zu wünschen! »Gesetztheiten« ist ein absolutes MUSS für jeden Sci-Fi Fan.«

Aus unerfindlichen Gründen konnte die Rezi bei Amazon, wo sie veröffentlicht werden sollte, nicht gespeichert werden. Nun gut — Amazon ist doof, ich bin es nicht :)

Gerigk, Frank G., GESETZTHEITEN

Erinnerungen und Anspielungen

Krimis aus den 40ern und 50ern sind eigentlich nicht mein Fall. Sie sind mir irgendwie … hm, zu ernsthaft. Jedenfalls die, die ich kenne. Wenn ein Cary Grant die Hauptrolle spielt, lasse ich mich schon mal breitschlagen, ansonsten …

Rüdiger Schäfers und Michael Buchholz‘ »Die Wellensittichmorde«, die als Band 8 des gemeinsam mit Kai Beisswenger zu verantwortenden Imprints »Zwischen den Stühlen« erschienen sind, spielt in den 50er Jahren – genauer ab 1954 –, aber auch wenn das Handlungsgerüst alle Elemente aufweist, die zu einem guten alten Schwarz-Weiß-Krimi passen würde, gibt es einen großen Unterschied: Humor, Satire, Sachen, die einen lachen machen. Und dazu gehören nicht nur die beiden Privatschnüffler – die wie Thomas Magnum lieber als Privatdetektive bezeichnet werden wollen –, deren Namen noch leicht zu handhaben sind, sondern auch die Namen mancher Hauptfiguren, wie der beiden Damen Lady Eleonore Greensborough-Winthersleigh und Kathlin-Joanne McToothbone-Afterbrook, die einen unweigerlich an Evelyn Hamann und ihre englische Serien-Ansage erinnern. Der Roman, der quasi zweigleisig abläuft, strotzt vor Verballhornungen und Anspielungen auf alles Mögliche, nicht nur auf Schnüfflerkollegen, sondern sprichwörtlich auf alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Gleichzeitig sind aber alle Elemente vorhanden, die für so eine Geschichte wichtig sind: hübsche Sekretärinnen, ansehnliche amerikanische Schlachtschiffe … ähm, Straßenkreuzer, es fehlt wirklich nichts.

Am Ende hat man jedenfalls nicht nur erfahren, was und vor allem wer hinter den Wellensittichmorden steckt, sondern man erfährt auch noch die Entstehungsgeschichte des Romans und natürlich auch etwas über Rüdiger Schäfer, den leider schon verstorbenen Michael Buchholz und den genialen Zeichner Gerd Domin, der mit seinen Zeichnungen der so schon gut gewürzten Story noch den letzten Kick verpasst.

Schäfer, Rüdiger & Buchholz, Michael H., DIE WELLENSITTICHMORDE

Jetzt erst recht

Es wird mich nicht wundern, wenn sich jemand wundert, dass Norbert Stöbe seinen zweiten Roman in der p.machinery veröffentlicht hat: »Black Box«, ein echtes kleines Meisterwerk nach meinem Dafürhalten. Und warum sollte sich auch jemand wundern …?
Nun, ganz einfach. Norbert Stöbe war es wohl, der im April 2021 mit einem Kommentar zu einem Beitrag von Dirk Alt in NOVA 30 zumindest einen Teilauslöser zu einer breiten und letztlich nicht sehr schönen Diskussion – inkl. Hetzkampagne auf Facebook und Konsorten, gefolgt von zwölf Strafanzeigen in Sachen §§ 185 ff. StGB – vorstellte. Zunächst hätte ich selbst angenommen, dass es das dann war, das mit Stöbe und der p.machinery.

Ich habe mich nicht gewundert, als Norbert wieder auf mich zukam. Mit einem neuen Roman. Ich habe mir abgewöhnt, mich über irgendwas zu wundern, vor allem dann, wenn es mir gefällt. Norbert hat sich mit keinem Wort auf das NOVA-30-Ding bezogen, und das war und ist völlig in Ordnung. Nicht nur, weil es Vergangenheit ist, alte Kamellen, die nicht wieder angelutscht werden müssen. Und dass er mir seinen neuen Roman »Black Box« angeboten hat, hat mir auch gezeigt, dass er mir – und damit ganz am Ende auch der NOVA-Mannschaft (die ja längst auch ohne Dirk Alt auskommt) – nicht gram ist und offensichtlich kein Problem hat, noch einmal in einem Verlag zu veröffentlichen, der von so manchem Böswilligen seinerzeit – incl. seinem Verleger – in die rechte Ecke gerückt wurde. Im Gegensatz zu vielen anderen Protagonisten des NOVA-30-Theaterstücks war und ist Norbert wohl objektiv genug eingestellt, seine Kritik an Dirk Alts Beitrag damals als Kritik an Dirk Alts Beitrag gemeint zu haben.

Wie auch immer … Das sind, wie gesagt, alte Kamellen. Norberts neues Buch »Black Box« ist indes nicht nur neu, sondern richtig, richtig gut. Ein Stück Science-Fiction, wie es sein sollte, dazu noch mit einer Prise Thriller und einem Schlückchen Mystery, eine Mischung, die selbst mich beim Lesen, bei den Textvorbereitungsarbeiten zum Layout und beim Layout selbst sehr stark fasziniert hat, was unter anderem daran erkennbar war, dass ich bei der Arbeit mal ausnahmsweise kein TV-Programm laufen hatte – was sonst immer läuft –, sondern Musik, sodass ich völlig ablenkungsfrei im Text sein konnte.

Ich bin natürlich kein Hellseher – und durchaus froh drum –, aber ich möchte meinen, dass der Roman gute Chancen auf eine Nominierung im DSFP oder KLP – oder beiden – im Jahre 2024 hat.

Stöbe, Norbert, BLACK BOX

Alt und gut

Für mich sind solche Entscheidungen einfach. Nicht nur, weil ich den Spruch »Alt, aber gut« kenne – und beherzige. Beim Zillig fällt es einmal mehr leicht, eine Entscheidung zu treffen. Und nachdem ich den Roman »Die Parzelle« im Rahmen der Produktion dieses Buches gelesen habe, bin ich umso mehr davon überzeugt, dass die Neuausgabe nicht nur eine gute Idee, sondern in unseren Zeiten fast eine Notwendigkeit war.

Das Buch ist politisch. Weil es vierzig Jahre alt ist, geht es natürlich nicht auf aktuelle Ereignisse ein – und das hat es auch Anfang der Achtzigerjahre nicht getan. Aber die Anspielungen waren damals und sind heute durchaus aktuell. Denn in einer Zeit, in der man subjektiv den Eindruck hat, die Zahl der Diktaturen nähmen weltweit quasi täglich zu, die Rechte der Menschen würden immer stärker und immer umfangreicher unterdrückt, die Zahl kriegerischer Konflikte erführen ständigen Zuwachs – in einer solchen Zeit ist eine Utopie, die die Idee menschlicher Freiheiten propagiert, durchaus zeitgemäß. Und notwendig.

Und Werner Zillig macht es dem Leser durchaus nicht einfach. Denn von dieser Freiheitsutopie sollte man sich nicht uneingeschränkt begeistern lassen. Da gibt es durchaus den einen oder anderen Haken. Und Ösen.

Erwähnenswert ist noch eine Anekdote zum Titelbild. Rainer Schorm schuf es eigentlich spiegelverkehrt. Und mit glasklaren Elementen. Vorne drauf das Abbild einer jungen Frau, hinten drauf der Würfel, der nun das Frontcover ziert. Denn Werner Zillig gefiel das Mädchen nicht, der Bezug zur Figur der Eva im Roman schien ihm zu deutlich. Und das Bild war ihm nicht unscharf genug. Am Ende wurde das Cover einfach gespiegelt und es bekam noch einen Filter verpasst, der es – bis auf den Würfel – verschwommener machte. Das Mädchen – das man unten nicht sieht – ist nun praktisch nicht mehr erkennbar, woran dann am Ende auch noch der Text auf der Buchrückseite nicht unschuldig ist. Ja, man könnte das alles kritisieren. Aber so, wie es jetzt ist, passt es. E basta!

Zillig, Werner, DIE PARZELLE

[DSFP 2023] Die Nominierungen

Völlig unerwartet mailt mir Yvonne Tunnat, die unermüdliche Rezensionsnerdista :), gestern abend, dass drei Werke aus meinem Verlagsprogramm für den Deutschen Science-Fiction-Preis (DSFP) 2023 nominiert worden sind, als da wären im Bereich »Beste deutschsprachige Kurzgeschichte«

  • »Fast Forward« von C. M. Dyrnberg, erschienen in »Nova 31«, p.machinery, ISBN-13 978-3-95765-270-6, ISSN 1864-2829
  • »Briefe an eine imaginäre Frau« von Michael K. Iwoleit, erschienen in »Nova 31«, p.machinery, ISBN-13 978-3-95765-270-6, ISSN 1864-2829

und beim »Besten deutschsprachigen Roman«

  • »Titans Kinder« von Aiki Mira, p.machinery, 195 Seiten, ISBN 978-3-95765-294-4

wobei die Romannominierung fast schon als erwartbar eingestuft werden darf.

Ich freue mich natürlich sehr — für meine Autoren und meinen Verlag, und drücke nun im Geiste die Daumen für die Preisvergabe. Die Preise werden auf dem BuCon am 21.10.2023 vergeben.

DSFP 2023: Die Nominierungen

 

[Malta:] Erleben und genießen

Ich liebe Malta. Die Gelegenheiten, dorthin zu reisen, sind viel zu selten. Tatsächlich war ich das letzte Mal 2009 dort — vor 14 Jahren. Mein Gott.
Anke Jablinski, eine Autorin meines Verlags und derzeit praktisch meine Reihe »ErlebnisMalta« dort, ist nicht nur immer wieder — man könnte auch lästern: ständig :) — auf den Inseln, sondern auch daheim in Berlin rührig und aktiv.

Siehe auch hier.

[Fotostrecke:] Focke, Schneidewind und die Volksbad-Lesung

Die beiden haben gelesen – es wurde berichtet (siehe vorherigen Beitrag): Kai Focke (links, ohne Bart) und Friedhelm Schneidewind (rechts, mit Bart <g>). Die Bilder hat Friedhelm eingeschickt. Zum Einstieg der Büchertisch:







Die Links zu den Büchern finden sich im vorherigen Beitrag. Und erwerben kann man sie am einfachsten in unserem Buchladen.

Focke und Schneidewind und Mannheim

Kai Focke hat diese Einladung zu einer gemeinsamen Lesung mit Friedhelm Schneidewind geschickt:

Er hat in einer Begleitmail noch zwei Hinweise angefügt:
Da die Parksituation vor Ort erfahrungsgemäß angespannt ist, empfiehlt sich die Anfahrt mit dem ÖPNV (Haltestelle: Mannheim Neumarkt, RNV-Linie 2).
Getränke bitte selbst mitbringen — es wird vor Ort kein Catering geben.

Frambach, Sabine & Focke, Kai (Hrsg.), STAUBKORNFEE TRIFFT ICH-MASCHINE

Frambach, Sabine & Focke, Kai, TÜREN, TORE & PORTALE

Schneidewind, Friedhelm, BRENNENDE LABYRINTHE